SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Montag, den 30.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 301800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
UNDINE mit Punktlandung – Winter startet winterlich, wenn auch nicht überall. In
der Nacht ab der Mitte süd-südostwärts Schneefall, nach Westen hin stellenweise
gefrierender Regen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … dürfen wir uns als interessierte Zeitzeugen einer aktiven
Wetterumstellung bezeichnen, die uns – pünktlich zu Beginn des meteorologischen
Winters am morgigen Dienstag – zumindest im Süden und in der Mitte tatsächliches
Winterwetter bringt. Es passiert nicht so häufig, dass die Natur respektive
Atmosphäre derartig brav und regelkonform menschgemachte „künstliche“
Jahreszeitenwechsel bedient. Im Gegenteil, nicht selten schert sich das Wetter
einen Teufel um irgendwelche Jahreszeiten, seien sie anthropogenen oder auch
astronomischen Ursprungs. Schon der heutige Morgen begann mit einem kleinen
Paukenschlag, wurde doch in der Südwesthälfte bei überwiegend klarem Himmel
verbreitet mäßiger Frost zwischen -5 und -9°C gemessen. Im Wetterpark in
Offenbach beispielsweise wurde mit -6,7°C die bisher niedrigste Temperatur des
Jahres 2020 registriert, ein Jahr, das immerhin schon Monate wie Januar und
Februar hinter sich hat!

Von der Vergangenheit zur Gegenwart bzw. Zukunft. Aktuell fällt der Luftdruck in
ganz Deutschland, wodurch die heute über weite Strecken noch wetterwirksame
zonale Hochdruckbrücke immer mehr zusammengequetscht respektive nach Süden
abgedrängt wird. Initialzünder des Ganzen ist eine substanzielle Austrogung über
der Nordsee, die in einen scharfen, weit nach Süden ausholenden KW-Trog mündet.
Das geht freilich auf Kosten seiner Progression, stattdessen dürfte es morgen
früh über Westdeutschland zu einer Abtropfung kommen. Zuvor bildet sich über der
Nordsee am Okklusionspunkt eines Frontensystems, das zu einem Tief unweit der
Bäreninsel (18 UTC) gehört, ein kleines Teiltief mit dem Namen UNDINE. Es zieht
langsam nach Süden und mach am Dienstagmorgen in Ostfriesland „landfall“.

Nun aber zum Allerwichtigsten, dem Wetterverlauf. PVA auf der diffluenten
Trogvorderseite, anfangs noch unterstützt durch WLA sowie frontale Hebung
induzieren ein großräumiges und skaliges Niederschlagsgebiet, das sich von
Nordwesten her südostwärts vorarbeitet und bis zum Morgen weite Teile des
Vorhersageraums erfasst. Lediglich Ober- und Niederbayern sowie ein Streifen
zwischen Vorpommern und Oberlausitz/Osterzgebirge dürften noch außen vor
bleiben.
Im Nordwesten fällt aufgrund der „günstigen“ Tageszeit sowie ausreichend
Durchmischung Regen, der bei positiven Belagstemperaturen keine
Verkehrsbehinderungen nach sich ziehen sollte. Richtig interessant wird es
eigentlich erst, wenn der Niederschlag in den Abendstunden den westlichen und
zentralen Mittelgebirgsraum erreicht. Hier fangen die Modelle an zu divergieren,
heißt, in der Wetterinterpretation wird teils Schnee, teils Regen, teils
gefrierender Regen angeboten. Trennt man sich an dieser Stelle mal von den
verschiedenen, dem Verfasser im Detail auch nicht immer bekannten numerischen
Verfahren zur Erfassung des voraussichtlichen Wetterzustands, sondern nähert
sich der Angelegenheit eher praktisch, kommt man zu folgendem Ergebnis:
Die Mittagsaufsteige zeigen im Westen (Idar-Oberstein) eine breite, aber sehr
trockene „warme Nase“ zwischen 800 und 975 hPa, deren Schmelzschicht de jure
ausreichen würde, von oben fallenden Schnee zu schmelzen und am Boden zumindest
dort, wo der Boden gefroren ist (teils in den Mittelgebirgen), gefrierenden
Regen zu generieren. Die Frage ist nun, wie lange dauert dieser Zustand an,
sprich, wie schnell wird die warme Nase durch Hebungs- und Verdunstungsabkühlung
getilgt. Durch die sehr große Trockenheit in der warmen Schicht ist von einer
starken Abkühlungsrate durch Verdunstung auszugehen, der aber leichte WLA
unterhalb von 850 hPa entgegensteht. Ach ja, nicht zu vergessen, die
Gegenstrahlung, die mit der von Nordwesten übergreifenden Bewölkung in Gang
kommt und für einen Temperaturanstieg in den bodennahen Schichten sorgt. Summa
summarum also ein kompliziertes Gleichungssystem mit viel Unbekannten, das nicht
so einfach und linear zu knacken ist.
Kurzum, in den Kältelöchern der westlichen Mittelgebirge ist lokal und
vorübergehend gefrierender Regen möglich, der warntechnisch aber nur kurzzeitig
in den Griff zu bekommen ist. Ansonsten fällt entweder Schnee (z.T. nach einer
kurzen Phase mit gefrierendem Regen) oder nach Norden hin im Verlauf Regen. Mit
jedem Kilometer weiter nach Osten und Süden nimmt die Mächtigkeit der „warmen
Nase“ ab (siehe Aufsteige von Stuttgart und Frankfurt) bzw. verläuft die
Zustandskurve nahezu komplett unter dem Gefrierpunkt (Meiningen, Kümmersbruck,
München). Entsprechend fallen die Niederschläge bis in tiefe Lagen überwiegend
als Schnee bis in tiefe Lagen. Dabei kommen 1 bis 5 cm, in einigen Staulagen der
westlichen und zentralen Mittelgebirge bis zu 10 cm teils feuchter Neuschnee
zusammen.
Ansonsten gilt es noch zu konstatieren, dass die Nacht mit Ausnahme Nord- und
Nordwestdeutschlands frostig wird mit den tiefsten Temperaturen im Süden und
Südosten (lokal bis zu -8/9°C). Außerdem kann es an der unteren Donau sowie am
Inn, also dort, wo die Nacht häufig klar startet, stellenweise dichten Nebel
geben. Ach ja, dann wäre da noch der Wind, der an und über der Nordsee aus
Südwesten kommend bis Mitternacht deutlich nachlässt, während er in exponierten
Hochlagen prominent unterwegs bleibt (8-9 Bft).

Dienstag … zieht das abgetropfte Höhentief die deutsch-französische Grenze
entlang zur Westschweiz und von dort zum Golf von Genua, wo es zum Tageswechsel
aufschlägt. Nicht ganz so eilig hat es im Schlepptau das Bodentief UNDINE, das
zur Mittagszeit so gerade mal niedersächsisch-westfälische Grenze überschreitet
und auf seinem Weg gen Eifel immer mehr ans Substanz verliert. Die zugehörige
Okklusion kommt zwar noch etwas nach Südosten voran, wird den Vorhersageraum
aber nicht vollständig überqueren, bevor sie sich gegen Abend, spätestens in der
Nacht zum Mittwoch auflösen wird.
Bevor es soweit ist, verlagert sich das Niederschlagsgebiet zunächst mal in den
Süden des Landes, wo es bei 850-hPa-Temperaturen um -3°C verbreitet schneit.
Dabei kommen wenige Zentimeter Neuschnee oder auch nur Schneematsch zusammen. Im
Schwarzwald können es auch noch mal rund 5 cm werden, was in der Akkumulation
mit dem nächtlichen Schneefall bis zu 15 cm bedeutet. Kaum oder überhaupt kein
Schnee fällt hingegen zwischen dem östlichen Alpenrand und dem Bayerischen Wald.
Im Tagesverlauf schwächen sich die Niederschläge bei etwas ansteigender
Schneefallgrenze (Tagesgang, diffuse Strahlung) ab bzw. hören ganz auf.
Abgesetzt vom Geschehen fällt auch im Westen des Vorhersageraums, quasi auf der
West-Nordwestflanke des Cut-Off-Tiefs noch zeitweise Niederschlag. Dabei kann es
vor allem in den Hochlagen der Eifel vorübergehend schneien, wobei hier noch
nicht das letzte Wort gesprochen ist. Letztlich hängt die genaue Entwicklung von
der Zugbahn des Cut-Off- bzw. Bodentiefs ab. Liegt der Kurs nur etwas weiter
westlich, fällt wahrscheinlich nur wenig Niederschlag. Liegt der Kurs nur etwas
weiter östlich, steigt die Schneefallgrenze.
Im Norden und Osten des Landes bleibt die Niederschlagsneigung gering,
gebietsweise geht der erste Wintertag sogar trocken, aber meist stark bewölkt
bis bedeckt über die Bühne. Der Wind spielt wahrscheinlich keine große Rolle
mehr, es sei denn, das Tief zieht etwas weiter östlich nach Süden. Dann hätte
der auf Nord bis Nordost drehende Wind zumindest an der ostfriesischen Küste die
Chance, sich warnwürdig in Szene zu setzten (7-8 Bft). Ansonsten lässt der Wind
auch auf den Bergen sukzessive nach. Während die Temperatur im Nordwesten in
Abwesenheit der aufgemischten kalten Grundschicht auf 5 bis 10°C steigt, bleibt
es in den übrigen Regionen (nass)kalt mit 0 bis maximal 5°C, im Südosten sowie
in einigen Mittelgebirgen auch etwas darunter.

In der Nacht zum Mittwoch verschwindet das Bodentief über Westfrankreich
allmählich von der Wetterkarte, was bei uns ein gradientschwaches, amorph
anmutendes Druckfeld erzeugt. Mit Abzug des Höhentiefs gen Genua steigt das
Potenzial von Norden her an, wofür ein vom nahen Ostatlantik über die Nordsee
bis nach Skandinavien reichender Höhenrücken verantwortlich zeichnet.
Die mittlere Troposphäre trocknet ab, die Niederschlagswahrscheinlichkeit nimmt
tendenziell ab und es rücken einmal mehr die üblichen Grenzschichtprobleme in
den Blickpunkt. Zum Teil bleibt tiefe Restbewölkung übrig, teils bildet sich
Nebel oder Hochnebel, aus dem hier und da etwas Nieselregen oder Schneegriesel
fallen kann. Gebietsweises Aufklaren zeichnet sich am ehesten in den östlichen
Landesteilen ab. Vor allem in der Südosthälfte sowie in den gesamten
Mittelgebirgen gibt es leichten Frost, streckenweise Glätte durch gefrierende
Nässe oder Reif bzw. geringfügige Niederschläge gratis dazu.

Mittwoch … wird der Rücken durch einen vom Seegebiet um Island herum in
Richtung UK/Irland vorstoßenden Höhentrog immer weiter gestaucht. Die Nordhälfte
verbleibt auf der Südflanke unter geringen Potenzialgegensätzen, während sich
der Süden unter der Nordflanke des zum Ligurischen Meer ziehenden Höhentiefs
wiederfindet. Bodennah etabliert sich eine schwache Brücke, die ein
umfangreiches Hoch über dem mittleren Nordatlantik mit einem Hoch über Russland
verbindet (beide über 1040 hPa). Ante portas steht über der Nordsee allerdings
schon das nächste Frontensystem, das zu einem kräftigen und nur wenig mobilen
Tief unweit von Jan Mayen gehört. Die Fronten scheinen ihre Stärken aber in der
Defensive zu besitzen, jedenfalls wagen sie zunächst noch keine Attacke auf den
Vorhersageraum.
So verläuft der 2. Dezember vergleichsweise ruhig und unspektakulär, aber nicht
ganz gerecht, was die Sonnenanteile angeht. So sickern von Osten trockenere
Luftmassen ein, in der die Wolkendecke vermehrt auflockert. Insbesondere
nördlich des Erzgebirges bis hoch nach BB, vielleicht sogar noch weiter nach
Norden lässt sich für einige Stunden die Sonne blicken. Dagegen bleiben in der
Westhälfte die Schotten unterhalb einer bei 850 hPa verorteten Absinkinversion
dicht, ohne dass dabei aber nennenswerter Niederschlag fällt.
Die Temperatur erreicht Höchstwerte von 0 bis 6°C, im Süden und Südosten
stellenweise leichter Dauerfrost.

In der Nacht zum Donnerstag tut sich nicht allzu viel. Im Vorfeld des sich
geringfügig nähernden Frontensystems setzt leichte Hebung ein, die im Nordwesten
etwas Regen bringt. Außerdem kann vornehmlich im Westen aus dem Hochnebel bzw.
der hochnebelartigen Bewölkung etwas Nieselregen oder Schneegriesel fallen. Mit
Ausnahme West- und Nordwestdeutschlands geht die Temperatur in den leichten, im
Süden und Osten gebietsweise mäßigen Frostbereich zurück. Zudem bildet sich
stellenweise Nebel. Über der Nordsee zieht der südliche Wind vorübergehend an
mit der einen oder anderen Böe 7 Bft.

Donnerstag … gelangen wir auf die Vorderseite eines hochreichenden Tiefs
zwischen Schottland und Island. Das o.e. Frontensystem bzw. die übrigbleibende
Okklusion touchiert den Westen und Nordwesten mit leichtem Regen, im Bergland
auch Schnee. Ansonsten tut sich in der eingeströmten Kaltluft (T850 im Südosten
bis zu -8/-9°C) wenig. Auflockerungen oder sonnige Abschnitte sind am ehesten im
Osten sowie der östlichen Mitte, vielleicht auch noch am Alpenrand zu erwarten.
Im Westen und Nordwesten steigt die Temperatur auf 3 bis 7°C, sonst werden 0 bis
4°C erreicht. Im Süden (stellenweise) sowie im höheren Bergland herrscht
leichter Dauerfrost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die beschriebene Entwicklung wird grundsätzlich sehr ähnlich simuliert.
Hauptschwierigkeit ist der Phasenübergang Regen-gefrierender Regen-Schnee in den
nächsten Stunden im westlichen Mittelgebirgsraum. Die Schneefallwarnung steht,
eine erste Glatteiswarnung auch. Weitere Glatteiswarnungen werden aber in situ
und auf Sicht ausgegeben. Im Bereich Odenwald/Spessart/Vogelsberg wird die
Schneefallwarnung für die zweite Nachthälfte noch auf „ocker“ hochgestuft, weil
binnen weniger Stunden 5 bis 10 cm Schnee fallen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

VHDL30 DWSG 301800 WARNLAGEBERICHT für Baden-Württemberg

VHDL30 DWSG 301800
WARNLAGEBERICHT
für Baden-Württemberg

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 30.11.2020, 20:30 Uhr

Etwa ab Mitternacht bis Dienstagvormittag bei leichtem Frost 
verbreitet Schnee und Glätte, später lediglich noch im Bergland. Dort
windig. 

Entwicklung der Wetter- und Warnlage: 

In der Nacht zum Dienstag greift ein Tiefausläufer über und bringt 
vielerorts zumindest vorübergehend den ersten Schnee. Anschließend 
setzt sich das herbstliche Hochdruckwetter fort.

FROST:
In der Nacht zum Dienstag und Dienstagvormittag leichter Frost.

SCHNEE/GLÄTTE:
Etwa ab Mitternacht bis Dienstagvormittag in tiefen Lagen 1 bis 3 cm,
oberhalb 400 m bis 5 cm Neuschnee. Im Bergland bis 10 cm, in 
Staulagen bis 15 cm Neuschnee. Ab Dienstagmittag lediglich noch im 
Bergland Schneeglätte zu erwarten. In der Nacht zum Mittwoch 
zusätzlich auch in tieferen Lagen überfrierende Nässe.

GLATTEIS:
Im Westen und Nordwesten in der ersten Nachthälfte örtlich 
gefrierender Regen mit Glatteisbildung nicht ausgeschlossen. 

WIND:
In der Nacht zum Dienstag und Dienstagvormittag auf exponierten 
Schwarzwaldgipfeln stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen zwischen 65 
und 80 km/h aus Südwest. 

Nächste Aktualisierung: spätestens Dienstag, 01.12.2020, 04:30 Uhr

Deutscher Wetterdienst, Regionale Wetterberatung Stuttgart, Thomas 
Schuster 

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Montag, den 30.11.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.11.2020 um 10.30 UTC

Besonders im Süden und Westen nass-kalt, bevorzugt im Bergland Neuschnee. Alpen
Südföhn. Nächte zumeist frostig und glatt.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 07.12.2020

Allmählich kommt während der Mittelfrist mit Blick auf die Nordhemisphäre und da
vor allem mit Blick auf die Dynamik in der Stratosphäre etwas Spannung auf –
ausgenommen vom europäischen Sektor, wo man zusammenfassend sagen kann: Weder
Fisch noch Fleisch.

Legen wir den Fokus zunächst einmal auf die Frage, was stromauf an
Dynamik/Impulsen für den europäischen Sektor zu erwarten ist.
Sofort fällt einem eine klassische, ja fast schon lehrbuchreife positive PNA
(Pazifik-Nordamerika) Struktur ins Auge, u.a. gestützt von GEFS-Vorhersagen, die
teils Spitzenwerte des vergangenen Sommers erreichen. Ein kräftiges
Tiefdruckgebiet bei den Aleuten sowie stark positive Geopotenzialanomalien über
dem Nordwesten der USA sowie über weiten Bereichen Kanadas prägen dieses
klimatologische Regime (inklusive stark positiver Temperaturanomalie in 850 hPa
über Kanada).

Gestützt wird dieses Regime die gesamte Mittelfrist über von dem bereits während
der vergangenen Woche beschriebenen Impulseintrag in die Grundströmung,
ausgehend von anormal hohem Bodendruck im asiatischen Sektor (Stichwort:
Gebirgsimpuls). Der u.a. dadurch forcierte Polarfrontjet erreicht östlich von
Japan in den Vorhersagen weiterhin durchweg Geschwindigkeiten zwischen 150 und
200 kt. Durch den hohen Impulseintrag findet eine rasche „Ostausdehnung“ des
nordpazifischen Jets statt, was sich auch im sogenannten „Nordpazifik
Jetdiagramm“ durch eine hohe Memberbündelung in eben diesem Sektor zeigt. Vor
der Nordwestküste der USA wird der Jet dann labil und bildet die beständigen und
blockierenden Wellenmuster. Das Resultat sind positiven Anomaliewerte im
Geopotenzial über Kanada, die sich teils über Grönland bis in den
nordatlantischen Sektor erstrecken und somit eine solide Blockierung im
nordatlantisch-europäischen Sektor hervorrufen. Freunde des Winters kommen bei
solch einer Konstellation vor allem im Nordosten der USA auf ihre Kosten.

Während also von Westen auf absehbare Zeit erst einmal keine durchgreifende
Zonalisierung zu erwarten ist, kommt beim Blick auf den Polarwirbel in der
Stratosphäre (SPW) mehr Schwung in die Mittelfrist. Die vergangenen IFS-EPS
Vorhersagen des zonal gemittelten Zonalwindes in 10 hPa deuten (nach aktuellen
Werten jenseits des 90-iger Perzentils) weiterhin eine nachhaltige Abschwächung
des SPWs an, wobei die Member bei der Vorhersage am 23.11. deutlich nach unten
gegangen sind und dort seitdem auch geblieben sind. Dabei liegt der Median der
Einzelmember unter dem Median des Modellklimas und etwa auf der Linie der
letzten CFS Vorhersage.
Die vergangene Woche angesprochene markanten Erwärmung in der Stratosphäre über
dem ostasiatischen und pazifischen Sektor ist weiterhin in den
Vorhersagemodellen vorhanden und gar kräftiger geworden (u.a. forciert durch
verstärkte Wellenflüsse und beständiges „blocking“ im Uralbereich). Die
Antizyklone verdrängt dabei den SPW in 10 hPa die Mittelfrist über vom zentralen
arktischen Ozean direkt zum Pol und in der erweiterten Mittelfrist in den
Bereich der nördlichen Kara/Barents- und Grönlandsee. Eine ähnliche Verlagerung
findet beim Blick auf den SPW in 50 hPa statt, der etwas östlicher in Richtung
Laptewsee zieht. In der erweiterten Mittelfrist wird hier gar eine Dipolbildung
über dem kanadischen und (nördlichen) zentralasiatischen Sektor angedeutet und
diese Entwicklung spiegelt sich auch im Grenzbereich zwischen Stratosphäre und
Troposphäre wider. Dank der allmählichen Bildung eines Dipols und der daraus
resultierenden Strukturierung eines umfangreichen Troges über dem
kanadisch/nordamerikanischen Sektor wird die gesamte Mittelfrist im Grenzbereich
Troposphäre/Stratosphäre wiederholt hohes Geopotenzial in Richtung Grönland und
Island aufgespannt. Stromab – über dem europäischen Sektor – nistet sich
hingegen eine quasi-stationäre Rossby-Welle ein, die dank der Keilaufwölbungen
stromauf immer wieder regeneriert wird. Dies zeigt sich auch beim Blick auf die
v-Wind Komponente im Niveau der Tropopause (gemittelt zwischen 30 und 60 Grad
Nord), die einen quasi-stationären Wellenzug hervorhebt (den anderen im
Nordpazifik – wir erinnern uns an das beständige positive PNA Regime). Die Achse
der Welle liegt laut heutiger Vorhersage entlang des Nullmeridians und somit
knapp westlich von Deutschland, sodass wir beständig auf dessen Vorderseite
verbleiben. Mit fehlendem Impuls von Westen sowie einem beständigen Uralblock im
Osten wird sich die Mittelfrist und voraussichtlich auch die erweiterte
Mittelfrist über sehr wenig an diesem Grundmuster ändern. Von winterlichen Kälte
in 850 hPa ist im gesamten europäischen, wie auch sibirischen Sektor wenig zu
sehen.

Sowohl die NAO, als auch die NAM fallen die Mittelfrist in deutlich negative
Gefilde ab, was die blockierte Grundströmung hervorhebt. Die MJO ist unauffällig
mit Blick auf einen möglichen tropischen Einfluss.

Was bedeutet nun diese Entwicklung der Mittelfrist für das Wetter in Deutschland
/ Mitteleuropa für den Zeitraum vom Donnerstag, den 3.12. bis Montag, den
7.12.2020?

Dank der beständigen Trogvorderseite ist mit keinem signifikanten Kälteeinbruch
zu rechnen, doch wäre das den Meteorologen im Vorhersagebetrieb sicherlich
lieber als die sich nun einstellende, tagelange meridional ausgerichtete und
zonal schwankende Luftmassengrenze/ Grenzwetterlage, die bei IFS gezeigt wird.
Dabei pendeln die Temperaturwerte in 500 hPa im Westen meist zwischen -25 und
etwas unter -30 Grad, während sie im Osten zeitweise 10 Grad/Kelvin höher
liegen. Die Werte in 850 hPa liegen durchweg etwas unter 0 Grad, während sie im
Südosten und zum Wochenbeginn im abgehobenen Föhn zwischen +5 und in der Spitze
um +10 Grad liegen. Bringt man nun hier noch eine Grenzschicht ins Spiel, die
teils von der freien Atmosphäre entkoppelt und somit kälteresistent ist, ergeben
sich zahlreiche Möglichkeiten für „winterliches Ungemach“.

Zum Beginn, am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag, liegen wir noch in einer
alternden Polarluft, während ansonsten die Weichen zu einer ausgeprägten
Trogvorderseite gestellt werden: Rückdrehen des Windes in der Höhe auf Süd bis
Südwest und leicht fallendes Geopotenzial/sinkender Bodendruck von Westen. Ein
teilokkludiertes Frontensystem erfasst den gesamten Westen von Deutschland,
wobei die Schneefallgrenze meist um 400 m pendelt und erst ausgangs der Nacht
von Südwesten auf 600-800 m steigt. Aktuelle Vorhersagesoundings zeigen regional
auch Potenzial für gefrierenden (Sprüh)regen, aber solche Detailfragen lassen
sich jetzt noch nicht klären. Ansonsten klingen letzte Schneefälle an den Alpen
ab (Reste eines vorherigen und in Richtung Mittelmeer abziehenden Höhentiefs),
sodass im Süden und Osten bei teils starker, teils aufgelockerter Bewölkung noch
einmal die Grenzschicht mit der bekannten Nebel-/Hochnebellotterie das Sagen
hat.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag weitet sich der Trog rasch nach
Spanien/Portugal aus und Deutschland gelangt in der Höhe unter eine stramme Süd-
bis Südwestströmung. Die am Vortag vor allem Westdeutschland erfassende
teilokkludierte Front wandelt sich über dem Westen/der Mitte Deutschlands in
eine wellende und quasi-stationäre Front um. Ob aus der Höhe erzwungen,
orografisch forciert oder durch regional verstärkte frontogenetische Mechanismen
gestützt werden wiederholt Niederschläge im Umfeld der Front gezeigt. Die
Niederschlagsintensität sowie die thermische Schichtung der Grenzschicht
entscheiden, wo Regen, Schnee oder gefrierender Niederschlag fällt, wobei
letzterer bei besserer Durchmischung eher in den Hintergrund treten sollte.
Entsprechend variabel sieht die Schneefallgrenze mit Werten zwischen 400 und 800
m aus. Abgesehen vom Südwesten und der Mitte bleibt es sonst meist trocken und
die zumeist dichte Wolkendecke kann regional auch mal für längere Zeit
auflockern. In den Nachtstunden bildet sich besonders im Osten und Südosten
wieder häufig Bodennebel und allgemein muss mit erhöhter Glätte gerechnet
werden. An den Alpen setzt abgehoben der Föhn ein und bildet im Südosten Bayerns
zunehmend eine kräftige warme Nase aus.

Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag ändert sich an der eingefahrenen
Wetterlage wenig. Der Langwellentrog weitet sich bis ins nördliche Algerien aus
und Deutschland liegt in einer kräftigen südlichen Höhenströmung. Entlang dieser
baroklinen Zone wird zwar wiederholt die Passage bzw. Bildung von schwachen
Tiefdruckgebieten angedeutet, die jedoch noch keine Konsistenz von Modelllauf zu
Modelllauf aufweisen. Die Lage der Luftmassengrenze wird nur unwesentlich nach
Osten verschoben, sodass im gesamten Südwesten (Schwerpunkt), der westlichen
Mitte und zeitweise auch im Nordwesten Niederschlag fällt, der oberhalb von
400-800 m in der festen Phase auftreten sollte. Im aktuellen (00Z) Lauf deutet
sich ein 24-std. Niederschlagsschwerpunkt im Südwesten an, was auch in tieferen
Lagen einiges an Neuschnee bedeuten könnte, allerdings springt auch dieser
Schwerpunkt noch sehr von Lauf zu Lauf. Zudem wird am Ostrand des Niederschlags
im Übergangsbereich zur „Föhnnase“ ein deutliches Signal für Glatteisregen
gezeigt, das rein aus der Synoptik heraus nicht von der Hand zu weisen wäre
(wenngleich abzuwarten bleibt, wie kalt die Grenzschicht tatsächlich ist).
Im Osten verläuft der Tag hingegen meist trocken und je nach föhnigem Abtrocknen
kann sich auch längere Zeit die Sonne zeigen. In der Nacht bildet sich über der
Mitte teils dichter Nebel.

Am Sonntag und in der Nacht zum Montag bleiben der Langwellentrog wie auch die
Luftmassengrenze nahezu ortsfest über Deutschland liegen, wobei die Oszillation
der Luftmassengrenze stark von neuen Tiefdruckentwicklungen abhängt. Aus
heutiger Sicht sollte sich der Föhn rückseitig einer solchen Störung etwas
abschwächen und vor allem dem Osten Niederschläge bringen, die auf der warmen
Seite der Luftmassengrenze durchweg als Regen fallen (Schneefallgrenze zwischen
1000 und 1500 m). Auch wenn sonst kaum Niederschlagssignale auszumachen sind, so
überwiegt doch in der Höhe der zyklonale Einfluss, sodass auch im Westen und
Süden weiterhin etwas Niederschlag in allen Aggregatszuständen nicht
ausgeschlossen werden kann. Insgesamt gilt auch hier – es gibt noch gewaltige
Sprünge beim Niederschlag, was weiterhin vor allem der Unsicherheit der
Lage/Intensität von schwachen Wellen/Tiefdruckgebieten geschuldet ist, die
entlang der Luftmassengrenze nach Norden geführt werden. Die Nacht verläuft über
der Mitte erneut teils neblig.

Zum Montag schwenkt die Luftmassengrenze bei unveränderter Geopotenzialgeometrie
wieder nach Westen und würde abgesehen vom Westen Deutschlands vielerorts Regen,
Schnee oder gefrierenden Niederschlag bringen.

Die Höchstwerte liegen je nach Durchmischung und Lage der Luftmassengrenze
zwischen -1 Grad (am Donnerstag im Bergland um -5 Grad) und +7 Grad, am
Sonntag/Montag in der Lausitz gar im niedrigen zweistelligen Bereich. Die Nächte
verlaufen meist frostig und das Thema „Glätte“ wird uns wohl wenigstens regional
sehr häufig begleiten.

Beim Wind spielt der Föhn sicherlich eine Hauptrolle, der im Verlauf der Nacht
zum Freitag auf exponierten Alpengipfeln zu wehen beginnt und exponiert die
gesamte Mittelfrist über andauert. Aktuell sieht der Freitag/Samstag als der
Schwerpunkt für die Föhnentwicklung aus mit exponiert teils orkanartigen Böen,
allerdings hängt dies stark von der Entwicklung möglicher kleinräumiger
Tiefdruckgebiete ab. Daneben treten über der Deutschen Bucht am Donnerstag und
Freitag teils Sturmböen aus Süd auf, die am Wochenende mit Drehung auf Ost
nachlassen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Innerhalb der vergangenen 3 Modellläufe von IFS gibt es die gesamte Mittelfrist
hindurch keine signifikanten Diskrepanzen. Alle Läufe zeigen die Annäherung
eines umfangreichen Troges zum Beginn der Mittelfrist (Donnerstag, den 3.12.).
Dieser nistet sich dann den gesamten Vorhersagezeitraum über (bis mindestens
Montag, den 7.12.) über West-/Südwesteuropa ein, sodass Deutschland auf der
Trogvorderseite verbleibt. Zum Ende der Mittelfrist gibt es geringe zonale
Unterschiede bezüglich der Lage der Trogachse, alle Lösungen zeigen jedoch
weiterhin einen direkten Einfluss auf das Wetter in Deutschland.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ein ähnlich einheitliches Bild ergibt sich beim Blick auf die internationalen
Globalmodelle. Zwar ergeben sich zum Wochenbeginn Unterschiede bei der
Handhabung der Geometrie des Langwellentroges, bei allen Lösungen verbleibt
Deutschland jedoch auf der Vorderseite des Troges. Größere Diskrepanzen (bzw.
ein chaotisches Bild) zeigen sich bei der Handhabung von kleinräumigen
Tiefdruckgebiete, die entlang der Luftmassengrenze nach Norden geführt werden.
Hier kann noch keine Vorhersage getroffen werden. Allerdings hat diese
Unsicherheit große Auswirkungen auf diese Mittelfrist bezüglich der Frage, wann
der Föhn wie stark weht, wo Niederschlagsschwerpunkte sind und welcher
Phasenzustand beim Niederschlag zu erwarten ist. Bei GFS z.B. wird die wellende
Front zum Ende der Mittelfrist schneller nach Osten abgedrängt als bei IFS,
sodass dann ein einheitlicheres Bild überwiegen würde (Bergland Schnee,
Tieflagen Regen).

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS-EPS beginnt mit zwei Clustern, wobei der Kontrolllauf
im etwas stärker besetzten ersten, der deterministische Lauf im zweiten Cluster
zu finden ist (beim klimatologischen Regime „negative NAO“). Deutschland liegt
in beiden Clustern auf der direkten Vorderseite des kräftigen Troges, sodass
hier die Umstellung in der Höhe auf Südwest einheitlich gezeigt wird.

In der Folge glänzt der Cluster mit nur einer Lösung und durchweg einem klimat.
Regime „negative NAO“. Das verwundert nicht so sehr, handelt es sich doch um
eine sehr eingefahrene Wetterlage mit positiven Geopotenzialanomalien über
Kanada/Grönland und dem Nordostatlantik sowie im Umfeld des Uralgebirges. Dieses
stationäre Wellenmuster mündet in die Bildung des quasi-stationären
Langwellentroges über Westeuropa. Deutschland liegt durchweg auf der Vorderseite
des Troges in einer südlichen Höhenströmung.

Zum Ende der Mittelfrist ergeben sich zwei Cluster mit dem Regime „Blockade“,
wobei der Schwerpunkt der Member im ersten Cluster zu finden ist (wo sich auch
der Kontrolllauf und der det. Lauf befinden). Im ersten Cluster verbinden sich
die positiven Anomalien über dem Nordostatlantik und dem Ural zu einer
umfangreichen Brücke, die zudem Kontakt zum kanadischen Gegenstück pflegt. Der
Langwellentrog schnürt sich dabei über Südwesteuropa ab. Etwas weniger blockiert
sieht der zweite Cluster aus, wobei der Langwellentrog bei dieser Lösung intakt
bleiben und eher über West-/Mitteleuropa verbleiben würde. Egal welcher Cluster
nun herangezogen wird, von Westen ist keine Zonalisierung zu erwarten und wir
verbleiben im Einflussbereich niedrigen Geopotenzials in der Höhe. Die Fortdauer
der Grenzlage/Luftmassengrenze ist daher nicht von der Hand zu weisen.

In der Folge (bis Mitte Dezember) erhöhen sich die Unsicherheiten deutlich (5
Cluster), wobei das Regime „negative NAO“ überwiegt. Je nach Cluster verbleiben
wir unter einem weiter alternden, oder sich von Nordwesten
regenerierenden/intensivierenden Langwellentrog, wobei überall Blockierungen ins
Auge fallen, die in hohen Breiten ansetzen. Abgesehen vom fünften Cluster (mit
der geringsten Memberzahl) würde das für Deutschland eine Fortdauer einer leicht
wechselhaften Wetterlage bedeuten.

Die Meteogramme aus ausgewählten deutschen Städten zeigen durchweg einen
nass-kalten und wechselhaften Wetterabschnitt mit nur kurzen trockenen Phasen.
Immer wieder gibt es auch bei der Schneevorhersage Ausschläge, das besonders im
Süden und in den Nachtstunden. Zwar verhindert häufig dichte Bewölkung starkes
nächtliches Auskühlen, aber bei Werten um 0 Grad bleibt die Glätteproblematik
Nacht für Nacht ein (Warn)Thema.
Bis Freitag zeigt die Rauchfahne der 850 hPa Temperatur eine enge Bündelung,
beginnt in der Folge aber stark zu streuen. Dies ist auf die Tiefdruckgebiete
zurückzuführen, die entlang der Luftmassengrenze nach Norden geführt werden und
innerhalb der Memberschar stark unterschiedlich gehandhabt werden bezüglich
Intensität und Lage. Etwas einheitlicher sieht es bei der Rauchfahne des 500 hPa
Geopotenzial aus, die am Freitag ihren Tiefpunkt erreicht und in der Folge (dem
Auffüllprozess des Troges entsprechend) sukzessive ansteigt.

GEFS sieht es recht ähnlich, wenngleich zum Ende der Mittelfrist die
Luftmassengrenze nach Osten abgedrängt wird.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Palette an signifikanten Wettererscheinungen sollte bunt und vielfältig
sein, nur können aus heutiger Sicht leider keine zeitlichen/regionalen
Schwerpunkte genannt werden. Grundsätzlich ist das Potenzial aber vorhanden für
folgende markante Wettererscheinungen:

NIEDERSCHLAG (SCHNEE/GEFRIERENDER REGEN):
Die Wahrscheinlichkeitsvorhersage der Niederschlagsphase vom IFS-EPS zeigt in
ausgewählten Städten Deutschlands wiederholt Signale für Niederschlag mit
variabler Phase, jedoch jeweils mit geringer Wahrscheinlichkeit, was die
Unsicherheit der Schwerpunkte hervorhebt. Besonders im Süden und zeitweise auch
im Westen überwiegt die feste Phase (bevorzugt in den Nachtstunden). Zudem fällt
im Südosten auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für GEFRIERENDEN Niederschlag
von Samstag auf Sonntag ins Auge, was aber auch im Südwesten und entlang der
westlichen zentralen Mittelgebirge regional nicht ausgeschlossen werden kann.
Letzteres ist aber ein Thema für die „Nowcast“.

Markante NEUSCHNEEmengen sind am Donnerstag/in der Nacht zum Freitag im
westlichen Mittelgebirge regional möglich. Danach wird das Bild beim EPS
verwaschener. Grundsätzlich kann entlang der Luftmassengrenze regional die
markante Warnschwelle erreicht werden.

WIND:
Über der Deutschen Bucht zeigt das EPS am Donnerstag und besonders am Freitag
erhöhte Wahrscheinlichkeit für Böen Bft 8-9 aus Süd. In der Folge schwächen sich
die Signale für Böen Bft 9 deutlich ab, bleiben für stürmische Böen jedoch
zweitweise erhalten.

Entlang der Alpen weht ab der Nacht zum Freitag beständig Südföhn, wobei das
IFS-EPS erhöhte Wahrscheinlichkeiten bis zu Bft 12 zeigt. Daher sind auf
exponierten Gipfeln durchaus Orkanböen denkbar. Der Schwerpunkt ist aus heutiger
Sicht der Freitag und Samstag, bevor sich die Signale ab Sonntag deutlich
abschwächen.

Der EFI hebt keine größeren Gebiete hervor, allerdings springt er bei
„Schneefall“ (Westdeutschland, Alpen) und „Wind“ (Alpen) zeitweise auf die
Berglagen an. Die leicht negativen Temperaturanomalien im Osten am Donnerstag
weichen rasch klimaneutralen Werten. Allerdings liegt die Frage des
„Warnaufkommens“ vor allem in der Nowcast und auf regionaler Ebene. Daher kann
die Mittelfrist aktiver ausfallen als es der EFI aktuell andeutet.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, MOSMIX, IFS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

DWD -> Thema des Tages 2020-11-30

Thema des Tages

Spätherbst kontra Frühwinter mit der spannenden Frage der 
Wettererscheinung

Zum meteorologischen Winterstart pendelt das Wetter zwischen 
Spätherbst und Frühwinter und teilt Deutschland zunächst auf. Gerade 
ab dem heutigen Abend wird es aus Wettersicht wieder spannend, wenn 
von der Nordsee und Benelux Niederschläge übergreifen. Nicht überall 
ist die Frage nach der Niederschlagsphase abschließend geklärt.


Derzeit thront das Azorenhoch weiter über dem Atlantik und kann 
seinen Einflussbereich sogar in nördliche Richtungen erweitern, was 
für das Wetter in Deutschland nicht ganz uninteressant ist. Auf der 
anderen Seite jedoch schwächelt Hoch WILLY über dem östlichen 
Mitteleuropa zunehmend und verabschiedet sich nach Südosteuropa. 
Damit ist der Weg in der Sollbruchstelle zwischen den beiden Hochs 
für tiefen Luftdruck frei. 

Diese nutzt Tief UNDINE vor der Nordküste Norwegens, indem es einen 
Ableger von Dänemark nach Benelux und Nordwestdeutschland schickt. 
Als Verbindungsglied zwischen Muttertief UNDINE über Lappland und dem
Randtief fungiert ein zunehmend okkludierter Tiefausläufer, der sich 
bis Dienstagmittag einmal von Nord nach Süd über Deutschland legt. 

Somit wäre der Übergang von Hochdruckeinfluss mit ruhigem, teils zu 
dichtem Nebel oder Hochnebel neigendem Wettercharakter hin zu 
unbeständigem Tiefdruckwetter abgeschlossen. Da das Tief auf seiner 
Westflanke zudem erwärmte Polarluft im Gepäck hat, und die bodennahen
Luftschichten während des Hochdruckwetters auskühlen konnten, kann 
der Frühwinter erstmals Einzug halten. Doch wer genau ist davon 
betroffen und welche Phase haben die fallenden Niederschläge? 
Spannende Fragen, die von der Modellwelt unterschiedlich beantwortet 
werden. 

Relativ unstrittig ist, dass die Niederschläge im Nordwesten etwa bis
zum Rothaargebirge, Westerwald und Hunsrück bis in mittlere, teils 
sogar bis in höhere Lagen rasch als Regen fallen. Durch den Zustrom 
der erwärmten Nordseeluft kann sich die Milderung dort schnell 
durchsetzen (vgl. Graphik 1). Allenfalls in den Kältelöchern des 
Berglandes könnte es glatt werden, wenn der Niederschlag auf 
gefrorenen Boden trifft. 

Anders sieht es in Richtung Südosten aus. Vor allem in 
Rheinland-Pfalz und dem Südwesten Hessens zeigen die Wettermodelle 
verschiedene Niederschlagsphasen. Demnach sind Regen und Schnee 
genauso möglich wie gefrierender Regen mit Glatteisbildung. Aber was 
liegt diesem zu Grunde? Am Beispiel des Ballonaufstieges der Station 
Idar-Oberstein kann man die Unsicherheiten bezüglich der Phase recht 
gut erklären (vgl. Graphik 2). 

Der Wetterballonaufstieg liefert dem Meteorologen Informationen über 
die unteren 10 bis 15 km der Atmosphäre. Im Aufstieg vom heutigen 
Montagnachmittag (schwarze Linien) kann man sehr gut erkennen, dass 
die Luft über der Station noch hochreichend trocken ist. Dies lässt 
sich an dem meist recht großen Abstand zwischen der schwarz 
gestrichelten und schwarzen durchgezogenen Linie feststellen. Zudem 
ist auffällig, dass der Temperaturverlauf (schwarze durchgezogene 
Linie) etwa zwischen 500 und 200 Metern deutlich positiv ist, am 
Boden aber einen sogenannten frostig kalten Fuß aufweist. Bei einem 
solchen Aufstieg ist nicht mit Niederschlag zu rechnen. Würde 
Niederschlag fallen, wäre der positiv temperierte Bereich groß genug,
den fallenden Schnee zu schmelzen. Der entstehende Regen kann dann am
frostigem Boden gefrieren und es bildet sich Glatteis. 

Der grüne Ballonaufstieg zeigt die troposphärischen Verhältnisse nach
dem deutschen Wettermodell um 1 Uhr nachts. Man kann festhalten, dass
die trockenen Schichten verschwunden sind. Vor allem in den höheren 
Luftschichten ist zunächst feuchte Luft vorangekommen. Entstehende 
Niederschläge sind dann in die trockenen, tieferen Schichten gefallen
und haben diese angefeuchtet. Durch die Verdunstung ist der Luft 
dabei bis zur Feuchtesättigung Energie entzogen worden, sodass die 
Temperaturen zurückgegangen sind. Die sogenannte 
Verdunstungsabkühlung führt schließlich bevorzugt in den unteren 
Höhenschichten dazu, dass die warme Nase (positiver 
Temperaturbereich) abgebaut, also kleiner wird. In höheren Schichten 
sorgt zudem die Warmluftadvektion für das Aufsteigen der Luft, sowie 
entsprechende Abkühlung. Genau diese beiden beschriebenen Prozesse 
sind aber mit größeren Unsicherheiten behaftet. Ist die 
Warmluftadvektion sehr stark, kann sie die Hebungsabkühlung 
kompensieren und es wird rasch milder. Gleichermaßen stellt sich die 
Frage, wie weit die sogenannte warme Nase in der Grenzschicht (untere
2000 m) abgebaut wird. Die blaue Fläche in unserem Modellaufstieg 
zeigt, dass in diesem Fall der Warmlufteinschub nicht mehr ausreicht,
den Schnee zu schmelzen. Doch schon eine etwas größere Nase könnte 
eine Teil- oder Vollabschmelzung bringen und bei frostigen 
Bodentemperaturen vorübergehend gefrierenden Regen verursachen. Je 
nachdem wie das Modell nun aufgebaut, programmiert und auch vertikal 
aufgelöst ist, kann es unterschiedlich auf die Vorgänge reagieren. 

Aufgrund der beschrieben Unsicherheiten bei den troposphärischen 
Prozessen ist das Modell meiner Wahl am heutigen Mittag das 
hochaufgelöste deutsche Modell (COSMO-D2). Dieses zeigt am 
Dienstagmorgen südlich von Hunsrück und Westerwald in 
Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie auch den Westen von 
Baden-Württemberg und Hessen nur etwa oberhalb von 200 bis 400 m eine
Schneedecke von 1 bis 4 cm, weiter östlich wird es auch in tiefen 
Lagen weiß. Im Bergland kann sich dagegen der Schnee akkumulieren. 
Vor allem im Schwarzwald, dem Odenwald und dem Vogelsberg sind bis 10
cm, in den Hochlagen des Schwarzwaldes bis zum Abend auch bis 20 cm 
Neuschnee möglich (vgl. Graphik 3).

Ab Mittwoch kann sich dann zwischen den steuernden Tiefdruckgebieten 
im Bereich der Britischen Inseln und des Nordmeers sowie dem Tief 
über dem zentralen Mittelmeerraum eine Tiefdruckrinne bilden, in der 
sich schließlich auch Deutschland befindet. Während der Norden und 
Westen nachfolgend mehr von den atlantischen Tiefs beeinflusst und 
somit von milderer Luft geflutet werden, ist im Süden und Osten eher 
eine kältere Luftmasse wetterwirksam, welche die Mittelmeertiefs von 
Osten oder Südosten ins Land steuern. Dementsprechend zeigen die 
Temperaturen tagsüber und in der Nacht ein kräftiges Gefälle vom 
Nordwesten in den Südosten des Landes. Während im Südosten die 
Höchstwerte bis Freitag um den Gefrierpunkt verharren und hier und da
etwas Schnee fällt, ist von Ostfriesland bis zum Niederrhein bei 
teils windigen und milden 6 bis 8 Grad etwas Regen möglich.



Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 30.11.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Sonntag, den 29.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 291800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 29.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
In der Nacht zum und am Dienstag mit Trog- bzw. Tiefdruckpassage vorübergehend
unbeständig, dabei vor allem im Süden bis in tiefe Lagen etwas Schnee. Davor und
danach ruhiges Hochdruckwetter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … verläuft die zunehmend ins Mäandrieren geratende Frontalzone auf
recht nördlicher Bahn über die Irminger See und Island hinweg bis nach
Nordskandinavien. Darin eingebettet, verlagert sich ein recht markanter
kurzwelliger Höhentrog über das Nordmeer hinweg nordostwärts und weitet sich
nach Süden, Richtung Schottland, aus. Stromab stützt WLA zunächst noch einen
Höhenrücken, dessen Achse sich über Benelux und Nordwestdeutschland bis nach
Südschweden erstreckt und der wiederum flankiert wird von einem Höhentief über
Weißrussland. Daraus ergibt sich über weiten Teilen des Vorhersagegebietes eine
schwache, antizyklonal konturierte nördliche Höhenströmung. Im Laufe der Nacht
verlagert sich der Höhenrücken mit seinem Südteil allmählich südostwärts,
wodurch das Höhentief etwas nach Norden abgedrängt wird und die Höhenströmung
auf Nordwest dreht.
Im Bodenfeld stützt der Rücken eine Hochdruckzone, die sich – ausgehend von
einem umfangreichen Hochdruckgebiet über dem mittleren Nordatlantik – über die
Britischen Inseln bis in die Mitte Deutschlands erstreckt. Mit Annäherung des
Frontensystems eines mit dem Höhentrog korrespondierenden Bodentiefs über dem
Nordmeer setzt im Nordwesten zwar bereits leichter Druckfall ein, aber erst im
Laufe der zweiten Nachthälfte macht sich das Frontensystem selbst dort mit dem
Aufzug erster hoher und mittelhoher Wolkenfelder bemerkbar.
Somit dominiert im Vorhersagegebiet ruhiges spätherbstliches Hochdruckwetter.
Während sich die Absinkinversion in den meisten Regionen etwa zwischen 500 und
1000 m Höhe befindet und sich vielerorts die Hochnebelfelder auflösen konnten
(lediglich im südlichen Alpenvorland sowie am Bodensee und Hochrhein und
stellenweise von der Pfalz bis ins Bergische Land blieb es trüb), gelangt in den
Osten und Nordosten des Landes am Westrand des Höhentiefs von Polen her eine
etwas hochreichend kältere und auch wolkenreiche Luftmasse, die Inversion
befindet sich dort meist zwischen 800 und 850 hPa. Somit bleibt es dort auch die
Nacht über meist stark bewölkt bis bedeckt und leichte Hebungsprozesse können
gebietsweise etwas Nieselregen bzw. (am ehesten wohl an Erzgebirge und Zittauer
Gebirge) auch Schneegriesel auslösen. Frost gibt es dort zwar nicht überall,
wenn er aber auftritt, muss mit Glätte gerechnet werden.
Ansonsten sinkt die Temperatur verbreitet in den Frostbereich, zumal die
alternde Luftmasse insgesamt etwas an Feuchte verloren hat, der Wind etwas
lebhafter aus Ost weht und es dauern wird, bis sich die Nebel- und
Hochnebelfelder wieder ausweiten bzw. verdichten. Gebietsweise, vor allem in
einigen Senken bzw. Mittelgebirgstälern in Südwest- und Süddeutschland, gibt es
auch mäßigen Frost. Glätte spielt kaum eine Rolle, ist aber aufgrund von Reif
bzw. gefrierendem Nebelnässen nie ganz ausgeschlossen.

Montag … wird eine Unterbrechung der ruhigen, antizyklonalen Wetterlage
eingeleitet. An der Nordostflanke des markanten und Höhenrückens über dem
mittleren Nordatlantik wird der Kurzwellentrog über dem Nordmeer nach Südosten
gesteuert und erreicht abends die norwegische Küste bzw. die Nordsee. Das
korrespondierende Bodentief zieht Richtung Bäreninsel, das zugehörige
Frontensystem erreicht unter fortschreitendem Okklusionsprozess abends die
Deutsche Bucht. Der vorgelagerte Höhenrücken wird nach Polen bzw. Tschechien,
die Hochdruckzone nach Süddeutschland abgedrängt und mit Annäherung des
Frontensystems verschärft sich der Druckgradient im Nordwesten des Landes.
Der meist süd- bis südöstliche Wind dreht dort auf Süd bis Südwest und frischt
deutlich auf. Für warnrelevante Böen (Bft 7) reicht es aber wohl auch im
Nordseeumfeld erst am späteren Nachmittag oder Abend, auf Helgoland und auf dem
Brocken kann es eventuell auch stürmische Böen (Bft 8) geben.
Dazu setzt im Laufe des späten Nachmittags und am Abend etwa vom Westmünsterland
bis nach Ostholstein leichter Regen ein.
Ansonsten ändert sich zunächst nur wenig. Im Osten und Nordosten bleibt es
überwiegend stark bewölkt, nur gebietsweise lockert die hochnebelartige
Bewölkung dort auf, da das Höhentief über Osteuropa an Einfluss verliert und die
Inversion etwas aufgeweicht wird. In der Mitte und im Süden halten sich in
einigen Regionen wieder ganztägig Nebel- und Hochnebel, eventuell auch wieder an
der Donau und in der Oberpfalz, wo sich heute mit auffrischendem Nordostwind der
Nebel verbreitet aufgelöst hat, der Wind mit Durchschwenken der Hochachse aber
eher auf Südost bis Süd zurückdreht. Außerhalb der Nebelgebiete scheint dort
aber wieder die Sonne, vor allem in höheren Lagen oberhalb von etwa 600 bis 1000
m.
Die Höchstwerte ändern sich gegenüber dem Vortag nur wenig und liegen meist
zwischen 0 und 4 Grad, im Nordseeumfeld auch darüber, in Regionen mit
beständigem Nebel gibt es leichten Dauerfrost.

In der Nacht zum Dienstag wird’s spannend und zum ersten Mal in dieser Saison
(man ist fast versucht, zu sagen, in diesem Jahr) stehen auch abseits der Alpen
winterliche Erscheinungen im Fokus der Warntätigkeit, die nicht nur mit
Grenzschichtphänomenen (also Reif, gefrierender Nebel, etc…) zusammenhängen.
Der Kurzwellentrog greift im Laufe der Nacht von der Nordsee her auf
Nordwestdeutschland über, wo ein Abtropfprozess eingeleitet wird, da sich vom
Rücken über dem mittleren Nordatlantik ein markanter und breit angelegter
Höhenkeil Richtung Nordmeer schiebt. Am Okklusionspunkt des Frontensystems im
Bodenfeld entwickelt sich bereits in den Abendstunden etwa im Bereich der
Südwestspitze Norwegens ein Tiefdruckgebiet und zieht bis Dienstagfrüh nach
Schleswig-Holstein. Das Frontensystem selbst kommt etwa bis in die mittleren und
südwestlichen Landesteile voran, die Niederschläge eilen etwas voraus, so dass
es morgens wohl nur noch vom südlichen Alpenvorland bis zum Bayerischen Wald
sowie vom Osterzgebirge bis zur Uckermark trocken bleibt.
Die Niederschlagsphase ist im Nordwesten und Norden, eigentlich in der gesamten
Norddeutschen Tiefebene unkritisch, da dort die Grundschicht noch nicht
sonderlich ausgekühlt ist, sich bereits abends rasch dichte Bewölkung
ausbreitet, die die Ausstrahlung verhindert und der für bessere Durchmischung
sorgende Südwestwind deutlich zulegt. Mit jedem Kilometer nach Süden wird es
aber spannender. Dabei kommt vor allem im Einflussbereich des anfangs nach
Westen zu noch vorhandenen mitteltroposphärischen Warmluftkörpers auch die
gefrierende Phase ins Spiel, je nach vorheriger Auskühlung der Grundschicht. Die
Prognosesoundings haben vor allem in Rheinland-Pfalz und im Saarland bis nach
Hessen und ins südliche NRW reichend mit einsetzenden Niederschlägen in der
ersten Nachthälfte noch recht ausgeprägte „warme Nasen“ auf der Agenda, so dass
in Regionen mit leichtem Frost oder Bodenfrost (am ehesten wohl in geschützten
Mittelgebirgstälern) vorübergehend auch gefrierender Regen auftreten kann. Im
weitere Verlauf führen Hebung und Verdunstungsabkühlung nieder- und
mitteltroposphärisch aber zu einem Temperaturrückgang, was sich auch gut in den
Prognosesoundings widerspiegelt, und es sollte meist die feste Phase dominieren
(T850 hPa um 06 UTC zwischen -1 und -4 Grad). Dann ist die entscheidende Frage:
Wo fällt Regen, wo Schnee? Die Übergangsregion befindet sich irgendwo in den
mittleren Landesteilen und lässt sich nach aktuellem Modellstand noch nicht im
Detail festmachen. Grob dürfte es in etwa südlich einer Linie Pfalz-Bergisches
Land (Mittelrheingraben eventuell ausgenommen)-Nordhessen-Leipziger Bucht bis in
tiefe Lagen schneien.
Vor allem vom Schwarzwald bis in den zentralen Mittelgebirgsraum werden in
einigen Staulagen mehr als 10 mm in 12 Stunden simuliert, womit dort dann das
Kriterium für markanten Schneefall (über 5 cm in 6 bzw. über 10 cm in 12
Stunden) erfüllt wäre. Auch in den Niederungen reicht es zumindest dort, wo es
vorher noch leichten Frost gab, vielerorts für 1 bis 5 cm Neuschnee.
Von Warnrelevanz ist auch der Wind. An der West- und Südflanke des Bodentiefs
baut sich ein recht veritabler Gradient auf. Im Nordseeumfeld dreht der Wind in
der zweiten Nachthälfte auf Nord bis Nordwest und vor allem im Bereich der
Ostfriesischen Inseln sowie auf Helgoland reicht es für stürmische Böen,
exponiert eventuell auch für Sturmböen (Bft 9). Weniger betroffen dürfte die
Küste Schleswig-Holsteins sein, da sie sich zu nahe am Tiefkern befindet.
Ansonsten reicht es wohl nur in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge für
stürmische Böen bzw. Sturmböen aus Süd, später Südwest, im östlichen Bergland
aus Südost bis Süd, wobei es dort in einigen Tälern vorübergehend auch
Böhmischen Wind geben kann. In höheren Kammlagen der westlichen und zentralen
Mittelgebirge sind somit auch Schneeverwehungen möglich.
Frostfrei bleibt es generell im Nordwesten und Norden und wohl auch in den
Niederungen Westdeutschlands. Im Südosten kann es dagegen bei noch längerer Zeit
aufgelockerter Bewölkung mäßigen Frost geben.

Dienstag … vollzieht sich der Abtropfprozess über Westdeutschland, bis zum
Abend zieht das Cut-Off-Tief bereits zu den französischen Alpen. Das
korrespondierende Bodentief verlagert sich allmählich südwärts und befindet sich
abends nach Lesart des aktuellen ICON-EU in etwa im Bereich des Westerwaldes,
dabei füllt es sich allmählich auf.
Der Schwerpunkt der Niederschlagstätigkeit verlagert sich somit mehr und mehr
nach West- und Süddeutschland, wobei die intensivsten Niederschläge entlang der
Westflanke des Tiefs simuliert werden, und zwar – nach ICON, GEM und IFS (noch
von 00 UTC) recht übereinstimmend – mit mehr als 5 mm in 12 Stunden etwa von
Ostwestfalen über das südliche NRW, West- und Südhessen bis nach Baden bzw. zum
Schwarzwald. In den Staulagen der Mittelgebirge werden 10 bis 15 mm simuliert,
nach ICON-EU im östlichen Sauerland sogar bis nahe 20 mm. Drumherum, also auch
im Süden und Südosten sowie ganz im Westen, stehen meist 1 bis 5 mm auf der
Agenda (lediglich vom Bodensee über das Allgäu bis ins Schwäbische Alpenvorland
etwas mehr), im Norden und Osten bleibt es dagegen bereits vielerorts trocken.
Nach wie vor simuliert GFS eine im Vergleich zum ICON etwas westlichere Zugbahn
des Tiefs und hat vor allem in den zentralen Mittelgebirgen entsprechend
deutlich geringere Mengen auf der Agenda.
Während der Vormittag im Süden auch in den Niederungen durchaus noch winterliche
Züge haben dürfte, steigt die Schneefallgrenze ansonsten mit dem Tagesgang und
mit besserer Durchmischung zögernd an, bei 850 hPa-Temperaturen um 18 UTC
zwischen 0 Grad im Nordwesten und -4 Grad im Süden auf etwa 800 m im Westen und
300 bis 500 m im Süden. Vor allem im Hochschwarzwald können dabei durchaus mehr
als 10 cm Neuschnee fallen, überhaupt steht in vielen Mittelgebirgsregionen ein
durchaus winterlicher Tag ins Haus, in den Niederungen bleibt es dagegen meist
bei „Stundenmatsch“.
Mit Auffüllen des Tiefs beginnt der Gradient im Vormittagsverlauf wieder
aufzufächern und der Wind im Nordseeumfeld sowie in den Kammlagen der
Mittelgebirge flaut allmählich ab. Spätestens am Nachmittag dürfte er kaum mehr
warnrelevant sein.
Die Sonne zeigt sich so gut wie gar nicht, am ehesten vielleicht noch im
äußersten Nordwesten. Mit besserer Durchmischung wird es vor allem im Norden und
Westen milder als an den Vortagen mit Höchstwerten zwischen 4 und 9 Grad. Sonst
bleibt es mit 0 bis 4 Grad recht kalt, im höheren Bergland gibt es leichten
Dauerfrost.

In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich das Cut-Off-Tief etwa in den Golf von
Genua. Der anfangs noch vom ihm ausgehende bis in den Norden des
Vorhersagegebietes reichende Höhentrog füllt sich auf, gleichzeitig wird der
ehemals über den Britischen Inseln bis ins Nordmeer gerichtete markante
Höhenrücken durch eine beginnende Austrogung über dem Seegebiet zwischen Island
und Schottland unter Verkürzung seiner Wellenlänge nach Süden abgedrängt.
Morgens erstreckt sich dessen Achse von den Britischen Inseln über die mittlere
Nordsee und Südschweden bis nach Finnland.
Dadurch dominiert auch über dem Vorhersagegebiet Absinken und das kleinräumige
Bodentief über Südwestdeutschland wird nach Ostfrankreich abgedrängt, wobei es
sich rasch auffüllt. Insgesamt stellen sich im Bereich einer sich aufbauenden
flachen Hochdruckbrücke erneut schwache Druckgegensätze ein.
Die Niederschläge klingen auch im Süden und Westen des Landes im Laufe der
ersten Nachthälfte ab, im Bergland fallen noch einige Zentimeter Neuschnee.
Ansonsten breiten sich wieder vielerorts Nebel- bzw. Hochnebelfelder aus und nur
gebietsweise können die Wolken auch mal stärker auflockern. Hier und da fällt
etwas Nieselregen oder Schneegriesel aus der Hochnebeldecke, am ehesten wohl
weiterhin im Westen und Süden. Im Norden und Westen bleibt es überwiegend
frostfrei, ansonsten gibt es stellenweise, nach Südosten zu auch wieder recht
verbreitet leichten Frost und Glätte durch Überfrieren.

Mittwoch … setzt sich die Austrogung über Nordwesteuropa weiter fort, abends
reicht der Langwellentrog mit Drehzentrum knapp nordöstlich von Island bis nach
Schottland bzw. zur nördlichen Nordsee. Mit dem damit einhergehenden
Geopotenzialverlust wird der Höhenrücken über der Nordsee nach Südosten unter
Verkürzung seiner Wellenlänge abgedrängt und von Norden her auch mehr und mehr
„abgehobelt“, abends erstreckt er sich über den Ärmelkanal und die Deutsche
Bucht noch bis zum Kattegat.
Im Bodenfeld verbleibt das Vorhersagegebiet im Einflussbereich der flachen
Hochdruckbrücke, wobei im Tagesverlauf im Nordwesten mit Übergreifen eines
Frontensystems auf die nördliche und mittlere Nordsee bereits Druckfall
einsetzt. Gegen Abend kann es im Vorfeld im Nordseeumfeld – am ehesten in
Nordfriesland – bei auffrischendem, aber wohl noch nicht warnrelevantem Süd- bis
Südwestwind eventuell etwas regnen.
Im übrigen Land dominiert der Einfluss der Hochdruckbrücke, wobei sich die
Absinkinversion in etwa 800 bis 850 hPa befindet und sich innerhalb der
feuchtkalten Grundschicht vielerorts eine hochnebelartige Bewölkung hält.
Chancen auf etwas Sonne bestehen am ehesten vielleicht noch am Alpenrand sowie
in den Gipfellagen der höchsten Mittelgebirge, vielleicht noch am
Erzgebirgsnordrand, wo die Grundschicht nicht ganz so dick ist. Hier und dort
fällt auch etwas Nieselregen aus dem Hochnebel. Die Höchstwerte liegen meist
zwischen 0 und 5 Grad, im äußersten Westen und im Nordwesten auch etwas darüber.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle fahren allesamt im Großen und Ganzen eine relativ
einheitliche Linie. Im Detail ergeben sich noch Differenzen, was die genaue
Zugbahn des Tiefs am Dienstag angeht. Diese wurden im Text bereits angesprochen
und könnten direkt Einfluss auf eventuelle Schneefallwarnungen haben.
Ansonsten sind die (meist marginalen) Unterschiede weder warn- noch großartig
prognoserelevant.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff