SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 021800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 02.07.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Abends und kommende Nacht im Südosten und Osten noch kräftige Gewitter. Freitag
Wetterberuhigung, danach West zyklonal: Im Norden unbeständig und zeitweise
Sturmböen an den Küsten, im Süden dagegen mehr Sonne und warm.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland an der Südflanke eines Langwellentroges
über Westeuropa unterhalb einer recht kräftigen südwestlichen Höhenströmung.
Darin eingebettet, hat ein markanter Kurzwellentrog inzwischen Benelux erreicht
und zieht im Laufe der Nacht rasch über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts.
Dabei verschärft er sich noch und vorderseitig kann aufgrund kräftiger
differentieller PVA markante Hebung wirksam werden.
Im Bodenfeld hat die Kaltfront eines Tiefs nördlich des Nordkaps inzwischen den
äußersten Südosten Bayerns erreicht. Die präfrontale instabile Luftmasse
subtropischen Ursprungs wird aktuell aus dem Vorhersagegebiet verdrängt, wobei
es noch einzelne kräftige, vereinzelt unwetterartige Gewitter gibt, gebietsweise
fällt in den kommenden Stunden auch noch gewittriger Regen, eventuell in Form
eines MCS, der aus den Alpen über den äußersten Südosten Bayerns hinweg
ostnordostwärts zieht. Vor allem C-D2 zeigt im Zeitraum 18 bis 00 UTC recht hohe
Wahrscheinlichkeiten für recht flächendeckende Niederschläge von mehr als 20 mm
in sechs Stunden und hat sogar hat sogar mit mehr als 30% Wahrscheinlichkeit
Mengen über 35 mm auf der Agenda (Unwetter). Auch länger anhaltende
„ungewittrige“ Regenfälle sind möglich, da sich postfrontal mit Vorstoß eines
Bodenhochkeiles am Alpenvorland vorübergehend eine Gegenstromlage einstellt.
Postfrontal wird die ehemals subtropische Luftmasse in mehreren Staffeln durch
eine subpolare ersetzt, wobei diese noch immer erhöhte Instabilitätswerte
aufweist. Die PPW-Werte liegen zwischen 23 und 28 mm, vor allem nach Sachsen und
Brandenburg wird auf der Vorderseite des oben angesprochenen Kurzwellentroges
sogar noch einmal etwas feuchtere Luft advehiert (Taupunkte um oder knapp über
15 Grad, PPW um 30 mm). Erst mit Durchzug einer an den Kurzwellentrog
gekoppelten Kaltfront wird diese im Laufe der Nacht von Nordwesten her durch
trockenere erwärmte Polarluft ersetzt.
Somit dauert die Schauer- und Gewittertätigkeit im Norden und in der Mitte des
Landes zunächst noch an bzw. arbeitet sich nach Osten vor. Trogvorderseitig
können mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden und unterstützt durch die
markante Hebung treten vor allem nach Osten zu verbreitet und teils auch
kräftige Schauer und Gewitter auf. Begleiterscheinungen sind in erster Linie
Starkregen und aufgrund der mäßigen, sich noch etwas erhöhenden Scherung (LLS 5
bis 10 m/s, DLS nach Osten zu über 20 m/s) können auch regional eng begrenzte
Sturmereignisse (bis 100 km/h) nicht ausgeschlossen werden, vor allem bei linear
organisierten Multizellensystemen und bei Bow-Echos. Das Unwetterpotenzial ist
wohl eher als gering einzuschätzen und höchstens in Brandenburg und Sachsen
vielleicht noch leicht erhöht.
Im Laufe der zweiten Nachthälfte schwächen sich die Niederschläge sowohl im
Süden als auch im Osten allmählich ab und ziehen sich Richtung Alpen bzw. Polen
zurück. Vor allem in der Mitte und im Südwesten lockern die Wolken stärker auf,
stellenweise kann sich Nebel bilden. In den Nordwesten gelangen unterhalb einer
schwachen Inversion in etwa 850 hPa feuchte Nordseeluftmassen, so dass es dort
überwiegend stark bewölkt bis bedeckt bleibt. Mit Tiefstwerten zwischen 15 und 8
Grad fällt die Nacht im Einflussbereich der kühleren Meeresluft (T 850 in der
Früh zwischen 5 Grad im Nordwesten und 8 Grad an den Alpen) frischer aus als die
Vornacht.

Freitag … stellt sich nach Abzug des Kurzwellentroges in Norddeutschland eine
relativ glatte und vorübergehend auffächernde westliche Höhenströmung ein,
während das Potenzialfeld über Süddeutschland an der Nordflanke eines von
Ostfrankreich über Nordwestitalien abtropfenden Höhentiefs schwachgradientig
bleibt.
Im Bodenfeld verstärkt sich – gestützt durch WLA an dessen Nordflanke – der über
Frankreich bis ins Vorhersagegebiet reichende Hochkeil. An den Alpen fällt
anfangs noch Regen, der im Vormittagsverlauf aber abklingen sollte. Ansonsten
setzt sich aber im Süden und in der Mitte, später auch im Osten vielerorts die
Sonne durch. Innerhalb der noch relativ feuchten Grundschicht bilden sich einige
Quellwolken, die aber lediglich bis zur Absinkinversion (in etwa 700 hPa)
reichen und höchstens an den Alpen etwas höher wachsen, so dass es dort
eventuell für den ein oder anderen Schauer oder ein kurzes Gewitter reichen
könnte.
Im Norden und Nordwesten macht sich dagegen zunehmend die WLA anhand teils
mehrschichtiger Bewölkung bemerkbar, vor allem im Nordseeumfeld kann es
gebietsweise auch etwas regnen oder nieseln. Dabei verschärft sich an der
Nordflanke des Hochkeils der Gradient und der Südwestwind frischt vor allem im
Nordwesten auf, entlang der Nordfriesischen Küste kann es zum Abend hin steife
Böen (Bft 7) geben.
Sowohl advektiv als auch durch die Einstrahlung kann sich die Luftmasse vor
allem in der Mitte und im Süden wieder etwas erwärmen. Die Temperatur in 850 hPa
steigt bis zum Abend auf 7 Grad im Norden und bis 11 Grad im Südosten. Das lässt
Höchstwerte zwischen 20 und 25 Grad, mit viel Sonne am Oberrhein bis 26 Grad
erwarten, im Nordwesten werden unter den dichten Wolken dagegen nur 18 bis 21
Grad erreicht.

In der Nacht zum Samstag greift ein flacher Kurzwellentrog von Westen her auf
die Nordsee über, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet wieder
etwas auf Südwest zurückdreht und sich über Norddeutschland verschärft, während
sich nach Süddeutschland ein schwacher Höhenkeil ausweitet.
Im Bodenfeld weitet sich eine Tiefdruckrinne vom Seegebiet nördlich Schottlands
bis nach Südskandinavien aus, gleichzeitig verstärkt sich der nach
Süddeutschland gerichtete Azorenhochkeil. Das führt zu einer weiteren
Gradientverschärfung im äußersten Norden des Landes und im Nordseeumfeld gibt es
im Laufe der Nacht verbreitet steife bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8), an der
Ostsee eventuell schon steife Böen aus Südwest.
Von Westen her greift das teilokkludierte Frontensystem eines Tiefs bei den
Färöer-Inseln auf die Nordsee über, die Warmfront erreicht morgens die Deutsche
Bucht. Die frontale Hebung wird noch gestützt durch WLA und auch etwas PVA auf
der Vorderseite des Kurzwellentroges und somit setzen bereits im Vorfeld
Regenfälle ein, die morgens auch den äußersten Nordwesten des Vorhersagegebietes
erfassen.
Ansonsten verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig und vor allem im Osten und
Süden sowie in den mittleren Landesteilen oft gering bewölkt oder wolkenlos.
Dabei bleibt es im Norden und Nordwesten unter den dichten Wolken mit 15 bis 11
Grad relativ mild, während es sonst auf 13 bis 8 Grad abkühlt.

Samstag … verlagert sich der flache Kurzwellentrog von der Nordsee her rasch
über Norddeutschland hinweg ostwärts, wobei sich die westsüdwestliche
Höhenströmung weiter verschärft und sich die Frontalzone allmählich auch auf die
mittleren Landesteile ausweitet. Nach Süddeutschland bleibt weiterhin von
Frankreich her ein Höhenkeil gerichtet.
Das höhenströmungsparallel exponierte Frontensystem kommt nur langsam ostwärts
voran, die Warmfront greift auf Norddeutschland über, während die Kaltfront über
der mittleren Nordsee zurückhängt. Die frontale Hebung wird weiterhin auch
dynamisch gestützt, ganz im Norden werden bis zum Abend 5 bis 10 mm in 12
Stunden simuliert, im aktuellen ICON-EU-Lauf im Bereich der Elbmündung auch
mehr. Die Niederschläge kommen bis zum Abend in etwa bis zu einer Linie
Niederrhein – Uckermark voran.
Der Gradient kann sich vorübergehend noch etwas verschärfen und der Wind nimmt
ein wenig zu, an den Küsten gibt es vielerorts stürmische Böen aus Südwest,
exponiert vorübergehend vielleicht sogar auch mal eine Sturmböe. Ähnliches gilt
für den Brocken. Im küstennahen Binnenland kann es einzelne steife Böen geben.
Nachmittags und abends fächert der Gradient mit Abzug des Kurzwellentroges ein
wenig auf und der Wind flaut etwas ab.
Die dichten Wolkenfelder weiten sich im Tagesverlauf auf weite Teile der West-
und Nordhälfte aus, während im Süden und Osten – etwa von der Pfalz bis nach
Brandenburg – vielerorts neben hohen und mittelhohen Wolkenfeldern die Sonne
scheint. Von Südwesten her werden wieder wärmere Luftmassen ins Vorhersagegebiet
advehiert, die Temperatur in 850 hPa steigt auf 9 Grad im Norden und 13 Grad im
Alpenvorland. Unter den dichten Wolken im Norden und Westen werden damit
Höchstwerte zwischen 17 und 22 Grad erreicht, ansonsten wird es mit 23 bis 28
Grad sommerlich warm.

In der Nacht zum Sonntag überquert ein weiterer, dieses Mal schärfer
ausgeprägter Kurzwellentrog auf die Britischen Inseln über und erreicht morgens
die westliche Nordsee. Dadurch verschärft sich die Höhenströmung über
Norddeutschland erneut und dreht etwas auf Südwest zurück. Auf der Vorderseite
des Troges entwickelt sich über Schottland bzw. Nordengland ein Bodentief und
zieht unter leichter Vertiefung zur nördlichen Nordsee.
Die Warmfront über Norddeutschland zieht nordostwärts ab und schwächt sich ab.
Die Kaltfront interagiert mit dem Bodentief und wird als Frontalwelle
vorübergehend etwas nach Norden zurückgeführt. Somit klingen die Niederschläge
über dem Norden und Westen des Landes etwas ab, vor allem in den Staulagen der
westlichen und zentralen Mittelgebirge können noch wenige mm fallen. Aufgrund
der kräftigen WLA im Warmsektor bleibt es aber stark bewölkt bis bedeckt und die
dichten Wolkenfelder weiten sich auch weiter nach Süden aus. Lediglich von der
Lausitz bis zum Schwarzwald und südöstlich davon bleibt es noch meist gering
bewölkt.
Der Wind frischt mit Annäherung des Bodentiefs angesichts der stabilen
Schichtung im Warmsektor trotz Gradientverschärfung zunächst nur an den Küsten
(Bft 7, Nordsee auch Bft 8) und auf einigen Gipfeln (Brocken Bft 9) warnrelevant
aus Südwest auf. Vor allem im Norden und in der Mitte bleibt es unter den meist
dichten Wolken mit Tiefstwerten zwischen 18 und 14 Grad sehr mild, im Süden wird
es mit 15 bis 10 Grad etwas frischer.

Sonntag … verlagert sich der Kurzwellentrog unter deutlicher Verschärfung über
die Nordsee und Südskandinavien hinweg bis zur mittleren Ostsee. Das
korrespondierende Bodentief kann sich weiter vertiefen (Kerndruck abends unter
985 hPa) und zieht nach Mittelschweden.
Die Kaltfront nimmt nun an Fahrt auf und greift am späten Nachmittag oder Abend
mit schauerartigen Regenfällen auf Norddeutschland über, eventuell ist auch ein
kurzes Gewitter dabei. Allzu üppig fallen die Niederschläge aber nicht aus (2
bis 7 mm/12 h), da die Kaltfront bereits von KLA überlaufen wird.
Der Gradient im Vorfeld der Kaltfront verschärft sich noch vorübergehend und
somit kann es auch im Binnenland steife Böen aus Südwest geben, die bis in die
mittleren Landesteile ausgreifen. An den Küsten gibt es stürmische Böen, an
exponierten Küstenabschnitten eventuell auch Sturmböen, ähnliches gilt für
einige Gipfel der Mittelgebirge, mit Ausnahme der süddeutschen.
Während es in der Mitte und im Norden vielerorts stark bewölkt, teilweise sogar
bedeckt bleibt und höchstens im Lee der Mittelgebirge längere sonnige Abschnitte
möglich sind (z.B. im Thüringer Becken bzw. im Erzgebirgsvorland bzw. in der
Lausitz), scheint im Süden, vor allem vom Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald
und südlich davon, überwiegend die Sonne.
Dabei steigen die Temperaturen in der Südhälfte sowie im Südosten auf
sommerliche 25 bis 30 Grad, während es unter den dichten Wolken im Norden und
Westen mit 20 bis 25 Grad mäßig warm bleibt, im Nordseeumfeld werden kaum 20
Grad erreicht.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Basisfelder werden im Kurzfristzeitraum von allen Modellen
ziemlich einheitlich simuliert. Unterschiede ergeben sich im Detail, am ehesten
noch, was die konvektive Aktivität während der kommenden Nacht angeht. C-D2-EPS
simuliert im Alpenvorland für die erste Nachthälfte noch erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für mehr als 35 mm in 6 Stunden, die wahrscheinlich der
aktuell dort noch stattfindenden konvektiven Aktivität geschuldet sind.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 011800

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ausgegeben am Mittwoch, den 01.07.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Nachts in der Mitte und im Süden, am Donnerstag im Südosten kräftige Gewitter
mit Unwetterpotenzial. Ansonsten am Donnerstag noch einzelne markante Gewitter.
Freitag vorübergehende Wetterberuhigung, mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland an der Südflanke eines umfangreichen
Höhentroges mit Drehzentren über dem Nordmeer bzw. über der Nordküste
Skandinaviens unterhalb einer leicht zyklonal konturierten westsüdwestlichen
Höhenströmung. Ein an der Südwestflanke des Trogkomplexes eingebetteter
kurzwelliger Randtrog verlagert sich im Laufe der Nacht von Irland nach England,
wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet etwas aufsteilt.
Im Bodenfeld erstreckt sich eine frontale Welle aktuell von der Norddeutschen
Tiefebene südwestwärts nach Belgien und Frankreich. Im Bereich der Welle fällt
aktuell schauerartiger Regen, eingelagert sind auch einzelne Gewitter mit
Starkregen. Sie trennt eine sehr warme und potenziell instabile Luftmasse
subtropischen Ursprungs über der Mitte und dem Süden des Landes (PPW-Werte bis
35 mm, 300 bis 1000 J/kg, im Südosten auch gebietsweise über 1500 J/kg MU-Cape)
von subpolarer Meeresluft über dem Norden und Nordwesten. Innerhalb dieser
Luftmasse haben sich – hauptsächlich orographisch getriggert – aus den Alpen
heraus und vom südwestdeutschen Mittelgebirgsraum ausgehend im Laufe des
Nachmittags einzelne Gewitter entwickelt, die lokal eng begrenzt auch
Unwetterpotenzial, vor allem bzgl. Starkregens, am Abend vielleicht auch noch
bzgl. Hagels aufweisen. Diese Gewitter dürften als Multizellensysteme oder gar
als MCS die dafür verantwortlichen Kollegen im Warndienst an den Außenstellen in
München und anfangs auch in Stuttgart noch bis weit in die Nacht hinein
beschäftigen.
Ein weiterer Fokus der Gewitteraktivität dürfte sich – wenn noch nicht geschehen

  • in den kommenden Stunden am Südrand der Frontalwelle, also in den mittleren
    Landesteilen, etablieren. Am Nachmittag verhinderte vor allem nach Westen zu
    noch ein recht ausgeprägter Deckel (TEMP Idar-Oberstein mit Inversion in 850
    hPa, TEMP Meiningen dagegen nur noch mit schwachem Deckel) jegliche konvektive
    Aktivität.
    Hebungsinput, die den Deckel zumindest gebietsweise sprengen könnte, dürften ab
    dem Abend und in der kommenden Nacht eine oder mehrere, in die ansonsten recht
    glatte westsüdwestliche Höhenströmung eingebettete flache kurzwellige Störungen
    (am besten vielleicht noch in hoher Auflösung des Geopotenzialfeldes erkennbar)
    liefern, vielleicht nach Osten zu aufgrund des schwächeren Deckels eher als im
    Westen.
    Eine solche Kurzwelle soll nach Lesart des ICON-EU in den späteren Abendstunden
    auf den Westen bzw. Nordwesten Deutschlands übergreifen und sich rasch ostwärts
    verlagern. Spätestens diese Welle könnte mit Unterstützung durch die Orographie
    als Trigger für Auslöse dienen. Die Outputs der Konvektion erlaubenden Modelle
    sind diesbezüglich noch sehr diffus und unterscheiden sich nicht nur
    untereinander, sondern auch noch von Lauf zu Lauf. Auffällig ist aber, dass C-D2
    defensiver agiert als SuperHD bzw. AROME.
    In gut gescherter Umgebung (DLS um 25 m/s 0 bis 6 km, LLS um 15 m/s 0 bis 2 km)
    ist aufgrund des Deckels von diskreten Entwicklungen (Superzellen oder kleinere
    organisierte Multizellensysteme) auszugehen, die trotz nicht allzu hoher MU-Cape
    in dieser Region vor allem in den Abendstunden und eingangs der Nacht rasch
    Unwetterpotenzial erreichen dürften. Schwere Sturmböen, im Zuge bogenförmiger
    Echos auch mehr, Starkregen und Hagel bis etwa 3 cm Korngröße wären dann lokal
    eng begrenzt das Resultat, kurzlebige Tornados nicht ausgeschlossen.
    Im Laufe der Nacht kommt die Frontalwelle bzw. die Kaltfront aufgrund des
    Aufsteilen der Strömung nur langsam nach Südosten voran und entsprechend
    arbeitet sich die Gewittertätigkeit unter zögernder Abschwächung (Unwetter sind
    auch in der zweiten nachthälfte durchaus noch denkbar) auch allmählich nach
    Süden vor.
    Mit Durchschwenken der Kurzwelle dauert auch im Norden die Schauer- und
    Gewittertätigkeit zunächst noch an, wenn auch in anderer Luftmasse. Dort sind
    allerhöchstens markante Entwicklungen zu erwarten mit kleinkörnigem Hagel und
    stürmischen Böen, vereinzelt Sturmböen. Später klingen die Schauer und Gewitter
    dort ab und vor allem in der Norddeutschen Tiefebene können die Wolken auch mal
    auflockern. Der Wind weht an den Küsten lebhaft aus West bis Südwest, an
    exponierten Abschnitten der Ostseeküste kann es einzelne Böen Bft 7 geben. Auf
    dem Brocken sind stürmische Böen möglich.

Donnerstag … verlagert sich der Kurzwellentrog über dem Süden der Britischen
Inseln bis zum Abend nach Benelux. Eingebettet in die recht glatte südwestliche
Höhenströmung kommt die Kaltfront über Süddeutschland weiterhin nur zögernd
südostwärts voran und erreicht erst in den Abendstunden bzw. in der ersten
nachthälfte die Alpen. Somit verbleibt der Südosten des Landes (weite Teile
Bayerns, östliches und südöstliches BaWü) noch im Einflussbereich der instabilen
Luftmasse. Die PPW-Werte bleiben mit 30 bis 35 mm hoch, die Frage stellt sich,
wieviel Cape mit Hilfe der Einstrahlung nach Abzug bzw. Abschwächung der
nächtlichen Gewittersysteme generiert werden kann. Für die Südhälfte Bayerns
simulieren die Konvektion erlaubenden Modelle etwa 500 bis gebietsweise 1000
J/kg ML-Cape (AROME etwas mehr). Allerdings dreht der Wind zumindest nach Lesart
der Modelle bereits im Vorfeld der Kaltfront auf westliche Richtungen, so dass
die sturmrelative Helizität im Inflowbereich der Zellen nicht allzu hohe Werte
erreichen dürfte. Bei hochreichender Scherung von etwa 15 m/s ist der
Organisationsgrad der Zellen zudem nicht allzu hoch. Die Auslöse innerhalb der
nur mit einem relativ schwachen Deckel versehenen Troposphäre dürfte nach
Erreichen der Auslösetemperatur wohl an die Orographie bzw. an Outflow
Boundaries ehemaliger Gewitter gekoppelt sein, dabei ist sich rasch zu
Multizellen organisierenden Einzelzellen auszugehen, Superzellen können zwar
nicht ausgeschlossen werden (vor allem dort, wo das lokale Windfeld durch die
Orographie modifiziert wird) stellen aber wohl die Ausnahme dar. Trotz nicht
optimaler Zutaten sind die vor allem bzgl. des Starkregens niedrig angesetzten
Kriterien für Unwetter angesichts der hohen PPW-Werte wohl rasch erreicht. Auch
größere Hagelansammlungen und Sturm- bzw. schwere Sturmböen sind möglich.
Postfrontal strömt subpolare Meeresluft in den Vorhersagebereich, die Temperatur
in 850 hPa sinkt von Nordwesten her auf 6 bis 10 Grad. Diese Luftmasse ist vor
allem im Norden und Nordwesten bis etwa 400 bis 300 hPa labil geschichtet und es
können mit etwas Einstrahlung mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden. Etwas
Hebungsinput aufgrund von PVA liefert der sich annähernde Trog, so dass wohl mit
Schauern, vereinzelt auch kurze Gewittern, begleitet von Starkregen,
kleinkörnigem Hagel und Böen Bft 7 bis 9 zu rechnen ist. Die meisten dürfte es
im Norden und Nordwesten geben, aber auch im Westen sowie in den mittleren
Landesteilen sollte es hier und da für kurze Gewitter reichen und wird auch so
von den konvektiven Modellen simuliert.
Vor allem im Südwesten und in der Osthälfte kann sich auch zeitweise die Sonne
durchsetzen. Dabei werden Höchstwerte zwischen 20 und 25 Grad erreicht, in der
Lausitz, im Südwesten und in Teilen Bayerns mit Sonne bis zu 27 Grad.

In der Nacht zum Freitag schwenkt der weiterhin recht scharf ausgeprägte
Kurzwellentrog allmählich über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts, wobei er
sich splittet und ein Teil nach Südwesten zurückhängt. Die Kaltfront überquert
die Alpen, dabei kann es im Südosten anfangs noch kräftige Gewitter geben, vor
allem eingangs der Nacht – vielleicht schon am Abend – ist ein aus den Alpen
über Südostbayern hinweg ziehendes MCS nicht ausgeschlossen, wobei in dem Fall
der Starkregen (bis in den Unwetterbereich) in den Fokus rückt.
Ansonsten gibt es noch einzelne Schauer und Gewitter, nach Osten zu kann es auf
der scharf konturierten Vorderseite des Troges aufgrund markanter,
PVA-induzierter Hebung auch längere Zeit schauerartig regnen. Mit Durchschwenken
des Troges klingen die Niederschläge aber rasch ab. Von Westen her weitet sich
ein Bodenhochkeil bis in den Nordosten des Landes aus, vor allem im Südwesten
und in den mittleren Landesteilen lockern die Wolken auch mal stärker auf,
örtlich kann sich Nebel bilden. In den Nordwesten ziehen von Westen her bereits
wieder dichtere Wolkenfelder, die der WLA an der Südflanke eines Troges mit
Drehzentrum vor Kap Svinöy geschuldet sind. Es bleibt aber wohl noch trocken.
Im ganzen Land kann sich subpolare Meeresluft mit 850 hPa-Temperaturen zwischen
5 und 8 Grad breitmachen und somit steht mit Tiefstwerten zwischen 14 und 8 Grad
eine recht frische Nacht ins Haus.

Freitag … schwenkt der Nordteil des gesplitteten Kurzwellentroges rasch nach
Polen, der südliche Teil verlagert sich allmählich nach Norditalien. Damit
befindet sich Süddeutschland unterhalb eines zunehmend gradientarmen
Geopotenzialbereichs, während sich über Norddeutschland eine glatte westliche
Höhenströmung einstellt.
Im Bodenfeld verstärkt sich der von Südwesteuropa nach Deutschland gerichtete
Hochkeil und sorgt im Großen und Ganzen für einen wettertechnisch ruhigen Tag.
Im äußersten Osten und an den Alpen fällt anfangs noch schauerartiger Regen, der
aber bis mittags rasch nachlässt, eventuell entwickeln sich über den Alpen am
Nachmittag noch einzelne Schauer und Gewitter. Der Norden und Nordwesten werden
im späteren Tagesverlauf von der Warmfront eines Tiefs nordwestlich von
Schottland gestreift, so dass es dort meist stark bewölkt bleibt, gebietsweise
fällt auch etwas Regen, am ehesten im Nordseeumfeld. Dazu frischt der
Südwestwind auf, eventuell mit Böen Bft 7 auf Amrum, Föhr und Sylt.
Ansonsten setzt sich aber zeitweise die Sonne durch, vor allem in einem breiten
Streifen vom Südwesten des Landes bis nach Brandenburg bzw. Ostvorpommern.
Die eingeflossene Meeresluft kann sich vor allem in der Mitte und im Süden
wieder etwas erwärmen; bei 850 hPa-Temperaturen zwischen 7 und 11 Grad reicht
das für Höchstwerte zwischen 20 und 25 Grad, mit Sonne im Südwesten auch etwas
darüber, im Nordseeumfeld werden dagegen meist nur etwa 18 Grad erreicht.

In der Nacht zum Samstag bleibt das Vorhersagegebiet an der Südflanke der
Frontalzone, wobei die Höhenströmung etwas auf Westsüdwest zurückdreht und auch
in der Nordhälfte weiter auffächert.
Im Bodenfeld weitet sich – ausgehend vom Tiefdruckgebiet nordwestlich von
Schottland – eine Tiefdruckrinne bis Samstagfrüh nach Südwestnorwegen aus. Die
oben erwähnte Warmfront zieht nordostwärts ab, ein weiteres, okkludiertes
Frontensystem greift im Laufe der Nacht von Nordwesten auf die Nordsee über. Im
Vorfeld kann es vor allem im Nordseeumfeld etwas regnen oder nieseln, ohne das
nennenswerte Mengen zusammenkommen.
Mit Annäherung der Tiefdruckrinne verschärft sich im Norden der Gradient und der
Wind frischt weiter aus Südwest auf. Im Nordseeumfeld gibt es verbreitet steife,
entlang der nordfriesischen Inseln und auf Helgoland auch stürmische Böen, auf
dem Brocken kann es ausgangs der Nacht eventuell auch Sturmböen geben.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht ruhig und vor allem im Süden und Osten oft
auch gering bewölkt oder wolkenlos. Stellenweise kann sich Nebel bilden. Die
Tiefstwerte liegen im Norden und Nordwesten unter den dichten Wolken zwischen 15
und 12 Grad, sonst zwischen 13 und 8 Grad.

Samstag … verlagert sich ein Höhentrog vom Seegebiet südlich Islands
allmählich zu den Färöer-Inseln. An dessen Südostflanke verschärft sich die
wieder mehr auf Südwest zurückdrehende Höhenströmung über Nordwestdeutschland
wieder etwas, während Süddeutschland in den Einflussbereich eines sich von
Frankreich her dorthin ausweitenden Höhenkeil gerät.
Im Bodenfeld weitet sich die Tiefdruckrinne weiter bis nach Schweden aus. Die an
ein im aktuellen ICON-EU-Lauf bis zum Abend in den Großraum Oslo ziehendes
Tiefdruckgebiet gekoppelte Okklusion über der Nordsee kommt mangels
Schubkomponente nur langsam nach Südosten voran und erreicht abends in etwa die
Deutsche Bucht bzw. Dänemark. Im Vorfeld frischt der Wind weiter auf und es gibt
im Nordwesten bzw. Norden zumindest Richtung Küsten einzelne steife Böen, im
Nordseeumfeld dagegen wohl recht verbreitet stürmische Böen, exponiert
(Helgoland, Sylt) eventuell auch Sturmböen aus Südwest.
Mit Annäherung eines in die südwestliche Höhenströmung eingebetteten
kurzwelligen Anteils wird die frontale Hebung entlang der Okklusion dynamisch
gestützt bzw. verstärkt, so dass sich die Niederschläge im frontalen Bereich
bzw. präfrontal verstärken. Im Tagesverlauf greifen sie auch auf den Nordwesten
des Vorhersagegebiets über und erreichen nach Lesart des aktuellen
ICON-EU-Laufes bis zum Abend in etwa eine Linie Niederrhein-Westmecklenburg.
Entlang der Nordseeküste Schleswig-Holsteins hat das ICON-EU dabei verbreitet 10
bis 15 mm in 6 Stunden auf der Agenda und damit höhere Mengen als die anderen
vorliegenden Globalmodelle.
Die Mitte, der Südosten und der Süden bleiben im Einflussbereich des dorthin
reichenden Hochkeiles. Dort scheint häufig die Sonne und es bleibt trocken.
Während unter den dichten Wolken im Norden und Nordwesten nur Höchstwerte
zwischen 18 und 23 Grad erreicht werden, liegen die Maxima ansonsten bei
sommerlichen 23 bis 28 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Basisfelder werden im Kurzfristzeitraum von allen Modellen sehr
ähnlich simuliert, der grobe Ablauf steht einigermaßen fest.
Im Detail ergeben sich natürlich auch sehr kurzfristig bereits Unterschiede. So
werden die kurzwelligen Störungen von Modell zu Modell leicht modifiziert
simuliert, was direkte Auswirkungen hat auf die von den konvektiven Modellen
simulierte konvektive Aktivität, schon in den kommenden Stunden. Die Differenzen
wurden im Text besprochen, generell lässt sich konstatieren, dass C-D2 heute
sehr defensiv aufgestellt ist und damit keine schlechte Linie fährt. Andere
Modelle dagegen gehen konvektionstechnisch recht offensiv zu Werke, wie z.B. das
SuperHD. Momentan will die „Natur“ dem aber noch nicht so wirklich Folge
leisten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 301800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 30.06.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Abseits der Küsten in der Nacht abflauender Wind. Am Mittwoch in einem breiteren
Streifen vom Westen bis nach Brandenburg und Sachsen einzelne starke bis schwere
Gewitter, später auch im Südwesten sowie am Alpenrand. In der Nacht zum
Donnerstag auf die gesamte Südhälfte ausweitend.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Mitteleuropa am Rande eines Tiefdruckkomplexes über
dem Norden und Nordwesten des Kontinents, das sich sowohl in 500 hPa als auch am
Boden als ziemlich heterogen darstellt. In 500 hPa sind die Geopotentialminima
zum einen über Schottland und dem südlichen Skandinavien zu finden (jeweils als
Randtrog), zum anderen über dem Europäischen Nordmeer (als Zentrum). Daraus
resultiert über Deutschland eine recht zonale westliche bis leicht südwestliche
Strömung, die im Norden des Landes durch ein Maximum des Jets unterstützt wird.
Bodennah zeigt die Analyse von 12 UTC die zu den Randtrögen korrespondierenden
Tiefs über dem südlichen Irland sowie an der Südspitze Norwegens, wobei die über
den Norden Deutschlands verlaufende Okklusion besonders in den küstennahen
Gebieten etwas Regen bringt (diese Mengen sind fernab jeglicher Warnrelevanz).
Sehr wohl mit Warnungen unterfüttert ist die aktuelle Windsituation, denn der
heute tagsüber vorherrschende Gradient sorgte im Norden und Teilen der Mitte für
einzelne starke Böen, an den Küsten sowie in exponierten Lagen der Mittelgebirge
für stürmische Böen oder Sturmböen aus Südwest. Im Flachland klingt diese
Windsituation im Laufe des Abends sowie eingangs der Nacht aus, sodass die
Warnungen in den meisten Regionen auslaufen können. Ausgenommen davon sind die
höheren Mittelgebirgslagen sowie die Küstenregionen mit weiter auftretenden
starken bis stürmischen Böen, in exponierten Kammlagen können auch weiterhin
Sturmböen dabei sein (Brocken). Im Laufe der Nacht zum Mittwoch dreht die
Höhenströmung über Mitteleuropa aufgrund des sich leicht amplifizierenden
Randtroges bei Schottland zunehmend auf Südwest, zeitgleich erreicht die
Warmfront des ursprünglich damit korrespondierenden Bodentiefs die westlichen
Landesteile (die WLA-induzierten Niederschläge sind im Emsland bereits
angekommen). Nach Lesart der Modelle wird das Frontensystem zunehmend als offene
Welle abgebildet (keine Kernisobare vorhanden), die die Frontalzone über der
südlichen Nordsee sowie Norddeutschland markiert. Trogvorderseitige
Hebungsprozesse führen nun besonders ab der zweiten Nachthälfte entlang dieser
Luftmassengrenze für länger anhaltende, teils schauerartig verstärkte
Niederschläge. Die Schwerpunkte der Regenfälle werden für die Nachtstunden auf
die Regionen vom Rheinland über das Ruhrgebiet bis nach Ostwestfalen gelegt,
wobei es noch geringe Modelldiskrepanzen gibt. Nördlich davon, in der frischeren
Meeresluft, beschränken sich die Niederschläge auf einzelne Schauer. In den
südlichen Regionen verläuft die Nacht dagegen gänzlich trocken.

Mittwoch … verläuft die angesprochene Warmfront der Frontalwelle quer über den
Norden Deutschlands hinweg und geht zunächst über Benelux in die Kaltfront über
Nordfrankreich über, später verlagert sich der Wellenscheitel in den Nordwesten
Deutschlands, am Abend zu den Küstenregionen der Ostsee. In den Regionen südlich
davon kommt im Warmsektor starke WLA auf, sodass südlich des Mains bei längerem
Sonnenschein da und dort die Marke von 30 Grad erreicht oder knapp überschritten
wird. Im Nordwesten bleiben die Temperaturen bei einer 850-Grad-Isothermen von
knapp über 10 Grad und dichter Bewölkung sowie teils schauerartig verstärktem
Regen meist unter 25 Grad. Diese Niederschläge bedürfen noch einer genaueren
Analyse, denn besonders in den Vormittagsstunden sind ähnliche Regionen wie in
der Nacht betroffen (Teile NRWs). Erst mit zunehmender Verlagerung der Kaltfront
südostwärts am Nachmittag fokussieren sich nämlich die Niederschläge auf den
zentralen Mittelgebirgsraum. Im etwa 18-stündigen Zeitraum bis dahin rechnet
ICON13 im Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen mit etwas über 30 l/qm, EZMW
lokalisiert in einem ähnlichen Gebiet etwas geringere Mengen. GFS bevorzugt
dagegen die nördliche Variante vom Münsterland bis nach Ostwestfalen, während
EURO4 einen längeren, schmalen Streifen vom Ruhrgebiet ins südliche
Niedersachsen propagiert. Die probabilistischen Produkte rechnen in Teilen des
zentralen NRWs mit einer Überschreitungswahrscheinlichkeit von 10% für mehr als
30 l/qm. Neben den erwarteten Regenmengen darf aber auch die Gewittersituation
nicht vernachlässig werden. Entlang und knapp südlich der Frontalzone ergibt
sich aus heutiger Sicht ein Streifen, in dem sich Geschwindigkeitsscherung (20
bis 30 m/s (0 bis 6 km) bzw. 10 bis 17 m/s (0 bis 1 km)), Labilität und deutlich
erhöhte Feuchtewerte gut überlappen können. Allerdings fehlt es teilweise an
entsprechend höhenunterstützter Hebung (flach konturierte Strömung). Es ist
daher nicht verwunderlich, dass die konvektionserlaubenden Lokalmodelle die Lage
noch differenziert sehen, aber den Schwerpunkt einheitlich in einem diagonalen
Streifen vom Westen bis nach Brandenburg simulieren. Wobei darauf hingewiesen
wird, dass SuperHD teils deutlich offensiver starke Gewitter rechnet als
COMSO-D2. Diese Gewitter gehen dann lokal einher mit heftigem Starkregen, Hagel
mittlerer Korngröße und Sturmböen oder schweren Sturmböen. In den südlichen
beiden Bundesländern ist die synoptische Situation eine andere. Dort wird zwar
ebenfalls feuchtwarme und deutlich labile Luft advehiert (CAPE zwischen 100 und
500, südlich der Donau zwischen 400 und 1000, an den Alpen bis 1500 J/kg, ppws
um oder etwas über 30 mm). Zur verbreiteten Gewitterauslöse fehlen aber
großräumige Hebungsprozesse, außerdem ist die Luftmasse bis in den Nachmittag
hinein gut gedeckelt (erhöhte CIN-Werte) und die Scherung deutlich geringer als
im Norden. Daher liegt der Fokus auf orographischer Auslösung über den
südwestdeutschen Mittelgebirgen sowie am direkten Alpenrand, wobei später durch
einen flachen Kurzwellentrog in 300 hPa auch Gebiete abseits davon von starken
bis schweren Gewittern mit Starkregen, größerem Hagel und schweren Sturmböen
(inverted-V) betroffen sein können. Etwas außen vor sind damit zunächst die
Regionen zwischen der Donau und dem Main. Neben diesen konvektiven Ereignissen
kommt es außerdem in den küstennahen Regionen sowie in den höheren Lagen der
Mittelgebirge zu einzelnen starken Böen aus Südwest bis West. Am Abend und in
der Nacht zum Donnerstag verlagert sich die Kaltfront (und damit auch das
präfrontale Gewittergebiet) langsam südostwärts und erreicht ausgangs der Nacht
die Mainregion. In den synoptischen Feldern gut zu erkennen sind dabei durch die
nun vorhandenen Kurzwellentröge induzierte Hebungsgebiete, die von der Schweiz
her über den Süden nach Tschechien und Oberösterreich gesteuert werden. Damit
und mit der weiterhin feuchtwarmen und labilen Luftmasse besteht die Möglichkeit
für größere Gewittercluster, die von der Schweiz und dem westlichen Ostalpenraum
her die Regionen südlich der Donau überqueren. Die primäre Gefahr geht dann von
heftigem, teils auch mehrstündigem Starkregen aus. Im Nordwesten greift außerdem
ein Randtrog von der Nordsee her auf die küstennahen Regionen über, sodass dort
ausgangs der Nacht im Bereich etwas höhenkälterer Luft Schauer heranziehen und
der eine oder andere Blitz nicht ausgeschlossen ist. Zwischen dem Main und dem
Nordwesten klingen die Gewitter dagegen meist ab. An der Ostsee sind außerdem
einzelne starke Böen weiterhin möglich.

Donnerstag … greift der Randtrog über der Nordsee weiter auf den Nordwesten
über, die Kaltfront des nun im südlichen Schweden situierten Tiefs verläuft zum
Mittagstermin diagonal vom Schwarzwald bis nach Oberfranken. In der südöstlich
davon weiterhin feuchtwarmen und labilen Luftmasse (CAPE über 1000 J/kg,
entsprechende Lapse-Rate, ppws deutlich über 30 mm) kommt es zu starken
Gewittern oder teils schauerartig verstärktem (Stark-)Regen. Auch das
mehrstündige Kriterium sollte dabei bei entsprechender Verclusterung nicht aus
den Augen gelassen werden. Diese Situation steht aber noch unter dem Vorbehalt
der aus der Nacht heraus vorliegenden Gewittersituation, Unwetterpotential ist
allerdings weiterhin vorhanden. Der Nordwesten kann ebenfalls Schauer und ein
paar Gewitter abbekommen, wobei diese aber von der Marke Kaltluftgewitter sind.
Dazwischen ergibt sich ein Streifen mit einer Mischung aus Sonne und Wolken und
Temperaturwerten von knapp über 25 Grad. Der Wind spielt allgemein eine
untergeordnete Rolle, nur in manchen Kammlagen der Mittelgebirge kann es zu
stürmischen Böen kommen. In der Nacht zum Freitag wird die feuchtwarme Luftmasse
aus dem Südosten Bayerns endgültig abgedrängt, damit klingen die Gewitter sowie
der schauerartig verstärkte Regen langsam ab. Der Norden und die Mitte des
Landes befinden sich unter dem Langwellentrog über Nordeuropa, wobei weiterhin
mit westlicher Strömung erwärmte Meeresluft herangeführt wird. Das Warngeschehen
hält sich damit in Grenzen.

Freitag … beginnt über Westeuropa ein Abtropfprozess des Langwellentroges über
Nordeuropa. Bodennah schiebt sich ein Keil des Azorenhochs in Richtung
Mitteleuropa vor, damit ergibt sich im Süden eine leicht antizykonal, im Norden
eine eher zyklonal geprägte Westlage. Im Norden kommt es im Trogbereich zu
vereinzelten Schauern, auch im alpinen Raum ist die Auslösung solcher möglich.
In der recht frischen Meeresluft steigen die Temperaturwerte auf 20 bis 24 Grad,
außerdem gibt es meist einen Wechsel von vielen Wolken und etwas Sonne. Der Wind
ist schwach, in Böen mäßig und kommt aus westlichen Richtungen. In der Nacht zum
Samstag wird der Abtropfprozess des Höhentiefs abgeschlossen. Am Boden zieht ein
Tief von den Britischen Inseln in Richtung südwestliches Norwegen und lenkt
dabei seine Warmfront in Richtung südliche Nordsee, wobei mit der einhergehend
Gradientverschärfung an der Nordseeküste starke bis stürmische Böen möglich
sind. Außerdem verdichten sich dort im Laufe der Nacht die Wolken und auch im
alpennahen Bereich bleibt es im Einflussbereich des Höhentiefs stark bewölkt.
Sonst verläuft die Nacht oft klar und trocken.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großräumigen Strukturen werden von den Modellen relativ ähnlich simuliert,
der Teufel steckt – wie immer bei konvektiven Lagen – im Detail. Besonders die
Verbreitung der starken, teils auch schweren Gewitter entlang der
Luftmassengrenze sowie der Zeitpunkt und die Region der Gewitterauslösung im
Südwesten und Süden am Mittwoch sind noch mit ein paar Fragenzeichen versehen –
diese wurden im Text angesprochen. Aufgrund dieser Unsicherheiten und der noch
ausreichend zur Verfügung stehenden Vorlaufzeit wird über eine mögliche
Vorabinfo am Mittwochvormittag entschieden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 291800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 29.06.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Unbeständig und abwechslungsreich. Am Dienstag an den Küsten und auf einigen
Gipfeln Böen Bft 8 bis 9. Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag in der
Mitte und später im Süden starke Gewitter mit Unwetterpotenzial, eventuell
Schwergewitterlage.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … steht uns ein abwechslungsreicher und nicht unspannender
Witterungsabschnitt bevor. Ein in den Sommermonaten selten gewordenes
Konglomerat aus den Großwetterlagen Wz/SWz und TrW gibt sich ein Stelldichein
und vor allem am Mittwoch bzw. in der Nacht zum Donnerstag könnte es in einigen
Landesteilen durchaus heftig „zur Sache gehen“. Dazu aber später mehr.
Zunächst widmen wir uns dem aktuellen Wettergeschehen, das sich in der kommenden
Nacht noch relativ entspannt gestaltet. Das Vorhersagegebiet befindet sich
nämlich aktuell an der Südostflanke eines hochreichenden zentralsteuernden
Tiefdruckgebietes vor der Ostküste Schottlands unterhalb einer recht kräftigen
westlichen Höhenströmung. Eine darin eingebettete Kurzwelle hat inzwischen Polen
erreicht und zieht ostwärts ab, womit auch die Schauer- und Gewittertätigkeit in
der Osthälfte zum Erliegen gekommen ist. Dieser folgt ein ebenfalls kurzwelliger
flacher Höhenrücken, der erst einmal für eine gewisse Wetterberuhigung sorgt.
Somit verläuft die Nacht verbreitet aufgelockert bis gering bewölkt und meist
trocken, stellenweise können sich flache Nebelfelder ausbilden.
Ausgenommen davon bleiben allerdings der Norden und Nordwesten. Das Zentraltief
verlagert nämlich sein Drehzentrum allmählich Richtung Südnorwegen, zudem
überquert ein weiterer kurzwelliger Troganteil den äußersten Norden im Laufe der
Nacht ostwärts. Mit diesem gelangt eine höhenkältere Luftmasse in den äußersten
Norden des Landes, wodurch die Luftmasse etwas labilisiert wird, zudem wird mit
dem Trog aufgrund von PVA Hebung generiert. Vor allem im Vorfeld einer um das
Bodentief gewickelten Okklusion verstärken sich somit im Nordseeumfeld die
schauerartigen Regenfälle im Laufe der Nacht, bei bis oberhalb von 500 hPa labil
geschichteter Troposphäre und einer MU-Cape von 100 bis 300 J/kg sind auch kurze
Gewitter nicht ausgeschlossen. Diese Regenfälle weiten sich noch ein wenig nach
Süden, bis etwa zu einer Linie Ostfriesland – Ostholstein aus. Im Bereich der
Nordfriesischen Küste werden 10 bis gebietsweise über 15 mm innerhalb von 12
Stunden simuliert (EURO4 auch entlang der Ostfriesischen Küste). Diese Mengen
sind wohl auch einer Art Küstenkonvergenz geschuldet. Für Starkregen sollte es
aber nicht reichen.
Von Warnrelevant bleibt aber der Wind. Mit Annäherung des Tiefs verschärft sich
der Gradient im Norden des Landes. Während der Wind im Binnenland aber
tagesgangbedingt eher abnimmt, frischt er an der Nordsee- und später an der
Ostseeküste auf und es gibt verbreitet steife (Bft7), im Nordseeumfeld später
vermehrt auch stürmische Böen (Bft 8) aus Südwest. Auch auf dem Brocken sind
ausgangs der Nacht stürmische Böen oder gar Sturmböen (Bft 9) möglich.
Vor allem in der Mitte und im Süden fällt die Nacht mit Tiefstwerten zwischen 13
und 6 Grad recht frisch aus, im Norden bleibt es mit 15 bis 10 Grad etwas
milder.

Dienstag … verlagert sich das Zentraltief bis zum Abend zum Kattegat und wird
als Randtrog in einen langwelligen Trogkomplex über Skandinavien bzw. dem
Nordmeer integriert. An dessen Südflanke bleibt die kräftige westliche
Höhenströmung vor allem über dem Süden und der Mitte des Vorhersagegebietes
recht glatt, über dem Norden dagegen zyklonal konturiert. Nach Abzug des
kurzwelligen Troganteils wird allerdings kaum mehr dynamische Hebung generiert,
so dass die Schaueraktivität im äußersten Norden gegenüber der Nacht etwas
nachlässt. Die Labilität reicht kaum höher als 600 hPa, somit ist auch von einer
eher geringen Gewitterwahrscheinlichkeit auszugehen, am ehesten können noch
welche an den Küsten auftreten.
Das korrespondierende Bodentief erreicht abends in etwa den Großraum Oslo und
kann sich noch etwas vertiefen. Somit verschärft sich der Druckgradient vor
allem im Norden und in der Mitte des Landes. Dort frischt der Südwest- bis
Westwind – unterstützt durch den Tagesgang – im Tagesverlauf mit Böen Bft 7, in
freien und windexponierten Lagen auch einzelnen stürmischen Böen (Bft 8) auf. An
den Küsten gibt es verbreitet stürmische Böen, exponiert auch Sturmböen (Bft 9),
ähnliches gilt für die Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge (außer in
Süddeutschland).
Während es im Norden und Nordwesten überwiegend stark bewölkt bleibt, überwiegt
in weiten Teilen des Landes der Einfluss einer von Zentralfrankreich bis nach
Süddeutschland reichenden Hochdruckzone. Diese wird gestützt durch einen flachen
Rücken, der sich vorderseitig eines westlich von Schottland liegenden Randtroges
über dem Süden der Britischen Inseln aufwölbt. Dabei wird er von WLA überlaufen,
die bereits bis in den Westen und in die Mitte des Vorhersagegebietes wirksam
wird und sich anhand dichterer Wolkenfelder, die sich dort allmählich ostwärts
ausweiten, bemerkbar macht. Gegen Abend erreicht die Warmfront eines mit dem
Trog korrespondierenden Randtiefs über Südirland Frankreich. Im Vorfeld der
Front setzt leichter Regen ein, der abends eventuell auch schon den äußersten
Westen Deutschlands erfasst.
Vor allem im Süden und Osten scheint dagegen überwiegend die Sonne und in erster
Linie dort macht sich auch schon die beginnende niedertroposphärische WLA
bemerkbar. Die Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf Werte zwischen 6
Grad an der Nordsee und 13 Grad an den Alpen. Das mündet in Höchstwerte zwischen
17 und 23 Grad im Norden bzw. im Nordwesten und zwischen 21 und 26 Grad sonst
mit den höchsten Werten in der Lausitz, am Oberrhein sowie im Alpenvorland.

In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der aus dem ehemaligen Zentraltief
resultierende Randtrog unter weiterem Wellenlängenverlust zur mittleren Ostsee.
Der Randtrog über Schottland kommt ein wenig nach Südwesten voran. Der flache
Höhenrücken über den Britischen Inseln erreicht morgens die Nordsee bzw.
Benelux, womit die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet beginnt, etwas
aufzusteilen und sich die WLA verstärkt.
Das Bodentief über dem Süden Irlands zieht bis Mittwochfrüh etwa nach
Mittelengland. Die Warmfront greift mit Regenfällen meist leichter, teils auch
mäßiger Intensität auf Westdeutschland bzw. auf die mittleren Landesteile über,
die Kaltfront reicht schleifend von Nordfrankreich und dem Ärmelkanal bis ins
Seegebiet südwestlich der Biskaya. Sie kann zunehmend besser mit dem Randtrog
interagieren, wodurch es voraussichtlich irgendwo im Bereich des Ärmelkanals (am
ehesten wohl an dessen Ostausgang bzw. an der Belgischen Küste) zu einer
Wellentiefentwicklung kommt. Ob es im Bereich der Warmfront durch etwas
markantere Hebungsprozesse in Verbindung mit hohen PPW-Werten (über 30 mm)
bereits zu konvektiven Einlagerungen, inklusive Starkregen bzw. einzelnen
Gewittern, kommt, ist noch unklar. Aktuell gibt es modellseitig nur wenig
Hinweise darauf (ICON-EU von 12 UTC simuliert im südlichen Ruhrgebiet allerdings
kleinräumig Mengen um 20 mm in 6 Stunden).
Mit der zunehmenden WLA stabilisiert auch im Norden die Luftmasse allmählich und
die Schauer im Küstenbereich klingen ab, es bleibt aber meist bewölkt. Der
Gradient fächert mit Abzug des ehemaligen Zentraltiefs auf, so dass es später
wohl nur noch an exponierten Küstenabschnitten für steife Böen reicht, auf
einigen Mittelgebirgsgipfeln kann es mit Annäherung der Warmfront stürmische
Böen, auf dem Brocken Sturmböen aus Südwest geben.
In der Südhälfte verläuft die Nacht dagegen aufgelockert, vor allem südlich der
Donau oft auch gering bewölkt bzw. wolkenlos. Die Tiefstwerte liegen meist
zwischen 16 und 11 Grad, ganz im Westen vielleicht bereits knapp darüber, im
Süden örtlich auch darunter.

Mittwoch … könnte es zum ersten Mal in diesem Jahr einigermaßen passen mit der
Überlappung von Scherung/Dynamik und Cape. Klar, es gab sicherlich schon andere
Kaliber als das, was an dem Tag aus aktueller Modellsicht zu erwarten ist,
dennoch – angesichts des konvektionstechnisch bisher sehr ereignisarmen
Frühjahres/Sommers – schlägt das Herz des wetterbegeisterten Synoptikers bei
diesen Modelloutputs bereits höher.
Im Detail ist die Entwicklung aber aktuell noch mit größeren Unsicherheiten
behaftet, vieles steht und fällt mit dem Durchzug kurzwelliger Troganteile, die

  • eingebettet in die zunehmend auf Südwest zurückdrehende Höhenströmung über den
    Norden und die Mitte des Vorhersagegebietes hinweg nordostwärts geführt werden
    und dynamischen Hebungsinput (aufgrund von PVA) liefern können.
    Deshalb erfolgt erst einmal ein recht grober Abriss der zu erwartenden
    Entwicklung.
    Der bereits weiter oben erwähnte Randtrog über Schottland verlagert sich im
    Tagesverlauf allmählich südostwärts und weitet sich mit seiner Achse bis ins
    Seegebiet südlich von Irland aus. Dadurch dreht die Höhenströmung über
    Mitteleuropa mehr auf Südwest und es kann eine potenziell instabile Luftmasse
    aus Südwesteuropa in den Süden und in die Mitte des Vorhersagegebietes advehiert
    werden.
    Das flache Wellentief entlang der schleifenden Front kommt innerhalb der
    zunächst noch recht glatt konturierten südwestlichen Höhenströmung nur langsam
    nach Osten voran und erreicht bis zum Abend in etwa die Norddeutsche Tiefebene.
    Die Niederschlagsentwicklung entlang des Frontenzuges hängt unmittelbar zusammen
    mit der Passage eventueller kleinräumiger kurzwelliger Troganteile, die den oben
    beschriebenen Hebungsinput liefern können und die durch die WLA generierte bzw.
    die frontale Hebung zusätzlich verstärken. Somit ist innerhalb des den
    Frontenzug begleitenden Regengebietes, das – von den Modellen recht einheitlich
    simuliert – wohl vom Westmünsterland bzw. Emsland über Niedersachsen bis nach
    Brandenburg bzw. Mecklenburg-Vorpommern reicht, im Falle des Falles mit
    konvektiven Einlagerungen zu rechnen und entsprechend lokal eng begrenzt auch
    von Starkregen, teils von Gewittern begleitet. Dieser dürfte aber wohl nur
    markanten Warnkriterien genügen.
    Interessanter gestaltet sich die Entwicklung südlich der Front, im
    Einflussbereich der potenziell instabilen Luftmasse. Die PPW-Werte steigen auf
    25 bis über 30 mm, nahe des Frontenzuges auch auf 35 mm, die 850 hPa-Temperatur
    auf 14 bis 18 Grad. Mit Hilfe von Einstrahlung kann Cape generiert werden;
    wieviel, ist noch unklar und hängt davon ab, wie sehr die Strömung aufsteilt. Je
    stärker die Höhenströmung auf Südwest bis Süd zurückdreht, desto mehr kann die
    föhnige Überströmung über die Alpen wolkenauflösend wirken und desto mehr Cape
    kann durch Einstrahlung generiert werden. Momentan simulieren die Modelle etwa
    500 bis über 1000 J/kg (SuperHD; es reicht als einziges Konvektion erlaubendes
    Modell bereits bis zu diesem Zeitpunkt) bzw. sogar bis etwa 2000 J/kg (ICON-EU
    im Alpenvorland). Während die föhnige Überströmung über die Alpen für weite
    Teile Süddeutschlands zunächst konvektionshemmend wirkt, könnte weiter nördlich,
    vor allem im Westen, ein kurzwelliger Troganteil zusammen mit der Orographie als
    Trigger für Auslöse wirken. 1000 J/kg ML-Cape, dazu mäßige LLS (5 bis 10 m/s 0
    bis 1 km) bzw. DLS (über 20 m/s) sollten ausreichen für Gewitter mit
    Unwetterpotenzial und auch für langlebigere Systeme (Superzellen). Vor allem ab
    den Abendstunden hat der aktuelle Lauf des SuperHD entsprechende Entwicklungen –
    ausgehend vom westlichen und zentralen, später auch vom südwestdeutschen
    Mittelgebirgsraum – auf der Agenda. Größerer Hagel, schwere Sturm- bis Orkanböen
    und Starkregen über 30 mm in kurzer Zeit können dabei nicht ausgeschlossen
    werden.
    Ansonsten lässt sich konstatieren, dass vor allem in der Südhälfte ein sonniger
    Tag zu erwarten ist mit Höchstwerten zwischen 27 und 32 Grad. In der Mitte und
    im Norden bleibt es dagegen eher bewölkt, im Bereich des Frontenzuges bedeckt.
    Wo genau die Grenze zwischen Sonnenschein und dichterer Bewölkung verlaufen
    wird, steht noch in den Sternen. Im Regen werden die 20 Grad natürlich kaum
    überschritten, sonst wird es aber mit 22 bis 26 Grad trotz zeitweise vieler
    Wolken schwülwarm.

In der Nacht zum Donnerstag kommt der Trog über dem Süden der Britischen Inseln
bis zum Ostausgang des Ärmelkanals voran. Das korrespondierende, bisher
quasistationäre Bodentief über Mittelengland setzt sich in Bewegung und zieht
über die Nordsee zur Deutschen Bucht, füllt sich aber allmählich auf und
erstreckt sich morgens als Bodentrog über die südliche Nordsee westwärts bis
etwa zur Themsemündung. Der von ihm ausgehende, weiterhin wellende Frontenzug
kommt nur sehr langsam nach Südosten voran und erreicht morgens nach Lesart des
aktuellen ICON-EU-Laufes in etwa eine Linie Lausitz – Schwarzwald. Somit bleibt
die Südhälfte die ganze Nacht über im Einflussbereich der instabilen Luftmasse.
Die MU-Cape und auch die PPW-Werte bleiben hoch, mit Annäherung des Troges
verstärkt sich die Scherung zusätzlich noch. Somit muss weiterhin mit
unwetterartigen Entwicklungen gerechnet werden, die sich allmählich weiter nach
Südosten ausweiten. Im Detail ist das Ganze natürlich noch schwer abschätzbar,
sowohl Superzellen sind denkbar als auch ein MCS.
Im Bereich des Frontenzuges bzw. an dessen Nordflanke regnet es zeitweise, wohl
aber ohne, das warnrelevante Mengen erreicht werden (ICON-EU 10 bis 20 mm in 12
Stunden, IFS von 00 UTC punktuell auch etwas mehr, GFS von 12 UTC dagegen
deutlich weniger, da der Trog nicht so progressiv simuliert wird und deshalb die
dynamische Hebung im Frontbereich deutlich schwächer ausfällt). Weiter nördlich
bzw. nordwestlich kommt es zu einer vorübergehenden Wetterberuhigung. Mit
Annäherung des Bodentroges setzen aber im Nordwesten – in erster Linie im
Nordseeumfeld – erneut schauerartige Regenfälle ein, die auch von einzelnen
Gewittern begleitet werden können.

Donnerstag … verlagert sich der zunehmend kurzwellige Trog vom Ostausgang des
Ärmelkanals bis zum Abend nach Norddeutschland. Der Frontenzug über dem Südosten
des Landes kommt somit südostwärts voran, damit wird die potenziell instabile
Luftmasse auch von dort endgültig verdrängt. Von Frankreich her weitet sich ein
Bodenhochkeil nach Süddeutschland aus, so dass die Bodenströmung auf Nordwest
dreht und sich eine Gegenstromlage einstellt. Das führt zu einer Verstärkung der
Niederschläge im postfrontalen Bereich über dem Südosten des Landes, wobei noch
unsicher ist, ob eventuell Warnschwellen für Stark- bzw. Dauerregen
überschritten werden. Vor allem anfangs kann es auch noch zu konvektiven
Verstärkungen kommen, eventuell gibt es in Südostbayern am Vormittag und Mittag
auch noch kräftige Gewitter, vor allem dann, wenn es präfrontal noch etwas
einstrahlen kann, was vor allem GFS mit der langsameren Frontverlagerung auf der
Agenda hat (dort sogar noch am Nachmittag, wobei dann auch wieder Unwetter
möglich sind).
Auf den Nordwesten und Norden des Landes greift dagegen die Tiefdruckrinne über.
Vorderseitig des Troges kann aufgrund von PVA recht markante Hebung wirksam
werden, die von KLA nur teilkompensiert wird. Schauer und Gewitter, gebietsweise
auch schauerartig verstärkte Regenfälle, die sich von den Küsten allmählich
südwärts in die Norddeutsche Tiefebene ausweiten, sind die Folge. Begleitet
werden die Gewitter bei PPW-Werten um 25 mm und einer ML-Cape von mehreren 100
J/kg von Starkregen und kleinkörnigem Hagel, aber auch von stürmischen Böen, die
Wahrscheinlichkeit für unwetterartige Erscheinungen ist aber nur gering.
Zwischen dem Regen im Südosten und den Schauern bzw. Gewittern im Norden
verläuft der Tag in einem relativ breiten Streifen, der in etwa von
Baden-Württemberg bis nach Brandenburg reicht, verhältnismäßig ruhig, wobei es
auch dort vor allem in der Peripherie des Troges einzelne Schauer und Gewitter
geben kann.
Bereits rückseitig des Frontenzuges gelangt etwas frischere subpolare Meeresluft
ins Vorhersagegebiet, rückseitig der Rinne strömt dann nachmittags bzw. abends
erwärmte Polarluft nach Norddeutschland. Die 850 hPa-Temperatur sinkt bis zum
Abend auf etwa 12 Grad im Südosten und 5 Grad im Nordwesten. Somit liegen die
Höchstwerte meist zwischen 21 und 26 Grad, an den Küsten und Regionen mit
längerem Regen um 18 Grad; sollte es im Südosten nochmal stärker auflockern
(GFS-Variante), sind dort auch noch höhere Werte zu erwarten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Basisfelder unterscheiden sich kaum voneinander. Vor allem ab
Mittwoch ergeben sich aber im Detail durchaus noch Differenzen, die im Text
angerissen wurden. Die genaue Entwicklung der eventuellen Unwetterlage muss
somit noch abgewartet werden, wohl ab morgen Abend, vielleicht aber auch erst am
Mittwochvormittag kann man diesbezüglich über eventuelle Vorabinformationen
nachdenken.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

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ausgegeben am Sonntag, den 28.06.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Kommende Nacht nach Abzug der Gewitter im Südosten Bayerns noch Stark- oder
Dauerregen. Am Montag vor allem in der Mitte und im Süden einzelne, maximal
markante Gewitter. Am Dienstag im Norden windig mit Sturmböen an den Küsten und
auf den Berggipfeln. Mäßig warm, im Süden warm.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland an der Südostflanke eines umfang- und
hochreichenden zentralsteuernden Tiefdruckgebiets über Westeuropa mit
Drehzentrum knapp nördlich von Schottland unterhalb einer kräftigen
südwestlichen Höhenströmung. Im Laufe der Nacht verlagert sich das Tief ein
wenig nach Süden, womit sich auch der dazugehörige Langwellentrog Richtung
Frankreich und Mitteleuropa ausweitet. Die Kaltfront des Bodentiefs hat
inzwischen den Südosten und Osten Deutschlands erreicht und kommt ostsüdostwärts
voran, womit die dort lagernde feuchte und labil geschichtete Luftmasse zusammen
mit den teils kräftigen Gewittern im Laufe des späteren Abends rasch nach Osten
abgedrängt wird. Danach bleibt es dort überwiegend trocken und die Wolken
lockern stärker auf.
Mit Annäherung eines kurzwelligen Randtroges, der morgens Ostfrankreich
erreicht, steilt die Höhenströmung aber etwas auf, wodurch die Kaltfront über
dem Südosten Bayerns ins Schleifen gerät und erst ausgangs der Nacht die Alpen
erreicht. Im Vorfeld der Kaltfront kann es im Südosten Bayerns bis in die
späteren Abendstunden noch teils kräftige Gewitter geben, wobei bei PPW-Werten
zwischen 35 und 40 mm vor allem bzgl. Starkregens und kleinkörnigen Hagels die
Unwetter-Warnschwellen rasch erreicht sein dürften. Auch ein MCS ist denkbar.
Tendenziell werden die stärksten Entwicklungen von den Konvektion erlaubenden
Modellen allerdings bereits im Grenzgebiet zu Österreich (Berchtesgadener Land,
vielleicht noch Chiemgau) bzw. in Oberösterreich/Salzburg simuliert.
Der Kaltfront folgt ein flacher Bodenhochkeil, der sich von Frankreich her nach
Süddeutschland erstreckt. Damit dreht die Bodenströmung über Bayern auf Nordwest
bis Nord, wodurch sich unmittelbar postfrontal eine Gegenstromlage einstellt
(Südwest in der Höhe). Die Folge sind nach Abzug der Gewitter vor allem am
Alpenrand und im südlichen Alpenvorland länger anhaltende Regenfälle, die mit
Schleifen der Front auch noch bis mindestens Montagmittag anhalten. Insgesamt
werden dabei im Zeitraum 00 bis 12 UTC seitens ICON-EU verbreitet mehr als 25 mm
in 12 Stunden simuliert (markanter Dauerregen), Signale für Unwetter (über 40
mm) haben lediglich Einzelläufe kleinräumig auf der Agenda (bevorzugt nach Osten
zu) und auch die Probabilistik zeigt kaum entsprechende Hinweise.
Im großen Rest des Landes verläuft die Nacht wettertechnisch einigermaßen ruhig.
Ein kurzwelliger Troganteil überquert im Laufe der Nacht den Nordwesten des
Landes, wodurch es dort in höhenkälterer Luftmasse (vorübergehend unter -20 Grad
in 500 hPa) einzelne Schauer oder auch kurze Gewitter (begleitet von Böen Bft 7
bis 8) geben kann, am ehesten im Nordseeumfeld. Auch ganz im Westen sind mit
Annäherung des weiter oben erwähnten Kurzwellenanteils über Ostfrankreich
ausgangs der Nacht einzelne Schauer möglich (kurze Gewitter nicht
ausgeschlossen). Im Nordseeumfeld weht lebhafter Südwestwind (Böen Bft 6 bis 7),
der im Laufe der Nacht vorübergehend abnimmt, morgens aber mit beginnender
Gradientverschärfung wieder etwas auffrischt. Vor allem im Nordosten und in der
Mitte lockern die Wolken dagegen auch mal stärker auf. Die Tiefstwerte liegen
zwischen 16 und 10 Grad.

Montag … überquert der zunehmend an Kontur und Wellenlänge gewinnende
ehemalige Kurzwellentrog von Ostfrankreich her die Südhälfte Deutschlands rasch
ostwärts. Die Kaltfront kommt dadurch schneller nach Süden voran, somit hören
die Regenfälle an den Alpen bis zum frühen Nachmittag auf. Im Trogbereich bzw.
unmittelbar vorderseitig wird aufgrund von PVA Hebung generiert, die nur
teilweise von KLA k0ompensiert wird. Das reicht innerhalb der bis etwa 500 hPa
instabil geschichteten Luftmasse für einzelne Schauer und auch kurze Gewitter,
die den Süden und die Mitte des Landes rasch von West nach Ost überqueren. Die
Begleiterscheinungen der Gewitter sind bei nur wenigen 100 J/kg Cape und
PPW-Werten um oder knapp über 20 mm sowie recht hoher Zuggeschwindigkeit maximal
im markanten Bereich anzusiedeln mit Böen Bft 7 bis 8, bei kräftigeren
Entwicklungen (die hochreichende Scherung ist mit über 20 m/s ganz passabel)
vereinzelt Bft 9, Starkregen um 15 mm in kurzer Zeit und eventuell auch etwas
Graupel. Nach Abzug des Troges klingen die Schauer aber rasch wieder ab.
Das Drehzentrum des hochreichenden Tiefdruckgebiets verlagert sich von
Schottland zur nördlichen Nordsee, wodurch sich der Gradient im Nordwesten
Deutschlands weiter verschärft und es mit Unterstützung durch den Tagesgang dort
auch im Binnenland einzelne steife Böen (Bft 7) aus Südwest geben kann (vor
allem IFS von 00 UTC zeigt bis nach NRW entsprechende Signale). An
windexponierten Abschnitten der Nordseeküste sind auch stürmische Böen (Bft 8)
nicht ausgeschlossen. Schauer gibt es im Norden, Nordwesten und wohl auch im
Westen dagegen kaum, am ehesten noch im Nordseeumfeld. Während es in der
Südosthälfte noch längere Zeit stark bewölkt bleibt, kann sich sonst auch mal
die Sonne durchsetzen, vor allem in Norddeutschland sowie im Nordosten. Das
ganze Land wird von erwärmter Meeresluft geflutet, die Temperatur in 850 hPa
liegt zwischen 5 Grad an der Nordsee und 11 Grad in der Lausitz bzw. in
Süddeutschland. Das lässt Höchstwerte zwischen 18 Grad im Nordseeumfeld und 26
Grad gebietsweise in der Osthälfte erwarten.

In der Nacht zum Dienstag verlagert sich das Zentraltief mit seinem Drehzentrum
allmählich zur Südwestspitze Norwegens. Die kräftige westliche Höhenströmung an
dessen Südflanke bleibt über der Mitte und dem Süden Vorhersagegebiet relativ
glatt, im Norden ist sie dagegen deutlich zyklonal konturiert, wobei ein
weiterer kurzwelliger Anteil über das nördliche Mitteleuropa hinweg ostwärts
schwenkt. Dabei nimmt die Schauertätigkeit im äußersten Norden und Nordwesten
(etwa von Ostfriesland bis nach Ostholstein oder Westmecklenburg) im Laufe der
Nacht wieder zu. Die Advektion höhenkalter Luftmassen führt vor allem über der
Nordsee zu einer Labilisierung der Luftmasse, so dass es auch kurze Gewitter
geben kann. Die höchsten Regenmengen (über 10 mm in 12 Stunden) werden somit
auch im unmittelbaren Küstenbereich simuliert, wobei dort eine Art
Küstenkonvergenz wohl unterstützend wirkt.
Das korrespondierende Bodentief kann sich noch etwas vertiefen, was vor allem
über Norddeutschland zu einer weiteren Gradientverschärfung führt. Nach
vorübergehender Abnahme frischt der Wind somit vor allem an den Küsten (zunächst
Nordsee, ausgangs der Nacht auch Ostsee) wieder deutlich aus Südwest auf und es
gibt steife, im Nordseeumfeld sowie an exponierten Abschnitten der Ostseeküste
morgens auch stürmische Böen. Auch in den Gipfellagen der nördlichen
Mittelgebirge (Harz) kann es stürmische Böen, auf dem Brocken morgens Sturmböen
geben.
Im übrigen Land verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig und vor allem im Osten
und Süden auch oft gering bewölkt. Während es unter den dichten Wolken im Norden
und Nordwesten mit 15 bis 10 Grad recht mild bleibt, kühlt es sonst auf frische
12 bis 6 Grad ab.

Dienstag … wird das Zentraltief als zunehmend kurzwelliger Randtrog in einen
Langwellentrogkomplex mit einem weiteren Drehzentrum über dem Nordmeer
eingebunden und füllt sich über dem Skagerrak etwas auf. An dessen Südflanke
bleibt die Höhenströmung über Norddeutschland zyklonal gekrümmt und verschärft
sich noch etwas. Zwar wird die höhenkälteste Luftmasse allmählich nach Norden
abgedrängt, dennoch bleibt dynamischer Hebungsantrieb aufgrund von PVA wirksam
und es gibt vor allem Richtung Küsten sowie in Schleswig-Holstein weiterhin
einzelne Schauer. Mangels hochreichender Labilität (lediglich bis etwa 600 hPa)
nimmt die Wahrscheinlichkeit für kurze Gewitter eher ab, wenngleich sie vor
allem im Küstenbereich nicht ausgeschlossen sind.
An der Südflanke des sich nur zögernd nach Südnorwegen verlagernden und sich
eher noch etwas vertiefenden Bodentiefs bleibt der Gradient scharf ausgeprägt
bzw. verschärft sich noch vor allem über den mittleren Landesteilen Deutschlands
und unterstützt durch den Tagesgang frischt der Wind allgemein aus Südwest auf.
Außer in der Südhälfte muss verbreitet mit steifen Böen (Bft 7) gerechnet
werden, an den Küsten sowie in freien Lagen auch mit stürmischen Böen (Bft 8).
In den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge (außer Süddeutschlands) kann es
auch Sturmböen (Bft 9) geben. Erst zum Abend hin fächert der Gradient zumindest
im Westen etwas auf und der Wind flaut allmählich ab.
In der Mitte und im Süden bleibt die Höhenströmung weiterhin glatt konturiert
und die Luftmasse stabiler geschichtet. Mit Annäherung der Warmfront eines
Wellentiefs, das in den Abendstunden in etwa den Süden Irlands erreicht, setzt
im Westen und in der Mitte verstärkt WLA ein und die Wolken werden dichter,
nachmittags und abends fällt im Westen auch gebietsweise etwas Regen. Dabei
gelangt auch niedertroposphärisch wieder wärmere Luft vor allem in den Süden und
Südosten des Landes, bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa auf Werte
zwischen 6 Grad im Nordwesten und 14 Grad im Alpenvorland. Vor allem vom
Schwarzwald bis zur Lausitz und südöstlich davon scheint häufig die Sonne,
während es im Nordwesten und Norden überwiegend stark bewölkt bleibt. Das mündet
in Höchstwerte zwischen 17 und 22 Grad im Norden bzw. Nordwesten und zwischen 21
und 26 Grad im übrigen Land mit den höchsten Werten im Alpenvorland.

In der Nacht zum Mittwoch kann das Wellentief über dem Süden Irlands besser mit
einem zur Irischen See ziehenden Kurzwellentrog interagieren, vertieft sich
etwas und verlagert sich bis Mittwochfrüh nach England. Dadurch beginnt die
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein wenig aufzusteilen, aufgrund der
sich verstärkenden WLA wölbt sich ein flacher Rücken über Nordwestdeutschland
und der Nordsee auf. Die Warmfront des Tiefs greift von Westen her auf die Mitte
Deutschlands über, dabei wird die WLA vor allem nach Westen zu noch durch PVA
unterstützt und die Regenfälle entlang der Front bzw. im präfrontalen Bereich
verstärken sich im Laufe der Nacht, wobei es im Norden und nach Osten zu aber
wohl nur für leichte Regenfälle oder einzelne Schauer reicht. Bedingt durch die
kräftige Hebung sind im Westen im unmittelbar präfrontalen Bereich dagegen
konvektive Umlagerungen möglich, bei PPW-Werten über 35 mm muss dann innerhalb
der bis etwa 600 hPa feuchtegesättigten Troposphäre gebietsweise auch mit
Starkregen, begleitet von einzelnen Gewittern gerechnet werden. Entsprechende
Signale hat ICON-EU für das Bergische Land auf der Agenda, wobei dort noch
Staueffekte zum Tragen kommen. GFS und IFS (von 00 UTC) sind allerdings
insgesamt etwas defensiver aufgestellt.
Weiter südlich, im Warmsektor, also etwa südlich von Mosel und Main, tut sich
dagegen nur wenig, lediglich an den Alpen kann es eventuell vereinzelte Schauer
oder kurze Gewitter geben. Ansonsten ist es dort häufig locker bis gering
bewölkt, teils auch klar. Insgesamt fällt die Nacht mit Tiefstwerten zwischen 16
Grad im Westen und 10 Grad in einigen Alpen- und Mittelgebirgstälern wieder
milder aus als die Vornacht.
Der Wind nimmt in den Niederungen bzw. im Binnenland wieder deutlich ab. Auch an
den Küsten fächert der Gradient etwas auf und es reicht im Laufe der Nacht meist
nur noch für steife Böen. Auf einigen exponierten Gipfeln der zentralen und
westlichen Mittelgebirge kann es noch stürmische Böen aus Südwest geben, auf dem
Brocken Sturmböen.

Mittwoch … überquert der Kurzwellentrog rasch England und die Nordsee
ostnordostwärts und verliert zunehmend an Kontur. Ein weiterer, deutlich
schärfer konturierter Kurzwellentrog greift im Tagesverlauf vom nahen
Ostatlantik auf den Süden der Britischen Inseln über. Auf dessen Vorderseite
steilt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet weiter auf.
Das Bodentief über England kommt zunächst kaum nach Osten voran, dagegen kann
die von dort bis ins Vorhersagegebiet reichende Warmfront mit dem über die
Nordsee abziehenden Kurzwellentrog interagieren und verwellt. Diese
Warmfrontwelle verläuft in etwa über die nördliche Mitte des Vorhersagegebietes
hinweg ostwärts, wobei die WLA-induzierte Hebung durch PVA vorderseitig des
Kurzwellentroges noch verstärkt wird. Kräftige, konvektiv durchsetzte Regenfälle
im Bereich der Front sind die Folge, wobei der aktuelle ICON-EU-Lauf in einem
schmalen Streifen vom Westmünsterland bis zum Weserbergland am Vormittag sogar
unwetterartige RR-Mengen simuliert. GFS und IFS haben allerdings deutlich
geringere Mengen auf der Agenda, dazu unterscheiden sich die Modelle auch noch
bzgl. der räumlichen Verteilung der Hauptniederschläge (im aktuellen GFS-Lauf
werden die größten Mengen – nicht warnrelevant – etwas weiter südlich
simuliert).
Einzelne Schauer und kurze Gewitter (mit Böen Bft 7 bis 8) kann es auch mit
Durchzug des Kurzwellentroges im Norden des Landes, vor allem an den Küsten und
in Schleswig-Holstein geben.
Die Südhälfte gelangt dagegen im Warmsektor des Tiefs in den Einflussbereich
sehr warmer und potenziell instabiler Luftmassen subtropischen Ursprungs. Die
Temperatur in 850 hPa steigt dort bis zum Abend auf 14 bis 18 Grad. Die
PPW-Werte steigen auf 25 bis 30 mm und mit Hilde der Einstrahlung können vor
allem südlich der Donau auch mehr als 1000 J/kg ML-Cape (ICON-EU sogar
gebietsweise mehr als 2000 J/kg) generiert werden. Zwar ist die Luftmasse
aufgrund der westsüdwestlichen Überströmung der Alpen zunächst recht großflächig
gedeckelt und ein dynamischer Hebungsantrieb ist zunächst nicht auszumachen,
dennoch stellt sich keine klassische Föhnsituation ein und mit Hilfe der
Orographie könnte es im Südwesten und Süden zum späteren Nachmittag oder Abend
hin zur Auslöse reichen. Dann sind angesichts der Zutaten unwetterartige
Entwicklungen denkbar, am ehesten vielleicht im Alpenvorland, wo mit der
Winddrehung auf östliche Richtung eine gute Richtungsscherung gegeben ist,
können auch langlebigere Gewitter bis hin zu Superzellen auftreten, inklusive
größerer Hagel, Starkregen und schwere Sturmböen oder mehr. Insgesamt ist diese
Entwicklung aber noch sehr unsicher und von Modelllauf zu Modelllauf gibt es
auch leicht modifizierte Lösungen.
Der Wind weht vor allem in der Mitte und im Norden weiterhin lebhaft aus Südwest
bis West, wobei es wohl lediglich in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge
für warnrelevante Böen reicht.
Während es in der Südhälfte bei noch längere Zeit sonnigem Wetter mit
Höchstwerten zwischen 26 und 31 Grad sommerlich warm wird, muss man sich weiter
nördlich mit 18 bis 25 Grad begnügen.

Modellvergleich und -einschätzung

Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich kaum prognoserelevante
Unterschiede ableiten. Im Detail sind aber durchaus Differenzen auszumachen, vor
allem zum Ende des Kurzfristzeitraumes hin, also am Mittwoch. Ob es in der
Südhälfte eventuell für eine großräumigere Unwetterlage reicht, darüber lässt
sich aktuell nur spekulieren.
Bzgl. der Dauerregenlage in der kommenden Nacht bis Montagmittag im Alpenvorland
und an den Alpen besteht zwischen GFS und ICON-EU inzwischen einigermaßen
Einigkeit. Signale für Unwetter gibt es kaum und wenn, dann nur kleinräumig, so
dass von der Ausgabe einer entsprechenden Warnung abgesehen wird.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff