#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Dienstag, den 30.11.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 30.11.2021 um 10.30 UTC

Wechselhafte teils stürmische Westlage. Winterlich.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 07.12.2021

Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes am Freitag befindet sich Mitteuropa im
Einflussbereich eines spitz konturierten Langwellentroges, der sich von
Nordeuropa bis nach Algerien erstreckt. Über dem Atlantik befindet sich zwar ein
ausgeprägtes und hochreichendes Hoch, an dessen Nord und Nordostflanke
entwickeln bzw. ziehen immer wieder Randtröge in Richtung Europa. So auch in der
Nacht zu Freitag. Um 00 UTC greift ein Randtrog mit zugehörigem Frontensystem
auf die britischen Inseln über. Der Langwellentrog über Mittel und Südeuropa
wird nachfolgend von dem nach Osten aufwölbenden Atlantikhoch nach Osten
abgedrängt und kann sich auch langsam auffüllen. Das ehemalige Sturmtief über
der Ostsee füllt sich dabei auch weiter auf und hat kaum noch einen Einfluss auf
unser Wettergeschehen.
Im Tagesverlauf kann der Randtrog / das teilokkludierte Frontensystem von Westen
her auch auf Deutschland übergreifen und sorgt dabei teils bis ins Flachland für
leichte Schneefälle. Weiterhin frischt der Wind böig, an Küsten und im Bergland
auch stürmisch auf. Zum Abend hin verlagert sich das Starkwindfeld nach
Nordosten wobei sich das Frontensystem insgesamt durch den leicht stärkenden
Hochdruckeinfluss abschwächt. Auch wenn sich die Niederschläge abschwächen,
gehen sie mehr und mehr bis in tiefe Lagen in Schnee über.
Im Laufe des Freitags entwickelt sich über dem Atlantik ein neuer kräftigerer
Randtrog, der am Abend bereits auf die britischen Inseln übergreift und ausgangs
der Nacht zu Samstag Westdeutschland erreicht.

Am Samstag verlagert sich das bis zeitweise auf 985 hPa vertiefende Tief in
Richtung Nordsee bzw. Belgien. Das dazugehörige teilokkludierte Frontensystem
greift schon im Vorfeld auf Deutschland über und sorgt im Bergland für Schnee,
in den tiefen Lagen bei 850 hPa Temperaturen zwischen +2 und -2 Grad vor allem
für Regen. Am Alpenrand und Schwarzwald kann es auch zu stärken Schneefällen (10
bis 20 cm in 6 – 12h) kommen. Zwar frischt auch der Wind im Zuge der
Frontenpassage auf, das Starkwindfelds befindet sich vorerst aber südlich /
südwestlich des Drehzentrums über Nordfrankreich und Belgien.
Der Randtrog verstärkt sich am Tage und trogt in Richtung Südfrankreich aus.
Auch wenn vorderseitig zeitweise etwas mildere Luft nach Deutschland gelangen,
werden relativ rasch auch wieder kühlere Luftmassen aus Nordeuropa angezapft und
über die Nordsee und Frankreich nach Deutschland geführt.

Am Sonntag befindet sich über Mittel- und Westeuropa der nun ausgeprägte
Langwellentrog (ehemaliger Randtrog). Das eingelagerte hochreichende Tief sorgt
für gewisse Hebungsimpulse in der zuvor eingeflossenen maritim geprägten
Kaltluft. Dabei kommt es bei 850 hPa Temperaturen zwischen -1 und -5 Grad vor
allem im Bergland zu teils länger anhaltenden Schneefällen. In tiefen Lagen kann
es vor allem nachts etwas schneien, der Schnee dürfte aber kam eine Chance haben
liegen zu bleiben. Der Wind sollte dabei kaum eine Rolle spielen. Bei dem eher
breit gefächertem Tief bleibt es meist eher windschwach. Im Südwesten sieht dies
etwas anders aus. Dort könnte vor allem ein etwas stärkerer Graddient, aber auch
der Leitplankeneffekt für starke bis stürmische Böen sorgen.

Auch am Montag bleibt Mitteleuropa im Einfluss des Langwellentroges. Zwar
verstärkt sich das Atlantikhoch wieder, so das nach Deutschland nun auf der
Westflanke des Troges nochmals kühlere Luftmassen einströmen. So sollen sogar in
850 hPa verbreitet Temperaturen zwischen -5 und -10 Grad vorherrschen. Da aber
die etwas feuchtere Luft wird durch das Hoch ebenfalls nach Osten abgedrängt,
somit lassen insgesamt die Niederschläge nach. Nach Kaltfrontpassage fächert nun
auch der Druckgradient im Süden auf, sodass es verbreitet eher schwachwindig
ist.
Über dem Atlantik entwickelt sich an der Nordflanke des Hochs erneut ein Trog,
dabei setzt „rapid cyclogenesis“ ein, das dazugehörige Tief vertieft sich
innerhalb 24 h von 1000 auf 955 hPa und befindet sich ausgangs der Nacht zu
Dienstag knapp nördlich von Irland.

Am Dienstag wird der ursprüngliche Langwellentrog über Mitteleuropa nach Osten
abgedrängt. Auf der Vorderseite des neuen atlantischen Troges wölbt sich zum
einen ein Höhenkeil auf, wobei es zu starker WLA kommt, die im Laufe des
Dienstags auch auf Deutschland übergreift. Am Abend bzw. in der Nacht zu
Mittwoch greift dann auch das Starkwindfeld von Westen auf Deutschland über.
Gleichzeitig kann es auch zu Niederschlägen kommen, wobei da die Phase noch
nicht klar ist. So ist auch gefrierender Regen nicht ganz auszuschließen.

In der erweiterten Mittelfrist bleibt Mitteleuropa weitgehend im Einflussbereich
eines Langwellentroges mit 850 hPa Temperaturen meist leicht unter dem
Gefrierpunkt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bereits am Freitag ergeben sich größere Unterschiede zwischen dem gestrigen und
dem aktuellen 00 UTC Lauf des IFS. Über dem Atlantik wird im aktuellen Lauf eine
Tiefentwicklung bereits ab den gestrigen 12 UTC Lauf etwas stärker und südlicher
simuliert. Diese Zyklone soll am Samstag unter Abschwächung über die Nordsee
auch auf den Nordwesten Deutschlands übergreifen. GFS und auch ICON simulieren
diese Tiefentwicklung wiederum wieder etwas anders, insgesamt aber noch etwas
südlicher.
Auch im weiteren Verlauf bleibt zwar insgesamt eine wechselhafte Westlage
bestehen, wann und wie eine Front oder Tiefdrucksystem auf Deutschland
übergreift oder wieder ostwärts abzieht, ist sehr ungewiss und wird sich im
jeden Lauf etwas anderes darstellen.
Der Wind bleibt lebhaft, bisweilen stürmisch und auch eine Sturmlage könnte sich
aus diesen Vorbedingungen etablieren. Aktuell gibt es nur am Ende der
Mittelfrist einen schwachen Hinweis dafür.
Im Mittelfristzeitraum kommt es immer mal wieder zu teils anhaltendenden Regen
oder auch Schneefällen. Strichweise könnten sicherlich auch die Kriterien für
Dauerregen erfüllt werden. Eine richtige Dauerregenlage über mehrere Tage ist
aber nicht in Sicht. Auch Schnee wird immer wieder Thema, teils auch bis in
tiefe Lagen sein. Aber vor allem am Alpenrand und in den höheren Mittelgebirgen
wird Schnee evtl. auch Schneeverwehungen eine größere Rolle spielen.
Die Lufttemperatur liegt am Tage meist zwischen 1 und 6 Grad und nachts im
leichten bis mäßigen Frostbereich.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die betrachteten Globalmodelle unterschieden sich teils beachtlich bei der
Simulation der einzelnen Systeme. Sie simulieren im Gro zwar einen ähnlichen
Verlauf und auch annähernd das gleiche Temperaturniveau, wann und wie stark die
einzelnen System sind variieren sehr stark. Gerade Samstag gibt es da größere
Unterschied in der Windentwicklung, da simuliert GFS deutlich mehr als IFS und
ICON. Die kräftige Sturmtiefentwicklung am Montag und Dienstag haben zumindest
IFS und GFS „ähnlich“ drin.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

In den Plumes des IFS ist bis Freitag ein recht enger Spread zu erkennen.
Nachfolgen öffnet sich dieser zum Teil deutlich. Auch wenn die Großwetterlage
relativ sicher erscheint, gibt es große Unsicherheiten bei einzelnen Parametern,
die dem Wind.

In der Clusteranalyse gibt es 6 verschiedene Cluster der Kontroll- und der
Hauptlauf befinden sich mit insgesamt 10 Membern in Cluster 3. Cluster 1 hat
aber auch nur 12 Member. Alle Cluster simulieren aber einen jeweils anders
konturierten Langwellentrog. Auch die Die Sturmtiefentwicklung über dem Atlantik
am Montag/Dienstag simulieren fast alle, jedoch jeweils leicht anders.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Freitag gibt es vor allem im Westen und Norden, Samstag gibt es eher im Süden
und Südwesten Hinweise auf Wind bzw. Sturmböen aus West bis Nordwest.

Die Mögliche Sturmentwicklung am Ende der Mittelfrist ist aktuell sehr unsicher.

Schnee wird im gesamten Mittelfristbereich ein Thema sein. In tiefen Lagen meist
nur temporär, in Lagen oberhalb 400 bis 600 m wird immer mal wieder leichter bis
mäßiger Schneefall erwartet. Am Alpenrand und im Schwarzwald ist zeitweise auch
starker Schneefall wahrscheinlich. Mit dem entsprechenden dem Wind muss gerade
in lagen oberhalb 600 m am Samstag auch mit Schneeverwehungen gerechnet werden.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMX, IFS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 29.11.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 29.11.2021 um 10.30 UTC

Nasskalt und unbeständig, zeitweise windig. In höheren Lagen (>400-600 m)
winterlich, in den Alpen viel Schnee.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 06.12.2021

Die Mittelfrist startet am Donnerstag mit der Passage eines Langwellentroges,
der ausgehend von einem Höhentief über dem mittleren Skandinavien bis nach
Algerien reicht. Vorderseitig schwenkt ein scharfer Kurzwellentrog über die
Ostsee zum Baltikum. Er stützt ein Sturmtief, das in den Frühstunden mit einem
Kerndruck von rund 975 hPa noch über der westlichen Ostsee liegt, aufgrund der
senkrechten Achsenneigung aber bereits in einer Abschwächung begriffen ist.
Rückseitig fließt mit nordwestlicher Strömung maritime Polarluft ein (T850 auf
-5 bis -8 Grad absinkend). Der Nordosten Deutschlands wird zumindest in der
ersten Tageshälfte noch vom Sturmfeld des Tiefs erfasst. Zudem kommt es im
Bereich einer zurückgehenden Okklusion noch zu Niederschlägen, die teilweise als
Schnee fallen und Neuschneemengen >5 cm/6 h bringen können. Ansonsten kommt es
in der durch Höhenkaltluft (T500 bis -38 Grad) labilisierenden Polarluft zu
Schauern, eventuell auch zu kurzen Gewittern. In tiefen Lagen fällt Schneeregen
und Graupel, in den Mittelgebirgen ab 500 bis 600 m kann sich bei Dauerfrost
eine dünne Neuschneedecke ausbilden. An den Alpen stellt sich eine leichte
Stausituation ein, sodass bis Freitagvormittag 10-15 cm zusammenkommen können.
In der Nacht zum Freitag konturiert sich die einstellende nordwestliche
Höhenströmung mit Annäherung eines Rückens vor allem nach Südwesten zu leicht
antizyklonal. Damit einher gehen eine Stabilisierung und ein Luftdruckanstieg,
sodass sich ein Keil von Frankreich nach Süddeutschland schieben kann. Damit
beruhigt sich das Wetter etwas, allerdings muss quasi flächendecken mit
leichten, bei Aufklaren mit mäßigem Frost und Glätte gerechnet werden.

Am Freitag schwenkt der Rücken unter deutlichem Konturverlust nach Deutschland,
stützt aber weiterhin einen Hochkeil über Süddeutschland bzw. dem Alpenraum. So
herrscht zunächst ruhiges Wetter mit sonnigen Momenten vor allem an den
Nordosträndern der Mittelgebirge. Im Küstenumfeld bleibt die Schauerneigung
erhalten. Oberhalb von rund 400 m herrscht Dauerfrost.
Abends und in der Nacht zum Samstag wird der Zwischenhocheinfluss bereits wieder
beendet. In der auf Westnordwest rückdrehenden Höhenströmung schwenkt ein neuer
Kurzwellentrog zu uns. Dieser stützt einen Bodentrog nebst eingelagertem
Frontensystem. Zwar ist dieses bereits weitestgehend okkludiert, sodass die
Temperaturen auf 850 hPa zumeist im negativen Bereich verbleiben, allerdings
kann sich mit auffrischendem Südwestwind (Sturmböen an der Nordsee sowie in
Hoch- und Leelagen der Mittelgebirge) milde Luft vor allem in der
Nordwestdeutschen Tiefebene auch am Boden durchsetzen, sodass dort Schneeregen
oder Regen fällt. Ansonsten fallen die von Nordwest nach Südost ausgreifenden
Niederschläge häufig als Schnee, der bei leichtem Frost auch liegen bleibt. Die
Neuschneemengen sind aber wahrscheinlich meist im „gelben“ Bereich, lediglich an
den Alpen gibt es Hinweise auf markante Neuschneemengen (>10 cm/12 h).

Am Samstag zieht der Trog nebst den Regen- und Schneefällen südostwärts ab,
derweil schwenkt ein weiterer, deutlich massiverer Kurzwellentrog von den
Britischen Inseln nach Frankreich. Dazwischen dreht die Höhenströmung weiter auf
Südwest rück, fächert dabei – genauso wie die Bodenströmung – auf. Die dabei
einfließende maritime Mischluft (T850 zwischen 0 und -4 Grad) ist leicht labil
geschichtet, sodass einzelne Regen-, Schneeregen und Graupelschauer, oberhalb
von 400-600 m Schneeschauer zu erwarten sind. Der Dauerfrost zieht sich in Lagen
oberhalb 600 bis 700 m zurück.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Trog nach Deutschland und weitet sich
gleichzeitig weit nach Süden bis zum zentralen Mittelmeer aus. Im Zuge dessen
verlagert sich auch am Boden eine Tiefdruckzone von der Nordsee nach
Mitteleuropa. Zwar ist die genaue Gestalt des Troges und der Tiefdruckzone noch
unklar, in jedem Fall kommen neue Niederschläge auf, die mit Übergreifen des
Troges und der Höhenkaltluft schauerartigen Charakter annehmen. Da die
einfließende Luft weiterhin eher eine gut durchmischte Mischluft ist (T850 -1
bis -4 Grad), fallen die Niederschläge in tiefen Lagen zumeist in flüssiger
Form, erst ab 400 m ist es winterlich. Markante Neuschneemengen (>10 cm/12 h)
bleiben wohl die Ausnahme, sind am ehesten in Staulagen Alpen nicht
ausgeschlossen. Die Windentwicklung steht und fällt mit der Ausprägung des Tiefs
(s. o.). Sturmböen sind vor allem in Hochlagen wahrscheinlich (Achtung
Schneeverwehungen möglich!), je nach Intensität und Position des Tiefs aber auch
verbreiteter in tiefen Lagen zumindest nicht ausgeschlossen.

Am Sonntag und Montag nistet sich der Trog über Mitteleuropa ein und sorgt in
Deutschland für unbeständiges Schauerwetter. Hinter der ostwärts abziehenden
Tiefdruckzone dreht der Wind allmählich auf nördliche Richtungen, sodass kältere
Luft einfließen kann (T850 auf -4 bis -8 Grad absinkend). Damit sinkt auch die
Schneefallgrenze wieder ab, in der Nacht zum Montag teils bis in tiefe Lagen.
Mal vom Alpenrand abgesehen, wo wiederholt >10 cm/12 h fallen können (im
gesamten Mittelfristzeitraum teils >50 cm!), bleiben die Neuschneemengen aber
gering.

In der erweiterten Mittelfrist verabschiedet sich der Trog nach Osteuropa. Dafür
bringt sich ein Langwellentrog über Westeuropa in Stellung, was für uns nach
kurzen Zwischenhocheinfluss erneut unbeständiges, dann aber deutlich milderes
Wetter und Tauwetter bedeuten würde.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im Hinblick auf die groben synoptischen Strukturen sind die IFS-Läufe ziemlich
konsistent. Im Detail ergeben sich aber Unterschiede bei Ausprägung und Timing
der übergreifenden Tröge sowie den damit in Verbindung stehenden Zyklogenesen.
Diese schaukeln sich vor allem ab dem Wochenende soweit auf, dass es zu
prognoserelevanten Unterschieden kommt.
Am grundlegenden Wettercharakter bestehen aber keine Zweifel.
Das Sturmtief über Deutschland aus dem gestrigen IFS00Z-Lauf findet sich in den
neuen Läufen nicht mehr, sodass Sturmböen im Zuge von Passagen von Fronten und
Bodentrögen in der Regel auf Hochlagen und die Küste beschränkt bleiben.
Dahingehend ist aber das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen. Auch die mit
diesem Tief in Verbindung stehende Glatteissituation im Süden wäre somit vom
Tisch. Die nachfolgende nasskalte bis winterliche Troglage ab dem Wochenende
hält sich in den beiden neusten IFS-Läufen etwas hartnäckiger als im gestrigen
IFS00Z-Lauf.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON rechnet das Übergreifen des Troges am Freitag bereits zügiger (von
Nordwesten einsetzende Regen- und Schneefälle schon ab den Frühstunden). Zudem
ist der Gradient am Bodentrog etwas schärfer, sodass häufiger mit stürmischen
Böen und Sturmböen im Mittelgebirgsraum und im Nordwesten, an der Nordsee auch
mit schwerem Sturm gerechnet werden müsste. GFS simuliert den Höhentrog schärfer
und lässt ein eigenständiges Tief über der Mitte Deutschlands entstehen. Im
Süden und Südwesten wären stürmische Böen bis in tiefere Lage möglich.
Am Wochenende sehen sich ICON und IFS recht ähnlich, wenngleich ICON auch den
nachfolgenden Trog etwas progressiver rechnet, sprich früher übergreifen lässt.
Bei GFS unterscheidet sich das Muster dagegen deutlich von denen der anderen
Modelle. Hier ist der erste Trog der massivere, der zweite der deutlich
kurzwelligere. Dafür soll letzterer zu einer kräftigen Zyklogenese führen. Das
resultierende Sturmtief soll Sonntag nach Dänemark ziehen und vor allem bei
Kaltfrontpassage für verbreitete stürmische Böen sorgen.
Im weiteren Verlauf gleichen sich die Modelle zumindest insofern an, als dass
Deutschland in jeder Berechnung unter Trogeinfluss steht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des IFS-EPS sind sowohl hinsichtlich der Temperatur auf 850 hPa
als auch des Geopotenzial auf 500 hPa bis einschließlich Sonntag relativ eng
gebündelt. Am Freitag und Samstag nimmt der Spread vorübergehend etwas zu. Die
vor allem beim Bodenluftdruck verhältnismäßig stark zunehmende
Standardabweichung deutet auf die Unsicherheiten im Hinblick auf die mit den
Trögen in Verbindung stehenden Zyklogenesen hin. Da der deterministische Lauf
aber insgesamt gut in die Ensembleschar eingebettet ist, soll ein Hinweis auf
die Unsicherheiten genügen, ohne das oben beschriebene Szenario generell zu
hinterfragen.
Ab Montag weiten sich die Rauchfahnen dann sukzessive auf. Schon am Dienstag
bewegen sich die Ensembles bei der 850-hPa-Temperatur innerhalb einer von -15
bis 5 Grad Celsius reichenden Range. Die Mehrheit der Member deuten allerdings
ein Anstieg der Temperatur bei gleichzeitig ansteigendem Geopotenzial an,
allerdings mit mal mehr mal weniger starker Verzögerung.

FAZIT:
Der grobe Wetterablauf bis einschließlich des kommenden Wochenendes steht. Es
erwartet uns unbeständiges, von nur kurzem Zwischenhocheinfluss in der Nacht zum
Freitag und am Freitag unterbrochenes, nasskaltes Wetter. Zwar kann es immer
wieder auch mal bis ins Tiefland schneien, inklusive des berühmt berüchtigten
„Stundenmatsches“, so richtig winterlich ist und bleibt es aber nur im Bergland
ab 400 bis 600 m. Die Wintersportgebiete in den Hochlagen der Alpen dürfen sich
derweil auf viel Neuschnee freuen. Dicke Fragezeichen stehen hinter der
Windentwicklung. Noch nicht unbedingt am Donnerstag (Sturm im Nordosten) sehr
wohl aber mit den Bodentrögen/Tiefs, die – wie auch immer geartet – ab
Freitag(-abend) das Wetter in Deutschland beeinflussen. Stand jetzt ist eine
überregionale Sturmlage eher unwahrscheinlich, Sturmböen eher auf Hochlagen und
die Küste beschränkt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

STURM:
Am Donnerstag in der ersten Tageshälfte im Norden und Nordosten sowie in
Hochlagen der Mittelgebirge Sturmböen, an der Ostsee schwere Sturmböen nicht
ausgeschlossen.
Ab Freitagnachmittag und in der Nacht zum Samstag an der Nordsee und in Hoch-
und Leelagen Sturmböen wahrscheinlich, in tiefen Lagen im Westen und Nordwesten
gering wahrscheinlich.
Am Samstag insgesamt geringe Wahrscheinlichkeit für Sturmböen, bevorzugt aber im
Süden und Südwesten sowie an der Nordsee.

SCHNEE:
Am Donnerstag an den Alpen Neuschneemengen >10 cm/12 h bzw. >15 cm/24 h gering
wahrscheinlich. Im Nordosten Neuschneemengen >5 cm/6 h gering wahrscheinlich.
Am Samstag und Sonntag an den Alpen wiederholt Schneefälle, vor allem in
Staulagen mit Neuschneemengen >10 cm/12 h bzw. >15 cm/24 h wahrscheinlich, noch
höhere Mengen nicht ausgeschlossen. Dort in Hochlagen im gesamten
Mittelfristzeitraum teils >50 cm.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS det.+EPS, MOS-EZ

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Sonntag, den 28.11.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 28.11.2021 um 10.30 UTC

Wechselhaft, anfangs stürmisch und nass-kalt. Bergland winterlich.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 05.12.2021

Bezüglich der Ausführungen von gestern hat sich nicht viel geändert. Noch immer
deutet sich zwar vorübergehend eine Zunahme der stratosphärischen Wärmeflüsse in
den gestern genannten Regionen an, aber wie bereits erwähnt scheinen sich die
Auswirkungen auf den Polarwirbel in der Stratosphäre sehr in Grenzen zu halten.
Durch die Konvergenz des meridional ausgerichteten zonalen Impulsflusses
schwächt sich die zonale Strömung zwar im Übergangsbereich zwischen Troposphäre
und Stratosphäre etwas ab, doch je nach Modell springt dabei nur ein schwaches
„displacement“ mit einer Höhenantizyklone über den Aleuten heraus. Für solch
moderate Störungen ist der Polarwirbel in der Stratosphäre bereits zu kräftig
ausgeprägt (oberes Terzil der bisher beobachteten Intensitäten), als dass er
darauf deutlicher reagieren würde. Weiterhin scheint der troposphärische
Polarwirbel einerseits nordwärts in Richtung Laptewsee zu ziehen und sich zudem
in einen zweiten Ast über dem kanadisch-arktischen Archipel aufzuspalten, sodass
sich das „Kaltluftreservoir“ zunehmend vom Nordpol/Arktischen Ozean in Richtung
Kanada und Asien verlagert. Diese Entwicklung, einhergehend mit einem
Polarwirbel in der Stratosphäre, der nahe an der Kategorie „stark“ kratzt, ist
kein gutes Vorzeichen für den deutschen Winter. Numerische Simulationen mit
dieser Art von Konfiguration deuten auf ein anormal warmes Eurasien hin und naja

  • die jüngste IFS Vorhersage für den Zeitraum Anfang bis Mitte Dezember sieht im
    eurasischen Sektor positive 2m Temperaturabweichungen von 3 bis 6 Kelvin oder
    mehr.

Gestern wurde noch optional ein kleines Zeitfenster angedeutet, wo um Nikolaus
herum vor Ausbildung des kanadischen Polarwirbels in der Troposphäre ein
kurzes/kleines winterliche Intermezzo in Deutschland stattfinden könnte. Ganz
abschreiben sollte man es noch nicht, denn mit günstiger synoptischer
Konstellation ist dies noch möglich, doch spätestens nach der Clusteranalyse
erkennt man, dass auch diese Option immer unwahrscheinlicher wird. Mittlerweile
sieht es gar so aus, dass eine Rückseitenepisode in dieser Mittelfrist von
Freitag auf Samstag „winterlicher“ ausfallen könnte. Mehr kann man nicht
erwarten, denn in der erweiterten Mittefrist scheint der Atlantik endgültig in
die Gänge kommen zu wollen.

Wenden wir uns aber nun der Mittelfrist zu (Mittwoch, den 1.12. bis Sonntag, den
5.12.):

Mittwoch und Donnerstag stehen unter dem Einfluss einer umfangreichen
Langwellentrogpassage, die zudem von einer kräftigen Zyklogenese begleitet wird,
die Dänemark/Südschweden mit einem ENS gemittelten Wert von rund 985 hPa
passieren sollte. Nimmt man den ENS spread des 300 hPa Geopotenzials zu Hilfe,
so erkennt man noch größere Unsicherheiten entlang der Westflanke des Troges,
sodass noch nicht abschließend geklärt ist, wie weit der Trog seine Amplitude
vergrößern wird. Mittlerweile scheint aber ein Erfassen Nordafrikas recht sicher
zu sein. Interessant ist auch, dass im Bodendruck und 850 hPa Geopotenzial-/und
Windfeld an der Westflanke des Tiefdruckgebietes erhebliche Unsicherheiten
bestehen. Schaut man sich die zyklonalen Vorticityfelder der letzten 3 Läufe von
IFS an so sieht man, dass das Modell (IFS) an einer Kernspaltung bastelt oder
wenigstens an einer markanten niedertroposphärischen Trogachse. Diese Option
könnte sich auf das Windfeld auswirken (zeitliche Verlängerung und regionale
Verschärfung bei Durchschwenken der Bodentrogachse), aber auch auf eine
„gesunde“ Kaltfrontpassage hindeuten.
Auf jeden Fall regnet es am Mittwoch im Warmsektor immer wieder etwas, in
Staulagen der zentralen westlichen Mittelgebirge auch etwas mehr
(Schneefallgrenze bei 800 bis 1200 m), während es nach Südosten zu bis weit in
den Tag meist trocken bleibt. In der Nacht zum Donnerstag erfolgt dann von
Norden die Kaltfrontpassage mit einer präfrontalen Schneefallgrenze von 600 bis
800 m – postfrontal bis in tiefe Lagen absinkend (inklusive Abtrocknung).

Am Donnerstag und Freitag sollte postfrontale „Winterstimmung“ anzutreffen sein,
verharren die Höchstwerte am Donnerstag im Norden und am Freitag abgesehen vom
Westen fast deutschlandweit bei T85 von (vorübergehend) rund -6 bis -9 Grad nur
wenig über dem Gefrierpunkt und vielleicht fällt hier und da ein schwacher
Schneeschauer – im Tiefland jedoch ohne große „Liegenbleiboption“. Vielleicht
können sich im Nordstau der zentralen Mittelgebirge regional wenige Zentimeter
Neuschnee ausgehen. Ab Donnerstagnachmittag und -abend lockert die Bewölkung
dank eines progressiven Bodenkeils rasch auf. Die Nächte zum Freitag und Samstag
werden dann teils klar und frostig kalt, wobei auch mäßiger, über Schnee auch
strenger Frost ein Thema werden könnte. Winterlicher wird es in dieser
Mittelfrist nicht mehr.
Bezüglich des Niederschlags quält sich am Donnerstag die Kaltfront weiter zu den
Alpen und lässt dort nachmittags und abends zunehmend die Schneefallgrenze
absinken. Im Alpenstau „droht“ eine flockenreiche Nacht zum Freitag (5 bis 10 cm
Neuschnee in 12h). Freitag tagsüber klingen diese Stauniederschläge rasch ab.

In der Folge trifft der nächste Langwellentrog ein, allerdings mit
vergleichsweise kürzerer Amplitude und daher recht progressiv. Wo und wann
entsprechende Zyklogenesen ansetzen ist noch sehr unsicher, sodass aus heutiger
Sicht spätestens in der Nacht zum Samstag von Westen wieder Niederschläge
einsetzen. Sollte sich dieses timing bestätigen, dann könnte in Süddeutschland
das Thema „Glatteis“ auf die Agenda rücken. Aber noch sind die Sprünge in der
Numerik zu groß, um hier auf Details einzugehen.

In der erweiterten Mittelfrist, zum Niklaus, kommt dann das angesprochene kurze
Zeitfenster, wo rückseitig des ostwärts abziehenden Wellentroges und beginnender
Keilaufwölbung über dem Nordatlantik ein kleines winterliches Intermezzo zwar
grundsätzlich möglich erscheint, doch macht man sich nichts vor – die Numerik
sieht immer pessimistischer aus. Wie genau es danach weitergeht ist noch
unsicher und kann mit dem Begriff „chaotisch“ umschrieben werden.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Freitag wird die zyklonal geprägte Mittelfrist (Mittwoch bis
Sonntag) sehr gut erfasst. Dieser Abschnitt umfasst die Passage eines
Langwellentroges von West nach Ost, einhergehend mit einer kräftigen Zyklone,
die am Mittwoch Dänemark ostwärts passiert. Das ENS sieht mittlerweile eine enge
Bündelung der Member, wobei der Kerndruck zwischen 980 und 990 hPa schwankt.
Erneut deuten die kräftigeren Memberlösungen eine leicht nördlichere Zugbahn an,
doch auch das Windfeld ist im ENS output mittlerweile gut gebündelt und zeigt
den Schwerpunkt über der Deutschen Bucht bis zur südlichen Ostsee (Bft 8-9,
vereinzelt Bft 10 und selbiges auf Kammlagen im Binnenland, wobei auf dem
Brocken auch die Bft 11 fallen kann).

In der Folge (zum Wochenende) greift der nächste Trog mit kürzerer Amplitude auf
Mitteleuropa über und hier divergieren die Läufe zunehmend. Grund hierfür ist,
dass bisher stromauf in Richtung Nordamerika und Nordpazifik noch eine größere
Unsicherheit bestand bzw. wiederholte Korrekturen der Trog- und Keilachsen
stattfanden (Lage/Intensität). Seit 2 Läufen stabilisiert ich dies etwas,
allerdings wirkt sich diese „Beruhigung“ vorerst nur bis auf den Nordatlantik
aus. Insofern besteht die Hoffnung, dass die nun fortwährende Korrektur des
zweiten Langwellentroges nach Westen (über Mittel- und Westeuropa) in den
kommenden Läufen abebbt. Im ENS ist auch noch kein richtiger Fokus des
Bodentiefs auszumachen, das den Trog begleitet – ein sehr diffuses Memberfeld.
Sicher scheint ein erneutes Übergreifen von Tiefdrucktätigkeit auf weite
Bereiche Mitteleuropas zum Wochenende zu sein, sodass der wechselhafte und mit
der zweiten Trogpassage auch vorübergehend etwas kältere Wetterabschnitt vorerst
weitergeht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Beim Blick auf die internationale Modellpalette ergibt sich ein ähnliches Bild,
wobei jedoch hier die Modelle bereits in der Nacht zum Freitag zu divergieren
beginnen. Die von Westen dann hereinlaufenden Wellen zeigen gröbere Amplituden-
und Phasenverschiebungen auf, sodass hier noch Vieles möglich ist. Da zugleich
auch der Polarfrontjet über dem Nordatlantik immer kräftiger wird nimmt auch die
Dynamik weiter zu, sodass bereits kleinste Diskrepanzen stromab sehr große
Unsicherheiten übe Europa hervorrufen. Grundsätzlich verläuft der Beginn der
Mittelfrist und das Wochenende aber bei allen Modellen wechselhaft.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse beginnt mit 3 Clustern (C) und dem klimatologischen Regime
„Atlantikrücken“, wobei sich der Kontrolllauf und der det. Lauf (K/D) jeweils im
ersten Cluster befinden.
Die Unterschiede innerhalb der Cluster sind mit Blick auf Deutschland
vernachlässigbar.

In der Folge nimmt die Zahl der Cluster auf 4 zu, wobei das klimatologische
Regime „Atlantikrücken“ noch überwiegt (K und D in C1). Hier zeigen die Cluster
für den zweiten Trog Anfang Dezember noch eine recht einheitliche Lösung,
während stromauf in Richtung Nordatlantik/Grönland und Neufundland die
Diskrepanzen rasant zunehmen. Während gestern die Mehrheit der Cluster für das
kommende Wochenende noch eine kräftige positive Geopotenzialanomalie südlich von
Grönland zeigten, wurde diese in der aktuellen Clusteranalyse etwas nach Süden
gedrückt. Gleichzeitig wird der Trog über Kanada immer rascher nach Osten
gebracht, sodass letztendlich von einer einst kräftigen Keilaufwölbung in C1, C2
und C4 gen Grönland nur noch ein schwaches Keilresiduum übrigbleibt. Nur C3
zeigt die intensive Aufwölbung, aber um das in Prozenten auszudrücken – die
Wahrscheinlichkeit für solch eine Lösung liegt nun bei unter 25%.

In der Folge nimmt die Zahl der Cluster auf 5 zu, wobei nur 2 die Blockierung
stützen, während sonst rasch von Westen der nächste Trog übergreift. Immerhin
steigt die Zahl der Lösungen für ein winterliches Intermezzo auf rund 35%.
Abgesehen davon ergeben sich im Übergangsbereich Mittelfrist-erweiterte
Mittelfrist für Deutschland Lösungen von Sturm bis hin zu einer Keilpassage und
das Chaos nimmt in der Folge weiter zu. Der einzige Hinweis, den man hier
neutral liefern kann: die Cluster deuten einige deftige Sturmlagen für
West-/Nordwesteuropa an. Mal abwarten, wie sich das manifestiert.

Bei den Meteogrammen bzw. Rauchfahnen gibt es im Vergleich zu gestern kaum etwas
Neues zu berichten – vielleicht, dass der Kontrolllauf und HRES Lauf insgesamt
besser in die Memberschar eingebettet sind. Ansonsten wird eine wechselhafte und
kühle Mittelfrist gezeigt. Der Mittwoch befindet sich mit Blick auf den Wind
bereits auf einem sich abschwächenden Ast. Was auffällt ist, dass die
Schneeoptionen für den Westen und die Mitte im Vergleich zu gestern mit der
Frontpassage zum Samstag besser aussehen, was auch mit einem kälteren
Temperaturniveau am Vortag bzw. in der vorherigen Nacht zusammenhängt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:

Ganz klar steht hier der MITTWOCH im Fokus. Dank des neutral bis leicht labil
geschichteten Warmsektors dürfte die Durchmischung abgesehen vom Süden
deutschlandweit für steife bis stürmische Böen aus Südwest bis West gut sein
(Bft 7-8) sowie für Sturmböen im Bergland und über der See (Bft 9). Exponiert
(z.B. Brocken) kann man noch 1 bis 2 Bft draufschlagen. Insgesamt wird dieses
Windfeld von IFS-ENS und ICON-EPS recht homogen herausgearbeitet. Interessant
scheint noch die Windentwicklung am Abend über der Deutschen Bucht zu sein, was
mit der angesprochenen optionalen Bodentrogachse/Randtiefentwicklung
zusammenhängen dürfte. Dabei gehen die Maxima in beiden Modellen über der See
auf Bft 11-12 und beide Ensembles tragen auch Bft 9-10 Böen bis nach
Bremen/Hamburg. Im CDF Diagramm äußert sich diese Option entlang der Elbmündung
nur durch eine scharfe Spitze jenseits des Modellklimamaximums, aber natürlich
wird solch eine feine synoptische Struktur im Ensemble nicht ausreichend
aufgelöst. Insgesamt nimmt der EFI deutschlandweit von Lauf zu Lauf etwas zu,
sodass die eher flächige Ausgabe markanter Windwarnungen entlang und nördlich
der zentralen Mittelgebirge immer wahrscheinlicher erscheint.

In der Folge gibt es keine weiteren Signale im EFI bzw. nur diffuse zum Ende der
Mittelfrist. Allerdings treten über der See und im Bergland immer wieder
markante Böen im Bereich Bft 8 bis 9 auf, auf dem Brocken zeitweise auch mehr.

SCHNEE:

Hier zeigen sich keine richtigen EFI-Signale. Einzig zum Wochenende ergeben sich
nach aktueller synoptischer Konstellation Optionen, die einen leicht positiven
EFI/SOT im Westen erzeugen. Hier sind jedoch die Unsicherheiten noch sehr hoch.
Abgesehen davon kann es im Alpenstau zeitweise Neuschneemengen im Grenzbereich
gelb/ocker geben.

GLÄTTE/GLATTEIS:

Mit Frontpassage am Samstag wäre nach aktuellem timing gefrierender Niederschlag
in Süddeutschland eine regionale Option. Viel hängt von der präfrontalen
Auskühlung sowie der Intensität und dem timing der Front ab, sodass dies aktuell
nur ein allgemeiner Hinweis ist.

Winterliche Straßenglätte muss Nacht für Nacht bewertet werden, sollte jedoch
aus heutiger Sicht nicht markant ausfallen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, GEFS, MOSMIX (angepasst)

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Freitag, den 26.11.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 26.11.2021 um 10.30 UTC

Nasskalt, vor allem im Bergland auch winterlich. Nur am Mittwoch vorübergehend
milder. In Hochlagen teils stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 03.12.2021

Am Montag strömt auf der Rückseite eines Tiefs über dem Baltikum von Nordwesten
und Norden polare Meeresluft nach Deutschland mit 850-hPa-Temperaturen meist
zwischen -6 und -8 Grad, so dass die Schauer teils bis in tiefe Lagen als nasser
Schnee oder Schneeregen fallen können. Der korrespondierende Höhentrog schwenkt
dabei von Mitteleuropa nach Polen und Weißrussland.
Am Dienstag folgt von den Britischen Inseln ein flacher werdender Höhenrücken
nach, der von Warmluftadvektion überlaufen wird. Die damit verbundene Warmfront
eines über Südskandinavien ostwärts ziehenden Randtiefs greift von Westen her
mit Niederschlägen auf Deutschland über.

Am Mittwoch folgt vom Atlantik ein breiter Höhentrog nach und die
korrespondierende kühlere Luft gelangt nur allmählich von Westen und Nordwesten
nach Deutschland. Zunächst ist die Luft aber mit Temperaturen nur wenig unter
null Grad nicht besonders kalt. Deutlich kältere Luft befindet sich auf der
Nordsee einer Tiefdruckrinne über Dänemark und der Ostsee.
Mit auf Nordwest bis Nord drehender Strömung gelangt am Donnerstag deutlich
kühlere Luft nach Deutschland mit 850-hPa-Temperaturen zwischen -5 Grad im
Südosten und -10 Grad im Nordosten. Entsprechend können die Niederschläge wieder
häufig in Schnee oder Schneeregen übergehen.

Am Freitag nähert sich zwar vom Atlantik ein Höhenrücken, an dessen Ostflanke
aber ein flacher Höhentrog, der von Großbritannien nach Frankreich und weiter
zum westlichen Mittelmeer driftet. Ein weiterer Randtrog schwenkt nach
Nordostdeutschland. Daran gekoppelt ist ein Randtief, das abends ebenfalls dort
erwartet wird. Seine Wolken- und Niederschlagsschleppe erfasst dabei weite Teile
Deutschlands.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Dienstag gibt es kaum Abweichungen in den Simulationen von gestern und
heute.
Ab Mittwoch weichen vor allem der aktuelle und der gestrige 12-UTC-Lauf von der
00-UTC-Simulation von gestern ab.
Der neue atlantische Höhentrog reicht im alten 00-UTC-Lauf etwas schneller
unterwegs als die beiden letzten Modell-Runs und stützt ein Bodentief, das über
Norddeutschland ostwärts zieht. Auf der kalten Seite des Tiefs, also auf der
Nordseite, fällt dabei sogar Schnee oder Schneeregen.
Im aktuellen Lauf zieht das Tief langsamer über Dänemark ostwärts, Schnee fällt
damit nicht. Die 12-UTC-Variante liegt dazwischen.

Am Donnerstag liegt der Trog im Lauf von gestern 00 UTC bereits über Osteuropa
und es folgt in der 2. Tageshälfte ein neues Frontensystem vom Atlantik mit
Regen nach. In den beiden aktuellen Modellruns schwenkt der Trog über
Deutschland ostwärts und wir haben somit Schauerwetter mit Wolkenlücken.

Erst am Freitag folgt in den beiden aktuellsten Läufen im Tagesverlauf verspätet
ein Frontensystem, das allerdings auch in der gestrigen Simulation enthalten
ist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Wesentlichen simulieren die Modelle bis Freitag recht einheitlich. Lediglich
bei ICON deutet sich an, dass am Freitag im Osten und Süden noch weitgehend
Zwischenhocheinfluss herrscht ohne Niederschlag.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt bis zum 7. Folgetag 3 Cluster, die sich nur geringfügig
unterscheiden. Im ersten Cluster mit 26 Modellläufen, in den auch der oper. Lauf
fällt, erkennt man am Freitag einen atlantischen Rücken mit Achse südlich von
Island und einem kleinen Randtrog, der sich auf der Ostseite des Rückens
befindet und die Hebriden erreicht hat. Im 2. Cluster mit 14 Modell-Runs ist
dieser Randtrog etwas stärker ausgeprägt und die Hauptachse des Rückens befindet
sich weiter westlich etwa südlich von Kap Farvel. Im 3. Cluster mit den
restlichen 11 Modellläufen liegt die Keilachse weiter östlich fast bei Irland
und der kleine Randtrog fehlt völlig. Entsprechend könnte je nachdem wie der
Randtrog ausgeprägt ist, am Freitag eine Warmfrontwelle über uns hinweg ziehen
mit Schnee bis in tiefe Lagen auf der Ostseite der Welle.

In der Rauchfahne von Offenbach erkennt man am Sonntag und Montag recht niedrige
850 hPa-Temperaturen um -6 Grad, was für winterliches Wetter in den
Mittelgebirgen reicht. Am Dienstag erfolgt mit einer Warmfront ein
Temperaturanstieg auf im Mittel knapp über null Grad und am Mittwoch sinkt erst
in der 2. Tageshälfte die Temperatur in 850 hPa langsam wieder ab. Am Donnerstag
erfolgt erneut der Übergang zu nasskaltem Wetter mit Temperaturrückgang auf
etwas -6 Grad. Am Freitag gibt es eine recht große Schwankungsbreite bei der
850-hPa-Temperatur. Hier kommt zum Ausdruck, dass je nach Zugbahn der o. e.
Frontalwelle unterschiedliche Temperaturen herrschen.

Die EPS-Meteogramme zeigen am Montag unterdurchschnittliche
2-Meter-Temperaturen, ehe am Dienstag mit einer Warmfront die Temperaturen
abgesehen vom kühlen Südosten auf durchschnittliche Werte ansteigen. Am Mittwoch
ist es sogar kurzzeitig leicht überdurchschnittlich temperiert.
Anschließend folgt wieder nasskaltes Wetter mit im Mittel leicht zu niedrigen
Werten. Im Westen ist ab Freitag die Schwankungsbreite recht groß, je nachdem ob
mit der Welle oder mit der Warmfront schon mildere Luft einbezogen wird.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Vor allem in den südöstlichen Mittelgebirgen und in den Alpen besteht zeitweise
ein leicht erhöhtes Risiko für Neuschneemengen über 5 oder 10 cm innerhalb von 6
bis 12 Stunden. Nur am Mittwoch gibt es in den Mittelgebirgen bis in die höheren
Lagen vorübergehend Tauwetter.
Zeitweise ist es in den Gipfellagen stürmisch.
Am Mittwoch ist in einigen Mittelgebirgen, vor allem im Schwarzwald Dauerregen
bzw. Tauwetter möglich.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Donnerstag, den 25.11.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 25.11.2021 um 10.30 UTC

Endlich „Wetter“ mit winterlichen Komponenten, vor allem im Bergland, sonst
nasskalt. Zudem zeitweise windig, teils stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 02.12.2021

Nachdem das Wetter über weite Strecken des Novembers mehr oder weniger
undynamisch, ja fast schon lustlos vor sich hingeplätschert ist, scheint sich
das nun zum Ende respektive zum Monatswechsel substanziell zu ändern. Jetzt
heißt es erst mal für einige Zeit „statisches Grenzschichtlotto“ ade,
„dynamische Zyklonalität“ willkommen. Okay, zu Beginn des Mittelfristzeitraums
am kommenden Sonntag ist es mit der Dynamik noch nicht so weit her, aber was
nicht ist, kann in der kommenden Woche ja noch kommen. Die Abläufe im Einzelnen:

Am Sonntag befinden sich weite Teile Mitteleuropas, darunter auch Deutschland,
unter einem monumentalen Langwellentrog, der sich vom Nordpolarmeer bis hinunter
nach Nordafrika erstreckt. Angefüllt ist der Trog mit hochreichend kalter,
maritimer Polarluft (T850 um -6°C, T500 -30 bis -35°C), die für einen
wolkenreichen und nasskalten Wettercharakter sorgt. Als Hauptimpulsgeber
fungiert ein Bodentief, das Vb-artig aus dem östlichen Alpenraum über den
Grenzbereich Tschechien/Slowakei gen Polen zieht und in der Nacht zum Montag die
südöstliche Ostsee erreicht. Auf der Westflanke des Tiefs kommt es in den
östlichen Landesteilen zu Aufgleitprozessen (Gegenstrom) und folglich
stratiformen Niederschlägen, die aufgrund der Intensitäten sowie der thermischen
Rahmenbedingungen und trotz des wärmenden Ostseeeinflusses bis ganz runter
zumindest als nasser Schnee fallen können. Der Konjunktiv deswegen, weil das
Szenario im Modellvergleich noch unsicher ist (siehe später „Vergleich mit
anderen Modellen“). Niederschläge, häufig schauerartig und im Bergland durchweg,
weiter unten teilweise als Schnee, fallen auch in den übrigen Regionen, wobei
von der Nordsee über die Mitte bis nach Nordbayern ein Minimum gerechnet wird.

Zu Beginn der neuen Woche beginnt der Höhentrog sich ganz allmählich nach Osten
zu verlagern. Dadurch gelangen wir zunehmend in seinen Westteil unter eine
nord-nordwestliche Höhenströmung, die in den westlichen Landesteilen eine
Erwärmung der mittleren und oberen Troposphäre bringt (Anstieg T500 auf über
-30°C). In den unteren Schichten hingegen findet noch kein Luftmassenwechsel
statt. Zwischen dem zu den baltischen Staaten abziehenden Tief und einem von
Frankreich bis zu den Alpen vorstoßenden Hochkeil gelangt mit
west-nordwestlicher Strömung weiterhin maritime Polarluft zu uns, die auf 850
hPa um -6°C kalt ist. Es kommt zu schauerartigen, im Bergland durch Stau z.T.
auch länger andauernden Niederschlägen, die oberhalb 200 bis 400 m als Schnee,
darunter – je nach Tageszeit und Intensität – teils als Regen, teils als Schnee
und vorübergehend auch mal in der Mischphase fallen. Im Norden soll es
weitgehend trocken bleiben und die Wolkendecke sogar einige Lücken bekommen.

Am Dienstag zieht der Langwellentrog endgültig aus Deutschland heraus. Da aber
der umfangreiche Höhenrücken über dem Ostatlantik die Gunst der Stunde nicht
nutzt, indem er den freiwerdenden Platz einnimmt, verbleiben wir unter einer
leicht flatternden nordwestlichen Höhenströmung, die allerdings gegenüber dem
Vortag etwas rückdreht. Im Bodenfeld rückt ein Wellentief in den Fokus, das von
Südnorwegen kommend über Dänemark und Südschweden ost-südostwärts zieht. Auf
seiner Südflanke kommt bei uns ein flotter, im Bergland und an der See
stürmischer West-Südwestwind in die Gänge, der insbesondere im Westen und Süden
nicht mehr ganz so kalte, eher subpolare Meeresluft heranführt. Zum Tagesende
verläuft die 0°C-Isotherme auf 850 hPa vom Emsland bis zum Bodensee, während im
Norden und Osten noch rund -5°C registriert werden. Es kommt verbreitet zu teils
kräftigen Niederschlägen (akkumuliert über 24 h in den Mittelgebirgen vielfach
20 bis 30 l/m², im Westen und Nordwesten 10 bis 20 l/m²), die anfangs bis in
tiefe Lagen als Schnee fallen können. Im Tagesverlauf steigt die
Schneefallgrenze zwar an, gerade im höheren Bergland reicht es aber
wahrscheinlich ´ne ordentliche Hucke Neuschnee, wobei man sich ganz ober sogar
Gedanken über Verwehungen machen muss.

Am Mittwoch setzt sich der rasante und hochinteressante bis spannende
Wetterablauf fort, wenn nämlich ein weiteres Tief – diesmal von der Nordsee
kommend – auf Norddeutschland übergreift. Nach Lesart von IFS handelt es sich um
ein längliches, stark elliptisch geformtes Tief, das um 12 UTC zonal über der
Norddeutschen Tiefebene liegen soll. Während südlich davon mit lebhafter, teils
stürmischer Südwestströmung relativ milde Atlantikluft advehiert wird (T850 um
0°C), wird nördlich der Konvergenzachse mit östlicher Strömung Kaltluft
angesaugt (T850 bis rund -6°C im Ostseeküstenbereich). Gerade im
Konvergenzbereich des Tiefs (also rund um die zonal ausgerichtete Längsachse)
könnte es zu kräftigen Niederschlägen kommen, die auf der kalten Seite als z.T.
nasser Schnee fallen. Weiter südlich freilich steigt die Schneefallgrenze bis in
die höchsten Lagen der Mittelgebirge oder sogar noch darüber hinaus.
Zugegeben, die Lage hätte was, wenn sie denn tatsächlich eintreten würde wie
eben beschrieben. Das Problem dabei: Weder die Konsistenz ist berauschend noch
gibt es Unterstützung von den Modellkollegen, so dass wohl eher von einer
krassen Außenseiterlösung gesprochen werden muss. Aber, liebe Vollwetterfreaks,
auch krasse Außenseiter setzen sich mitunter durch, siehe letzten Freitag in
Augsburg.

Nur ganz kurz noch der Donnerstag, an dem sich vorübergehend ein Keil des
Azorenhochs über den Vorhersageraum legt, der aber schon bald wieder von einer
Warmfront überlaufen wird. Im weiteren Verlauf bis zum Wochenende (erweiterte
Mittelfrist) deutet sich eine Fortsetzung der dynamischen West-Nordwestlage an,
die zum Sonntag hin sogar wieder in eine neuerliche Troglage münden könnte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

In Hinsicht auf die großräumigen Basisfelder kann IFS (ECMF) eine gute
Konsistenz attestiert werden. So gesehen scheint die Abfolge der Großwetterlagen

  • zunächst Trog-, dann zyklonale Nordwest- bis Westlage – unstrittig.
    Witterungstechnisch bedeutet das nasskalte, vor allem im Bergland teils
    frühwinterliche Bedingungen mit wiederholten Niederschlägen (in tiefen Lagen
    häufig Regen oder nasser Schnee, in mittleren und höheren Lagen überwiegend
    Schnee) und zeitweise lebhaftem Wind.
    Die Krux der Vorhersage liegt wie so oft in der Behandlung der kurzen Wellen,
    die eigentlich die Musik machen und von Modelllauf zu Modelllauf etwas anders
    simuliert werden. Oder mit anderen Worten, gerade beim Thema „Niederschlag“
    (räumliche Verteilung, Timing, Intensität, Schneefallgrenze) weist die Prognose
    Unschärfen auf, so dass wir vor Überraschungen nicht gefeit sind. Gleiches gilt
    übrigens für den Wind, wo im Laufe der nächsten Woche durchaus Potenzial für
    eine „knackige Entwicklung“ vorhanden ist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Was die großräumige Entwicklung angeht, sind die für gewöhnlich an dieser Stelle
begutachteten Globalmodelle weitgehend einer Meinung (erst LW-Trog, dann
zyklonale West-Nordwestlage). Allerdings gilt auch hier wie schon bei der
Konsistenzbetrachtung, dass im Detail sehr wohl Unschärfen oder auch
Unterschiede zutage treten. Nun macht es in der Regel wenig Sinn, die ganze
Litanei der Differenzen an dieser Stelle herunterzubeten, weil die Sache morgen
schon wieder etwas anders aussieht. Es soll aber trotzdem nicht unerwähnt
bleiben, dass weder die o.e. Vb-artige Entwicklung am Sonntag (mit möglichen
Schneefällen bis ganz runter) noch das elliptische Tief am Mittwoch über
Norddeutschland mitgetragen werden. Muss aber nichts heißen, auf alle Fälle sind
Überraschungen auch nach Lesart der anderen Globalmodelle (auf Basis des
gesamten Strömungssetups) nicht unwahrscheinlich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bei der
850-hPa-Temperatur bis Montag, beim Potenzial in 500 hPa sogar bis Dienstag
einen enggebündelten Verlauf. Auffallend beim Blick auf die östlichen Vertreter
(Leipzig, Berlin) sind die überwiegend schwachen Niederschläge am Sonntag
(Median bei etwa 2 l/m² innert 24 h), die gegen die geschilderte Variante
sprechen. Allerdings gibt es auch ein paar wenige Ensembles, die noch mehr
Niederschlag simulieren als der progressiv auftretende Hauptlauf. Wie auch
immer, im weiteren Verlauf nimmt die Streuung allgemein zu, wobei der Trend bei
T850 bis Mittwoch eindeutig nach oben zeigt. Danach gleitet die Temperatur ins
Indifferente, wobei die Einzelläufe z.T. stark volatile Ausschläge aufweisen.
Gleichbleibend hingegen ist die hohe Signaldichte bei den Niederschlägen.

Bei den Clustern wird in allen Zeitfenstern durchweg das Strömungsregime
„Atlantic ridge“ bedient. Gestartet wird am Sonntag/Montag (T+72…96h) mit drei
Clustern, die hinsichtlich der Trogkonfiguration aber sehr ähnlich sind. Von
Dienstag bis Donnerstag (T+120…168h) erhöht sich die Anzahl auf vier (17 Fälle,
15 +HL/KL, 10, 9), die alle auf W-NW umswitchen. CL 1 und 3 deuten zum Ende hin
eine neuerliche Austrogung über Mitteleuropa an, während CL 2 und 4 auf eine
zonalere Variante setzen. Ab Freitag (T+192…240h) sind es dann nur noch drei
Schubladen, die geöffnet werden. CL 1 (23 Fälle) setzt auf W/NWz (West/Nordwest
zyklonal), während CL 2 (19 Fälle + HL/KL) TrM (Trog Mitteleuropa) favorisiert.
CL 3 (9 Fälle) sieht eine Mischform mit einem abtropfenden Trog vor. So oder so,
auch die erweiterte Mittelfrist scheint stark zyklonal geprägt zu sein.

FAZIT: Der von IFS vorgeschlagene Generalkurs wird sowohl deterministisch als
auch probabilistisch unterstützt. Die bereits erwähnten Detailunterschiede
können damit aber nicht getilgt werden.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im gesamten Mittelfristzeitraum kommt es immer wieder zu Niederschlägen, die im
Bergland zu einer mehr oder weniger großen Schneeakkumulation führen. Wo genau
wie viel fällt, ist noch genau so unsicher wie die Frage, wie viel im Zuge der
in der nächsten Woche erwarteten (vorübergehenden??) Milderung davon wieder
wegtaut (und das vielleicht sogar zu einem Problem durch regionales Hochwasser
führt).
Zweiter Punkt ist der Wind, der in der nächsten Woche immer mal wieder merklich
anzieht und zumindest im Küstenbereich und auf den Bergen zeitweise Sturmstärke
erreicht. Das Potenzial, dass auch abseits dieser exponierten Regionen in Sachen
Sturm was geht, ist auf alle Fälle vorhanden. Lassen wir uns überraschen…

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann