S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch den 28.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.09.2022 um 10.30 UTC

Am langen Wochenende sehr unbeständig mit reichlich Regen und Schauer, dazu
windig, teils stürmisch. Im Laufe der nächsten Woche Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 05.10.2022

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums startet ein neuer Monat seine
Karriere, herzlichen willkommen Oktober 2022. Neuer Monat, neues Glück, ob
dieses leicht abgewandelte Sprichwort bezogen auf das Wetter Realität wird – man
weiß es nicht. Fakt ist, dass in der Nacht von Freitag zum Samstag ein in weiten
Landesteilen sehr regenreicher September zu Ende geht und Fakt ist auch – so
viel sei hier schon verraten – dass der Oktober alles andere als „golden“
startet. Im Gegenteil, am Wochenende und z.T. auch noch zu Beginn der nächsten
Woche setzt sich das niederschlagsreiche Wetter aus dem Vormonat nahtlos fort,
gegenüber den eher etwas verhaltenen Endseptembertagen Donnerstag und Freitag
nimmt es sogar richtig Fahrt auf. Das liegt übrigens nicht nur am Regen sondern
auch an einem merklich auffrischenden, regionsweise bisweilen sogar stürmischen
Wind aus westlichen Richtungen. Die Details:

Der Samstag wird bei uns von einem hochreichenden Sturmtief namens WALBURGA
(wahrscheinlich) bestimmt, das den Tag nahezu stationär im Seegebiet südöstlich
von Island verbringt. Der Kerndruck liegt zur Mittagszeit bei etwas unter 975
hPa, womit der Höhepunkt bereits überschritten ist. Bis Sonntagfrüh jedenfalls
soll sich das Tief unter leichter Verlagerung in Richtung Südnorwegen um 5 bis
10 hPa auffüllen. Das ändert aber nichts daran, dass der Südwest- bis Westwind
bei uns verbreitet auffrischt mit stürmischen Böen oder Sturmböen im höheren
Bergland sowie anfangs auch an der Nordsee. Darüber hinaus überquert uns die
teilokkludierte Kaltfront des Sturmtiefs mit ihrem frontalen Regengebiet zügig
ostwärts, wobei das im äußersten Süden nur die halbe Wahrheit ist. Dort hinkt
die Front noch vor den Alpen zurück (=> föhnige Aufheiterungen im südlichen
Alpenvorland und bis zum 20°C), kommt ins Schleifen und geht nach Westen in eine
langgestreckte Frontalzone über, die ihren Abschluss in einem Tief weit draußen
auf dem Atlantik findet (Sonntag 00 UTC fast bei 40° West und etwa 45° Nord).
Aus dieser Frontalzone heraus löst sich mit der lebhaften Zonalströmung eine
flache und stabile Welle, die am Abend so gerade die Normandie erreicht, etwa um
Mitternacht das Rhein-Main-Gebiet passiert und um 06 UTC bereits über Tschechien
liegt – flott, flott kann man da nur sagen. Mit der Welle kommt nicht nur neuer,
teils ergiebiger Regen in die Mitte und den Süden (vornehmlich, aber nicht
ausschließlich in Weststaulagen der Mittelgebirge soll es ordentlich schütten)
auf. Südlich der Welle frischt der Wind teils stürmisch auf, wobei neben der
dortigen Kompression der Isobaren (in einem Wort Gradientverschärfung) gerade im
Alpenvorland zusätzlich noch der Leitplankeneffekt greift. Bei aller
Wertschätzung für die Mitte und den Süden, natürlich gibt es auch im Norden Wind
und Wetter. Dort fällt der Regen eher in Schauerform, wobei das Maximum der
Schauerei – vereinzelt unterstützt von kurzen Gewittern – über der Deutschen
Bucht sowie im unmittelbar angrenzenden Binnenland zu erwarten ist. Die Nordsee
ist auch die Region, wo der Südwest- bis Westwind die stärksten Akzente setzt,
auch wenn es im Tagesverlauf vorübergehend mal etwas moderater mit nur wenigen
Böen 7 Bft zur Sache geht.

Am Sonntag zieht das Tief WALBURGA unter weiterer Abschwächung Richtung
Südnorwegen, wo es spätestens in der Nacht zum Montag anlandet. Derweil baut
sich über der Biskaya, unterstützt durch einen sich über dem nahen Atlantik
aufwölbenden Höhenrücken, ein veritables 1025-hPa-Hoch auf, das dafür sorgt,
dass der Druckgradient trotz des schwächelnden Tiefs bei uns erhalten bleibt.
Folglich werden wir einen windigen Sonntag erleben, wobei sich die höchsten
Windgeschwindigkeiten vom Süden in den Norden verlagern. Vor allem an der
Nordsee geht es zeitweise stürmisch zur Sache.
Ansonsten kommt es unter einer flotten, zyklonal konturierten
west-nordwestlichen Höhenströmung zu weiteren Regenfällen, die meist
schauerartiger Natur sind und an bzw. über der Nordsee in der Summe durchaus
größere Mengen zusammenbringen können (Gründe dafür gibt es viele: ausgeprägte
Randtrogpassagen, küstenkonvergente und diabatische Einflüsse, vereinzelte
Gewitter). Im Süden hingegen startet der Tag mit frontalem Regen hinter der
Welle (die Kaltfront schwenkt in Richtung Alpen), der sich im Tagesverlauf aber
mehr und mehr in den äußersten Süden zurückzieht. Hinzuzufügen wäre noch, dass
es in der einfließenden, gut durchmischen subpolaren Meeresluft (T850 um +4°C)
mit 14 bis 19°C trotz Bewölkung und Regen/Schauer gar nicht mal so kalt wird.
Die für den südlichen Oberrhein von MOS prognostizierten 21°C allerdings
erscheinen aufgrund des andauernden Regens etwas zu optimistisch.

Die neue Woche startet wie immer mit einem Montag, der dieses Mal aber ein
Feiertag ist (Tag der Deutschen Einheit). Die Atmosphäre scheint das aber nicht
sonderlich zu interessieren, die macht da weiter, wo sie am Sonntag aufgehört
hat. Heißt in der Höhe weiterhin eine zyklonale, zusehends auf Nordwest drehende
Strömung, am Boden ein nur zögerlich nachlassender westlicher Wind, der
weiterhin subpolare Meeresluft (T850 um +3°C) advehiert. Der dafür erforderliche
Gradient wird übrigens vom sich nur langsam dem französischen Festland nähernden
Hoch und einem neuen Tief über Finnland aufrechtgehalten, während Madame
WALPURGA ihre Wanderung über das unwegsame südnorwegische Gelände nicht überlebt
und nur noch als Bodentrog über die Ostsee und Nordostdeutschland
hinwegschwenkt. Ansonsten steht wechselhaftes Schauerwetter auf der Karte,
vereinzelte kurze Gewitter insbesondere im Norden und Osten inklusive. Im Süden
und Südwesten, wo sich ein Keil des o.e. Hochs bemerkbar macht, ist die
Schauerneigung am geringsten, teils bleibt es sogar ganztägig trocken.

Bis Mittwoch beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Das Bodenhoch kommt von
Frankreich her immer näher und auch der etwas nach Westen versetzte, inzwischen
mächtig amplifizierte Höhenrücken zeigt progressiv. Er wird am Mittwoch genau
über Deutschland erwartet. Zuvor muss am Dienstag in der Nordosthälfte noch mit
einigen Schauern gerechnet werden, die in der Summe aber nicht mehr so ergiebig
ausfallen wie die Tage zuvor. Auch der Wind nimmt deutlich ab.
Niedertroposphärisch steigt die Temperatur von Südwesten her an, am Mittwoch
taucht die 10°C-Isotherme im Süden und Westen auf. Aufgrund nachlassender
Durchmischung und solider nächtlicher Abkühlung sowie der Tatsache, dass der
Hebel nicht sofort auf Sonne pur und Affenhochglanz umgelegt wird, wird die
Erwärmung nicht 1:1 an die bodennahen Luftschichten weitergegeben.

Kurz noch der Trend bis Samstag: nach Passage einer schwachen Frontensystems
(Mittwoch zu Donnerstag) Aufbau einen zonalen, brückenartigen Hochdruckzone (=>
ruhiges Herbstwetter mit Sonne, aber auch schon einigen zähen Nebel- und
Hochnebelfeldern).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Legt man die Basisfelder der letzten drei Modellläufe von IFS (ECMF)
übereinander, lässt sich eine hohe Kongruenz feststellen. Unschärfen bzw. kleine
Unterschiede sind zwar vorhanden, bewegen sich aber im üblichen Rahmen
numerischer Wetterprognosen. Von daher kann dem Modell eine gute Konsistenz
attestiert werden. Trotzdem, auch wenn die Differenzen überschaubar sind, gerade
am kommenden Wochenende könnten sie einen hohen Impact haben. Vor allem die
flache Welle, die in der Nacht zum Sonntag wahrscheinlich über die Mitte hinweg
ostwärts zieht (die genaue Zugbahn weist noch gewisse Toleranzen auf), dürfte
für eine intensive Wetteraktivität sorgen (viel Regen insbesondere in der Mitte
und im Süden sowie evtl. stürmischer Wind im Süden). Unsicher ist derzeit auch
noch, wie schnell und wie nachhaltig der für nächste Woche apostrophierte
Hochdruckeinfluss greifen wird.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Prinzipiell simulieren die anderen Globalmodelle ähnlich wie IFS. Klar, die
flache Welle wird in Bezug auf Timing und Position noch leicht unterschiedlich
gerechnet, es zeichnet sich aber die Mitte Deutschlands als wahrscheinliche
Zugbahn ab. Etwas aus dem Rahmen fällt GFS (Basis 00 UTC), das nicht nur den
frontalen Regen am Samstag später auf den Vorhersageraum übergreifen lässt.
Zudem fehlt komplett die nachfolgende flache Welle, weil die Kaltfront aufgrund
einer deutlich ausgeprägteren Austrogung in der Höhe (die anderen Modelle sind
zonaler aufgestellt) zügig über die Alpen nach Süden geprügelt wird –
Außenseiterlösung. Im Laufe der nächsten Woche lassen die großen Fünf (IFS,
ICON, GFS, GEM, UK) unisono den Luftdruck steigen und den Höhenrücken
näherkommen, wenn auch noch mit unterschiedlichem Timing.

FAZIT: Das windige und nasse, teils sehr nasse lange Wochenende scheint rein
deterministisch ebenso sicher wie die Wetterberuhigung im Laufe der nächsten
Woche.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis Anfang
kommender Woche einen gutmütigen Verlauf mit vergleichsweise eng gebündelten
Kurvenscharen. Beim Potenzial 500 hPa ist der Spread zwar geringfügig größer als
bei der Temperatur 850 hPa, was wohl auf unterschiedliches Timing zurückgeht.
Der Trend ist aber eindeutig. Im Laufe der nächsten Woche nimmt die Spreizung
der Kurven zu, wobei die Temperaturen ab Mittwoch nach vorherigem Anstieg ein
sehr unaufgeräumtes Bild ohne klare Tendenz abgeben. Beim Potenzial verläuft der
überwiegende Teil der Ensembles auf hohem Niveau, was auf Hochdruckeinfluss
hindeutet. Untermauert wird diese Aussage durch eine deutlich erkennbare Abnahme
der RR-Signale.

Die Clusterung startet am Wochenende (T+72…96h) gleich mal sehr facettenreich
mit der Maximalzahl sechs. Dabei weist die Konfiguration des hochreichenden
Tiefs kleine geometrische Unterschiede auf, was aber nichts an der windigen und
nassen Witterung bei uns ändert. Ab Montag (T+120…168h) reduziert sich die
Anzahl der Cluster auf vier. Alle zeigen die die Annäherung des Hochs bzw.
Höhenrückens, mal etwas eher, mal etwas später. Auch die Amplitude des Rückens
wird unterschiedlich simuliert. Bis auf CL2 (15 Fälle + HL), der eine nördliche
Westlage andeutet, läuft alles auf das Klimaregime „Blockierung“ hinaus. In
diese Kerbe hauen auch die Cluster 2 und 3 in der erweiterten Mittelfrist ab
Donnerstag (T+192…240h), wobei sich aber CL 3 (7 Fälle) alles andere als
störungsfrei zeigt. Ein schmaler Trog über dem östlichen Mitteleuropa gepaart
mit einer Bodenrinne verleiht der Strömungskonfiguration bei uns von Osten her
einen zyklonalen Einschlag. Störungsfrei sind auch die anderen beiden Cluster
nicht, insbesondere im Norden nicht, der am Rande der über Mitteleuropa
verlaufenden brückenartigen Hochdruckzone liegt.

FAZIT: Auch wenn Details noch offen sind, die anfangs regenreiche und windige
Witterung werden von der Statistik ebenso bestätigt wie die nachfolgende
Beruhigung.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Wind respektive Sturm und Regen sind die Themen, die den Beginn der Mittelfrist
prägen. Das geht am Samstag los, wenn erst der frontale Regen durchgeht, danach
einige Schauer folgen und in der Nacht dann der wellengebundene skalige Regen
folgt. Akkumuliert bis Sonntagfrüh muss insbesondere in den Weststaulagen der
westlichen, zentralen und südwestlichen Mittelgebirge mit Mengen zwischen 30 und
50 l/m² gerechnet werden. Da die Welle ziemlich schnell ziehen soll, ist
markanter Dauerregen in tieferen Lagen weniger wahrscheinlich, gebietsweise aber
nicht ganz ausgeschlossen. Am Sonntag dürfte sich der skalige Regen im Süden
rasch zurückziehen, gleichwohl könnte es anfangs im Stau von Schwarzwald und
Allgäu noch zu warnwürdigem Dauerregen reichen. Ein „Regenauge“ geht auch in
Richtung Deutsche Bucht, wo sich am Samstag und Sonntag eine Art
Dauerschauerlage einstellt und in der Akkumulation bis Montagfrüh einiges an
Regen zusammenkommen kann (laut IFS und ICON 40 bis 50 l/m², lokal noch mehr).
Ob man das bei Bedarf schlussendlich mit mehrstündigem Starkregen oder
Dauerregen abwarnt, muss zeitnah diskutiert werden.

Punkt 2 betrifft den Wind, der es von Samstag bis Montag auf die Anzeigetafel
schafft. Los geht es schon in der Nacht zum Samstag an und auf der Nordsee, wo
der S-SW-Wind präfrontal bis in den Sturmbereich geht. Tagsüber lässt das dann
aber nach, während das höhere Bergland durchweg anfällig ist für Böen 8-9 Bft,
exponiert sogar 10 Bft. Interessant wird es in der Nacht zum Sonntag im Süden
südlich der Welle, wo je nach Lage ebenfalls Böen 8-9 (10) Bft erwartet werden
können.
Am Sonntag wird es dann an der Nordsee wieder zunehmend stürmisch und am Montag
könnte es mit Winddrehung auf NW an beiden Küsten für Böen 8 Bft, exponiert 9
Bft reichen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS und IFS-EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag den 27.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.09.2022 um 10.30 UTC

Es wird windig und zeitweise nass, aber nicht kalt – Herbst light.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 04.10.2022

Die Mittelfrist startet am Freitag mit vergleichsweise ruhigem Wetter.
Deutschland liegt bei flacher Druckverteilung über Mitteleuropa unter einer
Tiefdruckrinne, die sich vom Baltikum bis nach Frankreich erstreckt, aber
allmählich auffüllt. Eine Frontalzone wird nach Süden abgedrängt und die
anfänglichen Regenfälle südlich der Donau lassen nach. Im übrigen Bundesgebiet
stellt sich teils sonniges Wetter mit geringer Schauerneigung ein. Bei 2 bis 4
Grad in 850 hPa ist die Temperatur am Boden eher kühl, bei längerem Sonnenschein
sind aber vor allem über der Mitte Deutschlands an die 18 Grad möglich.

In der Nacht zum Samstag geraten wir auf die Vorderseite eines Troges, der von
einem Tief bei Island ausgeht. Eingelagert ist ein (teilokkludiertes)
Frontensystem, das sich am Samstag langsam ostwärts über Deutschland
hinwegbewegt. Entsprechend wird der Tag eher trüb und nass, wobei je nach Lage
des Troges länger anhaltender Regen, im Stau der westlichen und südwestlichen
Berge mitunter auch Dauerregen droht. Mit auffrischendem Druckgradienten legt
der Wind zu, anfangs aus Süd, später Südwest bis West. Vor allem an den Küsten
und im Bergland sind stürmische Böen, auf den Gipfeln Sturmböen zu erwarten, im
Flachland reicht es bevorzugt in prädestinierten Lagen für steife Böen.

In der Nacht zum Sonntag tropft aus dem Trog ein Tief über Südskandinavien ab,
welches sich am Sonntag über der Ostsee einnistet. Deutschland wird von einem
weiteren Trog erfasst, der für unbeständiges Wetter sorgt. Zwischen dem Tief und
einem Hochdruckgebiet über der Biskaya ist der Druckgradient erhöht. Damit
bleibt uns eine kräftige westliche Strömung erhalten, die im Bergland zu
Sturmböen führt. Im Süden kann vorübergehend etwas mildere Luft einfließen (+6
Grad in 850 hPa), was am Oberrhein für Höchstwerte bis zu 20 Grad sorgen kann.
Im restlichen Bundesgebiet ist es mit 15 bis 18 Grad aber auch nicht gerade
kalt.

Am Montag baut sich der Druckgradient langsam ab, denn das Hoch rückt näher,
während sich das Tief Richtung Russland verzieht. Von Südwesten her wölbt sich
ein Keil auf und das Wetter beruhigt sich allmählich.

Am Dienstag herrscht über Mitteleuropa hoher Luftdruck am Boden. In der Höhe
liegt weiterhin ein Keil über Westeuropa. Im Tagesverlauf zieht eine Warmfront
von Westen her nach Deutschland, die auf dem Weg ostwärts an Wetteraktivität
einbüßt. Sie erreicht in der Nacht zum Mittwoch die östlichen Landesteile,
bringt aber kaum noch Regen. Im äußersten Westen und Südwesten strömen in 850 um
+10 Grad ein, im Osten liegen noch 3 bis 5 Grad.

Am Mittwoch schiebt sich die Keilachse ostwärts und liegt gegen Mittag
voraussichtlich auf einer Linie Spanien – Ostsee. Die Hochdruckbrücke am Boden
verlagert sich weiter ostwärts. Zeitgleich streckt ein Tief über dem
Nordatlantik seine Fühler Richtung Deutschland aus, die zugehörigen Fronten
erreichen uns voraussichtlich Mittwochabend/in der Nacht zum Donnerstag. Ein
sich neu bildendes Hoch auf dem Atlantik soll den Durchzug der Front nach Süden
abbremsen und für ein wellendes System am Donnerstag/Freitag sorgen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn der Mittelfrist ist die Konsistenz des IFS zu den Vorläufen gut. Auch
die Übereinstimmung mit anderen Modellen ist hoch: flache Druckverteilung am
Boden bei gleichzeitigem Erstrecken einer Tiefdruckrinne vom Baltikum bis nach
Frankreich in der Höhe. An Tag 2 der Mittelfrist (Samstag) sehen alle Modelle
den Durchgang eines Frontensystems, allerdings unterliegen Lage und Ausdehnung
schon Schwankungen. Ab Tag 3 gehen die Modelle und Versionen gründlich
auseinander. Grund dafür ist die unterschiedliche Gewichtung eines Tiefs bei
Island, dessen Trog bis weit nach Mitteleuropa reicht oder eben nicht. Infolge
dessen wird die Austrogung eines Tiefs über Südskandinavien verschieden
berechnet, was Einfluss auf die Luftdruckzunahme aus Südwesten in der neuen
Woche hat. Sicher scheint nur eines: Eine ruhige Hochdrucklage gibt es nicht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Über die gesamte Mittelfrist liefert GFS die am stärksten amplifizierten Tröge.
ICON hat die Tröge am schwächsten drin. IFS bildet ein Mittelmaß. Insgesamt sind
sich ICON und IFS ähnlicher, GFS weicht mehr von beiden ab. Das abtropfende Tief
über der Ostsee ist bei ICON etwas tiefer, der Druckgradient daher höher. Der
Keil in der neuen Woche wird von ICON flacher gerechnet, er wölbt sich daher
weniger weit nach Norden, was das Übergreifen atlantischer Tiefs möglicher
macht.
Ab Dienstag driften GFS und IFS auseinander. GFS lässt weitere Randtröge
ausgehend vom Tief über Osteuropa nach Deutschland übergreifen, IFS setzt auf
den Keil. In der erweiterten Mittelfrist liefert GFS ein umfangreiches Tief über
Weißrussland und der Ukraine und eine Hochdruckbrücke von Skandinavien bis an
die Alpen. IFS hat das Tief deutlich weiter über Russland, entsprechend liegt
die Hochdruckbrücke östlicher und macht Platz für die Ausläufer eines Tiefs über
dem Nordatlantik.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Obwohl der erste Zeitschritt (+72-96h) bei der Clusteranalyse nur 2 Lösungen
liefert, sind die Unterschiede für Deutschland bemerkenswert. In Cluster 1 sind
die Tröge am Freitag und Samstag deutlich schärfer. Haupt- und Kontrolllauf
befinden sich in Cluster 2 mit weniger scharfem Trog. Beide Lösungen schwenken
von NAO negativ zu NAO positiv.
Zeitschritt 2 (+120-168h) liefert 5 Cluster und untermauert damit die
Unsicherheit der Mittelfrist. Dabei dominiert am Sonntag NAO positiv und am
Montag der atlantische Rücken. Am Dienstag gibt es zwei Lösungen für
atlantischen Rücken, zwei Lösungen für Blocking und eine Lösung für NAO negativ.
Die Unterschiede für Deutschland sind zum Teil groß. Vor allem die Lage und
Ausdehnung des Troges am Montag und Dienstag scheint noch offen.
Der Cluster für die erweiterte Mittelfrist liefert zwar wieder nur noch zwei
Lösungen, alle mit blockierender Lage, aber für Deutschland ergeben sich
zwischen Keil und Trog unterschiedliche Lösungen. Dabei liegen Haupt- und
Kontrolllauf in Cluster 1 mit dem Vorteil für den Keil über Deutschland.

Die Rauchfahnen geben auch nur die grobe Richtung vor: steigendes Geopotenzial
und fürs Wochenende auch steigende Niederschlagswahrscheinlichkeit und steigende
Temperatur in 850 hPa, Details unklar. Nach dem Wochenende geht sowohl die
Temperatur als auch der Niederschlag deutlich zurück.
Der Spread in der Temperatur liegt am Samstag zwischen 0 und +10 Grad, das
Geopotenzial zwischen 540 und 580 gpdm. Die Niederschlagsensembles schlagen vor
allem über der Mitte und dem Süden am Samstag und Sonntag stark aus. Dauerregen
erscheint also zumindest regional wahrscheinlich.
Interessant ist, dass sowohl Haupt- als auch Kontrolllauf am Wochenende am
oberen Ende der Ensembles zu finden sind, also besonders warm und nass, während
sie zu Beginn der neuen Woche eher am unteren Ende des Mainstreams liegen. Wie
in den Clustern und beim Vergleich mit den anderen Modellen gesehen, ist die
Entwicklung ab Dienstag vollkommen offen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI liefert für Samstag und Sonntag eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für
außergewöhnliche Böen im Westen und Süden des Landes. Angesichts der Vorhersage
von Bft 7 im Flachland, Bft 8 an den Küsten, Bft 9 im Bergland sowie bis zu Bft
10 auf den Gipfeln erscheint das ein wenig übertrieben. Für den Niederschlag
hingegen sind kaum Signale vorhanden, lediglich im Westen und Nordwesten des
Landes gibt es eine moderate Wahrscheinlichkeit für ein außergewöhnliches
Regenereignis am Samstag. Hier liefern Deterministik, MOS und Ensembles höhere
Signale für Dauerregen im Westen und Süden des Landes am Wochenende.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag den 26.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.09.2022 um 10.30 UTC

Unbeständig mit Regenfällen, aber auch mal Zwischenhocheinfluss. Am Wochenende
windig. Nur langsamer Temperaturanstieg.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 03.10.2022

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums ist eines sicher. Der Monat
September steht kurz vor dem Ende und macht ab Samstag dem nachfolgenden Oktober
Platz. Ob der Monatswechsel auch mit einem Wetterwechsel verbunden ist, wird im
Folgenden behandelt.

Die Ausgangslage am Donnerstag für Mitteleuropa respektive Deutschland ist auf
alle Fälle in zyklonaler Hand. Dabei machen ein von der Iberischen Halbinsel bis
nach Fennoskandien reichender Höhentrog und eine nicht minder umfangreiche, mit
mehreren kleinen Minima gespickte Tiefdruckzone zwischen westlichem Mittelmeer
und Baltikum gemeinsame Sache. Hinzu kommt eine bereits zuvor schon
eingeflossene maritime (Sub)Polarluft mit Temperaturen um +2°C auf 850 hPa.
Unter dem Strich resultiert daraus wechselnde, vielfach starke Bewölkung mit
Schauern bzw. schauerartigen Regenfällen, aber auch trockenen Phasen.
Hinsichtlich der genauen räumlichen Verteilung der Niederschläge ist das letzte
Wort noch nicht gesprochen.

Zum Freitag hin tropft der Höhentrog über Frankreich ab, was bei uns aber nur zu
kurzzeitigem Druck- und Potenzialanstieg führt. Zwischen Island und Schottland
bringt sich nämlich schon ein veritables Sturmtief in Stellung, das zur
Mittagszeit mit etwas unter 970 hPa prominent aufgestellt ist. Das zugehörige
teilokkludierte Frontensystem soll allerdings erst in der Nacht zum Samstag mit
einem Regengebiet auf den äußersten Westen übergreifen (die Vorläufe waren da
etwas offensiver), so dass sich der September mit dem Titel „leichter
Zwischenhocheinfluss“ verabschiedet – na immerhin. Etwas Regen fällt vor allem
noch an den Alpen und im angrenzenden Vorland sowie in Küstennähe (einzelne
Schauer). Ansonsten lockert die Wolkendecke hier und da auch mal auf.

Am Wochenende ist es dann mit der „Herrlichkeit“ schon wieder vorbei, wenn
nämlich das o.e. Frontensystem sowie ein überlagerter Randtrog in der Höhe am
Samstag durchgehen. Wobei das eigentlich nur die halbe Wahrheit ist, bleibt doch
die Kaltfront im Süden liegen respektive kommt dort ins Schleifen, was länger
andauernde, gebietsweise ergiebige Regenfälle zur Folge hat. Ansonsten stehen
nach Durchgang des frontalen Regens in der frisch einfließenden subpolaren
Meeresluft (T850 1 bis 5°C) rasch wechselnde Bewölkung sowie einzelne Schauer
auf der Karte. Das Tief zwischen Schottland und Island kommt im Gegensatz zum
Frontensystem nicht weiter nach Osten voran und beginnt sich auch aufzufüllen.
Allerdings sorgt es für Nachwuchs, indem sich an der Okklusion ein kleines
Teiltief bildet, das von der Nord- zur Ostsee und weiter in Richtung
Baltikum/Belarus zieht. Auf seiner Südflanke baut sich ein moderater
Druckgradient auf, der den westlichen Wind am Wochenende mäßig bis frisch
aufleben lässt.

Am Montag (eigentlich auch schon am Sonntag) steigt der Luftdruck über
Südwesteuropa und über dem nahen Atlantik bzw. Westeuropa wölbt sich ein
progressiver Rücken auf, der im Laufe des Tages Deutschland erreicht.
Gleichzeitig schlägt zwischen Irland und Schottland ein neues Tief auf, das mehr
oder weniger den Platz des Vorgängertiefs einnimmt. Bei uns sorgt das neue Tief
dadurch für Schlagzeilen, indem es die bis dato über dem Süden schleifende
Kaltfront als Warmfront in sein Zirkulationssystem aufnimmt und diese im Laufe
des Tages langsam und über den Rücken hinweg nordostwärts führt. Dahinter strömt
kurzzeitig wärmere Luft ein, bevor bereits am Dienstag die Kaltfront von
Nordwesten her übergreift. Ob die dann tatsächlich das Potenzial hat, über der
Mitte oder dem Süden zu einer quasistationären Luftmassengrenze zu mutieren, wie
von IFS simuliert, muss abgeartet werden.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Betrachtet man die Konsistenz der mittelfristigen Vorhersage rein vom
Gesichtspunkt des bevorstehenden Witterungscharakters, kann dem IFS-Modell vom
ECMF eine gute Leistung attestiert werden. „Unbeständig mit wiederholten
Regenfällen und am Wochenende zunehmend windig“ lautet die Kernaussage, an der
auch nach Sichtung des allerneusten Laufs von heute 00 UTC nicht zu rütteln ist.

Im Detail unterscheiden sich die einzelnen Verläufe dann schon etwas stärker,
wobei allerdings die letzten beiden Modellläufe (gestern 12 und heute 00 UTC)
von einigen Unschärfen abgesehen gemeinsame Sache machen. Unterschiede zur
gestrigen 00-UTC-Version liegen vor allem im Tiefdruckeinfluss am Wochenende. So
wurde gestern noch von einem veritablen Sturmtief mit anfangs unter 980 hPa
Kerndruck ausgegangen, das von der Nordsee zum Baltikum ziehen sollte. Das
jüngste Szenario sieht das Tief schwächer und auch etwas weiter nördlich
ansetzend. Die Folgen wären: etwas weniger Wind am Samstag/Sonntag sowie eine
schleifende Kaltfront im Süden mit andauerndem und teils ergiebigem Regen
(gestern wurde mehr auf konvektiven, gleichwohl nicht unergiebigen Niederschlag
gesetzt). Die Temperaturunterschiede, die sich aufgrund der verschiedenen
Simulationen ergeben, sind zunächst nicht substanziell. Erst zu Beginn der neuen
Woche (die übrigens mit einem Feiertag beginnt), sehen die jüngsten Rechnungen
für kurze Zeit deutlich wärmer aus (Südwest- statt Nordwestwind).

FAZIT: Rein aus der Konsistenzbetrachtung des IFS-Modells heraus ist der
mittelfristige Wettercharakter weitgehend in Stein gemeißelt. Bei den Details
hakt es allerdings noch…

Vergleich mit anderen globalen Modellen

…, was auch für den Vergleich der verschiedenen Globalmodelle gilt. Klar, von
ICON über IFS, GFS und GEM bis zum UK-Modell sind nur Alphatiere am Werk, die
alle ihre individuelle Rechnung in den Ring werfen. Das geht schon damit los,
dass am Donnerstag die lokalen Druckminima in der o.e. großräumigen
Tiefdruckzone jeweils unterschiedliche Positionen und Intensitäten aufweisen (=>
unterschiedliche Niederschlagssimulationen). Auch das nächste, das
Wochenendwetter gestaltende Tief wird keinesfalls einheitlich gesehen. Die
knackigste Lösung bietet übrigens GFS von 00 UTC an, das einen Schnellläufer mit
kurzzeitig unter 985 hPa Kerndruck über Jütland ostwärts ziehen lässt (=>
Sturmlage). Auch die schleifende Kaltfront über dem Süden wird in der Form nicht
von allen Modellen so gesehen, was aber durch konvektive Niederschläge zumindest
teilweise ausgeglichen wird. Man könnte noch viel mehr Unterschiede aufzählen
und das ganze Spielchen ad infinitum treiben, was am Ende aber nichts bringt,
weil die Welt mit den nächsten Läufen bereits wieder anders aussieht
(wahrscheinlich jedenfalls).
Von daher auf Basis des Modellvergleichs ein ähnliches FAZIT wie weiter oben:
Wettercharakter passt einigermaßen, die Einzelheiten noch lange nicht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Hoffnung gibt es immer, aber es wäre töricht zu glauben, dass uns die Statistik
den entscheidenden Durchbruch zur Beantwortung der noch offenen Detailfragen
liefert. Bereits der flüchtige Blick auf die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener
deutscher Städte lässt die Kurven ab dem Wochenende divergieren. Zwar ist der
Spread nicht überbordend groß – da hat es in der Vergangenheit schon ganz andere
Muster gegeben -, das „Gezacker“ der Einzellösungen reicht aber, um die schon
mehrfach geäußerten Unschärfen aufrecht zu halten. Trends hingegen lassen sich
durchaus extrahieren, so z.B. ein leichter Temperaturanstieg von Wochenmitte bis
nächsten Montag. Gleiches gilt für das Potenzial, wobei am Samstag in allen
Charts eine kleine Delle erkennbar ist (Trogpassage). Auffallend ist auch die
hohe Signaldichte für Niederschlag am Wochenende. In welche Richtung es dann im
Laufe der nächsten Woche geht (erweiterte Mittelfrist), ist nicht wirklich
belastbar vorherzusagen, auch wenn mehrheitlich wieder ein seichter Temperatur-
und Potenzialrückgang zu sehen ist.

Bei der Clusterung zeigt bereits das erste Bild (T+72…96h) vier Cluster, die
aber alle dem Regime „NAO negativ“ zugeordnet sind und in unserem Raum
weitgehend kongruent sind. Weiter geht es von Samstag bis Montag (T+120…168h)
ebenfalls mit vier Clustern (15 Fälle, 15, 11 + HL/KL, 10), die sich schon
deutlicher unterscheiden. So setzt z.B. CL1 durchweg auf eine sehr windige
Westlage, die eher der GFS-Lösung bzw. der gestrigen 00-UTC-Version von IFS
entspricht. CL4 favorisiert eine antizyklonale Westlage, CL2 geht in eine
antizyklonale Nordwestlage über. Lange Rede, kurzer Sinn, das weiter oben
bereits zweifach zitierte FAZIT lässt sich auch in diesem Kapitel anbringen.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass der Zeitraum ab Dienstag
(T+192…240h) nur noch drei Cluster offeriert. CL1 (19) rechnet zunehmenden
Hochdruckeinfluss, CL2 (18+HL) eine antizyklonale (nördliche) Westlage und CL3
(14+KL) eine zyklonale, nach Süden hin antizyklonale Nordwestlage.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Zu Beginn der Mittelfrist deutet nicht viel auf signifikantes Wetter hin. Ein
kurzes Gewitter im Norden im Trogbereich vielleicht, das dürfte es dann aber
auch schon gewesen sein. Am Wochenende nimmt die Wahrscheinlichkeit für mehr
Wind und Dauerregen im Süden zwar zu, ob es sich aber tatsächlich in den
markanten Warnbereich zuspitzt, kann heute noch nicht abschließend beantwortet
werden. Die EPS-Prognosen liefern nur geringe Signale, aber rein aus
synoptischen Überlegungen heraus sowie auf Basis von deterministischen und
probabilistischen Einzellösungen sind Szenarien bis hin zu einer Sturmlage nicht
vollständig zu negieren.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mischung aus MOS-Mix, Modellmix und EPS-Prognosen.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag den 25.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 25.09.2022 um 10.30 UTC

Unbeständig mit Regen oder Schauern, vereinzelt auch Gewitter. Am Mittwoch und
Samstag im Südwesten geringe Dauerregengefahr. Am kommenden Wochenende sehr
windig. Anfangs recht kühl, ab Freitag etwas milder.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 02.10.2022

Am Mittwoch überdeckt ein umfangreicher Langwellentrog weite Teile Europas, der
ein Höhentiefkern über Norddeutschland besitzt und nur sehr langsam ostwärts
zieht. Das Bodentief liegt leicht nach Norden verschoben im Küstenbereich.
Insgesamt ist dabei kühle Meeresluft subpolaren Ursprungs wirksam mit
850-hPa-Temperaturen um +2 Grad. Dabei muss immer wieder mit Regen oder Schauern
gerechnet werden.

Das Höhentief zieht am Donnerstag zum Baltikum und ein weiteres, etwas
schwächeres Höhentief, das am Vortag in den Raum Stockholm zog, wandert von
Südschweden nach Dänemark. Dabei regeneriert sich ein Randtrog des
Höhentiefkomplexes über dem Norden und Westen Deutschlands, der am Abend weit
nach Süden bis zur französischen Mittelmeerküste reicht.

Am Freitag zieht das baltische Höhentief nach Lappland und das über Dänemark
löst sich im Tagesverlauf weitgehend auf. Ursache hierfür ist eine neue
Tiefentwicklung südlich von Island. Das Tief zieht unter Verstärkung nach
Schottland, wobei sich das zugehörige Höhentief abends über den Bodentiefkern
setzt. Der teilokkludierte Tiefausläufer greift in der 2. Tageshälfte mit Regen
auf den Westen über.

Das Tief zieht am Samstag vom nördlichen Großbritannien zur Deutschen Bucht und
sein Höhentrog zieht von West nach Ost über Deutschland hinweg. Während seine
Okklusion nach Polen abzieht, schleift seine Kaltfront über den Alpen und
Südfrankreich. Die von Westen einströmende Meeresluft ist nicht mehr ganz so
kühl wie bisher: In 850 hPa lieg die Temperatur nunmehr bei 5 Grad.

Am Sonntag zieht das hochreichende Tief von der Elbmündung zum Baltikum und
rückseitig kommen wir in eine recht glatte Nordwest- bis Westströmung, mit der
wenig kühlere Luft zu uns strömt (Temperatur in 850 hPa nur noch 2 bis 4 Grad).
Dabei würde es zu typischem Rückseitenwetter kommen mit kurzen Aufheiterungen
und Schauern sowie vereinzelten Gewittern.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Modelllauf von IFS simuliert die Entwicklung im Wesentlichen ähnlich
wie die beiden Modellläufe von gestern. Lediglich der Sonntag sollte im alten
00-UTC-Lauf noch etwas antizyklonaler ablaufen mit nur wenig Regen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis Samstag simulieren die anderen Modelle einschließlich ICON recht ähnlich
(außer GEM). Am Sonntag soll nach JMA noch eine Frontalwelle über
Norddeutschland ostwärts ziehen und die zugehörigen Fronten überqueren uns rasch
ostwärts. Dabei würde der Wind auf der Südseite der Welle stürmisch auffrischen.
Letztlich besteht auch bei ICON der Ansatz einer Frontalwelle in der Prognose
bis Sonntagmittag.
GEM (Kanada) zeigt allerdings bereits im Laufe des Freitags aufkommenden
leichten Hochdruckeinfluss in Form des Azorenhochkeils. In dieser Version dreht
das nächste Tief bei Island ein (in der Variante von IFS zieht es nach
Großbritannien). Am Samstag greift zwar das Frontensystem mit Regen auf den
Norden und die Mitte mit viel Wind und Regen über, aber im Süden sorgt der
Hochkeil für trockenes Wetter. Am Sonntag zieht ein Teiltief zum Baltikum und
seine Kaltfront schleift mit Regen im nördlichen Mittelgebirgsraum. Im Süden
sorgt das zu den Westalpen wandernde Hoch für trockenes und teils freundliches
Wetter. Dies ist allerdings eine Einzellösung.
Der neueste GFS-Lauf von 06 UTC bestätigt allerdings die heutige IFS Version.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS berechnet bis zum siebten Folgetag nur 2 Cluster, die
bis Samstag, 00 UTC recht ähnlich aussehen. Am Sonntag ist im 2. Cluster mit 24
Modellläufen im Süden der Hochdruckeinfluss stärker als im ersten Cluster. In
der erweiterten Mittelfrist schiebt sich in der Folgewoche im ersten und
5.Cluster ein kräftiger Höhenrücken nach Mitteleuropa (insgesamt 19
Modellläufe).

In der Rauchfahne von Offenbach erkennt man zunächst recht niedrige
850-hPa-temperaturen zwischen 3 und 0 Grad am Mittwoch. Bis Freitag steigen die
Werte auf 4 bis 9 Grad (Vorderseite des neuen Tiefs). Ab Samstag spaltet sich
die Rauchfahne auf: rund 60 Prozent der Modellruns bleiben eher kühl bzw. werden
kühl mit Werten um 4 Grad. Die restlichen Modellläufe bleiben mit Werten um 9
Grad recht mild. Offensichtlich sind dies die oben erwähnten antizyklonalen
Cluster, bei denen durch Absinkprozesse die 850-hPa-Temperatur höher ist.

So starten die EPS-Meteogramme mit rund 5 Grad zu niedrigen Temperaturen im
Vergleich zum Mittel bei der 2-Meter-Temperatur. Anschließend wird es langsam
wieder milder. Ab Samstag/Sonntag liegen die Temperaturen im Bereich des Mittels
oder sogar leicht darüber, allerdings vor allem im Süden bei großer
Schwankungsbreite.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Mittwoch gibt es im Südwesten in Staulagen leicht erhöhte
Dauerregenwahrscheinlichkeiten, vor allem im Norden und Westen kann es bis
Donnerstag einzelne Gewitter geben, wobei die Starkregengefahr gering ist.
Freitagabend nimmt im Westen die Sturmgefahr leicht zu.
Am Samstag und anfangs auch am Sonntag gibt es erneut im Schwarzwald und im
Allgäu ein geringes Dauerregenrisiko. Darüber hinaus treten wahrscheinlich an
der See und in Hochlagen stürmische Böen, exponiert Sturmböen auf.
Im Norden sind Gewitter mit Böen Bft 8 möglich.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag den 24.09.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 24.09.2022 um 10.30 UTC

Verbreitet kurze Gewitter. In Hochlagen mitunter böig auffrischender Wind. In
den höchsten Lagen etwas Schnee, im Schwarzwald und an den Alpen am Dienstag und
Mittwoch geringe Dauerregengefahr.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 01.10.2022

Am Dienstag liegt Deutschland im Bereich eines Langwellentroges in 500 hPa,
dessen Achse allmählich von Westen hereinschwenkt. Das im Trog eingebettete
abgeschlossene Höhentief zieht dabei von der nördlichen zur südlichen Nordsee.
Mit dem Übergreifen der Trogachse auf Deutschland wird
kältere Luft herangeführt. Liegen die 850er Temperaturen zu Tagesbeginn noch –
von West nach Ost – zwischen etwa 2°C und 6°C, so sind es ausgangs der Nacht zum
Mittwoch nur noch -1°C bis 5°C, wobei die kältesten Temperaturen im Westen und
Südwesten erwartet werden. Im Bodendruckfeld sind die Gegensätze insgesamt
gering. Während vom Nordwestatlantik kommend ein Wellentief Nordfrankreich
ansteuert, wird auf dessen Vorderseite eine anfänglich von Nord-Nordwest nach
Süd-Südost über Deutschland verlaufende breite Tiefdruckrinne durch Druckanstieg
von Westen mehr und mehr aufgefüllt. Dadurch zieht der Druckgradient etwas an,
für warnwürdige Böen wird es aber allenfalls in den Hochlagen des Südwestens und
der Alpen reichen. Allerdings kann die troginduzierte Hebung, die auch auf einem
veritablen vertikalen Temperaturgradienten beruht (nachmittags im Südwesten T500
um minus 26°C, T850 um 1°C), für das eine oder andere kurze Gewitter (Typ
Kaltluft) sorgen, dazu kann es in den Hochlagen des Schwarzwaldes etwas Schnee
geben. Da die insgesamt nordwestliche Strömung an den Alpen und am Schwarzwald
für Staueffekte sorgt, ist dort lokal Dauerregen (mehr als 25 l/qm in 12 Stunden
oder mehr als 30 l/qm in 24 Stunden inkl. der Nacht zum Mittwoch) nicht
ausgeschlossen. Dabei sollen die Höchstwerte, auch durch die zumeist recht
dichte Wolkendecke, nicht über 9 bis 16°C hinauskommen, nachts kühlt es ab auf 9
bis 2°C mit Frostgefahr in den Hochlagen.

Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag wandert das Höhentief von der
südlichen Nordsee über den Ostausgang des Ärmelkanals und Benelux nach
Norddeutschland. Aufgrund seiner elliptischen Form weist zu Tagesbeginn ein vom
Höhentief ausgehender kurzwelliger Troganteil nach Südosten und einer nach
Nordwesten. Ersterer sorgt über Norddeutschland für Druckfall, so dass sich in
der Nacht zum Donnerstag von der Nordsee zur Ostsee orientiert eine schmale
Tiefdruckzone etabliert, der über dem Süden eine schwache Hochdruckbrücke
gegenübersteht. Innerhalb der Tiefdruckrinne bzw. während ihrer Entwicklung
sollen laut IFS im Nordosten sehr hohe Regenmengen zusammenkommen (Dauerregen,
teils mehr als 40 l/qm in 24 Stunden), wobei dies bisher eine Einzellösung
darstellt. Dagegen steigt über Westeuropa der Druck und das Wellentief wird
aufgefüllt, was weiterhin geringe Luftdruckgegensätze (und Windböen allenfalls
in Hochlagen) bedeutet. Die Temperaturen in 850 hPa liegen zumeist um null Grad,
und da sich an den Temperaturen in 500 hPa nur wenig ändert, bleibt der große
vertikale Temperaturgradient erhalten. Das bedeutet weitere, schauerartig
verstärkte und vereinzelt gewittrige Regenfälle, in den höchsten Mittelgebirgen
und in den Alpen ist auch wieder Schnee mit von der Partie. Die Tageshöchstwerte
sollen, ebenso wie die tiefsten Werte in der Nacht, nach jetzigem Stand eine
Nuance niedriger liegen als am Vortag.

Am Donnerstag zieht das Höhentief allmählich zur westlichen Ostsee und weiter
nach Südschweden. Von Westen wird ein neuer Langwellentrog herangeführt, der mit
seiner Achse in der Nacht zum Freitag auf Deutschland übergreift. Da im Bereich
des Höhentiefs und des übergreifenden Langwellentroges insbesondere über
Norddeutschland der Druck fällt, bläht sich das von der Nord- zur Ostsee
reichende Tief weiter auf. Es schwächt damit auch die Hochdruckbrücke über dem
Süden Deutschlands. Dennoch kann sich in der Nacht zum Freitag zwischen den
beiden Protagonisten ein etwas schärferer Gradient einstellen, so dass dann der
Wind vom Niederrhein bis zur Ostsee etwas zulegt. Damit wird dann auch endgültig
die Kaltluft ausgeräumt und zum Freitagmorgen sollen sich die 85ß0er
Temperaturen etwa in einer Spanne von 1°C bis 4°C bewegen. Dabei kommt es
weiterhin zu gelegentlichen Schauern, da aber mit dem Höhentief auch die
höhenkälteste Luft nach Südschweden abzieht, ist die Gewitterneigung deutlich
reduziert. Die Höchstwerte werden überwiegend zwischen 12°C und 18°C liegen, die
Frühtemperaturen am Freitag zwischen 13°C und 9°C.

Am Freitag soll sich rückseitig des Langwellentroges das Wetter kurzzeitig
beruhigen, bevor in der Nacht zum Samstag ein kräftiges Tief vom Nordatlantik
über Schottland hinweg zur nördlichen Nordsee zieht, das mit einem flachen, aber
von kräftigen Geopotentialgegensätzen geprägten neuen 500-hPa-Trog gekoppelt
ist. Durch das Tief mit einem Kerndruck von 975 hPa wird der Gradient von
Nordwesten her deutlich angeschärft, was Sturm an der Nordsee und Windböen im
Binnenland, exponiert auch dort Sturmböen bedeutet. Das zugehörige Frontensystem
greift mit teils kräftigen Regenfällen in der Nacht auf den Nordwesten und die
Mitte über, am Samstag erreicht es dann den Süden und Osten. Zwar okkludiert das
Frontensystem während seiner Passage zunehmend, so dass über dem Norden
Deutschlands der Warmsektor nicht mehr zum Tragen kommt, allerdings wird es
dort, vor allem aber im Süden im 850-hPa-Niveau deutlich wärmer, am Samstagabend
liegen die entsprechenden Werte über dem Norden um 5°C, über dem Süden werden
sogar zweistellige Werte erwartet.

Im erweiterten Mittelfristzeitraum ab Sonntag soll sich das Wetter durch einen
Höhenrücken beruhigen. Insbesondere über dem Süden etabliert sich
Hochdruckeinfluss, allenfalls der Norden wird dann noch von Tiefausläufern mit
etwas Regen gestreift. Dabei setzt auch ein Warmluftschub ein, der
deutschlandweit die Temperaturen in 850 hPa auf Werte um 10°C steigen lässt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im Mittelfristzeitraum weisen der aktuelle IFS-Lauf und seine Vorgänger schon ab
dem Mittwoch recht große Unterschiede auf. Die gilt einerseits für die Position
des zu Beginn des Mittelfristzeitraums wetterbestimmenden Höhentiefs. Das
Auseinanderlaufen der Modellkäufe zeigt sich u.a. in der Positionierung der
wetterbestimmenden Höhentiefs, das der aktuelle Lauf in der Nacht zum Donnerstag
über Norddeutschland, der Vorlauf über Dänemark und der gestrige 00-UTC-Lauf
über der zentralen Nordsee verdrahten. Ähnlich verhält es sich mit der
Druckkonfiguration am Boden. Einem von West nach Ost von der Nordsee zur Ostsee
orientierten schmalen Tief im neuesten Lauf steht im gestrigen 12-UTC-Lauf ein
ebenfalls schmales, sich allerdings von der zentralen Nordsee nach Ostwestfalen
erstreckendes Tief gegenüber. Der gestrige 00-UTC-Lauf wiederum simuliert eine
großräumige, amöbenhafte Tiefdruckzone mit einem Kern über der Nordsee (wie der
12-UTC-Lauf), einem anderen aber über Sachsen. Diese Unterschiede schlagen
natürlich auch auf die die Positionierung der Feuchtefelder durch, was sich dann
letztendlich auch in den Niederschlagsfeldern widerspiegelt. Die Modellläufe
finden auch im weiteren Verlauf nicht mehr zusammen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Schon am Dienstag zeigen sich zwischen den verschiedenen Globalmodellen
deutliche Unterschiede. Im 500-hPa-Geopotentialfeld simuliert ICON einen
Langwellentrog, dessen 544er Isohypse vom Nordmeer bis zum Erzgebirge ausgreift.
Dagegen haben IFS, UKMO und GFS abgeschlossene 536er Isohypsen über der Nordsee.
Während sich bei GFS das Höhentief über dem Bodentief befindet, prognostiziert
IFS eine Tiefdruckrinne von der nördlichen Nordsee bis nach Rumänien. Dies ist
auch bei ICON das südöstliche Ende der Rinne, sie beginnt bei ICON dagegen über
Schottland.

Am Mittwoch und Donnerstag verlagern sich die Höhentiefs von IFS und GFS in
einem Bogen über Norddeutschland hinweg nach Südschweden. Der Weg des
IFS-Höhentiefs ist allerding weiter und führt über Benelux, während das
GFS-Höhentief direkt nach Norddeutschland hereinzieht und sich damit einen
Vorsprung erarbeitet – der sich hier aber natürlich als Modellunterschied und
damit als negativer Aspekt niederschlägt. Dagegen will ICON noch immer nichts
von abgeschlossenen Höhentiefs wissen und setzt auf einen Langwellentrog, der
vom Nordmeer zur Iberischen Halbinsel weist. Die deutlichen Unterschiede zeigen
sich auch im Bodendruckfeld weiterhin, wobei GFS, UKMO und IFS näher
zusammenliegen und ICON eine Außeneiterlösung anbietet.

Interessant: Zum Ende der Woche und am Wochenende laufen die Modelle wieder
zusammen. Insbesondere ICON und IFS lassen dann ein kräftiges Tief mit
zugehörigem Langwellentrog vom Nordatlantik über Schottland zur nördlichen
Nordsee ziehen, was im 500er Geopotentialfeld als auch im Bodendruckfeld eine
deutliche Gradientverschärfung bedeutet. In diese Kerbe schlägt auch UKMO, im
Gegensatz zu GFS, des zwar auch ein kräftiges Tief im Programm hat, welches
allerdings deutlich weiter nördlich im Bereich Island nach Osten ziehen soll.

Letztendlich zeigen die verschiedenen Modelle im Mittelfristzeitraum eine
überdurchschnittliche große Abweichung.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das WZMW-Ensemble bildet im Zeitraum +72 bis +96 h 3 Cluster, die alle durchweg
in der Kategorie „Negative NAO“ liegen. Der Haupt- und Kontrolllauf liegen beide
im mit 19 Mitgliedern mittleren Cluster (andere Cluster 20 bzw. 12 Mitglieder),
alle Cluster zeigen durchweg einen Langwellentrog über Mitteleuropa mit
korrespondierend Tiefem Luftdruck.

Im Zeitraum +120 bis +168 Stunden bleibt es bei drei Clustern, der Haupt- und
Kontrolllauf liegen auch weiterhin in Cluster zwei, der jetzt aber nur 15
Mitglieder hat (andere Cluster 22 bzw. 14). Erneut befinden sich der erste und
der zweite Cluster durchweg in der Kategorie „Negative NAO“, der dritte Cluster
wechselt in die Kategorie „positive NAO“. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass
sich beim dritten Cluster die Trogaktivität leicht retrograd wieder über den
Atlantik verlagert.

Im Zeitfenster +192 bis +240 streuen die Muster der 5 Cluster seht stark, alle
Wetterlagenkategorien sind vertreten, was auch eine Aussage darüber ist, wie
herausfordernd die Prognose sich gestaltet.

Die Rauchfahnen des IFS zeigen ein Absinken der 850er Temperatur bis zum
Mittwoch auf etwa null Grad (Haupt- und Kontrolllauf; Spanne etwa +4 bis -4
Grad). Danach ist ab Donnerstag wieder ein Temperaturanstieg zu verzeichnen.
Ähnlich ist das Muster beim 500-hPa-Geopotential. Einen Rückgang bis zum
Dienstag und dann einem etwa gleichbleibenden Niveau bis Donnerstag steht dann
ein Anstieg gegenüber. Die Streuung nimmt bei beiden Kurven jeweils mit
erreichen des Minimums (Geopotential am Dienstag, T850 am Mittwoch) zu, was die
Prognoseunsicherheit unterstreicht.

Die Rauchfahnen des GFS zeigen recht ähnliche Muster wie die des IFS.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt für Dienstag mit Ausnahme des Nordostens Temperaturen, die
signifikant unter dem Modellklima liegen. Dazu deuten im Südwesten und an den
Alpen die Niederschlagssignale auf signifikante Regenmengen hin.

Am Mittwoch deutet der EFI deutschlandweit auf klimatologisch (zum Modellklima)
niedrige Temperaturen hin.

COSMO-LEPS deutet am Dienstag und am Mittwoch im Südwesten und an den Alpen, am
Mittwoch zusätzlich noch in den östlichen Mittelgebirgen Dauerregen an. Die
entsprechenden Wahrscheinlichkeiten liegen bei 10-20% für mehr als 25 l/qm in 12
Stunden und bis etwa 40% für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden /letzteres im
Schwarzwald und im Allgäu).

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas