SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 191800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 19.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Meist ruhiges Hochdruckwetter. Am Alpenrand geringes Gewitterrisiko.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland im Einflussbereich einer umfangreichen
Hochdruckbrücke, die sich vom Nordatlantik über die Britischen Inseln und
Mitteleuropa bis zum Baltikum erstreckt. Über Südwesteuropa befindet sich
hingegen ein hochreichender Tiefdruckkomplex. An dessen Ostflanke strömen recht
milde und feuchte Luftmassen in den äußersten Südwesten von Deutschland. Neben
mehrschichtiger Bewölkung nimmt dort auch die Labilität etwas zu. Das
Gewitterrisiko ist jedoch nur gering, um 800 m Höhe befindet sich eine
Sperrschicht, die höherreichende Konvektion verhindern sollte. Ein paar Tropfen
Regen fallen aber im äußersten Südwesten.
Im Rest des Landes sorgt der Hochdruckeinfluss für verbreitet wolkenlose
Bedingungen. Im Nordosten gibt es am Rande des Hochs noch hohe Wolkenfelder.
Nachts sorgt vielerorts eine strahlungsreiche Nacht für Tiefstwerte zwischen 8
und 4 Grad, im Südwesten um 10 Grad. Lokal ist im Norden auch Bodenfrost bis -1
Grad nicht völlig ausgeschlossen. Weiterhin bildet sich im Laufe der Nacht zu
Sonntag in Süddeutschland strichweise Nebel.
Sonntag … ändert sich am Wettergeschehen nicht viel. Weite Teile von
Deutschlands erfahren unter Hochdruckeinfluss einen weiteren sonnigen und warmen
Septembertag mit Höchstwerten zwischen 22 und 26 Grad. Im äußersten Südwesten
und Süden jedoch sorgt ein schwacher Randtrog, ausgehend von dem
Höhentiefkomplex über Südwesteuropa für eine Zunahme der Konvektionsbedingen.
Hebung durch leichte PVA und mit Unterstützung durch die Orographie und den
Tagesgang sind im Laufe des Nachmittags einige Schauer oder auch Gewitter nicht
ausgeschlossen. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit und der doch recht
feuchten Grundschicht liegt das Hauptaugenmerk bei den Begleiterscheinungen auf
Starkregen. In kurzer Zeit sind Regenmengen um 20 l/qm möglich. Aber auch der
Unwetterbereich bis 25 l/qm sind nicht gänzlich ausgeschlossen.

In der Nacht zu Montag weitet sich der Einflussbereich des Höhentiefkomplexes
auf die Ostalpen aus, die Schauer dürften sich daher nur zögerlich auflösen.
Ansonsten bilden sich wie auch in der Nacht zuvor bevorzugt in den Voralpen und
im Norden strichweise Nebelfelder. Auch lokaler Bodenfrost im Norden ist erneut
nicht völlig abwegig. Im Rest des Landes bleibt es bei Tiefstwerten zwischen 4
und 9 Grad meist sternenklar.
Montag … schwächt sich die Hochdruckbrücke zwar etwas ab, jedoch bleibt sie
für weite Teile Deutschland weiter wetterbestimmend. Der Wochenstart gestaltet
sich erneut vielerorts sonnig-warm und trocken.

Der Höhentiefkomplex über Südwesteuropa greift im Laufe des Tages aber etwas
weiter nach Norden aus, sodass die potenziell instabilen Luftmassen bis zur
Pfalz gelangen. ML Cape wird am direkten Alpenrand bei 300 bis 600 J/kg, an der
Alb bis 200 J/kg simuliert. Aber auch hochauflösende Modelle geben kaum Hinweise
auf Konvektion nördlich der Alb. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit ist
erneut Starkregen nicht ausgeschlossen.

In der Nacht zu Dienstag lässt die Konvektion rasch nach, dafür bilden sich vor
allem in der Südhälfte Nebelfelder.
Dienstag … nähert sich vom Atlantik her ein Langwellentrog. Auf dessen
Vorderseite füllt sich der Tiefdruckkomplex über Südwesteuropa langsam auf und
verlagert sich als dessen Randtrog nach Nordosten. Somit gelangen die
feuchtwarmen und potenziell instabilen Luftmassen auch zusehends nach Norden.
Verbreitet werden nun Tagesmaxima um 27 Grad erreicht. Konvektion bleibt aber
vorerst auf den Südwesten und Süden beschränkt. Generell ist die Vorhersage, wie
der Tiefdruckkomplex von dem sich annähernden Langwellentrog „eingefangen“ wird,
recht unsicher.

Modellvergleich und -einschätzung

Ab Dienstag wird die Vorhersage unsicherer.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christina Speicher

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 19.09.2020 um 10.30 UTC

Allmählich zunehmende Schauer- und Gewittertätigkeit. Erst warm, später mäßig
warm und im Bergland Windzunahme.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 26.09.2020

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am kommenden Dienstag befindet
sich über dem nahen Nordostatlantik ein Langwellentrog, der unter Vergrößerung
seiner Amplitude ganz allmählich Richtung Westeuropa zieht. Über dem Norden der
Iberischen Halbinsel befindet sich ein kleiräumiges Höhentief, das sich nach und
nach Richtung Südfrankreich hin ausdehnt. Über Deutschland macht sich noch ein
flacher Höhenrücken und schwacher Hochdruckeinfluss bemerkbar und somit
überwiegt noch trockenes und warmes Spätsommerwetter, lediglich im Alpenraum
bilden sich im Tagesgang lokale markante Gewitter.

Am Mittwoch amplifiziert der Langwellentrog vor den Toren Europas weiter und
erfasst bereits Irland/England und Schottland. Deutschland verbleibt in einer
diffluenten und kurzwellenanfälligen südwestlichen Höhenströmung im
Einflussbereich feuchtwarmer Luftmassen. Das kleinräumige Höhentief über
Südfrankreich erfasst im Tagesverlauf den Südwesten Deutschlands. Daher wird es
im Süden und Westen Deutschlands wechselhaft mit Schauern und Gewitter bleiben.
Dabei gibt es auch ein West-Ost-Temperaturgefälle der Maxima (20 bis 28 Grad)
mit den höheren Werten im Osten, denn dort kommen die konvektiven Umlagerungen
erst zum Abend bzw. in der Nacht zum Donnerstag an.

Am Donnerstag verbleibt Deutschland vorderseitig des zu einem westeuropäischen
Langwellentroges modifizierten Haupttroges in einer südwestlichen Höhenströmung,
darin eingebettet erfasst eine Kaltfront des steuernden Tiefs mit Kern bei
Schottland im Tagesverlauf den Westen Deutschlands mit mehrschichtiger Bewölkung
und auch teils mit kräftigem Regen. Dieser kann auch von Gewittern durchsetzt
sein. Im Osten Deutschlands bleibt es anfangs noch trocken. Dort kommt der Regen
erst im Laufe des Freitages an. Am Freitag vollzieht sich dann ganz allmählich
ein Luftmassenwechsel. Die feuchtwarme Luftmasse wird dann auch im Osten durch
etwas kühlere Meeresluft ersetzt, so dass die Höchstwerte sich allgemein
zwischen 20 und 25 Grad einpendeln werden.

Am Samstag tropft ein Teil des Troges nach Süden hin Richtung Norditalien ab,
was an den Südalpen erneut, wie schon vor ein paar Wochen, unwetterartige
Regenfälle verursachen dürfte. Der Nordteil des Troges zieht nach Skandinavien
ab. Somit sind auch im Süden Deutschlands noch recht kräftige Regenfälle zu
erwarten, in den übrigen Landesteilen kommt es noch zu einzelnen Schauern.

In der erweiterten Mittelfrist nähert sich vom Atlantik ein neuer
Langwellentrog, der im weiteren Verlauf sich bis nach Mitteleuropa vorarbeitet.
Über Russland baut sich eine mächtige blockierende Antizyklone auf, so dass die
über Mitteleuropa ankommende Tiefs nach Süden oder Norden ausweichen müssen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die aktuelle operationelle ECMWF bzw. IFS Lauf fügt sich nahtlos an die
vorangegangenen Läufe des IFS ein, so dass die Konsistenz des ECMWF als hoch
bezeichnet werden kann. Die Positionierung der steuernden Drucksysteme ist
erstaunlich gut.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die anderen globalen Modelle zeigen eine recht hohe Übereinstimmung.
Anfangs herrscht in weiten Teilen Deutschlands noch schwacher Hochdruckeinfluss
und bei einer trockenen warmen Luftmasse setzt sich zunächst ruhiges
Spätsommerwetter fort. Lediglich am Alpenrand kann es zu ersten lokalen Schauern
und Gewittern kommen. Ab Mittwoch greift nach GFS, ICON und GEM der
westeuropäische Langwellentrog langsam auf Mitteleuropa über. In der sich
etablierenden südwestlichen Strömung wird feuchtwarme Luft herantransportiert,
so dass es verbreitet zu Niederschlägen mit eingelagerten Gewittern kommen wird.
Auch Starkregenereignisse sind vor allem im Süden Deutschlands zu erwarten. Dies
wird insbesondere auch durch die Kanadier gestützt. Wenn man über den Tellerrand
zu den Südalpen blickt, ist ein unwetterartiges Dauerregenereignis zu Beginn des
kommenden Wochenendes im Bereich des Möglichen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-Meteogramme zeigen deutschlandweit bis einschließlich Donnerstag nur
geringe Zu-/Abnahmen der Temperaturmaxima, einzig die Minima steigen zunehmend
in den zweistelligen Bereich an.
Zur Wochenmitte und darüber hinaus nehmen die Niederschlagssignale zu,
allerdings nur mit sehr geringe Medianwerten, aber hohen Spitzen einiger
Einzelmember (Anzeichen für kräftige Schauer/Gewitter). Dabei verschiebt sich
die Zunahme der Niederschläge nach Osten und Südosten eher auf den Freitag. Der
Mittelwind nimmt ebenfalls ab der Wochenmitte zu mit einer deutlichen Zunahme
der Böigkeit ab Freitag, sollte die Höhenkaltluft Deutschland in der Tat fluten
(bessere Durchmischung).
Bis einschließlich Mittwoch im Westen und Donnerstag im Osten gibt es eine sehr
enge Bündelung in den Rauchfahnen der 850 hPa Temperatur und des 500 hPa
Geopotenzials und einer raschen Streuung in der Folge – abhängig von der Lage
des Langwellentroges/Zentraltiefs. Insgesamt wird aber auch hier eine ruhige
Mittelfrist gezeigt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI unterstreicht die insgesamt (warntechnisch) ruhige Mittelfrist mit einem
geringen positiven Ausschlag bei der Temperatur (dank der Advektion
subtropischer Luftmassen vorderseitig des Langwellentroges). Erst zum Ende der
Mittelfrist werden im äußersten Westen Signale für vom Modellklima abweichende
Windböen gerechnet, allerdings im überschaubaren/geringen Bereich (0.5-0.6). Im
gesamten Südwesten Europas gibt es jedoch dahingehend deutlich stärkere Signale,
sodass dieser Parameter im Auge behalten werden muss.
Zum Mittwoch/Donnerstag springt der EFI „CAPE“ in weiten Bereichen Deutschlands
an und Gewitter mit Starkregen sind bei der zu erwartenden Luftmasse/Schichtung
sicherlich nicht auszuschließen (bei allerdings meist geringer Scherung oder
einem EFI „CAPE/shear“ von unter 0.5).
Der EFI „water vapor flux“ zeigt nur schwache Signale über der Iberischen
Halbinsel, bevor auch diese in der Folge verschwinden. Die deutlichsten Werte
gibt es im Zuge von Ex-Sally und einem „Atmosphärenfluss“, der auf das
zentrale/nördliche Norwegische Gebirge gerichtet ist und dort heftige
Niederschläge bringt, ebenso wie der ehemalige (sub)tropische Sturm im östlichen
Mittelmeer, der aus heutiger Sicht mit viel Regen die nördlichen Küsten
Libyens/Ägyptens erreichen sollte.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, GFS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 181800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 18.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im äußersten Süden ab Sonntag geringe Gewitterneigung.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … bestimmt eine trockene Festlandsluftmasse unser Wetter, die sich
tagsüber schon etwas erwärmt hat, vielfach auf Werte um oder etwas über 20 Grad,
in Flusstälern des Südwestens auf sommerliche Werte. In der Nacht zum Samstag
kühlt sich die Luft ebenso kräftig wieder ab.

Die für uns wetterbestimmende Hochdruckzone, die über die Nordsee bis zum Balkan
reicht, sorgt für leichtes Absinken und geringe Bewölkung. Lediglich in den
Nordosten dringen dünne, hohe Wolken ein, die ihren Ursprung in der Frontalzone
über Nordeuropa haben.
Sowohl ganz im Norden, nahe der Hochachse und mit etwas feuchterer Luft von den
Seegebieten her, als auch im äußersten Süden, wo Reste der abgedrängten
feuchteren Luft der Vortage zu finden ist, bilden sich Nebelfelder. Ob diese
warnrelevant werden, bleibt abzuwarten.

Über der Mitte und nach Westen schläft der Ostwind nicht ganz ein, da ein
leichter Druckgradient zum einem Tiefkomplex über Südwesteuropa besteht. In
freien Mittelgebirgslagen sind Böen Bft 7 aus östlichen Richtungen nicht
ausgeschlossen. Mit Abkopplung der Grundschicht kann sich ein schwacher
Low-level Jet bilden, der in Gipfellagen des bayerischen Waldes auch Bft 8
möglich macht.
Die erwähnte kräftige Abkühlung mündet in leichtem Bodenfrost über dem Norden
und Osten, zumindest gebietsweise. Am mildesten wird es im Westen und Südwesten,
wo die Werte nicht viel unter 10 Grad sinken.

Samstag … dehnen sich tiefer Luftdruck und Höhentief über Südwesteuropa
zögernd nach Nordosten aus, kräftige Hebung wird auch erst abseits des
Vorhersagebereichs über Ostfrankreich und dem Westalpenraum simuliert, so dass
sich nicht viel an der Dominanz der Hochdruckzone bei uns ändert.
Diese verläuft mit ihrer Achse knapp nördlich Deutschlands und hält die trockene
Ost- bis Südostströmung bei uns aufrecht. Die Luft wird derweil aber wieder
etwas wärmer, so dass die Temperatur in 850 hPa auf 11 Grad im Nordosten und
leicht föhnigen 16 Grad im Süden steigt.

Leichtes Absinken lässt in der trockenen Luft kaum Wolken zu. In der Folge
scheint fast überall anhaltend die Sonne, nachdem sich lokale Nebel- und
Hochnebelfelder aufgelöst haben. Die Maxima bewegen sich vielfach zwischen 20
und 27 Grad, mit den höheren Werten im Westen.

Da sich die Hochdruckzone abschwächt, wird auch der östliche Wind in der
Südwesthälfte etwas schwächer, in exponierten Mittelgebirgslagen ist die ein
oder andere Bft 7 aber wohl weiter mit dabei.

Im äußersten Südwesten und nahe den Alpen macht sich die Annäherung des
südwesteuropäischen Tiefs mit feuchterer und etwas labilerer Luft bemerkbar.
Auch der Deckel wird etwas gelockert, ob es aber zu Schauern oder gar Gewittern
reicht, ist sehr fraglich, da keine Hebung vorhanden ist und die Erwärmung
tagsüber plus Orografie in der aktuellen Situation wohl nicht genügt,
hochreichende Konvektion anzustoßen.
In der Nacht zum Sonntag zieht ein Randtrog zum Westalpenraum. An seiner
Vorderseite kommt über dem äußersten Südwesten und am Alpenrand leichte positive
Vorticityadvektion auf, deren (schwache) Hebung einzelne Schauer und ganz
vereinzelte Gewitter nach sich ziehen kann.
Sonst geht die Nacht ruhig, ohne signifikantes Wetter über die Bühne. Lokale
Nebelfelder sind vor allem ganz im Norden und im Süden zu erwarten. Höchstens
vereinzelt gibt es noch Bodenfrost (Mitte,Süden).

Sonntag … erleiden sowohl die zonale Hochdruckbrücke über Nord- und
Osteuropa, als auch das Tief südwestlich von uns einen gewissen
Substanzverlaust. Nichtsdestotrotz bleibt die Hochdruckzone nördlich von uns und
der tiefe Druck mit Schwerpunkten über Frankreich und dem Mittelmeer erhalten.
Grundsätzliche Änderungen sind für Deutschland somit nicht zu erwarten.
Die Lage über Deutschland kann aber wieder als schwachgradientig bezeichnet
werden und die Strömung dreht etwas nach Ost, da sich der tiefe Druck südlich
von uns nach Osten ausweitet.
Die nach wie vor trockene östliche Strömung und fehlende Hebung sind Garant für
meist sonnenscheinreiches Wetter. Die Luftmasse ist für die Jahreszeit sehr
warm, was sich in Maxima zwischen 21 und 27 Grad äußert.
Der tagsüber auflebende Ost- bis Nordostwind erreicht keine Warnschwellen.

Etwas anders ist die Lage lediglich im äußersten Süden. Hier macht sich die nahe
Tiefdruckzone mit feuchterer und leicht instabiler Luft, sowie schwacher Hebung
durch die zyklonale Höhenströmung bemerkbar. Vor allem orografisch gestützt ist
nachmittags mit leichter Schauer- und Gewitterneigung zu rechnen. Bei langsam
ziehenden Zellen ist Starkregen mit dabei, PPW um 25 mm.

In der Nacht zum Montag wird der Abbau der Hochdruckzone, vor allem über GB und
der Nordsee mit Annäherung eines Langwellentroges über dem Atlantik
vorangetrieben. Auswirkungen bei uns sind aber zunächst nicht vorhanden. Wir
liegen in einem sehr schwachgradientigen Bereich zwischen dem Hoch über
Osteuropa und den Resten der Tiefdruckzone über SW Europa. Die Nebelneigung im
Norden und Süden nimmt etwas zu, dazwischen ist die Luft meist zu trocken. Am
Alpenrand sind örtliche Schauer nicht ausgeschlossen.

Montag … nähert sich der Langwellentrog weiter Nordwesteuropa an, während das
Höhentief mit Zentrum über Nordspanien seine Position behält. Damit wird der
Abbau des hohen Geopotentials im Bereich dazwischen vorangetrieben und auch der
Bodendruck über Westeuropa fällt, was dort die Bildung einer flache
Tiefdruckzone zur Folge hat.
Über Mitteleuropa, inklusive Deutschland dreht die sehr schwache bodennahe
Strömung auf südliche bis südöstliche Richtungen und die feuchte Luft ganz im
Süden macht geringfügig Boden nach Norden hin gut.
Damit breiten sich einzelne Schauer vom Alpenraum bis ins südliche Vorland aus,
eventuell gibt es auch im Südschwarzwald nachmittags ein kurzes Gewitter.
Ansonsten ändert sich wiederum nicht viel und in der relativ trockenen Luft
scheint vielerorts weiterhin meist die Sonne.
Es bleibt warm bis sehr warm, wenigstens am Nachmittag, der Wind spielt keine
Rolle.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren ähnlich, ohne größere Unterschiede.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 18.09.2020 um 10.30 UTC

Allmählich zunehmende Schauer- und Gewittertätigkeit. Erst warm, später mäßig
warm und Bergland Windzunahme.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 25.09.2020

Eine komplexe Mittelfrist mündet voraussichtlich in eine durchgreifende Änderung
der Geopotenzialgeometrie über weiten Bereichen West- und Mitteleuropas
(wenngleich aus heutiger Sicht ohne signifikante Warnereignisse). Um diese
Umstellung zu verstehen müssen wir stromauf in Richtung Nordatlantik blicken und
da besonders auf die (Sub)Tropen, die aktuell noch eine rege
Tropensturmaktivität aufweisen.

Zwar befinden wir uns mittlerweile im destruktiven Ast der
Madden-Julian-Oszillation, allerdings im günstigen/negativen Bereich der 200 hPa
Geschwindigkeitspotenzialanomalie einer (konvektiv gekoppelten) Kelvinwelle –
sprich: in Höhendivergenz und somit noch förderlichen Hintergrundbedingungen für
die Tropensturmentwicklung (inkl. zunehmender La Nina Bedingungen). Hurrikan
TEDDY ist eines der Systeme, das diese Bedingungen momentan ausnützt und als
gewaltiger Kat. 4 Hurrikan über den offenen Nordatlantik in Richtung
Bermudainseln und in der Folge weiter nord-/nordostwärts zieht. Die
Ensemblevorhersagen weisen leider je nach Modell teils noch gröbere Schwankungen
auf.
Der Grund für diese Unsicherheiten innerhalb der Ensemblevorhersagen ist die
synoptische Entwicklung nördlich von TEDDY, die aus einer Vielzahl von Systemen
besteht, die jeweils ihren Einfluss auf unsere Mittelfrist ausüben:

  • eine kräftige/progressive Rossby-Welle (Entstehung über Kanada um den 12.
    September herum), die sich während der Mittelfrist über Grönland/Irminger See
    und bis zum Ende der Mittelfrist in Richtung Westeuropa verlagert (wenn man
    genau ist verliert sie aktuell ihre Kontur über dem Nordosten der USA in Folge
    antizyklonalem Wellenbrechens und wird durch den Input aus den Tropen zum Beginn
    der Mittelfrist südöstlich der Irminger See neu definiert (siehe Abgleich im
    Hovmoeller Diagramm)). Diese Welle definiert später (erweiterte Mittelfrist)
    eine mächtige Blockierung über dem eurasischen Sektor.
  • eine, die kanadische Rossby-Welle begleitende, kräftige KLA stromauf, die über
    dem Nordosten der USA bis nach Nova Scotia ein mächtiges, wenngleich mobiles
    Bodenhoch hervorruft, das in der Höhe jedoch durch einen PV streamer überlagert
    wird, der durch das angesprochene Wellenbrechen induziert wurde. Daher ist
    dieser Keil eher ein zerbrechliches Gebilde.
  • Ex-Sally, die als Schnellläufer von der kanadischen Rossby-Welle eingefangen
    wurde und mit deren diabatischem Outflow bzw. WLA eine zonale Hochdruckbrücke
    aufgespannt wurde, die zum Beginn der Mittelfrist auch noch Mitteleuropa
    beeinflusst. Dabei befindet sich der ehemalige Tropensturm dann zum
    Mittelfristbeginn als veritables Sturmtief vor Spitzbergen
  • ein umfangreiches Tiefdruckgebiet in den Subtropen (zum Mittelfristbeginn vor
    Portugal gelegen), das stromab der sich neu bildenden und zunächst noch
    progressiven Rossby-Welle (südöstlich von Grönland gelegen) zur kommenden
    Wochenmitte nordostwärts über Mitteleuropa geführt wird und einen Schwall
    feucht-milder Subtropikluft im Gepäck hat.
  • der Hauptakteur namens TEDDY, der aktuell als veritabler Hurrikan der
    Kategorie 4 über dem westlichen Nordatlantik nordwärts in Richtung Bermuda und
    in der Folge grob in Richtung Maine/Nova Scotia/Neufundland geführt wird. In den
    vergangenen 6 Modellläufen sprang z.B. der det. Lauf von GFS um mehr als 1500 km
    (zonal gesehen) hin und her, um nun im GEFS stark gebündelt auf Nova Scotia zu
    zeigen (leider wohl erneut zu stark gebündelt (undispersed)). Derweilen bleibt
    sich das IFS-EPS seiner Linie treu mit einer etwas breiteren Memberstreuung
    (Maine bis Neufundland), jedoch mit einem konstanten HRES/Kontrolllauf in
    Richtung Nova Scotia (mittlerweile mit einer Memberwahrscheinlichkeit von 60 bis
    70% innerhalb der EPS Ellipse, die das Maximum der Memberdichte umfasst).
    Als neue Unsicherheitskomponente bezüglich TEDDYs Verlagerung ist nun auch eine
    weitere tropische Depression im westlichen Golf von Mexiko zu nennen, die mit
    ihrem Outflow einen Keil vom mittleren Westen der USA gen Nordosten stützt. Dies
    könnte den dort vorhandenen PV streamer zusätzlich schwächen, neben der immensen
    negativen PV-Produktion durch den Outflow von TEDDY, sodass hier noch ein
    Fragezeichen ist, wie stark die Wirkung dieses Keils letztendlich ausfällt. Für
    diese Mittelfrist gehen wir jedoch weiterhin von einem Landfall in den benannten
    Regionen zur Wochenmitte aus und einer fortwährenden nördlichen bis
    nordöstlichen Zugbahn über die Davisstraße nach Südgrönland.

TEDDYs outflow interagiert mit der von Grönland nach Westeuropa ziehenden
Rossby-Welle durch eine Verschärfung des PV-Gradienten in deren südwestlichen
Quadranten und mit der Bildung eines supergeostrophischen Höhenjets, der mit
mehr als 180 kn (einer positiven Standardabweichung von 3 bis 4 sigma vom
klimatologischen Mittel) in Richtung Biskaya und im Verlauf der Mittelfrist gen
Mittel-/westliches Südeuropa gerichtet ist. Man kann sich das auch als eine Art
energetische Kaskaden-Reaktion vom durch latente Wärmefreisetzung angetriebenen
Tropensturm hin zur durch baroklinen Instabilität angefachten
Rossby-Wellenvergrößerung vorstellen. Dabei zeigt das IFS-EPS die größten
normalisierten Standardabweichungen im Südquadranten des Troges, was
verständlich ist, denn das zeitliche Einbinden von (Ex-)TEDDY entscheidet auch
über die Geometrie dieser Welle stromab. Somit ist von einem scharf südwärts
vorstoßenden Höhentrog (mit Ansätzen eines beginnenden Abtropfprozesses) und
einer kräftigen Südlage über Deutschland bis hin zu einer winkelförmigen
Westlage alles möglich. Was Fakt ist; der Input der vergangenen Tropenstürme
sorgt in diesem Monat zum ersten Mal (während dieser Mittelfrist) für eine klare
Rossby-Wellenstruktur über West-/Mitteluropa und somit ein Aufweichen des bis
dahin vorherrschenden schwachen Geopotenzialgradienten. Eine nachhaltige
Wetterumstellung ist daher sehr wahrscheinlich.

Was bedeutet das jetzt für unsere Mittelfrist?

Zum Beginn der Mittelfrist (Montag, der. 21.9.) genießen wir noch den Einfluss
der von Ex-SALLY gestützten zonalen Hochdruckbrücke, die weiten Bereichen
Deutschlands einen störungsfreien Tag beschert (sonnig, Tmax 19 Grad (Küsten)
bis 27 Grad (Umfeld des Rheins)). Es bleibt meist trocken, einzig im äußersten
Süden und Südwesten sickert mit Annäherung des sich von der Iberischen Halbinsel
über Frankreich nähernden Höhentiefs (nur transiente Bodentiefentwicklung über
der Biskaya) etwas labilere Luft ein, sodass hier ein geringes
Schauer-/Gewitterrisiko aufkommt.

Am Dienstag zieht das Höhentief von Südwest nach Nordost über Deutschland hinweg
und öffnet sich zu einer Welle. Die Hebungsprozesse der Welle sowie die
Advektion subtropisch feuchter und warmer Luftmassen bringen dem Süden und
Westen teils kräftige Schauer und Gewitter (TPWs 25-30 mm, dünne und
hochreichend gesättigte CAPE-Profile) mit Starkregen. Nach Norden und Osten
dämpft noch eine vergleichsweise trockene/stabil geschichtete Luftmasse die
Konvektion (was auch für die Nachtstunde gilt). Mit Maxima von rund 24 bis 28
Grad wird es nochmals vielerorts ein sommerlicher Tag.

Mittwoch amplifiziert die Rossby-Welle vor den Toren Europas und erfasst bereits
Irland/England und Schottland. Deutschland verbleibt in einer diffluenten und
kurzwellenanfälligen südwestlichen Höhenströmung im Einflussbereich feuchtwarmer
Luftmassen. Daher wird es deutschlandweit wechselhaft mit Schauern und Gewitter
und mit einem West-Ost-Temperaturgefälle der Maxima (20 bis 28 Grad).

Bis hier ist die Wetterentwicklung recht sicher, doch von nun an nehmen die
Unsicherheiten etwas zu, denn die Geometrie des Höhentroges wird nun zum
entscheidenden Fragezeichen. Innerhalb der letzten IFS-Läufe kam es leider
weiterhin zu nicht unerheblichen Veränderungen der Geometrie, sodass die
Unsicherheiten der Entwicklung nun deutlich zunehmen.
Man kann zusammenfassend sagen, dass sich bis zum Ende der Mittelfrist ein
umfangreicher Langwellentrog über dem Nordwesten und Westen Europas einnistet,
der ein steuerndes Zentraltief über Irland/England/Schottland aufbaut. Dabei
bleibt die Ostverlagerung gering dank des in die Spitze der Trogachse weisenden
Höhenjets, der eine fortwährende Vergrößerung der Wellenamplitude in Richtung
Iberische Halbinsel/westliches Mittelmeer fördert.
Daher verbleiben wir am Donnerstag noch voraussichtlich in einer strammen
Südströmung mit einem schleifenden /wellenden Frontenzug über Ostfrankreich/über
dem westlichen Deutschland. Somit sind die Niederschlagswahrscheinlichkeiten
(Schauer/Gewitter) im gesamten Westen höher als im Osten und im Alpenvorland
dürfte der Föhn (je nach Ausrichtung der 700-500 hPa Windvektoren) den
Niederschlag noch unterbinden. Erst zum Freitag könnte der Frontenzug
ausreichend Schubkomponente nach Osten erhalten, um als ausgeprägte Kaltfront
auch dem Osten Deutschlands einen endgültigen Luftmassenwechsel zu bescheren
(ähnliche Niederschlagsverteilung wie am Vortag). Die Höchstwerte liegen von
West nach Ost zwischen 20 und 25 Grad.
Die Tiefstwerte pendeln dabei mal etwas über, mal etwas unter 10 Grad und der
Südwestwind gewinnt zum Ende der Mittelfrist besonders im Bergland zunehmend an
Bedeutung (einzelne Sturmböen).

In der erweiterten Mittelfrist entwickelt sich mal wieder eine mächtige
blockierende Antizyklone über Skandinavien, sodass der Langwellentrog bei uns
kaum noch nach Osten vorankommt. Im letzten IFS-EPS wird gar die Option eines
zyklonalen Wellenbrechens über Europa angedeutet, was die Bildung einer
positiven Geopotenzialanomaliebrücke von Kanada bis nach Skandinavien bewirken
könnte. Das wird allerdings von GFS/GEFS und einer positiven AO vorerst nicht
gestützt. Somit stehen die Anzeichen weiterhin auf eine anhaltende wechselhafte
Witterung mit zeitweiligen Niederschlägen und gemäßigtem Temperaturniveau (dank
modifizierter Polarluft). Sicherlich etwas, was die dürregeplagten Landwirte
gerne hören, auch wenn weiterhin kein Landregen abzusehen ist.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die synoptisch-skalige Entwicklung innerhalb der vergangenen IFS-Läufe kann
bezüglich „timing“ und „Positionierung“ als sehr gut bezeichnet werden, handelt
es sich doch um einen gut zu erfassenden Langwellentrog, der in Richtung
Westeuropa zieht. Allerdings gibt es die Unsicherheit, wie weit sich dieser
Langwellentrog über die Biskaya und Portugal/Spanien nach Südwesten/Süden
ausweitet. Diese Diskrepanz äußert sich zum Ende der Mittelfrist in eher
quasi-stationäre Lösungen des Langwellentroges (Modelllauf 00Z vom 17.9.),
während in den aktuelleren Läufen eher eine progressivere Variante mit
geringerer Amplitude bevorzugt wird (Modelllauf 00z vom 18.9.). Daraus ergeben
sich auch Unsicherheiten bezüglich der Lage des steuernden Zentraltiefs, das
zwar zumeist über England/Schottland berechnet wurde (00Z Lauf vom 17. und
18.9.). Allerdings gibt es auch deutlich südlichere Varianten (12Z Lauf vom
17.9.) mit einer Lage über der Normandie. Diese Diskrepanzen äußern sich
besonders in der Frage, wie schnell die warme Luftmasse im Osten Deutschlands
ausgeräumt werden kann und wie kräftig die Windentwicklung im Bergland ausfällt.
Dass es im Mittelfristverlauf überall wechselhafter wird ist jedoch in allen IFS
Modellläufen zu erkennen.

Wenn wir von „wechselhaft“ sprechen ist jedoch aus aktueller Sicht leider kein
Landregen gemeint, sondern nur zunehmende Schauer- und Gewitteraktivität. Die
Mittelfrist über (von Montag bis Freitag kommender Woche) liegen die
Niederschlagsmengen im Osten bei unter 10 l/qm und sonst zwischen 10 und 30 l/qm
(mit etwas höheren Mengen womöglich im Schwarzwald und entlang der Alpen).

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Etwas überraschend, trotz der noch variablen Handhabe von TEDDY im GEFS/IFS-EPS,
zeigen beide det. Modellläufe (IFS/GFS) eine recht einheitliche Entwicklung,
wobei IFS zum Ende der Mittelfrist den Langwellentrog weiter nach Süden
ausgreifen lässt (rund 300 km südlicher). ICON zeigt wie so oft einen Mittelweg
zwischen beiden Modellen.
Abgesehen von diesem recht homogenen Erscheinungsbild im 500 hPa Geopotenzial
ergeben sich im Bodendruckfeld erhebliche Diskrepanzen bezüglich zahlreicher
kleinräumiger Teiltiefs, die sich u.U. gar zu Sturmtiefs aufblähen und vor allem
Irland/England/Schottland, die Nordsee bzw. Deutsche Bucht und Norwegen
betreffen können. Auch die Option einer Mittelmeertiefentwicklung über
Norditalien zum Ende der Mittelfrist steht im Raum.
Somit sieht es aktuell nach einer überschaubaren Unsicherheit innerhalb der
Numerik aus. Alle Modelle belassen Deutschland die Mittelfrist über in einer
diffluent konturierten Südwest- bis Südströmung, sodass aktuell auch keine
signifikanten Windentwicklungen auszumachen sind. Allerdings muss man noch
abwarten, wo das Zentraltief zum Liegen kommt und wohin es seine Teiltiefs
schicken wird.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-Meteogramme zeigen deutschlandweit bis einschließlich Donnerstag nur
geringe Zu-/Abnahmen der Temperaturmaxima, einzig die Minima steigen zunehmend
in den zweistelligen Bereich an.
Zur Wochenmitte und darüber hinaus nehmen die Niederschlagssignale zu,
allerdings nur mit sehr geringe Medianwerten, aber hohen Spitzen einiger
Einzelmember (Anzeichen für kräftige Schauer/Gewitter). Dabei verschiebt sich
die Zunahme der Niederschläge nach Osten und Südosten eher auf den Freitag. Der
Mittelwind nimmt ebenfalls ab der Wochenmitte zu mit einer deutlichen Zunahme
der Böigkeit ab Freitag, sollte die Höhenkaltluft Deutschland in der Tat fluten
(bessere Durchmischung).
Bis einschließlich Mittwoch im Westen und Donnerstag im Osten gibt es eine sehr
enge Bündelung in den Rauchfahnen der 850 hPa Temperatur und des 500 hPa
Geopotenzials und einer raschen Streuung in der Folge – abhängig von der Lage
des Langwellentroges/Zentraltiefs. Insgesamt wird aber auch hier eine ruhige
Mittelfrist gezeigt.

Die Cluster zeigen zum Beginn der Mittelfrist, am Montag, 3 Cluster mit dem
klimatologischen Regime „positive NAO“. Das Einbinden von TEDDY wird innerhalb
der Cluster recht einheitlich gesehen mit nur geringen Abweichungen der
positiven Geopotenzialanomalien über Mitteleuropa.

In der Folge bleiben 3 Cluster vorherrschend (zumeist das klimatologische Regime
„positive NAO“ aufweisend) mit dem Kontrolllauf im 1. Cluster und dem det. Lauf
im 3. Cluster. Alle Cluster zeigen die Entwicklung eines mächtigen
Langwellentroges über Westeuropa und deutlich negativen Anomalien über
Nordwesteuropa. Deutschland liegt dabei durchweg entweder in einer südwestlichen
oder südlichen Höhenströmung. Gröbere Unsicherheiten ergeben sich bei der
Keilaufwölbung vor Grönland, wie kräftig diese ist und wohin Ex-TEDDY dann
gesteuert wird. Alle Cluster deuten zum Ende der Mittelfrist die Bildung einer
mächtigen blockierenden Antizyklone über Skandinavien an, die gar in eine
Brückenbildung zwischen Kanada und Skandinavien münden könnte.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI unterstreicht die insgesamt (warntechnisch) ruhige Mittelfrist mit einem
geringen positiven Ausschlag bei der Temperatur (dank der Advektion
subtropischer Luftmassen vorderseitig des Langwellentroges). Erst zum Ende der
Mittelfrist werden im äußersten Westen Signale für vom Modellklima abweichende
Windböen gerechnet, allerdings im überschaubaren/geringen Bereich (0.5-0.6). Im
gesamten Südwesten Europas gibt es jedoch dahingehend deutlich stärkere Signale,
sodass dieser Parameter im Auge behalten werden muss.
Zum Mittwoch/Donnerstag springt der EFI „CAPE“ in weiten Bereichen Deutschlands
an und Gewitter mit Starkregen sind bei der zu erwartenden Luftmasse/Schichtung
sicherlich nicht auszuschließen (bei allerdings meist geringer Scherung oder
einem EFI „CAPE/shear“ von unter 0.5).
Der EFI „water vapor flux“ zeigt nur schwache Signale über der Iberischen
Halbinsel, bevor auch diese in der Folge verschwinden. Die deutlichsten Werte
gibt es im Zuge von Ex-Sally und einem „Atmosphärenfluss“, der auf das
zentrale/nördliche Norwegische Gebirge gerichtet ist und dort heftige
Niederschläge bringt, ebenso wie der ehemalige (sub)tropische Sturm im östlichen
Mittelmeer, der aus heutiger Sicht mit viel Regen die nördlichen Küsten
Libyens/Ägyptens erreichen sollte.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, GEFS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 171800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 17.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Samstag und Sonntag im äußersten Südwesten und Süden geringe Gewitterneigung.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … schwenkt ein Trog mit Achse über Osteuropa weiter nach Osten. Das
zugehörige Bodentiefdruckgebiet hat Karelien erreicht und zieht ebenfalls nach
Nordosten ab. Dessen Kaltfront über dem südöstlichen Bayern kommt nur noch
zögernd nach Süden voran und löst sich auf. In den Resten der über
Süddeutschland verbleibenden feuchteren Luft bildet sich in der kommenden Nacht
stellenweise Nebel.
Ansonsten hat sich rasch wieder Hochdruckeinfluss durchgesetzt, wobei das
Hochdruckgebiet seinen Schwerpunkt von der Nordsee bis nach Westpolen ausdehnt.
Hinter der Kaltfront ist in weiten Landesteilen eine frische und trockene
Luftmasse eingeflossen, die nunmehr weitgehend zur Ruhe kommt, bzw. gekommen ist
und Alterungsprozessen unterworfen wird. Dabei überwiegt vielerorts gering
bewölkter Himmel.
Nahe der Hochachse über dem Norden und Nordosten bildet sich gebietsweise Nebel,
trotz der relativ trockenen Luft, da auch die Temperaturen recht weit
zurückgehen. Die Minima liegen teilweise um oder unter 5 Grad, recht häufig gibt
es leichten Frost in 5 cm Höhe über dem Erdboden. Im Bereich der Lüneburger
Heide liegen auch die Tiefstwerte in 2m Höhe teilweise nahe 0 Grad.
Nach Westen und Süden hin ist die Luftmasse milder und feuchter, so dass über
der Mitte Bodenfrost kein Thema sein sollte, abgesehen vielleicht von einigen
ungünstig gelegenen Orten in Mittelgebirgstälern.

Der Wind spielt keine große Rolle. An der Südwestflanke der Hochdruckzone ist
über der Mitte und weiter südwestlich etwas Druckgradient zum Tief über
Südwesteuropa vorhanden. Spürbar bleibt der Wind aber vor allem in freien
Mittelgebirgslagen, wo es die ein oder andere starke bis steife Böe geben kann.
Warnungen resultieren daraus nicht.

Freitag … liegen wir unter einer Zone hohen Geopotentials, die vom
Nordatlantik über Deutschland bis ins Mittelmeer reicht. Ein Schwerpunkt liegt
dabei auch über Norddeutschland. Damit korrespondiert auch eine Hochdruckzone im
Bodendruckfeld, die sich über GB und die Nordsee ins östliche Mitteleuropa
erstreckt.
In der mit östlichen bis nordöstlichen Bodenwinden einströmenden trockenen und
bestenfalls mäßig warmen Luft scheint unter leichtem Absinken anhaltend die
Sonne. Die Luft erwärmt sich auf 18 bis 23 Grad.

Ganz im Süden und Südwesten ist die Luft etwas feuchter und wärmer, was dort zu
etwas höheren Temperaturen (Südwesten um 25 °C) Anlass gibt, bzw. zu einigen
Quellungen (Schwarzwald, Alpen).
Für irgendwelche hochreichende Konvektion oder gar Schauer langt es aber nicht,
da auch dort bodennah trockenere Luft einsickert und keine Hebungsantriebe zu
verzeichnen sind.

Das umfangreiche Höhentief über Südwesteuropa erzeugt ein Tiefkomplex, der von
Frankreich und der Iberischen Halbinsel bis raus auf den Atlantik reicht und in
den auch der ehemalige tropische Sturm „Paulette“ einbezogen wird. Das Tief wird
zwar nicht unmittelbar für uns interessant, es erzeugt aber einen gewissen
Luftdruckunterschied zur erwähnten Hochdruckzone und damit sind in freien Lagen
über dem Westen, Süden und der Mitte Deutschlands tagsüber einzelne starke Böen
möglich und im Mittelgebirgsraum exponiert eventuell Bft 7 aus Ost bis Nordost.
Wiederum werden Warnungen eher nicht nötig.
In der Nacht zum Samstag schwächt sich die Geopotentialbrücke, wie auch die
Hochdruckzone im Bodendruckfeld etwas ab. In der Frontalzone über Nordeuropa
ziehen Tiefausläufer nach Osten, die hohe Wolken in den Nordosten Deutschland
schicken, ansonsten bleibt es gering bewölkt oder klar. Sowohl ganz im Norden,
nahe der Hochachse, als auch im Süden, in der feuchteren Luft, bilden sich
Nebelfelder. Ob diese warnrelevant werden, bleibt abzuwarten.
Vor allem über der Mitte und nach Westen schläft der Ostwind nicht ganz ein, da
etwas Druckgradient bestehen bleibt. In freien Mittelgebirgslagen sind Böen Bft
7 aus östlichen Richtungen nicht ausgeschlossen.
Die Temperatur geht kräftig zurück, im Norden und über der Mitte ist Bodenfrost
möglich. Wegen der hohen Bewölkung vielleicht nicht so häufig wie in der
Vornacht. Am mildesten wird es im Westen und Südwesten, wo die Werte nicht viel
unter 10 Grad sinken.

Samstag … dehnen sich der tiefe Luftdruck und das Höhentief über Südwesteuropa
zögernd nach Nordosten aus, was aber nicht viel an der Dominanz der
Hochdruckzone bei uns ändert. Diese verläuft mit ihrer Achse knapp nördlich
Deutschlands und hält die trockene Ost- bis Südostströmung bei uns aufrecht. Die
Luft wird wieder etwas wärmer, so dass die Temperatur in 850 hPa auf 11 Grad im
Nordosten und 15 Grad im Südwesten steigt.
Absinken lässt in der trockenen Luft kaum Wolken zu, mit der Folge anhaltenden
Sonnenscheins fast überall.
Die Maxima bewegen sich vielfach zwischen 20 und 27 Grad, mit den höheren Werten
im Westen.
Da sich die Hochdruckzone abschwächt, wird der östliche Wind in der
Südwesthälfte schwächer, selbst exponiert wird die Bft 7 kaum erreicht.
Im äußersten Südwesten und Süden macht sich die Annäherung des
südwesteuropäischen Tiefs mit feuchterer Luft bemerkbar. Über dem Bergland,
wahrscheinlich Südschwarzwald und Alpen, sind im Tagesverlauf höherreichende
Quellwolken denkbar mit einer gewissen Schauerneigung, Gewitter sind nicht ganz
ausgeschlossen.
In der Nacht zum Sonntag zieht ein kleines Drehzentrum des Tiefs Richtung
Westalpen. An seiner Nordseite wird über dem äußersten Südwesten leichte
positive Vorticityadvektion simuliert, deren (schwache) Hebung Schauer und
vereinzelte Gewitter nach sich ziehen kann. Sonst geht die Nacht ruhig, ohne
signifikantes Wetter über die Bühne. Lokale Nebelfelder sind vor allem ganz im
Norden und im Süden zu erwarten. Höchstens vereinzelt gibt es noch Bodenfrost.

Sonntag … erleiden sowohl die zonale Hochdruckbrücke über Nord- und Osteuropa,
als auch das Tief südwestlich von uns einen gewissen Substanzverlaust. Die Lage
über Deutschland kann entsprechend wieder eher als schwachgradientig bezeichnet
werden. Die Strömung dreht derweil etwas nach Ost, da sich der tiefe Druck
südlich von uns nach Osten ausweitet.

Grundsätzliche Änderungen sind damit für Deutschland nicht verbunden. Die
trockene östliche Strömung und fehlende Hebung sind ein Garant für
sonnenscheinreiches Wetter. Die Luftmasse ist nach wie vor für die Jahreszeit
sehr warm, was sich in Maxima zwischen 21 und 27 Grad äußert.
Der tagsüber leicht auflebende Ost- bis Nordostwind erreicht keine
Warnschwellen.

Etwas anders ist die Lage lediglich im Süden. Hier macht sich die nahe
Tiefdruckzone mit feuchterer Luft, Hebungsimpulsen durch die zyklonale
Höhenströmung und einer leichten Schauer- und Gewitterneigung vor allem über dem
Bergland bemerkbar. Bei langsam ziehenden Zellen ist in Gewittern Starkregen mit
dabei, PPW um 25 mm.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Leichte Unterschiede gibt es bei der
Böensimulation und der Konvektion, die aber nicht prognoserelevant sind.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner