DWD -> Wochenvorhersage WETTERGEFAHREN Deutschland –

Wochenvorhersage WETTERGEFAHREN Deutschland

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 30.09.2019, 21:00 Uhr

Unbeständig, teils sehr nass und zeitweise windig.

Entwicklung der WETTER- und GEFAHRENLAGE
bis Mittwoch, 02.10.2019, 24:00 Uhr

Am Dienstag von Nordwesten auf den Norden übergreifend kräftiger Regen, geringe Wahrscheinlichkeit für Dauerregen im Nordwesten, um 25 mm in 12 Stunden. Am Südrand des Regens durch eingelagerte konvektive Verstärkungen aber Starkregen wahrscheinlich und einzelne Gewitter. Auch auf den Westen und die Mitte übergreifend einzelne Gewitter, dabei Gefahr von Sturmböen bis Bft 9. Im Bergland vermehrt stürmische Böen und Sturmböen wahrscheinlich.
In der Nacht zum Mittwoch auf exponierten Berggipfeln Sturmböen bis Bft 9. Außerdem an der Nordfriesischen Küste stürmische Böen bis Bft 8.
Mit geringer Wahrscheinlichkeit im Westen, Südwesten und in Teilen der Mitte einzelne Gewitter, dabei stürmische Böen bis Bft 8.

Am Mittwoch an der See und im Bergland stürmische Böen oder Sturmböen aus Nordwest. Am Alpenrand durch Stau Dauerregen wahrscheinlich, um 30 mm in 12 bis 24 Stunden. An der See vereinzelt Gewitter mit Sturmböen gering wahrscheinlich.

Weitere Entwicklung der WETTER- und GEFAHRENLAGE
bis Freitag, 04.10.2019

Am Donnerstag auf exponierten Berggipfeln sowie an der See mit geringer Wahrscheinlich noch einzelne stürmische Böen. Sonst keine markanten Wettergefahren.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag Sturmböen auf exponierten Mittelgebirgsgipfeln nicht ausgeschlossen. In Staulagen des zentralen Mittelgebirgsraumes einsetzender, länger anhaltender Regen, allerdings wahrscheinlich kein Überschreiten der
Dauerregenwarnschwellen.

Ausblick bis Sonntag, 06.10.2019

Am Samstag und Sonntag zeitweise auffrischender Wind, Sturmböen mit geringer Wahrscheinlichkeit an der See und auf Berggipfeln. Am Sonntag an den Alpen Dauerregen nicht ausgeschlossen.

Nächste Aktualisierung: spätestens Dienstag, 01.10.2019, 05:00 Uhr

DWD/VBZ Offenbach

DWD -> WARNLAGEBERICHT für Deutschland –

VHDL30 DWOG 301800
Warnlagebericht für Deutschland
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 30.09.2019, 21:00 Uhr

Vorübergehend abflauender Wind, nur an einigen Küstenabschnitten noch Windböen. Am Dienstag erneut auffrischend mit Sturmböen in höheren Berglagen.

Entwicklung der Wetter- und Warnlage für die nächsten 24 Stunden bis Dienstag, 01.10.2019, 21:00 Uhr:

Ein kleinräumiges Tief ist ins Baltikum abgezogen. Vorübergehend hat sich Zwischenhocheinfluss durchgesetzt, ehe in der Nacht ein neuer Tiefausläufer auf den Westen übergreift.

WIND- und STURMBÖEN:
Abflauender Wind. Nur an einigen Küstenabschnitten noch Windböen bis Bft 7.
Am Dienstag in der Mitte und im Südwesten starke, vereinzelt stürmische Böen (Bft 7 bis 8). In den Kamm- und Gipfellagen Sturmböen bis Bft 9.

STARKREGEN:
Ab Dienstagfrüh im Nordwesten gebietsweise Starkregen mit mehr als 25 mm innerhalb weniger Stunden.

GEWITTER:
Am Dienstag in der Südwesthälfte einzelne Gewitter. Dabei lokale Sturmböen, Starkregen. Einzelne schwere Sturmböen nicht
ausgeschlossen.

Nächste Aktualisierung: spätestens Dienstag, 01.10.2019, 05:00 Uhr

Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Thomas Schumann

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.09.2019 um 10.30 UTC

Unbeständig, teils sehr nass und zeitweise windig. Kühl. Wetterberuhigung im
Laufe der kommenden Woche?

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 07.10.2019

In der Mittelfrist nistet sich über Ostgrönland und dem Nordmeer eine positive
Geopotenzialanomalie ein, gestützt durch WLA auf der Vorderseite eines sich
immer wieder regenerierenden Höhentiefkomplexes über dem Nordwestatlantik vor
Neufundland. Diese Höhenantizyklone blockiert die Westdrift zwar insofern, dass
die „großen Wellen“ (also die Langwellentröge oder großräumigen
Höhentiefkomplexe) wenig effektive Progression aufweisen. Jedoch „rutschen“
südlich der Antizyklone, begünstigt durch eine gut ausgeprägte Fontalzone mit
kräftigen Jet, immer wieder Kurzwellen über den Atlantik bis nach Europa durch.
Entsprechend setzt sich das unbeständige Wetter in Deutschland fort. Nasse und
windige bis stürmische Phasen wechseln sich mit kurzen ruhigen, vor allem nach
Süden zu mitunter freundlichen Phasen ab. An dieser Stelle muss allerdings
vehement betont werden, dass die extratropische Umwandlung von Hurrikan LORENZO,
die zum Ende der Kurzfrist beginnt und zu Beginn der Mittelfrist endet, für
große Unschärfen hinsichtlich des genauen Wetterablaufs sorgt!

Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag befindet sich Deutschland zwischen einem
Trog, der ausgehend von einem Höhentief über nördlichen Ostsee bis nach Tunesien
reicht, und einem sich zusehends abflachenden Rücken, der mit seiner Achse nach
Frankreich und zur Nordsee schwenkt, in einer nordwestlichen Höhenströmung. Im
Bodenniveau schiebt sich durch NVA auf der Vorderseite des Rückens ein Hochkeil
von Westen nach Süddeutschland. Wenn die letzten Stauniederschläge an den Alpen
abgeklungen, sorgt der Hochdruckeinfluss im Süden für trockenes, mitunter
freundliches Wetter. Ansonsten herrscht unter Trogeinfluss noch mehr oder
weniger rege Schauertätigkeit, für Gewitter reicht die Labilität aber
voraussichtlich nicht mehr aus. Zwischen dem Keil und dem mit dem Trog
korrespondierenden Tiefdruckkomplex über dem Baltikum und Nordwestrussland
fließt aus West bis Nordwest erwärmte, maritime Polarluft nach Deutschland (0
bis 2 Grad auf 850 hPa), sodass das Quecksilber bei maximal 15 oder 16 Grad
hängen bleibt.

Am Freitag schwenkt der Rücken unter fortschreitendem Konturverlust ostwärts
über Deutschland hinweg. Im folgt zum Tagesende eine Kurzwelle, die sich aus
Resten von Ex-Hurrikan LORENZO speist. Im Bodenniveau löst sich Ex-LORENZO über
Schottland derweil auf, allerdings wird am Okklusionspunkt des
korrespondierenden Frontensystems ein Teiltief über der Nordsee gebildet, das in
der Nacht zum Samstag nach Norddeutschland zieht. Die Wetterwirksamkeit des
Rückens hält sich sehr in Grenzen, denn die verbleibenden Schauer über der
Nordhälfte gehen durch aufkommende WLA im Vorfeld der okkludierten Front von
Nordwesten alsbald in Regen. Bis zum Abend sowie in der Nacht zum Samstag regnet
es mit Übergreifen der Front schließlich verbreitet leicht bis mäßig, am
längsten trocken und teils freundlich bleibt es noch im Südosten. Mit der auf
Südwest drehenden Strömung wird zwar etwas mildere Biskayaluft herangeführt (auf
850 hpa 1 bis 5 Grad), was sich aber kaum im Temperaturniveau in 2 Meter Höhe
bemerkbar macht.

Am Samstag schwenkt die Kurzwelle rasch südostwärts durch, gefolgt vom nächsten
Rücken, der mit seiner Achse bis zum Abend Westdeutschland erreicht. LORENZOs
Teiltief (nach Nomenklatur der FU Berlin wäre das LORENZO II), zieht weiter ins
östliche Mitteleuropa und hinterlässt uns seine Front, die durch fehlende
Schubkomponente in der nordwestlichen Höhenströmung über der Mitte quasi
stationär wird. Im Verlauf geht sie sogar wieder in die Warmfront eines
Sturmtiefs über der Irmingersee über und wird folglich rückläufig. Die
Regenfälle quer über der Mitte Deutschlands halten daher an. Ob es für
warnwürdige Mengen reicht bleibt abzuwarten. Zumindest in Staulagen der
Mittelgebirge ist das aber nach diesem Szenario sicherlich nicht auszuschließen.
Während es nordöstlich des „Regenstreifens“ unter Trogeinfluss zu Schauern
kommt, stehen die Chancen weiter südwestlich nicht schlecht, dass es unter
Hochdruckeinfluss trocken bleibt und sich auch die Sonne längere Zeit zeigen
kann. Die niedertroposphärische Erwärmung macht in der Südwesthälfte weitere
Fortschritte (5 bis 8 Grad in 850 hPa, Tmax mit Sonne knapp 20 Grad am
Oberrhein), in der Nordosthälfte kaum bis gar keine (0 bis 5 Grad in 850 hPa,
Tmax <15 Grad).

Am Sonntag tropft ein neuer Trog über den Britischen Inseln ab, das
resultierende Cut-Off verlagert sich über Benelux und die Westalpen nach
Oberitalien. Über Großbritannien vollzieht sich auf der Trogvorderseite eine
Okklusionspunkt-Zyklogenese, das daraus folgende Teiltief zieht über die Nordsee
nach Deutschland. Südlich er Alpen forciert das Cut-Off eine weitere
Zyklogenese. Summa Summarum verstärkt sich der zyklonale Einfluss am Sonntag
sogar nochmal, es regnet verbreitet, mitunter schauerartig verstärkt. Vor allem
nahe des Cut-Offs im Westen sind auch die ein oder anderen kurzen Gewitter mit
von der Partie. Ansonsten drängen sich warnwürdige Niederschlagsmengen aber
nicht auf, am ehesten an den Alpen könnten staubedingt Warnschwellen gerissen
werden. Die temperaturtechnische Qualität der Luftmasse ändert sich kaum,
allerdings bleiben die Höchsttemperaturen durch die zeitweiligen Regenfälle
häufig hinter denen des Vortages zurück.

Bleibt als warnwürdiges Wetterelement noch der Wind, der Freitag bis Sonntag im
Umfeld der Teiltiefs zeitweise auffrischt. Eine größere Sturmlage scheint
allerdings nach jetzigem Stand nicht mehr ins Haus zu stehen, einzelne Sturmböen
sind am ehesten an der Küste sowie auf exponierten Berggipfeln zu erwarten.

Am Montag und in der erweiterten Mittelfrist deutet sich der Vorstoß eines
umfangreicheren Azorenhochkeils an. Vor allem die Südhälfte würde von
freundlicherem und trockenem Wetter profitieren, während die Nordhälfte
insgesamt anfällig gegenüber „frontaler Streifschüsse“ bleiben würde.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der neusten IFS-Modellläufe ist schon zu Beginn der Mittelfrist
als eher schlecht zu bezeichnen. Großer Unsicherheitsfaktor ist und bleibt
Hurrikan LORENZO und dessen Umwandlung zu einem außertropischen Tief. Die
Entwicklung (Ausprägung und Zugbahn) des tropischen Sturms und dessen Einfluss
auf unser Wetter ist nach dessen Umwandlung hochgradig unsicher. In den
IFS-Simulationen von gestern sollte LORENZO noch nach Westeuropa gesteuert
werden und sich über Frankreich auflösen. Im neusten Modelllauf von heute 00UTC
dreht LORENZO als Orkantief schon vor Irland auf einen Nordkurs, um im weiteren
Verlauf nach Schottland abzudrehen, wo er sich schließlich auflöst.
Prognoserelevante Unterschiede ergeben sich für Deutschland dahingehend, dass
nach dem neuen Lauf ein Teiltief von LORENZO über die Nordsee nach
Norddeutschland zieht und bis in den Samstag gebietsweise zu kräftigen
Regenfällen (bis knapp an die Dauerregenwarnschwellen) führt. Die nach den
beiden Vorläufen angedachte Wetterberuhigung zum Wochenende würde nur Rudimentär
ausfallen, dafür läge das Temperaturniveau im jüngsten Lauf über dem der
Vorläufe (geringere Frost-/Bodenfrostgefahr).
Auch danach zeigen sich Unterschiede in Timing und Ausprägung der weiteren von
Westen übergreifenden atlantischen Frontensysteme, wenngleich die Fortsetzung
des wechselhaften Witterungsabschnittes offensichtlich recht sicher ist.
In der erweiterten Mittelfrist fahren die beiden neusten IFS-Läufe im Gegensatz
zum gestrigen 00UTC-Lauf eine etwas antizyklonalere Schiene (trockener +
wärmer).

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Erwartungsgemäß haben auch die anderen großen Globalmodell so ihre Probleme mit
der Entwicklung von (Ex-)Hurrikan LORENZO. Erstaunlicherweise simulieren sowohl
GFS als auch ICON ein von den Britischen Inseln nach Deutschland ziehendes
Teiltief von LORENZO und ähneln sich in ihren Simulationen für das Wochenende
damit sehr. Zugegebenermaßen gibt es aber im Detail durchaus Differenzen. So
rechnet IFS(00UTC) sowohl das Teiltief als auch die korrespondierende Kurzwelle
etwas stärker als GFS und ICON, entsprechend stärker fallen auch die
Wettererscheinungen im IFS-Lauf aus (GFS und ICON mit weniger Regen am Freitag
und Samstag).
Auch danach sind sich die Modelle zumindest dahingehend einig, dass weitere
zyklonale „Angriffe“ von Westen in Form von Trögen und Fronten erfolgen und sich
das wechselhafte, teils sehr nasse Wetter fortsetzt. Dass weder ICON noch GFS am
Sonntag ein Cut-Off simulieren, sondern die Tröge „glatt“ über Deutschland
hinwegschwenken lassen, hat keine großen prognoserelevanten Unterschiede zur
Folge.
Allerdings bleibt zu betonen, dass die Prognosegüte der deterministischen
Modelle trügen kann, solange die extratropische Umwandlung von LORENZO nicht
abgeschlossen ist.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Ensemblevorhersagen bestätigen die alleine schon aus der
Konsistenzbetrachtung der deterministischen IFS-Vorhersagen abgeleiteten
Unsicherheiten in der Mittelfrist. So nimmt der Spread des Geopotentials und der
850-hPa-Temperaturen schon zu Beginn der Mittelfrist signifikant zu. Allerdings
zeigen die meisten Ensemblemitglieder des IFS-EPS ein für eine zyklonale
Westwetterlage typisches Auf- und Abschwingen des Geopotentials bei
regelmäßigen, teilweise deutlichen Niederschlagssignalen bis mindestens
Wochenbeginn. Der Spread ergibt sich vornehmlich aus Phasenverschiebungen des
Trog-Rücken-Musters sowie Unterschieden in den Wellenlängen. Bei der
850-hPa-Temperatur zeigt die Mehrheit der Member ein tendenzielles langsames
Ansteigen der Temperatur (von rund 0 auf rund 5 Grad bei seichtem Auf- und
Abwippen), einige wenige „stürzen“ ab Samstag aber auch in ein größeres
Temperaturtal (<0 Grad).

Für den Zeitraum +72-96h liefert das EPS-Clustering 3 Cluster (21[Det.], 16, 14
Member), die sich nur in der Simulation des ehemaligen Hurrikans LORENZO
signifikant unterscheiden. Die ersten beiden Cluster lassen LORENZO nach
Großbritannien ziehen (siehe oben), der letzte Cluster in Richtung Biskaya
(entspricht in etwa dem gestrigen IFS-00UTC-Lauf.

Für den Zeitraum +120-168h werden 4 Cluster (18[Det.], 16, 10, 7 Member)
angeboten. In den ersten beiden Clustern erfolgt ein Trogvorstoß nach
West-/Mitteleuropa in Form eines Cut-Offs, in den anderen beiden Clustern in
Form eines an die Frontalzone angebundenen Kurzwellentroges (ICON/GFS-Variante)

Für die erweiterte Mittelfrist bläht sich das Clustering auf 5 Cluster auf (20,
11[Det.], 8, 7, 5 Member). Die ersten beiden Cluster (31 Member!) lassen einen
Rücken ausgehend von Südwesteuropa nach Mitteleuropa ausgreifen
(antizyklonaleres Wetter). Der dritte Cluster simuliert ein ausgeprägtes
Höhentief (Ostlage, im Süden zyklonal), die letzten beiden (12 Member) eine
Fortdauer der zyklonalen Westlage.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Wahrscheinlichkeiten für markante Wetterscheinung ist über die gesamten
Mittelfristzeitraum eher gering.

Allerdings sollte man bei dieser dann doch recht nassen Witterung die
Niederschlagsmengen im Auge behalten. Gerade in Staulagen der Mittelgebirge (vor
allem Freitag/Samstag) und der Alpen (Sonntag/Montag) könnten Warnschwellen
gerissen werden.

Der Wind frischt im Umfeld der o. e. Teiltiefs zwar zeitweise auf, Sturmböen
sollten aber auf Berggipfel und exponierten Küstenabschnitte beschränkt bleiben.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS (00UTC), IFS-EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 300800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.09.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
W z

Heute am Montag zunächst Wind- bzw. Sturmlage, von Westen her aber rasche
Beruhigung. Am Dienstag im Norden Dauerregen gering wahrscheinlich, sonst teils
linienhaft Gewitter mit Starkregen und Sturmböen. Am Mittwoch an den Alpen
Dauerregen wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… liegen wir in einer westlichen Strömung, wobei am Rand eines
Langwellentroges über Skandinavien ein kleines, aber kräftiges Tief (mit Zügen
einer Shapiro Keyser Zyklone) von der westliche Ostsee rasch zum Baltikum
abzieht. Es verstärkt sich aktuell noch leicht, was u.a. an der Lage vor einem
kurzwelligen Randtrog liegen dürfte. Letztlich kommt aber der Umstand zum
Tragen, dass sich das Tief zügig entfernt, so dass sich rückseitig mit
Annäherung eines flachen Höhenrückens Zwischenhocheinfluss durchsetzt. Womit
sich das Wetter rasch wieder beruhigt und Auflockerungen bei geringer
Schauerneigung die Oberhand gewinnen.

Bevor es soweit ist, weitet sich der stärkste Gradient auf der Rückseite des
Tiefs – an einem markanten Bodentrog gekoppelt und gestützt durch einen Low
Level Jet (60 kt in ca. 900 hPa) – von der Nordsee und der Mitte Deutschlands
weiter in den Nordosten aus. Dabei können dort Böen der Stärke 8 bis 9,
vereinzelt Bft 10 auftreten. Bei schauerartigen Einlagerungen in den dort
fallenden Regen sind auch Bft 11 nicht ausgeschlossen, aber wohl
unwahrscheinlich.
Der schauerartige Regen im Norden, gestützt vor allem durch kräftige PVA zieht
in den Mittagsstunden über die Oder nach Osten ab. In der feuchten Luftmasse,
bei teils kräftiger Hebung sind teils hohe Stundensummen zu verzeichnen, die
zwar nicht in kurzer Zeit, aber mehrstündig zunächst für Starkregen gut sein
können.

Im Tagesverlauf greift, wie oben beschrieben von Westen her die Beruhigung.
Aktuell ist sie schon im Südwesten spürbar, dorthin weitet sich schon der
Hochkeil aus, und im Laufe des Nachmittags und Abendsfasst sie auch im Nordosten
Fuß. So fächert der Gradient allmählich auf, sodass der Sturm von Westen her
nachlässt.
Der Norden und Nordosten bleibt jedoch zunächst noch unter Trogeinfluss, mit
einzelnen Schauern und vielleicht in Nordseenähe und über dem Wasser (Diabasie)
auch vereinzelten Gewittern.
Im Laufe des Abends setzt im Südwesten vor dem nächsten Tief schon wieder WLA
mit entsprechender Aufzugbewölkung ein.

In der Nacht zum Dienstag koppelt ein vom Atlantik kommendes Cut-Off-Tief an den
skandinavischen Trog. Das zugehörige Bodentief weitet sich in einer
Tiefdruckrinne von GB nach Norddeutschland aus. Dort wird durch die Kopplung an
den Langwellentrog Frontogenese ausgelöst, wodurch sich eine im Temperaturfeld
markante Front bildet, die über den Norden Deutschlands verläuft. Dabei setzen
im Norden von Westen her durch kräftige Warmluftadvektion teils ergiebige
Regenfälle ein, die 6-stündig 10 bis 15 mm Regen bringen können. Dazu frischt
der Wind an der Südflanke wieder auf mit ersten stürmischen Böen im Bergland,
exponiert teils schwere Sturmböen.

Dienstag… über Mitteleuropa ergibt sich an der Südflanke der Tiefdruckrinne
eine kräftige westliche Strömung, in der eine subtropische Meeresluftmasse
herangeführt wird (850-hPa-Temperatur ~ 10 °C). Nur ganz im Norden Deutschlands
dringt an der Nordflanke der Rinne eine kalte Luftmasse von Skandinavien her
ein.

Ansonsten verläuft in tieferen und mittleren Schichten der Jet nun über
Deutschland. Bei dem stärker werdenden Gradienten an der Südflanke des Tiefs
nimmt der Wind in 850 hPa auf 40 bis 50 kt zu.
Trotz zunächst relativ stabiler Schichtung sollte dies in der Mitte für einzelne
stürmische Böen bis in tiefe Lagen reichen. Im Tagesverlauf erfolgt im
Warmsektor des Tiefs eine leichte Labilisierung der Schichtung, da es von der
Höhe her etwas stärker abkühlt, als dass in Bodennähe ebenfalls von Westen her
der Fall ist.

So kann sich wahrscheinlich genug CAPE für einzelne Gewitter aufbauen, die sich

  • bedingt durch die hohe Scherung – in Linien organisieren können. Dabei besteht
    die Gefahr von lokal schweren Sturmböen, aber auch von vereinzeltem Starkregen.
    Die eigentliche Frontalzone befindet sich aber weiter nördlich über dem Norden
    Deutschlands. Dort hat der Regen bereits am Morgen den Nordosten erreicht und
    zieht erst im späteren Tagesverlauf zur Ostsee und nach Polen ab. An der
    Südflanke des Regens können durch Warmlufteinschub einzelne Gewitter mit
    Starkregen eingelagert sein. In 12 Stunden liefern die Modelle
    Niederschlagsmengen (im skaligen Bereich) meist unter den Warnschwellen, sie
    liegen meist bei 10 bis 20 mm. Nur im Nordwesten hat ICON in 18 Stunden 30 bis
    40 mm auf der Karte, steht damit aber alleine da. Die Wahrscheinlichkeiten für
    ein Überschreiten von Warnschwellen ist meist nur gering, lediglich Cosmo Leps
    hat im Nordwesten etwas mehr auf der Karte (24-stündig).

In der Nacht zum Mittwoch weitet sich der über Skandinavien liegende Trog
südwärts aus, wodurch eine südwestliche, aber stark zyklonale Strömung mit einem
Trog über Mitteleuropa bestehen bleibt. Hierdurch rückt die Kaltfront schleifend
bis in den südlichen Mittelgebirgsraum vor, wobei mit Frontpassage vor allem im
Bergland Wind- und exponiert stürmische Böen auftreten können. Postfrontal dreht
die bodennahe Strömung auf Nord bis Nordwest, was auch an der Nordsee wieder
Wind- und an der Nordfriesischen Küste stürmische Böen aufkommen lässt.
Ansonsten sollte der Wind nicht mehr warnrelevant sein, da der Gradient von
Westen her deutlich auffächert.
Da die Kaltfront zusehends von Kaltluftadvektion überlaufen wird, lässt auch die
Wetterwirksamkeit der Front nach, so dass eventuell entsprechende Warnungen, so
sie denn überhaupt nötig werden, nicht mehr zu verlängern sind.

Mittwoch… befindet sich Mitteleuropa unter dem Einflussbereich des Troges, der
sich zum Langwellentrog entwickelt hat. Die Kaltfront zieht bis zum Abend mit
stratiformen später auch teils konvektiv durchsetzen Regen bis in den Süden
Deutschlands. Im Tagesverlauf sind bei leicht instabiler Schichtung ganz im
Süden auch einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen, allerdings reicht die
Instabilität nur bis ca. 550 hPa; etwas unter -10 Grad.
An den Alpen stellt sich eine Staulage ein, wobei voraussichtlich regional
Schwellen für markanten Dauerregen gerissen werden könnten.
Rückseitig fließt mit einer nordwestlichen Strömung maritime Polarluft ein,
sodass die 850-hPa-Temperatur unter 0°C sinkt. In dieser Polarluftmasse setzt
Absinken ein, das für Wolkenauflockerungen sorgt. Nur der Norden wird von der
Höhenkaltluft des sich nun nicht mehr verstärkenden Troges erfasst. Forciert
durch einen kurzwelligen Troganteil werden Schauer ausgelöst, die sich bis an
den Nordrand der Mittelgebirge ausbreiten können. Einzelne Gewitter sind am
ehesten über der Nordsee möglich.
Der Wind spielt nicht die große Rolle. Im südlichen und zentralen Bergland sind
einzelne steife bis stürmische Böen zu erwarten. Im Nordwesten steife Böen, an
der Nordsee vereinzelt Sturmböen, allesamt aus Nordwest.

In der Nacht zum Donnerstag dauert der Zustrom maritimer Polarluft mit T850 von
0 bis 2°C weiter an. Die Achse des Haupttroges schwenkt nach Osten durch, auf
der Rückseite folgen aber weitere kurze Wellen, die noch für etwas Hebung gut
sind, so dass die Schauerneigung auch landeinwärts nicht ganz zum Erliegen
kommt. Der Gradient fächert unterdessen weiter auf, so dass höchsten an der See
und im höheren Bergland steife Böen auf dem Programm stehen. Die Niederschläge
am Alpenrand klingen langsam ab, wobei oberhalb von 1500m etwas Schnee fallen
kann.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren im Großen und Ganzen eine ähnliche Entwicklung.
Unterschiede beschränken sich auf Details und sind vorab kaum zu klären. Der
mögliche Dauerregen im Norden steht auf tönernen Füßen, sehr wahrscheinlich ist
er nicht, zumindest auf größeren Flächen. Eher sind morgen die schon im Text
beschriebenen Starkregenereignisse möglich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

DWD -> WARNLAGEBERICHT für Deutschland –

VHDL30 DWOG 300800 COR
Warnlagebericht für Deutschland
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 30.09.2019, 14:01 Uhr

Verbreitet stürmische Böen oder Sturmböen, im Norden und Nordosten teils orkanartige Böen (lokal UNWETTER). Dazu einzelne Gewitter mit Böen Bft 9 bis 11 möglich. Im Tagesverlauf von Südwesten
Wetterberuhigung.

Entwicklung der Wetter- und Warnlage für die nächsten 24 Stunden bis Dienstag, 01.10.2019, 11:00 Uhr:

Ein kleinräumiges und kräftiges Tief über der Ostsee zieht bis zum Abend ins Baltikum. Sein Sturmfeld beeinflusst am Nachmittag noch die Küsten und den Nordosten Deutschlands.

STURM/ORKANARTIGE BÖEN (UNWETTER):
In den Mittagsstunden vor allem an der See, im Bergland und im Nordosten noch Sturmböen (Bft 8 bis 9), vereinzelt schwere Sturmböen (Bft 10) aus West bis Nordwest. Von Westen her nachlassend. Im Süden und Westen kaum mehr warnwürdige Böen, lediglich anfangs steife Böen aus West.
Nachmittags im Norden und Osten. Abends nur an den Küsten und im Nordosten steife, an der Ostsee und in den Hochlagen der östlichen Mittelgebirge stürmische Böen, Richtung Rügen Sturmböen aus West bis Nordwest.
In der Nacht zum Dienstag entlang der vorpommerschen Ostsee steife bis stürmische Böen aus West, allmählich abnehmend. Später in Kamm- und Gipfellagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge erneut aufkommende stürmische Böen, auf exponierten Gipfeln Sturmböen aus Südwest.

GEWITTER:
Heute Mittag und am Nachmittag nur noch vereinzelt kurze Gewitter, am ehesten im Nordosten. Dabei schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Ausgangs der Nacht zum Dienstag im Westen einzelne Gewitter mit Starkregen nicht ausgeschlossen.

STARKREGEN:
Bis um die Mittagszeit im Norden und Nordosten gebietsweise Starkregen mit mehr als 20 mm innerhalb weniger Stunden.

Nächste Aktualisierung: spätestens Montag, 30.09.2019, 16:00 Uhr

Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Bernd Zeuschner