#DWD -> #SXEU31 #DWAV 021800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Montag, den 02.08.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 021800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 02.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Heute im Süden einzelne, in der Mitte vermehrt kurze Gewitter mit Starkregen,
vereinzelt auch stürmischen Böen. Am Abend abklingend. Am Dienstag von Westen
auf die Mitte übergreifend vermehrt Gewitter, Unwettergefahr durch heftigen
Starkregen, teils auch mehrstündig. Abends nachlassend.
Am Mittwoch im nördlichen Mittelgebirgsraum und im Nordosten und am Donnerstag
vor allem nordöstlich der Elbe nochmals Gewitter, Unwetter meist nur wenig
wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland unter einem breiten Langwellentrog, an dessen
Südflanke wiederholt kurzwellige Anteile nach Osten ablaufen. Im Grunde genommen
handelt es sich um eine zyklonale Westlage, wobei Deutschland eher an der kalten
Seite der Frontalzone liegt. Diese kurzwelligen Tröge laufen relativ weit
südlich nach Osten ab, so dass sich im Norden bei leicht stabiler Schichtung nur
unstrukturierte Hebung ausmachen lässt, die aus der Tatsache resultiert, dass
nun mal ein Trog über Mitteleuropa liegt. Ein sich über der Ostsee auffüllendes
Randtief macht sich noch im Nordosten mit einem kräftigen Gradienten bemerkbar,
was Windböen an der Vorpommerschen Ostseeküste erklärt. Am Abend sollte aber der
Wind abflauen, so dass danach dort keine Warnungen mehr erforderlich sind.
Einer dieser südlich ablaufenden Kurzwellentröge verlässt aktuell das
Vorhersagegebiet nach Osten, ein weiterer hat Ostfrankreich erreicht. An dessen
Vorderseite erfolgte ein Einschub feuchtlabiler Luft mit CAPE (MU, KK) bis ca.
500 J/kg und einem Flüssigwassergehalt von 20 bis 25 mm, was heißt, dass diese
Luftmasse weit von dem entfernt ist, was wir diesen Sommer bereits hatten und
was unwetterträchtig ist. Demzufolge wird durch den hereinschwenkenden
Kurzwellentrog kleinräumige Konvektion induziert; nur im ungünstigsten Fall,
d.h. wenn mehrere Konvektionszellen über ein eng begrenztes Gebiet ziehen,
werden mehr als 25 mm innerhalb einer Stunde erreicht. Dies betrifft einen
breiten Streifen von den westlichen Mittelgebirgen bis in den Erzgebirgsraum
hinein.
Auch ganz im Süden, d.h. aus den Alpen heraus, können sich einzelne Gewitter mit
Starkregen entwickeln, wobei aufgrund von deren rascher Verlagerung die
Niederschlagssummen im markant zu bewarnenden Bereich verbleiben dürften.
Generell ist die Scherung gering, so dass es sich durchweg um wenig organisierte
Konvektion handelt.
In der Nacht zum Dienstag stellt sich dann eine leicht antizyklonal gekrümmte
Strömung ein, so dass Absinken dominiert. Die Konvektion sollte daher alsbald in
sich zusammenfallen. Aufgrund der geringen Luftdruckgegensätze kann sich
stellenweise Nebel bilden.

Dienstag … nähert sich bereits in den Frühstunden ein weiterer und wesentlich
kräftigerer Kurzwellentrog. Vorderseitig erfolgt aus dem Rhonetal heraus ein
erneuter Schwall labil geschichteter Luft (mit CAPE bis etwa 800 J/kg und einem
Gehalt an niederschlagbarem Wasser bis über 25 mm). Von den westlichen
Mittelgebirgen her setzen schauerartig verstärkte Niederschläge ein, wobei
eingelagerte kurze Gewitter vorstellbar sind. Diese greifen bis Mittag auf die
Mitte und später bis auf die Harzregion und den Erzgebirgsraum über. Wenngleich
es sich wiederum nur um kleinräumig eng begrenzte Ereignisse handelt, ist jedoch
die Hebung ausgeprägter und die Luftmasse etwas feuchter, so dass unwetterartige
Niederschlagssummen (durch wiederholte Ereignisse) mit einer gegenüber heute
durchaus erhöhten Wahrscheinlichkeit zustande kommen können. Nach wie vor
relativ gering ist in diesen Gebieten die Scherung.
Da dieser Kurzwellentrog bis zu den Alpen reicht, dürfte auch der Süden von
konvektiven Umlagerungen nicht verschont bleiben. Aus den Alpen heraus können
sich Gewitter entwickeln, ebenfalls mit der Gefahr von Starkregen, die aufgrund
der höheren Scherung (sowohl niedertroposphärisch als auch hochreichend) einen
höheren Organisationsgrad aufweisen können. Dabei sind staffelartige Strukturen
vorstellbar, deren Passage mit Böen bis Sturmstärke einhergehen kann. Für
Großhagel ist CAPE zu gering. Generell sind aber Unwetter im Süden weniger
wahrscheinlich als in dem Bereich vom westlichen Mittelgebirgsraum bis in die
mittleren Teile Deutschlands hinein. In den Abendstunden sollte auch dieser
Kurzwellentrog, der vor allem in höheren Troposphärenschichten (300 hPa) markant
ausgeprägt ist, Deutschland nach Tschechien und Niederösterreich hin verlassen,
so dass dann die Hebung fehlt, um noch die Konvektion länger am Leben zu halten.

Von diesen Entwicklungen verschont bleibt der Norden. Zwischen dem o.g.
Kurzwellentrog und einem weiter nördlich über Jütland und Südschweden nach Osten
ablaufenden Kurzwellentrog stellt sich in den nördlichen Teilen Deutschlands
kompensierendes Absinken ein. Dort ist die Schichtung nicht so labil wie in der
Mitte und im Süden (aber auch noch nicht richtig stabil!), zudem liegt der
Flüssigwassergehalt nur wenig über 20 mm, so dass zwar einzelne Schauer
auftreten können, aber Gewitter eher unwahrscheinlich sind. In diesen Gebieten
sind auch größere Auflockerungen am wahrscheinlichsten. Die
Tageshöchsttemperaturen erreichen 17 bis 22, im Osten und Südosten bis 24 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch wird die Strömung antizyklonaler, wodurch die Hebung
alsbald nachlässt und die Konvektion in sich zusammenfällt. Die feuchteste und
labilste Luft wird zudem in den Nordosten Deutschlands abgedrängt, die von
Südfrankreich nachfolgende Luftmasse weist zwar eine vergleichbare Feuchte auf,
ist aber stabil geschichtet. Aufgrund der gradientschwachen Lage können sich
Nebelfelder bilden.

Mittwoch … greift ein weiterer Kurzwellentrog auf Frankreich über. Dessen
Achse erstreckt sich von der westlichen Nordsee bis ins westliche Mittelmeer,
reicht demzufolge weiter nach Süden als die bisherigen Kurzwellentröge. Folglich
wird von diesem Trog wieder feuchtere Luft (mit einem Flüssigwassergehalt
zwischen 25 und 30 mm) nach Deutschland geführt. Dabei ist die Schichtung im
Süden noch stabil, wogegen die leicht labil geschichtete Luftmasse (mit CAPE bis
500 J/kg) dann in der Mitte und im Norden zu finden ist. In diesen Gebieten
(aber deutlich abseits der Küste) dürfte noch einmal etwas Konvektion ausgelöst
werden, was einem in der unteren Troposphäre ausgeprägten und nach Nordosten
schwenkenden Kurzwellentrog zuzuschreiben ist. Dabei besteht die Gefahr von
Starkregen; Unwetter sind jedoch eher unwahrscheinlich. Mangels Scherung ist die
Konvektion zudem relativ unorganisiert. Ansonsten zeichnen sich über dem Norden
und der Mitte größer Auflockerungen und mehr zur Küste hin auch längere sonnige
Phasen ab, wodurch Tageshöchsttemperaturen zwischen 21 und 25 Grad zu erwarten
sind.
Im Süden sollte Konvektion mangels Hebung und aufgrund der stabilen Schichtung
unterbleiben. Allerdings kommt durch die auf die Westalpen übergreifende
Trogspitze südlich der Alpen kräftige Hebung in Gang, die in abgeschwächter Form
auch auf die Alpennordseite übergreifen kann. Die Folge sind dann skalige
Niederschläge geringer Intensität, die auf das alpennahe Vorland ausgreifen
können, ohne jedoch wahrscheinlich auch nur annähernd warnrelevant zu werden.
Größere Auflockerungen sind eher selten, so dass sich die Temperaturen meist
zwischen 17 und 22 Grad bewegen.

In der Nacht zum Donnerstag greift der Trog unter Ausweitung nach Süden auf
Deutschland über. Abgesehen vom Norden (vor allem Schleswig-Holstein und die
Gebiete von der Unterelbe bis zur unteren Weser), wo durch diesen Trog noch
Hebung wirksam ist, sollte die Konvektion in sich zusammenfallen.
Der weit nach Süden bis ins Tyrrhenische Meer reichende Trog tendiert zum
Austropfen; im 700 hPa-Niveau zeichnet sich über Oberitalien bereits die Bildung
eines Tiefs ab. Vorderseitige Hebung, die durch herumgeholte Warmluft zustande
kommt, lässt auf den Südosten Deutschlands skalige Niederschläge übergreifen,
wobei Dauerregen bis 40 mm innerhalb von 12 Stunden nicht auszuschließen ist.
Allerdings bestehen hier noch erhebliche Modellunterschiede; ICON-EU zeigt
gegenüber GFS und EZMW keine warnrelevanten Niederschlagssummen; nach COSMO-LEPS
wären vom Karwendelgebirge bis zu den Berchtesgadener Alpen sogar 40 bis 50 mm
innerhalb von 12 Stunden möglich. Beide Szenarien (das von ICON mit den relativ
geringen Niederschlägen, aber auch die höheren Niederschlagssummen) werden durch
weitere Modelle bestätigt, so dass noch weitere Modellläufe abzuwarten sind, um
hier eine Entscheidung zu treffen.
Da nach wie vor geringe Luftdruckgegensätze bestehen, muss vor allem in den
Frühstunden erneut mit flachen Nebelfeldern gerechnet werden.

Donnerstag … folgt in der westlichen zyklonalen Strömung ein weiterer
Kurzwellentrog, der von Ostfrankreich kommend auf Deutschland übergreift und
rasch ostwärts gesteuert wird. Dieser Trog weist keine senkrechte und keine
eindeutig definierte Achse auf, die Hebung ist zudem unstrukturiert, daher hält
sich die Konvektion in Grenzen. Insgesamt dürfte dieser Prozess bewirken, dass
die skaligen Niederschläge über dem Südosten Deutschlands rasch nach Osten
abgedrängt werden.
Über den Britischen Inseln bringt sich aber im Tagesverlauf ein weiterer und
wesentlich kräftigerer Trog in Position. In diesen ist ein Tief eingelagert, an
der Vorderseite dieses Tiefs dreht die Strömung auf Südwest zurück, weist aber,
bedingt durch den zuvor nach Osten abziehenden Kurzwellentrog, eine ausgeprägte
Diffluenz auf, was in Verbindung mit Warmluftadvektion von Westen her
Niederschläge aufkommen lässt. Die Schichtung ist aber in diesen Gebieten
relativ stabil. Allerdings nimmt der Flüssigwassergehalt der Luft im Westen
wieder zu und steigt auf etwa 30 mm.
Die labilste Luft wird in den Nordosten Deutschlands und nach Schleswig-Holstein
abgedrängt, dort erreicht CAPE mehr als 500 J/kg (bei ähnlichem Gehalt an
niederschlagbarem Wasser wie im Westen). Dort ist der nach Nordosten schwenkende
Kurzwellentrog noch wetterwirksam, was, nicht auch zuletzt gestützt durch den
Tagesgang, einiges an hochreichender Konvektion verspricht. Unwetterartige
Entwicklungen (vor allem durch heftigen Starkregen) sind zwar wenig
wahrscheinlich, können aber aufgrund der langsamen Verlagerung der
Konvektionszellen nicht ganz ausgeschlossen werden.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 20 bis 25, im höheren Bergland und im
Alpenvorland nur Werte um 17 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten.
Lediglich hinsichtlich der Niederschläge in der Nacht zum Donnerstag, die dann
am Alpenrand und im Südosten Deutschlands zu erwarten sind, bestehen
unterschiedliche Prognosen, auf die bereits weiter oben hingewiesen wurde.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

#DWD -> #SXEU31 #DWAV 011800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Sonntag, den 01.08.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 011800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 01.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wechselhaft, besonders über der Mitte und dem Süden wiederholt mit überwiegend
markanten Gewittern. Am Montag im Nordosten böiger Westwind. Mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … beeinflusst ein umfangreicher Langwellentrog unser Wetter, wobei
mehrere kurzwellige Anteile, die in diesen Trog eingebettet ostwärts ziehen, die
wettertechnisch spannendsten synoptischen Merkmale darstellen. Die eine Welle
mit geringer Amplitude verlässt abends Bayern in Richtung Tschechien/Österreich,
während ein zweites, wohl eher als robuster Randtrog zu bezeichnendes System,
über Dänemark ostwärts zieht.

Die skaligen Niederschläge der ersten Welle lassen über Süddeutschland immer
weiter nach, sodass die Dauerregenwarnung mit gemessenen 20 bis 30 l/qm, lokal
bis 40 l/qm in 16 Stunden auslaufen konnte. Ansonsten entwickeln sich unter dem
vom Modellklima (negativ) abweichenden Geopotenzial im Nachmittags- und
Abendverlauf weitere Schauer und Gewitter, die besonders im Norden auch
linienhaft angeordnet ostwärts ziehen (präfrontal einer zögernd ins Binnenland
ziehenden Kaltfront). Labilität und Scherung fallen im Norden so gering aus,
dass wohl nur hier und da eine kräftigere Böe Bft 7 (Bft 8 nur strichweise mit
unter 10% vom ID2 EPS) und markanter Starkregen von 15 bis 20 l/qm auftreten.
Über der südlichen Mitte fällt die Labilität mit 400-800 J/kg SBCAPE etwas
besser aus, sodass hier lokal Graupel/Hagel nicht ausgeschlossen werden kann –
neben den bereits weiter oben beschriebenen Begleiterscheinungen.
Bewölkungstechnisch lockert diese vom Saarland bis in den Osten teils stärker
auf und bleibt sonst im Süden und Nordwesten meist sehr hartnäckig und verdeckt
erfolgreich die Sonne. Der Südwest-, im Norden Westwind tritt abseits der
Konvektion nur schwach bis mäßig in Erscheinung. Die abendlichen Werte liegen
bei etwas mehr Sonnenanteil um 20 Grad und sonst zwischen 15 und 19 Grad, am
direkten Alpenrand etwas unter 15 Grad.

In der Nacht zum Montag arbeitet sich die Kaltfront bis zur nördlichen Mitte
voran und stellt den Blickfang für erhöhte und die Nacht über anhaltende
Schauertätigkeit dar (geringes MUCAPE um 100 J/kg). Im Südosten regnet es noch
zeitweise leicht und auch sonst können sich im gesamten Süden zeitweise Schauer
der Nummer „schwach“ entwickeln, bleibt die Luftmasse doch auch hier geringfügig
labil geschichtet. Und auch die von der Nordsee ins Binnenland driftenden
Schauer sorgen bis Bremen/Hamburg noch für strichweise etwas Nass. Besonders im
Norddeutschen Tiefland bleibt es hingegen meist trocken und zeitweise auch klar.
Lokale Nebelfelder im Süden zeugen von der insgesamt recht feuchten Luftmasse.
Die Tiefstwerte liegen im Küstenumfeld um 15 Grad und sonst zwischen 14 und 10
Grad, im Bergland auch etwas darunter.
Mit der Passage des Randtroges frischt der West- bis Nordwestwind im
Küstenumfeld stark böig auf, wobei ID2-EPS für Böen Bft 7 entlang der östlichen
Deutschen Bucht Wahrscheinlichkeiten von 40-60% und über 80-90% über der Ostsee
anzeigt. Besonders zwischen Kühlungsborn und Rügen sind daher zum Morgen
zunehmend warnrelevante Windböen zu erwarten.

Montag … hinterlässt der zur Ostsee abziehende Randtrog eine leicht
antizyklonal geprägte zonale Höhenströmung, die weiterhin von einem bezüglich
des 79-09 Modellklimas zu niedrigen Geopotenzials geprägt ist. Zudem kippt am
Abend von Westen die Höhenströmung bereits wieder auf „leicht zyklonal“ im Zuge
einer neuen Welle, die über Irland zum Ärmelkanal zieht. Die über der Mitte
liegenden Kaltfront wird von der zonalen Hintergrundströmung „eingefangen“ und
bleibt somit quer über der Mitte liegen. Im Nachmittagsverlauf wird der
westliche Bereich sogar rückläufig und dürfte als Warmfront analysiert werden.
Die Luftmasse entlang und südlich der Kaltfront weist mit 300-600 J/kg SBCAPE
überschaubare Labilitätswerte bei insgesamt nur geringer Windscherung auf (meist
unter 10 m/s in allen Höhenbereichen).

Von der Früh weg treten im direkten Umfeld der Kaltfront von der Eifel bis zum
Thüringer Wald und weiter zur Lausitz wiederholt Schauer auf, die mit dem
weiteren Tagesgang an Intensität zulegen. Ansonsten entwickeln sich ab der
Mittagszeit im gesamten Süden ebenfalls teils kräftige Schauer und einzelne
Gewitter, nur südlich der Donau fällt die Schaueraktivität dank schwachen
synoptisch-skaligen Absinkens deutlich geringer aus. Die PPWs liegen bei 20 bis
25 mm und die Zellen ziehen mit rund 20 bis 30 km/h, sodass meist die markante
Warnfarbe bezüglich des Starkregens überwiegen sollte. Dennoch sollte man nicht
die von ID2-EPS gezeigten lokalen Wahrscheinlichkeitsmaxima von rund 10% für
mehr als 25 l/qm/h unter den Tisch fallen lassen – durch verschmelzende Zellen
oder forciert durch die Orographie können lokal auch Mengen entsprechend unseres
Unwetterkriteriums auftreten. Dies sind aber nur sehr punktuelle und kurzlebige
Ereignisse.
Nördlich der Kaltfront ist die Luftmasse mit PPWs von unter 20 mm deutlich
trockener und die Schichtung fällt hier dank einer etwas höhenmilderen Luftmasse
stabiler aus. Immer wieder gibt es einzelne, schwache Schauer, besonders entlang
der nördlichen Mitte sorgt kompensatorisches Absinken der Querzirkulation für
überwiegend freundliches und trockenes Wetter.
Die Höchstwerte liegen in diesem Streifen bei 20 bis 23 Grad und sonst je nach
Sonnenanteil etwas über oder unter der 20 Grad-Marke.

Der noch recht stramme Luftdruckgradient fächert im Nordosten nur zögernd auf,
sodass besonders in MV und Nord-Brandenburg wiederholt Böen Bft 7 aus West zu
erwarten sind. Entlang exponierter Küsten wie auf Rügen müssen auch stürmische
Böen Bft 8 ins Kalkül gezogen werden. Zum Abend schwächt sich der Wind überall
sukzessive ab – erfolgreicher im Binnenland und langsamer entlang der Küsten.

In der Nacht zum Dienstag zieht die Kurzwelle vom Ärmelkanal zügig weiter ins
nordöstliche Frankreich. Verstärkte synoptisch-skalige Hebung sowie die etwas
nordwärts drückende Warmfront sorgen nach Abklingen der
nachmittäglichen/abendlichen Konvektion im Westen die Nacht hindurch für
weitere, jedoch meist nur schwache Schauer, während sonst die Konvektion vom
Tage rasch in sich zusammenfällt und nachfolgend eine meist trockene und teils
klare Nacht erwartet wird. Besonders in Richtung Bayern können sich teils dichte
Bodennebelfelder ausbilden, was besonders die Donau sowie den Südstau des
Thüringer Waldes betrifft.
Der meist schwache Wind aus Süd bis Südwest spielt keine große Rolle mehr.
Ausgenommen davon ist der Bereich Rügen-Usedom, wo eingangs der Nacht noch
letzte Windböen erwartet werden.
Die Tiefstwerte liegen im Küstenumfeld um 15 Grad und sonst zwischen 14 und 9
Grad, im Bergland teils auch etwas darunter.

Dienstag … zieht die Kurzwelle weiter nach Osten und öffnet sich bzw. schwächt
sich ab. Der induzierte Hebungsimpuls interagiert jedoch mit der über dem
Süden/der Mitte liegenden mäßig labilen Luftmasse, sodass im Tagesverlauf erneut
zahlreiche Schauer und Gewitter auftreten sollen. Dies betrifft besonders den
Südwesten, die Mitte und den Osten. Das MLCAPE legt wieder etwas zu, sodass in
diesen Bereichen Werte von 400 bis 800 J/kg, lokal bis 1000 J/kg erwartet werden
können. Die Windscherung ähnelt den Werten vom Vortag, sodass mit ähnlichen
Begleiterscheinungen zu rechnen ist: Lokal Hagel, Böen Bft 7-8 und Starkregen,
der meist markant, lokal jedoch auch unwetterartig ausfallen sollte.
Im Nachmittagsverlauf bilden sich zudem entlang der Alpen einige Gewitter, die
bei einer hochreichenden Windscherung von bis zu 15 m/s lokal auch größeren
Hagel bringen können. Diese Konvektion zieht nordostwärts bis ostwärts und
verbleibt somit im deutsch-österreichischen Grenzbereich.
Im äußersten Norden dämpft die weiterhin etwas trockenere/stabilere Luftmasse
die Schauertätigkeit, ganz trocken bleibt es jedoch auch hier nicht. Den meisten
Sonnenschein dürfte es über der Norddeutschen Tiefebene und vom Bodensee bis
nach Mittelfranken geben.

Die Höchstwerte liegen je nach Sonnenanteil zwischen 18 und 24 Grad und der
Südwestwind weht meist nur schwach bis mäßig.

In der Nacht zum Mittwoch – oh Wunder – nähert sich von Nordfrankreich die
nächste Welle, sodass die Nacht über bei wechselnder Bewölkung hier und da mit
einzelnen Schauern zu rechnen ist. Ausgangs der Nacht kann im Südwesten auch
skaliger Regen der Marke „leichter Natur“ aufkommen, doch das wird bisher noch
recht variabel gezeigt. Die Tiefstwerte liegen zwischen 16 Grad (Küsten) und 8
Grad (Bergland).

Mittwoch … kommt es zu einer kräftigeren Austrogung über Frankreich, die die
Welle irgendwo über Benelux einfängt und somit kaum nach Osten vorankommen
lässt. Diese Konfiguration würde dem Großteil Deutschlands eine wechselhafte
Trogvorderseite mit Schauern und einzelnen Gewitter bescheren, in Richtung
Alpenrand kann es auch mal längere Zeit regnen. Allerdings gehen hier die
Modelle bezüglich der Detailfragen noch etwas auseinander, sodass noch keine
Schwerpunkte herausgearbeitet werden.
Die Höchstwerte liegen unverändert bei mäßig warmen 18 bis 23 Grad. Der Wind
weht im Süden schwach aus Südwest, im Norden aus Nordost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die angesprochenen Wellen finden sich in den Modellen allgemein recht gut
wieder, allerdings mit geringen zeitlichen Diskrepanzen. Dies hat jedoch kaum
Auswirkungen auf den beschriebenen Wettercharakter, sodass die Prognosegüte
insgesamt als „sehr gut“ bezeichnet werden kann. Zum Mittwoch nehmen die
Diskrepanzen mit einem neuen Trog über Frankreich schon deutlicher zu.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy

#DWD -> #SXEU31 #DWAV 311800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Samstag, den 31.07.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 311800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 31.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Mehr oder weniger Troglage; bis Sonntagnachmittag im Süden Stark- und
Dauerregen, Unwetter nicht ausgeschlossen. Ansonsten unbeständig, am Sonntag vor
allem im Norden und Westen, zu Wochenbeginn in der Mitte teils markante
Gewitter, mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … reicht ein umfangreicher und mit mehreren Drehzentren ausgestatteter
Höhentrogkomplex von der Barentssee über Skandinavien und der Nordsee bis zur
Iberischen Halbinsel. Insgesamt erweist er sich als wenig progressiv, aber vor
allem mit seinem Südteil kommt er ein wenig nach Osten voran und greift bis
Sonntagfrüh mit seiner Hauptachse auf Zentralfrankreich über.
Dadurch steilt die südwestliche Höhenströmung vor allem über Süddeutschland
vorübergehend noch etwas weiter auf. Ein vorgelagerter kurzwelliger Troganteil
greift in den Frühstunden auf Nordostfrankreich bzw. die Westschweiz über, auf
dessen Vorderseite wird aufgrund von PVA markanter dynamischer Hebungsantrieb
vor allem über Süddeutschland wirksam.
Im Bodenfeld hat die Kaltfront eines Tiefs über Südnorwegen inzwischen das
Alpenvorland erreicht. Mit Aufsteilen der Höhenströmung und dem sich
verstärkenden Hebungsantrieb wird sie mit Passage eines flachen Wellentiefs
vorübergehend ein wenig nach Norden zurückgeführt, ehe sie in den Früh- bzw.
Vormittagsstunden die Alpen erreicht. Im Frontbereich bzw. präfrontal ist die
Luftmasse nach wie vor potenziell instabil geschichtet mit hohen PPW-Werten von
über 30 mm. Mangels Einstrahlung konnte im Alpenvorland aber kaum Cape generiert
werden, ebenso war tagsüber nur marginaler dynamischer Hebungsantrieb vorhanden,
erst zum späteren Nachmittag hin gab es dank orographischer Unterstützung auch
in den Bayerischen Alpen bzw. im südlichen Chiemgau und Berchtesgadener Land
einzelne kräftige Gewitter.
Mit dem sich verstärkenden Hebungsantrieb wird sich das in den kommenden Stunden
bzw. im Laufe der Nacht deutlich ändern und aus den Alpen heraus machen sich
teils kräftige Schauer und Gewitter allmählich auf den Weg Richtung
Alpenvorland. Diese neigen rasch zur Verclusterung, so dass warntechnisch
zunächst vor allem Starkregen (mehrstündig) Thema wird, später dürfte das Ganze
dann eher in schauerartigen Dauerregen übergehen. Die Niederschläge kommen bis
Sonntagfrüh in etwa bis zu einer Linie Südbaden – Oberpfälzer Wald nordwärts
voran, wobei die höchsten Mengen vom Raum Bodensee/Oberschwaben/Allgäu über
weite Teile Oberbayerns und über die südliche Oberpfalz hinweg bis nach
Niederbayern simuliert werden. Dort dürften bis Sonntagnachmittag recht
verbreitet 20 bis 50 l/qm fallen, ICON-EU und auch GFS simulieren vor allem im
Allgäu gebietsweise auch mehr als 50 mm (Unwetter), die EPS-Verfahren haben dort
dafür allerdings nur recht geringe Wahrscheinlichkeiten auf der Agenda, allen
voran ICON-EU-EPS mit etwa 20% (IFS-EPS durchwegs unter 10%). Entsprechend wurde
von einer Unwetterwarnung erst einmal abgesehen, gegebenenfalls muss z.B. bei
starker Konvektion kleinräumig „aufgesattelt“ werden.
Der Norden und Westen hingegen befinden sich zunächst noch im Einflussbereich
eines kleinräumigen, aber hochreichenden Tiefdruckgebietes über der
südwestlichen Ostsee, das sich allmählich auffüllt und als Bodentrog –
korrespondierend mit einem scharfen und kurzwelligen Höhentrog – rasch
nordostwärts abzieht. Ihm folgt ein weiteres Höhentief, das in den Frühstunden
die Südwestspitze Norwegens erreicht. Ein korrespondierendes Bodentief verlagert
sich dabei zum Oslofjord.
Der zum Höhentief gehörige Trog kommt über der Nordsee zögernd südostwärts voran
und befindet sich morgens mit seiner Achse in etwa über der Deutschen Bucht.
Somit bleiben der Westen und Norden Deutschlands im Einflussbereich leicht labil
geschichteter mäßig warmer Meeresluft. Im Binnenland klingen die Schauer und
kurzen Gewitter im Laufe der Nacht zwar vorübergehend ab, an den Küsten von Ost-
und vor allem Nordsee sorgt das warme Oberflächenwasser aber für einen
beständigen latenten Wärmestrom, so dass es dort auch die Nacht über hinweg
weitere Schauer, vereinzelt auch kurze Gewitter gibt. Als Begleiterscheinung
kommen vereinzelte steife bis stürmische Böen in Frage, bei mehrfacher
Schauertätigkeit ist auch Starkregen nicht ausgeschlossen.
Der anfangs noch lebhafte Wind flaut im Laufe der Nacht mit Abzug des Tiefs
deutlich ab, zuletzt im Bereich der vorpommerschen Ostseeküste.
Ansonsten verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig und vor allem in einem
Streifen quer über die Mitte des Landes ist es teils gering bewölkt. Die
Tiefstwerte liegen meist zwischen 15 und 9 Grad, an den Küsten bleibt es etwas
milder.

Sonntag … verlagert sich der kurzwellige Troganteil rasch über Süddeutschland
hinweg ostwärts, während die Haupttrogachse nur langsam nach Osten vorankommt
und nachmittags/abends auf Westdeutschland übergreift. Das Höhentief über
Südwestnorwegen bzw. dem Skagerrak bleibt quasistationär, das korrespondierende
Bodentief knapp südlich des Oslofjordes ebenfalls.
Der Trogachse unmittelbar vorgeschaltet ist eine flache Tiefdruckrinne samt
Kaltfront im Bodenfeld, die am Nachmittag und Abend zögernd Nordwestdeutschland
überquert. Vor allem im Einflussbereich der Rinne labilisiert die Luftmasse im
Tagesverlauf mit etwas Einstrahlung und der damit einhergehenden Diabasie
zusehends, so dass mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden können. Mit dem
leicht konvergenten Bodenwindfeld entlang der Kaltfront, einhergehend mit einer
Feuchteflusskonvergenz (PPW-Werte zwischen 25 und 30 mm) ist auch etwas
frontaler Hebungsantrieb gegeben. Die Folge sind zahlreiche Schauer und auch
kurze Gewitter, vor allem im Norden und Westen des Landes. Die
Zuggeschwindigkeit dürfte etwas geringer ausfallen als am Vortag, so dass
durchaus auch Potenzial für Starkregen gegeben ist, vor allem bei wiederholter
Schauertätigkeit. Vereinzelt reicht es auch für Graupel bzw. kleinkörnigen Hagel
und steifen bis stürmischen Böen.
Rückseitig der Rinne gelangt eine etwas stabiler geschichtete und kühlere
Meeresluft in den äußersten Norden des Landes, so dass vor allem im nördlichen
Schleswig-Holstein, nachmittags und abends wohl auch im Bereich der
Ostfriesischen Inseln die Schauertätigkeit eher limitiert bleibt.
Niederschläge gibt es ansonsten vor allem noch in Süddeutschland, rückseitig der
nur zögernd abziehenden Kaltfront. Vor allem am Vormittag kann es dabei im
Alpenvorland noch durchaus konvektive Einlagerungen in Form von Starkregen,
eventuell sogar noch einzelnen Gewittern geben, am Nachmittag klingt die
Intensität der Regenfälle aber rasch ab. Am ehesten im Südwesten bekommt die
Wolkendecke dann bereits wieder größere Lücken, so dass auch dort Cape generiert
werden kann und sich einzelne Schauer und kurze Gewitter entwickeln.
Zwischen den Schauern im Nordwesten und dem Regen im Süden erstreckt sich ein im
Westen eher schmaler, nach Osten zu breiter werdender Streifen (in etwa von
Rheinland-Pfalz über Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt bis nach Sachsen und
Brandenburg), in dem wettertechnisch nur wenig passiert. Dort bleibt es
vielerorts trocken und gebietsweise kommt auch mal länger die Sonne raus.
Die mäßig warme Meeresluft hat nun auch die Alpen erreicht, in 850 hPa bewegen
sich die Temperaturen allgemein zwischen 7 und 9 Grad, im Nordseeumfeld etwas
darunter. Somit liegen die Höchstwerte, je nach Sonne, meist zwischen 18 und 23
Grad, im verregneten Alpenvorland werden kaum 15 Grad erreicht, von der
Magdeburger Börde bis zur Lausitz dagegen vielleicht auch 24 Grad.

In der Nacht zum Montag ziehen das kleinräumige Höhentief samt
korrespondierendem Bodentief allmählich zum Kattegat bzw. nach Südschweden.
Damit kommt auch die Haupttrogachse vor allem über dem Norden des
Vorhersagegebietes nach Osten voran, wobei der Haupttrog mit seinem Südteil aber
noch immer über Frankreich zur Iberischen Halbinsel gerichtet bleibt. Auf dessen
Rückseite wird ein weiterer Randtrog von Nordwesten her Richtung Britische
Inseln geführt.
An der Südwestflanke des nach Südschweden ziehendes Bodentiefs verschärft sich
über dem Nordosten Deutschlands der Gradient und der Wind frischt ausgangs der
Nacht aus West bis Nordwest auf, in Nordfriesland und an der Ostsee reicht es
eventuell bereits für steife Böen (Bft 7).
Im Bodenfeld kommen Rinne und Kaltfront etwas nach Süden, bis etwa zur Mitte des
Landes, voran, wobei sie eine zonalere Ausrichtung annehmen. Somit breiten sich
die Schauer und einzelnen Gewitter allmählich süd- und auch ostwärts vor allem
auf den westlichen und zentralen Mittelgebirgsraum bis zur Lausitz aus,
verlieren aber im Laufe der Nacht mehr und mehr an Intensität und bringen in
Summe maximal nur wenige mm Niederschlag, gebietsweise bleibt es auch trocken.
Postfrontal kann sich die stabiler geschichtete und etwas kühlere Meeresluft
über ganz Norddeutschland ausbreiten, dort bleibt es dann vielerorts trocken,
lediglich an den Küsten kann es noch vermehrt leichte Schauer geben.
Nach Süddeutschland schiebt sich von Frankreich her ein zonal ausgerichteter
Bodenhochkeil, der dort für Stabilisierung sorgt, so dass auch dort die Schauer
abklingen und vor allem vom Schwarzwald bis zum ostbayerischen Mittelgebirgsraum
sowie weiter südlich die Wolken in der zweiten Nachthälfte auch stärker
auflockern. Auch im Norden gibt es hier und da größere Auflockerungen,
gebietsweise kann sich aber auch an einer sich verstärkenden Absinkinversion in
700 hPa SC-Bewölkung ausbreiten. An den Tiefstwerten ändert sich gegenüber der
Vornacht nur wenig.

Montag … zieht das Höhentief weiter nordostwärts und wird über Mittelschweden
bzw. über der mittleren Ostsee Teil des Haupttroges. Dessen Achse reicht am
Abend südwärts bis nach Zentral- und Südpolen.
Der Randtrog über den Britischen Inseln kommt bis zum Abend weiter
südsüdostwärts voran und erstreckt sich dann von der Nordsee über England bis
zur Bretagne. Dazwischen wölbt sich am Nachmittag und Abend ein flacher
Höhenrücken über dem Vorhersagegebiet auf.
Dieser stützt nach wie vor den Bodenhochkeil über Süddeutschland und blockiert
damit die Tiefdruckrinne samt Kaltfront, die über der Mitte des Landes dadurch
kaum weiter nach Süden vorankommt. Bei ähnlichen Instabilitätswerten wie am
Vortag (PPW vielleicht etwas geringer, Cape, je nach Einstrahlung, erneut etwa
100 bis 400 J/kg) entwickeln sich somit etwa vom Niederrhein bis zur Lausitz und
nach Süden bis zur Pfalz und nach Oberfranken reichend erneut Schauer, auch
kurze Gewitter sind mit von der Partie, lokal eng begrenzt mit steifen bis
stürmischen Böen, bei wiederholter Schauertätigkeit ist auch ein Starkregenevent
nicht ausgeschlossen. Auch über Süddeutschland kann die Schauertätigkeit – je
nach Einstrahlung – etwas angefacht werden, allerdings wirkt der Hochkeil weiter
dämpfend, so dass es dort vielerorts trocken bleibt und durchaus auch länger die
Sonne zum Zuge kommt, vor allem im Alpenvorland.
Im Norden verläuft der Tag im Großen und Ganzen wettertechnisch unspektakulär.
Das Bodentief über Südschweden zieht langsam zur südlichen Ostsee und füllt sich
auf; übrig bleibt ein Bodentrog, an dessen Südwestflanke es vor allem über
Vorpommern vorübergehend steife Böen aus west bis Nordwest geben kann.
Ansonsten verstärkt sich die Absinkinversion in 700 hPa noch ein wenig, so dass
sich in der Grundschicht bildende Quellwolken daran ausbreiten können,
gebietsweise setzt sich aber auch länger die Sonne durch. Einzelne leichte
Schauer sind vor allem in Küstennähe nicht ausgeschlossen, ansonsten bleibt es
aber vielerorts auch trocken.
Im Süden steigen die Temperaturen in 850 hPa wieder etwas an, auf etwa 10 Grad,
ansonsten ändert sich an der Luftmasse nur wenig und die Höchstwerte liegen
meist zwischen 18 und 23 Grad.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt der flache Rücken über das Vorhersagegebiet
hinweg rasch weiter ostwärts, der Randtrog greift auf Frankreich über und ein
flacher Troganteil in den Frühstunden auch auf die Deutsche Bucht. Die
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet dreht wieder mehr auf Südwest, bleibt
aber relativ glatt, dynamische Hebungsantriebe sind über Deutschland kaum
auszumachen, erst weiter westlich, trogvorderseitig über Frankreich.
Im Bodenfeld fächert der Gradient immer weiter auf, dennoch ist, wenngleich auch
nur in hoher Auflösung, weiterhin eine flache Tiefdruckrinne auszumachen, die
von einem sich etwas vertiefenden Bodentief bei Paris über
Nordostfrankreich/Belgien und die Mitte Deutschlands hinweg ostwärts reicht.
Tagesgangbedingt klingen die Schauer und kurzen Gewitter allerdings erst einmal
ab. Später kann im Westen eventuell bereits von Frankreich her etwas dynamischer
Hebungsantrieb wirksam werden und einzelne Schauer bzw. kurze Gewitter greifen
von Belgien her dorthin über. Auch im Nordwesten kann der auf die Nordsee
übergreifende flache Trog eventuell etwas labilisierend wirken, so dass im
Nordseeumfeld die Schauertätigkeit ein wenig auflebt.
Ansonsten bleibt es aber überwiegend trocken und vor allem im Süden sowie in der
Norddeutschen Tiefebene teilweise auch gering bewölkt. Örtlich kann sich Nebel
bilden. Im Norden, im Einflussbereich der etwas kühleren Meeresluft (um 5 Grad
in 850 hPa) kühlt es bei länger klarem Himmel gebietsweise auf einstellige
Tiefstwerte ab, sonst ändert sich an den Temperaturen nur wenig.

Dienstag … greift der Randtrog über Frankreich unter deutlichem Konturverlust
zum Abend hin auf West-/Südwestdeutschland über, dabei kann auch aufgrund von
PVA etwas dynamischer Hebungsantrieb wirksam werden.
Vorderseitig setzt auch im Bodenfeld über dem Vorhersagegebiet Druckfall ein,
wobei sich die Tiefdruckrinne tendenziell etwas nach Nordnordost verlagert bzw.
ausweitet, aber durch trogvorderseitiges Überströmen der Alpen sich auch im
Alpenvorland von Österreich her eventuell eine flache Rinne ausbreiten kann. Ein
flacher Bodenhochkeil bleibt aber nach Südwestdeutschland gerichtet und auch
über der Nordsee kann sich ein flaches Bodenhoch etablieren.
Insgesamt bleibt die Luftmasse somit sowohl in der Mitte als auch im Süden
potenziell instabil geschichtet mit PPW-Werten meist zwischen 23 und knapp unter
30 mm, im Tagesverlauf kann durch etwas Einstrahlung 200 bis 500 J/kg ML-Cape
generiert werden, gebietsweise auch mehr, vor allem im Südosten Bayerns. Somit
lebt die Schauer- und Gewittertätigkeit im Tagesverlauf, beginnend im Westen,
dann auf die Mitte und den Südwesten übergreifend deutlich auf, Gewitter sind
ebenfalls wieder dabei, mit ähnlichen Begleiterscheinungen wie am Vortag
(eventuell etwas höheres Potenzial für Starkregen). Auch an den Alpen entwickeln
sich später Gewitter, die noch ins Alpenvorland ziehen und dort auch etwas
kräftiger ausfallen können (je nach Luftmasse), Unwetter aufgrund von Starkregen
und Hagel nicht ausgeschlossen, wenn auch aus aktueller Modellsicht nur gering
wahrscheinlich.
Wie weit genau die Schauer und Gewitter nach Norddeutschland vorankommen, ist
noch unklar, der aktuelle GFS-Lauf lässt sie etwas weiter ausgreifen als
ICON-EU, ansonsten bleibt es aber in weiten Teilen Norddeutschlands im
Einflussbereich stabilerer Luftmassen trocken.
In den äußersten Süden und Südosten kann mit Drehung der Grundströmung auf
Südwest wieder etwas wärmere Luft gelangen, so dass die 850 hPa-Temperatur dort
auf über 10 Grad steigt. Im Norden werden dagegen nur 5 bis 8 Grad erreicht.
Dort und im Südosten kann sich auch mal länger die Sonne durchsetzen, ansonsten
bleibt es wohl eher bewölkt. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 19 und 25
Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Bzgl. der Stark- und Dauerregensituation in der kommenden Nacht und am
Sonntagvormittag im Südosten des Landes hat ICON-EU nach wie vor kleinräumig
Mengen bis in den Unwetterbereich auf der Agenda, so dass die bereits
ausgegebene markante Warnung eventuell gebietsweise noch aufgestockt werden
muss.
Ansonsten sind im Kurzfristbereich kaum Unterschiede zwischen den vorliegenden
Modellen auszumachen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

#DWD -> #SXEU31 #DWAV 301800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag, den 30.07.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 301800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 30.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Bis in die kommende Nacht hinein v.a. südlich der Donau kräftige Gewitter mit
Unwetterpotenzial aufgrund von Starkregen.
Ab Samstagabend bis in den Sonntag dort (anfangs teils gewittriger) Stark- und
Dauerregen, Unwetter möglich.
Im Norden am Samstag vorübergehend bis ins Binnenland stürmische Böen, auch dort
und im Westen am Wochenende einzelne markante Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … erstreckt sich ein langwelliger, mit mehreren Drehzentren
ausgestatteter Höhentrog von der Barentssee über Skandinavien, GB und die
Nordsee bis ins Seegebiet westlich der Biskaya. Deutschland befindet sich auf
dessen Vorderseite unterhalb einer leicht mäandrierenden und kräftigen
südwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet ist ein kleinräumiges, aber
hochreichendes Tiefdruckgebiet, dass im Laufe der Nacht von der Doggerbank zum
Westteil der Deutschen Bucht zieht. Es profitiert vom latenten Wärmestrom über
dem recht warmen Nordseewasser, nimmt teilweise subtropische Eigenschaften an
(„warmer“ Kern) und kann sich somit trotz achsensenkrechter Lage unterhalb des
Höhentiefs noch etwas vertiefen (Kerndruck um 06 UTC etwa 996 hPa).
Die Kaltfront des Tiefs hat aktuell Zentral- bzw. Nordfrankreich sowie den
Westen Belgiens überquert und greift im Laufe der Nacht auch auf den Westen und
Norden Deutschlands über, in den Frühstunden erreicht sie bereits in etwa eine
Linie Nordbaden-Ostvorpommern. Dynamischer Hebungsantrieb aufgrund von PVA wird
allerdings durch beginnende KLA teilkompensiert, so dass sie sich als relativ
wenig wetterwirksam erweist. Dennoch reicht es für Schauer und auch vereinzelte
kurze Gewitter sowohl mit Frontpassage (im nördlichen Teil der Front über dem
Nordwesten und Norden), als auch postfrontal vor allem nahe des Tiefkerns im
Nordseeumfeld. Als Begleiterscheinung kommen aber lediglich steife bis
stürmische Böen in Frage, eventuell reicht es bei länger anhaltender
Schauertätigkeit im Nordseeumfeld kleinräumig für Starkregen.
Interessanter gestaltet sich dagegen die Windentwicklung: Das Tief ist mit einem
scharfen Bodentrog ausgestattet, der im Laufe der zweiten Nachthälfte von
Benelux her auf den Westen und Nordwesten Deutschlands übergreift. Der Wind
dreht etwas zurück auf Süd bis Südwest, dann aber mit Frontpassage wieder auf
Südwest und frischt deutlich auf. Morgens gibt es etwa vom Niederrhein bis zur
Weser verbreitet steife, in feien Lagen auch stürmische Böen, je nach Zugbahn
des Tiefs kann es im Bereich der Ostfriesischen Inseln in den Vormittag hinein
auch für Sturmböen reichen.
Ein weiterer Fokus der Warntätigkeit liegt aber in den kommenden Stunden vor
allem noch in der Südhälfte. Im Vorfeld der Kaltfront wurde sehr warme Luft aus
Südwesteuropa – mit Ausnahme des Nordwestens – in weite Teile des Landes
advehiert (T850 hPa aktuell etwa zwischen 8 Grad im Nordwesten und 16 Grad in
Südostbayern). Diese ist vor allem in den Regionen vom Schwarzwald bis zum
Oberpfälzer Wald und weiter südlich potenziell instabil geschichtet, nach Norden
zu allerdings noch ziemlich gedeckelt. Vor allem von Südbaden über Oberschwaben
bis ins südliche Alpenvorland konnten im Tagesverlauf 500 bis 1000 J/kg ML-Cape
generiert werden, gebietsweise auch mehr, die Werte niederschlagbaren Wassers
steigen auf teilweise über 30 mm. Als dynamischer Trigger für Auslöse fungiert
ein kleinräumiger kurzwelliger Troganteil, der in den Diagnose- und
Prognosefeldern nur schwer, im weiteren Verlauf der Nacht aber besser
auszumachen und wohl auch der Topographie geschuldet ist, aber auch die
Orographie selber. Somit haben sich sowohl im Bereich der Bayerischen Alpen,
aber auch weiter westlich, über der Westschweiz, wo der dynamische Hebungsinput
etwas größer zu sein scheint, bereits erste Gewitter entwickelt. Diese weiten
sich über Oberschwaben und das südliche Alpenvorland in den kommenden Stunden
noch weiter nach Norden, eventuell bis zur Donau, vielleicht auch noch etwas
darüber hinaus, aus. Der Organisationsgrad dürfte bei maximal mäßiger Scherung
eher limitiert sein und sich auf Multizellensysteme beschränken, wobei die
Hauptgefahr dann von Starkregen (bis in den Unwetterbereich, später eventuell
auch mehrstündig) ausgeht, bei frischen Entwicklungen anfangs vielleicht auch
noch von größeren Hagel. Sturmböen sind natürlich ebenfalls in Betracht zu
ziehen, vor allem beim Auftreten von Bow-Signaturen in den kommenden Stunden
vielleicht auch mal schwere Sturmböen. Aber von Hageldownbursts, begleitet von
Orkanböen, wie es in den vergangenen Tagen der Fall war, sind wir doch noch
einiges entfernt.
Im Laufe der Nacht ziehen die Gewitter allmählich ostwärts ab und verlieren an
Intensität.
Zwischen Kaltfront und Gewittern im Süden verläuft die Nacht hingegen
wettertechnisch ruhig. Der Kaltfront folgt ein Schwall subpolarer Meeresluft,
die Temperatur in 850 hPa sinkt auf 5 bis 8 Grad.

Samstag … kommt die Hauptachse des Langwellentrogkomplexes vor allem mit ihrem
Südteil etwas nach Osten voran und greift auf den Westen Frankreichs sowie die
Iberische Halbinsel über. Das kleinräumige Tiefdruckgebiet zieht über
Schleswig-Holstein bis zum Abend zur Südküste Schwedens, füllt sich dabei zwar
nur zögernd auf, verliert aber an vertikaler Mächtigkeit, so dass das zugehörige
Höhentief im Tagesverlauf nur noch als scharfer und kurzwelliger Randtrog
auszumachen ist, der ebenfalls über Norddeutschland nach Südschweden zieht. Ein
weiteres Bodentief kann sich im Lee des Norwegischen Küstengebirges, über dem
Skagerrak, im Tagesverlauf etwas vertiefen.
Die Kaltfront gerät über Süddeutschland aufgrund höhenströmungsparalleler
Exposition ins Schleifen und kommt kaum mehr weiter nach Süden voran. Somit
bleibt der äußerste Süden im Einflussbereich warmer und potenziell instabiler
Luftmassen. Allerdings hält sich präfrontal südlich der Donau bei schwachen
westlichen Winden vielfach eher dichtere Bewölkung, so dass kaum Cape generiert
werden kann. Unklar ist allerdings, ob die Höhenströmung vorderseitig des auf
Frankreich übergreifenden Troges noch so weit aussteilt, dass es im (östlichen)
Alpenvorland durch Föhneffekte doch noch für ein Sonnenfenster reicht und ob das
dadurch in Gang gesetzte alpine Pumpen Druckfall und ein Bodentief generieren
kann, so dass die Bodenwinde auf Nordost drehen und durch Feuchteakkumulation
auch ML-Cape generiert werden kann. Sollte das passieren, sind dort bei guten
Scherungsbedingungen (über 20 m/s DLS, bodennahe Richtungsscherung vorhanden)
und hohen PPW-Werten (über 30 mm) schwere Gewitter bis hin zu (wohl dann einer)
Superzelle mit größerem Hagel und schweren Sturm- bis Orkanböen nicht
ausgeschlossen.
Momentan fahren aber alle vorliegenden Konvektion erlaubenden Modelle eine eher
defensive Variante, somit kann der Ball noch flach gehalten werden. Allerdings
verstärkt sich der trogvorderseitige dynamische Hebungsantrieb zum Abend hin
allmählich, so dass trotz Bewölkung durchaus – wohl erneut aus den Alpen heraus

  • mit Gewittern zu rechnen ist. Die Hauptgefahr dürfte von Starkregen und
    kleinkörnigem Hagel ausgehen, Unwetter aufgrund von Starkregen nicht
    ausgeschlossen, aber auch nicht sonderlich wahrscheinlich.
    Postfrontal kommt die mäßig warme Meeresluft bis in die mittleren Landesteile
    voran (T850 hPa zwischen 7 und 10 Grad). Sie ist vor allem im Norden und
    Nordwesten mäßig, aber hochreichend labil geschichtet mit mehreren 100 J/kg
    ML-Cape, so dass sich dort Schauer und Gewitter entwickeln, am ehesten wohl von
    der Eifel bis zur Uckermark und nordwestlich davon. Bei PPW-Werten von 25 bis
    nahe 30 mm und recht hoher Zuggeschwindigkeiten ist wohl eher weniger mit
    Starkregen, dafür aber in den stärkeren Entwicklungen mit einzelnen Sturmböen zu
    rechnen, kleinkörniger Hagel ist ebenfalls nicht ausgeschlossen.
    Warnrelevant bleibt auch der Wind, und der verleiht dem ganzen Wettergeschehen
    auch einen leicht herbstlichen Touch. Der nach wie vor scharf konturierte
    Bodentrog überquert den Norden und die Mitte Deutschlands bis zum späten
    Nachmittag ostwärts. Dabei gibt es verbreitet steife, etwa vom südlichen Emsland
    bis nach Vorpommern vorübergehend auch stürmische Böen (der Norden
    Schleswig-Holsteins bleibt aufgrund der Nähe zum Tiefkern davon wohl ausgespart)
    aus Südwest, an der Trogspitze sind vielleicht auch Sturmböen möglich, am
    ehesten wohl am Nachmittag/Abend an der vorpommerschen Ostseeküste. In den Kamm-
    und Gipfellagen der Mittelgebirge gibt es verbreitet stürmische Böen, auf dem
    Brocken wiederholt Sturmböen.
    Ab dem Nachmittag beginnt der Gradient von Westen her allmählich wieder
    aufzufächern und der Wind flaut langsam ab, an der Ostsee bleibt er aber bis
    weit in die Nacht hinein noch warnrelevant.
    Zwischen den eventuellen Gewittern im Süden und dem Schauerwetter im Norden und
    Westen erstreckt sich vom BaWü über Südhessen und Franken bis zur Lausitz ein
    recht breiter Streifen, wo wettertechnisch nur wenig passiert. Windig ist es
    auch dort, für Schauer reicht es aber kaum und häufig scheint die Sonne. In
    diesen Regionen werden mit Werten zwischen 22 und 26 Grad, in der Lausitz
    vielleicht auch noch darüber, die höchsten Temperaturen erreicht, sonst liegen
    die Höchstwerte meist zwischen 20 und 24 Grad, in Südostbayern eventuell auch
    darüber.

In der Nacht zum Sonntag kommt die Haupttrogachse etwa bis nach
Zentralfrankreich voran und die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt
weiter auf. Innerhalb der zwar leicht antizyklonal, aber zunehmend diffluent
konturierten Höhenströmung kann vor allem mit Annäherung eines kurzwelligen
Troganteils über Ostfrankreich sowie orographisch getriggert über Süddeutschland
zunehmend dynamischer Hebungsantrieb aufgrund von PVA wirksam werden. Dabei kann
sich entlang der über das Alpenvorland hinweg nach Osten reichenden Kaltfront
ein flaches Wellentief verstärken und zieht bis Sonntagfrüh nach Oberösterreich.
Die Kaltfront wird dadurch deutlich aktiviert und im Laufe der Nacht setzen von
der Schweiz her bzw. aus den Alpen heraus im Süden Baden-Württembergs sowie
südlich der Donau, später auch bis zum Bayerischen Wald reichend kräftige
schauerartige, teils mit Gewittern durchsetzte Regenfälle ein, die wohl in der
zweiten Nachthälfte und am Sonntagvormittag ihre höchste Intensität erreichen.
Bzgl. der räumlichen Verteilung der Niederschläge sind sich die Modelle
einigermaßen einig, die höchsten Mengen werden vom Bereich Oberschwaben/Allgäu
ostnordostwärts über weite Teile Oberbayerns bis zum Bayerischen Wald simuliert,
etwas ausgespart dürfte wohl der östliche Alpenrand bleiben. Bzgl. der Mengen
gibt es noch gewisse Differenzen, sowohl von Lauf zu Lauf als auch von Modell zu
Modell. Vor allem ICON-EU hat immer wieder unwetterartige Mengen (mehr als 40
l/qm in 12 bzw. mehr als 50 l/qm in 18 bis 24 Stunden, in der zweiten
Nachthälfte auch noch kleinräumig mehr als 35 mm in 6 Stunden) auf der Agenda,
im aktuellen Lauf z.B. vom Allgäu über das südliche Oberbayern bis nach
Niederbayern. GF und IFS belassen es dagegen meist bei markanten Mengen.
Die Probabilistik, sowohl ICON-EU-EPS als auch IFS-EPS simuliert in der Region
auch die höchsten Wahrscheinlichkeiten (ICON-EU-EPS kleinräumig im Allgäu über
60% für mehr als 50 mm zwischen Samstag, 18 UTC und Sonntag, 18 UTC).
Der Nordwesten und Norden Deutschlands verbleiben auch nachts weiterhin nahe der
Trogachse im Einflussbereich labiler und mäßig warmer Meeresluftmassen.
Tagesgangbedingt klingen die Schauer vor allem im Binnenland etwas ab, es bleibt
aber oft bewölkt, an den Küsten, vor allem im Nordseeumfeld hält das warme
Wasser aber die Schauertätigkeit weiter aufrecht. Auch kurze Gewitter sind dort
nicht ausgeschlossen.
Der Gradient fächert weiter auf und auch tagesgangbedingt nimmt der Wind weiter
ab. Morgens dürfte er dann auch entlang der vorpommerschen Küste und auf dem
Brocken nicht mehr warnrelevant sein.
Vor allem in den mittleren Landesteilen und nach Osten zu verläuft die Nacht
locker, teils auch gering bewölkt. Die Luft kühlt sich auf 15 bis 9 Grad ab, an
den Küsten bleibt es milder.

Sonntag … schwenkt der breit angelegte, mittlerweile vom Nordmeer bzw.
Nordskandinavien bis zur Iberischen Halbinsel reichende Langwellentrog mit
seiner Haupttrogachse allmählich Richtung Mitteleuropa bzw. nach
Westdeutschland. An dessen Südostflanke zieht der kurzwellige Troganteil von
Ostfrankreich rasch über Süddeutschland hinweg ostwärts, so dass die Kaltfront
die Alpen überqueren kann und die Regenfälle in Süddeutschland vor allem ab der
Mittagszeit deutlich an Intensität verlieren, aber wohl noch bis in die
Abendstunden vielerorts andauern. Teilweise gehen sie am Nachmittag auch in
einzelne Schauer über, wobei dann kurze Gewitter nicht ausgeschlossen sind.
Der Nordwesten Deutschlands gerät im Tagesverlauf zunehmend auf die diffluente
Vorderseite eines sich allmählich zum Skagerrak verlagernden kleinräumigen
Höhentiefs, so dass dort auch etwas dynamische Hebung aufgrund von PVA wirksam
werden kann. Die Luftmasse dort ist weiterhin indifferent bis leicht labil
geschichtet, mit Hebung und etwas Einstrahlung können im Tagesverlauf in weiten
Teilen West- und Norddeutschlands etwa 200 bis 500 J/kg ML-Cape generiert
werden. Die Folge ist ein deutliches Aufleben der Schauertätigkeit, wobei die
Gewitterwahrscheinlichkeit höher als am Vortag sein dürfte. Die Höhenströmung
schwächt sich ab, so dass die Schauer und Gewitter eine geringere
Zuggeschwindigkeit aufweisen dürften, zudem treten sie vor allem in Nordseenähe
auch wiederholt auf. Somit sollte in Punkto Begleiterscheinungen auch das
Starkregenkriterium in Betracht gezogen werden, kleinkörniger Hagel und steife
bis stürmische Böen sind vereinzelt aber auch mit von der Partie.
Sowohl die Schauer im Norden als auch die Regenfälle im Süden greifen etwas
weiter Richtung Mitte aus als am Vortag, so dass der Streifen mit einigermaßen
störungsfreiem Wetterverlauf schmaler wird, aber wohl noch von Rheinland-Pfalz
bis nach Brandenburg bzw. Sachsen reicht. Dort bleibt es vielerorts trocken, die
Sonne kommt aber seltener zum Zuge als am Vortag. Die Temperatur in 850 hPa geht
allgemein auf etwa 6 bis 9 Grad zurück, die höchsten Werte in der Lausitz. Dort
können mit Sonne nochmals Werte um 24 Grad erreicht werden, sonst liegen die
Höchstwerte meist zwischen 18 und 23 Grad, im regnerischen Süden gebietsweise
kaum über 15 Grad.

In der Nacht zum Montag zieht das kleinräumige Höhentief samt eines
korrespondierenden Bodentiefs langsam Richtung Kattegat. An dessen Südwestflanke
verschärft sich der Gradient vor allem über dem Nordwesten des Landes und der
Wind frischt aus Nordwest bis West auf, in erster Linie an den Küsten kann es ab
den Frühstunden steife Böen geben.
Von Nordwesten her gelangt gleichzeitig etwas kühlere und stabiler geschichtete
Luft in die Norddeutsche Tiefebene, so dass die Schauer dort rasch nachlassen
und sich weitestgehend noch auf das Nordseeumfeld beschränken. Die instabilste
Luftmasse wird in die mittleren Landesteile abgedrängt, dort kann es auch die
Nacht über einzelne Schauer geben, allerdings bleibt die
Gewitterwahrscheinlichkeit gering.
In den Süden schiebt sich dagegen nach Abzug des Regens ein flacher
Bodenhochkeil, so dass die Wolken vor allem in BaWü sowie im Westen und Süden
Bayerns auflockern, auch dort bleibt es vielerorts trocken.
In 850 hPa sinken die Temperaturen auf Werte zwischen 5 Grad im Nordwesten und 8
Grad im Süden, die Tiefstwerte liegen meist zwischen 15 und 9 Grad, an den
Küsten bleibt es milder.

Montag … verlagert sich das Höhentief zunehmend als kurzwelliger Randtrog nach
Südostschweden und somit schwenkt auch die Haupttrogachse allmählich über das
Vorhersagegebiet hinweg ostwärts. Rückseitig stellt sich über Norddeutschland
eine westnordwestliche Höhenströmung ein.
Derweil zieht ein kurzwelliger Randtrog vom Seegebiet südwestlich von England
zur Biskaya. Vorderseitig wölbt sich über Frankreich ein flacher Rücken auf, der
wiederum den Bodenhochkeil über Süddeutschland stützt, der etwas Richtung Alpen
abgedrängt wird.
Insgesamt kann die stabiler geschichtete und etwas kühlere Meeresluft somit nur
noch wenig weiter südwärts vordringen, der Mitte und mit zunehmender
Einstrahlung auch der Süden bleiben im Einflussbereich potenziell instabiler
Meeresluft. Dabei können erneut mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden,
allerdings sinkt der Gehalt niederschlagbaren Wassers aufgrund des allmählichen
Entrainments trockenerer Luft sowohl von Süden als auch von Norden her etwas ab
und überschreitet kaum mehr die 25 mm. Während es in der Nordhälfte somit
weitgehend trocken bleibt – dort wirkt auch eine Absinkinversion in 700 hPa
etwas dämpfend – und es am ehesten noch Richtung Küsten einzelne kurze Schauer
geben kann, entwickeln sich vor allem in den mittleren Landesteilen erneut
Schauer und auch einzelne kurze Gewitter (Starkregen, kleinkörniger Hagel und
Böen Bft 7 bis 8 nicht ausgeschlossen), die sich im Tagesverlauf noch etwas nach
Süden ausweiten, im Alpenvorland sowie in Südbaden bleibt es aber
voraussichtlich vielerorts trocken.
Das Bodentief über dem Kattegat zieht über Südschweden hinweg ostwärts, an
dessen Südwestflanke bleibt vor allem im Nordosten Deutschlands noch ein
scharfer Gradient aufrecht. Dort gibt es in erster Linie wohl in Ostseenähe,
vielleicht auch noch in Nordfriesland steife Böen aus west bis Nordwest, entlang
der vorpommerschen Küste auch stürmische Böen.
Die Temperatur in 850 hPa steigt im Süden im Einflussbereich des Hochkeils
wieder etwas an und liegt zwischen 5 Grad über der Nordsee und 11 Grad am
Alpenrand. Das lässt Höchstwerte zwischen 18 und 23 Grad erwarten, im südlichen
Oberrheingraben und in der Lausitz vielleicht knapp darüber.

Modellvergleich und -einschätzung

Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine Unterschiede zwischen den
vorliegenden Globalmodellen ableiten.
Mit Differenzen im Detail behaftet ist dagegen noch die Stark- bzw.
Dauerregensituation in Süddeutschland ab Samstagabend. Vor allem ICON-EU
simuliert immer wieder Mengen bis in den Unwetterbereich, GFS und IFS eher etwas
weniger.
Auch ist unklar, wie sich die Gewitteraktivität morgen Nachmittag im äußersten
Südosten abspielt. Ein gewisses Potenzial für schwere Gewitter ist dort nicht
von der Hand zu weisen, wird aber von den aktuell vorliegenden, Konvektion
erlaubenden Modellen nicht wirklich geteilt. Die Unklarheiten wurden im Text
besprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

#DWD -> #SXEU31 #DWAV 261800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 29.07.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 291800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 29.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im Norden windig, an den Küsten Sturmböen. Am Freitagabend aus den Alpen heraus
teils starke Gewitter mit Unwetterpotential durch Starkregen. Auch am Wochenende
ganz im Süden, vor allem am Alpenrand kräftige, teils von Gewittern durchsetzte
Stark-/und Dauerregenfälle. Ansonsten wechselhaftes Schauerwetter mit kurzen
Gewitter, dabei steife bis stürmische Böen.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … liegen wir an der Südflanke eines hochreichenden Tiefs über
Südskandinavien in einer westsüdwestlichen Strömung mit der in die
Nordwesthälfte Deutschlands mäßig warme, sonst warme bis sehr warme Luft
gelangt. Diese ist meist recht trocken und durch eine Inversion in 700 bis 800
hPa gedeckelt, sodass sich über der Mitte und teilweise auch im Norden nur
flache Quellwolken bilden konnten. Im Süden blieb es vielerorts sonnig.
Der skandinavische Trog und das zugehörige Bodentief machen aber nun Boden nach
Osten hin gut, während sich über den Britischen Inseln und dem Ärmelkanal ein
weiterer Randtrog formiert und nach Osten schwenkt. Dazwischen stellt sich
zunehmend eine leicht antizyklonal konturierte westliche Strömung mit einem
Höhenrücken ein. Die Schauer und Gewitter im Norden ziehen sich auf die
küstennahen Bereiche und auf die See zurück.

Der äußerste Süden verbleibt im Übergangsbereich zu feuchtinstabiler Luft über
dem Alpenraum und hier können aus dem Alpenraum heraus einzelne Schauer auf den
Alpenrand übergreifen. Dazwischen passiert nicht viel; die Temperatur geht bei
längerem Aufklaren im Bereich der Mittelgebirge auf Werte um 10 Grad zurück,
meist liegen die Minima bei 15 bis 9 Grad.

Der Wind lässt tagesgangbedingt im Binnenland rasch nach, an den Küsten
bringt der gut aufgestellte Druckgradient zunächst weitere Böen der Stärke 7 bis
8, bevor im Laufe der Nacht mit Annäherung des flachen Rückens der Gradient
aufweicht.

Freitag … überquert der neue Randtrog den Ärmelkanal und liegt abends über
Benelux. Die Haupttrogachse liegt dahinter über Westeuropa und reicht von den
Britischen Inseln bis vor die Nordwestküste der Iberischen Halbinsel. Davor
verlagert sich der flache Höhenrücken über das Vorhersagegebiet nach Osten, was
die nachfolgend zusehends diffluente Höhenströmung auf Südwest drehen lässt.
Im Bodenfeld setzt mit Durchschwenken des Rückens Druckfall ein, wobei sich das
Bodentief abends achsensenkrecht unterhalb dem Drehzentrum in der Höhe über der
südwestlichen Nordsee befindet.

Ein kleiner Bodentrog hält den Druckgradienten im Nordosten aufrecht, womit dort
der Tagesgang noch einmal greift und der Südwest- bis Westwind von SH bis
Vorpommern vorübergehend auffrischt, mit steifen Böen im Binnenland und teils
stürmischen Böen an der Ostsee, ehe der Wind am Nachmittag rasch wieder
nachlässt.
Niedertroposphärisch dreht die Strömung auf Südwest und erneut kann sich die
warme Luft subtropischen Ursprungs über die Alpen nordwärts ausbreiten. Die
Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf 8 Grad im Norden und bis 18 Grad
am Alpenrand. Vor allem südlich der Donau ist die Luftmasse nun wieder zunehmend
potenziell instabil geschichtet, wobei mehr als 1000 J/kg ML-Cape generiert
werden kann und die PPW-Werte auf über 30 mm steigen.

Mangels dynamischer Antriebe bleibt die Orografie als auslösender Faktor, der
für Gewitter sorgt, die sich von der Schweiz her und aus den Alpen heraus am
Spätnachmittag und Abend allmählich ins südliche Baden-Württemberg, bzw. ins
Alpenvorland ausbreiten. Durch Starkregen und Hagel sind Unwetter nicht
ausgeschlossen. Da die Scherung fehlt, dürfte der
Organisationsgrad gering bleiben und die Windentwicklung eher in den
Hintergrund treten.
Ansonsten nimmt die Bewölkung mit Annäherung des Tiefs im Nordwesten zu und an
der Kaltfront, die bis zum Abend die nordwestlichen grenznahen Regionen
erreicht, bilden sich einzelne Schauer. Ob es für Gewitter langt, ist fraglich,
da die Zutaten (CAPE, PPW) fehlen. Falls ja, reicht es nur für schwächere
Entwicklungen, eventuell mit steifen bis stürmischen Böen.
Der etwas zunehmende Gradientwind im äußersten Westen ist noch nicht
warnrelevant.

Die Temperaturen steigen auf 20 bis 25 Grad im Norden und Nordwesten, sonst auf
26 bis nahe 30 Grad im Südosten. Vor allem im Süden und Osten scheint längere
Zeit die Sonne.

In der Nacht zum Samstag ziehen Trog und Bodentief nach Osten, wobei das Tief am
Morgen laut ICON bei den ostfriesischen Inseln liegen soll. Die Südflanke ist
recht gradientstark, was dem Nordwesten steife bis (exponiert) stürmische Böen
bescheren kann. An der Nordsee sind auch Sturmböen, Bft9 im Programm.

Die Kaltfront überquert die meisten Landesteile ostwärts, wobei es nach Norden
hin Schauer und vereinzelte Gewitter geben kann. Im nachfolgenden Trog kann es
ganz im Nordwesten wieder zu einzelnen Schauern, über der Nordsee zu
vereinzelten Gewittern kommen.

Über dem Südosten kommt die Kaltfront ins Schleifen, was den präfrontalen, teils
starken Gewittern die Möglichkeit bietet etwas nach Nordosten Boden gut zu
machen und dann in schauerartigen Regen überzugehen.
Ansonsten bleibt die Nacht wettertechnisch ruhig und mit einem breiten Streifen
teils geringer Bewölkung über dem Süden und der Mitte.

Samstag … zieht das Tief nach Osten bis Nordosten, wogegen sich der Haupttrog
über Westeuropa regeneriert und nur zögernd ostwärts vorankommt. Die Kaltfront
liegt in der südwestlichen Höhenströmung schleifend über dem Südosten und sorgt
dort noch für starke Bewölkung und Regenfälle. Dahinter gelangt in der auf West
drehenden Strömung gemäßigte atlantische Meeresluft nach Deutschland.

An der Südflanke des Tiefs herrscht über der Nordhälfte ein veritabler
Druckgradient, der über der Nordhälfte den westlichen Wind tagsüber deutlich
auffrischen lässt mit verbreitet steifen, exponiert stürmischen Böen. An den
Küsten und im höheren Bergland sind Sturmböen möglich. Am Nachmittag fächert der
Gradient von Westen her wieder auf und die stärksten Böen ziehen sich zur Ostsee
zurück, wo es aber bis zum Abend Sturmböen geben kann.

Die schauerartigen Regenfälle ganz im Südosten klingen nur langsam ab. Im
äußersten Südosten und an den Alpen dauert das wohl bis zum Abend, wobei an den
Alpen in 12 Stunden 5 bis 15 mm Regen möglich sind. da die Schichtung dort noch
leicht instabil ist, sind auch eingelagerte Gewitter mit Starkregen eine Option.

Über der Nordwesthälfte labilisiert die Schichtung unter dem sich nähernden Trog
und es treten wiederholt Schauer oder schauerartige Regenfälle auf, in die sich
im Tagesverlauf auch einzelne Gewitter mischen. Dabei sind steife bis stürmische
Böen, vereinzelt auch Sturmböen nicht ausgeschlossen.

Dazwischen bleibt es in einem breiten Streifen vom Südwesten in den Nordosten
bei aufgelockerter Bewölkung abgesehen von vereinzelten Schauern
niederschlagsfrei und zum Teil recht sonnig.

In der Nacht zum Sonntag kann sich an der Kaltfront über Süddeutschland ein
Wellentief bilden und nach Nordosten ablaufen. In der Folge regnet es vor allem
südlich der Donau wieder kräftiger, teils konvektiv (auch mit
Gewittern/Starkregen) durchsetzt und ergiebig. Vor allem ICON-EU hat im
Alpenvorland bis Sonntagmittag in einem Streifen vom Alpenvorland bis zur Donau
30 bis 40 mm in 12 Stunden auf der Agenda, Cosmo Leps und ICON EU EPS haben vor
allem am Alpenrand leichte Hinweise auf unwetterartige Mengen zu bieten.
Der Norden und Westen Deutschlands verbleiben im Trogbereich, wobei sich das
Bodentief über Südskandinavien auffüllt und der Gradient auffächert, so dass
sich der Wind rasch abschwächt. Dort gibt es Schauer, vereinzelt kurze Gewitter.
Im breiten Streifen dazwischen verläuft die Nacht dagegen ruhig.

Sonntag … erstreckt sich ein langwelliger Trog ausgehend von einem Höhentief
vor Nordnorwegen über Westeuropa bis zu der Iberischen Halbinsel. Vorderseitig
liegt Deutschland zunächst in einer südwestlichen Strömung.
Im Tagesverlauf schwenkt der südliche Teil des Troges über die Alpen ostwärts
und verliert an Kontur.

Mit dem Trog korrespondiert ein Bodentief mit Schwerpunkt über Skandinavien, was
an seiner Südseite die Zufuhr mäßig warmer Meeresluft von Westen her zur Folge
hat. Schwerpunktmäßig über der Nordwesthälfte treten Schauer und einzelne
Gewitter auf, die vereinzelt mit Starkregen und stürmischen Böen verbunden sein
können.

Die instabile Luft wird zwar aus dem Südosten verdrängt, die Regenfälle dort
gehen aber weiter, da sich an der Nordwestflanke eines von der nördlichen Adria
Richtung Ungarn/Slowakei ziehenden Tiefs eine Gegenstromlage einstellt.
12-stündig sind in SE Bayern weitere 10 bis 20 mm Regen möglich, in 24 Stunden
am Alpenrand bis 50 mm. Auch im Tagesintervall liefern die Ensembles Hinweise
auf unwetterartige Mengen in diesem Bereich. Eine Dauerregenlage dort darf somit
als wahrscheinlich gelten, lokal kann auch Unwetter Dauerregen anstehen.

Zwischen den Schauern im Nordwesten und dem Regen erstreckt sich ein Streifen
von Südwest nach Nordost, wo es zwar nicht niederschlagsfrei bleibt, die
Schauerneigung durch leichtes kompensatorisches Absinken aber etwas herabgesetzt
ist.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großräumige Entwicklung ist weitgehend unstrittig. In den Details bleiben
Fragezeichen, die sich vorab auch kaum klären lassen. Vor allem der Süden bleibt
warntechnisch im Focus. Ab Freitagabend mit starken Gewittern (loc. WU) dann mit
Stark/Dauerregen. Die hierbei von den Modellen angebotenen Regenmengen und die
Lage der Maxima variieren aber noch stark. Auf jeden Fall deutet sich wieder
eine Dauerregenlage an, ob Unwetter muss noch abgewartet werden. ICON EU, GFS
und teilweise die Ensemble haben aber Hinweise darauf.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner