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VHDL16 DWSG 221000
Regionenwetter-aktuell für Baden-Württemberg

ausgegeben von der Regionalen Wetterberatung Stuttgart
am Sonntag, 22.05.2022, 11:30 Uhr

Heute zunächst oft Sonne, im Tagesverlauf von Südwesten mehr Wolken
und einzelne Schauer.

Vorhersage für Baden-Württemberg:
Heute Mittag und im weiteren Tagesverlauf heiter bis wolkig und meist
trocken. Später im Süden aber dichtere Wolken und einzelne Schauer,
in der Nähe zur Schweiz auch kurze Gewitter nicht ausgeschlossen.
Maximal 20 Grad im Südschwarzwald bis 27 Grad am Oberrhein. Schwacher
bis mäßiger, gelegentlich auffrischender Wind um Nord. Bei
eventuellen Gewittern auch Risiko für stürmische Böen.

In der Nacht zum Montag wolkig bis stark bewölkt und von Westen
einzelne Schauer, örtlich auch Gewitter mit stürmischen Böen.
Tiefstwerte 16 bis 10 Grad.

Am Montag wechselnd bis stark bewölkt und von Südwesten vermehrt
aufkommende, teilweise unwetterartige Gewitter. Höchstwerte 21 bis 28
Grad. Abseits der Gewitter schwacher bis mäßiger Südwestwind mit
frischen, vor allem im Bergland auch starken bis stürmischen Böen.
Auf Schwarzwaldgipfeln Sturmböen, bei Gewittern lokal schwere
Sturmböen.

In der Nacht zum Dienstag nach Bayern abziehende Gewitter. Aber auch
danach meist stark bewölkt und einzelne Schauer, im Allgäu noch öfter
Regen. Tiefstwerte 16 bis 9 Grad. Im Bergland stürmische Böen, auf
Schwarzwaldgipfeln auch Sturmböen.

Am Dienstag zunächst häufig stark bewölkt und regnerisch. Dabei
örtlich auch schauerartig verstärkter Niederschlag. Im Tagesverlauf
von Nordwesten her zunehmende Auflockerungen und trocken. Maxima von
14 Grad im höheren Schwarzwald bis 22 Grad im Breisgau. Westlicher
Wind mit starken, auf Schwarzwaldgipfeln auch stürmischen Böen.

In der Nacht zum Mittwoch vielfach stark bewölkt und vor allem in
Oberschwaben Regen. Minima 12 bis 7 Grad.

Am Mittwoch oftmals stark bewölkt, im Süden und Südosten vereinzelt
noch etwas Regen. Im Tagesverlauf von Nordwesten her durch zunehmende
Auflockerungen deutlich freundlicher. Höchstwerte zwischen 16 Grad im
Bergland und 23 Grad in der Kurpfalz. Schwacher bis mäßiger Wind mit
frischen bis starken Böen aus westlichen Richtungen.

In der Nacht zum Donnerstag teils wolkig, teils gering bewölkt,
trocken. Tiefstwerte 12 bis 7 Grad.

Deutschlandübersicht:
Offenbach, Sonntag, den 22.05.2022, 11:30 Uhr –
“ Am heutigen Sonntag weilt Hoch ZEUS über Norddeutschland und kann
von dort über weite Teile Deutschland nahezu uneingeschränkt
dominieren. Ein paar Schwachstellen hat ZEUS aber auch. So können an
seiner Ostflanke, aus höheren Luftschichten induziert, Störungen in
Form von Wolkenpakten mit kurzen Schauern in seinen Hoheitsbereich
eindringen. Gleichermaßen drückt das Tief FINJA, derzeit noch über
Südwestfrankreich gelegen, auf deren Vorderseite warme und feuchte
Luft in den Alpenraum, sodass auch hierzulande ab dem Nachmittag am
Alpenrand kurze Schauer und Gewitter möglich sind. Ansonsten sorgt
Hoch ZEUS bei angenehmen Temperaturen zwischen 16 Grad im Nordosten
und 27 Grad am Oberrhein für viel Sonnenschein.

Aber zur neuen Woche verschieben sich die Machtverhältnisse beim
Wetter signifikant. Hoch ZEUS schwächelt zusehends und muss sich dem
mächtigen Gewittertief FINJA beugen. In der Folge verlagert ZEUS
seinen Schwerpunkt zum Baltikum und gibt so den mitteleuropäischen
Raum frei. Diesen erobert rasch FINJA, indem es von Südwestfrankreich
nordostwärts über Belgien und dem Emsland hinweg zur Nordsee zieht.
Auf der Vorderseite hat FINJA auch wieder sehr warme Luft im Gepäck,
während auf der Westflanke erwärmte Polarluft über Frankreich
südwärts geführt wird. Die Luftmassengrenzen bildet dabei eine
Warm-Kaltfrontkombi. Während die Warmfront von Tief FINJA schon am
Montagmorgen von Südwesten auf Deutschland übergreift, drängt die
Kaltfront erst ab dem Abend von Westen ins Land.

Bei dem Gewittertief FINJA steht aufgrund der zeitlichen Nähe ein
Vergleich zum Unwettertief EMMELINDE im Raum. Wird zunächst die
Zugbahn in den Fokus genommen, so sind die Ähnlichkeiten recht hoch.
Das Gewittertief EMMELINDE zog von den Pyrenäen in den Süden der
Niederlande, um dann nach Nordosten in die Ostsee abzudrehen. Die
prognostizierte Zugbahn nach dem deutschen Modell ICON soll ebenfalls
vom Westrand der Pyrenäen über Belgien und das Grenzgebiet
Deutschland/Niederlande hinweg führen. Anstatt nach Osten wird im
Verlauf aber die Bahn von Tief FINJA in die Nordsee gezeigt. Bei
beiden Tiefs liegen oder lagen somit weite Teile des Landes auf der
Ostflanke in der feuchtwarmen Luft.

Um nun aber mehr über die Gewitteraktivität und -Intensität zu
erfahren, müssen wir uns mit den schon häufiger im Thema des Tages
beschriebenen Gitterzutaten beschäftigen. Demnach benötigt es für die
Gewitterentwicklung ausreichend Feuchte, eine labil geschichtete
Atmosphäre und Hebung, das heißt, die Luft muss kräftig aufsteigen.

Als erste wichtige Zutat sollen dann auch gleich die Hebungsprozesse
im Fokus stehen. Dabei unterscheidet man zwischen dynamischen und
diabatischen Prozessen. Diabatische Vorgänge sind dabei
thermodynamische Prozesse des Wärmeaustauschs, dynamische Prozesse
beschreiben physikalische Vorgänge in der Atmosphäre in Raum, Zeit,
Impuls, etc.! In diesem Zusammenhang reicht ein Blick in das 500 hPa
Niveau, also eine Höhe von etwa 5500 Meter Höhe. Während bei Tief
EMMELINDE der Haupttrog schon über den Britischen Inseln und
Westfrankreich lag, ist der bei Tief FINJA deutlich weiter westlich
über dem Ostatlantik gelegen und somit ohne Einfluss auf das Wetter
in Deutschland. Beiden Trögen war und ist dabei ein sogenannter
Kurzwellentrog vorgelagert. Dieser war bei EMMELINDE deutlich stärker
ausgeprägt als der simulierte Kurzwellentrog bei FINJA. Entsprechend
sind auch die Hebungsimpulse verschieden intensiv abgebildet mit
deutlichen Vorteilen bei EMMELINDE. Auch bei Betrachtung der
Labilität in

der Troposphäre kann das kommende TIEF FINJA nicht bei dem kräftigen
Gewittertief EMMELINDE vom vergangenen Freitag mithalten. Allenfalls
bei dem Feuchtegehalt der Atmosphäre und der verfügbaren, konvektiv
potentiellen Energie sind vergleichbare Werte zu verzeichnen, die
sich aber in der räumlichen Einordnung unterscheiden. Der Blick auf
das Gewittergewürz Windscherung bringt auch größere Abweichungen. Vor
allem die hochreichende Windscherung (0 bis 6 km) soll bei FINJA
signifikant schwächer ausfallen. Bei der Windscherung in der unteren
Troposphäre werden aber auch bei FINJA nennenswerte Stärken bis 15
m/s gezeigt, wenngleich bei EMMELINDE in NRW und Südniedersachsen
regional bis 25 m/s gezeigt wurden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass auch Tief FINJA das
Potential für ein kräftiges Gewittertief hat. Allerdings kann FINJA
bei nahezu allen Parametern nicht mit EMMELINDE vom vergangenen
Freitag mithalten. Nach derzeitigem Stand besteht dennoch vor allem
von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland über
Bayern und Hessen hinweg bis nach Mitteldeutschland regional erhöhte
Unwettergefahr durch heftigen Starkregen, größeren Hagel und schweren
Sturmböen.

Was bringt dann die weitere Woche? Anscheinend wird sich eine eher
unbeständigere, kühlere und teils windige Witterung durchsetzen.
Demnach sollen bei Temperaturen zwischen 15 und 24 Grad vor allem im
Norden und Süden Regen und Regenschauer fallen.

Das erklärt Dipl. Met. Lars Kirchhübel von der
Wettervorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in
Offenbach zum Wetter der kommenden Tage.

Hinweis:
Die aktuellen Wetter- und Unwetterwarnungen finden Sie unter:
www.wettergefahren.de

Aktuelle Wetter- und Klimainformationen finden Sie unter:
www.dwd.de

Die Vorhersage- und Beratungszentrale des DWD ist rund um die Uhr
telefonisch erreichbar unter Tel.: 069/8062-3333

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

#SXEU31 #DWAV #211800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 21.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 211800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 21.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Vorerst Wetterberuhigung. Sonntag zum Abend hin inneralpin einzelne Gewitter.
In der Nacht zum Montag im Westen und Südwesten aufkommend schauerartiger Regen,
teils auch Gewitter, zunächst mit geringer, am Montag auf die Mitte übergreifend
mit erhöhter Gefahr für Starkregen; auch Unwetter nicht ausgeschlossen. In der
Nacht zum Dienstag unter zögernder Abschwächung nach Nordosten und zu den Alpen
abziehend.
Am Dienstag im Südosten und dort vor allem an den Alpen noch Gewitter mit
geringer Wahrscheinlichkeit für Starkregen. Außerdem an der Nordseeküste kurze
Gewitter mit stürmischen Böen.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland am warmen Rand der Frontalzone, die vom mittleren
Nordatlantik über Schottland und das nördliche Mitteleuropa hinweg zur Ukraine
verläuft. Ein darin eingelagerter flacher Rücken wird in die Nordsee gesteuert,
was die Frontalzone über Deutschland noch etwas nach Norden drückt. Durch diesen
Rücken wird ein schwaches Hoch gestützt. Absinken in dessen Bereich bringt eine
Wetterberuhigung mit sich.
In der Nacht zum Sonntag wölbt sich der Rücken über der Nordsee noch etwas auf,
was durch kräftige Warmluftadvektion bedingt ist, die nordöstlich von Schottland
ansetzt. Das Bodenhoch, dass sich mit seinem Schwerpunkt in den Westen
Deutschlands verlagert, sorgt für eine schwachgradientige Lage, so dass sich
dort, wo es zuvor viel geregnet hatte, flache Nebelfelder bilden können. Etwas
Gradient bleibt aufgrund der nicht allzu weit entfernt liegenden Frontalzone
noch im Norden und Nordosten vorhanden, aber auch dort sollte der Wind nicht
mehr warnrelevant sein. Abgesehen vom Küstenbereich und von einigen tieferen
Lagen Südwestdeutschlands sind einstellige Temperaturminima zu erwarten.

Sonntag … erreicht der Rücken mit seiner breiten Achse unter weiterer
Aufwölbung bis zum Abend den Westen Deutschlands. Das korrespondierende
Bodenhoch verlagert sich unter Abschwächung mit seinem Schwerpunkt in den
Nordosten Deutschlands. Mit einer bodennahen nördlichen bis östlichen Strömung
gelangt eine stabil geschichtete und gemäßigte Luftmasse in den weitaus größten
Teil Deutschlands. Eine Ausnahme stellt der Südwesten und äußerste Westen dar.
In diese Gebiete wird wieder feuchtere und etwas labilere Luft herangeführt, was
den Gehalt an niederschlagbarem Wasser auf 25 bis 30 mm steigen lässt. Für etwas
Konvektion sollte es dank orografischer Unterstützung allenfalls inneralpin
reichen, aber auch dort ist die Wahrscheinlichkeit für Gewitter sehr gering.
Großräumiges Absinken im Randbereich des Bodenhochs bringt längere sonnige
Abschnitte mit sich und unterbindet wetterwirksame Konvektion. Lediglich im
Norden und Nordosten wird die Einstrahlung durch Sc-Felder gedämpft. In diesen
Gebieten bewegen sich die Temperaturen um 20 Grad, an der See werden nur Maxima
um 17 Grad erreicht. Ansonsten steigt die Temperatur auf 22 bis 26 Grad, wobei
es südlich der westlichen Mittelgebirge am wärmsten wird.

In der Nacht zum Montag verschiebt sich das Zirkulationsmuster etwas nach Osten.
Der Rücken erreicht mit seiner Achse den Osten Deutschlands. Das
korrespondierende und sich weiter abschwächende Bodenhoch ist dann über den
Baltischen Staaten zu finden. Ein nachfolgender markanter Trog nähert sich unter
Ausweitung nach Süden Irland und der Biskaya. Das ergibt eine südwestliche und
aufsteilende Strömung, die sich auch über dem Westen und der Mitte Deutschlands
durchsetzt. In diese Strömung läuft ein Kurzwellentrog hinein, der bis
Montagfrüh nach Mittelfrankreich vorankommt. Vorderseitige Hebung, die
hauptsächlich durch Warmluftadvektion induziert wird (für positive
Vorticityadvektion liegt der Trog noch zu weit im Westen) lässt kompakte
Bewölkung und im Westen und Südwesten schauerartige Niederschläge aufkommen. Die
Schichtung wird zusehends labiler, so dass einzelne Gewitter eingelagert sein
können. Die Starkregengefahr ist dabei vorerst gering.
Ansonsten hält sich noch antizyklonaler Einfluss; östlich der Weser dürfte es
aufklaren, so dass sich dort noch einmal einstellige Temperaturminima
einstellen. Unter Wolken wird es mit 16 bis 11 Grad nicht so kühl.

Montag … erreicht der o.g. Trog die Britischen Inseln und Galizien, der
vorlaufende Kurzwellentrog greift, wenngleich unter Abschwächung, auf den Westen
und Südwesten Deutschlands über. Da sich der zuvor wetterbestimmende Rücken nach
Osten verabschiedet, setzt sich über dem gesamten Vorhersagegebiet eine
südwestliche Strömung durch. Hierdurch erfasst feuchtlabile Luft den gesamten
Westen, Süden und die mittleren Gebiete Deutschlands. Der Flüssigwassergehalt
steigt auf 30 bis 35 mm, mehr als 1000 bis knapp 2000 J/kg CAPE werden
generiert, so dass die nächste Gewitterlage bevorsteht. Zudem liefert zur
tagesgangsbedingt aktivsten Zeit der übergreifende Kurzwellentrog den noch
fehlenden Hebungsantrieb. Durch diesen Kurzwellentrog wird die Entwicklung eines
flachen Tiefs induziert, das sich von Nordostfrankreich über die Eifel hinweg
bis zum Abend nach Südhessen verlagert. Eine bodennahe Windkonvergenz ist
hierdurch gegeben. An der Südflanke dieses Tiefs frischt der Wind auf und dreht
auf Südwest bis West. Im Südwesten sind dann in freien Lagen Windböen bis Bft 7,
im südwestdeutschen Bergland stürmische Böen und auf Schwarzwaldgipfeln
Sturmböen bis Bft 9 zu erwarten.
Hinsichtlich der Frage, inwieweit Unwetter zu erwarten sind, bietet sich ein
Vergleich mit der Lage vom Freitag, den 20.05., an. Gegenüber der Konstellation
vom vergangenen Freitag ist der Flüssigwassergehalt etwa 5 mm geringer, die
Schichtung ist nicht ganz so labil und es wird weniger CAPE generiert, was der
bereits vorhandenen Bewölkung und der hierdurch stark reduzierten Einstrahlung
zuzuschreiben ist. Nicht zuletzt ist die Scherung (die immerhin noch
signifikante Werte aufweist) deutlich verringert. Das betrifft sämtlich Niveaus
und sowohl die Richtungs- als auch aufgrund des schwächeren Oberwindes die
Geschwindigkeitsscherung.
Dennoch sind die Voraussetzungen gegeben, dass abgesehen vom Norden und
Nordosten hochreichende Konvektion in Form von Gewittern zustande kommt. Mit
hoher Wahrscheinlichkeit tritt Starkregen auf, Unwetter sin zwar nicht so
wahrscheinlich wie am Freitag, sind aber durch heftigen Starkregen und im Süden
auch durch größeren Hagel nicht auszuschließen. Mit der Annäherung des flachen
Bodentiefs nimmt im Tagesverlauf die Scherung zu, was eher organisiertere
Strukturen hochreichender Konvektion wahrscheinlicher werden lässt, die durchaus
auch staffelartig auftreten und mit Sturm- bzw. schweren Sturmböen einhergehen
können. Für stärkere Böen ist der Oberwind wahrscheinlich zu schwach. Auch
rotierende Erscheinungen können nicht ganz ausgeschlossen werden. Die
niedertroposphärische Scherung ist hierfür durchaus hinreichend, wenngleich die
anderen Voraussetzungen hierfür nicht so optimal sind wie vor ein paar Tagen.
Im Norden und Nordosten bleibt noch der Einfluss des Bodenhoch, das von den
Baltischen Staaten ins westliche Schwarzmeergebiet reicht, bestehen. Absinken
unterbindet dort weitgehend die Bildung konvektiver Bewölkung.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen je nach Sonnenscheindauer 23 bis 28, an
der Küste Werte um 20 Grad.

In der Nacht zum Dienstag wird der vorlaufende Kurzwellentrog unter Auffüllung
in den Ostseeraum gesteuert. Der Haupttrog schwenkt in die Nordsee und erfasst
dabei den Nordwesten und den äußersten Westen Deutschlands. Die
trogvorderseitige Hebung könnte stärker in Erscheinung treten, allerdings wird
die durchaus markant positive Vorticityadvektion durch kräftige
Kaltluftadvektion nahezu kompensiert. Demzufolge reicht es an der Nordsee und im
westlichen Bergland nur für ein paar Schauer.
Mit der auf Süd-Südwest drehenden Strömung wird das flache Bodentief rasch von
dem vorlaufenden Kurzwellentrog überlaufen und wandelt sich unter Auffüllung in
eine Tiefdruckrinne um. Diese überquert mit Beginn der zweiten Nachthälfte die
Elbe und erreicht bis Dienstagfrüh die Warnow und die Neißemündung. Bis
Mitternacht zeichnet sich noch an der Vorderseite dieser Rinne kräftige Hebung
ab. Mit dieser erfassen die Gewitter bei rasch abnehmender Wahrscheinlichkeit
für Unwetter auch die nordöstlichen Landesteile. Bis Dienstagfrüh wird dann auch
die Gefahr für Starkregen geringer. Die dann einsetzende kräftige westliche
Strömung lässt an der See einzelne Windböen Bft 7 und auf exponierten
Berggipfeln der Mittelgebirge Sturmböen Bft 8/9 aufkommen.
Nachfolgend setzt durch Kaltluftadvektion nur eine vorübergehende
Wetterberuhigung ein. Im Süden und Südosten halten sich noch Reste feuchtlabiler
Luft, so dass neben den Schauern im westlichen Bergland und an der Nordsee auch
aus den Alpen heraus einzelne Gewitter auftreten können, wobei auch dort
Starkregen nicht ganz auszuschließen ist.

Dienstag … verbleibt der Nordwesten Deutschlands im Bereich eines über der
Nordsee liegenden Troges. Ein Teiltrog, der zuvor zu den Pyrenäen abgetropft
ist, ergibt im Zusammenspiel mit dem über der Nordsee liegenden Trog eine
südwestliche, nach Nordwesten hin zyklonal geprägte Strömung. Mit diesem Trog
gelangt der Nordwesten und der Küstenbereich unter eine leicht labil
geschichtete Luftmasse. Da sich aber über dem gesamten Vorhersagegebiet kräftige
Kaltluftadvektion durchsetzt, hält sich die Schauertätigkeit in Grenzen und
bleibt auf die küstennahen Gebiete und die nordwestlichen Landesteile
beschränkt. Für kurze Gewitter reicht es nur unmittelbar an der Nordseeküste,
wenngleich die Wahrscheinlichkeit auch dort relativ gering ist. Meist bleibt die
Konvektion flach, so dass rasch wechselnde Bewölkung, die meist aus Sc-Feldern
und Cu besteht, dominierend ist. Schauer sind weiter im Binnenland selten.
Allerdings lässt das mit dem Trog korrespondierende Bodentief, das nach
Südnorwegen gesteuert wird, den Wind auffrischen, der im Nordwesten mit Böen bis
Bft 7 durchaus warnrelevant wird. An der Nordsee (vor allem in Verbindung mit
kräftigeren Schauern oder kurzen Gewittern) und auf exponierten Berggipfeln sind
auch stürmische Böen möglich.
Bedingt durch die südwestlich Strömung erfasst die am Alpenrand und im äußersten
Südosten Deutschlands noch vorhandene feuchtlabile Luft wieder den östlichen
Mittelgebirgsraum, d.h. zumindest den Bayerischen Wald. Hierdurch kann von der
Bodenseeregion und vom Alpenrand bis zum Oberpfälzer Wald erneut schauerartiger
Regen aufkommen. In diesen Gebieten hält sich mehrschichtige Bewölkung. Vor
allem zu den Alpen hin können einzelne Gewitter eingelagert sein, wobei erneut
Gefahr von Starkregen besteht.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 17 bis 21, in Nordseenähe Werte um 15
Grad. Im Nordosten sind noch einmal bis 23 Grad zu erwarten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede
ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 21.05.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 21.05.2022 um 10.30 UTC

Anfangs zum Teil noch kräftige Schauer und Gewitter. Zum nächsten Wochenende
dann allmählich Wetterberuhigung und leichte Abkühlung.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 28.05.2022

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am kommenden Dienstag
schwenkt ein Teil eines LW-Troges von den Britischen Inseln als Randtrog
nordostwärts, bei zunehmend negativer Achsneigung. Ein Teil des Haupttroges
hängt zunächst südlich der Britischen Inseln zurück und zieht unter
Abschnürungstendenz ins westliche Mittelmeer. Daher ist mit dynamischer
Unterstützung am westlichen baroklinen Teil des abziehenden Rückens eine
schleifende Frontalzone v.a. im Süden/Südosten erkennbar, in der Kurzwellen in
der mittleren und oberen Troposphäre ablaufen. Das könnte zu konvektiv,
durchsetztem Dauerregen im Süden und Südosten führen.

Dagegen sind im Nordwesten, am Mittwoch mit einem weiteren markanten LW-Trog von
Westen auch generell im Norden einzelne Gewitter der Marke dynamisch getriggert
zu erwarten. Dementsprechend sollte dort der Wind das Kriterium für markante
Gewitter sein. Die Tageshöchstwerte gehen im Vergleich zum Wochenbeginn zurück
(850 hPa-Temperatur so bei 4 bis 10 Grad, von Nordwest nach Südost.)

Am Donnerstag zieht ein Randtrog des sich amplifizierenden LW-Troges über
Skandinavien über die Nordhälfte Deutschlands hinweg, während der Südwesten in
den Randbereich eines Hochs mit Zentrum über der Biskaya kommt. Von daher kommt
es in der Nordhälfte zu weiteren einzelnen Schauern oder auch kurzen Gewittern.
In der Südhälfte lassen die Niederschläge dagegen im Tagesverlauf nach und die
sonnigen Abschnitte nehmen zu.

Am Freitag amplifiziert sich der LW-Trog von Skandinavien bis ins nördliche
Mitteleuropa und vergrößert seine Wellenlänge noch. Damit wird dessen
Ostverlagerung verlangsamt (Gruppengeschwindigkeit der Welle lässt nach).
Derweil sorgt ein südlicher Trogvorstoß eines LW-Troges weit stromauf auf dem
Atlantik für den Aufbau eines veritablen Rückens mit negativer Achsneigung von
den Britischen Inseln bis nach Grönland. Damit wäre es dann auch mit der
vorübergehenden Glättung der Frontalzone über dem Nordatlantik vorbei. Für
Deutschland würde das beschriebene Szenario eine Wetterteilung zwischen Nord-
und Südhälfte bedeuten, d.h. im Norden wechselhaft und kühler mit Schauern,
vereinzelt auch Gewittern, dazu auch steife bis stürmische Böen aus westlichen
Richtungen. Im Süden wird es wieder etwas wärmer und sonniger, dazu gibt’s in
der weiterhin etwas feuchteren Luftmasse, etwa südlich der Donau liegend,
zumindest an den Alpen vereinzelt Gewitter mit Starkregengefahr.

Am Samstag weitet sich der westeuropäische Rücken Richtung Großbritannien hin
aus. Das Bodenhoch verlagert sich mit seinem Zentrum zur Nordsee und Schottland.
Gleichzeitig zieht der LW-Trog von Skandinavien zum Baltikum und Nordrussland.
Somit wird der Einfluss dieses Tiefdruckgebildes auf das Wetter in Deutschland
immer schwächer. Lediglich im äußersten Nordosten sowie am Alpenrand könnte es
noch zu letzten schauern kommen. Bei (850 hPa Temperaturen um 5 Grad) werden
Höchstwerte zwischen 19 Grad im Nordosten und 23 Grad im Südwesten erwartet.

In der erweiterten Mittelfrist stellt sich aller Voraussicht nach die
Großwetterlage Hoch Britische Inseln (HB) bzw. Hoch Nordmeer antizyklonal
(HNa)ein.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue IFS-Lauf weist bis zur Wochenmitte eine gute Konsistenz auf. Die
Glättung der Frontalzone ab Wochenmitte wird auch von anderen Globalmodellen wie
ICON oder GFS ähnlich simuliert. Ab Freitag nimmt die Konsistenz etwas ab, im
neuen IFS-Lauf wird die GWL Hoch Britische Inseln (HB) favorisiert.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Wie weiter oben bereits beschrieben, sind sich die Globalmodelle IFS, GFS und
ICON bis etwa zur Wochenmitte einig. Uneinigkeit kommt in dem Moment auf, wo die
zunächst zonal geglättete Frontalzone zum Ende der Woche erneut ins Schlingern
kommt. Dabei muss man sagen, dass aktuell die Tendenz auszumachen ist, dass sich
über den Britischen Inseln ein blockierendes Hochdruckgebiet bilden dürfte.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bezüglich der gruppierten Cluster zeigt sich folgendes Bild. Für den Zeitschritt
t+120 bis t+168 h sind Haupt- und Kontrolllauf im Modus NAO positiv, lediglich
die Abschnürung und Austrogung über dem westlichen Mittelmeer wird anders
behandelt. Cluster drei sieht dagegen bereits den Übergang zum Atlantischen
Rücken (AtR).

Im Zeitschritt t+192 bis t+240 h liegen Haupt- und Kontrolllauf bereits im Modus
AtR, mit Tendenz zu NAO negativ, wohingegen das erste majoritäre Cluster zwar
AtR favorisiert, aber eine weiterhin glattere und nach Norden verschobene
Frontalzone aufweist. Weniger Member signalisieren Variationen des Europeen
Blocking oder auch weiterhin NAO positiv, allerdings als Übergangsvarianten mit
amplifizierter Frontalzone.

Bei den Rauchfahnen zeigt sich folgender Sachverhalt:

Im Norden ist die Tendenz so, die 850-hPa-Temperatur sinkt nach dem Peak am
Montag (ca. 11 Grad) bis Freitag stetig auf etwa 3 bis 1 Grad bei nicht allzu
großem Spread beim Haupt- und Kontrolllauf. Danach bleibt die beschriebene
Tendenz von Haupt- und Kontrolllauf gleichbleibend bis noch etwas nach unten,
wobei der Spread nach oben enorm ist (bis ca.12 Grad!). Beim Niederschlag sind
erwartungsgemäß über den gesamten Zeitraum veritable Signale für leichte
Niederschläge enthalten. Beim Geopotenzial in 500 hPa ist ähnlich wie bei der
850 hPa-Temperatur ein stetiger Abfall zu vermerken, der zum Wochenende
allerdings einen enormen Spread nach oben aufweist.

Im Süden (in Richtung Alpen) fällt die 850 hPa-Temperatur nach Montag auch ab,
aber nicht so stark (auf etwa 6 bis 3 Grad zum Freitag hin, Haupt- bzw.
Kontrolllauf). Danach steigt die 850 hPa-Temperatur wieder leicht an. Der
Member-Spread ist geringer als im Norden. Bezüglich Niederschlag bestehen starke
Signale von Montag bis Mittwoch für 6-h-Niederschlag über 10, Dienstag teils bis
20 l/qm. Danach nehmen die Niederschlagssignale deutlich ab. Beim Geopotenzial
in 500 hPa ist der Abfall bis Wochenmitte mit geringem Spread drin, danach
steigt das Geopotential deutlich (Hauptlauf) bzw. gemäßigt (Kontrolllauf) an,
bei größer werdendem Spread nach unten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI liefert kaum Hinweise auf ungewöhnliches Wetter.

Niederschlag:

Anfangs treten im Bereich der Alpen und im Schwarzwald Hinweise auf markante
Mengen auf.

Gewitter:
Vor allem am Montag, Dienstag und teils auch noch am Mittwoch werden hohe
Wahrscheinlichkeiten für Gewitter im markanten Bereich simuliert

Wind:
Am Dienstag werden im Nordseeumfeld Böen der Stärke 8 bis 9 erwartet.
Am Donnerstag ist mit Böen 8 bis 9 in der gesamten Nordhälfte zu rechnen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, GEFS, ICON, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer

#SXEU31 #DWAV #201800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 20.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 201800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 20.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Abend vor allem in der Mitte und im Osten sowie in Bayern teils schwere
Gewitter mit Großhagel, Starkregen über 25 mm in kurzer Zeit und schweren
Sturmböen oder orkanartigen Böen. Am späteren Abend auch in Süddeutschland
lokale Unwetter. In der 2. Nachthälfte Abzug der Gewitter.
Am Samstag im Nordosten noch vereinzelt Gewitter, aber auch außerhalb der
Gewitter exponiert stürmische Böen.
Am Sonntag ganz im Südwesten aufkommende teils markante Gewitter. Unwetter nicht
ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … zieht ein Gewittertief vom westlichen Niedersachsen rasch
ostnordostwärts. In seinem Warmsektor und an der Kaltfront des Tiefs ziehen
kräftige Gewitter ostnordostwärts, wobei schwere Gewitter, teils auch extreme
Gewitter dabei sind. Ursache ist eine feuchtlabile Luftmasse mit Cape-ML-Werten
zwischen 500 und 1200 J/Kg und PPWs zwischen 30 und 40 mm, die durch die
Vorderseite eines heranschwenkenden atlantischen Kurzwellentroges gehoben wird.
Die Achse des Troges erreicht bereits um 06 die Oder und das Bodentief mit einem
Kerndruck von fast 1000 hPa die Küste Polens.
Über Deutschland liegt es um 21 UTC an der Elbe südöstlich von Hamburg und um 00
UTC über Vorpommern. Wegen der hohen Scherungswerte (Deep-Layer-Shear teils bei
20 m/s) können auch Tornados dabei sein. An der Nordflanke des ostwärts
ziehenden Tiefs zeichnet sich ein Band mit 2 bis 3stündigem, durchaus auch
ungewittrigem Starkregen ab. Rückseitig dieses Tiefs kommen auch ohne Zutun der
Konvektion durch den kräftigen Gradienten Böen bis Sturmstärke zustande. Bis in
die Frühstunden des Samstags sind im Nordosten und Osten noch Windböen und an
der Küste sowie im östlichen Bergland stürmische Böen möglich.
In der zweiten Nachthälfte setzt eine rasche und nachhaltige Stabilisierung ein.
Zwar bringt dann im Norden der hereinschwenkende Trog noch etwas Labilität mit
sich, wodurch vor allem in Küstennähe ein paar Schauer zustande kommen. Auch an
den Alpen kann es in der labilen Luft, die dort gestaut wird, noch für Gewitter
reichen, wobei die Unwettergefahr bis Samstagfrüh zusehends geringer wird. Im
Westen und Südwesten können sich dort, wo es zuvor viel geregnet hat, flache
Nebelfelder bilden.

Samstag … gelangt Deutschland nach Abzug des Troges in den Genuss eines
flachen Rückens. Damit setzt sich landesweit stabilere und trockenere (mit einem
Flüssigwassergehalt zwischen 15 und 20 mm) Luft durch. Eine Ausnahme stellt noch
der Alpenrand dar, wo sich Reste leicht labiler Luft halten. Aber auch dort
sollte es mangels dynamischer Unterstützung nicht mehr für konvektive
Umlagerungen reichen. Die 2. Ausnahme bildet der Nordosten, wo im Randbereich
des Troges bis Mittag noch isolierte kurze Gewitter möglich sind. Im
Tagesverlauf schiebt sich aber von Westen ein Hochkeil herein. Zwischen diesem
und dem nach Litauen abziehenden Tief bleibt vor allem im Norden und Nordosten
ein kräftiger Gradient bestehen, so dass mit tagesgangbedingter Hilfe verbreitet
Windböen, an der See, in freien Lagen und in den Kamm- und Gipfellagen der
östlichen Mittelgebirge stürmische Böen zustande kommen. Bis zum Abend sollte
auch dort der Wind abnehmen.
Während über den Norden und die Mitte, bedingt durch die Nähe zur Frontalzone,
teils kompaktere Wolkenfelder hinweg ziehen, sind im Süden, abgesehen vom
Alpenrand, längere sonnige Abschnitte zu erwarten. In tieferen Lagen
Süddeutschlands werden bis 26, sonst in der Mitte und im Süden 20 bis 25 und im
Norden 15 bis 19 Grad erreicht.

In der Nacht zum Sonntag wölbt sich, gestützt durch über dem Nordmeer ansetzende
Warmluftadvektion, der Rücken über der Nordsee noch etwas auf, was über
Mitteleuropa eine antizyklonale nordwestliche Strömung ergibt. Das durch diesen
Rücken gestützte schwache Hoch, das aus dem Hochkeil hervorgegangen ist,
verlagert sich nach Deutschland, so dass sich, abgesehen vom Nordosten, eine
schwachgradientige Lage ergibt. Mit Ausnahme des Südwestens stellen sich dann
einstellige Temperaturminima ein. Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können
sich flache Nebelfelder bilden.

Sonntag … verlagert sich der Rücken unter weiterer Verstärkung nach
Deutschland. Da nach wie vor der Rücken leicht überströmt wird und diese
Strömung durch kurzwellige Fluktuationen geprägt ist, gelangt in den äußersten
Südwesten und Süden Deutschlands wieder labilere und feuchtere Luft, was bei
stark gedeckeltem CAPE den Flüssigwassergehalt dort auf etwa 30 mm steigen
lässt. Mit orografischer Unterstützung können sich über dem südwestdeutschen
Bergland und aus den Alpen heraus einzelne starke Gewitter entwickeln, Unwetter
(durch heftigen Starkregen und (schwere) Sturmböen) sind vorerst nur wenig
wahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen.
Im großen Rest des Landes dauert das Absinken im Bereich des sich mit seinem
Schwerpunkt nunmehr zur Ostseeküste verlagernden Bodenhochs an. Während der
Norden noch von Wolkenfeldern gestreift wird, sind ansonsten abgesehen vom
unmittelbaren Alpenrand längere sonnige Abschnitte zu erwarten. Die Folge ist
ein leichter Temperaturanstieg auf 22 bis 27, im Küstenbereich und im Nordosten
auf 15 bis 21 Grad.

In der Nacht zum Montag verlagert sich der Rücken mit seiner Achse zum östlichen
Deutschland, so dass erneut eine südwestliche Strömung resultiert. In diese
eingelagert greift ein markanter Kurzwellentrog auf Ostfrankreich über.
Vorderseitige Hebung erfasst dann den Westen und Südwesten, so dass auf den
westlichen Mittelgebirgsraum und den Südwesten einzelne und zum Teil heftige
Gewitter übergreifen, die mit Starkregen und bedingt durch den im 850 hPa-Niveau
auf 40 kt zunehmenden Oberwind, mit Sturmböen einhergehen können. Dabei nimmt
auch die niedertroposphärische Scherung wieder zu, was organisiertere Strukturen
hochreichender Konvektion verspricht. Ob es dann bereits wieder auch ohne
tagesgangsbedingte Unterstützung für unwetterartige Entwicklungen reicht, ist
noch nicht sicher, kann aber nicht ausgeschlossen werden.
Im weitaus größten Teil Deutschlands hält sich die stabil geschichtete gemäßigte
Luftmasse. Im Nordosten sind bei klarem Himmel noch einmal einstellige
Temperaturminima möglich.

Montag … Während der Höhenrücken nach Polen wandert, schwenkt der
Kurzwellentrog an seiner Westflanke zum östlichen Deutschland. Das zugehörige
Randtief eines Nordmeertiefs zieht von der Belgisch-Französischen Grenze nach
Norddeutschland und seine Warmfront erreicht den Osten Deutschlands.
Gleichzeitig zieht seine Kaltfront von Benelux nach Westdeutschland. Im
Warmsektor gelangt erneut ein Schwall schwülwarme Luft in die Südhälfte
Deutschlands mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 10 und 16 Grad mit den höchsten
Werten ganz im Süden. Dazu ist die Luft recht labil mit Cape-ML-Werten zwischen
400 und 750 J/Kg. Die Modelle simulieren außer im Nordosten in der Fläche meist
Regenmengen zwischen 2 und 9 l/qm, örtlich, vor allem im Mittelgebirgsraum auch
10 bis 20 l/qm. Kleinräumig ist auch Starkregen über 25 l/qm dabei. Die
Scherungswerte sind teils mäßig, die Deep-Layer-Shear teils auch kräftiger. So
sind etwa in der Südhälfte im Tagesverlauf wieder kräftige Gewitter unterwegs,
die örtlich eng begrenzt auch wieder unwetterartig sein können.
Im Norden fällt der Regen auch flächig ohne Gewitter.
Den meisten Sonnenschein bekommt noch der Osten ab, während sonst die Wolken
vorherrschen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 20 Grad an der See und 27
Grad in Südostbayern.

Modellvergleich und -einschätzung

Aktuell ist bis in die Nacht hinein Nowcasting angesagt, ehe am Wochenende
Wetterberuhigung angesagt ist.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 20.05.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 20.05.2022 um 10.30 UTC

Nach den Gewittern ab Dienstag kühler und gebietsweise wechselhaft, nach
Wochenmitte im Süden mehr Sonne und allmählich wieder wärmer.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 27.05.2022

Ein kurzer Blick auf übergeordnete Faktoren lässt den Verlauf der bevorstehenden
(erweiterten) Mittelfrist zumindest skizzieren. Die Prognose des NAO-Index zeigt
einen Peak bis nahezu +2 beim Geopotenzial in 500 hPa (lt. NOAA) um die
Wochenmitte. Das deckt sich mit der Analyse/Prognose der zirkumpolaren Wellen,
die derzeit bei relativ hoher zonaler Wellenzahl mehr kurzwellige als
langwellige Anteile aufweisen. Dementsprechend ist zur Wochenmitte eine
Forcierung des Teil-Jetstreaks über dem Nordatlantik zu beobachten (mit
entsprechend erhöhten Werten des zonalen Windes in der oberen Troposphäre). Zum
Ende der nächsten Woche geht dann allerdings der NAO-Index recht konsistent (bei
geringem Memberspread) wieder gen 0, einige Member (GEFS) simulieren sogar NAO
leicht negativ, wobei das Ensemble-Mean im positiven Bereich bleiben soll. Diese
negativen Member finden sich auch bei einigen Clustern und im aktuellen
Hauptlauf des IFS (GWL Atlantischer Rücken in der Ausprägung NAO negativ)
wieder. Ein anderes Szenario bietet der aktuelle ICON-Lauf, der die Frontalzone
zwar weiterhin eher zonal verlaufen lässt, diese aber zum Wochenende weiter nach
Norden in Richtung Skandinavien verschiebt. Summa summarum ergeben sich damit
zum Ende der Mittelfrist und zu Beginn der erweiterten Mittelfrist recht große
Unsicherheiten. Schaut man zu guter Letzt noch auf die Wellenflüsse (EP-Flüsse),
so fallen schon verstärkte und teils konvergente meridionale und vertikale
Flüsse in Richtung höhere Breiten (etwa 55 bis 70 Grad Nord, zonal gemittelt)
auf, die eine gewisse Blockingtendenz (einschl. NAO negativ) enthielten.

Auch der zonal gemittelte zonale Wind in 60 Grad Nord (auf 100 hPa, in der
unteren Stratosphäre, Indikator auch für die Stärke des Jets in der oberen
Troposphäre) weist nach einem starken Abfall zu Beginn des Monats (Diagnose
NASA) derzeit nur vorübergehend erhöhte Werte auf (Prognose NASA), die eine
längere zonal glatte Strömung begründen würden.

Nun folgt noch kurz die Übersicht über die einzelnen Tage der Mittelfrist.

Am Montag überquert uns ein amplifizierter Rücken ostwärts und vom Atlantik
schwenkt ein
Langwellentrog in Richtung Britische Inseln. Dadurch steilt die Höhenströmung
bei uns auf und somit wird von Südwesten her recht warme und feuchte Luft bis in
den Nordosten geführt. Auf der Vorderseite des Trogs schwenkt ein Randtrog über
Westeuropa hinweg ebenfalls in Richtung Nordosten. Das führt zu einer
Verstärkung eines kleinräumigen Tiefs über Frankreich und Benelux, dass sich im
Tagesverlauf über Westdeutschland hinweg in Richtung Nordwesten verlagert. Mit
diesem ist eine Warmfront verbunden, die schon in der Frühe auf den Südwesten
übergreift. Die Kaltfront (verbunden mit einem Frontensystem über der nördlichen
Nordsee) erreicht den Westen erst am Abend oder in der Nacht zum Dienstag. Unter
Umständen kann sich davor noch die eine oder andere Konvergenz entwickeln und
daher muss vom Südwesten bis in die Mitte ab dem Mittag mit kräftigen Gewittern,
teils unwetterartig durch heftigen Starkregen, größeren Hagel und orkanartige
Böen, gerechnet werden. Hinzu kommt es, bedingt durch die Gradientzunahme
aufgrund des Durchzugs des Tiefs, zu stürmischen Böen in der Südhälfte, auf den
Bergen auch zu Sturmböen.

Am Dienstag und Mittwoch schwenkt ein Teil des LW-Troges von den Britischen
Inseln als Randtrog nordostwärts, bei zunehmend negativer Achsneigung. Ein Teil
des Haupttroges hängt zunächst südlich der Britischen Inseln zurück und zieht
unter Abschnürungstendenz ins westliche Mittelmeer. Am Dienstag ist mit
dynamischer Unterstützung am westlichen baroklinen Teil des abziehenden Rückens
eine schleifende Frontalzone v.a. im Süden/Südosten erkennbar, in der Kurzwellen
in der mittleren und oberen Troposphäre ablaufen. Das könnte den teils auch
konvektiv durchsetzten Dauerregen im Süden und Südosten erklären. Dagegen sind
im Nordwesten, am Mittwoch mit einem weiteren markanten LW-Trog von Westen auch
generell im Norden einzelne Gewitter der Marke dynamisch getriggert zu erwarten.
Dementsprechend sollte dort der Wind das Kriterium für markante Gewitter sein.
Die Tageshöchstwerte gehen im Vergleich zum Wochenbeginn zurück (850
hPa-Temperatur so bei 4 bis 7 Grad, von Nord nach Süd.)

Bis zum Freitag amplifiziert sich der LW-Trog von Skandinavien bis ins nördliche
Mitteleuropa und vergrößert seine Wellenlänge noch. Damit wird dessen
Ostverlagerung verlangsamt (Gruppengeschwindigkeit der Welle lässt nach).
Derweil sorgt ein südlicher Trogvorstoß eines LW-Troges weit stromauf auf dem
Atlantik für den Aufbau eines veritablen Rückens mit negativer Achsneigung von
den Britischen Inseln bis nach Grönland. Das wäre dann konform zum eingangs
erwähnten Szenario Tendenz NAO negativ. Damit wäre es dann auch mit der
vorübergehenden Glättung der Frontalzone über dem Nordatlantik vorbei. Für
Deutschland würde das beschriebene Szenario eine Wetterteilung zwischen Nord-
und Südhälfte bedeuten, d.h. im Norden wechselhaft und kühler mit Schauern,
vereinzelt auch Gewittern, dazu am Donnerstag auch steife bis stürmische Böen
aus westlichen Richtungen. Im Süden wird es wieder etwas wärmer und sonniger,
dazu gibt’s in der weiterhin etwas feuchteren Luftmasse, etwa südlich der Donau
liegend, zumindest an den Alpen sowie im Bergland vereinzelt Gewitter mit
Starkregengefahr. Der Freitag dürfte dabei durch die langsame Ostverlagerung des
Haupttroges und Ausweitung hohen Luftdruckes bis nach Westeuropa von Südwesten
und Westen her insgesamt freundlicher ausfallen.

Für die erweiterte Mittelfrist zieht IFS in der Tat im Hauptlauf NAO negativ mit
hohem Geopotenzial im Raum Island/Grönland und korrespondierendem tiefen
Geopotenzial über Skandinavien durch. ICON hingegen rechnet eine deutlich
wärmere Variante mit hohem Geopotenzial über West- und Mitteleuropa. GFS setzt
hierbei weiterhin auf eine straffe Frontalzone, wenn auch etwas nordwärts
verschoben, was wiederum in die Richtung der ICON-Variante geht.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue IFS-Lauf weist bis zur Wochenmitte eine gute Konsistenz auf. Die
Glättung der Frontalzone ab Wochenmitte wird auch von anderen Globalmodellen wie
ICON oder GFS gesehen. Ab Freitag nimmt die Konsistenz deutlich ab, im neuen
IFS-Lauf wird die GWL Atlantischer Rücken, in der erweiterten MiFri auch NAO
negativ angedeutet, wohingegen die anderen Globalmodelle bei einer eher zonalen
Strömung verbleiben, wenn auch mit nach Norden verschobener Frontalzone (ICON).

Die kräftigen Gewitter zu Beginn der MiFri (Mo) sind weiterhin drin.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Wie weiter oben bereits beschrieben, sind sich die Globalmodelle IFS, GFS und
ICON bis etwa zur Wochenmitte einig. Uneinigkeit kommt in dem Moment auf, wo die
zunächst zonal geglättete Frontalzone zum Ende der Woche erneut ins Schlingern
kommt. Dabei muss man sagen, dass keine eindeutige Tendenz auszumachen ist,
obwohl zum Ende der Woche leichte Blockierungstendenzen oder aber Verschiebungen
der Frontalzone nordwärts denkbar wären, siehe auch weiter unten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die s.g. Weather Regimes probabilities des IFS vom 19.05.22 zeigen in der
erweiterten Mittelfrist einige Signale für die GWL Atlantischer Rücken oder auch
Scandi- bzw. Europeen Blocking, ganz wenige Member gehen direkt auf NAO negativ.

Bezüglich der gruppierten Cluster zeigt sich folgendes Bild. Für den Zeitschritt
t+120 bis t+168 h sind Haupt- und Kontrolllauf im Modus NAO positiv, lediglich
die Abschnürung und Austrogung über dem westlichen Mittelmeer wird anders
behandelt. Cluster drei sieht dagegen bereits den Übergang zum Atlantischen
Rücken (AtR).

Im Zeitschritt t+192 bis t+240 h liegen Haupt- und Kontrolllauf bereits im Modus
AtR, mit Tendenz zu NAO negativ, wohingegen das erste majoritäre Cluster zwar
AtR favorisiert, aber eine weiterhin glattere und nach Norden verschobene
Frontalzone aufweist. Weniger Member signalisieren Variationen des Europeen
Blocking oder auch weiterhin NAO positiv, allerdings als Übergangsvarianten mit
amplifizierter Frontalzone.

So, was sagen uns die Rauchfahnen heute? Es sollen zwei beliebig gewählte Orte
in Norddeutschland und Süddeutschland beleuchtet werden.

Im Norden ergibt sich folgendes Bild. Die Tendenz der 850-hPa-Temperatur sinkt
nach dem Peak am Montag (ca. 11 Grad) bis Freitag stetig auf etwa 3 bis 1 Grad
bei nicht allzu großem Spread am Haupt- und Kontrolllauf. Danach bleibt die
beschriebene Tendenz von Haupt- und Kontrolllauf gleichbleibend bis noch etwas
nach unten, wobei der Spread nach oben enorm ist (bis ca.12 Grad!). Beim
Niederschlag sind erwartungsgemäß über den gesamten Zeitraum veritable Signale
für leichte Niederschläge enthalten. Beim Geopotenzial in 500 hPa ist ähnlich
wie bei der 850 hPa-Temperatur ein stetiger Abfall zu vermerken, der zum
Wochenende allerdings einen enormen Spread nach oben aufweist (ICON-Lösung?).

Im Süden (in Richtung Alpen) fällt die 850 hPa-Temperatur nach Montag auch ab,
aber nicht so stark (auf etwa 6 bis 3 Grad zum Freitag hin, Haupt- bzw.
Kontrolllauf). Danach steigt die 850 hPa-Temperatur wieder leicht an. Der
Member-Spread ist geringer als im Norden. Bezüglich Niederschlag bestehen starke
Signale von Montag bis Mittwoch für 6-h-Niederschlag über 10, Dienstag teils bis
20 l/qm. Danach nehmen die Niederschlagssignale deutlich ab. Beim Geopotenzial
in 500 hPa ist der Abfall bis Wochenmitte mit geringem Spread drin, danach
steigt das Geopot deutlich (Hauptlauf) bzw. gemäßigt (Kontrolllauf) an, bei
größer werdendem Spread nach unten.

Insofern lassen sich keine größeren Widersprüche zum Text weiter oben erkennen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI liefert kaum Hinweise auf ungewöhnliches Wetter. Schwache Signale für Wind
und Niederschlag sind am Montag auszumachen.

Niederschlag:
Die Ensembles liefern vor allem zum und am Dienstag im Bereich der Alpen/ ggf.
auch Südschwarzwald Hinweise auf markante Niederschlagsmengen, konvektiv
durchsetzt. An den Folgetagen gibt es für den Alpenraum allenfalls schwache und
meist nur konvektive Signale für markante Niederschlagsmengen.

Gewitter:
Vor allem am Montag gibt es eine recht hohe Wahrscheinlichkeit für gebietsweise
kräftige Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotenzial.

An den Folgetagen beschränken sich die voraussichtlich markanten Gewitter auf
den Alpenraum, allerdings sind auch im Nordseeumfeld, zur Wochenmitte generell
im Norden markante Gewitter mit Sturmböen nicht ausgeschlossen.

Wind:
EZMWF-EPS simuliert am Montag im Südwesten mittlere Wahrscheinlichkeiten für
markante Böen (Bft 8).

ICON-EU EPS liefert am Dienstag gewisse Wahrscheinlichkeiten für markante Böen
im Nordseeumfeld, am Donnerstag generell im Norden sowie auf den Bergen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, GEFS, ICON, MOSMIX, NOAA/NASA

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Dr. Jens Bonewitz