#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 28.09.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 281800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.09.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Unter Trog-/Tiefeinfluss kühl und unbeständig, im Allgäu noch Dauerregen.
Freitag kurze Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … zeigt sich vom Nordmeer ausgehend über Skandinavien bis zum
Baltikum, Mitteleuropa und den Britischen Inseln ein Langwellentrog, der sich
letztlich sogar bis zum zentralen Mittelmeer erstreckt. Über Norddeutschland
liegt dabei in ellipsenförmiger Anordnung ein Höhentief, das Kontakt aufnimmt zu
einem weiteren Höhentief über dem äußersten Westen Russlands. Fortan wachsen
diese beiden Gebilde in dipolartiger Struktur zusammen. Die Achse dieses
Gebildes hat zunächst eine zonale Anordnung von West nach Ost, kippt in der
Nacht dann aber auf Südwest-Nordost. Hebung durch PVA wird dadurch vor allem an
den Achsvorderseiten über den Britischen Inseln und über dem Baltikum ausgelöst,
hinzu kommt WLA an der Südostflanke des Höhentiefpärchens und ebenfalls über den
Britischen Inseln.
Am Boden wandelt sich Tief THORVI mehr und mehr in eine Rinne um, die
Donnerstagmorgen von den südlichen Britischen Inseln über Dänemark bis zur
östlichen Ostsee reicht. In ihrem Einflussbereich gibt es durch Gegenstrom (am
Boden Südwest-, in der Höhe Nordostwind) an der Küste und in Schleswig-Holstein
schauerartige Niederschläge, wobei die Mengen mit 1 bis 10 l/qm nicht
warnrelevant sind. Kurze Gewitter sind aufgrund des recht warmen Meers nicht
völlig ausgeschlossen, der Tagesgang spricht aber dagegen.
Weiter Richtung Binnenland lässt die Schauerneigung ebenfalls durch den
fehlenden Tagesgang größtenteils nach, zumal ja auch aus der Höhe keine
Hebungsimpulse rühren. Bei einigen Auflockerungen bildet sich dann gebietsweise
jedoch Nebel.
Im Süden allerdings hinterlassen Reste einer Welle, die tagsüber hereingezogen
ist, noch Feuchtigkeit und weitere Niederschläge. 12-stündig sind noch einmal 3
bis 10 l/qm zu erwarten, sodass die Dauerregenwarnungen im Allgäu bis morgen
früh bestehen bleiben können. Die Schneefallgrenze sinkt im Laufe der Nacht auf
1400 bis 1500 m, oberhalb davon sind also 3 bis 10 cm Neuschnee möglich.
Der Wind lässt bei nachlassendem Gradienten in der Nacht immer mehr nach, nur
auf den allerhöchsten Alpengipfeln treten anfangs noch stürmische Böen auf.
Die Temperaturen sinken auf 7 bis 1, in der Eifel bis nahe 0 Grad. Gebietsweise
ist in den Regionen mit größeren Auflockerungen mit leichtem Frost in Bodennähe
zu rechnen.

Donnerstag … bleibt das Höhentief über Norddeutschland nahezu stationär,
während das Höhentief vom westlichen Russland ins westliche Finnland zieht.
Dabei haben beiden Höhentiefs am Abend zwar wieder eine eigenständige 544
gpdam-Isohypse, das gesamte Gebilde kippt aber durch die Wanderung des
nördlichen Höhentiefs weiter auf Südwest-Nordost. Im Südwestteil der
resultierenden neuen Trogkonfiguration zeigt sich zudem eine leichte Austrogung
über Frankreich bis hin zu den Pyrenäen. Hebung wird vor allem auf der
Vorderseite davon vom westlichen Mittelmeer bis zur Ukraine generiert, wobei
diese auch den Südosten von Deutschland touchiert.
Infolgedessen gibt es dort, unterstützt durch Tief VERONIKA über Norditalien,
weitere Niederschläge. Mit 1 bis 10 l/qm in 12 Stunden liegen die Mengen
allerdings fernab der Warnschwellen.
Weiter Richtung Mitte ist die Luftmasse noch labil geschichtet, sodass es dort
zu einzelnen Schauern und Gewittern kommt. Dabei wird von ICON-D2 sogar lokaler
Starkregen angedeutet, was möglicherweise eine Folge nur langsam ziehender
Zellen in der flachen Druckverteilung sein könnte.
Im Norden dagegen ist am Boden noch THORVI (wahrscheinlich THORVI II)
eingebettet in der Tiefdruckrinne aktiv. Damit bleibt die Gegenstromlage
erhalten. Das alleine bringt schon schauerartige, vereinzelt gewittrige
Regenfälle, die durch WLA aber noch ein wenig angefacht werden können. Dabei
verlagern sich die Niederschläge allmählich in Richtung Deutsche Bucht und in
den Hamburger Raum. Die Regenmengen betragen 5 bis 15, punktuell um 20 l/qm in
12 Stunden. Von ICON-D2-Ensemble gibt es Hinweise für mehr als 20 l/qm in 6
Stunden insbesondere an der Nordsee.
Angesichts der flauen Druckverteilung spielt der Wind keine Rolle und weht
häufig nur schwach aus unterschiedlichen Richtungen. An der Nordsee frischt er
jedoch zeitweise auf und kann in Böen um 55 km/h (Bft 7) erreichen, da dort der
Gradient in der Nähe zum Tief stärker ist.
Zwischen dem Niederschlagsgebiet im Norden und den Schauern bzw. Gewittern in
der Mitte gibt es einen Bereich kompensatorischen Absinkens, in dem es meist
trocken bleibt. Das gilt im Groben für die Bereiche von NRW über
Südostniedersachsen bis nach Brandenburg.
Bei Höchsttemperaturen zwischen 9 und 16 Grad erwärmt sich die alternde
Luftmasse polaren Ursprungs nur zögerlich.

In der Nacht zum Freitag weitet sich der positiv geneigte Trog noch etwas
Richtung Spanien aus, wobei die beiden bisher vorhandenen Drehzentren noch einen
dritten Begleiter über den Pyrenäen bekommen. Insgesamt zeigt der Trog nur eine
sehr langsame Südost-Verlagerung.
Am Boden wandert das an das Höhentief über Norddeutschland gekoppelte Bodentief
THORVI (vermutlich THORVI II) in Richtung westliche Nordsee, dort füllt es sich
ab der zweiten Nachthälfte bald auf. Die Niederschläge (lokal immer noch Blitz
und Donner nicht ausgeschlossen) kommen im Zuge dessen ein wenig ins Binnenland
bis ins südliche Emsland bzw. Richtung Mecklenburg voran. Die
Niederschlagsmengen nehmen mit 1 bis 10 l/qm in 12 Stunden ab, wobei der
fehlende Tagesgang sein Übriges tut.
Das gilt auch für die Mitte Deutschlands, dort lassen die Schauer und Gewitter
nach Nachteinbruch alsbald wieder nach. Bei größeren Auflockerungen bildet sich
neuerlich Nebel.
Im Südosten (Alpenrand bis südlicher Bayerischer Wald) gibt es immer noch
Aufgleitniederschläge durch Tief VERONIKA, das langsam Kurs auf Korsika nimmt.
Die Tiefstwerte liegen bei schwacher Luftbewegung bei 8 bis 1 Grad, in der Eifel
lokal um 0 Grad. Erneut ist gebietsweise mit Frost in Bodennähe zu rechnen,
insbesondere bei größeren Auflockerungen.

Freitag … weitet sich der Trog noch weiter Richtung Marokko aus, dabei bildet
sich über Marokko ein viertes Drehzentrum. Die Achse des Troges kommt im
Tagesverlauf bis auf eine Linie Finnland – Polen – Löwengolf – Marokko voran.
Das Höhentief über den Pyrenäen marschiert zum Löwengolf, das über
Norddeutschland löst sich dafür auf, das Trogresiduum dort wird nach Osten
geführt.
Die Feuchtefelder bzw. Niederschläge kommen damit nach Osten in Bewegung, lösen
sich aber bald auf. Im nordöstlichen Niedersachsen, in Mecklenburg-Vorpommern
und an der Ostsee gibt es noch einzelne Schauer.
Ansonsten folgt dem abziehenden Trogresiduum ein flacher Höhenrücken und die
Luft wird trockener, sodass Schauer im Rest des Landes die Ausnahme bleiben.
Darüber hinaus kann sich bei leichtem Druckanstieg bzw. dadurch
Zwischenhocheinfluss die Sonne zum Teil länger zeigen.
Im Südosten nimmt die Niederschlagsneigung bei steigendem Luftdruck und
abziehendem Trog ebenfalls ab, weil zusätzlich auch die Hebungsimpulse und
Feuchtefelder des Tiefs VERONIKA nach Südosten abgeführt werden.
Im Nordwesten nimmt die Bewölkung nachmittags dann schon wieder zu. Damit
kündigen sich die Ausläufer eines neuen Islandtiefs (vermutlich hört es auf den
Namen WALBURGA) an, Regen fällt bis zum Abend allerdings noch nicht.
Der Wind weht schwach bis mäßig um Süd, an der Nordsee frischt er mit Herannahen
der Tiefausläufer jedoch auf, auf den Inseln gibt es dann erste starke Böen um
55 km/h (Bft 7).
Die Temperaturen erreichen 10 bis 18 Grad.

In der Nacht zum Samstag schwenkt der flache Rücken bereits über Deutschland
hinweg nach Osten durch. Somit gelangen wir auf die Vorderseite eines neuen
Langwellentrogs über dem Nordostatlantik, an dem das neue Islandtief (WALBURGA)
gekoppelt ist. Die Ausläufer des Tiefs erfassen in der zweiten Nachthälfte den
Nordwesten mit Regen, bis zum Morgen erreichen sie bereits eine Linie
Mecklenburg – Franken – Schwarzwald. Die Niederschlagsmengen betragen 1 bis 10,
in Weststaulagen des Berglandes bis 15 l/qm in 12 Stunden.
Mit Ankunft des Frontensystems nimmt auch der Gradient deutlich zu, sodass der
Wind auffrischt und mit starken Böen Bft 7 insbesondere in der Mitte aus Südwest
weht. Im Bergland gibt es stürmische Böen Bft 8 oder Sturmböen Bft 9, auf den
höchsten Gipfeln schwere Sturmböen Bft 10 oder sogar orkanartige Böen Bft 11.
Präfrontal bleibt es von Vorpommern über Sachsen bis ins südöstliche Bayern und
Baden-Württemberg noch trocken bei aber langsam sich verdichtender Bewölkung, im
Süden örtlich begleitet von Nebel.
Die Temperaturen gehen auf 11 bis 7 Grad unter den Wolken und auf 8 bis 1 Grad
sonst zurück.

Samstag … erfasst der Trog bereits den Nordwesten Deutschlands. Das
okkludierende Frontensystem des Islandtiefs (WALBURGA), das einen Ableger über
Skandinavien bekommt, erreicht die Mitte, wobei es dort durch eine Wellenbildung
bei den Britischen Inseln bereits rückläufig wird und ins Schleifen gerät.
Im Osten und Südosten kommt es also zunächst zu frontalen Niederschlägen, im
Süden dabei zusätzlich zu Staueffekten an den Alpen. Nachfolgend erfolgt von
Westen her im Trogbereich ein Übergang zu Schauern und Gewittern.
Die Niederschlagsmengen liegen deutschlandweit in der Fläche meist zwischen 2
und 10, in Staulagen vereinzelt um 15 l/qm in 12 Stunden. Für diese geben die
Ensembles sogar geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 25 l/qm in 12 Stunden
aus.
Bei den Schauern und Gewittern spielt zudem der Wind eine Rolle. Allein vom
Gradienten her weht er bis in tiefe Lagen in Böen schon zum Teil stark (Bft 7),
im Bergland mit Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen in den höchsten Etagen
(Bft 9 bis 11). Bei Schauern und Gewittern sind damit stürmische Böen Bft 8 bis
ins Tiefland denkbar. Etwas geringer ist die Windentwicklung im Nordosten.
Weil aus Südwesten nun mildere Luft mit T850 hPa von 3 bis 8 Grad einströmt,
steigen die Höchsttemperaturen geringfügig auf 12 bis 18 Grad an.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelldiskrepanzen sind zwar nicht all zu hoch, im Detail gibt es aber
Unterschiede. So hat GFS das morgige Tief in Norddeutschland weniger stark drin,
sodass auch die Niederschläge zurückbleiben und Starkregen durchaus fraglich
ist. Auf der anderen Seite zeigt GFS in der Nacht zum Freitag und am Freitag in
der Mitte und im Süden noch länger Niederschläge an als die anderen Modelle.
Daran bestehen allerdings Zweifel, weil GFS bei Konvektion durchaus für
Übertreibung bekannt ist und die Synoptik eher dagegenspricht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch den 28.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.09.2022 um 10.30 UTC

Am langen Wochenende sehr unbeständig mit reichlich Regen und Schauer, dazu
windig, teils stürmisch. Im Laufe der nächsten Woche Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 05.10.2022

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums startet ein neuer Monat seine
Karriere, herzlichen willkommen Oktober 2022. Neuer Monat, neues Glück, ob
dieses leicht abgewandelte Sprichwort bezogen auf das Wetter Realität wird – man
weiß es nicht. Fakt ist, dass in der Nacht von Freitag zum Samstag ein in weiten
Landesteilen sehr regenreicher September zu Ende geht und Fakt ist auch – so
viel sei hier schon verraten – dass der Oktober alles andere als „golden“
startet. Im Gegenteil, am Wochenende und z.T. auch noch zu Beginn der nächsten
Woche setzt sich das niederschlagsreiche Wetter aus dem Vormonat nahtlos fort,
gegenüber den eher etwas verhaltenen Endseptembertagen Donnerstag und Freitag
nimmt es sogar richtig Fahrt auf. Das liegt übrigens nicht nur am Regen sondern
auch an einem merklich auffrischenden, regionsweise bisweilen sogar stürmischen
Wind aus westlichen Richtungen. Die Details:

Der Samstag wird bei uns von einem hochreichenden Sturmtief namens WALBURGA
(wahrscheinlich) bestimmt, das den Tag nahezu stationär im Seegebiet südöstlich
von Island verbringt. Der Kerndruck liegt zur Mittagszeit bei etwas unter 975
hPa, womit der Höhepunkt bereits überschritten ist. Bis Sonntagfrüh jedenfalls
soll sich das Tief unter leichter Verlagerung in Richtung Südnorwegen um 5 bis
10 hPa auffüllen. Das ändert aber nichts daran, dass der Südwest- bis Westwind
bei uns verbreitet auffrischt mit stürmischen Böen oder Sturmböen im höheren
Bergland sowie anfangs auch an der Nordsee. Darüber hinaus überquert uns die
teilokkludierte Kaltfront des Sturmtiefs mit ihrem frontalen Regengebiet zügig
ostwärts, wobei das im äußersten Süden nur die halbe Wahrheit ist. Dort hinkt
die Front noch vor den Alpen zurück (=> föhnige Aufheiterungen im südlichen
Alpenvorland und bis zum 20°C), kommt ins Schleifen und geht nach Westen in eine
langgestreckte Frontalzone über, die ihren Abschluss in einem Tief weit draußen
auf dem Atlantik findet (Sonntag 00 UTC fast bei 40° West und etwa 45° Nord).
Aus dieser Frontalzone heraus löst sich mit der lebhaften Zonalströmung eine
flache und stabile Welle, die am Abend so gerade die Normandie erreicht, etwa um
Mitternacht das Rhein-Main-Gebiet passiert und um 06 UTC bereits über Tschechien
liegt – flott, flott kann man da nur sagen. Mit der Welle kommt nicht nur neuer,
teils ergiebiger Regen in die Mitte und den Süden (vornehmlich, aber nicht
ausschließlich in Weststaulagen der Mittelgebirge soll es ordentlich schütten)
auf. Südlich der Welle frischt der Wind teils stürmisch auf, wobei neben der
dortigen Kompression der Isobaren (in einem Wort Gradientverschärfung) gerade im
Alpenvorland zusätzlich noch der Leitplankeneffekt greift. Bei aller
Wertschätzung für die Mitte und den Süden, natürlich gibt es auch im Norden Wind
und Wetter. Dort fällt der Regen eher in Schauerform, wobei das Maximum der
Schauerei – vereinzelt unterstützt von kurzen Gewittern – über der Deutschen
Bucht sowie im unmittelbar angrenzenden Binnenland zu erwarten ist. Die Nordsee
ist auch die Region, wo der Südwest- bis Westwind die stärksten Akzente setzt,
auch wenn es im Tagesverlauf vorübergehend mal etwas moderater mit nur wenigen
Böen 7 Bft zur Sache geht.

Am Sonntag zieht das Tief WALBURGA unter weiterer Abschwächung Richtung
Südnorwegen, wo es spätestens in der Nacht zum Montag anlandet. Derweil baut
sich über der Biskaya, unterstützt durch einen sich über dem nahen Atlantik
aufwölbenden Höhenrücken, ein veritables 1025-hPa-Hoch auf, das dafür sorgt,
dass der Druckgradient trotz des schwächelnden Tiefs bei uns erhalten bleibt.
Folglich werden wir einen windigen Sonntag erleben, wobei sich die höchsten
Windgeschwindigkeiten vom Süden in den Norden verlagern. Vor allem an der
Nordsee geht es zeitweise stürmisch zur Sache.
Ansonsten kommt es unter einer flotten, zyklonal konturierten
west-nordwestlichen Höhenströmung zu weiteren Regenfällen, die meist
schauerartiger Natur sind und an bzw. über der Nordsee in der Summe durchaus
größere Mengen zusammenbringen können (Gründe dafür gibt es viele: ausgeprägte
Randtrogpassagen, küstenkonvergente und diabatische Einflüsse, vereinzelte
Gewitter). Im Süden hingegen startet der Tag mit frontalem Regen hinter der
Welle (die Kaltfront schwenkt in Richtung Alpen), der sich im Tagesverlauf aber
mehr und mehr in den äußersten Süden zurückzieht. Hinzuzufügen wäre noch, dass
es in der einfließenden, gut durchmischen subpolaren Meeresluft (T850 um +4°C)
mit 14 bis 19°C trotz Bewölkung und Regen/Schauer gar nicht mal so kalt wird.
Die für den südlichen Oberrhein von MOS prognostizierten 21°C allerdings
erscheinen aufgrund des andauernden Regens etwas zu optimistisch.

Die neue Woche startet wie immer mit einem Montag, der dieses Mal aber ein
Feiertag ist (Tag der Deutschen Einheit). Die Atmosphäre scheint das aber nicht
sonderlich zu interessieren, die macht da weiter, wo sie am Sonntag aufgehört
hat. Heißt in der Höhe weiterhin eine zyklonale, zusehends auf Nordwest drehende
Strömung, am Boden ein nur zögerlich nachlassender westlicher Wind, der
weiterhin subpolare Meeresluft (T850 um +3°C) advehiert. Der dafür erforderliche
Gradient wird übrigens vom sich nur langsam dem französischen Festland nähernden
Hoch und einem neuen Tief über Finnland aufrechtgehalten, während Madame
WALPURGA ihre Wanderung über das unwegsame südnorwegische Gelände nicht überlebt
und nur noch als Bodentrog über die Ostsee und Nordostdeutschland
hinwegschwenkt. Ansonsten steht wechselhaftes Schauerwetter auf der Karte,
vereinzelte kurze Gewitter insbesondere im Norden und Osten inklusive. Im Süden
und Südwesten, wo sich ein Keil des o.e. Hochs bemerkbar macht, ist die
Schauerneigung am geringsten, teils bleibt es sogar ganztägig trocken.

Bis Mittwoch beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Das Bodenhoch kommt von
Frankreich her immer näher und auch der etwas nach Westen versetzte, inzwischen
mächtig amplifizierte Höhenrücken zeigt progressiv. Er wird am Mittwoch genau
über Deutschland erwartet. Zuvor muss am Dienstag in der Nordosthälfte noch mit
einigen Schauern gerechnet werden, die in der Summe aber nicht mehr so ergiebig
ausfallen wie die Tage zuvor. Auch der Wind nimmt deutlich ab.
Niedertroposphärisch steigt die Temperatur von Südwesten her an, am Mittwoch
taucht die 10°C-Isotherme im Süden und Westen auf. Aufgrund nachlassender
Durchmischung und solider nächtlicher Abkühlung sowie der Tatsache, dass der
Hebel nicht sofort auf Sonne pur und Affenhochglanz umgelegt wird, wird die
Erwärmung nicht 1:1 an die bodennahen Luftschichten weitergegeben.

Kurz noch der Trend bis Samstag: nach Passage einer schwachen Frontensystems
(Mittwoch zu Donnerstag) Aufbau einen zonalen, brückenartigen Hochdruckzone (=>
ruhiges Herbstwetter mit Sonne, aber auch schon einigen zähen Nebel- und
Hochnebelfeldern).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Legt man die Basisfelder der letzten drei Modellläufe von IFS (ECMF)
übereinander, lässt sich eine hohe Kongruenz feststellen. Unschärfen bzw. kleine
Unterschiede sind zwar vorhanden, bewegen sich aber im üblichen Rahmen
numerischer Wetterprognosen. Von daher kann dem Modell eine gute Konsistenz
attestiert werden. Trotzdem, auch wenn die Differenzen überschaubar sind, gerade
am kommenden Wochenende könnten sie einen hohen Impact haben. Vor allem die
flache Welle, die in der Nacht zum Sonntag wahrscheinlich über die Mitte hinweg
ostwärts zieht (die genaue Zugbahn weist noch gewisse Toleranzen auf), dürfte
für eine intensive Wetteraktivität sorgen (viel Regen insbesondere in der Mitte
und im Süden sowie evtl. stürmischer Wind im Süden). Unsicher ist derzeit auch
noch, wie schnell und wie nachhaltig der für nächste Woche apostrophierte
Hochdruckeinfluss greifen wird.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Prinzipiell simulieren die anderen Globalmodelle ähnlich wie IFS. Klar, die
flache Welle wird in Bezug auf Timing und Position noch leicht unterschiedlich
gerechnet, es zeichnet sich aber die Mitte Deutschlands als wahrscheinliche
Zugbahn ab. Etwas aus dem Rahmen fällt GFS (Basis 00 UTC), das nicht nur den
frontalen Regen am Samstag später auf den Vorhersageraum übergreifen lässt.
Zudem fehlt komplett die nachfolgende flache Welle, weil die Kaltfront aufgrund
einer deutlich ausgeprägteren Austrogung in der Höhe (die anderen Modelle sind
zonaler aufgestellt) zügig über die Alpen nach Süden geprügelt wird –
Außenseiterlösung. Im Laufe der nächsten Woche lassen die großen Fünf (IFS,
ICON, GFS, GEM, UK) unisono den Luftdruck steigen und den Höhenrücken
näherkommen, wenn auch noch mit unterschiedlichem Timing.

FAZIT: Das windige und nasse, teils sehr nasse lange Wochenende scheint rein
deterministisch ebenso sicher wie die Wetterberuhigung im Laufe der nächsten
Woche.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis Anfang
kommender Woche einen gutmütigen Verlauf mit vergleichsweise eng gebündelten
Kurvenscharen. Beim Potenzial 500 hPa ist der Spread zwar geringfügig größer als
bei der Temperatur 850 hPa, was wohl auf unterschiedliches Timing zurückgeht.
Der Trend ist aber eindeutig. Im Laufe der nächsten Woche nimmt die Spreizung
der Kurven zu, wobei die Temperaturen ab Mittwoch nach vorherigem Anstieg ein
sehr unaufgeräumtes Bild ohne klare Tendenz abgeben. Beim Potenzial verläuft der
überwiegende Teil der Ensembles auf hohem Niveau, was auf Hochdruckeinfluss
hindeutet. Untermauert wird diese Aussage durch eine deutlich erkennbare Abnahme
der RR-Signale.

Die Clusterung startet am Wochenende (T+72…96h) gleich mal sehr facettenreich
mit der Maximalzahl sechs. Dabei weist die Konfiguration des hochreichenden
Tiefs kleine geometrische Unterschiede auf, was aber nichts an der windigen und
nassen Witterung bei uns ändert. Ab Montag (T+120…168h) reduziert sich die
Anzahl der Cluster auf vier. Alle zeigen die die Annäherung des Hochs bzw.
Höhenrückens, mal etwas eher, mal etwas später. Auch die Amplitude des Rückens
wird unterschiedlich simuliert. Bis auf CL2 (15 Fälle + HL), der eine nördliche
Westlage andeutet, läuft alles auf das Klimaregime „Blockierung“ hinaus. In
diese Kerbe hauen auch die Cluster 2 und 3 in der erweiterten Mittelfrist ab
Donnerstag (T+192…240h), wobei sich aber CL 3 (7 Fälle) alles andere als
störungsfrei zeigt. Ein schmaler Trog über dem östlichen Mitteleuropa gepaart
mit einer Bodenrinne verleiht der Strömungskonfiguration bei uns von Osten her
einen zyklonalen Einschlag. Störungsfrei sind auch die anderen beiden Cluster
nicht, insbesondere im Norden nicht, der am Rande der über Mitteleuropa
verlaufenden brückenartigen Hochdruckzone liegt.

FAZIT: Auch wenn Details noch offen sind, die anfangs regenreiche und windige
Witterung werden von der Statistik ebenso bestätigt wie die nachfolgende
Beruhigung.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Wind respektive Sturm und Regen sind die Themen, die den Beginn der Mittelfrist
prägen. Das geht am Samstag los, wenn erst der frontale Regen durchgeht, danach
einige Schauer folgen und in der Nacht dann der wellengebundene skalige Regen
folgt. Akkumuliert bis Sonntagfrüh muss insbesondere in den Weststaulagen der
westlichen, zentralen und südwestlichen Mittelgebirge mit Mengen zwischen 30 und
50 l/m² gerechnet werden. Da die Welle ziemlich schnell ziehen soll, ist
markanter Dauerregen in tieferen Lagen weniger wahrscheinlich, gebietsweise aber
nicht ganz ausgeschlossen. Am Sonntag dürfte sich der skalige Regen im Süden
rasch zurückziehen, gleichwohl könnte es anfangs im Stau von Schwarzwald und
Allgäu noch zu warnwürdigem Dauerregen reichen. Ein „Regenauge“ geht auch in
Richtung Deutsche Bucht, wo sich am Samstag und Sonntag eine Art
Dauerschauerlage einstellt und in der Akkumulation bis Montagfrüh einiges an
Regen zusammenkommen kann (laut IFS und ICON 40 bis 50 l/m², lokal noch mehr).
Ob man das bei Bedarf schlussendlich mit mehrstündigem Starkregen oder
Dauerregen abwarnt, muss zeitnah diskutiert werden.

Punkt 2 betrifft den Wind, der es von Samstag bis Montag auf die Anzeigetafel
schafft. Los geht es schon in der Nacht zum Samstag an und auf der Nordsee, wo
der S-SW-Wind präfrontal bis in den Sturmbereich geht. Tagsüber lässt das dann
aber nach, während das höhere Bergland durchweg anfällig ist für Böen 8-9 Bft,
exponiert sogar 10 Bft. Interessant wird es in der Nacht zum Sonntag im Süden
südlich der Welle, wo je nach Lage ebenfalls Böen 8-9 (10) Bft erwartet werden
können.
Am Sonntag wird es dann an der Nordsee wieder zunehmend stürmisch und am Montag
könnte es mit Winddrehung auf NW an beiden Küsten für Böen 8 Bft, exponiert 9
Bft reichen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS und IFS-EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann

#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 27.09.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 271800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.09.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Stattliche Troglage mit zahlreichen Schauern und kurzen Gewittern, im Süden
schleifende Luftmassengrenze mit Dauerregen, ab ca. 1800 m Schneefall. Ab
Donnerstag zögernde Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … nistet sich ein langgestreckter Trog, der dipolartig von den
Shetlands bis zum Böhmischen Becken reicht, richtig über Deutschland ein. An
dessen Südflanke stößt der Jet in 300 hPa von der Mosel bis zum Bayerischen Wald
vor, was wiederum im äußersten Süden einen kleinen Warmlufteinschub begünstigt.
Während sonst verbreitet eine stattliche Meereskaltluft mit Temperaturen um oder
nur wenig über dem Gefrierpunkt in 850 hPa wetterwirksam ist, die zudem labil
geschichtet ist, gelangt in den äußersten Süden eine mildere Meeresluft
subtropischen Ursprungs. Diese wurde in einem weiten Bogen um das stattliche
nach Norden verschobene Azorenhoch herumgesteuert und hat immerhin noch Theta
Werte in 850 um 35 Grad (sonst über Deutschland rund 23 Grad) und PPW’s bis 25
mm im Schlepptau.

Dementsprechend setzt aktuell mit Übergreifen einer flachen Welle von Frankreich
ostwärts ausgreifend bereits Warmluftadvektion ein, die zu schauerartig
verstärkten und teils länger anhaltenden Regenfällen führt. Dabei fallen binnen
12h vom Oberrheingraben bis zum Alpenvorland rund 10, in Staulagen von
Schwarzwald und Allgäu 20-30 Liter auf den Quadratmeter. Entsprechende
Dauerregenwarnungen wurden bereits ausgegeben. Signale für mehr als 25 l/m² gibt
es im COSMO-D2 EPS vor allem im Oberallgäu.

Aber auch an den Küsten sorgt die anhaltende Schaueraktivität über dem noch
vergleichsweisen warmen Wasser von teilweise noch 15 oder 16 Grad für erhöhte
Niederschlagssummen. Im zentralen Trogbereich nimmt nämlich die
Zuggeschwindigkeit der Zellen weiter ab, so dass diese durch lokale
Küstenkonvergenzen verstärkt, teilweise stationär werden. Von Cuxhaven bis Emden
sowie vom Darß bis nach Fehmarn liefern sowohl die deterministischen Läufe als
auch die Probabilistik ebenfalls ernstzunehmende Signale 10 bis 20 l/m², lokal
um 30 l/m² über mehrere Stunden hinweg.

Ansonsten nehmen die Schauer in der Fläche mit Ende des Tagesgangs zwar etwas
ab, dennoch bleibt die Tätigkeit insgesamt aufrecht. Gewitter treten kaum noch
auf, sind aber bei Wolkenoberkantentemperaturen um -20 Grad nicht
ausgeschlossen. Gebietsweise gibt es größere Auflockerungen. Die Tiefstwerte
liegen zwischen 10 und 5 Grad, im höheren Bergland sowie bei längeren
Auflockerungen bei 5 bis 2 Grad.

Die nachlassende Böigkeit des Tagesgangs überkompensiert den Gradienten, der
insgesamt etwas abnimmt, mit der Welle über dem Süden aber noch am längsten
aufrechterhalten wird. Das äußert sich letztlich aber nur noch am Höhenwind mit
Sturmböen > 1000-1500 m. Apropos Höhenstufe: Die Schneefallgrenze steigt durch
den Warmlufteinschub mit T850 bis 5 Grad vorübergehend etwas an, je nach
Intensität von rund 1700 bis auf 2000 m.

Mittwoch … orientiert sich das Höhentief ellipsenförmig in West-Ost Richtung
über Norddeutschland. Bodennah ist noch immer ein etwas kräftigeres Zentrum mit
995 hPa über der Doggerbank vorhanden und ein schwächeres breiter angelegtes
Zentrum über Ostdeutschland und der südlichen Ostsee.

Innerhalb des Troges wird etwas ML CAPE bereitgestellt und die Schichtung ist
mit -28 Grad in 500 hPa auch noch hochreichend labil. Folglich hält das
wechselhafte Wetter mit zahlreichen Schauern und vereinzelt auch kurzen
Gewitter, teils mit Graupel über dem Norden und der Mitte des Landes an.
Sonstige Begleiterscheinungen sind neben Böen Bft 6/7 eher nicht zu erwarten,
wobei festgehalten werden muss, dass die Zellen gerade in Ostfriesland nahezu
ortsfest sind (weiter lokal Starkregenpotential). Potential für Böen Bft 8
besteht allenfalls noch entlang des Mains, wo noch ein ausreichend guter
Überlapp zwischen Labilität und Jet besteht.

Entlang und südlich der Donau schleift weiter die Welle als Luftmassengrenze
entlang mit länger anhaltenden, teils schauerartig durchsetzten Regenfällen.
Dort, sowie bei kräftigen Schauern und Gewittern fallen binnen 12h um 10 l/m²,
vom Südschwarzwald bis zum Lech 10 bis 20 l/m², in Staulagen auch etwas mehr.
COSMO-D2 EPS sieht gar bis zu 80% im Oberallgäu für mehr als 25 l/m², was selbst
durch die sonst so niederschlagsfreudigen AROME und UK10 höchstens angekratzt
wird. Im Großen und Ganzen scheint die Dauerregenwarnung erstmal bezüglich der
Mengen ausreichend gut aufgestellt zu sein.

Die Schneefallgrenze bleibt um oder nur knapp unter 2000 Metern. Ein bisschen
Leitplankeneffekt ist noch da. Die Böen gehen über Bft 6 im Alpenvorland aber
nur noch in den Höhenlagen hinaus und sind auch dort zum Nachmittag auf dem
absteigenden Ast.

Dabei bleibt es weiterhin vergleichsweise kühl mit maximal 10 bis 14, bei
längeren Aufheiterungen bis 16 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag rotieren die Tiefkerne über der Doggerbank und bei
Bornholm weiter munter um ihre gedachte Achse über der Deutschen Bucht vor sich
hin. Dabei verschiebt sich der östliche Kern etwas nach Norden, der westliche
nach Süden. Die Welle erreicht als Kaltfront die Alpen und durch die südwärts
beginnende Austrogung über dem westlichen Mittelmeerraum fällt südlich des
Alpenbogens permanent der Druck.

Hierzulande lässt diese Konfiguration den Druck etwas ansteigen, zwischen Donau
und Aller kann sich sogar eine flache Hochdruckbrücke mit bis zu 1005 hPa
etablieren. Das sorgt neben Auflockerungen weiterhin für äußerst windschwache
Verhältnisse. Diese Kombination sorgt mit Annäherung an den Oktober in der
feuchten Grundschicht mit hoher Wahrscheinlichkeit für rasche ausgedehnte Nebel-
und Hochnebelfelder. WarnMOS schlägt diesbezüglich vor allem von
Schleswig-Holstein bis ins Emsland sowie von Mittelhessen bis nach Unterfranken
mit W-keiten >40% für Sichtweiten unter 150 m zu.

An der See und südlich der Donau fallen örtlich noch einige Tropfen bei frischen
8 bis 2 Grad. Bei längerem Aufklaren besteht lokal die Gefahr von leichtem Frost
in Bodennähe.

Donnerstag … kippt der Höhentrog als Ganzes aufgrund der bereits beschriebenen
Prozesse wieder zunehmend in die Meridionale. Er erstreckt sich zur Mittagszeit
mit mehreren eingelagerten Teilzentren vom Finnischen Meerbusen über
Norddeutschland bis nach Nordfrankreich.

Darunter leidet zunehmend etwa die Labilität. Die Lapse-Rates erreichen kaum
noch Werte unter -0.7K/100m. Zudem ist die Luftmasse durch den leichten
Druckanstieg und das entsprechende Absinken auch etwa abgetrocknet. Aufgrund der
nur wenig dynamischen Lage sucht man Temperaturgegensätze und Hebungsantriebe
aus der Höhe ohnehin vergeblich. In der Konsequenz wird es nach teils zäher
Auflösung von Nebel und Hochnebel schon noch die Umwandlung in Quellbewölkung
geben. Schauer sind aber längst nicht mehr so kräftig und häufig wie noch an den
Vortagen. Auch Gewitter werden immer unwahrscheinlicher, erreichen doch die
Cloud Tops kaum noch unter -10 Grad. Zu verhehlen sind allerdings nicht die
hervorragenden Scherungsbedingungen von Ostsachsen bis zu den Alpen, die gerade
über dem Erzgebirge, dem Bayerischen Wald, Franken oder der Schwäbischen Alb
doch für die ein oder andere langlebigere Schauerzelle sorgen können.

Bei etwa zunehmenden Sonnenscheinanteilen geht es mit den Höchstwerten zwischen
12 und 17 Grad marginal aufwärts.

In der Nacht zum Freitag bleibt das Höhentief wetterbestimmend, zeigt aber zum
Morgen erste Abtropftendenzen Richtung Löwengolf.

Schauer oder schauerartige Regenfälle halten sich vor allem noch an der See und
den Alpen. Unsicher ist noch, inwiefern trogvorderseitige WLA von der Adria über
die Alpen nordwärts ausgreift. Im Extremfall greifen kräftigere, aber wohl nicht
warnwürdige Regenfälle bis zum Main aus (UK10).

Sonst klart es gebietsweise auf und erneut rücken Grenzschichtphänomene in den
Vordergrund. Die Tiefstwerte liegen erneut im niedrigen einstelligen Bereich. In
ungünstigen Lagen kann es für geringen Luftfrost reichen.

Freitag … greift im Vorfeld eines sich entwickelnden schweren Sturmtiefs bei
Irland kräftige WLA auf die Britischen Inseln und die Nordsee über, die die
Trogreste über Deutschland allmählich zuschüttet. Der südliche, immer schmaler
werdende Anteil tropft über dem Löwengolf respektive dem Ligurischen Meer ab und
sorgt für neuerliches Ungemach im Bereich der Adria und den angrenzenden
Gebieten.

Je nach Stärke des Residuums über uns reicht es im Tagesverlauf erneut noch für
den ein oder anderen Schauer. Die große Nummer wird das aber bei weitem nicht
mehr. Ansonsten scheint unter schwachem Zwischenhocheinfluss auch längere Zeit
die Sonne, zumal die bodenahe Strömung sich auf südliche Richtungen einschießt
und zum Abend an der Nordsee auch spürbar zulegt (Helgoland erste Bft 7).

Größere Unsicherheiten bestehen weiterhin im Südosten des Landes, wo Ausläufer
des Adriatiefs für mehrschichtige Bewölkung und zeitweiligen Regen sorgen
könnten. Größenordnungen über 10 l/m² binnen 12 h sind dabei aber aus heutiger
Sicht unwahrscheinlich.

Auch wenn sich die niedertroposphärische Erwärmung schwertut, so sorgt zumindest
die Abtrocknung/Alterung der Luftmasse im Zusammenspiel mit erhöhten
Sonnenanteilen für einen leichten Anstieg auf 13 bis 18 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

In den Basisfeldern bestehen kaum Kontroversen. Eine Schilderung und Bewertung
der Unsicherheiten bezüglich des Abtropfens sowie der Niederschläge wurde im
Text bereits vorgenommen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag den 27.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.09.2022 um 10.30 UTC

Es wird windig und zeitweise nass, aber nicht kalt – Herbst light.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 04.10.2022

Die Mittelfrist startet am Freitag mit vergleichsweise ruhigem Wetter.
Deutschland liegt bei flacher Druckverteilung über Mitteleuropa unter einer
Tiefdruckrinne, die sich vom Baltikum bis nach Frankreich erstreckt, aber
allmählich auffüllt. Eine Frontalzone wird nach Süden abgedrängt und die
anfänglichen Regenfälle südlich der Donau lassen nach. Im übrigen Bundesgebiet
stellt sich teils sonniges Wetter mit geringer Schauerneigung ein. Bei 2 bis 4
Grad in 850 hPa ist die Temperatur am Boden eher kühl, bei längerem Sonnenschein
sind aber vor allem über der Mitte Deutschlands an die 18 Grad möglich.

In der Nacht zum Samstag geraten wir auf die Vorderseite eines Troges, der von
einem Tief bei Island ausgeht. Eingelagert ist ein (teilokkludiertes)
Frontensystem, das sich am Samstag langsam ostwärts über Deutschland
hinwegbewegt. Entsprechend wird der Tag eher trüb und nass, wobei je nach Lage
des Troges länger anhaltender Regen, im Stau der westlichen und südwestlichen
Berge mitunter auch Dauerregen droht. Mit auffrischendem Druckgradienten legt
der Wind zu, anfangs aus Süd, später Südwest bis West. Vor allem an den Küsten
und im Bergland sind stürmische Böen, auf den Gipfeln Sturmböen zu erwarten, im
Flachland reicht es bevorzugt in prädestinierten Lagen für steife Böen.

In der Nacht zum Sonntag tropft aus dem Trog ein Tief über Südskandinavien ab,
welches sich am Sonntag über der Ostsee einnistet. Deutschland wird von einem
weiteren Trog erfasst, der für unbeständiges Wetter sorgt. Zwischen dem Tief und
einem Hochdruckgebiet über der Biskaya ist der Druckgradient erhöht. Damit
bleibt uns eine kräftige westliche Strömung erhalten, die im Bergland zu
Sturmböen führt. Im Süden kann vorübergehend etwas mildere Luft einfließen (+6
Grad in 850 hPa), was am Oberrhein für Höchstwerte bis zu 20 Grad sorgen kann.
Im restlichen Bundesgebiet ist es mit 15 bis 18 Grad aber auch nicht gerade
kalt.

Am Montag baut sich der Druckgradient langsam ab, denn das Hoch rückt näher,
während sich das Tief Richtung Russland verzieht. Von Südwesten her wölbt sich
ein Keil auf und das Wetter beruhigt sich allmählich.

Am Dienstag herrscht über Mitteleuropa hoher Luftdruck am Boden. In der Höhe
liegt weiterhin ein Keil über Westeuropa. Im Tagesverlauf zieht eine Warmfront
von Westen her nach Deutschland, die auf dem Weg ostwärts an Wetteraktivität
einbüßt. Sie erreicht in der Nacht zum Mittwoch die östlichen Landesteile,
bringt aber kaum noch Regen. Im äußersten Westen und Südwesten strömen in 850 um
+10 Grad ein, im Osten liegen noch 3 bis 5 Grad.

Am Mittwoch schiebt sich die Keilachse ostwärts und liegt gegen Mittag
voraussichtlich auf einer Linie Spanien – Ostsee. Die Hochdruckbrücke am Boden
verlagert sich weiter ostwärts. Zeitgleich streckt ein Tief über dem
Nordatlantik seine Fühler Richtung Deutschland aus, die zugehörigen Fronten
erreichen uns voraussichtlich Mittwochabend/in der Nacht zum Donnerstag. Ein
sich neu bildendes Hoch auf dem Atlantik soll den Durchzug der Front nach Süden
abbremsen und für ein wellendes System am Donnerstag/Freitag sorgen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn der Mittelfrist ist die Konsistenz des IFS zu den Vorläufen gut. Auch
die Übereinstimmung mit anderen Modellen ist hoch: flache Druckverteilung am
Boden bei gleichzeitigem Erstrecken einer Tiefdruckrinne vom Baltikum bis nach
Frankreich in der Höhe. An Tag 2 der Mittelfrist (Samstag) sehen alle Modelle
den Durchgang eines Frontensystems, allerdings unterliegen Lage und Ausdehnung
schon Schwankungen. Ab Tag 3 gehen die Modelle und Versionen gründlich
auseinander. Grund dafür ist die unterschiedliche Gewichtung eines Tiefs bei
Island, dessen Trog bis weit nach Mitteleuropa reicht oder eben nicht. Infolge
dessen wird die Austrogung eines Tiefs über Südskandinavien verschieden
berechnet, was Einfluss auf die Luftdruckzunahme aus Südwesten in der neuen
Woche hat. Sicher scheint nur eines: Eine ruhige Hochdrucklage gibt es nicht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Über die gesamte Mittelfrist liefert GFS die am stärksten amplifizierten Tröge.
ICON hat die Tröge am schwächsten drin. IFS bildet ein Mittelmaß. Insgesamt sind
sich ICON und IFS ähnlicher, GFS weicht mehr von beiden ab. Das abtropfende Tief
über der Ostsee ist bei ICON etwas tiefer, der Druckgradient daher höher. Der
Keil in der neuen Woche wird von ICON flacher gerechnet, er wölbt sich daher
weniger weit nach Norden, was das Übergreifen atlantischer Tiefs möglicher
macht.
Ab Dienstag driften GFS und IFS auseinander. GFS lässt weitere Randtröge
ausgehend vom Tief über Osteuropa nach Deutschland übergreifen, IFS setzt auf
den Keil. In der erweiterten Mittelfrist liefert GFS ein umfangreiches Tief über
Weißrussland und der Ukraine und eine Hochdruckbrücke von Skandinavien bis an
die Alpen. IFS hat das Tief deutlich weiter über Russland, entsprechend liegt
die Hochdruckbrücke östlicher und macht Platz für die Ausläufer eines Tiefs über
dem Nordatlantik.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Obwohl der erste Zeitschritt (+72-96h) bei der Clusteranalyse nur 2 Lösungen
liefert, sind die Unterschiede für Deutschland bemerkenswert. In Cluster 1 sind
die Tröge am Freitag und Samstag deutlich schärfer. Haupt- und Kontrolllauf
befinden sich in Cluster 2 mit weniger scharfem Trog. Beide Lösungen schwenken
von NAO negativ zu NAO positiv.
Zeitschritt 2 (+120-168h) liefert 5 Cluster und untermauert damit die
Unsicherheit der Mittelfrist. Dabei dominiert am Sonntag NAO positiv und am
Montag der atlantische Rücken. Am Dienstag gibt es zwei Lösungen für
atlantischen Rücken, zwei Lösungen für Blocking und eine Lösung für NAO negativ.
Die Unterschiede für Deutschland sind zum Teil groß. Vor allem die Lage und
Ausdehnung des Troges am Montag und Dienstag scheint noch offen.
Der Cluster für die erweiterte Mittelfrist liefert zwar wieder nur noch zwei
Lösungen, alle mit blockierender Lage, aber für Deutschland ergeben sich
zwischen Keil und Trog unterschiedliche Lösungen. Dabei liegen Haupt- und
Kontrolllauf in Cluster 1 mit dem Vorteil für den Keil über Deutschland.

Die Rauchfahnen geben auch nur die grobe Richtung vor: steigendes Geopotenzial
und fürs Wochenende auch steigende Niederschlagswahrscheinlichkeit und steigende
Temperatur in 850 hPa, Details unklar. Nach dem Wochenende geht sowohl die
Temperatur als auch der Niederschlag deutlich zurück.
Der Spread in der Temperatur liegt am Samstag zwischen 0 und +10 Grad, das
Geopotenzial zwischen 540 und 580 gpdm. Die Niederschlagsensembles schlagen vor
allem über der Mitte und dem Süden am Samstag und Sonntag stark aus. Dauerregen
erscheint also zumindest regional wahrscheinlich.
Interessant ist, dass sowohl Haupt- als auch Kontrolllauf am Wochenende am
oberen Ende der Ensembles zu finden sind, also besonders warm und nass, während
sie zu Beginn der neuen Woche eher am unteren Ende des Mainstreams liegen. Wie
in den Clustern und beim Vergleich mit den anderen Modellen gesehen, ist die
Entwicklung ab Dienstag vollkommen offen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI liefert für Samstag und Sonntag eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für
außergewöhnliche Böen im Westen und Süden des Landes. Angesichts der Vorhersage
von Bft 7 im Flachland, Bft 8 an den Küsten, Bft 9 im Bergland sowie bis zu Bft
10 auf den Gipfeln erscheint das ein wenig übertrieben. Für den Niederschlag
hingegen sind kaum Signale vorhanden, lediglich im Westen und Nordwesten des
Landes gibt es eine moderate Wahrscheinlichkeit für ein außergewöhnliches
Regenereignis am Samstag. Hier liefern Deterministik, MOS und Ensembles höhere
Signale für Dauerregen im Westen und Süden des Landes am Wochenende.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn

#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 26.09.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 261800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.09.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
GEWITTER:
Zunächst nur vereinzelt Gewitter. Heute Abend und kommende Nacht an der Nordsee
aufkommend vermehrt kurze Gewitter mit Gefahr stürmischer Böen. Am Dienstag
nahezu in ganz Deutschland einzelne kurze Gewitter möglich. Dabei vor allem in
der Mitte und im Süden steife bis stürmische Böen.
Am Mittwoch im Norden und in der Mitte, am Donnerstag wahrscheinlich nur noch in
den nördlichen Landesteilen und dort vor allem in Nordseenähe kurze Gewitter.

WIND-/STURMBÖEN:
Bis zum Abend exponiert (vor allem an der Nordsee) stürmische Böen um 70 km/h.
Auf exponierten Bergen Sturmböen Bft 9.
In der Nacht zum Dienstag auf Gipfeln der süddeutschen Mittelgebirge und im
Oberharz Sturmböen, exponiert (Brockenplateau) schwere Sturmböen.
Dienstagvormittag noch andauernd, danach bis einschließlich Mittwoch
wahrscheinlich nur auf exponierten Gipfeln Süddeutschlands sowie auf
Alpengipfeln Sturmböen um 80 km/h.

DAUERREGEN:
Im Schwarzwald ab dem späten Abend aufkommender Dauerregen. Mit kurzen
Unterbrechungen bis Donnerstagfrüh in Staulagen Regenmengen zwischen 40 und 60
l/qm, in exponierten Staulagen kleinräumig auch mehr Regen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland unter einem Langwellentrog. In diesen stößt von
der Nordsee kommend ein markanter Trog hinein. Die Trennung beider Tröge wird
dabei zusehends schwieriger. Da die Trogachse des neuen Troges erst gegen Abend
den äußersten Westen Deutschlands erreicht, ergibt sich an der Vorderseite des
neuen Troges zunächst eine südwestliche und etwas aufsteilende Strömung. Das
Frontensystem, das dem von der Nordsee sich südwärts ausweitendem Trog
vorgelagert ist, gelangt hierdurch zusehends ins Schleifen, wodurch nennenswerte
Niederschläge (einige Millimeter innerhalb von 12 Stunden, in Staulagen und in
Nordfriesland auch bis 10 mm) auf den Nordwesten und Westen Deutschlands
beschränkt sind und es östlich einer Linie Lübecker Bucht – Pfälzer Bergland
noch weitgehend trocken bleibt. Von Vorpommern bis in den Süden Deutschlands
hinein sind Auflockerungen zu erwarten, im Lee des Erzgebirges sind sogar bei
leicht föhnigem Einfluss längere sonnige Abschnitte vorstellbar. Allenfalls an
und in den Alpen können sich einzelne Gewitter entwickeln. Die
Wahrscheinlichkeit hierfür ist jedoch nicht allzu hoch.
Bleibt noch der Wind im Nordwesten zu erwähnen. Der weht unverändert aus
Süd-Südwest, an der Nordsee mit Wind- und stürmischen Böen. Im Nordwesten und
Westen sind auch in freien Lagen Windböen Bft 7 vorstellbar, genauso in Leelagen
der nördlichen und zentralen Mittelgebirge. Auf höheren Berggipfeln der
nördlichen, westlichen und ab dem Abend auch der südwestdeutschen Mittelgebirge
muss mit Sturmböen Bft 8/9 (Brocken Bft 10) gerechnet werden. Abgesehen von den
Mittelgebirgslagen flaut der Wind ab dem Abend ab. Danach hin sind nur noch an
der Nordsee sowie über der offenen Ostsee (dort ist der Wind ablandig)
warnrelevante Böen möglich.

In der Nacht zum Dienstag gelangt Deutschland zusehends in den Bereich des o.g.
Troges, der von einem Zentraltief über der Nordsee ausgeht. Das diesem Trog
vorgelagerte Frontensystem greift dann auf den Osten Deutschlands über, ist aber
nicht mehr eindeutig definiert. Hierdurch erfassen teils schauerartige
Niederschläge weite Teile Deutschlands. Wahrscheinlich bleibt es nur im
äußersten Osten noch weitgehend trocken.
Im Bereich des Troges, d.h. von der Nordsee und vom Westen Deutschlands bis in
die Mitte hinein reichend, sind auch kurze Gewitter möglich. An der Nordsee kann
bei wiederholt auftretenden Gewittern oder kräftigeren Schauern stürmische Böen
und kleinräumig eng begrenzt Starkregen nicht ausgeschlossen werden. Mit dem
Trog und der damit verbundenen gesamttroposphärischen Abkühlung gehen die
Niederschläge an den Alpen oberhalb etwa 1500 m wieder in Schnee über, der
oberhalb von 2000 m liegen bleibt.
An der Südflanke des Zentraltiefs erfolgt auch weiter im Binnenland eine leichte
Gradientzunahme. Auf höheren Berggipfeln der westlichen und süddeutschen
Mittelgebirge sind daher Sturmböen Bft 8/9 zu erwarten, in tieferen Lagen ist
der Wind wahrscheinlich nicht warnrelevant.

Dienstag … verlagert sich das o.g. Zentraltief mit seinem Zentrum in die
mittlere Nordsee. Der von diesem Tief ausgehende Trog hält sich über Deutschland
und sorgt über dem gesamten Vorhersagegebiet für eine rege Schauertätigkeit bis
hin zu kurzen Gewittern. Wolkenlücken sind dabei eher selten. Eine
Regionalisierung hinsichtlich des Maximums der Schauer- und Gewittertätigkeit
ist nicht möglich.
Der kräftigste Gradient zeichnet sich dann im Süden Deutschlands ab. Dort und
vor allem im Alpenvorland sind in freien Lagen Windböen möglich, in den
Gipfellagen der süddeutschen Mittelgebirge und den Hochlagen der Alpen sind
Sturmböen Bft 8/9 zu erwarten.
Mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 8 und 14 Grad bleibt es dabei sehr kühl.
Lediglich in Oder- und Neißenähe sind Höchstwerte bis 15 Grad möglich.

In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich das Höhentief in den Nordwesten
Deutschlands. Das korrespondierende Bodentief verliert seine Struktur, vielmehr
zeigt sich eine von der südlichen Nordsee über Polen hinweg bis in die Ukraine
reichende flache Tiefdruckrinne. Im Bereich des Höhentiefs sind weitere
schauerartige Niederschläge bis hin (wenn auch tagesgangsbedingt mit einer sehr
geringen Wahrscheinlichkeit) zu kurzen Gewittern zu erwarten, wobei sich durch
kurzwellige Tröge, die dieses Tief umlaufen, Niederschlagsmaxima über dem
Südwesten und Westen Deutschlands ergeben.
In den Gipfellagen der südwest- und süddeutschen Mittelgebirge können nach wie
vor Sturmböen Bft 8/9 auftreten. Da der Gradient jedoch etwas auseinandergezogen
wird, verringert sich die Wahrscheinlichkeit für Windböen im Alpenvorland.

Mittwoch … hat sich das Höhentief mit seinem Zentrum über dem Norden
Deutschlands festgesetzt. In dessen Bereich, d.h. hauptsächlich in den
nördlichen und in den mittleren Landesteilen, dauert eine rege Schauertätigkeit
bis hin zu kurzen Gewittern an. Erst später am Tag können vom Westen und
Nordwesten bis in die mittleren Teile Deutschlands hinein ein paar Wolkenlücken
zustande kommen; von Auflockerungen kann jedoch keine Rede sein.
An der Südflanke des über Norddeutschland liegenden Zentraltiefs wird eine
Warmfrontwelle in die Zirkulation einbezogen, die den Südwesten Deutschlands
erfasst und dann über das Alpenvorland hinweg nach Osten gesteuert wird. Zuvor
erfolgt in diesen Gebieten Stabilisierung, die Niederschläge, die infolge von
kräftiger Warmluftadvektion ab den Frühstunden von Südwesten her verstärkt
einsetzen, weisen durchweg skaligen Charakters auf. In Staulagen (südlicher
Schwarzwald, Allgäu) können die Warnschwellen für Dauerregen überschritten
werden.
In der ersten Tageshälfte sind im höheren Bergland Süddeutschlands noch
Windböen, in Gipfellagen Sturmböen Bft 8/9 zu erwarten. Auch im Alpenvorland
können Windböen nicht ausgeschlossen werden. Dies ist von der Zugbahn der
Warmfrontwelle abhängig. Hierzu müssen diese Gebiete in den Bereich des
Warmsektors dieser Welle gelangen. Bis zum Abend zeichnet sich jedoch rückseitig
dieser Welle eine leichte Gradientabschwächung ab, so dass dann die
Wahrscheinlichkeit für Windböen in den alpennahen Gebieten und Sturmböen auf
Berggipfeln zusehends geringer wird.
Mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 8 und 14 Grad bleibt es deutschlandweit
sehr kühl.

In der Nacht zum Donnerstag hält sich das Zentraltief über dem Norden
Deutschlands. In dessen Bereich wird die Schauer- und Gewittertätigkeit in
Küstennähe aufrecht gehalten, wogegen weiter im Binnenland Wetterberuhigung
einsetzt. Mit dem Abzug der Warmfrontwelle schwächen sich auch im Süden
Deutschlands die Niederschläge ab, so dass diese dann nicht mehr warnrelevant
sind.
Im Norden und in der Mitte Deutschlands kann es gebietsweise aufklaren. Während
im Norden und Nordwesten an der Südflanke des über der Nordsee liegenden
Bodentiefs etwas Gradient aufkommt, ist dort Nebel unwahrscheinlich. Allerdings
ist der Gradient zu schwach, als dass warnrelevante Böen zustande kommen. Am
ehesten dürften sich daher Nebelfelder vom Westen bis in die mittleren
Landesteile hinein bilden. In weiten Teilen Deutschlands sind niedrige
einstellige Temperaturminima zu erwarten. Ob sich dann leichter Bodenfrost oder
gar Luftfrost einstellt, ist noch nicht sicher, kann aber nicht ganz
ausgeschlossen werden. Die Luftmasse gibt das her.

Donnerstag … verlagert sich das Zentraltief mit seinem Zentrum zögernd bis in
den Bereich der Dänischen Inseln. Ein weiterer, von Westen hereinlaufender Trog
wird in die Zirkulation dieses Tiefs einbezogen, so dass sich ein vom Zentrum
des Zentraltiefs mit seiner Achse in Richtung Iberischer Halbinsel gerichteter
Trog ergibt. Die Folge ist erneut eine südwestliche Strömung. Durch
kurzwelligem, nach Nordosten ablaufende Anteile wird im Süden etwas Niederschlag
induziert.
Als weiteres Niederschlagsmaximum kristallisiert sich der Küstenbereich und dort
vor allem die Nordseeküste heraus. Ein Kurzwellentrog, der das o.g. Zentraltief
zentrumsnah umläuft, induziert über der Nordsee eine schwache Zyklogenese.
Allerdings ist die Zugbahn des hierdurch entstehenden Tiefs noch etwas unsicher.
Kräftige Hebung an der Südflanke dieses Tiefs ist als Ursache für das
Niederschlagsmaximum in Nordseenähe zu sehen. Zudem ist die Schichtung dort noch
relativ labil, der latente Wärmestrom von der Nordsee tut sein Übriges, so dass
an der Nordseeküste auch (ggf. teils mehrstündige) Starkniederschläge bis hin zu
eingelagerten Gewittern nicht ganz ausgeschlossen werden können.
Im weitaus größten Teil Deutschlands, d.h. in einem Bereich, der sich vom Westen
bis zur Oder und Neiße erstreckt, erfolgt kompensierendes Absinken. In diesen
Gebieten bleibt es weitgehend niederschlagsfrei und es stellen sich im Gegensatz
zu den Vortagen größere Auflockerungen ein. Aufgrund der fortgeschrittenen
Jahreszeit hat die Luftmasse keine Chance, sich zu erwärmen, so dass sich
hinsichtlich der Tageshöchsttemperaturen keine wesentliche Änderung ergibt.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten. Ob nun das Zentraltief am Donnerstag mit seinem Zentrum
über den dänischen Inseln oder Südschweden liegt, hat keine Auswirkungen auf die
Finalprognose. Selbst die Zyklogenese am Donnerstag über der südlichen Nordsee
hat die Mehrzahl der Modelle im Programm.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann