#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 02.08.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 02.08.2021 um 10.30 UTC

Anhaltende unbeständige, teils windige und überwiegend nur mäßig warme
Witterungsperiode.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 09.08.2021

Ein ausgeprägter und sich wiederholt regenerierender Langwellentrog dominiert
das mittelfristige Wettergeschehen in weiten Teilen Europas. Entsprechend sind
vor allem die Wetterlage Trog Mitteleuropa und Trog Westeuropa besonders im
Fokus. Nur vereinzelt lässt die großskalige Analyse auch andere Interpretationen
zu, die aber insgesamt ebenfalls eine zyklonale Ausprägung aufweisen.

Am Donnerstag zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums liegt Deutschland im
Einflussbereich eines Kurzwellentroges, dessen Achse ausgehend von einem
Höhentief bei Irland von der südlichen Nordsee über Deutschland und Österreich
hinweg bis in die Adria reicht. Bodennah korreliert das Höhentief mit einem Tief
an gleicher Stelle, der Trog stützt dabei eine Tiefdruckrinne über die
Nordhälfte Deutschlands hinweg. Rückseitig des Kurzwellentroges kann man in der
Höhe zaghaft einen schwachen Rücken erkennen, der sich von Frankreich Richtung
Nordsee aufbäumt und am Boden mit einem Hochkeil von Frankreich bis in den Süden
des Landes in Verbindung steht. Während nach Südwestdeutschland im Bereich des
Hochkeils und auf der Rückseite der Trogachse die Hebungsimpulse wegbrechen, von
Absinken überlagert werden und schließlich mit einer deutlich geringeren
Niederschlagsneigung einhergehen, sorgt PVA auf der Vorderseite des Troges sowie
Hebung im Umfeld der Rinne in Nordost- und Ostdeutschland sowie Teilen Bayerns
für schauerartige, teils gewittrige Niederschläge, die mit der weiteren
Verlagerung des Troges gen Osten sowie Tagesgang basierend in der Nacht
nachlassen bzw. abklingen.

Am Freitag zieht sich die Trogachse ausgehend vom Höhentief zwischen Irland und
England über Nord- und Ostdeutschland hinweg bis nach Rumänien. Der schwache
Rücken beult sich nun von Norditalien bis in den südostdeutschen Raum auf. Über
dem Ostatlantik und Westeuropa nimmt die Strömung vorübergehend eine zonale
Ausrichtung an. Im Bodenniveau korreliert das Höhentief bei Irland/England
weiter mit einem Tief an gleicher Stelle. Der markante Kurzwellentrog stützt ein
Tief über Polen, welches sich aus der Tiefdruckrinne heraus intensivieren
konnte. Der schwache Rücken reicht zudem aus, bodennah die Rinne zu sprengen.
Kompensierendes Absinken sorgt somit vor allem von der Ostsee bis zu den Alpen
für eine vorübergehende Wetterberuhigung. Die Trogachse kann allenfalls im
äußersten Nordosten noch kräftigere Hebung generieren und entsprechend Schauer
und Gewitter auslösen. Im Nordwesten und Westen hält der unbeständige
Wettercharakter dagegen im Umfeld eines hochreichenden Kurzwellentroges
inklusive aufkommender schwacher bodennaher Okklusion an. Dort stehen also
Schauer und Gewitter wieder auf der Tagesordnung, die sich nachts vor allem in
der Nordhälfte ostwärts ausbreiten.

Zum Samstag verlagert sich ein Höhentief westlich von Irland südwärts bis an die
Iberische Halbinsel heran. Nachfolgend vergrößert sich auf der Westflanke des
breiten Langwellentroges die Amplitude des eingelagerten Kurzwellentroges
signifikant. Gleichzeitig stützt die WLA auf der Vorderseite des Troges den
schwachen Rücken, sodass sich dieser verstärkt und weiter nordwärts aufbäumen
kann. Demnach steht die Trogachse des Kurzwellentroges, die von England bis nach
Westspanien reicht, der Achse des Rückens über der Balkanregion und dem
östlichen Mitteleuropa gegenüber. Deutschland liegt dabei in einer teils
kräftigen südwestlichen, diffluenten Höhenströmung, die bodennah mit einem
kleinräumigen Tief über Südwestdeutschland korreliert. Gleichzeitig nähert sich
von Westen ausgehend vom Bodentief über der Nordsee eine Kaltfront, die langsam
von Nordwesten auf das Land übergreift. Entsprechend ist ein deutlicher
Temperaturgegensatz zu verzeichnen. Während im Nordwesten die Werte auf 850 hPa
bei 7 Grad liegen, werden an den Alpen bis 19 Grad simuliert. Da sich zudem über
Nordösterreich ein weiteres Bodentief entwickeln kann, wird im Süden von
Deutschland ab dem Nachmittag eine Gegenstromlage ausgelöst. Abgesehen vom Osten
sorgen somit PVA in Kombination mit dem frontalen Hebungsantrieb sowie
diabatischen Input für auflebende Schauer und Gewitter, die im Verlauf auch
induziert durch die Gegenstromlage vor allem im Südwesten in kräftige und
schauerartige, teils gewittrige Regenfälle übergehen.

Am Sonntag liegen West- und Mitteleuropa genau im Bereich des Langwellentroges
mit Drehzentrum über der Nordsee. In der Strömung um den Trog herum sind dabei
wiederholt mehr oder weniger stark ausgeprägte kurzwellige Anteile zu
verzeichnen, die bodennah teilweise mit kleinräumigen, aber durchaus
signifikanten Tiefs korrelieren. Eines dieser zieht am Sonntag rasch auf die
Ostsee, versorgt aber zunächst den Nordosten und Osten noch mit vertikalen
Umlagerungen und entsprechend mit kräftigen Niederschlägen. Doch auch der
Nordwesten und Westen bleiben von Schauern und einzelnen Gewittern nicht
verschont, da dort schon ein neuer kurzwelliger Anteil ausreichend Hebung
generiert. Zudem blubbert es nach IFS auch weiter an den Alpen. Erst in der
Nacht zum Montag nimmt die Niederschlagsneigung abgesehen von den Küstenregionen
und dem östlichen Alpenrand deutlich ab.

Am Montag überquert dann schon wieder ein neuer hochreichender Kurzwellentrog
das Land ostwärts, sodass die Schauer und Gewitter vielerorts wieder sprudeln.
Nach dem aktuellen IFS-Lauf stehen dabei vor allem der Norden und der Süden im
Fokus, während in einem Streifen über die Mitte hinweg kompensierendes Absinken
die Niederschlagsaktivität dämpft.

Nach Durchzug der Kaltfront am Samstag wird Deutschland zudem von kühlerer
Meeresluft geflutet. In 850 hPa sind nachfolgend meist nur noch Temperaturen
zwischen 5 und 11 Grad zu verzeichnen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Strukturen des Geopotential- und Luftdruckfeldes werden vom
aktuellen 00 UTC Lauf konsistent wiedergeben. Abweichungen ergeben sich
allerdings bei der zeitlichen Einordnung der vergangenen Läufe. Demnach rechnet
das IFS zunehmend eine raschere Verlagerung der Kurzwellentröge, wodurch die
Niederschlagsfelder im Vergleich zum gestrigen Sonntag früher auf Deutschland
übergreifen. Vor alle bodennah simulieren die neueren Läufe über dem Ostatlantik
eine zonalere Strömung, welche die Tiefs ostwärts schiebt. Der gestrige 00 UTC
Lauf ließ das Tief mit größerer Amplitude länger bei den Britischen Inseln
legen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch weitere Globalmodelle (ICON, GFS, UKMO, GEM) zeigen mittelfristig zum IFS
vergleichbare Geopotential- und Luftdruckstrukturen. Bei allen Modellen
dominiert eine Troglage weite Teile Europas. Vor allem das GFS zeigt bis
einschließlich Samstag eine gute Konsistenz zum deterministischen IFS. Erst ab
Sonntag weist das GFS eine zonalere Strömung auf, während das IFS einen
Kurzwellentrog/einen kurzwelligen Anteil über Mitteleuropa zeigt. Das ICON
beschreibt bis einschließlich Freitag zum IFS ähnliche Verhältnisse. Ab Samstag
tendiert das ICON zu einer stärkeren Amplifizierung der Trog-Rücken-Muster, was
schließlich zu einer langsameren Verlagerung dieser führt. Zudem liegt
Deutschland länger auf der Vorderseite des Troges in einer südwestlichen
Grundströmung, sodass entgegen der Ergebnissen von GFS und IFS die Südosthälfte
im Zustrom warmer bis sehr warmer Luft subtropischen Ursprungs bleibt. Das GEM
und das UKMO beschreiben bis einschließlich Sonntag Lösungen zwischen GFS und
IFS. Ab Montag nähert sich das GEM aber zunehmend dem deterministische ICON an.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte, über Deutschland verteilt, zeigen über
nahezu den gesamten kurz- und mittelfristigen Zeitraum sowohl für die Temperatur
in 850 hPa als auch für das Geopotential in 500 hPa einen konstanten Spread, der
im Süden etwas geringer als im Norden ausfällt. Haupt- und Kontrolllauf liegen
dabei recht mittig im Bereich der größten Auftrittswahrscheinlichkeit. Größere
Abweichungen werden lediglich am Wochenende gezeigt, wo es einige Ausreißer zu
wärmeren Temperaturen gibt. Auch beim Niederschlag zeigt sich das ENS
konsistent. Nahezu alle Lösungen sehen eine niederschlagsreiche Witterungsphase,
wobei im Westen tendenziell mehr Niederschlag als im Osten zu erwarten ist. Die
Meteogramme stützen die Rauchfahnen mit vergleichsweise konstanter
Box-Plot-Größe.

Bei der Analyse der Großwetterlage wird das ENS im Zeitraum von +72 bis +96h
insgesamt in vier Grundmuster eingeordnet. Alle Cluster sind dabei im Schema
einer positiven NAO anzusiedeln, was auf zonalen Strömungsbedingungen über dem
Atlantik zurückzuführen ist. Cluster 1 und 2 unterscheiden sich bei der
räumlichen Einordnung der Strukturen kaum. Bei Cluster 2 mit Haupt- und
Kontrolllauf wird der Langwellentrog sowie die eingelagerten Kurzwellentröge
etwas intensiver berechnet. Auch die weiteren Cluster 3 und 4 zeigen keine
signifikanten Unterschiede. Allenfalls über Osteuropa wird der Trog weniger
konturiert dargestellt.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden insgesamt drei Cluster benötigt, um die
Unsicherheiten im ENS ausreichend zu beschreiben. Bis auf eine kleine Ausnahme
bei Cluster 1 zum Ende des Zeitraums können alle Zeitabschnitte dem Schema einer
negativen NAO zugeordnet werden. Allerdings sind die zonalen Verhältnisse
überwiegend auf dem Atlantik zu finden, während über Europa selber der
Langwellentrog dominiert. Genau bei diesem unterscheiden sich die Cluster jedoch
am stärksten. Sowohl die Intensität als auch die Lage der Trogachse wird
verschieden abgebildet. Cluster 1 zeigt dabei den schwächsten Trog, die
geringste Amplitude und somit die schnellste Verlagerung nach Osten. Cluster 2
ist am stärksten aufgestellt. Der Trog reicht weit nach Süden. Cluster 3
beschreibt einen Mittelweg zwischen Cluster 1 und 2. Der Haupt- und der
Kontrolllauf befinden sich mit 17 Member in Cluster 2. Cluster 1 verfügt über 21
Mitglieder.

In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h beschreiben insgesamt sechs
Cluster die Unterschiede im ENS-Raum. Dabei zeigen nahezu alle Lösungen ein
Blocking. Für das Wetter in Deutschland ist dabei von entscheidender Bedeutung,
wie weit die Frontalzone nach Süden vorankommt und wo genau sich Trog und Rücken
meridional und zonal amplifizieren. Haupt- und Kontrolllauf zeigen bei zonalen
Verhältnissen mit Cluster 4 eher unbeständige und kühle Aussichten. Bei Cluster
1 ist zwar auch eine zonale Strömung Trumpf, allerdings ist diese weiter nach
Norden geschoben, sodass nach Süden zu kräftigerer Hochdruckeinfluss einziehen
könnte. Die Temperaturen würden aber nur wenig anziehen. Cluster 3 steht auf
Wechsel. Demnach würden Trog-Rücken-Strukturen durchziehen. Im Norden ist es
dabei unbeständiger als im Süden. Das Cluster 2 weicht am stärksten von den
anderen Lösungen ab und zeigt eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa hinweg,
wobei der Schwerpunkt weiter westlich von Deutschland liegt. Zusammenfassend
gibt es in der erweiterten Mittelfrist Potential für Wetterberuhigung und
größeren Sonnenanteilen, allerdings wohl weiter auf verhältnismäßig kühlem
Sommerniveau.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der Donnerstag und Freitag sind regional von konvektiven Ereignissen geprägt.
Demnach treten am Donnerstag vor allem im Nordosten und Osten, am Freitag
bevorzugt im Norden und Westen Schauer und Gewitter auf.

Bei PPW zwischen 25 und 32 mm besteht am Donnerstag Starkregenpotential,
heftiger Starkregen zwischen 25 und 40 l/m² kann zudem nicht ausgeschlossen
werden. Bei CAPE-Werten bis 1000 J/kg ist auch kleinkörniger Hagel bis 2 cm im
Bereich des Möglichen. Eine recht hohe Richtungsscherung spricht zudem für
teilweise organisierte Ereignisse, die dann auch mit Sturmböen einhergehen
können.

Auch am Freitag sind analog zum Vortag bei vergleichbaren PPW-Werten sowie
regional erneut Cape-Werten bis 1250 J/kg Starkregen- und Hagelpotential (bis 2
cm).
,
Von Samstag bis Sonntag im Süden sowie Teilen Sachsen länger anhaltender,
schauerartig verstärkter Regen, in dem einzelne Gewitter eingebettet sind. Vor
allem südlich der Donau gibt es vom EZ-EPS im 24-stündigen Zeitraum
Wahrscheinlichkeiten zwischen 10 und 40% für mehr als 30 l/m²und um 2% für mehr
als 50 l/m². Ansonsten vor allem im Norden und Westen sowie am Samstag im
äußersten Südosten teils kräftige Gewitter, lokal mit Starkregenpotential.

Am Montag in der Nordhälfte erneut einzelne Gewitter mit Sturmböen, Starkregen
nicht ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, det. IFS TT auch MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Sonntag, den 01.08.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 01.08.2021 um 10.30 UTC

Wechselhaft mit meist nur kurzen sonnigen Abschnitten und örtlichen Schauern
oder Gewittern. Zunächst nur mäßig warm, am Wochenende vor allem im Osten und
Süden wärmer.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 08.08.2021

Deutschland liegt am Mittwoch in einer flauen westsüdwestlichen Höhenströmung
auf der Vorderseite eines von Frankreich nach Benelux ziehenden Troges. Das
zugehörige schwache Bodentief erreicht erst abends den Raum Paris. Das
zugehörige konvektiv durchsetzte Regengebiet erreicht im Tagesverlauf den
Westen, Süden und die Mitte Deutschlands.

Am Donnerstag zieht der Höhentrog unter Abschwächung und Verkürzung der
Wellenlänge über Deutschland ostwärts und ein weiterer flacher Kurzwellentrog
folgt nach. Am Boden bildet sich eine Tiefdruckrinne mit Zentrum am Nordrand der
Mittelgebirge. Damit bleibt es insgesamt wechselhaft und nur mäßig warm, nach
Südosten hin auch warm.

Am Freitag tropft der Höhentrog ins Grenzgebiet Polen/Ukraine ab, wobei eine
Frontalwelle an der Ostseite des Cut-Off-Tiefs über der Westukraine nach Norden
geführt wird. Zwischen dem Tief im Osten und dem atlantischen Höhentief baut
sich über Deutschland ein Höhenkeil auf und die Luft kann sich insgesamt leicht
erwärmen auf Temperaturen in 850 hPa zwischen 12 Grad am Alpenrand und 8 Grad an
der Nordsee (18 UTC).

Am Samstag rückt das atlantische Zentraltief etwas näher und erreicht das
Seegebiet vor Südwestirland. Gleichzeitig verstärkt sich der Keil bei uns und
verlagert sich zum östlichen Deutschland. Am Boden kommen wir auf der Ostseite
des Zentraltiefs bei Irland in eine Süd- bis Südostströmung, mit der in den
Süden und Osten sehr warme Luft strömt.

Am Sonntag zieht das Zentraltief zum nördlichen Großbritannien und auf seiner
Vorderseite überquert seine Kaltfront den Westen und Nordwesten Deutschlands.
Östlich davon kommt in den Osten und Südosten Deutschlands sehr warme bis heiße
Luft mit 850-hPa-Temepraturen über 15 Grad.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Lauf vom IFS beginnt am Freitag leicht zu differieren gegenüber den
Läufen von gestern. So greift ein neuer atlantischer Höhentrog im alten Lauf nur
langsam auf Deutschland über und sorgt im Tagesverlauf lediglich in der
Westhälfte für nennenswerten Regen. Im neuen Lauf ist dieser schwächer, aber
etwas schneller unterwegs, so dass Schauer stärker den Osten betreffen.
Am Samstag bleibt das nächste hochreichende Tief im neuen Lauf fast 1000 km
weiter im Westen südwestlich von Irland liegen, während in den alten Läufen das
Tief Großbritannien und die westliche Nordsee erreichen. Entsprechend treten im
neuen Lauf am Samstag nur einzelne Schauer oder Gewitter auf und es ist sehr
warm. In den alten Modellruns gibt es deutlich mehr Regen bei niedrigeren
Temperaturen.
Auch am Sonntag gibt es den Temperaturunterschied. Die Kaltfront des nur langsam
ostwärts ziehenden Tiefs überquert im aktuellen Lauf bis zum Abend lediglich den
Westen und Nordwesten. Vorderseitig ist es im Osten und Südosten abermals sehr
warm bis heiß, während in den gestrigen Läufen die Kaltfront schon durch ist, so
dass nur mäßig warme Luft wirksam ist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Insgesamt wird auch von den anderen Modellen einschließlich ICON eine
wechselhafte Witterungsphase berechnet. Allerdings wird der Warmluftvorstoß vom
Wochenende, wie er bei IFS simuliert wird, bei den anderen Modellen nicht in
diesem Maße mit getragen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS zeigt heute 5 Cluster, die sich im Timing des Troges
am Wochenende unterscheiden. Die langsamste Progression hat der 2. Cluster mit
insgesamt 13 Modellruns, in den auch der operationelle Lauf und der Kontrolllauf
fallen. Auch der 3. Cluster mit 9 Modellsimulationen ist nur geringfügig
schneller. Im 1., 4. Und 5. Cluster mit insgesamt 29 Modellruns greift der Trog
bereits am Samstag zumindest auf den Westen Deutschlands über und bestimmt am
Sonntag des Wetter in ganz Deutschland.

Die Rauchfahne von Offenbach zeigt zunächst recht einheitliche Temperaturen um 8
oder 9 Grad in 850 hPa. Ab Samstag steigt in gut 50 Prozent der Modellruns die
Temperatur über die 12 Grad-Marke, um dann in der neuen Woche wieder auf das
alte Niveau zurück zu fallen.
Die EPS-Meteogramme vom IFS zeigen leicht unterkühlte Tagestemperaturen, die
meist um rund 3 Grad unter den Normwerten liegen. Ausgenommen hiervon ist nur
der Küstenbereich. Am Wochenende steigen die Temperaturen vorübergehend etwas
an, im Süden und Osten im Mittel sogar auf sommerliche Werte über dem
Klimamittel. Die Regenwahrscheinlichkeit ist durchgehend leicht erhöht, wobei
die Tagessummen meist unter 4 mm liegen. Ein Regenminimum ist am Samstag
erkennbar und im Osten auch noch am Sonntag. Ausgenommen hiervon ist nur das
Küstengebiet, in dem ab Donnerstag die Wahrscheinlichkeit für stärkere
Regenfälle zunimmt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

In der neuen Woche dauert das leicht wechselhafte Wetter mit örtlichen
konvektiven Regenfällen an. Dabei können vereinzelt Starkregenfälle über 15 mm
in kurzer Zeit auftreten. Selbst Unwetterregenmengen über 25 mm in kurzer Zeit
können nicht ausgeschlossen werden. Am Samstag nimmt vorübergehend die
Regenwahrscheinlichkeit ab, steigt im Westen am Sonntag aber bereits wieder an.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Samstag, den 31.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 31.07.2021 um 10.30 UTC

Weiterhin unbeständig mit örtlichen Schauern und Gewittern, nur mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 07.08.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums liegen wir weiterhin im
Bereich eines umfangreichen Höhentrogs. Von Westeuropa nähert sich ein weiterer
Randtrog, der sich zwar abschwächt, aber dessen Achse am Tagesende den Westen
erreicht. Am Boden liegen wir in einer sehr gradientschwachen Zone zwischen dem
Keil des Azorenhochs im Westen und einer flachen Hochdruckzone über dem Balkan.
Hebungsantrieb auf der diffluenten Vorderseite des Randtroges sorgt vor allem im
Mittelgebirgsraum zur Bildung von Gewittern, die, da sie sich nur langsam
verlagern, lokal auch für unwetterartigen Starkregen sorgen können. Längere
freundliche Abschnitte sind vor allem Südosten zu erwarten. Dabei ist es meist
nur mäßig warm, sommerliche Werte von 25 Grad und mehr sind allenfalls im
Südosten drin.

Am Mittwoch passiert uns erst ein Höhenrücken, der kurzzeitig für etwas
Wetterberuhigung sorgt ehe wir am Nachmittag wieder auf die Vorderseite des
nachfolgenden Randtrogs gelangen. Daher muss im süddeutschen Raum wieder mit
Gewittern gerechnet werden. Dagegen bleibt es im Norden meist trocken und die
Sonne am längsten zu sehen.

Von Donnerstag bis Samstag wiederholt sich das oben beschrieben Prozedere mit
geringfügigen Änderungen. Erst in der erweiterten Mittelfrist ab Sonntag
erreicht uns ein kräftiger langwelliger Trog um ein Höhentief über der Nordsee.
Das Höhentief schwächt sich zwar weiteren Verlauf ab, ist aber auch am Montag
noch über Norddeutschland zu finden. Somit bleibt es bei uns bei der
wechselhaften Witterung, bei der es Tagesverlauf immer wieder zu Schauern oder
Gewittern kommen kann.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Freitag befinden sich die letzten 3 IFS Läufe in guter Übereinstimmung. Dann
simuliert der aktuelle Lauf ein Cut-Off über dem östlichen Mitteleuropa, dass
sich immerhin bis zum Samstag bei weiterer Ostverlagerung verfolgen lässt.
Korrespondieren dazu wird auch ein Bodentief über der Ukraine verstärkt, das im
Vorlauf nicht zu erkennen ist. Letztendlich hat das aber keine große Auswirkung
auf unser Wetter. Bei uns dominiert die Abfolge von Randtiefs und flachen
Keilen. Die Entwicklung mit dem Trog am Sonntag und Montag wird ähnlicher Form
auch vom gestrigen 00UTC-Lauf simuliert. Beim gestrige 12UTC-Lauf dagegen bleibt
der Trog im Westen liegen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON und IFS stimmen prinzipiell recht gut überein, dagegen entwickelt sich beim
GFS am Donnerstag ein Bodentief über dem Atlantik deutlich stärker und erreicht
am Freitag den Kontinent. Sein Windfeld auf der Südseite deutet auf recht
kräftigen Südwest- bis Westwind hin. Bei IFS und ICON verläuft diese Entwicklung
deutlich abgeschwächter und vor allem das Windfeld wäre weiter im Westen. Den
vom IFS prognostizierten Trog am Wochenende hat GFS nicht auf der Karte. Im
Gegenteil, nach GFS lägen wir am Sonntag direkt unter einem kräftigen Rücken
unter Hochdruckeinfluss.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen an einem Punkt aus der Mitte von Deutschland zeigt im Verlauf
der Woche kaum Temperaturänderung, im Norden dagegen einen leichten
Temperaturanstieg. Charakteristisch für die konvektive Lage ist der Tagesgang
der Niederschlagssignale. Auffällig ist auch die deutliche Spreizung der
Rauchfahne für das Geopotential am nächsten Wochenende.
Die Clusteranalysen zeigen eine schwach wellende westliche Höhenströmung, ein
Hinweis auf die rasche Abfolge von Randtrögen und flachen Keilen. Erst am
Samstag zeigen alle 4 Cluster die Ausbildung eines langwelligeren Trogs über dem
östlichen Atlantik. Der aktuelle Lauf des IFS wird dem 4 Cluster zugeordnet.
Dies ist der Cluster mit der stärksten Amplifizierung des Trogs, wird aber nur
von 8 Membern gezeigt. Damit ist auch die Prognose des deterministischen Laufs
für das Wochenende und die darauf folgende Woche mit Vorsicht zu genießen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI liefert in der kommenden Woche keine Hinweise auf stärkeren Niederschlag
oder Wind. Am Dienstag gibt EFI für den Norden ein Signal für einen im Vergleich
zur Modellklimatologie zu kühle Witterung.

Gewitter
Die ganze Woche über gibt es Signale für ein höheres Gewitterpotential. Da diese
aufgrund der geringen Dynamik nur langsam ziehen, ist durchaus immer mit der
Gefahr von Starkregen mit unwetterartigen Mengen zu rechnen. Eine größere
Unwetterlage ist allerdings aufgrund fehlender Signale bei EFI Cape Shear und
beim Niederschlag zurzeit nicht absehbar.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMix, IFS, IFS-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. **

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Freitag, den 30.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 30.07.2021 um 10.30 UTC

Fortdauer des unbeständigen, aber nicht unfreundlichen Wetters mit örtlichen
Schauern und Gewittern.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 06.08.2021

Zur neuen Woche erstreckt sich nach wie vor ein komplexer Trog von Skandinavien
über West- und Mitteleuropa. Während die östliche Trogachse, die am anstehenden
Wochenende vor allem über Süddeutschland teils ergiebige Regenfälle produziert,
sich langsam Richtung Tschechien und Polen verabschiedet, stößt von den
Britischen Inseln bis zur Iberischen Halbinsel ein Sekundärtrog westwärts vor,
der den Langwellentrog regeneriert. Bodennah liegen wir zwischen einem Tief über
Südschweden mit Kerndruck nahe 1000 hPa und einem schwachen Hoch mit etwas über
1015 hPa über Frankreich in einer schwachen westlichen bis nordwestlichen
Strömung. In dieser gelangt von der Nordsee vergleichsweise kühle Meeresluft mit
T850 teils unter 5 Grad in den Norden und Nordwesten Deutschlands, erreicht aber
kaum und wenn dann nur stark modifiziert die Südhälfte Deutschlands, wo noch
immer eine feucht-labile und mäßig warme Luftmasse mit T850 nahe 10 Grad lagert.

Während die Konvektion über der Norddeutschen Tiefebene bei rund 600 hPa (-10
Grad) gedeckelt ist und folglich nur wenig ML Cape mit nur schwachen Schauern
generiert wird, sind vom Niederrhein über die Mosel bis zur Donau günstigere
Bedingungen gegeben. Dort können die Wolkenoberkanten bis knapp an die
Tropopause hinaufreichen bei CAPE Flächen bis 500 J/kg und PPW’s um 25 mm.
Scherung gibt es allerdings kaum, so dass mit stark pulsierenden Einzel- und
Multizellen zu rechnen ist, die vorrangig mit der Gefahr von Starkregen und
kleinkörnigem Hagel respektive Hagelansammlungen einhergehen können. Lokal eng
begrenzte Unwetter aufgrund heftigen Starkregens über 25 l/qm binnen einer
Stunde können nicht ausgeschlossen werden. Prädestiniert dafür wären vor allem
die westlichen Mittelgebirge, wo es zuerst auslösen sollte und die Verlagerung
nur sehr schleppend vorangeht. Unmittelbar am Alpenrand bleibt es weitgehend
niederschlagsfrei, da die Luftmasse unter Absinken infolge eines flachen
Höhenrückens etwas abtrocknet.
Gradientbedingt kommt es an der Ostsee noch zeitweise zu Windböen (Bft 7). Die
Höchstwerte liegen in Küstennähe sowie im höheren Bergland nur bei 17 bis 20
Grad, sonst bei bis zu 24 Grad.

Am Dienstag schwenkt der östliche Randtrog über das Baltikum nordostwärts,
wodurch der Gradient auch am Boden in Ostseenähe komplett aufweicht und generell
nur noch schwache Luftdruckgegensätze über Deutschland zu verzeichnen sind.
Unterdessen erreicht der Sekundärtrog unter Verkürzung seiner Amplitude im
Tagesverlauf Ostfrankreich, so dass die Südwesthälfte Deutschlands zum
konvektiven Höhepunkt am Nachmittag und Abend auf dessen Vorderseite gelangt.
Entsprechend verbreitet sollten demnach Schauer und Gewitter ausgelöst werden,
die ein hohes Starkregenpotential bis in den Unwetterbereich hinein aufweisen.
Nördlich der Aller und Havel bleibt es voraussichtlich meist trocken, die
Bewölkung kann unterhalb einer flachen Absinkinversion jedoch teils zäh sein. Am
Temperaturniveau ändert sich kaum etwas, heißt auch, dass in den Nächten bei 15
bis 8 Grad weiterhin schlaftauglichst gelüftet werden kann.

Am Mittwoch sorgt die stattliche „Autobahn“ über dem Atlantik (sehr zonale
Strömung mit Jetstreak über 100 Knoten) für Nachschub und der nächste Randtrog
erreicht die Britischen Inseln. Dadurch wird entgegen des gestrigen Laufes der
KWT vom Vortag durch seichte WLA auf dem Weg nach Nordosten wohl relativ rasch
zugeschüttet und nach kurzer Wetterberuhigung gelangen wir auf die nächste
Trogvorderseite. Das genaue Timing dieses neuerlichen Vorstoßes wird darüber
entscheiden, wo und wie stark neuerliche Schauer und Gewitter ausfallen.
Regionen, die über 24 Stunden komplett trocken bleiben, bilden aber wohl eher
die Ausnahme.

Bis Freitag wiederholen sich kurz zusammengefasst die Prozesse vom Mo-Mi
nochmals. Die wechselhafte und zu schauerartigen Niederschlägen neigende, vor
allem am Nachmittag und Abend auch mit Gewittern garnierte, Witterung findet
damit ihre nahtlose Fortsetzung.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im ersten Moment denkt man: Hoppla! Das sieht ja für den Mittwoch komplett
anders aus. Kein Wunder jedoch bei dieser komplexen Trogkonfiguration mit
zahlreichen, durchschwenkende kurzwelligen Anteilen auch kein Wunder. War die
Amplitude der Wellen im gestrigen 0z Lauf noch deutlich größer und die
südwestliche Strömung dank stärkerer Schnittflächen Isothermen/Isohypsen und
demnach größerer Advektionsterme stark mäandrierend, so kommen diese nun
vergleichsweise flach einher. Eine eigenständige Tiefentwicklung wie gestern
noch über Polen am Mittwoch simuliert, wird daher unwahrscheinlicher. Aufgrund
der starken Baroklinität fällt eine Einordnung des realistischsten Szenarios
aber schwer, da sich mit den Folgeläufen bei kleinen Detailänderungen erneut
größere Auswirkungen auf Intensität und Ausbreitung der konvektiv geprägten
Niederschläge ergeben kann.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die synoptischen Basisfelder sehen in grober Näherung vergleichbar aus.
Einheitlich wird beispielsweise die Ankunft am Mittwoch des neuen Randtroges von
Westen gesehen. Form, Ausprägung und Timing sind mitunter mit größeren
Unterschieden versehen, was unmittelbar veränderte Niederschlagsschwerpunkte zur
Folge hat. Dadurch ist eine detaillierte Aussage über den Regionen-bezogenen
Wetterablauf in der kommenden Woche schwierig bis unmöglich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Fangen wir mit dem Leichten an: Die Temperaturplumes sind ausreichend gut
gebündelt und schwanken meist zwischen 5 und 10 Grad, im Nordwesten anfangs auch
etwas darunter. In der zweiten Wochenhälfte ist ein leichter Aufwärtstrend im
Norden zu beobachten, womit sich das Temperaturniveau deutschlandweit angleicht.
Sommertage mit Höchstwerten um 25 Grad rücken damit auch in Norddeutschland bis
zum nächsten Wochenende zumindest wieder in Reichweite.

Die Niederschlagssignale sprechen nicht gerade für Unwetter (was angesichts der
räumlichen Auflösung des IFS und der nur lokalen Gewittertätigkeit nicht
überrascht), sind aber dennoch stetig jeden Tag bei rund 5 l/qm angesiedelt mit
Schwerpunkt in der zweiten Tageshälfte.

Die Spreizung des Geopotentials nimmt ab Donnerstag/Freitag deutlich zu, was gut
die divergierenden Lösungen auch der letzten Hauptläufe wiedergibt. Ob sich
zwischenzeitlich mal ein flacher Rücken aufwölben kann oder direkt der nächste
Randtrog in den vorgebetteten Haupttrog über Mitteleuropa vorstößt, dafür sieht
auch das EPS kein präferiertes Szenario.

Spätestens beim Blick in die Cluster wird jedoch schnell klar, dass es sich
selbst im Falle eines antizyklonalen Ansatzes nur im ein Intermezzo handelt. Im
Mittel sollte es sich großwetterlagentechnisch in der Mittelfrist weiterhin eher
im Bereich zwischen West zyklonale (Wz), Trog Mitteleuropa (TrM) und Tief
Britische Inseln (TB) abspielen.

Allerdings: In der erweiterten Mittelfrist beim Übergang zur Folgewoche (Sa-Mo,
07.-09. August) deutet sich schon ein stärkeres Mäandrieren der Frontalzone über
dem Atlantik an, mit der Folge, dass die südwestliche Höhenströmung mit
Amplifizierung eines Troges über dem nahen Ostatlantik stärker über Deutschland
aufsteilt. Das könnte zumindest in der Südosthälfte Deutschlands in einen
trockenen und zunehmend heißen Witterungsabschnitt münden.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Das Gewitterpotential wurde bereits ausführlich oben im Text beschrieben. Der
Fokus liegt aufgrund der langsamen Verlagerungsgeschwindigkeit und meist
fehlenden Scherung vor allem auf dem Starkregen, der punktuell bis in den
Unwetterbereich gehen kann. Eine großräumige Unwetterlage kündigt sich aus
heutiger Sicht im Mittelfristzeitraum aber nicht an, weshalb man auch beim EFI
CAPE Shear und Precipitation Signale vergeblich sucht. Gleiches gilt für
Wahrscheinlichkeiten bezüglich markanter Regensummen größer 30 l/qm binnen 24
Stunden in der Probabilistik.

HITZE:
Zwar nur ein Randaspekt, aber dennoch sehr bemerkenswert: Extreme Hitzewelle
über dem östlichen Mittelmeerraum mit Höchstwerten um die 45 Grad, die bis
mindestens Ende nächster Woche anhält. Einhergehend extreme Wärmebelastung und
Fortdauer/Verschärfung der Waldbrände. Massive Signale im EFI mit Werten nahe 1
und auch SOT teils größer 1.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen

#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Donnerstag, den 29.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 29.07.2021 um 10.30 UTC

Am Sonntag vom Bodensee bis zum Bayerischen Wald Dauerregen, teilweise
unwetterartig, im weiteren Verlauf meist wechselhaft mit Schauern und Gewittern.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.08.2021

Am Sonntag, dem Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums, erstreckt sich
ein langwelliger Trog ausgehend von einem Höhentief vor Nordnorwegen, über ein
Drehzentrum vor der Küste von Südnorwegen und weiter über Westeuropa bis zu der
Iberischen Halbinsel. Damit liegt Deutschland in einer südwestlichen Strömung.
Im Tagesverlauf schwenkt der südliche Teil des Troges über die Alpen hinweg und
verliert an Kontur. Das nördliche Drehzentrum dagegen wandert ostwärts und
befindet sich am Abend über dem Oslofjord. Damit korrespondiert auch ein
Bodentief, dessen Bodentrog, ohne erkennbare frontale Struktur im Tagesverlauf
den Norden überquert. Über dem Alpenraum hat sich ein flaches Tief ausgebildet
in dem die Reste der Front eines Tiefs über Finnland befinden. Dies sorgt vor
allem über dem südöstlichen Bayern für kräftige, teilweise auch konvektiv
verstärkte Regenfälle, die dann später mehr und mehr verclustern und für
Dauerregen sorgen. Dabei können auch die Warnschwellen für Unwetter im Bereich
zwischen Bodensee und Bayerischen Wald überschritten werden.

Am Montag wird der langwellige Trog von einem Randtrog, der im Tagesverlauf von
Norden her die Britischen Inseln erreicht, regeneriert. Die Haupttrogachse
überquert bis zum Abend Deutschland ostwärts. Zwischen dem Haupttrog und dem
nachfolgenden Randtrog zonalisiert die Höhenströmung und vorderseitig des
Randtroges verstärkt sich ein flaches Bodentief über Frankreich. Die Regen im
Süden lässt im Tagesverlauf nach. Vor allem über der Mitte gibt es Schauer und
Gewitter, wobei lokal auftretender unwetterartigen Starkregen nicht
auszuschließen ist.

Am Dienstag erreicht der Randtrog unseren Vorhersageraum und das Bodentief
verlagert sich von Frankreich in die Mitte Deutschlands. Erneut sorgt ein
Randtrog, der am Abend von Norden her die Biskaya erreicht, für die
Regenerierung des westeuropäischen Langwellentrogs. Vorderseitig bildet sich ein
flacher Rücken. Im Bereich des Tiefs werden vor allem über der Mitte und dem
Nordosten kräftige Regenmenge simuliert, die örtlich, aufgrund der konvektiven
Struktur, auch unwetterartig ausfallen können.

Am Mittwoch überquert der flache Rücken Deutschland ostwärts und am Boden setzt
sich vorübergehend leichter Hochdruckeinfluss durch. Weiterhin wiederholt sich
das Spiel, nämlich ein Höhentief, das sich im Tagesverlauf den Britischen Inseln
nähert, regeneriert erneut den westeuropäischen Trog. Vor allem in der Mitte und
im Süden kann es zu Gewittern kommen, die lokal auch unwetterartige Regenmengen
mit sich bringen. Im Osten können die Tageshöchstwerte auch mal wieder über 25
Grad steigen.

Am Donnerstag erreicht ein Höhentief die Britischen Inseln und korrespondierend
dazu etabliert sich dort auch ein Bodentief. Somit kommen wir wieder in eine
südwestliche Höhenströmung, in der im Tagesverlauf ein Randtrog über
Süddeutschland hinweg nach Nordosten abläuft. Der Randtrog sorgt vor allem in
der Mitte für Schauer und Gewitter, wobei die Wahrscheinlichkeit für
unwetterartige Entwicklungen geringer als am Mittwoch erscheint.

In der erweiterten Mittelfrist nähert der Randtrog mit dem eingelagerten
Höhentief und überquert Deutschland am Samstag ostwärts. Somit bleibt es
weiterhin unbeständig und im Vergleich zu den Vorjahren eher kühl.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen Laufs des IFS im Vergleich zu den Vorläufen kann
als recht gut bezeichnet werden. Eine genauere Analyse der Unterschiede
erscheint wenig zielführend, da es an der Grundaussage ‚unbeständig‘ nichts
ändert.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die globalen Modelle zeigen eine recht gute Übereinstimmung mit dem IFS.
Lediglich am Ende des mittelfristigen Zeitraums gibt es Unterschiede zwischen
IFS und ICON einerseits und GFS andererseits hinsichtlich der Entwicklung eines
hochreichen Tiefs bei den Britischen Inseln am Donnerstag. Dadurch erfolgt die
Passage des Höhentiefs über Norddeutschland am nächsten Wochenende deutlich
zeitverzögert.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse liefert von Sonntag bis Montag 3 Cluster, die alle der
klimatologischen Bedingung Atlantischer Rücken zugeordnet sind. Für Dienstag bis
Donnerstag werden 4 Cluster berechnet, wobei sich hier bei fast allen Clustern
der Übergang von Atlantischer Rücken zu positiver NAO vollzieht. Lediglich
Cluster 1 zeigt am Donnerstag eine negative NAO. Der aktuelle Lauf des IFS ist
Cluster 4 zugeordnet. Das überrascht, zumal alle Läufe den ausgeprägten
Atlantischen Rücken und den Trog über West- und Teile Mitteleuropas zeigen.
Allerdings deuten sowohl der 2. als auch der 4. Cluster, ähnlich der Prognose
des IFS, die Passage eines Randtroges bei uns am Donnerstag an.

Die ENS Rauchfahnen zeigen beim Niederschlag eine deutliche konvektive Signatur
mit der charakteristischen Niederschlagsspitze in der 2. Tageshälfte. Bei der
Temperatur liegt die Kurve der Temperatur im Bereich des Median der Ensembles.

Insgesamt gesehen stützen die Ensembles den deterministischen Laufs mit Signalen
für einen wechselhaften und nicht sonderlich warmen Witterungsabschnitt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI gibt am Sonntag für den süddeutschen Raum bis in den Alpenraum Signale
für ein Niederschlagsereignis und stützt damit den deterministischen Lauf.
Gleichzeitig ist es nach EFI am Sonntag im Süden eher kühl. Im weiteren Verlauf
gibt es für Montag und Dienstag Signale für eine, im Vergleich zur
Modellklimatologie, zu kühle Witterung im Norden, ansonsten gibt es keine
weiteren Signale vom EFI.

Gewitter:
Gewittersignale gibt es für die nächste Woche anfangs im Nordwesten, später dann
vor allem für die Mitte und den Süden. Dabei sind lokal unwetterartige
Entwicklung wahrscheinlich.

Regen:
Hier ist vor allem der Bereich zwischen Bodensee, dem Alpenrand und dem
Bayerischen Wald zu nennen, wo am Sonntag bis in den Montag hinein eine lokal
unwetterartige Dauerregenlage wahrscheinlich ist.

Wind:
Die Ensembles liefern keine deutlichen Signale für ein markantes Windereignis.
Allerdings kann es abgesehen von Gewitterböen auch im exponierten Küstenbereich
sowie auf den exponierten Berggipfeln zeitweise zu stürmischen Böen kommen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMix, IFS, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Rolf Ullrich