SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Freitag, den 30.10.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 30.10.2020 um 10.30 UTC

Zunächst windiges und unbeständiges Herbstwetter, ab Wochenmitte
Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 06.11.2020

Am Montag zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums liegt Deutschland auf der
Vorderseite eines Langwellentroges, der sich von Island südwestwärts über den
Ostatlantik erstreckt. Auf der Vorderseite stützt der Trog einen Rücken, dessen
Achse zu Wochenbeginn vom westlichen Mittelmeerraum über Österreich hinweg bis
nach Polen verläuft. Im Bodenniveau korreliert der Höhentrog mit einem Tief über
dem Seegebiet zwischen Island und Norwegen, von welchen sich ein Frontenzug über
die Nordsee hinweg bis nach Nordwestfrankreich zieht und im Bereich des
Ärmelkanals zum Wellen neigt. Deutschland befindet sich demnach im Warmsektor
hinter der Warmfront, die das Land nach Osten verlassen hat und über Polen und
Tschechien liegt. Dabei sind im Osten anfangs noch letzte Aufgleitniederschläge
im Umfeld der Warmfront zu verzeichnen, die aber rasch ostwärts herausgeschoben
werden. Stattdessen kommen von Nordwesten Hebungsprozesse durch die nachstoßende
Kaltfront ins Spiel, sodass schauerartige auf das Land übergreifen und nach
neusten Berechnungen des IFS in der Nacht etwa die Linie Schwarzwald Rügen
erreichen. Im Warmsektor wird mit einer südwestlichen Strömung auch ordentlich
warme Luft subtropischen Ursprungs ins Land geführt, sodass die Temperaturen in
850 hPa zwischen 9 und 14 Grad und bodennah 15 bis 23 Grad erreichen können.

Zum Dienstag verlagert sich der Langwellentrog unter Verkürzung der Wellenlänge
und einhergehender Amplifizierung mit seiner Achse, die sich über die Britischen
Inseln hinweg bis nach Nordwestspanien erstreckt, langsam ostwärsts. Im
Bodenniveau kann sich durch die kräftigeren Entwicklungen in der Höhe auch da
Tief über England etwas intensivieren, was auf dessen Westflanke eine stärkere
nordwestliche Strömung hervorruft. Nachfolgend bekommt die Kaltfront über
Westeuropa nochmals Schub nach Süden, während sie auf der Vorderseite des Tiefs
in einer diffluenten Strömung kaum Verlagerungstendenzen aufweist. Allerdings
verliert die Kaltfront im Süden Deutschlands durch bodennahe zunehmend
antizyklonale Verhältnisse vorübergehend an Wetteraktivität. Insgesamt
verstärken sich dabei die Temperaturgegensätze. Die im Nordwesten einfließende
erwärmte Polarluft steht dabei den Resten der Subtropikluft an den Alpen
gegenüber, sodass die Werte in 850 hPa zwischen -1 Grad an der Nordsee und bis
10 Grad im äußersten Süden liegen. In der Nacht zum Mittwoch nähert sich ein in
den Langwellentrog eingebetteter Kurzwellentrog von Frankreich an. Einhergehend
verlagert sich das Bodentief über die Nordsee. Dabei aktiviert dieses erneut den
über dem Süden und Teilen Ostdeutschlands liegenden wellenden Frontenzug. Zudem
generiert das Tief auch im Westen und Nordwesten des Landes wohl ausreichend
Hebung, um einzelne Schauer zu produzieren.

Zum Mittwoch verkürzt der Haupttrog bei weiterer Amplifizierung weiter seine
Wellenlänge. Die Achse verläuft von Norwegen über den Ärmelkanal und
Nordwestfrankreich hinweg bis in den Nordwesten Spaniens, wo sich sogar ein
eigenständiges Drehzentrum ausbilden soll. Der in der Nacht angesprochenen
Kurzwellentrog auf der Vorderseite des Haupttroges schwenkt derweil über die
Nordhälfte Deutschlands hinweg gen Ostsee und kennzeichnet bodennah die Grenze
zu der einfließenden, noch etwas kälteren Luft. Sowohl frontale Hebung als auch
diabatische Prozesse durch die noch warme See führen so im Norden zu
schauerartigen Niederschlägen. Ansonsten halten sich auch im Süden
Aufgleitniederschläge, die von einem Tief über Norditalien ausgehen. Während im
Südosten Deutschlands am Mittwoch in 850 hPa noch Temperaturen leicht über 0
Grad vorherrschen, werden sonst 0 bis -4 Grad erwartet. Entsprechend gehen auch
die Werte in 2 m im Vergleich zum Montag deutlich zurück und erreichen noch
Maxima zwischen 8 und 13 Grad.

Am Donnerstag kann sich das Drehzentrum über Südwesteuropa weiter kräftigen und
vom Haupttrog abkoppeln. Der Cut Off soll nachfolgend vor der Atlantikküste der
Iberischen Halbinsel wirbeln. Die Reste des Haupttroges bekommen ihrerseits
einen Verlagerungsschub und schenken über Deutschland hinweg. Die Achse liegt
dabei nach Leseart des IFS am Mittag etwa von Rügen bis zur Eifel. Gleichzeitig
nutzt ein schwacher Rücken die Sollbruchstelle des Troges über Frankreich und
England und klopft an das ausgeprägte Höhenhochsystem westlich von Irland an.
Nachfolgend wird der Trog in die Zange genommen und gezwungen, seine Wellenlänge
weiter zu verkürzen. Allenfalls in der Mitte wird das Wetter dabei noch leicht
von dem markanten Höhentrog geprägt. Entsprechend der Höhenstrukturen über
Europa sind auch die Tendenzen für die bodennahen Prozesse analog gegeben.
Ausgehend vom Höhenhoch kann sich das korrelierende Bodenhoch langsam über die
Britischen Inseln hinweg bis nach Deutschland ausdehnen und zudem das Tief über
Italien schwächen und südwärts drücken. Eine gewisse Wetteraktivität wird
demnach bevorzugt noch im Küstenumfeld im Hochrandbereich erwartet. Dort führt
die PVA kurzwelliger Anteile gekoppelt mit diabatische Einflüssen der See zu
ausreichend Hebungsimpulsen. Durch die hierzulande zunehmend hochreichenden
antizyklonalen Verhältnisse mit Absinken beginnt sich die eingeflossene alternde
kalte Luft polaren Ursprungs zu erwärmen. Bis Freitagmorgen liegen die Werte in
850 hPa landesweit wieder über 0 Grad. Bodennah sieht es auch aufgrund der für
die Jahreszeit typischen Wetterphänomene und des Sonnenstandes etwas anders aus.
Tagsüber stehen nur noch Höchstwerte um 10 Grad auf dem Programm und nachts
werden niedrige einstellige Temperaturen mit regionalem Bodenfrost zum Standard.

Am Freitag dominieren weiter das Höhenhoch über den Britischen Inseln und der
ausgeprägte Rücken über dem zentralen Mittelmeerraum das Wettergeschehen in
weiten Teilen Europas. Das Höhenhoch und der Rücken werden dabei von einer
schwachen Geopotentialrinne getrennt, in der sich über Frankreich schon am
Vortag ein Kaltlufttropfen bildete und sich unter Verstärkung in die Bretagne
verlagert. Bodennah ist von den Britischen Inseln und der Nordsee bis zum
Schwarzen Meer hohen Luftdruck Trumpf. Nennenswerte Hebung wird in Deutschland
weiter allenfalls im Hochrandbereich im Ostseeumfeld generiert. Somit sind an
den Küsten weiter kurze Schauer möglich. Sonst kann sich hierzulande ruhiges
Herbstwetter festbeißen. Bei Nebel und Hochnebel bleibt es wohl bei einstelligen
Höchstwerten, bei Sonnenschein sind bis 13 Grad drin.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen 00 UTC Laufes des IFS ist als relativ gut
anzusehen. Die großskaligen Strukturen werden über den gesamten Zeitraum
vergleichbar wiedergegeben. Im Detail gibt es allerdings Unterschiede bei der
Ausprägung und Phase der Tröge sowie korrelierenden Bodentiefs. Der aktuelle
IFS-Lauf rechnet am Dienstag den Trog über der südlichen Nordsee stärker, der
bodennah nun auch mit aktiven frontalen Prozessen einhergeht. Auch im Verlauf
tendiert der neuste IFS Lauf zu einer intensiveren Entwicklung und leicht
schnelleren ostwertigen Verlagerung des Systems. In der Nacht zum Freitag soll
demnach im Gegensatz zu den Vorläufen, ausgehend von einem nach Westen
verschobenen hochreichenden Hoch über den Britischen Inseln, im Norden eine
Kaltfront etwas Niederschlag produzieren.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die weiteren Globalmodelle führender Wetterdienste (z.B. ICON, GFS, UKMO, GEM)
beschreiben die großskaligen Strukturen vergleichbar zum IFS. Sowohl
Torgentwicklung über den Britischen Inseln als auch Abschnürungsprozess werden
modellübergreifend gezeigt. Geringe Abweichungen gibt es bei der räumlichen
Einordnung und Intensität der Systeme. Vor allem ICON simuliert zum Ende der
Mittelfrist leicht abweichende Entwicklungen des Troges über dem östlichen
Mitteleuropa. Beim GEM wird das Bodentief über England am Dienstag vermisst.
Zudem rechnet das GEM das Hoch eher zonal ausgerichtet quer über Deutschland
hinweg. GFS und IFS zeigen sehr ähnliche Verteilungen. Beim UKMO ist der tiefe
Luftdruck über Mitteleuropa zu Beginn der Mittelfrist sogar noch etwas stärker
ausgeprägt als beim IFS und GFS.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen diverser Städte in Deutschland zeigen bis einschließlich Montag
bei kleinem Spread sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential eine
hohe Vorhersagegüte. Auch im weiteren Verlauf bis einschließlich Donnerstag
nehmen die Unsicherheiten allenfalls im Süden und Osten zu, indem die
Verlagerung der Geopotential- und Luftdruckverteilung leicht verschieden
simuliert wird. Insgesamt ist aber landesweit weiter von einer recht hohen
Vorhersagegüte auszugehen. Erst ab Freitag spannt sich der ENS-Raum des IFS
signifikant auf. Die Tendenz hin zu höherem Geopotential und höheren
Temperaturen in 850 hPa tragen aber alle Member mit. Die größten Unsicherheiten
im ENS-Raum werden abgesehen von einzelnen Ausreißern weiter von abweichender
Phasengeschwindigkeit erzeugt.
Die Meteogramme stützen die Rauchfahnen sowohl mit kleinen Boxplots bis Dienstag
als auch mit größeren Boxen mit steigender Unsicherheit.

Bei der Analyse der Großwetterlage können die Geopotential- und
Luftdruckstrukturen der Member des IFS-ENS im Zeitraum von +72 bis 96h in fünf
Cluster aufgeteilt werden. Dabei werden alle Cluster in das Schema einer
positiven NAO mit zonalen Strömungsbedingungen über dem Ostatlantik und
Westeuropa eingeordnet. Die Abweichungen der Cluster beziehen sich meist auf die
Ausprägung des Rückens, der sich von Südwesteuropa nach Nordosteuropa aufbäumt
und somit auch die meridionale Komponente der Südwestströmung auf der
Trogvorderseite beeinflusst. Haupt- und Kontrolllauf sind dem Cluster 3 mit
einer Präsenz von 12 Member zugeordnet. Cluster 1 wird von 14 IFS-Läufen
gestützt und zeigt im Vergleich zum Cluster 3 das Höhentief über dem
Nordostatlantik etwas weniger intensiv.

Im Zeitraum von +120 bis 168h werden weiter fünf Cluster benötigt, um die
Unsicherheiten im ENS-Raum ausreichend zu beschreiben. Dabei wechseln die ersten
drei Cluster schon zu Beginn in das blockierende Schema. Cluster 4 braucht etwas
länger und Cluster 5 präsentiert weiter zonale Bedingungen. Sowohl der det. Lauf
als auch der Kontrolllauf bevorzugen blockierende Verhältnisse, allerdings wird
der Hauptlauf dem dritten Cluster mit 10 Member zugeordnet, während sich der
Kontrolllauf im ersten Cluster mit insgesamt 17 Mitgliedern wiederfindet. Unter
den ersten drei Clustern gibt es größere Abweichungen bei der räumlichen
Einordnung des Cut-Offs sowie des Höhentiefs über Südosteuropa. Einhergehend
wird auch der markante Kurzwellentrog über Deutschland in Lage und Intensität
leicht verschieden gezeigt. Vor allem zum Ende des Zeitraums werden signifikante
Unterschiede sichtbar. Während Cluster 3 mit dem Hauptlauf und analog zum det.
GFS über Finnland weiter ein markantes Höhentief zeigen, welches zusammen mit
dem Höhenhoch über Nordwesteuropa über Mitteleuropa eine nordwestliche Strömung
generiert, beschreiben die Cluster 1 und 2 in der Entwicklung allenfalls noch
Trogstrukturen. Stattdessen kann sich bei diesen Interpretationen hohes
Geopotential vom zentralen Mittelmeerraum bis nach Skandinavien durchsetzen und
mit antizyklonalen Verhältnissen und Absinken das Wetter in Deutschland prägen.
Dem fünften Cluster mit nur 4 Member kommt nur eine Außenseiterrolle zu. Dieses
präsentiert von Grönland bis nach Skandinavien einen Höhentiefkomplex, der hohem
Geopotential über dem Atlantik gegenübersteht. Deutschland würde in diesem Fall
länger im Trogbereich und m weiteren Verlauf in einer teils zyklonalen
Westströmung liegen.

In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h reichen drei Cluster aus, die
Unsicherheiten im ENS zu erklären. Haupt- und Kontrolllauf befinden sich im
ersten Cluster, welches mit insgesamt 25 Member auch stark präsent ist. Zusammen
mit Cluster 2 mit 19 Mitgliedern sind sie dem dritten Cluster klar überlegen.
Dabei bleiben weiter blockierende Verhältnisse mit überwiegend ruhigem
Herbstwetter in Deutschland Trumpf. Bei Cluster 3 mit den zonalen Verhältnissen
wäre das Land zweigeteilt. Während der Süden eher antizyklonal geprägt ist, kann
im Norden das Höhentief über Skandinavien Einfluss nehmen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Montag und Dienstag weht vor allem im Westen und Norden ein teils kräftiger
Südwest- bis Westwind. Dabei muss im Binnenland mit starken bis stürmischen Böen
(Bft 7 bis 8), an der See und im Bergland mit Sturmböen (Bft 9), exponiert auch
mit schweren Sturmböen (Bft 10) gerechnet werden. Auf dem Brocken sind
orkanartige Böen oder Orkanböen (Bft 11 bis 12) zu erwarten. Die Probabilistik
(ICON-EPS, EZ-EPs, C-LEPS) stützt dies am Montag mit 10 bis 60%, an der See bis
85% für Sturmböen oder schwere Sturmböen (Bft 8 bis 10). Dabei zeigt das EZ-EPS
die höchsten Wahrscheinlichkeiten. Am Dienstag zeigen beim EZ-EPS und LEPS im
Norden 10 bis 30%, an der Nordsee auch bis 60% der Member stürmische Böen oder
Sturmböen (Bft 8 bis 9). Das ICON sieht nur im Nordseeumfeld geringe Werte für
markante Böen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ-EPS, anfangs auch det. EZ. Bei den Temperaturen auch MosMix, aber Vorsicht
mit Nebel oder Hochnebel zum Ende der Mittelfrist.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2020 um 10.30 UTC

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ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2020 um 10.30 UTC

Zunächst wechselhaft, später Übergang zu einer Hochdrucklage. Vorübergehend
ungewöhnlich mild bei teils starkem bis stürmischem Südwestwind.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.11.2020

Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag zeigt sich über weiten Teilen des
Nordatlantiks eine stark ausgeprägte zonale Höhenströmung. Dabei befindet sich
ein steuernder Tiefdruckkomplex mit mehreren Tiefkernen über dem Nordostatlantik
und der Norwegischen See. Davon ausgehend greift bereits in der Nacht zum
Sonntag ein erstes Frontensystem von Nordwesten auf Deutschland über, dem im
Tagesverlauf ein weiterer Ausläufer eines Tiefs mit Kern nördlich von Schottland
folgt. Mit Annäherung dieses Tiefs verschärft sich der Druckgradient über
Mitteleuropa etwas, wobei sich starke bis stürmische Böen zunächst auf den
äußersten Nordwesten sowie die Nordseeküste und das höhere Bergland beschränken.
Dabei sorgt der Südwestwind für einen milden Start in den November, wobei die
Temperatur in 850 hPa zwischen 5 und 11 Grad liegt.

Am Montag beginnt die Höhenströmung über dem Ostatlantik auszutrogen.
Vorderseitig des Troges befindet sich im Bodendruckfeld ein Randtief, das sich
auf seiner Zugbahn über Nordirland und Schottland hinweg Richtung Nordsee weiter
vertieft und schließlich Montagmittag mit einem Kerndruck unter 970 hPa vor
Svinoy zu finden ist. Die Warmfront streift uns nur am Rande, allerdings gelangt
mit der zunehmenden Südwestströmung ungewöhnlich milde Luft zu uns mit
850-hPa-Temperaturen zwischen 9 und 12 Grad. Diese sehr milde Phase ist aber nur
von kurzer Dauer, denn bereits am Nachmittag greift die Kaltfront des weiter
Richtung Finnland ziehenden Tiefs von Nordwesten auf Deutschland über und
erreicht Dienstagvormittag den Süden des Landes. Rückseitig fließt Subpolarluft
ein, wobei die Temperatur in 850 hpa postfrontal auf Werte um 0 Grad absinkt.
Währenddessen kommt der Höhentrog unter weiterer Verstärkung seiner Amplitude
weiter ostwärts voran und erstreckt sich schließlich am Dienstagmittag von der
Norwegischen See über Großbritannien hinweg bis nach Portugal. Deutschland
verbleibt auf dessen Vorderseite.

Weiter stromaufwärts hat sich am Mittwoch ein kräftiger Höhenrücken etabliert,
von dem aus ein Keil Richtung Nordmeer gerichtet ist. Dadurch gestützt wird ein
kräftiges Hochdruckgebiet über dem Ostatlantik, von dem aus sich ein Keil
Richtung Deutschland schiebt und für weitgehend ruhiges Wetter sorgt.
Wechselhaft bleibt es im Nordwesten Deutschlands in Trognähe und auch im
äußersten Süden Deutschlands sorgen die Reste der Kaltfront für weiteren Regen.

Am Donnerstag nimmt schließlich der weiter Richtung Mitteleuropa vorstoßende
Höhenkeil Verbindung mit einem weiteren Höhenhoch über Südosteuropa auf, wodurch
der Höhentrog abgeschnürt wird und es zu einem Cut-Off vor der Iberischen
Halbinsel kommt. Im Bodendruckfeld verschiebt das Hoch seinen Schwerpunkt über
die Britischen Inseln hinweg Richtung Norddeutschland, sodass es insgesamt zu
einer Wetterberuhigung kommt. Dabei kann sich die eingeflossene Subpolarluft
unter Absinken wieder leicht erwärmen. Auch in der erweiterten Mittelfrist
scheint uns der Einfluss des Hochs zunächst erhalten zu bleiben.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die im mittelfristigen Vorhersagezeitraum über Europa vorherrschende
Großwetterlage wird vom EZMW Modell weitgehend konsistent prognostiziert. Zwar
wird die Lage und Intensität des steuernden Tiefs über der norwegischen See bzw.
dem Nordostatlantik in den letzten Modellläufen unterschiedlich vorhergesagt,
dies ändert aber an dem für Mitteleuropa zu erwartenden Wettercharakter wenig.
Die sich ab Mittwoch aufbauende Hochdrucklage wurde auch in den gestrigen Läufen
bereits gezeigt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ähnlich wie bei der Konsistenzbetrachtung zeigt auch der Modellvergleich
Unterschiede bei der Prognose der Tiefkerne und deren Intensität innerhalb des
Tiefkomplexes. Dies äußert sich auch bei der Niederschlagsprognose, insbesondere
im Hinblick auf die Ausbreitung und Intensität der Niederschläge am Sonntag,
wobei ICON und GFS deutlich zurückhaltender sind als EZMW. Größere Unterschiede
gibt es auch für Mittwoch. Auf Basis des GFS gelangt Deutschland vermehrt unter
den Einfluss des Höhentroges, sodass sich die Wetterberuhigung verzögert. Die im
Süden länger anhaltenden Niederschläge im Bereich der Kaltfront werden
übereinstimmend gezeigt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bei Betrachtung der Rauchfahne für Offenbach zeigt sich nahezu über den gesamten
Vorhersagezeitraum hinweg ein relativ geringer Spread. Auch die Temperaturspitze
am Montag sowie der nachfolgende Temperaturrückgang werden von allen Membern des
Ensembles gestützt. Vermehrte Niederschlagssignale von Sonntag bis Dienstag
bestätigen den prognostizierten wechselhaften Wettercharakter, wobei Haupt- und
Kontrolllauf am Sonntag höhere Niederschlagsmengen zeigen als die Mehrheit der
Member. Am Mittwoch sind für Offenbach quasi keine, auch für andere Städte kaum
Niederschlagssignale vorhanden, sodass die GFS Lösung vernachlässigt wird.
Ebenfalls durch die Ensemblevorhersage des EZMW gestützt wird der Übergang zu
einer trockenen Witterung bei steigendem Geopotential ab Donnerstag.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Sonntag sind an der Nordseeküste sowie im höheren Bergland stürmische Böen
Bft 8 und einzelne Sturmböen Bft 9 aus Südwest wahrscheinlich. Auf dem Brocken
treten schwere Sturmböen Bft 10, später orkanartige Böen Bft 11 auf.

Am Montag gibt es im Bergland sowie an der Nordseeküste weiterhin stürmische
Böen oder Sturmböen Bft 8 bis 9 aus Südwest. Auch in Ostfriesland und im
nördlichen Schleswig-Holstein sind stürmische Böen wahrscheinlich. Auf dem
Brocken gibt es weiterhin orkanartige Böen Bft 11.

Ab Dienstag lässt der Wind deutlich nach. In exponierten Höhenlagen sowie in
Nordfriesland sind noch einzelne stürmische Böen Bft 8 zu erwarten.

Sonst gibt es keine signifikanten Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 28.10.2020 um 10.30 UTC

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ausgegeben am Mittwoch, den 28.10.2020 um 10.30 UTC

Zunächst, wechselhafte, milde und windige Südwestlage am Mittwoch wahrscheinlich
kühler. Im weiteren Verlauf Trend zu einer Hochdrucklage

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 04.11.2020

Betrachtet man die nordhemispherische Zirkulation, so erkennt man einen sich
kräftigenden kompakten Polarwirbel, der nach Kanada verschoben ist. Eine
ungewöhnlich starke positive Temperaturanaomalie erstreckt sich über
Nordsibirien und von der Barentssee zur Ostsibirischen See. Ungewöhnlich ist
ebenfalls, dass diese Region zu dieser Jahreszeit noch fast völlig eisfrei ist.
Durch den kanadischen Polarwirbel wird die Tiefdruckaktivität über dem
Nordwestatlantik angefacht, sodass wir es im gesamten Mittelfristzeitrum mit
einem recht aktiven Atlantik zu tun haben.
So auch zu Beginn des Mittelfristzeitraums am Samstag, wo eine zonal
ausgerichtete Strömung über dem Atlantik vorherrscht. Das steuernde kräftige
Tief liegt dabei über dem Nordatlantik und hat sich die Reste des Ex-Hurrican
„Zeta“ einverleibt. Der Polarfrontjet biegt weiter westlich über England und der
Nordsee steil nach Norden ab. Denn vorderseitig des atlantischen
Tiefdruckkomplexes hat sich ein Höhenkeil aufgewölbt, dessen Achse sich über
Mitteleuropa bis nach Finnland erstreckt. Das zugehörige Bodenhoch hat sein
Zentrum über Polen und beeinflusst auch Deutschland. Vorderseitig des
Atlantiktiefs setzt kräftige Warmluftadvektion über Mitteleuropa ein, sodass
sich die 10 °C-isotherme auf 850 hPa über fast ganz Deutschland ausbreitet.
Im Nordosten Deutschlands liegt anfangs noch die Restbewölkung eines abgezogenen
Kurzwellentroges. Sonst erwartet uns abgesehen von Nebel- und Hochnebelgebieten
ein meist sonniger Samstag mit für die Jahreszeit zu hohen Temperaturen.

Verstärkt sich das Atlantiktief weiter und die Höhenströmung beginnt über dem
Atlantik an der Ostflanke eines sich aufwölbenden Hochs über dem Westatlantik
auszutrogen. Vorderseitig dieses ostwärts vorankommenden Langwellentroges dreht
die Strömung in Westeuropa und im westlichen Mitteleuropa auf Südwest, wobei
sich der Gradient deutlich verstärkt. Das Bodenhoch wird dabei weiter nach
Westrussland abgedrängt, sodass in Deutschland zunehmend zyklonaler Einfluss
wirksam wird. In der trogvorderseitig herangeführten subtropischen feuchten
Luftmasse kann es in der Nordwesthälfte zeitweise leichten Regen geben.

Am Montag kommt der Trog weiter ostwärts voran und verstärkt seine Amplitude
noch etwas, wodurch die Strömung über Mitteleuropa weiter austeilt. Das
steuernde Zentraltief liegt dabei mit seinem Zentrum über dem Nordmeer.
WDnJbgährend im Südosten noch der Höhenhochkeil wirksam ist, gelangt der
Nordwesten Deutschlands immer mehr unter Trogeinfluss. Wobei dort immer wieder
mit leichtem Regen zu rechnen ist. An den Alpen wird es föhnig. Auch in den
Hochlagen der westlichen Mittelgebirge muss mit stürmischen Böen gerechnet
werden.

Am Dienstag setzt sich die Entwicklung fort. Über dem Atlantik hat sich ein
ungewöhnlich kräftiges Hoch etabliert, dass einen Höhenkeil Richtung Island
schiebt. Der Langwellentrog kommt in der Folge weiter Ostwärts voran. Seine
Achse erstreckt sich vom Nordmeer Richtung Groß-Britannien. Deutschland
verbleibt auf der Trogvorderseite und wird aber mehr und mehr vom Jetbereich und
vom Trog erfasst. So überquert die Kaltfront des Nordmeertiefs bereits in der
Nacht zum Dienstag Deutschland. Dahinter fließt Subpolarluft ein, wodurch die
850-hPa-Temperatur im Westen unter 0 °C sinkt.

Am Mittwoch wird der Trog zwischen dem mittlerweile bis ins Nordmeer reichenden
Höhenkeil und einem Höhenhoch über Südosteuropa weiter deformiert und in die
Länge gestreckt. Dabei schwächt sich der Trog, dessen Achse nun von Skandinavien
über Dänemark und die Nordsee bis knapp nördlich der Iberischen Halbinsel
verläuft, weiter ab.
Rückseitig der Kaltfront, die über den Alpen ins schleifen gerät, setzt über
Deutschland Absinken ein, sodass sich eine schwache Hochdruckbrücke etabliert.
Bodennah bleibt die eingeflossene Subpolarluft wirksam. (850-hPa-Temperatur ~
0°C.
Im weiteren Verlauf berechnet ECMWF eine weitere Ausweitung der Hochdruckzone
bis über Mitteleuropa. Die eingeflossene Polarluft erwärmt sich dabei unter
Absinken. Die Frontalzone wird sehr weit nach Norden verdrängt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Vorhersage des neuen Laufes ist weitestgehend ähnlich zu den Vorläufen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis Montag sind die Simulationen aller Modelle ähnlich. GFS rechnet dann zu
Mitte der Woche mit einem Cut-Off über Groß-Britannien und westlich der
Iberischen Halbinsel. Deutschland würde demnach auf der Trogvorderseite
verbleiben und die Kaltfront würde nicht durchgehen. Im weiteren Verlauf
simuliert GFS eine Omegalage. GFS liegt dabei aber bezüglich der Temperatur am
oberen Rand der Ensembles. Auch die ICON-Berechnung ähnelt der GFS-Lösung.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Betracht man die ECMWF-ENS-Rauchfahnen, so erkennt man, dass die Vorhersagen
alle relativ dicht gedrängt sind. Selbst die Abkühlung am Mittwoch wird von fast
allen Mitgliedern getragen. Es gibt nur wenige Ausreißer, die die
GFS/ICON-Variante berechnen. Ab Mittwoch nimmt der Spread deutlich zu. Die
Mehrzahl der Mitglieder berechnet jedoch gegen Ende der nächsten Woche einen
erneuten Temperaturanstieg bei gleichzeitig steigendem Geopotenzial und
zurückgehenden Niederschlagssingnalen. So scheint nur die Position des Hochs
unsicher.
Der Spread in den GFS-ENS ist ab Mitte der Woche deutlich größer. Die Ensembles
sind im Mittel 4K wärmer als im ECMWF-ENS, sodass die Abkühlung in den meisten
GFS-Mitgliedern nur moderat ausfällt. Der Hauptlauf befindet sich dabei am
oberen Rand. Auch im weiteren Trend festigen sich in den GFS-ENS die Signale für
steigende Temperaturen und steigendes Geopotenzial.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Entwicklung bis Montag relativ sicher
ist: Umbau zu einer Südwestwetterlage mit zeitweiligem Regen bevorzugt im
Nordwesten und relativ hohen Temperaturen. Der Kaltfrontdurchgang am Dienstag
ist jedoch unsicher. In der aktuellen Mittelfristprognose wird aber die
ECMWF-Variante bevorzugt, auf Grund der geringeren Streuung und der Persistenz
in den Ensemblesvorhersagen.
Ein weiterer Trend hin zu einer (höhen)warmen Hochdrucklage am Ende der neuen
Woche scheint sich zu festigen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von zeitweiligen stürmischen Böen oder Sturmböen in den Kammlagen der
Mittelgebirge und an der Nordsee und einigen Sturmböen durch vergleichsweise
schwachen Föhn auf den Alpengipfeln am Montag bietet die Wetterlage kein
Potenzial für signifikante Wettererscheinungen.
Ob mit der potenziellen Kaltfrontpassage in der Nacht zum Dienst, die noch
unsicher ist, einzelne Gewitter mit Sturmböen auftreten, kann noch nicht
abgeschätzt werden.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, MOS-MIX, ab Montag ECMWF-ENS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Dienstag, den 27.10.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.10.2020 um 10.30 UTC

Erst stabiler, zum Wochenbeginn wechselhaft und windig. Mild.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 03.11.2020

Die Mittelfrist (Freitag, dem 30. Oktober bis Dienstag, dem 03. November)
verläuft in Deutschland zunächst stabil, in der Folge zunehmend wechselhaft mit
der latenten Gefahr eines stürmischen Abschnitts.

Die Hintergrundbedingungen sind weiterhin unverändert und stehen im Zeichen
einer dynamischen Wetterlage mit Blick auf den nordamerikanisch /
nordatlantischen Sektor.
Der Polarwirbel nimmt weiter an Fahrt auf u.a. dank kaum vorhandener vertikaler
Wellenflüsse und daran ändert sich mindestens die (erweiterte) Mittelfrist über
wenig. IFS-EPS deutet im zonal gemittelten 10 hPa Wind gar Werte im Bereich der
10er Perzentile an, was in den zuletzt zur Verfügung stehenden Daten vom GEFS
ebenfalls bestätigt wird (wenngleich etwas weniger aggressiv). Der Wirbel liegt
mit seinem Zentrum beständig über dem kanadisch-arktischen Archipel und weist
von der oberen Troposphäre bis in die Stratosphäre ausgehend eine
quasi-barotrope Struktur auf, was u.a. den kaum vorhandenen bis unterdrückten
Wellenfluss erklärt. Daran ändert sich die Mittelfrist wenig mit beeindruckender
Intensivierung im 10 hPa Niveau und deutlich verminderter
Intensitätsvariabilität im Niveau der oberen Troposphäre / unteren Stratosphäre.

Bei der Betrachtung der Temperaturfelder im 150 hPa Niveau fällt eine deutliche
Zunahme des Temperaturgradienten zum Ende der Mittelfrist über Nordwesteuropa
auf mit deutlicher Abkühlung/Geopotenzialanstieg stromauf.

Die Madden-Julian-Oszillation soll sich theoretisch laut der
Multi-Ensemblevorhersagen in den Sektor 7/8 (Westpazifik/westliche Hemisphäre)
verlagern, allerdings weiterhin mit immensem Ensemblespread bzw. großer
Ensemblevarianz. Daher ist fraglich, ob die augenscheinlich problematische
Modellhandhabung bezüglich der Interferenz des MJO mit La Nina überhaupt
beachtet werden soll. Die Auswirkungen des MJO sollten sich aber dank
Amplitudenabnahme eh auf den tropischen Bereich beschränken. Was daher
persistent gezeigt wird sind negative Geschwindigkeitspotenzialanomalien in 200
hPa über dem karibischen Sektor (abgeschwächt auch über dem tropischen
Atlantik), ausgelöst durch die konstruktive Phase einer Kelvinwelle und eben
eines möglichen MJO. Daher ist auch während der Mittelfrist und darüber hinaus
ein direkter/indirekter tropischer Einfluss zu erwarten.

Der direkte Einfluss fällt sofort ins Auge, denn dabei handelt es sich um den
Tropensturm ZETA, der über den Golf von Mexiko in Richtung Golfküste der USA
ziehen soll. In der Folge kommt es über den südlichen/zentralen USA zu einer
komplexen Interaktion mit einem abgetropften Höhentrog, der wieder in die
Frontalzone eingebunden werden soll. Neben dieser Interaktion kommt es zudem
auch zu einem „phasing“ mit einer polseitig durchschwenkenden synoptischen Welle
über Kanada/Nordamerika.

Multi-Ensemblevorhersagen von ZETA zeigen mittlerweile eine relativ gute
Übereinstimmung, wenngleich IFS-EPS ZETA kräftiger und etwas langsamer zeigt im
Vergleich zum GEFS und UKMET Ensemble. Zudem muss ZETA aktuell erst mal YUCATAN
überqueren, was ebenfalls für Relokalisierung- bzw. Intensitätsüberraschungen
gut ist. Daher muss noch abgewartet werden, wie ZETA in den kommenden Stunden
den Golf von Mexiko erreicht.
Das Höhentief wird nun immer konsistenter von Lauf zu Lauf nach Osten geführt
(wenngleich mit einer beständigen langsameren Ostverlagerung von Modelllauf zu
Modelllauf), sodass aktuell mi einer konstruktiven Interaktion beider
Protagonisten gerechnet wird. Eine weitere Verlangsamung dieser Entwicklung
könnte jedoch die Interaktion mit der synoptischen Welle über Kanada/Nordamerika
hinfällig machen. Aktuell gehen wir für die folgende Entwicklung der Mittelfrist
noch von einer Interaktion aller drei Protagonisten aus. Eine Änderung dieser
Ausgangslage führt jedoch unweigerlich zu substanziellen Änderungen stromab
(über dem Nordatlantik)!
Die aus der Verschmelzung entstehende Zyklone würde in der Folge von der
Ostküste der USA über den Nordatlantik nach Nordwesteuropa ziehen. Nach
aktuellen Prognosen würde diese Entwicklung zunächst noch ungünstig zu einem
imposanten Höhenjet liegen, bevor es dann vor Nordwesteuropa zu einer Kreuzung
der Höhenjetachse und folglich zu einer Intensivierung käme.

IFS-EPS zeigt dies durch eine noch üppige Streuung der Einzelmember (in zonaler
Ausrichtung) mit einem Kerndruck von zumeist 980-990 hPa (bis einschließlich
1.11.), bevor nachfolgend ein Teil der Member die Zyklone vor Irland auf unter
980 hPa vertieft. Tendenziell wird dieses System im det. Lauf immer kräftiger
gerechnet, was ein früheres Eindrehen nach Norden bewirken würde und bei uns die
Sturmgefahr zum kommenden Wochenbeginn mindern würde. Leider ist eine Verfolgung
im IFS-tracker noch nicht möglich, sodass noch keine Gewichtung des det. Laufs
zum Ensemble per se gemacht werden kann. Beim Blick auf die normalisierte
Standardabweichung fällt auf, dass vergleichsweise große Unsicherheiten in Form
einer Südwest-Nordost ausgerichteten Zone bestehen, die andeuten, dass noch
unsicher ist, wo die Zyklogenese genau ansetzt und ob u.U. gar eine südlichere
Sekundärzyklogenese möglich ist. Fazit: Es gibt nicht nur bei IFS noch
erhebliche Unsicherheiten bei der Handhabung dieser Entwicklung.

Zum Ende dieser Mittelfrist kommt es über Kanada/dem Nordosten der USA erneut zu
einer kräftigen Wellenbildung (u.a. forciert durch die beständige positive SST
Anomalie vor Alaska/dem Nordwesten der USA) mit rasch steigendem Geopotenzial
stromab über dem Nordatlantik, sodass in Form einer antizyklonal brechenden
Rossby-Welle über West-/Mitteleuropa die Tendenz zu einer blockierenden/stark
meridionalisierenden Strömungskonfiguration besteht.

Was bedeutet das für das Wetter in Mitteleuropa und Deutschland?

Am Freitag findet im Zuge der Keilaufwölbung eine Warmfrontpassage statt, die
abgesehen vom Südwesten den meisten Bereichen Deutschlands einen grauen
Wettertag mit teils anhaltenden leichten bis mäßigen Niederschlägen beschert.
Die größten, aber voraussichtlich nicht warnwürdigen Niederschlagsmengen werden
dabei in Richtung Lausitz /Oderumfeld erwartet. Postfrontal dauert schwache bis
mäßige positive Schichtdickenadvektion an und erst abends und nachts deutet sich
für den Südwesten stärkeres Absinken an mit der Bildung einer kräftigen
Absinkinversion bei rund 800-850 hPa. Daher wird der Himmel wohl in den meisten
Regionen hochnebelartig-trüb bleiben. Einzig ganz im Südwesten könnte mit dem
Durchzug einer Bodenantizyklone der Abbau/das Abtrocknen der Inversion erwartet
werden, was stärkeres nächtliches Aufklaren nach sich ziehen würde, dann
allerdings mit der Bildung von Bodennebel.

Am Samstag zieht der letzte Niederschlag zügig aus dem Nordosten ab und
nachfolgend erwartet uns ein nach Auflösung zäher Nebel- und Hochnebelfelder
zumeist freundlicher bis sonniger Nachmittag. Im Oderumfeld bleibt der Himmel
wohl bis zum Abend wolkenverhangen.
In der darauffolgenden Strahlungsnacht können sich abgesehen vom Nordwesten
vielerorts dichte Nebelfelder bilden. Niederschlag wird keiner erwartet.

Am Sonntag tagsüber nimmt die Bewölkung von West nach Ost allmählich zu und in
der Nacht zum Montag erfolgt eine teilokkludierte Kaltfrontpassage, die bei
dichter Bewölkung verbreitet Regen bringt.

Am Montag nehmen die Unsicherheiten im Zuge der stark variabel berechneten
Tiefdruckentwicklung vor Irland/England deutlich zu. Aus heutiger Sicht wird
vorübergehend eine kräftige Keilachse über Mitteleuropa aufgewölbt und in der
Nacht zum Dienstag nach Osten abgedrängt. Daher könnte es besonders im Süden und
Osten ein freundlicher Tag werden, während nach Westen/Nordwesten aus dichter
Bewölkung zeitweise Regen fällt. In den Nachtstunden erfolgt dann eine markante
Kaltfrontpassage, die deutschlandweit teils kräftigen Regen bringen würde
(örtlich mit geringem Gewitterpotenzial). Im IFS-EPS gibt es allerdings noch
erhebliche zeitliche Unterschiede bezüglich dieser Frontpassage.

Die Mittelfrist endet dann leicht wechselhaft mit einer auf rund 900 m
absinkenden Schneefallgrenze. Dies aber auch nur mit einer so mobilen Keilachse.

Die Höchstwerte liegen bis einschließlich Montag außerhalb von zähen
Nebelgebieten und skaligen Regenfällen teils deutlich über 15 Grad und somit im
milden bis ungewöhnlich milden Bereich mit dem Höhepunkt voraussichtlich am
Montag (Spitzenwerten dann von 21 oder 22 Grad im Westen/Südwesten). Nach der
Kaltfrontpassage kühlt es zwar deutlich ab, das Temperaturniveau verbleibt
jedoch im klimatologisch gesehen normalen Bereich.
Je nach Bewölkungsverteilung besteht im Süden und Südosten zeitweise und
regional begrenzt die Gefahr von leichtem Frost in Bodennähe.

Warnwürdige Niederschlagsmengen werden nicht erwartet.

Beim Wind gibt es klar ein Maximum zum Wochenbeginn, wo das IFS-EPS im Westen
und Norden erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 8-9 zeigt, mit höheren
Windgeschwindigkeiten über der Deutschen Bucht und auf exponierten Berglagen.
Dieses Potenzial kann dank der vorherrschenden Intensitäts- und
Zugbahnunsicherheiten der Zyklogenese noch nicht verfeinert werden. Ein latentes
Sturmböenpotenzial besteht aber am Montag/Dienstag in den genannten Bereichen
auch weiterhin.

In der erweiterten Mittelfrist passiert Deutschland im Zuge antizyklonalen
Wellenbrechens ein Langwellentrog, der jedoch zügig deformiert und abgeschwächt
wird, sodass sich vom Atlantik hohes Geopotenzial und eine durchgreifende
Wetterberuhigung in Deutschland bemerkbar machen würde.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Sonntag verläuft die Entwicklung der Mittelfrist innerhalb
der letzten IFS-Läufe einheitlich (mit dem Beginn der Mittelfrist am Freitag,
den 30.10.). Dabei wird die Aufwölbung eines kräftigen Keils über Mitteleuropa
gezeigt, der eine durchgreifende Wetterberuhigung bringen soll und der am
Sonntag unter Geopotenzialabbau zügig nach Osten wandert.
In der Folge greift ein umfangreicher Tiefdruckwirbel über dem Nordostatlantik
auf Deutschland über und bringt unbeständiges Wetter.
Zum Wochenbeginn nehmen dabei die Unsicherheiten bezüglich der Annäherung eines
kräftigen Langwellentroges von Westen zu. Vor 24h wurde bei IFS noch eine
vergleichsweise zonale /gering amplifizierte Ausrichtung gezeigt, die in den
beiden neusten Läufen einer deutlich meridionaleren Ausrichtung der Strömung
gewichen ist.

Die Unsicherheiten entspringen dabei u.a. der Entwicklung über dem
Nordostatlantik. Ein Tiefdruckgebiet, das am Sonntag vor Irland liegt, wird noch
mit einer zonalen Lauf-zu-Lauf Unsicherheit von fast 1000 km gerechnet, was
beträchtlich ist. Entsprechend variabel sind in der Folge die Zugbahnvorhersagen
dieser Entwicklung, die mal über Irland, mal über dem Ärmelkanal nach Nordosten
geführt wird. Dies hat große Auswirkungen auf ein mögliches Sturmpotenzial über
Deutschland zum Wochenbeginn. Aus heutiger Sicht lässt sich daher nur sagen,
dass es ab der Nacht zum Montag deutlich wechselhafter und windiger wird mit
einer latenten Sturmgefahr.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bei den weiteren Globalmodellen ist insgesamt eine gute Übereinstimmung
bezüglich der synotpischen Entwicklung auszumachen. Größere Unsicherheiten
ergeben sich noch bei einer Kurzwellenpassage am Sonntag, die in den
Nachtstunden eine Front nach Deutschland drücken soll. ICON ist dabei zeitlich
etwas aggressiver, während IFS/GFS einen ähnlichen zeitlichen Verlauf zeigen.
In der Folge nehmen auch hier die Unsicherheiten zu, wenngleich im 500 hPa
Geopotenzialfeld die Diskrepanzen überschaubar bleiben (GFS zeigt den zur
Wochenmitte hereinschwenkenden Trog etwas schärfer als ICON und IFS und lässt
diesen dann auch langsamer nach Osten vorankommen). Allerdings wird die
vorübergehende Keilaufwölbung über Mitteleuropa zum Wochenbeginn noch stark
variabel gezeigt (ICON mit der kräftigsten Lösung).

Bezüglich der Tiefdruckentwicklung über den Atlantik ergeben sich eklatante
Unterschiede. IFS zeigt die kräftigste Bodentiefentwicklung, während ICON und
GFS davon nichts bis wenig wissen möchten. Das zeigt, dass die Unsicherheiten
über dem Entstehungsgebiet im nordamerikanischen Sektor noch viel zu groß sind,
als dass man eine größere Modelleinigkeit erwarten könnte. Dies hat auch
Auswirkungen darauf, wie effektiv zum Wochenbeginn ein Langwellentrog auf
Mitteleuropa übergreifen kann. Nach GFS könnte sich z.B. der Keil viel besser
halten als bei IFS, sodass dort die Mittelfrist deutlich trockener verlaufen
würde als bei IFS.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt zum Beginn der Mittelfrist die maximal mögliche
Clustermenge mit dem klimatologischen Regime „Blockade“, wobei der Kontrolllauf
im ersten und der det. Lauf im vierten Cluster zu finden ist. Die größte
Unsicherheit besteht bei der Interaktion der positiven Geopotenzialanomalie über
West- und Mitteleuropa mit einer positiven Anomalie über dem Nordwesten von
Russland, was unterschiedliche geometrische Anordnungen im Geopotenzialfeld
hervorruft. Deutschland liegt jedoch nach den meisten Clustern im Bereich des
sich polwärts aufwölbenden Keils.

In der Folge bleibt die Anzahl der Cluster bei 6 mit einem leichten Überhang des
klimatologischen Regimes „positive NAO“ (im Vergleich zu „Blockierung“). Der
Kontrolllauf befindet sich im ersten, der det. Lauf im dritten Cluster. Cluster
1-5 zeigen alle eine sich über Mitteleuropa abbauende positive
Geopotenzialanomalie mit dem Aufbau eines Maximums über Skandinavien. Dadurch
gelingt es einem nordatlantischen Langwellentrog sich Mitteleuropa sukzessive
anzunähern. Wie schnell dies geschieht variiert innerhalb der Cluster und der
sechste Cluster will davon gar nichts wissen. Er spannt einen beständigen Keil
über Mitteleuropa auf und ähnelt tendenziell den Vorstellungen von GFS.
Gleichzeitig zeigen die meisten Cluster eine positive Geopotenzialanomalie über
dem Südwesten Europas sowie über dem subtropischen Atlantik, was für die hohe
Dynamik der Frontalzone im nordatlantischen Sektor spricht.
Für Deutschland bedeuten diese Unsicherheiten, dass noch nicht klar ist, wie
zügig der Trog zum Wochenbeginn auf Deutschland übergreift, was wiederum stark
von der Zyklogenese abhängt.

In der erweiterten Mittelfrist zeigen fünf Cluster eine stark variierende Anzahl
und Lage von blockierenden Antizyklonen über dem Nordatlantik und
Skandinavien/dem Ural. Eine sinnvolle Aussage kann bei diesen Unsicherheiten
keine getroffen werden.

Die Meteogramme in Deutschland zeigen einen durchweg milden bis sehr milden
Verlauf der Mittelfrist (abgesehen von der Abkühlung zum Ende). Nach einer
Niederschlagspause am Wochenende zeigt sich zum Wochenbeginn ein wechselhafter
Abschnitt, wobei die Mengen von Nordwest nach Südost geringer ausfallen. Bei den
Windböen gibt es besonders im Westen und Norden zum Wochenbeginn noch eine
größere Streubreite, und weiterhin wird zumindest ein stürmischer Abschnitt
gestützt. Die Rauchfahnen (500 hPa Geopotenzial und 850 hPa Temperatur) sind bis
zum Wochenende zumeist noch gut gebündelt und divergieren in der Folge
kräftiger. Der HRES liegt mit seinem Lauf eher im unteren Bereich der
Geopotenzialverteilung, bei der Abkühlung zum Dienstag ist die Übereinstimmung
der Member jedoch deutlich besser (von +12 Grad auf -2 Grad).

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt am Freitag im Nordosten und Osten Deutschlands erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für vom Modellklima abweichende REGENmengen (EFI bei 0.7
mit einem leicht erhöhten SOT). Bezüglich warnwürdiger Mengen gibt es nur in der
Oberlausitz lokal geringe Signale.

Zeitweise werden leicht positive Abweichungen bei der TEMPERATUR gezeigt, die
den zumeist zu milden Wettercharakter der Mittelfrist hervorheben. In den
Nächten besteht im Süden lokal die Gefahr von leichtem Frost in Bodennähe
(abhängig von Bewölkungs- und Nebelverteilung).

Beim WIND zeigen sich zum Beginn (Freitag) über der Mitte und dem Süden geringe
positive Werte. Danach wird erst zum Montag im Nordwesten wieder ein leicht
erhöhter EFI gezeigt (0.5-0.6). Alles in allem nicht das Signal, das man bei
einer substanziellen Sturmlage erwarten würde. Allerdings ist das EFI Signal
noch sehr breit verschmiert, was die Unsicherheiten hervorhebt.

In den Nächten besteht bei Aufklaren die Option für teils dichte Nebelfelder.

Ob bei der Kaltfrontpassage in der Nacht zum Dienstag vereinzelt auch ein
GEWITTER mit Sturmböen möglich ist kann noch nicht abgeschätzt werden, da auch
die Kaltfrontpassage noch erheblichen Unsicherheiten unterworfen ist.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Montag, den 26.10.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.10.2020 um 10.30 UTC

Unbeständig und mild; am Freitag in einigen Staulagen Dauerregen nicht
ausgeschlossen. Zu Beginn kommender Woche unsichere Wetterentwicklung.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 02.11.2020

Der Mittelfristzeitraum zeichnet sich zunächst durch eine rege
Tiefdrucktätigkeit im nordatlantischen Raum aus (positiver NAO-Index), folglich
dominieren im Vorhersagegebiet teils zyklonal, teils – vor allem am Wochenende –
antizyklonal konturierte West- bis Südwestlagen, mit der vorwiegend milde und
teils auch recht feuchte Meeresluft advehiert wird.
Am Donnerstag, also zu Beginn der Mittelfrist, befindet sich Deutschland im
Einflussbereich eines in die westliche Höhenströmung eingebetteten Höhentroges,
der das Vorhersagegebiet bereits bis zum Nachmittag mit schauerartigen
Regenfällen (kurze Gewitter eventuell nicht ausgeschlossen) ostwärts überquert
hat.
Derweil kommt es an der Westflanke des aus dem ehemaligen Tropensturm „EPSILON“
resultierenden Zentraltiefs bei Island zu einem markanten Trogvorstoß über dem
mittleren Nordatlantik. Auf dessen Vorderseite führt markante WLA zu einer
antizyklonalen Deformierung der Frontalzone über Westeuropa, in der Nacht zum
Freitag dann über der Nordsee.
Im Bodenfeld verlagert sich eine frontale Welle westlich von Irland bis Freitag,
00 UTC ins Seegebiet nördlich von Schottland und weist dabei allerdings nur
wenig Entwicklungspotenzial auf. Bereits am Abend greift die Warmfront der Welle
auf West- und Südwestdeutschland über, im Vorfeld setzen – unterstützt durch die
massive WLA – teils länger anhaltende Regenfälle ein, die sich in der Nacht zum
Freitag allmählich auf fast das gesamte Vorhersagegebiet ausweiten. Lediglich
Richtung Oder und Neiße bleibt es gebietsweise noch trocken. Vor allem in den
Staulagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge kann es auch ergiebig
regnen.
Am Donnerstag gelangt auf der Rückseite des oben erwähnten Troges vorübergehend
etwas kühlere Meeresluft ins Vorhersagegebiet (T850 hPa zwischen 0 und 3 Grad),
diese wird aber bereits in der Nacht zum Freitag durch milde Biskayaluft
ersetzt. Der lebhafte West- bis Südwestwind (Küste Böen Bft 8, Berggipfel auch
Bft 9) lässt am Donnerstagnachmittag bzw. -abend vorübergehend nach, frischt im
Warmsektor aber erneut auf.
Am Freitag amplifiziert sich durch weiterhin markante WLA der Rücken über
Mitteleuropa und weitet sich nach Skandinavien aus. Weiter östlich dreht die
Höhenströmung auf Nordwest, so dass die Warmfront des sich allmählich zum
Nordmeer verlagernden Tiefs knapp östlich des Vorhersagegebietes aufgrund
zunehmend höhenströmungsparalleler Exposition ins Schleifen gerät und verwellt.
Vor allem vom östlichen bzw. ostbayerischen bis in den zentralen
Mittelgebirgsraum dauern die Regenfälle somit noch bis in die Nacht zum Samstag
hinein an, bevorzugt in Staulagen kann auch Dauerregen (mehr als 25 mm in 12
bzw. mehr als 30 mm in 24 Stunden) nicht ausgeschlossen werden. In der
Westhälfte, vor allem im Südwesten klingen die Regenfälle dagegen allmählich ab,
aber auch dort lockern die Wolken – trotz deutlich zunehmenden
Hochdruckeinflusses (in der Nacht zum Samstag reicht eine Hochdruckzone von
Südwesteuropa bis nach Süddeutschland) – aufgrund der anhaltenden Advektion
feuchtmilder Atlantikluft nur zögernd auf, am ehesten noch im Südwesten.
Aufgrund markanten postfrontalen Druckanstiegs kann sich der Gradient vor allem
in der Osthälfte vorübergehend etwas verschärfen und es gibt in Gipfellagen
stürmische Böen bzw. Sturmböen. Spätestens abends bzw. in der Nacht zum Samstag
spielt der Wind dann aber warntechnisch wohl keine Rolle mehr. Insgesamt werden
sehr milde Luftmassen subtropischen Ursprungs in den Südwesten des
Vorhersagegebietes advehiert, in 850 hPa steigt die Temperatur in der Nacht zum
Samstag auf Werte zwischen 5 und 8 Grad, im Westen und Südwesten sogar schon auf
8 bis 12 Grad.
Am Samstag erfolgt über dem nahen Ostatlantik ein weiterer markanter
Trogvorstoß, der auch im Bodenfeld im Seegebiet westnordwestlich von Irland mit
einer kräftigen Zyklogenese einhergeht. Die trogvorderseitige WLA stützt nach
wie vor den Höhenrücken über Mitteleuropa, dessen Achse sich zögernd über das
Vorhersagegebiet hinweg ostwärts verlagert und von dem ausgehend sich ein
weiterer Rücken über das Nordmeer ins Seegebiet östlich von Island aufwölbt.
Dadurch wird nach wie vor auch im Bodenfeld eine von Südwest- über Mitteleuropa
bis nach Osteuropa reichende Hochdruckzone gestützt. Die Warmfront kommt über
Polen zwar weiterhin nur langsam nach Osten voran, zeigt aber aufgrund des
zunehmenden Hochdruckeinflusses Auflösungstendenzen, so dass es wohl spätestens
am Nachmittag auch in der Osthälfte Deutschlands überwiegend trocken bleiben
sollte. Vor allem im Südwesten, an den Nordrändern der westlichen und zentralen
Mittelgebirge sowie an den Alpen kann sich häufig die Sonne durchsetzen, während
es im Nordosten und Osten noch überwiegend bewölkt bleibt und sich gebietsweise
auch längere Zeit Hochnebel halten kann. Im Einflussbereich sehr milder
Luftmassen aus dem südwesteuropäischen Raum (T850 hPa zwischen 5 Grad in der
Lausitz und 14 Grad am Hochrhein) können vor allem in einigen Lee-Lagen
Höchstwerte um 20 Grad erreicht werden, aber auch sonst bleibt es mit 13 bis 18
Grad sehr mild.
Bereits in der Nacht zum Sonntag greift die Kaltfront des sich zum Orkantief
mausernden (vorübergehend unter 950 hPa Kerndruck) und ins Seegebiet südöstlich
von Island ziehenden Zentraltiefs auf die Nordsee und morgens – aufgrund des
Auflaufens auf die Hochdruckzone abgeschwächt – auf Nordwestdeutschland über und
löst sich dort auf. Die damit einhergehende Gradientverschärfung dürfte sich
aber, wenn überhaupt, zunächst nur über der offenen Nordsee und auf exponierten
Berggipfeln (Brocken) in Form markanter Böen aus Südwest bemerkbar machen.
Am Sonntag wird der Höhenrücken über Mitteleuropa und Skandinavien rasch nach
Osten abgedrängt und die recht glatt konturierte Frontalzone kann von West- auch
auf Mitteleuropa übergreifen. Darin eingebettet, kann das Frontensystem eines an
der Südflanke des Zentraltiefs über die nördliche Nordsee zur Westküste Norwegen
ziehenden Randtiefs auf das Vorhersagegebiet übergreifen, wobei die Kaltfront in
der Nacht zum Montag aufgrund höhenströmungsparalleler Exposition über
Norddeutschland ins Schleifen gerät. Dabei verbleibt Deutschland im
Einflussbereich sehr milder und feuchter Luftmassen, die Hochdruckzone im
Bodenfeld wird rasch abgebaut und dichte Wolken mit Regenfällen meist leichter
Intensität weiten sich am Sonntag tagsüber von den nördlichen auch auf die
mittleren Landesteile aus, in der Nacht zum Montag dann allmählich auch auf
Süddeutschland. Lediglich südlich der Donau dürfte es noch trocken bleiben. Vor
allem im Westen und Nordwesten regnet es dann gebietsweise auch wieder länger
anhaltend. Der Wind legt zumindest nach Lesart des IFS an der Südflanke der
Frontalzone wieder zu, an den Küsten gibt es stürmische Böen, auf den
Berggipfeln Sturmböen, vor allem in der Nacht zum Montag.
Am Montag geht die über Norddeutschland schleifende Kaltfront über in die
Warmfront eines von Irland über die mittlere Nordsee bis zur Nacht zum Dienstag
ins Kattegat ziehenden Wellentiefs über und kommt vorübergehend nach Norden
voran. Damit verbleibt das gesamte Vorhersagegebiet im Warmsektor des Tiefs, in
850 hPa steigen die Temperaturen auf 7 bis 10 Grad, im Süden und an den
Nordrändern einiger Mittelgebirge auf 10 bis 14 Grad. Vor allem im Norden und
Nordwesten fällt weiterhin zeitweise leichter Regen, im Südwesten und Süden
können die Wolken dagegen stärker auflockern, an den Alpen wird es leicht
föhnig. Insgesamt bleibt es ehr mild, mit Sonne und Föhn werden gebietsweise
wieder die 20 Grad erreicht. An den Küsten und auf den Bergen gibt es weiterhin
stürmische Böen aus Südwest, auf exponierten Gipfeln auch Sturm- oder gar
schwere Sturmböen.
In der Nacht zum Dienstag greift dann die Kaltfront des nach Finnland ziehenden
und sich noch etwas verstärkenden Sturmtiefs auf Deutschland über und erreicht
bereits Dienstagmittag die Alpen. Dabei kann es an der Südflanke des Tiefs an
den Küsten und im Nordosten vorübergehend Sturmböen geben. Der Kaltfront folgt
ein Schwall maritimer Polarluft (-4 bis 0 Grad in 850 hPa), die zu Beginn der
erweiterten Mittelfrist vorübergehend unter Hochdruckeinfluss gerät. Bereits zu
Wochenmitte greift aber erneut ein Höhentrog auf das Vorhersagegebiet über und
es stellt sich zumindest nach Lesart des IFS eine etwas kühlere Nordwestlage
ein.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Insgesamt erweist der aktuelle IFS-Lauf als einigermaßen konsistent zu den
beiden Vorläufen.
Im Detail ergeben sich aber bereits für den Freitag bzw. Samstag kleinere
Differenzen. Das Schleifen der Warmfront wurde im gestrigen 00 UTC-Lauf noch bis
in den Samstag hinein simuliert und entsprechend auch ein höheres Potenzial für
Dauerregen vor allem in der Osthälfte als im aktuellen bzw. im gestrigen 12
UTC-Lauf.
Das Übergreifen eines weiteren Frontensystems auf das Vorhersagegebiet am
Sonntag hatten auch die beiden gestrigen Läufe auf der Agenda, das Verwellen der
Kaltfront und die kräftige Wellentiefentwicklung in der Nacht zum bzw. am Montag
allerdings nicht. Nach Lesart beider Läufe sollte die Kaltfront bereits in der
Nacht zum Dienstag die Alpen erreicht haben, während die im aktuellen IFS-Lauf
dann erst auf den Nordwesten übergreift.
In der erweiterten Mittelfrist simulierte der gestrige 00 UTC-Lauf ein etwas
längeres antizyklonal konturiertes Intermezzo (Nordwest antizyklonal), während
der gestrige 12 UTC und der aktuelle Lauf beide etwas „troglastiger“ und somit
zyklonaler, aufgestellt sind, wenngleich die jeweiligen Trogpassagen auch
phasenverschoben erfolgen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bereits für den Donnerstag und Freitag ergeben sich Modelldifferenzen, die
durchaus prognose- und auch warnrelevant sein dürften. Sie betreffen in erster
Linie die Warmfront, die Donnerstagabend auf den Westen Deutschlands übergreift.
Deren Passage über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts erfolgt nach Lesart des
ICON-EU und auch des GFS rascher. Beide haben den auf Mitteleuropa
übergreifenden Höhenrücken markanter als das IFS auf der Agenda, so dass die
Warmfront nach GFS so gut wie gar nicht ins Schleifen gerät, ICON-EU simuliert
diesen Prozess dagegen weiter östlich. Beide Modelle simulieren somit deutlich
geringe Niederschlagsmengen; GFS sogar auch in Staulagen weniger als 10 mm in 12
Stunden, ICON-EU hat lediglich im Oberallgäu warnrelevante Mengen auf der
Agenda. Am ehesten ähnelt noch das kanadische GEM der IFS-Variante und simuliert
zumindest in einigen Staulagen mehr als 30 mm in 24 bis 36 Stunden.
Am Samstag und Sonntag hat dann, was das Durchschwenken des markanten
Höhenrückens angeht, GFS die progressivste Variante auf der Agenda. Bereits in
der Nacht zum Sonntag wird Norddeutschland nach Lesart des Modells von einer
ersten, sich abschwächenden Kaltfront überquert, die eine West- bis Südwestlage
einleitet. Diese ist nach GFS im weiteren Verlauf deutlich antizyklonaler als in
der IFS-, aber auch in der GEM-Variante aufgestellt.
Eine Außenseiterlösung bietet dagegen das ICON an: Im Gegensatz zu den anderen
Modellvarianten schwenkt der Höhenrücken über Mitteleuropa am Sonntag nicht
rasch weiter nach Osteuropa, sondern wird durch ein Höhentief über Ost- bzw.
Südosteuropa blockiert. Dieser Blockadeprozess verhindert das Übergreifen der
Frontalzone nach Mitteleuropa und es kommt zu einem Austrogungsprozess knapp
westlich der Britischen Inseln, wobei sich der Trog zu Wochenbeginn weiter nach
Süden ausweitet, aber kaum mehr nach Osten vorankommt. Auch zu Beginn kommender
Woche befindet sich die Achse des Höhenrückens somit über dem östlichen
Mitteleuropa und über dem Vorhersagegebiet stellt sich eine antizyklonale
Südlage ein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, im Zeitraum T+72 bis 96 Stunden, verteilen
sich die 49 Member, Haupt- und Kontrolllauf auf 6 Cluster, die sich aber, die
Wetterentwicklung in Mitteleuropa betreffend, kaum unterscheiden. Im Detail
ergeben sich natürlich, wie auch schon beim Modellvergleich, Unterschiede, was
die Niederschlagstätigkeit im Bereich der schleifenden Warmfront angeht. Dabei
sind die vom Hauptlauf simulierten Niederschlagsmengen im Vergleich zu den
Einzelmembern für viele Gitterpunkte im Vorhersagegebiet eher im oberen Bereich
der Plumes angesiedelt.
Im nächstfolgenden Zeitraum (T+120 bis 168 Stunden) werden drei Cluster
generiert (jeweils 23, 14 und 14 Member, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1).
Cluster 1 folgt erwartungsgemäß dem Hauptlauf mit der Umstellung auf eine
zyklonale Westlage (erneut positive NAO) zu Beginn kommender Woche. Cluster 2
und 3 haben dagegen eine Umstellung Richtung Blocking über Mittel- und
Nordeuropa auf der Agenda, wobei Cluster 2, Mitteleuropa betreffend,
antizyklonaler aufgestellt ist als Cluster 3, der eher der GFS-Variante (Südwest
antizyklonal) ähnelt.
Die erweiterte Mittelfrist (T+192 bis 240 h) bietet ebenfalls drei Cluster
(jeweils 30, 15 und 6 Member, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1). Cluster 1
deutet eine Fortsetzung der Westlage an. Auch in Cluster 2 wird der „Block“ über
Ost- bzw. Nordosteuropa allmählich wieder abgebaut, das Ganze mündet aber
Richtung Mitte kommender Woche eher in eine antizyklonale West- bis
Nordwestlage.
Cluster 3 hat dagegen einen Trogvorstoß nach Westeuropa auf der Agenda, in
weiterer Folge tendiert der Trog aber aufgrund eines nach wie vor markanten
nordosteuropäischen Blocks über Frankreich bzw. dem westlichen Mittelmeerraum
auszutropfen.
Diese doch nicht unerheblichen Unterschiede spiegeln sich auch in den
Rauchfahnen diverser Gitterpunkte innerhalb des Vorhersagegebietes wieder, die
teilweise bereits ab Sonntag, spätestens aber zu Beginn kommender Woche einen
großen Spread, die 850 hPa-Temperaturen betreffend, aufweisen. Als Beispiel für
einen in den mittleren Landesteilen gelegenen Gitterpunkt ergeben sich zu Beginn
kommender Woche Einzelmembervarianten mit 850 hPa-Temperaturen um 0 Grad und um
15 Grad, das Gros der Member bewegt sich allerdings bei milden 4 bis 10 Grad.

FAZIT:
Der grobe Fahrplan im Mittelfristzeitraum steht zumindest bis Samstag fest,
wobei sich Unsicherheiten bzgl. der schleifenden Warmfront am Freitag ergeben.
Danach stehen die Prognosen noch auf wackligen Füßen. Die meisten
deterministischen Läufe zeigen die Umstellung auf eine milde und teils zyklonal
teils antizyklonal konturierten West- bis Südwestlage, ICON und auch nicht
wenige Einzelmember des IFS-EPS tendieren dagegen Richtung Blockade über Ost-
bzw. Nordeuropa.
So oder so, im Großen und Ganzen bleibt es mild, ein Hauch von Winter ist zum
Monatswechsel wohl auch im Bergland (noch) nicht in Sicht.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Unter Berücksichtigung aller Unsicherheiten besteht im Zeitraum von
Donnerstagnachmittag bis Freitagfrüh in den Staulagen einiger Mittelgebirge und
der Alpen (zunächst vor allem der westlichen und zentralen, später der östlichen
und ostbayerischen Mittelgebirge) ein gewisses, allerdings eher geringes
Potenzial für Dauerregen und wird auch so von den probabilistischen Verfahren
gezeigt. Dabei ist vor allem COSMO-LEPS recht offensiv aufgestellt, während nach
ICON-EU-EPS und IFS-EPS die Wahrscheinlichkeiten meist weniger als 20% betragen.

Zeitweise ist auch der Wind warntechnisch von Relevanz. Am Donnerstag und
Freitag kann es in den Gipfellagen vor allem der zentralen und östlichen
Mittelgebirge, am Donnerstag auch noch an den Küsten stürmische Böen aus Südwest
bis West geben, auf exponierten Gipfeln auch Sturmböen.
Danach sollte der Wind warntechnisch erstmal kaum eine Rolle spielen. Je nach
Modellvariante frischt er erst zum Sonntag hin bzw. zu Beginn kommender Woche
wieder auf, nach der aktuellen IFS-Variante könnte es dann im norddeutschen
Binnenland stürmisch werden. Diese Entwicklung ist aber noch mit einigen
Fragezeichen versehen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff