SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 22.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Bröckelnder Spätsommer, Umstellung auf kühles Herbstwetter naht. Im Osten und
Süden erst lokale Gewitter, dann Übergang in Dauerregen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … geht ein weiterer sonnenscheinreicher und sehr warmer Spätsommertag
zu Ende. In weiten Teilen des Landes wurde nochmals die 25 Grad-Marke
überschritten. Die Tage des verantwortlichen Hochs MANFRED (Zentrum in der Nähe
der Krim) sind allerdings gezählt, was allein schon ein Blick auf das Barometer
verdeutlicht. 1008 hPa, gemessen am Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel um 18 Uhr
Ortszeit bei strahlend blauem Himmel, ein trügerisches Zeichen und beileibe
keines für stabiles Hochdruckwetter – zumal bei weiterhin leicht fallender
Tendenz. Allerdings ist die Luftmasse zunächst noch sehr trocken, was
einstellige Taupunkte über der Mitte Deutschlands belegen.

Etwas anders verhält es sich in Süddeutschland, wo es mithilfe der Orographie
schon tagsüber einzelne Schauer und Gewitter (punktuell sogar Unwetter) gegeben
hat, die sich immerhin bis zur Pfalz, nach Thüringen und jüngst sogar bis in den
Leipziger Bereich vorgearbeitet haben. Doch irgendwann wurde der trockene
Einschub letztlich zu groß, so dass diese nach kurzer Zeit wieder in sich
zusammenfielen. Doch zurück in den Süden, wo die Taupunkte bei rund 15 Grad
liegen und der Radiosondenaufstieg von Kümmersbruck (12z) ein feuchtlabiles
Profil bis rauf auf 11 km („skinny“ CAPE) zeigte. Die bodennahe Auslöse wurde
aber um 2-3 Kelvin verfehlt, weshalb die Orographie in den meisten Fällen
unterstützend eingreifen musste.
Nun schwenkt jedoch in den kommenden Stunden ein flacher Randtrog vom Löwengolf
nach Norditalien und erzeugt damit einen zusätzlichen dynamischen Hebungsimpuls
im Alpenraum und in den Frühstunden sogar bis nach Niederbayern. Der nächtliche
CIN-Deckel von 50 J/kg und weniger sollte damit hier und da durchstoßen werden.
MU Cape liegt immerhin bei rund 300 J/kg – im Übrigen mit Erstreckung bis zum
Thüringer Wald und zum Erzgebirge, dort aber mit mehr als 100 J/kg deutlicher
gedeckelt. Von daher steht vor allem südlich der Donau eine vergleichsweise
unruhige Nacht bevor. Die Scherung ist zwar zu vernachlässigen, aber bei
nächtlicher Verclusterung von Einzel- und Multizellen ist neben den lokalen
„Hotspots“ gebietsweise auch 6-stündiger Starkregen um 20 l/qm nicht
ausgeschlossen (COSMO-D2-EPS 30-50% im Allgäu und im Landkreis Rottal-Inn).

Im Grenzbereich zur feuchten Luft bildet sich bei längerem Aufklaren lokal Nebel
(Mischungsnebel). Eine Kaltfront, die sich von der Nordsee und Nordfrankreich
her langsam nähert, spielt für die kommende Nacht noch keine Rolle. Die
Tiefstwerte liegen unter teils bewölktem Himmel zwischen 15 und 10 Grad, im
Nordwesten, wo es noch verbreitet klar ist, bei frischen 9 bis 6 Grad.

Mittwoch … liegt Deutschland auf der Vorderseite eines umfangreichen
Langwellentroges in einer südwestlichen Strömung, die gerade aufgrund des noch
vorhanden Randtrogresiduums über Süddeutschland noch sehr aufgefächert
daherkommt. Besagter Randtrog schwenkt unter Abschwächung im Tagesverlauf
ostwärts nach Österreich ab. Dennoch liefert er bis zum frühen Nachmittag, wenn
die bodennahe Auslöse erreicht sein sollte (Auslösetemperaturen im Südosten nur
wenig über 20 Grad), noch schwachen Hebungsantrieb. Der damit einhergehende
Druckfall macht sich auch als kleine zyklonale Ausbuchtung der 1005 hPa-Isobare
im Bodendruckfeld über Sachsen bemerkbar. Durch die bodennahe Strömung aus Süd
bis Südwest, kommt die feuchte (subtropische) Luftmasse mit PPW’s um die 30 mm
auch bis ins Altenburger Land und in die Oberlausitz nordwärts voran. Somit ist
es wahrscheinlich, dass neben den süddeutschen Mittelgebirgen (Schwarzwald wohl
außen vor) gerade auch im Erzgebirgsumfeld gewittertechnisch was gehen sollte.
Die Begleiterscheinungen sind mit denen des Vortags vergleichbar und beinhalten
vor allem den Starkregen, der lokal gefährlich nahe an die Unwetterschwelle von
25 l/qm binnen einer Stunde vorstoßen kann. Obwohl die Gewitter wohl vornehmlich
orographisch ausgelöst werden, sind auch in tiefen Lagen (Storm Motion zwar nur
bei 10 km/h aber kein so trockenes Entrainment mehr) einzelne Schauer und
Gewitter zu erwarten.

Die o.e. Kaltfront liegt strömungsparallel unter erneuter Wellenbildung über der
Nordsee und Nordfrankreich fest und kommt nicht groß weiter ostwärts voran. Erst
zum Abend erreichen erste dichtere Wolkenfelder die Nordseeinseln, das Emsland
und den Niederrhein. Sonst sollten Sonnenanbeter nochmals das sonnige und sehr
warme Spätsommerwetter genießen. Denn, …

In der Nacht zum Donnerstag läuft ein markanter Randtrog im Langwellentrog ab.
Er schwenkt vom Großraum London über die Nordsee hinweg und erreicht in den
Frühstunden Südnorwegen. Dadurch wird entlang der Front eine Zyklogenese in Gang
gesetzt, die sich in 12 Stunden von etwas über 1000 hPa auf unter 990 hPa
vertieft und zum Morgen ebenfalls die Südspitze Norwegens erreicht. An dessen
Südflanke verschärft sich der Gradient und der Wind dreht auf Südwest bis West –
beides Faktoren, die eine Beschleunigung der Kaltfront ostwärts begünstigen. Da
die Front vor allem in der zweiten Nachthälfte von Kaltluftadvektion überlaufen
wird, hält sich die Niederschlagsaktivität im Frontbereich in Grenzen. Bis zum
Morgen erreichen die leichten Regenfälle mit maximal 1 bis 5 l/qm binnen 6
Stunden etwa eine Linie Ostholstein-Harz-Schwäbische Alb. Der Wind frischt über
der freien Nordsee sowie auf exponierten Gipfeln mächtig auf und erreicht im
Mittel Windstärke 7 mit Sturmböen von 8 bis 9 Bft.
Präfrontal bleibt es nach rascher Auflösung letzter Schauer und Gewitter
abgesehen vom Aufzug höherer Wolkenfelder noch trocken. Die Tiefstwerte liegen
zwischen 15 und 10 Grad. Vor allem entlang der Donau kann sich vor dem
Bewölkungsaufzug Nebel bilden.

Donnerstag … hält das ursprüngliche Kaltluftadvektionsmaximum, das die Front
überläuft, deren Aktivität weiterhin auf einem Minimum. Bis auf ein
zerfleddertes Wolkenband, aus dem einzelne Tropfen fallen, wird davon auf dem
Weg nach Osten nicht mehr viel übrig bleiben. Aufgrund der Abschwächung des
Tiefs über Norwegen lässt auch die frontensenkreche Schubkomponente immer mehr
nach und der äußerste Osten und Südosten des Landes verbleibt noch im Bereich
der 10 Grad-Isotherme in 850 hPa mit Höchstwerten im Bereich eines Sommertages
(>25 Grad). Eingelagerte PVA-Maxima sind in der recht glatten südwestlichen
Höhenströmung zunächst nicht auszumachen. Erst zum Abend nähert sich ein kleiner
Kurzwellentrog von der Schweiz, womit schauerartige Regenfälle vom
Südschwarzwald bis zum Allgäu übergreifen (leichte Dimmerföhnlage mit Sturmböen
auf den Alpengipfeln). Ansonsten bleibt es bei einem Wechsel aus Sonne und
Wolken weitgehend trocken bei einem etwas kühleren Temperaturniveau um die 20
Grad.

In der Nacht zum Freitag passiert etwas, das für die weitere Entwicklung von
entscheidender Bedeutung ist. Ein zweites, kräftigeres Kaltluftadvektionsmaximum
entwickelt sich auf der Trogrückseite des Langwellentroges. Dadurch gewinnt
dieser merklich an Raum nach Süden und stößt bis Mitternacht über die Biskaya zu
den Pyrenäen vor. Die Kaltluft, die mit dem Mistral in den Löwengolf schießt,
begünstigt die Entwicklung einer Genuazyklonale. Gleichzeitig verlagert sich das
dipolartige Drehzentrum des Langwellentroges zur Doggerbank. Die Strömung steilt
damit über Deutschland weiter auf und kommt nun stramm aus Süd. Fertig ist das
allgemeine Setup einer Vb-Konfiguration. Prompt wird nicht nur die noch längs
über Deutschland liegende Luftmassengrenze wieder aktiviert, sondern auch
Aufgleitniederschläge (Warmluft aus Süd-Südost, bodennahe „Kaltluft“ aus West)
setzen ein. Die beteiligten Kurzwellentröge in der Höhe und die Gegenstromlage
an sich könnten sicherlich noch deutlich prägnanter ausgeprägt sein, aber
immerhin reicht die Konstellation bereits aus, um voraussichtlich in einem
Streifen vom Allgäu über Oberfranken bis zur Lausitz schauerartige verstärkte
und teils länger anhaltende Regenfälle auszulösen, die für Mengen zwischen 10
und 20, lokal auch um 30 l/qm gut sind. Nach wochenlanger Trockenheit eine
Wohltat muss man sagen, zumal die stündlichen Niederschlagsraten wohl gut zum
Versickern taugen und nicht zu hoch sind.
Abseits dieses Regenbandes ziehen vor allem im Westen im Trogbereich einzelne
Schauer durch. Aufgrund der kompakten Bewölkung liegen die Tiefstwerte noch bei
vergleichsweise milden 13 bis 7 Grad. Auf den Nordseeinseln und auf exponierten
Gipfeln treten anfangs noch starke bis stürmische Böen auf.

Freitag … stößt die Spitze des westeuropäischen Langwellentroges weiter nach
Süden über den westlichen Mittelmeerraum bis nach Algerien und Tunesien vor und
zeigt später erste Abtropftendenzen. Rückseitig sinkt die Temperatur in 850 hPa
immerhin auf unter 5 Grad ab (Meeresluft polaren Ursprungs), weshalb die
Niederschläge in den Pyrenäen und Alpen bis auf etwa 1000 Meter zunehmend in
Schnee übergehen – immerhin. Vorderseitig verbleibt die warme Subtropikluft mit
der 10 Grad-Isotherme in 850 hPa stets in der Nähe von Oder und Neiße.
Eventuelle Warmlufteinschubgewitter sollten daher vorrangig auf polnischer Seite
verbleiben. Die Trogachse ist dabei leicht negativ geneigt, was das Aufgleiten
von Osten verstärkt. Dabei laufen immer wieder kurzwellige Anteile – teils
orographisch induziert von Süd nach Nord ab. Ein markanterer seiner Zunft
induziert dabei ein Randtief, das nach dem neuesten ICON 12z Lauf am
Freitagabend 18 UTC über Bornholm mit einem Kerndruck unter 995 hPa liegen soll.
Dementsprechend muss man insbesondere für Teile Sachsens, Brandenburgs, Berlin
und Mecklenburg-Vorpommern länger anhaltende und teils kräftige Regenfälle auf
der Agenda haben. 6-stündige Starkregenfälle mit teils mehr als 35 l/qm sind
dabei durchaus wahrscheinlich, die Frage ist nur wo genau, denn gerade bei der
räumlichen Einordnung gibt es durchaus noch einige Modellunterschiede. Es steht
zu befürchten, dass diese aufgrund der komplexen Wetterlage auch selbst mit
Annäherung an das Ereignis nicht komplett verschwinden werden.

Ein zweiter Niederschlagsschwerpunkt kristallisiert sich südlich der Donau
heraus. Dieser steht im Gegensatz zu Erstgenanntem aber mehr in Verbindung zum
stationären Genuatief und dessen fortwährender Aufgleitprozesse über die Alpen
hinweg. Warnwürdige Schwellen werden dort in der Fläche mit mehrheitlich 10 bis
20 l/qm binnen 12 Stunden nicht erreicht, wohl aber unter Einbeziehung des 24h
Kriteriums für Dauerregen im Allgäu. Zumindest sind die Signale dort neben der
Deterministik auch in der Probabilistik mit 50-60% bei COMSO-Leps für mehr als
30 l/qm beachtlich.

Am freundlichsten wird es in der Nordwesthälfte, wo auch zeitweise die Sonne zum
Zuge kommt und nur vereinzelt mal kurze Schauer durchziehen. Mit nur noch 14 bis
18 Grad, im Dauerregen im Süden um 10 Grad hält der Herbst Einzug.

Modellvergleich und -einschätzung

Insbesondere hinsichtlich der Dauerniederschläge am Freitag an den Alpen, mehr
aber noch in Ostdeutschland bestehen noch große Unterschiede. Aufgrund der
komplexen, Vb-artigen Konfiguration ist das aber auch kein Wunder. Grundsätzlich
muss man bei dieser markante Dauer-/Starkregenereignisse immer ins Kalkül ziehen
und die Unsicherheiten verschwinden häufig selbst bis in Nowcasting hinein noch
nicht vollständig. Am gesichertsten ist die Dauerregenlage mit Beginn ab
Donnerstagabend in den Allgäuer Alpen, wobei im Laufe des Freitags die
Niederschläge oberhalb von etwa 1000 Metern immer mehr in Schnee übergehen. Auch
eine Ausweitung auf den kompletten Alpenrand ist nicht unwahrscheinlich, wobei
die Kriterien dabei voraussichtlich nur punktuell und nicht flächendeckend
erreicht werden. GFS scheint hier mit teils unwetterartigen Mengen über 50 l/qm
übers Ziel hinauszuschießen.

Im Osten sind die Hinweise auf markanten Dauer-/Starkregen für kommenden Freitag
aktuell noch recht dünn (EPS allesamt unter 10%, aber auch bedingt durch diffuse
Niederschlagsverteilung der Member). Eventuell verläuft der Schwerpunkt sogar
komplett auf polnischer Seite oder aber die Warnschwellen werden knapp verfehlt.
Bedenken sollte man, dass aufgrund der anhaltenden Trockenheit Regen von Natur
und Mensch vielfach herbeigesehnt wird und im Zweifel eher von einer Warnung
absehen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 211800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 21.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Abschwächung des Hochdruckeinflusses; im Süden einzelne markante Gewitter. Ab
Mittwoch von Westen her unbeständiger.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell …
Verläuft die Frontalzone sehr weit im Norden. An seiner Südflanke hat sich eine
flache Potentialbrücke von den Brit. Inseln bis zum Schwarzen Meer ausgebildet.
Weiterhin befindet sich mit Zentrum über Südwest-Frankreich und der Biskaya ein
flaches Höhentief. Es gliedert sich im Verlauf der Nacht an den herannahenden
Höhentrog als Randtrog an. Dies führt dazu, dass die Potentialbrücke von Westen
her abgebaut wird.
Wetterbestimmend bei uns bleibt in der Nacht die Potentialfbrücke, respektive
der Höhenkeil, der sich vom Schwarzen Meer bis nach Norddeutschland ausdehnt.
Im Bodendruckfeldfeld vertieft sich eine trogvorderseitig liegende Frontalwelle,
die im Verlauf der Nacht in das Seegebiet westlich von Schottland zieht.
Über Deutschland herrscht zwar leichter Druckfall aber die abendlichen Schauer
und Gewitter im Süden sollten rasch zusammenfallen.
In feuchteren Luftmassen kann sich küstennah teils dichter Nebel bilden. Das
gilt auch für die angefeuchteten Gebiete südlich der Donau. Ansonsten sind keine
wetterbedingten Warnungen zu erwarten.

Dienstag … setzt sich die Austrogung im östlichen Atlantik fort und der Trog
erreicht bis zum Abend eine Position knapp westlich von Irland. Das damit
korrespondierende Wellentief entwickelt sich zu einem veritablen 990er-Tief und
ist am Abend über der nördlichen Nordsee zu finden. Der recht breit angelegte
Randtrog über Frankreich kommt kaum ostwärts voran. Er sorgt aber für eine recht
schwache südwestliche Höhenströmung bei uns.

Das Bodendruckfeld ist gekennzeichnet durch schwachen Luftdruckgegensätze und
leichten Druckfall. Die im äußersten Südwest und Süden gelegenen, etwas
feuchteren Luftmassen kommen ein wenig nach Norden voran. Die Feuchte im Süden
nimmt etwas zu und auch das ML-CAPE kommt weiter nach Norden voran. Am
Nachmittag ist dann vom Schwarzwald und der Schwäbischen Alb bis zum
Alpenvorland mit Gewittern zu rechnen. Sie sind verbunden mit Starkregen, teils
auch länger andauernd.

Im Rest des Landes ist es ansonsten meist leicht bewölkt oder sonnig. Da mit der
südlichen Bodenströmung die warme Luft bis in den Norden transportiert wird
(T850 überall über 10 Grad) gibt es erneut in weiten Teilen des Landes einen
Sommertag. Ausnahmen hierbei die Küsten sowie ganz im Süden.

In der Nacht zum Mittwoch greift der Langwellentrog vom Ostatlantik auf Irland
über. Der vorgelagerte Randtrog erreicht die Alpen. Auf dessen Vorderseite kann
im Laufe der Nacht aufgrund von PVA über Süddeutschland dynamische Hebung geben
und daher ist das Abklingen der Gewitter am Abend auch nur vorübergehender
Natur. Es gibt vor allem südlich der Donau weitere teils auch gewittrige
Regenfälle, die auch länger andauern können. Ansonsten ist es in der Nacht
ruhig. Nach Nordwesten zu gibt es auch mehr Wolken. Diese hängen mit dem
Frontsystem des Tiefs zusammen, das in der Nacht die norwegische Küste erreicht.

Mittwoch … setzt sich die Umstellung der Wetterlage weiter fort. Die Achse des
Haupttroges verlagert sich bis zum Abend über die Irische See Richtung England
bzw. Schottland, der gesamte Langwellentrog wird durch einen weiteren
kurzwelligen Troganteil westlich von Irland regeneriert und kann sich weiter
nach Süden ausweiten. Über dem Vorhersagegebiet verstärkt sich die südwestliche
Höhenströmung und nimmt allmählich eine leicht zyklonale Kontur an. Der
vorgelagerte Randtrog zieht über den Alpenraum hinweg ostnordostwärts, verliert
aber zunehmend an Kontur. Die gebietsweise in Süd- bzw. Südostdeutschland
auftretenden schauerartigen Regenfälle dauern somit zunächst noch an, schwächen
sich aber im Tagesverlauf ab und die Wolken lockern gebietsweise auf. Dabei kann
erneut etwas Cape generiert werden, so dass sich nachmittags erneut Schauer und
auch einzelne Gewitter entwickeln können, bei PPW-Werten um 30 mm lokal eng
begrenzt nach wie vor mit Starkregen. Weiterhin ist unklar, wie weit diese
Niederschläge nach Norden ausgreifen. Hier gibt es noch Modellunterschiede.

Die Kaltfront des zu den Lofoten ziehenden Tiefs ist über der Nordsee zunehmend
parallel zur Höhenströmung positioniert und kommt kaum mehr nach Südosten voran,
wobei sich über der südwestlichen Nordsee ein Wellentief bildet, das bis zum
Abend zur mittleren Nordsee zieht. Somit werden auch im Westen und Nordwesten
die Wolken dichter und zum Abend hin fällt dort gebietsweise etwas Regen oder es
gibt einzelne Schauer, wobei die Gewitterwahrscheinlichkeit gering bleibt. Mit
Annäherung des Wellentiefs frischt im Bereich der Deutschen Bucht der Wind aus
südlichen Richtungen auf, ist aber bis zum Abend wohl noch nicht warnrelevant.
Ein letztes Mal gelangen von Südwesten her warme Luftmassen ins Vorhersagegebiet
(T850 hPa zwischen 10 und 14 Grad), die Höchstwerte liegen zwischen 22 und 27
Grad, mit den höchsten Werten in den mittleren und östlichen Landesteilen, wo
wohl noch am häufigsten die Sonne scheint. Richtung Alpen und an den Küsten
liegen die Höchstwerte um 20 Grad, teilweise auch darunter.

In der Nacht zum Donnerstag zieht der aus der ehemaligen Haupttrogachse
hervorgegangene kurzwellige und inzwischen scharf konturierte Randtrog rasch von
den Britischen Inseln über die Nordsee hinweg nordostwärts, während der
Haupttrog über Irland regeneriert wird.

Das Wellentief über der mittleren Nordsee kann mit dem Kurzwellentrog
interagieren, intensiviert sich und zieht zum Skagerrak. Dessen Kaltfront greift
im Laufe der Nacht mit schauerartigen Regenfällen auf den Westen und Nordwesten
Deutschlands über, dabei kann es auch vereinzelte kurze Gewitter geben. An der
Südflanke des Tiefs frischt der Wind vor allem im Nordwesten deutlich aus
Südwest, später West auf und es gibt ausgangs der Nacht im Nordseeumfeld steife
bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8), auf dem Brocken auch einzelne Sturmböen (Bft
9).

Im Süden und Südosten klingen die Schauer und vereinzelten Gewitter dagegen in
den späteren Abendstunden ab, dort lockern die Wolken noch einmal stärker auf,
so dass sich stellenweise dichter Nebel bildet.
Mit Tiefstwerten zwischen 14 und 8 Grad verläuft die Nacht relativ mild.

Donnerstag … verlagert sich die Achse des Höhentroges nach Großbritannien.
Korrespondierend dazu erreicht auch das Bodentief im Tagesverlauf
Großbritannien, wodurch sich vor allem im Bereich der südlichen Nordsee der
Gradient verschärft. Vorderseitig davon überquert die Kaltfront den Norden über
und erreicht am Abend die Oder. Nach Süden zu wird die Front zurückgehalten und
erreicht erst am Abend Süddeutschland. An der Front kann es gebietsweise Schauer
und Gewitter geben, wobei die Frontpassage in Teilen des Landes wahrscheinlich
trocken abläuft. Signifikant ist dagegen die Windentwicklung. Vor allem am
Nachmittag und Abend ist im Nordseeküstenbereich mit steifen, auf den Inseln
auch stürmischen Böen aus Südwest bis Süd zu rechnen. Weiterhin gibt auf den
Gipfeln der Mittelgebirge stürmische Böen, auf dem Brocken auch Sturmböen.

Hinter der Kaltfront geht die T850 von 10 bis 12 auf 5 bis 7 Grad zurück. Daher
liegen auch die Höchsttemperaturen etwas niedriger als an den Vortagen, zwischen
17 Grad ab der Küste und 24 Grad. Ein Sommertag wird lediglich noch im äußersten
Osten und Südosten erreicht, wo auch die Sonne am längsten zu sehen ist.

In der Nacht zum Freitag greift der Trog auf Frankreich über und ein Drehzentrum
des Bodentiefkomplexes erreicht die südwestliche Nordsee. Dadurch verstärkt
sich, nach einer vorrübergehenden Abschwächung, der Wind im Bereich der Nordsee
erneut. An der Küste gibt es dann steife, auf den Inseln auch stürmische Böen.
Auch auf den Gipfeln der Mittelgebirge und der Alpen sind stürmische Böen bis
Sturmböen möglich.
Die Nacht bleibt mild bei Werten zwischen 13 und 9 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Basisfelder stimmen recht gut überein. Die Unterschiede bzgl.
der Ausdehnung der Konvektion in Richtung Norden am Mittwoch wurden im Text
erwähnt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 201800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 20.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Zunächst ruhige Hochdrucklage mit nur einzelnen Gewittern ganz im Süden. Ab
Mittwoch allmählich Umstellung der Wetterlage.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … verläuft die Frontalzone weit im Norden Europas zwischen Schottland
und Island sowie über Skandinavien hinweg. Südlich davon gibt es nur recht
schwache Potentialgegensätze, wobei ein umfangreiches aber flaches Höhentief
über Frankreich und der Biskaya liegt. Auch im Bodendruckfeld ist südlich einer
flotten Westdrift im Norden Europas der Druckgegensatz schwach. Vom Atlantik
über Nordengland und Schottland und Südskandinavien hinweg bis nach Osteuropa
erstreckt sich eine flache Hochdruckzone, während ein flaches Tief über
Frankreich liegt. Über Deutschland weht folglich ein schwacher nordöstlicher
Wind. Unter Hochdruckeinfluss ist fast überall eine trockene und sehr warme
Luftmasse (10 bis 14 Grad in 850 hPa) wetterbestimmend. Zwar gibt es
gebietsweise eine teils markante Absinkinversion (um 900 hPa), aber auch
unterhalb dieser ist die Luft meist recht trocken. Lediglich im äußersten Süden
sind die Taupunkte höher bei 10 bis 15 Grad mit den höchsten Werten im äußersten
Süden. Sonst sind es meist 5 bis 10 Grad, nur an der Küste etwas mehr. Wenig
überraschend ist, dass somit auch ganz im Süden tagsüber die Tendenz zur
Quellwolkenbildung bestand, Schauer und Gewitter beschränkten sich aber auf den
Alpenraum und den Südschwarzwald. Ansonsten war der heutige Tag meist von
ungestörtem Sonnenschein geprägt.
In den Nachtstunden tut sich nichts an der Großwetterlage. Die Schauer und
Gewitter in den Alpen fallen rasch zusammen. Örtlich kann sich in den feuchteren
Regionen Nebel bilden, das betrifft vor allem den Süden, aber auch die
küstennahen Gebiete. Ansonsten verläuft die Nacht klar und ruhig. Bei schwachem
Wind kühlt sich die Luft rasch ab, so dass die Tiefstwerte meist zwischen 10 und
5 Grad liegen, im Norden auch etwas darunter. Dort kann es – an dafür
prädestinierten Orten – auch örtlich Bodenfrost geben. Milder als 10 Grad bleibt
es ganz im Süden und unmittelbar an der See.

Am Montag … tut sich über Mitteleuropa noch nicht viel. Das schwache Höhentief
verbleibt über Frankreich und verlagert sich nur wenig ostwärts. Das zugehörige
flache Bodentief weitet sich etwas nach Südwestdeutschland aus. Die feuchte Luft
kommt aber kaum nach Norden voran. Ganz im Süden entstehen bald nach der
Auflösung der Nebelfelder wieder einige Quellwolken, Schauer und ein
vereinzeltes Gewitter bleiben aber auf den Alpenraum und den Südschwarzwald
beschränkt, also so wie heute. Bei Gewittern muss man mit lokalem Starkregen
(kaum Verlagerung) rechnen, das haben uns die Gewitter heute schon gezeigt. Auch
stürmische Böen (insgesamt doch recht trockene und gut durchmischte
Grenzschicht, so dass eine gewisse Gefahr von Fallböen durchaus gegeben ist)
sind nicht auszuschließen, zu mehr reicht es aber nicht. Um die See lösen sich
etwaige Nebelfelder ebenso am Vormittag auf, dort sollte es aber nicht zur
Bildung von Quellwolken reichen. Im übrigen Land scheint die Sonne wieder von
früh bis spät. Der Wind weht wie am Vortag schwach aus Nord bis Ost. Die
Temperatur ändert sich ebenfalls wenig und erreicht meist 21 bis 25 Grad. Bis 27
Grad werden es wieder um Südwesten, an der See um 20 Grad.

Der Blick richtet sich allmählich auf den Atlantik, wo es auf der Rückseite
eines in Richtung Schottland ziehenden Tiefs zu einem Kaltluftvorstoß kommt. Bis
Dientagfrüh entwickelt sich dieses Tief gut und westlich der Britischen Inseln
stößt ein Langwellentrog mit viel Höhenkaltluft südostwärts vor.

Über Deutschland tut sich dagegen in der Nacht zum Dienstag noch nicht sehr viel
bei der Wetterlage. Die Hochdruckbrücke baut sich ab und der Druckgradient wird
immer schwächer. Dementsprechend verläuft die Nacht sehr schwachwindig. Dies
begünstigt flache Nebelfelder, etwas größere Nebelgebiete kann es allenfalls
wieder in unmittelbarer Küstennähe geben oder in der feuchten Luftmasse im
Süden. Dort könnte es in der Nacht zum Dienstag etwas länger noch einzelne
Schauer geben, nach und nach sollten sie aber wieder zusammenfallen. Die
Temperaturverteilung ist wieder ähnlich wie in der Vornacht. Insgesamt soll es
aber nach MOS geringfügig milder bleiben. Ob das bei den schwachen
Windverhältnissen tatsächlich der Fall ist, muss noch etwas abgewartet werden.
Nach aktuellem Stand sollte es aber kaum Bodenfrost geben.

Am Dienstag … nähert sich der Langwellentrog den Britischen Inseln und weitet
sich weiter nach Süden aus. Das zugehörige Bodentief zieht nordostwärts Richtung
Nordmeer und vertieft sich weiter. Die Höhenströmung über Deutschland ist
weiterhin schwach und kommt aus Süd. Da der Druck im Nordwesten fällt und sich
hoher Druck über der Ukraine befindet, kommt bei uns schwacher südlicher Wind
auf. Nennenswerte Hebungsgebiete greifen noch nicht auf Deutschland über, so
dass weiterhin das vom Hochdruck geprägte Wetter herrscht. Vielleicht ziehen mal
ein paar hohe Wolkenfelder über den Himmel. Ansonsten scheint nach
Nebelauflösung wieder fast überall die Sonne. Im Süden kommt allerdings die
feuchtere Luftmasse etwas nach Norden voran, so dass es nicht nur in den Alpen
und im Südschwarzwald, sondern auch im Nordschwarzwald, über der Alb und im
Bayerischen Wald einzelne Schauer und Gewitter geben kann. Im Flachland
dazwischen sollte es höchstens vereinzelt zu Schauern reichen. Bei weiterhin
langsam ziehenden Zellen ist lokaler Starkregen wahrscheinlich, denn die ppw’s
liegen durchaus um 30 l/qm. Mit der südlichen Strömung kommt auch bodennah die
warme Luft weiter nach Norden, so dass vor allem dort noch einmal ein leichter
Temperaturanstieg im Vergleich zum Vortag zu erwarten ist. Vielfacht werden dann
23 bis 27 Grad erreicht, nur unmittelbar an der See bleibt es etwas kühler.

In der Nacht zum Mittwoch erreicht die Achse des Langwellentroges Irland. Über
Deutschland verstärkt sich die südliche Höhenströmung und es können erste
Hebungsgebiete auf der Vorderseite übergreifen. Diese sorgen dann in der
feuchten Luftmasse um Süden (deutlich südlich des Mains) für schauerartige
Regenfälle mit Gewittern. In der Nacht rückt dann zunehmend der mehrstündige
Starkregen in den Fokus, da mehr als 20 l/qm innert 6 Stunden kleinräumig
durchaus wahrscheinlich sind. Die Böden werden’s aber vertragen. Im restlichen
Land können häufiger mal hohe Wolkenfelder über den Himmel ziehen. Mit schwachen
südlichen Winden bleibt es milder als in den Vornächten. Bei vielfach noch
klarem Himmel im Norden geht es auf 13 bis 9 Grad runter (auf den Inseln bleibt
es milder). Unter den Wolken im Süden werden 15 bis 11 Grad erwartet.

Am Mittwoch … setzt sich die Umstellung der Wetterlage fort. Der
Langwellentrog kommt weiter nach Osten voran, wobei ein erster kurzwelliger
Anteil über die Biskaya und den Ärmelkanal schwenken soll. In der Folge kommt es
in der Nordsee zur Entwicklung eines Randtiefs. Auch in der Westflanke des
Troges stößt ein kurzwelliger Anteil nach Süden vor. Dieser sorgt für eine
Tiefentwicklung über Irland und bereitet die weitere Südwärtsausdehnung des
Gesamtsystems vor. Die erste richtige Front des Tiefdrucksystems erreicht
Deutschland noch nicht. Die allmählich auf Südwest drehende Höhenströmung
verstärkt sich weiter, zudem spürt man im Laufe des Tages auch im Nordwesten des
Landes den auffrischenden Südwind, wenn sich das Tief über der Nordsee
entwickelt. Zu warnwürdigen Böen reicht es aber immer noch nicht. Schauerartige
und teils gewittrige Regenfälle beschränken sich weiterhin auf die Gebiete
südlich von Main und Nahe, erst am Nachmittag können diese auch westlich des
Rheins auftauchen. Vor allem im Süden könnte auch wieder das mehrstündige
Starkregenkriterium ein Thema werden. In der Mitte, im Norden und im Osten des
Landes ziehen zwar immer wieder Wolken über den Himmel und künden den
Wetterumschwung an, allerdings bleibt es noch trocken. Zudem wird es von der
Mitte bis zum Osten noch einmal richtig warm mit 24 bis 27 Grad, auch sonst
werden es noch einmal 21 bis 24 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Entwicklung wird von allen vorliegenden Modellen ähnlich gesehen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 191800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 19.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Meist ruhiges Hochdruckwetter. Am Alpenrand geringes Gewitterrisiko.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland im Einflussbereich einer umfangreichen
Hochdruckbrücke, die sich vom Nordatlantik über die Britischen Inseln und
Mitteleuropa bis zum Baltikum erstreckt. Über Südwesteuropa befindet sich
hingegen ein hochreichender Tiefdruckkomplex. An dessen Ostflanke strömen recht
milde und feuchte Luftmassen in den äußersten Südwesten von Deutschland. Neben
mehrschichtiger Bewölkung nimmt dort auch die Labilität etwas zu. Das
Gewitterrisiko ist jedoch nur gering, um 800 m Höhe befindet sich eine
Sperrschicht, die höherreichende Konvektion verhindern sollte. Ein paar Tropfen
Regen fallen aber im äußersten Südwesten.
Im Rest des Landes sorgt der Hochdruckeinfluss für verbreitet wolkenlose
Bedingungen. Im Nordosten gibt es am Rande des Hochs noch hohe Wolkenfelder.
Nachts sorgt vielerorts eine strahlungsreiche Nacht für Tiefstwerte zwischen 8
und 4 Grad, im Südwesten um 10 Grad. Lokal ist im Norden auch Bodenfrost bis -1
Grad nicht völlig ausgeschlossen. Weiterhin bildet sich im Laufe der Nacht zu
Sonntag in Süddeutschland strichweise Nebel.
Sonntag … ändert sich am Wettergeschehen nicht viel. Weite Teile von
Deutschlands erfahren unter Hochdruckeinfluss einen weiteren sonnigen und warmen
Septembertag mit Höchstwerten zwischen 22 und 26 Grad. Im äußersten Südwesten
und Süden jedoch sorgt ein schwacher Randtrog, ausgehend von dem
Höhentiefkomplex über Südwesteuropa für eine Zunahme der Konvektionsbedingen.
Hebung durch leichte PVA und mit Unterstützung durch die Orographie und den
Tagesgang sind im Laufe des Nachmittags einige Schauer oder auch Gewitter nicht
ausgeschlossen. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit und der doch recht
feuchten Grundschicht liegt das Hauptaugenmerk bei den Begleiterscheinungen auf
Starkregen. In kurzer Zeit sind Regenmengen um 20 l/qm möglich. Aber auch der
Unwetterbereich bis 25 l/qm sind nicht gänzlich ausgeschlossen.

In der Nacht zu Montag weitet sich der Einflussbereich des Höhentiefkomplexes
auf die Ostalpen aus, die Schauer dürften sich daher nur zögerlich auflösen.
Ansonsten bilden sich wie auch in der Nacht zuvor bevorzugt in den Voralpen und
im Norden strichweise Nebelfelder. Auch lokaler Bodenfrost im Norden ist erneut
nicht völlig abwegig. Im Rest des Landes bleibt es bei Tiefstwerten zwischen 4
und 9 Grad meist sternenklar.
Montag … schwächt sich die Hochdruckbrücke zwar etwas ab, jedoch bleibt sie
für weite Teile Deutschland weiter wetterbestimmend. Der Wochenstart gestaltet
sich erneut vielerorts sonnig-warm und trocken.

Der Höhentiefkomplex über Südwesteuropa greift im Laufe des Tages aber etwas
weiter nach Norden aus, sodass die potenziell instabilen Luftmassen bis zur
Pfalz gelangen. ML Cape wird am direkten Alpenrand bei 300 bis 600 J/kg, an der
Alb bis 200 J/kg simuliert. Aber auch hochauflösende Modelle geben kaum Hinweise
auf Konvektion nördlich der Alb. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit ist
erneut Starkregen nicht ausgeschlossen.

In der Nacht zu Dienstag lässt die Konvektion rasch nach, dafür bilden sich vor
allem in der Südhälfte Nebelfelder.
Dienstag … nähert sich vom Atlantik her ein Langwellentrog. Auf dessen
Vorderseite füllt sich der Tiefdruckkomplex über Südwesteuropa langsam auf und
verlagert sich als dessen Randtrog nach Nordosten. Somit gelangen die
feuchtwarmen und potenziell instabilen Luftmassen auch zusehends nach Norden.
Verbreitet werden nun Tagesmaxima um 27 Grad erreicht. Konvektion bleibt aber
vorerst auf den Südwesten und Süden beschränkt. Generell ist die Vorhersage, wie
der Tiefdruckkomplex von dem sich annähernden Langwellentrog „eingefangen“ wird,
recht unsicher.

Modellvergleich und -einschätzung

Ab Dienstag wird die Vorhersage unsicherer.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christina Speicher

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 181800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 18.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im äußersten Süden ab Sonntag geringe Gewitterneigung.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … bestimmt eine trockene Festlandsluftmasse unser Wetter, die sich
tagsüber schon etwas erwärmt hat, vielfach auf Werte um oder etwas über 20 Grad,
in Flusstälern des Südwestens auf sommerliche Werte. In der Nacht zum Samstag
kühlt sich die Luft ebenso kräftig wieder ab.

Die für uns wetterbestimmende Hochdruckzone, die über die Nordsee bis zum Balkan
reicht, sorgt für leichtes Absinken und geringe Bewölkung. Lediglich in den
Nordosten dringen dünne, hohe Wolken ein, die ihren Ursprung in der Frontalzone
über Nordeuropa haben.
Sowohl ganz im Norden, nahe der Hochachse und mit etwas feuchterer Luft von den
Seegebieten her, als auch im äußersten Süden, wo Reste der abgedrängten
feuchteren Luft der Vortage zu finden ist, bilden sich Nebelfelder. Ob diese
warnrelevant werden, bleibt abzuwarten.

Über der Mitte und nach Westen schläft der Ostwind nicht ganz ein, da ein
leichter Druckgradient zum einem Tiefkomplex über Südwesteuropa besteht. In
freien Mittelgebirgslagen sind Böen Bft 7 aus östlichen Richtungen nicht
ausgeschlossen. Mit Abkopplung der Grundschicht kann sich ein schwacher
Low-level Jet bilden, der in Gipfellagen des bayerischen Waldes auch Bft 8
möglich macht.
Die erwähnte kräftige Abkühlung mündet in leichtem Bodenfrost über dem Norden
und Osten, zumindest gebietsweise. Am mildesten wird es im Westen und Südwesten,
wo die Werte nicht viel unter 10 Grad sinken.

Samstag … dehnen sich tiefer Luftdruck und Höhentief über Südwesteuropa
zögernd nach Nordosten aus, kräftige Hebung wird auch erst abseits des
Vorhersagebereichs über Ostfrankreich und dem Westalpenraum simuliert, so dass
sich nicht viel an der Dominanz der Hochdruckzone bei uns ändert.
Diese verläuft mit ihrer Achse knapp nördlich Deutschlands und hält die trockene
Ost- bis Südostströmung bei uns aufrecht. Die Luft wird derweil aber wieder
etwas wärmer, so dass die Temperatur in 850 hPa auf 11 Grad im Nordosten und
leicht föhnigen 16 Grad im Süden steigt.

Leichtes Absinken lässt in der trockenen Luft kaum Wolken zu. In der Folge
scheint fast überall anhaltend die Sonne, nachdem sich lokale Nebel- und
Hochnebelfelder aufgelöst haben. Die Maxima bewegen sich vielfach zwischen 20
und 27 Grad, mit den höheren Werten im Westen.

Da sich die Hochdruckzone abschwächt, wird auch der östliche Wind in der
Südwesthälfte etwas schwächer, in exponierten Mittelgebirgslagen ist die ein
oder andere Bft 7 aber wohl weiter mit dabei.

Im äußersten Südwesten und nahe den Alpen macht sich die Annäherung des
südwesteuropäischen Tiefs mit feuchterer und etwas labilerer Luft bemerkbar.
Auch der Deckel wird etwas gelockert, ob es aber zu Schauern oder gar Gewittern
reicht, ist sehr fraglich, da keine Hebung vorhanden ist und die Erwärmung
tagsüber plus Orografie in der aktuellen Situation wohl nicht genügt,
hochreichende Konvektion anzustoßen.
In der Nacht zum Sonntag zieht ein Randtrog zum Westalpenraum. An seiner
Vorderseite kommt über dem äußersten Südwesten und am Alpenrand leichte positive
Vorticityadvektion auf, deren (schwache) Hebung einzelne Schauer und ganz
vereinzelte Gewitter nach sich ziehen kann.
Sonst geht die Nacht ruhig, ohne signifikantes Wetter über die Bühne. Lokale
Nebelfelder sind vor allem ganz im Norden und im Süden zu erwarten. Höchstens
vereinzelt gibt es noch Bodenfrost (Mitte,Süden).

Sonntag … erleiden sowohl die zonale Hochdruckbrücke über Nord- und
Osteuropa, als auch das Tief südwestlich von uns einen gewissen
Substanzverlaust. Nichtsdestotrotz bleibt die Hochdruckzone nördlich von uns und
der tiefe Druck mit Schwerpunkten über Frankreich und dem Mittelmeer erhalten.
Grundsätzliche Änderungen sind für Deutschland somit nicht zu erwarten.
Die Lage über Deutschland kann aber wieder als schwachgradientig bezeichnet
werden und die Strömung dreht etwas nach Ost, da sich der tiefe Druck südlich
von uns nach Osten ausweitet.
Die nach wie vor trockene östliche Strömung und fehlende Hebung sind Garant für
meist sonnenscheinreiches Wetter. Die Luftmasse ist für die Jahreszeit sehr
warm, was sich in Maxima zwischen 21 und 27 Grad äußert.
Der tagsüber auflebende Ost- bis Nordostwind erreicht keine Warnschwellen.

Etwas anders ist die Lage lediglich im äußersten Süden. Hier macht sich die nahe
Tiefdruckzone mit feuchterer und leicht instabiler Luft, sowie schwacher Hebung
durch die zyklonale Höhenströmung bemerkbar. Vor allem orografisch gestützt ist
nachmittags mit leichter Schauer- und Gewitterneigung zu rechnen. Bei langsam
ziehenden Zellen ist Starkregen mit dabei, PPW um 25 mm.

In der Nacht zum Montag wird der Abbau der Hochdruckzone, vor allem über GB und
der Nordsee mit Annäherung eines Langwellentroges über dem Atlantik
vorangetrieben. Auswirkungen bei uns sind aber zunächst nicht vorhanden. Wir
liegen in einem sehr schwachgradientigen Bereich zwischen dem Hoch über
Osteuropa und den Resten der Tiefdruckzone über SW Europa. Die Nebelneigung im
Norden und Süden nimmt etwas zu, dazwischen ist die Luft meist zu trocken. Am
Alpenrand sind örtliche Schauer nicht ausgeschlossen.

Montag … nähert sich der Langwellentrog weiter Nordwesteuropa an, während das
Höhentief mit Zentrum über Nordspanien seine Position behält. Damit wird der
Abbau des hohen Geopotentials im Bereich dazwischen vorangetrieben und auch der
Bodendruck über Westeuropa fällt, was dort die Bildung einer flache
Tiefdruckzone zur Folge hat.
Über Mitteleuropa, inklusive Deutschland dreht die sehr schwache bodennahe
Strömung auf südliche bis südöstliche Richtungen und die feuchte Luft ganz im
Süden macht geringfügig Boden nach Norden hin gut.
Damit breiten sich einzelne Schauer vom Alpenraum bis ins südliche Vorland aus,
eventuell gibt es auch im Südschwarzwald nachmittags ein kurzes Gewitter.
Ansonsten ändert sich wiederum nicht viel und in der relativ trockenen Luft
scheint vielerorts weiterhin meist die Sonne.
Es bleibt warm bis sehr warm, wenigstens am Nachmittag, der Wind spielt keine
Rolle.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren ähnlich, ohne größere Unterschiede.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner