SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Samstag, den 15.05.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 15.05.2021 um 10.30 UTC

Fortdauer des wechselhaften und etwas zu kühlen Witterungsabschnittes.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 22.05.2021

Am kommenden Dienstag liegt Deutschland weiterhin im Einflussbereich des aus der
Kurzfrist bestens vertrauten Höhentiefkomplexes, der weite Teile des
Nordatlantiks, Nordmeeres bis nach Mitteleuropa einnimmt. Die Frontalzone
verläuft dabei glatt zonal entlang des 45. Breitengrades (gut ausgeprägter Jet
in 300 hPa mit über 100 kt, teils bis 150 kt) und damit über die Biskaya und den
Balkan hinweg, um dann über Osteuropa scharf nordwärts nach Lappland abzubiegen.
Ein Anblick, der hinsichtlich zonaler Ausprägung und vor allem auch südlicher
Positionierung zu dieser Jahreszeit das ein oder andere verwunderte Augenreiben
hervorrufen kann. Der Höhentrog ist dabei über Deutschland mit mäßig-kalter Luft
knapp unter -25 Grad in 500 hPa angefüllt. Bodennah bestimmt ein mehrkerniger
Tiefkomplex über Skandinavien (Kerndruck etwas unter 1000 hPa) und der
nördlichen Nordsee das Geschehen, wobei durch den Druckunterschied zum Hoch über
der südlichen Biskaya (1025 hPa) vor allem über Süddeutschland noch ein stark
böiger Westwind weht (Bft 7, exponiert 8). Dieser gewährleistet auch nach wie
vor zu Zustrom subpolarer Meeresluft mit 850 hPa Temperaturen nur wenig über dem
Gefrierpunkt. Die Luftmasse bleibt leicht instabil geschichtet, so dass sich vor
allem mit dem Tagesgang zahlreiche Schauer und bei Wolkenobergrenzen zwischen
-30 und -40 Grad auch lokale Gewitter entwickeln. Diese sollten in der Regel der
Marke „gelb-ocker“ sein. Starkregen um 15 l/qm binnen einer Stunde,
kleinkörniger Hagel und eine stürmische Böe sind in Verbindung mit den Gewittern
voraussichtlich das Höchste der Gefühle. Zwischendurch scheint aber auch mal
länger die Sonne. Die Temperaturen bleiben recht verhalten mit maximal 12 bis 18
Grad.

Am Mittwoch insgesamt wenig Wetteränderung. Im Tagesverlauf setzt leichter
Druckanstieg von Südwesten ein, der aber durch gleichzeitige Abschwächung des
Tiefkomplexes im Norden überkompensiert wird. Somit fächert der Gradient eher
leicht auf, in Verbindung mit Schauern und Gewitter kann es aber dennoch
weiterhin Windböen (Bft 7) geben. Ein zum Nachmittag hereinschwenkender
Kurzwellentrog von Benelux facht die Konvektion abermals an bzw. eröffnet auch
die Option eines schmalen Bandes mit schauerartig verstärkten Regenfällen –
voraussichtlich aber außerhalb der Warnrelevanz.

Am Donnerstag wölbt sich im Vorfeld eines kleinräumigen, aber giftigen
Sturmtiefs, das die Britischen Inseln erreicht, ein flacher Rücken von Westen
auf. Je nach Timing werden die Schauer dann vor allem im Westen und Süden immer
seltener und schwächer. Bei längerem Sonnenschein kann es lokal für 20 Grad
reichen. Der Wind weht oft nur noch schwach und dreht tendenziell rück auf
Südwest.

Am Freitag zieht o.e. Tief unter Abschwächung quer über Deutschland hinweg. Es
wird dabei aufgrund des weit südwärts ausgebeulten Troges wohl ziemlich schnell
achsensenkrecht und verliert komplett die thermischen Gegensätze. Zum Glück
möchte man meinen, denn sonst hätte wohl neben (schwerem) Sturm auch
gebietsweise mehrstündiger Starkregen gedroht. Laut den deterministischen Läufen
geht es wohl vergleichsweise glimpflich ab mit der ein oder anderen Windböe (Bft
7) und 10-20 lokal vielleicht auch mal 30 l/qm binnen 24 Stunden über der
nördlichen Mitte. Aufgrund des noch weiten Vorhersagehorizontes darf man das
Ereignis aber nicht unterschätzen.

An Pfingsten wird der Höhentiefkomplex durch einen südwärts ablaufenden
Trogvorstoß von den Britischen Inseln nach Italien regeneriert. Am Rande eines
schwachen Hochs über Frankreich ist der bodennahe Einfluss aber leicht
antizyklonal geprägt. Das verhindert zwar nicht komplett die Schaueraktivität,
erhöht jedoch die Chancen, dass man mancherorts auch mal trocken durch den Tag
kommt bei zeitweiligem Sonnenschein. Bei den Temperaturen sind weiterhin keine
großen Sprünge drin. Bei guter Durchmischung ist bei T850 hPa um die 0 Grad
mehrheitlich bei rund 15 Grad Schluss. Bei nächtlichem Aufklaren droht Frost in
Bodennähe.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neuste Lauf des IFS liegt in guter Übereinstimmung zu seinen Vorläufen.
Lediglich das zu erwartende kleinräumige Sturmtief über den Britischen Inseln am
kommenden Donnerstag, das unter Abschwächung am Freitag nach Deutschland ziehen
soll, bereitet offensichtlich größere Schwierigkeiten. Während der heutige 0z
Lauf die Entwicklung sehr ähnlich zum gestrigen 0z Lauf simuliert (Kerndruck zum
Höhepunkt etwas unter 1000 hPa), ergab die Lösung vom gestrigen 12z Lauf eine
deutlich nördlichere Position nördlich von Irland mit einem Kerndruck von unter
985 hPa. Der Einfluss auf Deutschland wäre dennoch zyklonal geprägt und hätte
somit keine gravierenden Veränderungen zur Folge. Auch das Sturmfeld wäre weit
genug weg über den britischen Inseln. Es wird spannend zu beobachten sein,
inwiefern der heutige 12z Lauf die Linie der 0er Läufe beibehält oder wieder
umschwenkt.
Unterschiede hinsichtlich der Niederschlagsschwerpunkte liegen aufgrund des
konvektiven, tagesganggeprägten Charakters in der Natur der Sache.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

In den synoptischen Basisfeldern und den daraus folgenden Auswirkungen auf das
mittelfristige Wettergeschehen unterscheiden sich auch andere gängige
Globalmodelle kaum. Auffällig ist, dass UKMO und größtenteils auch GEM die
Lösung des gestrigen IFS 12z Laufes stützen. Dadurch wird unter dem Strich eine
vorübergehende Wetterberuhigung am Donnerstag von Südwesten wahrscheinlicher. In
welcher Stärke des Tief uns am Freitag im Westen erreicht, ist noch sehr
unsicher.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Der Blick auf die Rauchfahnen nimmt den Wärmeliebhabern frühzeitig jede
Hoffnung. Bis einschließlich Pfingsten besteht auch im EPS weitestgehend
Einigkeit, dass die Temperaturen in 850 hPa mehr oder weniger um die 0 Grad
verharren. Nur in Süddeutschland deutet sich zum Donnerstag/Freitag hin mal ein
kurzer Hüpfer Richtung 10 Grad Isotherme an. Die Streuung reicht dabei aber von
+12 bis -3 Grad und die Mehrheit des EPS orientiert sich eher zur 0
Grad-Isotherme hin. Dies ist der noch großen Unsicherheit des Sturmtiefs
geschuldet und inwieweit damit die Strömung über Deutschland vorübergehend etwas
aufsteilen kann.
Dies zeigt sich auch anhand der Geopotentialverteilung, die mehrheitlich auf
einem niedrigen Niveau unter 550 gpdm verbleibt, im Süden an besagten Tagen aber
Spielraum bis 570 gpdm lässt.
Die Peaks in der Niederschlagsverteilung markieren die tagesgangbedingten
Fluktuation mit jeweiligen Minima in den Nachtstunden und Maxima tagsüber.

NAO positiv mit südlicher Frontalzone, das ist das Gebot der Stunde auch in den
Clustern. Von den 4 gebildeten Clustern im Zeitraum +120-168h (Do-Sa) ist
Cluster 1 mit 21 Membern am stärksten repräsentiert, worin sich auch Haupt- und
Kontrolllauf wiederfinden. Cluster 2 mit 14 Membern sieht auch noch recht
ähnlich aus. Bei den Clustern 3 und 4 (insgesamt 16 verbliebene Member) wird die
Entwicklung bis hin zu einem Orkantief auf dem Atlantik sehr stark betont, es
führt aber noch längere Zeit ein Eigenleben und erreicht die Britischen Inseln
erst am Freitag/Samstag. So oder so: Das wechselhafte Wetter würde auch bei
diesem Szenario bei uns nach kurzer Beruhigung wieder an Fahrt aufnehmen, da
Höhentrog und stationärer Tiefkomplex über Skandinavien weiterhin maßgebend
sind.

FAZIT:
An der Fortdauer des eher wechselhaften und etwas zu kühlen
Witterungsabschnittes gibt es auch in der kommenden Woche kaum Zweifel. Am
Donnerstag beruhigt sich das Wetter von Südwesten vorübergehend und im Süden und
Südosten kann gebietsweise die 20 Grad Marke überschritten werden. Ob sich am
Freitag etwa von NRW bis zur Mitte ausgreifend eine potentielle Sturm- und/oder
Starkregensituation anbahnt, ist noch sehr unsicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Signale für Starkregen gibt es in den Ensembleverfahren so gut wie keine.
Dennoch kann es bei der vorherrschenden Luftmasse bei PPW’s bis 20 mm bei
langsamer ziehenden Gewitterzellen beziehungsweise im Bereich
strömungsparalleler Schauerstraße punktuell 15-20 l/qm binnen einer Stunde
geben. Auch stürmische Böen und kleinkörniger Hagel sind nicht ausgeschlossen,
bleiben aber die Ausnahme.

STURM:
Am Dienstag lassen sich über dem Alpenraum Signale des EFI finden mit 0.7, aber
kaum positiver SOT. Das spricht ebenfalls für ein markantes, aber kein
unwetterartiges Ereignis. Die Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen liegen nach
COSMO-LEPS am Alpenrand bei 20-35%, bei EZ-EPS in der Spitze bei knapp 50% und
beim ICON-EPS sogar bei bis zu 70% – im Großen und Ganzen also ein
vergleichsweise wahrscheinliches Szenario.
Nächste Woche Freitag gibt es in Verbindung mit dem herannahenden Tief im Westen
bisher lediglich erhöhte SOT Signale – ohne EFI.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen

SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Freitag, den 14.05.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 14.05.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Unter Tiefdruckeinfluss bleibt es wechselhaft und kühl mit einzelnen Gewittern.
In exponierten Höhenlagen weht der Wind zeitweise stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland unter tiefem Geopotential, das sich vom Nordwesten
Europas über Mitteleuropa hinweg südostwärts erstreckt. Damit verbunden ist im
Bodendruckfeld eine umfangreiche Zone tiefen Luftdrucks, die weite Teile Europas
überdeckt. Dabei gibt es aktuell zwei Haupttiefs. Eines über dem Seegebiet
westlich von Irland und ein weiteres über Südskandinavien und dem Baltikum. Die
Frontalzone verläuft südlich von uns, sodass wir uns auf dessen kalter Seite
befinden. Dabei ist bei uns relativ kühle Meeresluft wetterbestimmend, die in
850 hPa Temperaturen zwischen 6 und 3 Grad aufweist. Im Bereich des Höhentroges
haben sich in einer labil geschichteten Luftmasse tagsüber vornehmlich im Westen
und Südwesten einige Schauer sowie örtlich kurze Gewitter entwickelt. Diese
fallen bedingt durch den Tagesgang und durch leichten Druckanstieg am Boden im
Laufe des Abends und eingangs der Nacht meist in sich zusammen, kommen aber
nicht gänzlich zum Erliegen, da von Westen ein Randtrog zu uns reinschwenkt. Er
sorgt im Südwesten, aber auch aus den Alpen heraus im Südosten Bayerns in der
Nacht für erneute Schauer.
Die skaligen Niederschläge, die derzeit noch im Norden und Nordosten am Rande
der von Skandinavien bis zum Baltikum reichenden Tiefdruckrinne auftreten,
werden sich mit Abzug der selbigen Richtung Norden bzw. durch weiteres Auffüllen
ebenfalls weiter abschwächen bzw. über den äußersten Norden und Nordosten
Deutschlands Richtung Ostsee abziehen. Nachfolgend lockert die Bewölkung im
Norden und Osten stärker auf. So kann sich in den Gebieten, in denen es noch
länger geregnet hat, teils dichter Nebel bilden. In den weiteren Landesteilen
sollten sich bei teils dichter, teils aufgelockerter Bewölkung nur lokal
Nebelfelder bilden. Die Temperatur sinkt auf 8 bis 3 Grad ab. Bedingt durch
einen Low-Level-Jet kann der Wind insbesondere im Hochschwarzwald zeitweise
stürmisch aus Südwest auffrischen.

Samstag … verbleiben der Haupttrog und das Haupttief westlich der Britischen
Inseln. Ausgehend davon schwenkt der o.e. Randtrog mit der höhenkältesten Luft
(T500 hPa um minus 25 Grad) langsam nordostwärts über Deutschland hinweg. Somit
verlagert sich auch die labilere Luftmasse (CAPE bis 450 J/kg) von der Mitte in
den Norden des Landes, sodass die Konvektion am Nachmittag hauptsächlich im
Norden und Osten des Landes zu erwarten ist mit Schauern und einzelnen
Gewittern. Bei PPW bis 18 mm und nur geringer Scherung, kann es lokal markanten
Starkregen geben. Auch einzelne Böen bis 60 km/h (Bft 7) sowie kleinkörniger
Hagel sind nicht ausgeschlossen. Zwischen den Schauern kann sich im Norden und
Osten auch mal kurz die Sonne zeigen.
Eher trüb gestaltet sich der Tag dagegen im Westen und Südwesten. Denn nach
Abzug des ersten Randtroges folgt dort ein weiterer Randtrog. Er ist verbunden
mit einem teilokkludierten Frontensystem des Tiefs westlich der Britischen
Inseln, das im Laufe des Vormittags zunächst auf den Westen und Südwesten
übergreift und allmählich ost- bzw. nordostwärts vorankommt. Die damit
verbundenen Niederschläge sind meist nur leicht (<5mm in 6 Stunden), verstärken
sich aber mit Reinschwenken des Randtroges vor allem über dem Südwesten des
Landes. Dann können im Bereich des Schwarzwaldes auch mal um 10 mm in 6 Stunden
fallen. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass sich am Vorderrand der
Okklusionsniederschläge von RLP über Hessen, den Norden BaWüs und Bayerns bis
nach Thüringen einzelne Gewitter entwickeln. Im Südosten Bayerns bleibt es
präfrontal noch trocken mit einigen Wolkenlücken.
Mit Übergreifen der Front frischt der Südwestwind etwas auf, vor allem in den
Höhenlagen der zentralen und südwestlichen Mittelgebirge mit Böen um 60 km/h, im
Hochschwarzwald sind auch Sturmböen bis 80 km/h möglich. Die Temperatur erreicht
15 bis 19 Grad, mit den höchsten Werten bei Sonne im Osten/Nordosten. Im
Südwesten bleibt es bei dichter Bewölkung kühler bei Werten um 14 Grad.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt auch der zweite Randtrog nebst eingelagertem
okkludiertem Frontensystem nordostwärts über Deutschland hinweg. Die konvektiven
Niederschläge im Norden werden also zunächst Richtung Norden abgedrängt, bevor
mit der Okklusion weitere leichte Niederschläge aufkommen. Auch im Südosten
Bayerns kommen die Niederschläge an, wo sie bedingt durch etwas mehr Hebung
etwas stärker ausfallen können und so gebietsweise Mal an die 10 mm in 6 Stunden
fallen können. Meist bleiben aber die Mengen unter 5 mm. Postfrontal lockert die
Bewölkung von Westen etwas auf, vereinzelt gibt es noch Schauer und auch der
Wind lässt wieder nach. Einzig im Hochschwarzwald sowie auf dem Brocken kann er
noch teils stürmisch wehen. Es kühlt auf 10 bis 4 Grad ab.

Sonntag … verlagert sich der zonal ausgerichtete Höhentrog etwas ostwärts und
liegt schließlich mit seinem Drehzentrum über den Britischen Inseln und auch das
Bodentief liegt nahezu achsensenkrecht in diesem Gebiet. Die Okklusion ist
ostwärts abgezogen. Deutschland verbleibt aber im Einflussbereich des
Höhentroges, sodass der Wetterablauf dem an den Vortagen ähnelt. Innerhalb einer
landesweit labil geschichteten Luftmasse (CAPE bis etwa 200 J/kg) entwickeln
sich Schauer und einzelne Gewitter mit ähnlichen Begleiterscheinungen wie am
Vortag. Mit der Neubildung eines flachen Tiefs etwa über der Deutschen Bucht
bzw. mit Annäherung des Tiefs über England verschärft sich der Druckgradient vor
allem über dem Südwesten Deutschlands etwas, sodass dort teilweise bis in tiefe
Lagen Böen um 55 km/h (Bft 7) aus Südwest auftreten können, im Hochschwarzwald
gibt es weiterhin Sturmböen (Bft 9) oder sogar schwere Sturmböen (Bft 10). Die
Sonnenanteile bleiben weiter gering bei Höchstwerten zwischen 13 und 18 Grad.

In der Nacht zum Montag kommen das Höhentief und das Hauptbodentief Richtung
Nordsee voran. Ausgehend davon schwenkt ein erneuter Randtrog von Frankreich
kommend Richtung Deutschland. Somit kommen nach kurzer Wetterberuhigung vor
allem in der Westhälfte erneut Schauer auf. An der Windsituation ändert sich
wenig. Es kühlt auf 9 bis 4 Grad ab.

Montag … schwenkt der Randtrog nach Deutschland rein, sodass uns der Einfluss
tiefen Geopotentials weiter erhalten bleibt. Das Bodentief zieht unter
Abschwächung von der südlichen Nordsee Richtung Schleswig-Holstein. An dessen
Südostflanke hält die Zufuhr relativ kühler Meeresluft bei uns weiter an, sodass
die Temperaturen kaum mehr als 13 bis 18 Grad erreichen. Der wechselhafte
Wettercharakter bleibt erhalten, sodass sich erneut schauerartige und teils
gewittrige Niederschläge entwickeln. Mit Verlagerung des Tiefs nimmt der
Gradient über der Mitte und dem Süden noch weiter zu. Entsprechend muss in
tiefen Lagen recht verbreitet mit Windböen Bft 7, in höheren Lagen mit
stürmischen Böen Bft 8, in exponierten Gipfellagen auch mit Böen bis hin zur
schweren Sturmstärke (Bft 10) gerechnet werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die betrachteten Modelle prognostizieren die Wetterentwicklung der kommenden
Tage ähnlich. Etwaige kleinere Unterschiede bezüglich der
Niederschlagsschwerpunkte ergeben sich aufgrund des meist konvektiven Charakters
der Niederschläge.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Freitag, den 14.05.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 14.05.2021 um 10.30 UTC

Kühle und feuchte, wechselhafte West- bis Nordwestwetterlage. In Staulagen etwas
höhere Niederschlagsmengen möglich. Zeit- und gebietsweise windig, einzelne
Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 21.05.2021

Montag … reicht ein Langwellentrog vom Nordostatlantik über die Britischen
Inseln und die Nordsee bis nach Mitteleuropa, der Jetstreak verläuft dabei von
der Biskaya bis zum Bosporus südlich der Alpen. Im Bereich des Troges strömt
kühle Meeresluft subpolaren Ursprungs heran, die T 850 pendelt um 1 bis 4 Grad.
Das Bodendruckfeld ist ebenfalls bestimmt durch tiefen Luftdruck, zum
Mittagstermin sind über der Nordsee und Dänemark mehrere Tiefdruckkerne
ersichtlich. Wesentliche thermische Gradienten und damit einhergehend frontale
Strukturen lassen sich dabei über Deutschland aber nicht ableiten. Bei
ausgesprochen wechselhaften Verhältnissen mit immer wieder auftretenden, teils
schauerartig oder gewittrigen Niederschläge und vor allem im Südwesten zeitweise
stark böig auffrischendem Wind kommen die Temperaturen nicht an die
20-Grad-Marke heran. In der Nacht zum Dienstag setzt sich dieser Trend fort,
wenngleich die Schauerwahrscheinlichkeit sich regional etwas reduziert. Die
Nacht verläuft daher und aufgrund der kaum vorhandenen Wolkenlücken frostfrei,
im Südwesten bleibt vor allem in freien Lagen der stark böige Südwestwind
erhalten.

Dienstag und Mittwoch … etabliert sich der Langwellentrog über Nordwest-,
Mittel- und Osteuropa. Die wechselhafte und kühle Witterung (T 850 unverändert)
findet dabei seine Fortsetzung. Immer wieder muss mit schauerartigen
Niederschlägen gerechnet werden, die sich in der Nacht zum Mittwoch aufgrund
eines im Bodendruckfeld von der Iberischen Halbinsel nach Mitteleuropa
reichenden Keils vorübergehend abschwächen können. Am Mittwoch tagsüber werden
diese allerdings einhergehend mit einem von West nach Ost durchschwenkenden
Randtrog wieder angefacht. Einzelne Gewitter sind möglich. Die Tagesmaxima
reichen weiterhin von 12 bis 17 Grad, in den Nächten kühlt es auf 9 bis 3 Grad
ab. Der Wind ist deutlich spürbar, zeitweise und vor allem in Schauernähe kommt
es zu starken, vereinzelt stürmischen Böen aus Südwest. Zwischendurch ist auch
etwas Sonne möglich, diese Abschnitte sind aber meist zeitlich begrenzt.

Donnerstag … wölbt sich im Geopotentialfeld in 500 hPa von Südwesteuropa ein
Rücken in Richtung Westeuropa/westliches Mitteleuropa auf. Die nun über
Deutschland leicht antizyklonalen Strukturen stützen auch etwas ansteigenden
Luftdruck im Bodenniveau. Die Schauerwahrscheinlichkeit nimmt daher von den
Alpen her zunehmend ab, bleibt aber über dem Norden weiterhin erhalten.
Gleichzeitig vertieft sich ein ins Seegebiet zwischen Bretagne und Cornwall
ziehendes Tief (Kerndruck unter 1005 hPa), wobei der Südwesten Deutschlands hohe
und mittelhohe Wolkenfelder der Warmfront abbekommt. An der
Luftmassencharakteristik ändert sich aber nur unwesentliches, nur im äußersten
Süden sind etwas höhere Werte in 850 hPa zu erwarten. Allerdings kommen die
Höchstwerte auch dort trotz etwas Sonnenunterstützung nur etwas über die
15-Grad-Marke hinaus. Der Wind ist etwas schwächer als an den Vortagen,
allerdings sind einzelne starke Böen weiterhin nicht ausgeschlossen. In der
Nacht zum Freitag zieht das vorhin erwähnte Bodentief unter weiterer Vertiefung
in Richtung Mitte Deutschlands. Damit fällt in der Nacht wieder verbreitet
Regen, der schauerartig verstärkt sein kann. Vor allem in den klassischen
Weststaulagen sind auch etwas höhere Mengen möglich.

Freitag … zieht das Bodentief weiter in Richtung Polen. Längere trockene
Phasen sind damit unwahrscheinlich, in den Nachmittagsstunden werden die
Niederschläge zudem durch das Einfließen von etwas höhenkälterer Luft im Westen
schauerartig verstärkt. Die einströmende Meeresluft weist weiterhin einen
subpolaren Ursprung auf. In weiterer Folge etabliert sich voraussichtlich wieder
der Trog über Mitteleuropa.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der verschiedenen Läufe des EZMW kann bezüglich der
Großwetterlage als sehr konsistent bezeichnet werden. Der umfassende Trog, der
weite Teile Europas beeinflusst, bleibt auch für Deutschland im
Mittelfristzeitraum weit überwiegend wetterbestimmend. Dabei strömt kühle
Meeresluft heran, die erwarteten Temperaturen sind unterdurchschnittlich. Zudem
kommt es immer wieder zu Regenfällen, die schauerartig (verstärkt) sein können.
In manchen Staulagen kann es abschnittsweise länger regnen. Der genaue Ablauf
zwischen Regen und trockenen Abschnitten kann aber zeitlich nicht genau
eingegrenzt werden, da die kleinräumigen niederschlagsbildenden Abläufe
Unsicherheiten aufweisen. Besonders beim zum Ende des Mittelfristzeitraum
durchziehenden Tief gibt es größere Unwägbarkeiten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Großwetterlage (Trog Mitteleuropa) wird von den verschiedenen Modellen sehr
ähnlich simuliert, die Unsicherheiten in der genauen Niederschlagsprognose sind
natürlich nicht vermeidbar. Am allgemeinen Wettercharakter mit wechselhaft-kühl
ist damit zu Beginn des Mittelfristzeitraums nicht mehr zu rütteln. Ab Mittwoch
kommt es jedoch zu Unterschieden, denn ICON rechnet bereits an diesem Tag ein
vom Atlantik zu den Westalpen ziehendes, dabei auffüllendes Tief. Dies hätte im
Süden länger anhaltende, eventuell warnrelevante Niederschläge zur Folge. Das
bei EZMW einen Tag später auf den Plan tretende Tief hat ICON dagegen nicht im
Plan, dafür lässt dieses Modell den Druck von Südwesten her, gestützt durch den
progressiver aufsteilenden Rücken über Westeuropa, etwas steigen. GFS nimmt eine
gewisse Zwischenposition ein mit einem glatter verlaufenden Geopotentialfeld.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für verschiedene Orte in Deutschland stützen die
deterministischen Aussagen. Die Temperaturkurve in 850 hPa verläuft
ausgesprochen glatt ohne wesentliche Streuung und pendelt dabei zwischen 1 und 5
Grad. Dies geht einher mit Niederschlagssignalen, wobei massive Peaks nicht
erkennbar sind. Eine mögliche Dauerregengefahr basiert daher auf den längeren
Warnkriterien oder kurzzeitigen, lokal eng begrenzten Starkregenereignissen. Am
Donnerstag nimmt die Unsicherheit etwas zu, wobei sich nach dem kurzzeitigen
Geopotentialanstieg relativ schnell wieder die kühle, wechselhafte Troglage
einstellen könnte.

CLUSTER:
+120 … 168h: Es liegen drei Cluster vor, deren Memberanzahl zwischen 11 und 22
liegt. Dabei wird meist positive NAO angezeigt, wobei C1 eher glattere
Geopotentiallinien zusammenfasst und die beiden anderen etwas Mäandern über
Südeuropa zulässt.

+192 … 240h: Die Clusteranzahl erhöht sich auf 6, wobei die Member
gleichverteilt sind. Selbst C1 weist nur 10 Mitglieder auf, der Hauptlauf ist
diesem ebenfalls zugeordnet. Der Kontrolllauf befindet sich in C4, das den
Rücken über Westeuropa deutlicher aufsteilen lässt. Die Mehrzahl der Cluster
setzt aber auf Trog Mitteleuropa, teils auch Trog Westeuropa.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

REGEN:
In manchen Staulagen (evt. westlicher Alpenrand am Mittwoch/Donnerstag) ist das
Übertreffen von Warnschwellen für markanten Stark-/Dauerregen nicht
ausgeschlossen. Bei Gewittern sind 15 l/qm in einer Stunde ebenfalls nicht
ausgeschlossen.

WIND:
Im Bergland und freien Lagen des Südwestens und Südens einzelne stürmische Böen
gering wahrscheinlich.

Der EFI weist am Beginn des mittelfristigen Zeitraums im Südwesten und Süden
beim Wind erwähnenswerte Signale auf, beim Regen gibt es im Westen sporadische
Hinweise.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Veröffentlicht unter DWD, Prognose | Verschlagwortet mit

SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 13.05.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 13.05.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Von Ostbayern über Sachsen bis ins südliche Brandenburg bzw. Sachsen-Anhalt bis
Freitagfrüh noch Dauerregen. Ansonsten Mischung aus TrW und TM; unbeständig mit
Schauern und Gewittern, kühl.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines vom Nordmeer
über Island und den Britischen Inseln bis nach Frankreich gerichteten, mit
mehreren Drehzentren ausgestatteten Höhentrogkomplexes. Dieser wird flankiert
von einem Höhenkeil, der sich – ausgehend von einem umfangreichen
Hochdruckgebiet über dem Nordwesten Russlands – über Nord- und
Mittelskandinavien zunächst west-, dann aber südwärts bis in die Osthälfte des
Vorhersagegebietes bzw. nach Westpolen erstreckt. Im Laufe der Nacht wird der
Keil mehr und mehr in die Zange genommen, einerseits, da sich der
quasistationäre Höhentrog von Westen her allmählich nach West- und
Südwestdeutschland „vorarbeitet“, andererseits aber auch, da sich ein Höhentief
über dem Baltikum zögernd Richtung südöstliche/mittlere Ostsee verlagert. Somit
nimmt die anfänglich noch antizyklonale südöstliche Höhenströmung allmählich
eine zyklonale Kontur an und dreht mit Übergreifen eines flachen Randtroges über
Süddeutschland auf Süd bis Südwest.
Im Bodenfeld stellt sich die Druckverteilung zwar eher schwachgradientig, aber
doch recht komplex dar. Nach wie vor existiert über der Osthälfte Deutschlands
an der Westflanke eines über Polen allmählich nordwärts ziehenden flachen
Tiefdruckgebietes eine Gegenstromlage (Nordwestwind in den unteren 2 km, Südost-
bis Ostwind darüber), die anfangs noch durch trogvorderseitige WLA gestützt
wird, so dass es vor allem vom Erzgebirge nordwestwärts über weite Teile
Sachsens, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts bis ins nordöstliche Niedersachsen
bzw. nach Westmecklenburg teils länger anhaltend regnet. Insgesamt verlagert
sich der Schwerpunkt der allmählich abklingenden Niederschläge zögernd ein wenig
nach Nordosten, so dass die Warnungen vor Dauerregen bis Freitagfrüh nach und
nach auslaufen bzw. aufgehoben werden können. Am Ostrand des Regengebietes hat
es heute tagsüber einzelne Gewitter gegeben, einige ICON-D2-Läufe und auch der
ICON-EU-Lauf von 06 UTC haben auch für die Nacht entsprechende Signale für Teile
Brandenburgs auf der Agenda (der 12 UTC-Lauf des ICON-EU allerdings nicht mehr).
Ein Starkregenereignis (ein- oder mehrstündig) wäre dann nicht ausgeschlossen,
die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber nur sehr gering.
Ebenso deuten einige Konvektion erlaubende Modelle (z.B. SuperHD) ein
Übergreifen der Gewittertätigkeit von Polen her auf das östliche Brandenburg
bzw. Mecklenburg-Vorpommern her. Diese sind von der Grundschicht entkoppelt
(„elevated“), also vom Typ Warmlufteinschubgewitter (die Warmfront des Tiefs
über Polen steift im Laufe der Nacht den äußersten Nordosten Brandenburgs und
Ostvorpommern) und könnten bei PPW-Werten um 25 mm ebenfalls für ein lokales
Starkregenereignis sorgen. Allerdings gibt es aktuell keine Hinweise darauf und
auch die Modelle agieren diesbezüglich zunehmend zurückhaltend.
Ansonsten gilt es den Blick gen Westen zu richten. Dorthin erstreckt sich –
ausgehend von einem kleinräumigen, aber hochreichenden Tiefdruckgebiet (das
Bodentief befindet sich nahezu achsensenkrecht über einem Höhentief) über dem
Ärmelkanal – eine flache Tiefdruckrinne in den Westen und die Mitte
Deutschlands, beginnt sich aber allmählich aufzufüllen. Innerhalb dieser mit
einer Konvergenz ausgestatteten Rinne hat sich tagsüber die Hauptschauer- und
Gewitteraktivität abgespielt. Die Luftmasse im Bereich des nach
Südwestdeutschland vordringenden Troges ist hochreichend indifferent bis labil
geschichtet (-22 bis -25 Grad in 500 hPa, 2 bis 4 Grad in 850 hPa). Im Laufe der
Nacht klingen die Schauer und Gewitter allerdings tagesgangbedingt ab, lediglich
entlang der Konvergenz, die sich morgens etwa vom Westmünsterland bis ins
Vogtland erstreckt, dann allerdings anhand des Windfeldes kaum mehr auszumachen
ist, wird noch etwas Regen simuliert. Ansonsten bleibt es vielerorts trocken,
die Wolken lockern gebietsweise stärker auf und es kann sich Nebel bilden. Die
Tiefstwerte liegen unter den dichten Wolken im Osten und Norden meist zwischen
10 und 6 Grad, während es sonst auf 7 bis 2 Grad abkühlt, vor allem in der Eifel
sowie in den südwestdeutschen Mittelgebirgen kann es in einigen Tälern
Bodenfrost, in den klassischen „Kältelöchern“ auch Luftfrost geben.

Freitag … verlagert sich ein recht markanter Höhentrog von Westen her ins
Seegebiet westlich der Britischen Inseln und wird in weiterer Folge den gesamten
Trogkomplex über West- und Nordwesteuropa regenerieren. Zunächst einmal aber
wird das Drehzentrum bzw. Höhentief über dem Ärmelkanal bzw. der Normandie durch
beginnende WLA „zugeschüttet“. Übrig bleibt aber ein recht scharf konturierter
kurzwelliger Randtrog, dessen Achse sich abends über Nordostfrankreich befindet.

Das Höhentief über der südöstlichen bzw. mittleren Ostsee bleibt dort
quasistationär. Zwischen beiden Systemen wird der flache Höhenkeil weiter
abgebaut und ist nur noch in höherer Auflösung als Potenzialbrücke zu erkennen,
die sich über die Osthälfte Deutschlands erstreckt. Somit bleibt es bei einer
schwachgradientigen südsüdwestlichen Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet,
die leicht zyklonal konturiert ist.
Das flache Bodentief über Polen zieht allmählich zum Baltikum, dabei erstreckt
sich nach wie vor eine Rinne über den Nordwesten Polens und die westliche Ostsee
bis nach Südnorwegen. Darin eingebettet befindet sich weiterhin die
quasistationäre Warmfront, die grade so den äußersten Nordosten Deutschlands
erreicht hat, aber nicht weiter nach Südwesten vorankommt. Vorderseitig der
Warmfront bleibt noch eine schwache Gegenstromlage aufrecht, wobei der Wind in
allen Höhenlagen weiter abnimmt und entsprechend auch die Advektions- bzw.
Hebungsprozesse nachlassen. Die aus der Gegenstromlage resultierenden Regenfälle
verlieren somit weiter an Intensität und kommen allmählich noch etwas nach
Nordosten voran. Sie reichen von Brandenburg über Mecklenburg bis nach
Schleswig-Holstein, wobei aber nur noch gebietsweise mehr als 5 mm in 12 Stunden
simuliert werden. Im äußersten Nordosten (Ostvorpommern) bleibt es wohl trocken.

Im Rest des Landes macht sich dagegen der allmählich vorrückende Randtrog
bemerkbar. Zwar füllt sich die Tiefdruckrinne weiter auf und ist als solche kaum
mehr erkennbar, dennoch labilisiert die Luftmasse einerseits tagesgangbedingt,
aber auch aufgrund schwacher mitteltroposphärischer KLA im Tagesverlauf
verbreitet, die Temperatur in 500 hPa sinkt noch etwas auf -22 bis -26 Grad,
während sie in 850 hPa bei etwa 4 Grad verharrt.
Somit lebt die Schauertätigkeit ab dem späten Vormittag wieder auf, erneut gibt
es vielerorts auch kurze Gewitter. Vor allem entlang des Nordrandes der
Mittelgebirge, vom westlichen NRW/südwestlichen Niedersachsen bis nach
Westsachsen, in etwa im Bereich des ehemals (und jetzt wohl rudimentär noch
immer) konvergenten Windfeldes werden dabei mit 100 bis 300 J/kg die höchste
ML-Cape simuliert, die leicht erhöhten PPW-Werte dort (17 bis 20 mm) sprechen
für eine Feuchtekonvergenz. Von dort bis in den zentralen Mittelgebirgsraum
dürfte sich die Schauer- und Gewittertätigkeit schwerpunktmäßig abspielen. Aber
auch im Südwesten und an den Alpen lebt die Gewittertätigkeit – mit
Unterstützung durch die Orographie – im Tagesverlauf auf. Die
Begleiterscheinungen dürften sich kaum von den heutigen unterscheiden. Meist
spielen sie sich im „gelben“ Warnbereich ab (Böen Bft 7, Graupel). Kleinräumig
kann es aufgrund von Verclusterung und wegen der geringen Zuggeschwindigkeit
Starkregen geben; wenn es ganz blöd läuft, auch mal mehr als 25 mm in einer
Stunde.
Kaum Schauer gibt es hingegen in einem schmalen Streifen zwischen Regengebiet im
Nordosten und der labileren Luftmasse weiter südwestlich etwa vom nordwestlichen
Niedersachsen bis zur Lausitz, aber auch in weiten Teilen Ost- und Nordbayerns
bleibt es vielerorts trocken.
Während es im Nordosten, nahe der Warmfront bzw. im Bereich der sich
abschwächenden Gegenstromlage, überwiegend stark bewölkt bis bedeckt bleibt
(außer vielleicht im äußersten Osten Vorpommerns), zeigt sich ansonsten durchaus
auch mal länger die Sonne, vor allem am Vormittag und in den Regionen zwischen
Main und Donau. An den Höchstwerten ändert sich nur wenig, mehr als 13 Grad bei
bedecktem Himmel und nahe 20 Grad bei längerem Sonnenschein sind nicht zu
erwarten.

In der Nacht zum Samstag kommt der kurzwellige Randtrog mit seiner Achse
nordostwärts voran und erstreckt sich morgens über Belgien und Westdeutschland
südostwärts bis nach Ostbayern. Derweil setzt sich die Regeneration des
Trogkomplexes über dem nahen Ostatlantik weiter fort, an dessen Südflanke stößt
die Frontalzone über Frankreich bis in den westlichen bzw. zentralen
Mittelmeerraum vor. Die Spitze des Randtroges kann über Süddeutschland
vorübergehend mit dem linken Jetausgang interagieren, so dass dort,
PVA-induziert, dynamische Hebung in Gang kommt. Somit breiten sich aus den Alpen
heraus schauerartige Regenfälle auch auf das Alpenvorland aus, die Mengen sind
aber mit meist weniger als 5 mm nicht warnrelevant, lediglich nach Osten zu
werden kleinräumig nahe 10 mm simuliert, kurze eingelagerte Gewitter nicht
ausgeschlossen.
Im Bodenfeld schiebt sich mit Trogpassage ein flacher Hochkeil nach Südwest- und
Süddeutschland, während über Frankreich bereits wieder Druckfall einsetzt. Vor
allem im Südwesten und in der Mitte des Landes verschärft sich der Druckgradient
dadurch etwas und zumindest in den Höhenlagen frischt der Wind aus Südwest auf.
Warntechnisch ist das aber nicht von Relevanz.
Ansonsten klingen die Schauer und Gewitter im Laufe der Nacht allmählich wieder
ab, vor allem im Bereich der höhenkältesten Luftmasse, im Westen, kann es aber
die ganze Nacht über noch einzelne Schauer geben. Die Tiefdruckrinne nordöstlich
des Vorhersagegebietes wird nur zögernd nach Nordosten abgedrängt, an deren
Südwestflanke fällt vor allem in Vorpommern noch etwas Regen.
Erneut steht eine kalte Nacht ins Haus. Die Tiefstwerte liegen meist zwischen 9
und 2 Grad. Bei geringer Bewölkung kann es vor allem im Bergland in ungünstigen
Lagen Bodenfrost geben.

Samstag … weitet sich der regenerierte Höhentrog mit Drehzentrum westlich
Irlands weiter nach Mitteleuropa aus, was zu großflächigem Geopotenzialverlust
und im Bodenfeld zu Druckfall führt. Dabei schwenkt der kurzwellige Randtrog mit
seiner Achse über die Mitte Deutschlands hinweg nach Norddeutschland. Somit
gerät zunehmend auch der Norden des Landes in den Einflussbereich hochreichend
kalter und labil geschichteter Meeresluft mit Temperaturen um -25 Grad in 500
hPa und 1 bis 4 Grad in 850 hPa. Ein zweiter, kurzwelliger Troganteil erreicht
im Tagesverlauf den Südwesten Deutschlands.
Im Bodenfeld wird der Hochkeil über Süddeutschland abgebaut und nach
Norddeutschland weitet sich von Westen her eine Tiefdruckrinne aus. An deren
Südflanke frischt der Wind aus Südwest auf, für warnrelevante Böen dürfte es
aber auch in den Hochlagen der Mittelgebirge nicht reichen. Im in die Rinne
eingebetteten konvergenten Windfeld ist naturgemäß auch eine Feuchtekonvergenz
eingebettet, innerhalb derer mit 100 bis 300 J/kg die höchste ML-Cape und mit 17
bis 20 mm auch die höchsten PPW-Werte simuliert werden. Somit dürfte sich die
Hauptschauer- und Gewitteraktivität im Bereich der Rinne im Norden und Nordosten
Deutschlands abspielen, aber auch im übrigen Land lebt innerhalb der labilen
Luftmasse tagesgangbedingt die Schauer- und Gewittertätigkeit auf. Ein zweiter
Schwerpunkt dürfte dabei mit Annäherung des Kurzwellentroges im Südwesten
liegen, wo im Tagesverlauf von Frankreich her schauerartige Regenfälle
einsetzen. Die geringsten Niederschläge werden noch im Südosten Bayerns sowie im
Lee von Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge simuliert.
Die Gewitter dürften ähnliche Begleiterscheinungen wie am Vortag aufweisen, mit
einem vielleicht leicht erhöhten Potenzial für Starkregen in Norddeutschland, da
dort im Bereich der Rinne die Zellen eher dazu neigen, zu verclustern und auch
eine geringe Zuggeschwindigkeit aufweisen.
Zwischen den Schauern lässt sich auch mal die Sonne blicken, am häufigsten wohl
vom Harz bis zur Lausitz bzw. dem Erzgebirgsvorland und vielleicht auch an den
Alpen, am seltensten im Südwesten und die Höchstwerte liegen meist zwischen 13
und 19 Grad.

In der Nacht zum Sonntag erreicht das Drehzentrum des Höhentroges Irland. Der
nach Mitteleuropa reichende und mit mehreren kurzwelligen Anteilen ausgestattete
Randtrog schwenkt allmählich nordwärts, so dass Süddeutschland unterhalb der
Frontalzone gerät, die Höhenströmung auf West bis Südwest dreht und sich
verschärft.
Im Bodenfeld schwenkt die Tiefdruckrinne über Norddeutschland allmählich
nordwärts, gefolgt von einem weiteren flachen Bodentrog, der auf
Südwestdeutschland übergreift. Die Schauer und Gewitter im Norden klingen zwar
allmählich ab, kommen aber nicht ganz zum Erliegen. Die schauerartigen
Regenfälle im Südwesten verlagern sich über Süddeutschland hinweg ostsüdostwärts
und geraten am Alpenrand aufgrund höhenströmungsparalleler Exposition zumindest
nach Lesart des ICON-EU ins Schleifen, dort und im Alpenvorland werden 5 bis 10
mm, im Allgäu auch bis 15 mm in 12 Stunden simuliert. Nach kurzer
Wetterberuhigung greifen dann von Frankreich her mit dem Bodentrog erneut
schauerartige Regenfälle auf Westdeutschland über. Auch in den Regionen
dazwischen können sich noch kurze Schauer entwickeln, mancherorts bleibt es aber
auch trocken. Mit 9 bis 3 Grad fällt die Nacht ähnlich frisch aus wie die
Vornächte, die Bodenfrostgefahr ist aber aufgrund der vielen Wolken eher als
gering einzuschätzen.

Sonntag … erreicht der Höhentrog mit seinem Drehzentrum England und wir
bleiben auf dessen leicht diffluent konturierter Vorderseite unterhalb einer
kräftiger werdenden westsüdwestlichen Höhenströmung. Die Frontalzone läuft
derweil auf ungewöhnlich weit südlicher Bahn vom Ostatlantik kommend über den
Norden der Iberischen Halbinsel, Südfrankreich, den Alpenraum bzw. Norditalien
und dem nördlichen Mittelmeerraum hinweg ostwärts. Somit bleibt das gesamte
Vorhersagegebiet im Einflussbereich der labil geschichteten Meereskaltluft (T500
hPa weiterhin zwischen -24 und -26 Grad, T850 hPa 2 bis 4 Grad).
Im Bodenfeld befindet sich die nach wie vor quasistationäre Tiefdruckrinne knapp
nördlich des Vorhersagegebietes, wobei sich über der Deutschen Bucht ein flaches
Tiefdruckgebiet etabliert. Vor allem im Südwesten des Land4es führt das zu einer
leichten Gradientverschärfung und der Südwestwind frischt auf, im
Hochschwarzwald und auf exponierten Alpengipfeln kann es eventuell stürmische
Böen (Bft 8), im höheren Alpenvorland steife Böen (Bft 7) geben.
Die schauerartigen Regenfälle am Alpenrand klingen dabei vorübergehend ab,
während die im Westen sich auf die mittleren Landesteile ausweiten. Aber auch
sonst entwickeln sich verbreitet Schauer und kurze Gewitter. Insgesamt wird
mangels Einstrahlung etwas niedrigere Cape (50 bis 200 J/kg) bei ähnlichen
PPW-Werten simuliert. Somit dürften die Begleiterscheinungen der Gewitter denen
der Vortage ähneln. Erneut simulieren die Modelle eigentlich durch die Bank weg
in einigen Regionen Ostdeutschlands, im Alpenvorland und in einigen Leelagen
eine geringere Schaueraktivität als anderswo. Diese Regionen sind auch bzgl.
Sonnenschein ein wenig bevorteilt, aber auch sonst lässt sich die Sonne zwischen
den Schauern auch mal blicken. Mit 13 bis 19 Grad ändert sich an den
Höchstwerten nur wenig.

Modellvergleich und -einschätzung

Mal abgesehen von den üblichen Differenzen bzgl. der räumlichen Verteilung und
Intensität der Niederschläge zeigen alle vorliegenden Modelle eine sehr ähnliche
Wetterentwicklung.
Am Rande sei noch erwähnt, dass vor allem am morgigen Freitag und am Samstag in
Regionen mit ausgeprägt konvergentem Bodenwindfeld bei vorhandener Labilität und
teilweise recht niedrigen Wolkenuntergrenzen ein kleines Potenzial für
kurzlebige Typ2-Tornados besteht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Donnerstag, den 13.05.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 13.05.2021 um 10.30 UTC

Wechselhaft, zum Ende leicht ansteigende Temperatur.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 20.05.2021

Zu Beginn der Mittelfrist ist die Druck- und Geopotenzialverteilung im
atlantisch-europäischen Raum weiterhin so gestaltet, dass der NAO-Index leicht
negativ verbleibt, mit Tendenz zu eher neutralen Verhältnissen zum Ende der
Mittelfrist. Grund hierfür ist eine positive Anomalie des Luftdrucks (und
Geopotenzials in 500 hPa) bei Grönland, die bei gleichzeitig negativer Anomalie
des Geopotenzials über weiten Teilen des Nordatlantiks zumindest in diesem
Bereich für eine High-over-Low-Situation sorgt, die gute Erhaltungseigenschaften
aufweist. Demgegenüber steht hohes Geopotenzial über Teilen des europäischen
Russlands (stark amplifizierter Rücken, teils bis in die Arktis reichend),
wodurch die Ostverlagerung einer ansonsten durch relativ kleine Wellenzahl (K~4)
geprägten zirkumpolaren Rossby-Welle in den mittleren und hohen Breiten der
Nordhemisphäre stark limitiert ist. Das ändert sich zur Wochenmitte hin, wo die
Wellenzahl und Amplifizierung der planetaren Welle insgesamt deutlich zunimmt
(Atlantik und auch Pazifik). Dieser Umstand ist unter anderem bedingt durch
stärkere meridionale und vertikale (troposphärische) Wellenflüsse in den
mittleren, teils auch in den hohen Breiten, die in der mittleren und oberen
Troposphäre regional (und zonal differenziert) zu einer Erhöhung des
Geopotenzials führen. Auf dem mittleren und Nordatlantik führt das zur
Wochenmitte hin zum Beispiel zur stärkeren meridionalen Austrogung nach Süden
und im Gegenzug zu einer Amplifizierung des hohen Geopotenzials etwa im Bereich
der Azoren.

Da sich die Amplitude aber anfangs noch in Grenzen hält, werden zunächst lokale
Jetstreaks mit lokal erhöhter Baroklinität erzeugt, die den Jet insgesamt
vorübergehend forcieren und damit die Phasengeschwindigkeit bei anfangs noch
kleineren Wellenlängen erhöhen. Anders ausgedrückt bringt das etwas Schwung in
die Ost-Verlagerung der Druckgebilde, zum Beispiel sollte der bisher
wetterbestimmende Trog über Mitteleuropa nach Wochenmitte in Richtung Ost- und
Südosteuropa tendieren und dabei amplifizieren.

Was danach passiert, kann naturgemäß als recht unsicher eingestuft werden.
Gründe hierfür sind einerseits in der auch von IFS in der Ausprägung
unterschiedlich simulierten Entwicklung des Geopots über dem Bereich Grönland zu
suchen, andererseits ist unklar, wie die weiterhin zonal ausgerichtete planetare
Welle zum Wochenende hin amplifiziert (siehe Clusterdarstellung IFS) wird.
Verstärkt hohes Geopotenzial auf einer Achse Grönland-Nordmeer könnte uns im
weiteren Verlauf die Großwetterlage Atlantischer Rücken (ATR) bescheren mit
kühlem und teils zyklonalen Einfluss von Skandinavien her. Negatives
Geopotenzial über weiten Teilen des Nordatlantiks (einschl. Grönland/Ostkanada)
könnte einerseits den zonalen Charakter der Strömung über dem Atlantik (und
damit auch über West- und Mitteleuropa) befördern (siehe Ensemble-Spread bei der
Vorhersage des NAO-Index mit geringem Trend zu NAO leicht positiv), andererseits
könnten die durch die Amplifizierung der Strömung weiter zunehmenden
meridionalen Wärmeflüsse letztendlich auch die Blocking-Tendenz über Mittel- und
Nordeuropa verstärken. Alle beschriebenen Szenarien sind in den aktuellen
Clustern des IFS wiederzufinden.

Nun noch kurz zum Wetterablauf bis Donnerstag, hier wird im Wesentlichen an die
gestrige Mittelfrist (12.05.21) angeknüpft:

Am Sonntag verlagert sich die Trogachse eines Randtrogs nordostwärts.
Von Westen her nähert sich die okkludierte Front des Tiefs bei den Britischen
Inseln an, vorgelagert können sich bodennah konvergente Windstrukturen
ausbilden. Die Folge sind konvektiv geprägte Niederschläge, dabei kann lokal
Starkregen um 15 mm in kurzer Zeit nicht ausgeschlossen werden. Zum Montag
greift der Trog unter Ausdehnung nach Süden und damit
leichter Amplitudenvergrößerung von Westen mehr und mehr auf Mitteleuropa über.
Durch seine markantere Ausprägung und bei allmählicher Annäherung des Bodentiefs
nimmt auch der Druckgradient im Süden und Südwesten zu. Hiermit sind neben teils
stürmischen konvektiven Böen auch solche aus dem Gradient bzw. als Kombination
wahrscheinlich.

Am Montag und zum Dienstag kommt es südlich der Alpen an der Trogspitze
(allerdings etwas flacher als in den Vorläufen) zu einer Leetiefbildung, wodurch
es im Alpenraum länger regnen kann. Der Niederschlagsschwerpunkt dürfte sich
weitgehend auf der Alpensüdseite befinden, so dass sich im deutschen Alpenraum
zwar andauernde Niederschläge einstellen, markante Mengen aber voraussichtlich
nur inneralpin auf dem Plan stehen. Das restliche Deutschland befindet sich nach
wie vor im Bereich des Troges, wodurch gebietsweise konvektive Niederschläge
simuliert werden.

Am Dienstag amplifiziert der Trog weiter und erstreckt sich nun bis ins zentrale
Mittelmeer, damit verlagert sich die Trogachse wellenlängenbedingt zunächst nur
langsam ostwärts. Das Leetief über Norditalien füllt sich auf, da sich die sich
Hebungsvorgänge mit der Trogspitze allmählich südostwärts verlagern, allerdings
sorgen die südliche Anströmung/der Südanstau im Alpenraum zunächst noch für
weitere Niederschläge. Mitteleuropa befindet sich weiterhin unter Trogeinfluss,
kurzwellige Anteile und vertikale Instabilität sorgen recht verbreitet für
schauerartige Niederschläge und Gewitter. Erwähnt sei noch, dass mit 850
hPa-Temperaturen von etwa 0 bis 4 Grad nach wie vor ein unterkühltes
Temperaturniveau herrscht.

Am Mittwoch und zum Donnerstag verlagert sich insgesamt die Trogachse allmählich
gen Osten/ Südosten und über den Britischen Inseln kommt es zur Aufwölbung eines
Höhenrückens. Dieser wird von den Modellen zwar unterschiedlich amplifiziert,
unisono aber voraussichtlich zunächst zyklonal gebrochen bzw. abgeflacht. Für
Deutschland bleibt die Wetterlage noch Trog Mitteleuropa, wobei weiterhin
zeitweilige, meist schauerartige Niederschläge simuliert werden. Ganz im Süden,
vor allem im Alpenumfeld kann es bei Durchgang eines markanten Randtroges auch
länger regnen, markante Mengen sind aber nur gering wahrscheinlich.

Auf der Rückseite des Troges stellt sich bis Donnerstagfrüh eine
Nordwestströmung ein, in der noch ein wenig kühlere Luftmassen herangeführt
werden. Die Temperatur in 850 hPa sinkt demnach noch etwas, auf Werte zwischen
+2 und -2 Grad.

Am Donnerstag ist die Nordosthälfte wahrscheinlich noch vom abziehenden Trog und
Schauerwetter bestimmt, während sich von Südwesten die Warmfront eines kräftigen
Tiefs bei Irland annähern soll, dessen Zenit aber wohl schon überschritten ist.
Hier kommt nun die Überleitung zur erweiterten Mittelfrist, wobei die weitere
Entwicklung des Irlandtiefs (gestützt von einem amplifizierten Trog) immerhin
unterschiedlich simuliert wird in den Clustern des IFS – einige Member gehen am
linken Ausgang des sich herausgebildeten Jet-Streaks von einer erneuten
Intensivierung durch starke PVA und entsprechende Querzirkulationen aus. Das
könnte zum Samstag vorderseitig den Rücken erneut aufsteilen lassen und die
Ostverlagerung dieses neuen Troges durch eine nun größere Gesamtwellenlänge und
damit den zusätzlichen Einfluss planetarer Vorticity einerseits sowie
abnehmender Potenzieller Vorticity auf isentropen Flächen (IPV) durch starke
Warmluftadvektion in der mittleren und vor allem oberen Troposphäre im Bereich
des Höhenrückens andererseits verzögern. Das würde zumindest vorübergehend zu
einer deutlichen Erwärmung bei uns führen und könnte ggf. ein Blocking-Szenario
einläuten.

GFS hingegen lässt das weiter oben angesprochene Grönland-Blocking bis zum
Nordmeer ausgreifen, was zu einer nördlichen Strömung in Mitteleuropa führte
(ATR oder NAO negativ).

FAZIT:
Verschiedene Szenarien zur Entwicklung in der (erweiterten) Mittelfrist wurden
beleuchtet, letztendlich spricht einiges trotzdem eher für einen insgesamt
weitgehend zyklonalen Charakter mit überwiegend zonaler Strömung,
Unterbrechungen und ggf. Abweichungen davon inklusive und auch dargelegt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag/ Nacht zum Montag wird im aktuellen Lauf
das Tief bzw. der Trog über den Britischen Inseln nebst seinen kurzwelligen
Anteilen etwas markanter und progressiver gerechnet. Dadurch könnten im Süden
und Südwesten durch einen stärkeren Gradienten neben der konvektiven
Durchmischung auch stürmische Böen (Bft 8) häufiger auftreten. Sonst bleibt die
Entwicklung bis Mittwoch recht konsistent, die Umstellung der Wetterlage zu Trog
Mitteleuropa bleibt unstrittig. Zum Donnerstag führt eine südlichere Austrogung
über dem Atlantik zum Aufsteilen der Strömung über West- und Mitteleuropa. Damit
dürfte zumindest das Temperaturniveau etwas höher liegen als in den Vorläufen.
In Bezug auf den Niederschlag ist die Konsistenz bis Mittwoch recht gut, danach
könnten auch hier die Unsicherheiten etwas zunehmen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die oben beschriebene Entwicklung wird von den Globalmodellen IFS, GFS, ICON
etwa bis zur Wochenmitte recht ähnlich gesehen. Ab diesem Zeitpunkt
unterscheidet sich GFS maßgeblich mit einem modifizierten synoptischen Ansatz
(siehe oben).

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Im Zeitschritt t+120…168 h gibt es vier Clusterlösungen, die synoptisch ähnlich
erscheinen, allerdings fällt hier in den Clustergruppen 2 bis 4 schon ab
Dienstag die unterschiedlich simulierte Amplifizierung der Rossby-Welle über dem
Atlantik auf.

Für den Zeitraum t+192…240 h gibt es insgesamt 5 gruppierte Cluster – darin
enthalten sind verschiedene Wetterregimes enthalten für den
atlantisch-europäischen Raum. Vertreten sind sowohl Lösungen für Atlantischer
Rücken (GFS-Lösung) als auch entsprechend Wetterlagen, die NAO positiv und
negativ entsprechen. In der letzten Clustergruppierung existiert die
beschriebene Lösung für ein angehendes Blocking über Mittel- und Nordeuropa (von
nur 7 Membern gestützt). Zu sehen ist allerdings deutlich bei allen gruppierten
Clustern die Zunahme von Wellenzahl und Amplitude der zirkumpolaren Welle.

Kurz noch zu den Rauchfahnen: Aufgrund der sich abzeichnenden Regionalität der
Wetterlage über die Mittelfrist können 2 Orte, jeweils im Norden und Süden des
Landes ausgewählt werden. Im Norden zeigt sich bei den 850 hpa-Temperaturen eine
recht glatte Linie bis Donnerstag, danach ist der dann recht große Spread
gleichmäßig nach oben und unten verteilt. Beim Geopotenzial in 500 hPa sieht es
etwa anders aus. Dort kann man nach Wochenmitte schon einen relativ konsistenten
Anstieg ausmachen, vor allem zum Wochenende hin. Die Niederschlagsneigung bleibt
über den gesamten Zeitraum erhalten, und zwar auf ähnlichem Niveau.

Im Süden (z.B. München) sieht es eigentlich nicht viel anders aus (850
hPa-Temperatur, Geopot. in 500 hPa), hier ragen allerdings die stärkeren
Niederschläge am Mo/Die sowie etwas schwächer am Mittwoch heraus.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

STARKREGEN/ DAUERREGEN:
Bei Schauern/Gewitter lokaler Starkregen um 15 l/qm in kurzer Zeit nicht
ausgeschlossen.

Im Zusammenhang mit der Leetiefentwicklung südlich der Alpen im Laufe des
Montags und am Dienstag im Alpenraum und ggf. im Alpenvorland andauernde
Niederschläge, markante Mengen zwischen 30 und 50 l/qm in 24 h wahrscheinlich
nur inneralpin.

Am Mittwoch trogbedingt am Alpenrand in 24 h markante Mengen um 30 l/qm nicht
ausgeschlossen.

WIND:
Im Süden/ Südwesten zeitweise stark auffrischender Wind (Mo/Die), markante Böen
Bft 8 nicht ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, ICON, GFS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Dr. Jens Bonewitz