SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 190800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 19.09.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von HB zu HM
Ruhiges Hochdruckwetter und damit keine markanten Wettererscheinungen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… Ein Höhenrücken über Westeuropa, der eine Höhenantizyklone in
seinem Zentrum besitzt, verlagert sich bis Tagesende nach Großbritannien. Dabei
wandert der Schwerpunkt des Bodenhochs von Wales bis Tagesende zum westlichen
Deutschland. So liegen wir zunächst sowohl niedertroposphärisch als auch in der
oberen Troposphäre in einer Nordwestströmung, in der die Luft von der Nordsee
her angefeuchtet wird. Dabei ziehen von der Nordsee her Wolkenfelder nach
Deutschland, die sich unterhalb einer Absinkinversion in ca. 700 hPa befinden.
Auch entwickelt sich Quellbewölkung, die sich an der im Tagesverlauf absinkenden
Inversion ausbreiten können. Ganz im Nordosten reichen die Quellungen bis ca.
-10 Grad, so dass hier einzelne Schauer fallen.
Im Südwesten dagegen ist es durchweg sonnig und trocken. Die Temperaturen liegen
zwischen 15 Grad auf den Nordfriesischen Inseln sowie in den Mittelgebirgen und
20 Grad in Südbaden.
Durch tiefen Luftdruck über dem Mittelmeer gibt es ganz im Süden einen recht
kräftigen Gradienten, so dass der Wind im Tagesverlauf aus Nordost bis Ost
auffrischt. Im Hochschwarzwald kann es dadurch 8er Böen und im Raum Bodensee 7er
böen geben.
In der kommenden Nacht kommt im Norden durch WLA starke Bewölkung auf und im
Küstenbereich kann es vereinzelt etwas Regen oder Sprühregen geben. Nach
Südwesten hin wird die Bewölkung bald dünner und in der Südhälfte sowie im
südlichen NRW ist es gering bewölkt oder klar und vereinzelt bildet sich Nebel.
Damit kann sich die Luft in diesen Gebieten ordentlich abkühlen auf 5 bis 0 Grad
mit verbreitetem Bodenfrost. Vereinzelt gibt es auch in 2 m Höhe leichten Frost.
Im Norden ist es kühler bei 6 bis 12 Grad mit den höchsten Werten an der
Nordsee.

Freitag… verlagert sich der Höhenrücken langsam ostwärts und das
korrespondierende Höhenhoch erreicht die holländische Küste. Auf der Vorderseite
des Rückens verlagert sich das Hochdruckgebiet über das zentrale Deutschland bis
Tagesende in den Raum Tschechien. Damit dreht die Strömung in der unteren
Troposphäre in der Mitte und im Süden auf Süd- bis Südost, während sie im Norden
noch bis zum Abend West bis Nordwest ist im Randbereich eines nach Holland
gerichteten Hochkeiles. Der äußerste Norden und Nordosten wird von der Warmfront
einer Frontalwelle über Südskandinavien tangiert, die im Norden und Nordosten
für starke Bewölkung sorgt und gelegentlich nieselt es etwas.
Die Feuchteschicht befindet sich nämlich unterhalb einer Absinkinversion in ca.
800 hPa, so dass die Niederschlagsprozesse nicht über die Eis-Phase laufen.
Meist liegen die Niederschlagsmengen dabei unterhalb der 1-Liter-Schwelle.

Südlich der Mittelgebirge ist es hingegen deutlich freundlicher, weil die
feuchten Luftmassen durch die Hochachse/Keilachse an ihrem weiteren Vorankommen
gehindert werden. Damit scheint im Süden und Südwesten nach Nebelauflösung
häufig die Sonne und die Temperatur steigt auf 20 bis 21 Grad entlang von Rhein,
Mosel, Untermain und Neckar. Sonst werden 15 bis 19 Grad erwartet mit den
niedrigsten Werten ganz im Nordosten.
Der Wind bleibt im Südwesten wahrscheinlich recht kräftig, bringt aber
allenfalls 5er und 6er Böen. Nur auf exponierten Gipfeln des Schwarzwaldes sind
7er Böen wahrscheinlich.

In der Nacht zu Samstag bleibt es im Norden und Osten häufig bei der dichteren
niedrigen Schichtbewölkung. Zudem kann es auch Bodennebel geben. So liegen die
Wahrscheinlichkeiten bei Mosmix im Hamburger Raum und in Niedersachsen teils bei
über 80 Prozent.
Auch im Rest des Landes ist hier und da mal warnwürdiger Nebel möglich. Südlich
der Mittelgebirge kann es bei Tiefstwerten zwischen 6 und 1 Grad auch
streckenweise nochmal Bodenfrost geben, aber lange nicht mehr so verbreitet, wie
in den Vornächten. Weiter nach Norden werden 10 bis 5 Grad erwartet, direkt an
den Küsten bleibt es milder.

Samstag… wandert der kräftige Höhenrücken über Mitteleuropa langsam nach
Osten und stützt weiter das Hoch über dem Balkan bzw. am Schwarzen Meer, wobei
von dort eine Brücke über Skandinavien bis zum Hoch über dem Nordmeer reicht.
Die Keilachse erreicht den äußersten Nordosten, so dass die
niedertroposphärische Feuchtezufuhr von Nordwesten her gekappt wird. Im
Gegenteil – von Süden und Südosten her kann sich nun trockene Festlandsluft auch
im Nordosten durchsetzen. Somit lockern dort die Nebel- und Wolkenfelder zögernd
auf, was in Vorpommern auch noch bis zum späteren Nachmittag dauern kann. Der
Westen gelangt im Tagesverlauf auf die Vorderseite des atlantischen
Langwellentroges, was Druckfall über Frankreich und später über dem Westen
Deutschlands bedeutet.
Von Süden her gelangen dabei zunehmend Luftassen subtropischen Ursprungs ins
Vorhersagegebiet, die Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf Werte
zwischen 10 Grad an der Neiße und 15 Grad am Niederrhein. Jahreszeitlich bedingt
klappt es mit der Durchmischung allerdings bei Weitem nicht mehr so gut wie noch
vor wenigen Wochen. Somit scheint zwar im Süden und in der Mitte nach mehr oder
weniger rascher Nebelauflösung verbreitet die Sonne, dennoch reicht es trotz der
hohen 850 hPa-Temperaturen insgesamt „nur“ (für die Jahreszeit allerdings
deutlich zu hohen) Höchstwerte zwischen 17 Grad auf Rügen und vereinzelt 26 Grad
im Südwesten (vielleicht nicht „ganz unten“, sondern eher in mittleren
Höhenlagen).

Modellvergleich und -einschätzung

Im Kurzfristzeitraum gibt es keine relevanten Modellunterschiede.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 180800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 18.09.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL Na
Zunehmend antizyklonal geprägtes Wetter. Vor allem nördlich der Mittelgebirge
häufig dichtere, tiefe Bewölkung. Nachts in der Südhälfte häufig Bodenfrost.
Abnehmender Wind und steigendes Nebelpotential.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Mittwoch… befindet sich Deutschland zwischen einem Höhenrücken mit
eigenständigen Höhenhochkern bei den Britischen Inseln und einem breiten Trog
über Osteuropa. Mit einer nordwestlichen Strömung werden dabei recht kalte
Luftmassen polaren Ursprungs herangeführt. So liegen die 850 hPa Temperaturen
meist nur zwischen 0 und 5 Grad.

Schon die vorangegangene Nacht zeigte, dass die eingeflossene Luftmasse nicht
nur kälter, sondern auch deutlich trockener ist. So fielen die Temperatur an
einzelnen Stationen in der Südhälfte auf Werte nur knapp über dem Gefrierpunkt
und am Boden gab es schon recht häufig Bodenfrost.

Am Tage kann man von einer gewissen Zweiteilung des Wetters ausgehen. Je weiter
man nach Nordosten kommt, desto näher liegt man an der Trogrückseite und damit
im Bereich höhenkalter Luft. Aktuell gibt es bedingt durch den Skandiföhn noch
ein größeres Fenster mit Sonne. Im weiteren Tagesverlauf ist aber zu erwarten,
dass neben sonnigen Abschnitten ausgehend von der Nordsee bis zu den
Mittelgebirgen auch verstärkt Quellbewölkung mit ins Spiel kommt. Schaut man auf
die Radiosondenaufstiege, so erkennt man eine Absinkinversion bei etwa 800 hPa.
Entsprechend wird die Wolkendecke dann vor allem im Nordweststau der
Mittelgebirge durch Breitlaufen längere Zeit dicht sein.

Niederschlag in Form von Schauern ist besonders im Norden (durch auflandigen
Wind von der Nordsee) und Nordosten (Nähe zur Höhenkaltluft) zu erwarten. Nicht
auszuschließen, dass bei vorhandener Labilität (gute Temperaturabnahme mit der
Höhe in mittleren Troposphärenniveaus) auch ab und an Blitz und Donner in
Ostvorpommern mit dabei sind. Auch im Nordweststau von Erzgebirge und Harz kann
ein wenig Regen fallen.

Das Warnkriterium des Tages ist der Wind. So werden von den verschiedenen
Ensemblevorhersagen recht hohe Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 7 für den
Norden und Osten vorhergesagt. Die Böen Bft 7 sollen demnach etwa bis zu einer
Linie Harz-Lausitz südwärts ausgreifen. Bei auflandigem Nordwestwind sind an den
Küsten an den dafür entsprechend anfälligen Lagen Böen Bft 8 zu erwarten.

Die Höchstwerte können im Oberrheingraben immerhin bis 21 Grad steigen, während
sonst nur 14 bis 19 Grad zu erwarten sind.

In der Nacht auf Donnerstag hält der Zustrom der Luftmassen polaren Ursprungs
an, wobei sich von Westen kommend der Hochdruckeinfluss ganz allmählich
verstärkt. Die Schaueraktivität beschränkt sich tagesgangbedingt auf die
küstennahen Gebiete und auch die Bewölkung lockert vielfach stärker auf.

Stärker bewölkt bleibt es vor allem noch im Nordweststau der Mittelgebirge.
Zudem berechnen die Vorhersagemodelle recht einhellig ein größeres Gebiet mit
tiefer Bewölkung, das in den Westen und Nordwesten rein driftet. Schaut man auf
die Prognosesoundings mit der Absinkinversion bei 800 hPa, so ist dies
wahrscheinlich hochnebelartige Bewölkung, getriggert durch die Feuchte der
Nordsee.

Die Temperatur geht wieder deutlich zurück. In der Südhälfte tauchen bei MOS
sogar vereinzelte Nuller bei den Tiefstwerten auf. Am Boden sollte es wieder
recht häufig für Frost reichen … mal abgesehen vom Oberrheingraben und anderen
klimatisch günstigen Gebieten.

Warntechnisch ist noch der Nebel relevant, der sich in den klaren Gebieten
streckenweise bilden kann und der Wind, der zumindest im direkten Küstenumfeld
noch mit Böen Bft 7 daherkommt.

Donnerstag… verschiebt sich das Zentrum des Höhenrückens weiter ganz
allmählich ostwärts. Die nordwestliche Höhenströmung bleibt aber erhalten,
sodass sich auch am Temperaturniveau nichts Wesentliches ändert. Die 20 Grad
werden allenfalls am Oberrhein geknackt, sonst werden nach der kalten Nacht und
bei fehlender Durchmischung durch den steigenden Hochdruckeinfluss nur 14 bis 19
Grad erwartet.

Wettertechnisch wird es einen Streifen von der Nordsee bis zu den Mittelgebirgen
ausgreifend geben, wo sich dichtere Wolkenfelder halten. Diese haben ihre
Ursache zum einen im Überstreichen der Nordsee und der Anreicherung mit Feuchte
und zum anderen an der weiterhin vorhandenen Absinkinversion, wo die Feuchte
insbesondere im Nordwestanstau der Mittelgebirge breitlaufen kann.

Im Nordosten kann sich gestützt durch den Skandinavienföhn auch häufiger mal die
Sonne zeigen. Einzelne Schauer gibt es am ehesten im Ostseeumfeld oder im Stau
des Osterzgebirges.

Viel Sonne gibt es ausgenommen vom direkten Alpenrand im Südwesten und Süden des
Landes.

Zum Abend kann dann auch in den übrigen Gebieten die Wolkendecke häufiger
auflockern. Der Wind stellt allgemein keine Warnrelevanz mehr da, wenngleich der
Nordwestwind an der vorpommerschen Ostseeküste immer noch recht böig unterwegs
ist.

In der Nacht auf Freitag nähert sich der Höhenrücken weiter an und das Zentrum
des Bodenhochs legt sich über die Mitte des Landes.

Nach zunächst häufig nur geringer Bewölkung bilden sich dann gebietsweise teils
dichte Nebelfelder, insbesondere über dem Nordwesten des Landes, im
Mittelgebirgsumfeld sowie südlich der Donau.

Darüber hinaus erreicht den Nordwesten und Norden ein neues Gebiet dichter,
tiefer Bewölkung. Dies lässt sich in einem Feuchtemaximum auch gut in den
Prognosesoundings zwischen 750 und 900 hPa erkennen. Verantwortlich dafür ist
wohl vor allem, dass der Norden Deutschland von einer Warmfront mit damit
einhergehender WLA gestreift wird. Und natürlich spielt auch die
Nordwestströmung über die Nordsee eine Rolle sowie die Gradientschwäche in den
bodennahen Schichten.

Ein paar Tropfen werden in diesem Zuge wieder in den küstennahen Gebieten,
ausgreifend bis ins schleswig-holsteinische Binnenland prognostiziert. Die
Mengen sind aber nicht der Rede wert.

Davon abgesetzt wird es in der Südhälfte wieder ziemlich kalt mit Tiefstwerten
nahe 0 Grad und häufig Bodenfrost.

Freitag… verbleiben Bodenhoch und Höhenrücken nahezu ortsfest. Die stärker
gedrängte Nordwestströmung zieht aber weitgehend ostwärts ab und der
Isohypsengradient lockert auf. Damit ist der Tag verbreitet antizyklonal
geprägt.

Allerdings sind eben diese Gradientschwäche und das Absinken dafür
verantwortlich, das große Teile der Gebiete nördlich der zentralen Mittelgebirge
unter dichter, hochnebelartiger Bewölkung liegen. Aus dieser Feuchtschicht die
sich laut Prognosesoundings zwischen 800 und 900 hPa befindet, kann es auch
immer wieder rausnieseln. In Schleswig-Holstein könnte dabei vielleicht sogar
die 1 Liter-Schwelle geknackt werden.

Südlich der Mittelgebirge ist es hingegen deutlich freundlicher, weil die
feuchten Luftmassen einfach durch die Mittelgebirge an ihrem weiteren
Vorankommen gehindert werden. Damit scheint im Süden und Südwesten längere Zeit
die Sonne und die Temperatur steigt auf bis zu 21 Grad entlang von Rhein und
Mosel. Sonst werden 15 bis 19 Grad erwartet.

In der Nacht auf Samstag bleibt es im Norden und Osten häufig bei der dichteren
hochnebelartigen Bewölkung. Zudem gibt es ganz deutliche Hinweise, dass sich
auch am Boden recht verbreitet dichte Nebelfelder bilden. So liegen die
Wahrscheinlichkeiten bei WarnMos von der Nordsee bis nach Hamburg und Bremen
ausgreifend bei nahe hundert Prozent. Dies wird zum Beispiel auch vom Ensemble
des EZMWF gestützt.

Auch im Rest des Landes kann sich hier und da mal warnwürdiger Nebel bilden.
Südlich der Mittelgebirge kann es bei Tiefstwerten zwischen 8 und 2 Grad auch
streckenweise nochmal Bodenfrost geben, aber lange nicht mehr so verbreitet, wie
in den Vornächten. Weiter nach Norden werden 10 bis 5 Grad erwartet, direkt an
den Küsten bleibt es deutlich milder.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Kurzfristvorhersage kann aufgrund nur geringer Modellunterschiede als recht
sicher eingestuft werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 170800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 17.09.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: N bis NWz, Donnerstag zunehmend antizyklonal
Heute an den Küsten erster Herbststurm (Bft 8 bis 10), im Nordosten in Schauer-
und Gewitternähe auch im Binnenland schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen.
Mittwoch und Donnerstag wieder zunehmender Hochdruckeinfluss.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag… Mitte September – und der erste (kleine) Herbststurm, zumindest für
die Küsten, steht ins Haus. Dass es vor allem im Nordosten auch weiter im
Binnenland durchaus turbulent zugehen kann, dazu später. Zunächst wagen wir mal
einen Blick auf die vor allem heute durchaus zyklonal geprägte Großwetterlage:
Deutschland befindet sich nämlich an der Südwestflanke eines umfangreichen
Langwellentrogkomplexes über Nord- und Nordwesteuropa. Dieser Trog ist dabei,
sich durch einen markanten, von Nordwesten hereinlaufenden Kurzwellentrog zu
regenerieren, dessen Drehzentrum heute im Tagesverlauf über Südschweden hinweg
Richtung Baltikum schwenkt. Dabei kann sich die kräftige nordwestliche
Höhenströmung über Nord- und Ostdeutschland vorübergehend deutlich verschärfen,
mit Windgeschwindigkeiten von über 125 kn in 300 hPa greift der Jetstream auf
das Vorhersagegebiet über. Ein entwicklungstechnisch günstig am linken
Jetausgang sowie unmittelbar vorderseitig des Trogzentrums gelegenes, aktuell
noch sehr flaches Bodentief über Südschweden kann sich im Tagesverlauf vertiefen
und zieht bis zum Abend ins Baltikum. Dessen Sturmfeld an der Südwestflanke
erfasst heute Vormittag den Norden und vor allem Nordosten des Landes. Im
Vorfeld hat zumindest niedertroposphärisch maritime Polarluft weite Teile
Deutschlands geflutet, die Vordergrenze dieser Luftmasse markiert eine
Kaltfront, die sich aktuell über dem Alpenvorland befindet. Allerdings weitet
sich ein vom kräftigen Hochdruckgebiet ausgehender Keil nach Süd- und
Südwestdeutschland aus, was frontolytisch wirkt, mit entsprechend geringer
Wetterwirksamkeit kommt sie somit kaum weiter nach Süden voran und löst sich
mehr und mehr auf. Hier und da fällt noch etwas Regen, die Mengen sind aber
nicht nennenswert.
Nahe am Drehzentrum des Troges gelegen gelangt in den Nordosten ein Schwall
höhenkalter Polarluft. Die Temperatur in 500 hPa sinkt auf -25 bis nahe -30
Grad, in 850 hPa schwankt sie um oder knapp unter 0 Grad. Die Vordergrenze zu
dieser dann hochreichend labil geschichteten Luftmasse markiert eine weitere
Kaltfront, die aktuell mit ersten Schauern den Küstenbereich erreicht hat. Diese
Schauer breiten sich vor allem nach Osten zu noch etwas landeinwärts aus. Da die
Luftmasse bis etwa 500 hPa labil geschichtet ist und im Tagesverlauf vor allem
im Nordosten auch etwas Cape generiert werden kann (etwa 200 bis nahe 400 J/kg),
sind auch einzelne kurze Graupelgewitter am Start. Damit kommen wir zum
warntechnisch großen Thema am heutigem Dienstag: Der Wind. Alleine der Gradient
gibt im Norden und Nordosten des Landes schon verbreitet auftretende stürmische
Böen, exponiert Sturmböen (Bft 8 bis 9) aus West bis Nordwest her. Entlang der
vorpommerschen Ostseeküste sowie auf einigen exponierten Mittelgebirgsgipfeln
(Brocken) reicht es auch für einzelne schwere Sturmböen (Bft 10). Dazu kommt
dann noch die konvektive Komponente mit ins Spiel. Bevorzugt im Nordosten
simulieren die konvektiven Modelle bis weit ins Binnenland ziehende und teils
auch als Linien organisierte Schauer, vereinzelt sind kurze Gewitter dabei (in
erster Linie AROME, aber auch SuperHD und Euro4; C-D2 agiert ein wenig
zurückhaltender). Unterhalb des Jets gelegen ist die Geschwindigkeitsscherung
sehr hoch, selbst in 850 hPa werden etwa 45 bis 50 kn erreicht. Diese Böen
können innerhalb der Konvektion bis ganz nach unten gemischt werden, etwas
verstärkt noch durch die mit der Verdunstungsabkühlung generierten
Downdraft-Cape. Somit sind vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und in
Nordbrandenburg in Schauer- und Gewitternähe durchaus auch mal schwere Sturmböen
ins Kalkül zu ziehen, eine vereinzelt und kleinräumig auftretende orkanartige
Böe nicht ausgeschlossen. C-D2-EPS zeigt Wahrscheinlichkeiten zwischen 5 und 15%
dafür (allerdings wirklich nur punktuell auftretend), auch AROME hat einzelne
Bft 11-Böen auf der Karte, am ehesten noch an der vorpommerschen Küste.
Im Westen und Süden bekommt man von der Windentwicklung wenig bis gar nichts
mit. Mit Annäherung des Hochkeils bleibt der Gradient dort aufgefächert, für
warnrelevante Böen (Bft 8 bis 9) reicht es nur auf den Gipfeln der Alpen und der
ostbayerischen Mittelgebirge. Vor allem im Südwesten scheint auch häufig die
Sonne. Da die Kaltfront den äußersten Südwesten und auch den Alpenrand nicht
wirklich erreicht, verharren dort die Temperaturen in 850 hPa zwischen 8 und 10
Grad, postfrontal sinken sie im Norden und in der Mitte auf -1 bis 5 Grad. Das
mündet in Höchstwerten zwischen 13 Grad im Nordosten und knapp 24 Grad am
Hochrhein.

In der Nacht zum Mittwoch zieht unser kurzwelliger Höhentrog Richtung
Weißrussland, unterhalb des Jetstreams gelegen, fächert die glatte nordwestliche
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet aber nur zögernd auf. Mit Abzug des
Troges stabilisiert die Luftmasse allmählich wieder und die Schauer klingen –
auch tagesgangbedingt – rasch ab. Lediglich an den Küsten, vor allem der Ostsee,
kann es bis in die Frühstunden noch einzelne geben.
Im Bodenfeld können sich das knapp vorderseitig einer kräftigen Höhenantizyklone
gelegene Bodenhoch über den Britischen Inseln, ebenso, wie der nach Mitteleuropa
gerichtete Hochkeil noch etwas verstärken. Das Tief über dem Baltikum zieht
allmählich Richtung Russland, der Gradient über dem Nordosten des Landes fächert
aber nur allmählich auf. Somit nimmt der Wind im Binnenland – nicht zuletzt auch
tagesgangbedingt mit der zusammenfallenden Konvektion – zwar rasch ab, an den
Küsten bleibt es aber noch längere Zeit windig mit stürmischen Böen, an der
Ostsee bis weit in die Nacht hinein auch noch einzelnen schweren Sturmböen,
morgens reicht es aber auch dort nur noch für die Bft 8 an exponierten
Küstenabschnitten. Auf dem Brocken und dem Fichtelberg gibt es ebenfalls noch
Böen Bft 8, vereinzelt 9.
Während sich im Norden und Osten die Quellwolken gebietsweise an der sich mit
Annäherung des Hochkeils allmählich ausbildenden Absinkinversion horizontal
ausbreiten und es bewölkt bleibt, ist der Himmel im Westen und – mit Ausnahme
des Alpenrandes, wo sich die Wolkenreste der aufgelösten Kaltfront noch stauen –
teilweise gering bewölkt. Nebelfelder treten innerhalb der frisch eingeflossenen
trockenen Polarluft nur vereinzelt auf. Somit sacken die Temperaturen rasch in
den Keller. Die Tiefstwerte liegen zwischen 10 Grad in Küstennähe und 2 Grad in
den westlichen und zentralen Mittelgebirgen, wo es gebietsweise Bodenfrost geben
kann.

Mittwoch… ändert sich an der großräumigen Konstellation der Potenzialgebilde
nur wenig, auch, wenn der Höhentrog allmählich weiter nach Osten schwenkt. Die
nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet bleibt kräftig ausgeprägt,
der Jetstream kommt nur zögernd nach Osten voran und verläuft noch mit teils
über 100 kn in 300 hPa über dem Nordosten des Landes. Allerdings bleibt die
Höhenströmung glatt konturiert und bei schwacher KLA dominiert leichtes
Absinken. Bis etwa 600 hPa, also bis in etwa 3 bis 4 km Höhe hinreichend labil
geschichtet ist die Luftmasse nur noch im Nordosten des Landes, dort reicht es
im Tagesverlauf mit Unterstützung durch die diabatische Komponente vielleicht
noch für den ein oder anderen kurzen Schauer. Der Gradient fächert nur zögernd
auf, das Bodentief zieht nur langsam nach Osten und der nach wie vor über West-
nach Süddeutschland gerichtete Hochkeil kann sich noch ein wenig verstärken.
Somit frischt der Wind mit Unterstützung durch den Tagesgang im Nordosten erneut
etwas aus Nordwest auf, vor allem nordöstlich der Elbe reicht es auch im
Binnenland noch für steife Böen (Bft 7), im Ostseeumfeld kann vor allem in
Schauernähe auch die Bft 8 auftreten, ebenso anfangs noch eventuell auf dem
Brocken und dem Fichtelberg.
Im Rest des Landes dominiert aber Hochdruckeinfluss, dabei gelangt nordöstlich
der Keilachse niedertroposphärisch etwas feuchtere Nordseeluft in den Norden und
Osten. Die sich bildenden Quellwolken können sich vor allem im Nordwesten an der
sich verstärkenden Absinkinversion (dort auf etwa 800 hPa sinkend) gebietsweise
horizontal ausbreiten, so dass es dort teilweise stärker bewölkt bleibt. Im
Südwesten und Süden scheint hingegen wieder vielerorts bei nur flachen
Quellwolken die Sonne. Niedertroposphärisch kann die maritime Polarluft nun auch
nach Südwestdeutschland sickern, die Temperaturen in 850 hPa bewegen sich
zwischen 0 Grad im Norden und 6 Grad im Südwesten. Die Höchstwerte liegen somit
zwischen 14 und 18 Grad, an Ober- und Hochrhein bei knapp 20 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag streckt das Höhenhoch über Westeuropa seine Fühler
allmählich etwas nach Südosten, Richtung Frankreich aus. Es wird gestützt durch
kräftige WLA, die um die Rückenachse innerhalb der nordwestlichen Höhenströmung
von der Nordsee her auch zunehmend über Norddeutschland wirksam werden kann. Im
Bodenfeld ist sie markiert durch eine langgestreckte Warmfront, die, ausgehend
von einem Tief knapp westlich von Island über die Nordsee hinweg bis zur
Deutschen Bucht reicht. Vorderseitig der Warmfront breiten sich dichte
Wolkenfelder bis nach Nordwestdeutschland aus, im Nordseeumfeld kann es auch
etwas nieseln, am ehesten Richtung Ostfriesland. Der Bodenhochkeil über Süd- und
Westdeutschland kann sich noch etwas verstärken, kommt mit seiner Achse aber
kaum nach Nordosten voran. Somit bleibt es auch im Nordosten eher bewölkt, an
der vorpommerschen Ostseeküste reicht es mit der dort vorhandenen Restlabilität
vielleicht noch für einen kurzen Schauer. Der Gradient fächert weiter auf, so
dass der Wind im Laufe der Nacht warntechnisch keine Rolle mehr spielen dürfte.
In der Mitte und im Süden verläuft die Nacht dagegen oft gering bewölkt oder
wolkenlos, wobei die Nebelwahrscheinlichkeit in Süddeutschland etwas zunimmt.
Während es im Norden und Nordosten bei oft bewölktem Himmel mit Tiefstwerten
zwischen 10 und 6 Grad nicht allzu kalt wird, kühlt es in der Südhälfte auf 6
bis nahe 0 Grad ab, in ungünstigen Lagen kann auch leichter Frost nicht
ausgeschlossen werden.

Donnerstag… weitet sich der vom inzwischen bei den Britischen Inseln
angelangten Höhenhoch ausgehende Keil Richtung Westalpenraum aus, ansonsten
ändert sich an der glatten, zögernd etwas auffächernden nordwestlichen
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet kaum etwas. Der Schwerpunkt des
Bodenhochs verlagert sich von den Britischen Inseln allmählich Richtung
Mitteleuropa, dessen Achse kommt aber über der Mitte Deutschlands kaum weiter
nach Norden voran. Somit bleiben Nord- und Nordostdeutschland nördlich der Achse
gelegen weiterhin im Zustrom niedertropos- und mit der sich noch etwas
verstärkenden WLA zunehmend auch mitteltroposphärisch recht feuchter Luftmassen.
Die Warmfront kommt über der Nordsee nur sehr zögernd nach Nordosten voran. Die
dichten Wolkenfelder weiten sich entsprechend von Nordwestdeutschland noch etwas
ostsüdostwärts bis in den nördlichen zentralen und östlichen Mittelgebirgsraum
aus, wobei der Nordosten allerdings vom Skandenlee profitieren könnte, so dass
dort zumindest zeitweise die Sonne zum Zuge kommt. Vor allem im Nordseeumfeld
kann es nach wie vor etwas regnen oder nieseln.
Im Südwesten und Süden scheint dagegen die Sonne, teilweise von einem
wolkenlosen Himmel. Die WLA setzt sich niedertroposphärisch noch nicht wirklich
durch, so dass sich die Höchstwerte erneut zwischen 14 und 18 Grad, im Südwesten
um 20 Grad bewegen.

In der Nacht zum Freitag kommt die Achse des Bodenhochs über der Mitte
Deutschlands weiterhin so gut wie gar nicht nach Norden voran, so dass in die
Nordhälfte von Nordwesten her weiterhin eine recht hochreichend feuchte
Luftmasse advehiert wird und die Nacht überwiegend wolkig bis stark bewölkt,
gebietsweise auch bedeckt bleibt, allerdings ohne nennenswerte Niederschläge. Im
Süden und Südwesten verläuft die Nacht dagegen erneut gering bewölkt, örtlich
bildet sich Nebel. Vor allem in Bayern und im südlichen Baden-Württemberg kann
es in ungünstigen Lagen erneut leichten Frost, zumindest aber Bodenfrost geben.

Modellvergleich und -einschätzung

Alle vorliegenden Modelle simulieren im Kurzfristzeitraum eine sehr ähnliche
Entwicklung, warn- und prognoserelevante Unterschiede sind kaum auszumachen.
Erneut unterschätzt ICON-EU heute die Konvektion im Nordwesten Deutschlands,
auch C-D2 zeigt nur schwache Signale.
Die WLA am Donnerstag simuliert ICON dagegen etwas stärker und weiter nach Süden
reichend als GFS und IFS.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 160800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 16.09.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
HB
Heute an der Ostsee exponiert 8er Böen.
Am Dienstag im äußersten Norden und Nordosten stürmische Böen, an den Küsten und
in einigen Gipfellagen Sturmböen, exponiert schwere Sturmböen. Im Nordosten
einzelne kurze Gewitter mit Böen Bft 8 bis 10.
Am Mittwoch an der See meist nur noch steife Windböen.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… Der Süden Deutschlands liegt heute noch im Bereich der vom
Nordostatlantik bis nach Russland reichenden Hochdruckbrücke. Der Norden
befindet sich bereits in einer kräftigen westnordwestlichen Höhenströmung, die
leicht zyklonal gekrümmt ist. Dabei hat die Kaltfront eines Tiefs über
Nordwestrussland den Nordrand der Mittelgebirge erreicht, schwenkt aber durch
leichte Wellenbildung nur langsam bis zum Abend zum mittleren Deutschland. Dabei
liegen die 12stg. Regenmengen meist zwischen 0,5 und 6 mm, vereinzelt auch bei
knapp 10 mm. Postfrontal ist der Wind vor allem im Nordosten recht kräftig mit
steifen Windböen an der Ostsee und an der Nordfriesischen Küste. Exponiert sind
im Raum Rügen auch 8er Böen möglich. Abends wird der Wind aber schwächer.
Im Alpenraum kann bei Cape-ML-Werten zwischen 100 und 500 ein vereinzeltes
Gewitter nicht ganz ausgeschlossen werden.
Die Temperaturen liegen präfrontal, also etwa südlich der Main-Linie, bei
sommerlichen 24 bis 28 Grad mit den höchsten Werten in Südbaden. Ansonsten ist
es mit 16 bis 23 Grad deutlich frischer mit den niedrigsten Werten an der
Nordsee.

In der Nacht zum Dienstag beginnt sich die Strömung aufzusteilen: Südwestlich
von Island sorgt kräftige WLA für die Ausdehnung eines Höhenkeiles. Vorderseitig
verlagert sich das Hoch über dem Atlantik langsam ostwärts nach Irland. An der
Ostflanke des Höhenkeiles zieht ein kräftiger Trog nebst Höhentief vom Nordmeer
nach Südskandinavien. Derweil kommt die Kaltfront etwa zur Donau voran. Mit
Druckfall über Schweden verschärft sich bereits der Gradient im Norden, so dass
an der See in der 2. Nachthälfte bereits 7er und 8er Böen auftreten.

Dienstag… setzt sich die Meridionalisierung der großräumigen Potenzialströmung
weiter fort. So gewinnt der Rücken über dem Ostatlantik ebenso an Amplitude wie
der sich über Mitteleuropa weiter nach Süden ausweitende Trog. Dessen Hauptachse
liegt knapp östlich von uns, was Mitteleuropa eine sehr flotte nordwestliche
Höhenströmung und dem Nordosten eine Portion höhenkalter Luft (T500 -20 bis
-25°C, Richtung Vorpommern sogar bis -30°C) bringt. So entwickeln sich im Norden
und Nordosten Schauer und auch einzelne Gewitter, die mit Graupel und Sturmböen
(an der Ostsee schweren Sturmböen) einhergehen können.
Auch sonst legt der mehr auf Nordwest drehende Wind im Norden und Osten sowie in
Teilen der Mitte zu. Ursache hierfür sind ein Bodentief, das unter Verstärkung
nach Estland zieht und das Hoch, das über den Britischen Inseln sich etwas nach
Osten bewegt. Es resultiert damit vor allem im Norden eine Gradientverschärfung.
An der Küste steht damit die erste frühherbstliche Sturmlage ins Haus mit Böen
der Stärke 8 bis 9 und exponiert 10 Bft (schwere Sturmböen). Im Binnenland
liegen die Böen im Norden meist bei 6-8 Bft, auf den Bergen entsprechend
darüber.

Im Süden lädt die alternde Kaltfront an den Alpen noch ein paar Schauer ab.
Ansonsten zeigt sich im Zuge eines von Frankreich nach Süddeutschland
vorstoßenden Bodenhochkeils öfter die Sonne bei trockenen Verhältnissen.
In der in weite Teile des Landes vorstoßenden polaren Meeresluft (T850 um 0°C im
NO, um 10°C im äußersten S und SW) steigt die Temperatur auf Werte um 15°C
nordöstlich von Elbe und Havel und bis zu 24°C im Oberrheingraben.

In der Nacht zum Mittwoch zieht der Trog mit seinem Drehzentrum weiter nach
Weißrussland, der kräftige Höhenrücken verlagert seinen Schwerpunkt nach Irland,
wobei sich ein abgeschlossenes Höhenhoch entwickelt. Über dem Vorhersagegebiet
bleibt die nordwestliche Höhenströmung glatt konturiert und steilt noch etwas
auf, so dass die Polarluft allmählich auch die Alpen erreicht. Dort kann es mit
einer durchschwenkenden Kaltluftstaffel vorübergehend sogar etwas regnen bzw.
oberhalb von etwa 1500 m auch schneien. Ansonsten bleibt es in weiten Teilen des
Landes trocken, zumal sich von Westen her auch der nach West- und Süddeutschland
gerichtete Hochkeil verstärken kann. Ausnahme bildet Ostvorpommern, wo die
Labilität anfangs noch für Schauer, vielleicht sogar noch für ein Gewitter
reicht. Das Bodentief über dem Baltikum kommt weiter nach Osten voran, insgesamt
fächert der Gradient im Nordosten aber nur zögernd auf. An den Küsten gibt es
somit bis in die Frühstunden noch steife, exponiert stürmische Böen, auf den
Gipfeln der östlichen Mittelgebirge und auf dem Brocken ebenfalls stürmische
Böen aus Nordwest.
Die Nacht fällt im Einflussbereich der Polarluft frisch aus mit Tiefstwerten
zwischen 9 und 2 Grad, an den Küsten um 12 Grad. In windschwachen Senken und
Tälern kann es Bodenfrost, eventuell sogar leichten Luftfrost geben.

Mittwoch… verlagert der gesamte Langwellentrog seine Achse allmählich nach
Nordwestrussland, während der Höhenrücken über Westeuropa nahezu quasistationär
bleibt und sich noch ein wenig nordwärts aufwölben kann. Die daraus
resultierende kräftige nordwestliche Höhenströmung bleibt recht glatt
konturiert, nennenswerte dynamische Hebungsantriebe sind keine auszumachen.
Niedertroposphärisch wird weiterhin maritime Polarluft nach Deutschland
advehiert, die Temperatur in 850 hPa bewegt sich zwischen 0 Grad ganz im Norden
und +7 Grad in Südbaden. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt allmählich
nach Südostengland und nach wie vor reicht ein Keil über den Westen und die
Mitte Deutschlands hinweg südostwärts. Vor allem nordöstlich der Keilachse
gelangt niedertroposphärisch etwas feuchtere Nordseeluft unterhalb einer
Absinkinversion in gut 750 hPa nach Norddeutschland, so dass sich vor allem an
der See allenfalls mal ein schlapper Schauer entwickeln kann (Wolkenobergrenze
bei rund -6 Grad). Erneut simuliert ICON-EU praktisch keine Schauer im
Landesinneren, während IFS (von 00 UTC) und GFS in Niedersachsen und im
Nordosten wenige mm auf der Agenda hat.
Während der Nordosten eventuell vom Lee des skandinavischen Küstengebirges
profitiert und dort häufiger mal die Sonne scheint, bleibt es ansonsten in
Norddeutschland eher bewölkt, mancherorts kann sich die flache Quellbewölkung
auch an der Absinkinversion horizontal ausbreiten, vor allem wohl am Nordrand
der Mittelgebirge.
Im Südwesten scheint dagegen im Keilbereich häufig die Sonne, einzelne
Quellwolken über den Mittelgebirgen und den Alpen bleiben wohl harmlos. Die 20
Grad werden maximal noch am Oberrhein erreicht, ansonsten bleibt es mit
Höchstwerten zwischen 14 und 19 Grad recht frisch.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großräumige Entwicklung wird von den Modellen ähnlich simuliert.

Was den Sturm morgen angeht, so sind die Wahrscheinlichkeiten für schwere
Sturmböen vor allem an der Nordfriesischen Küste erhöht (20 Prozent, CosmoLEPS).

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 14.09.2019 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
An den Küsten auffrischender Wind und von Norden her sehr schleppend eine
Kaltfront, die aber ein paar Tage braucht, bis sie Süddeutschland erreicht. Am
Dienstag an der Küste ein erster frühherbstlicher Sturm mit Böen bis zu Stärke
10 Bft.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland am Südrand der sich langsam von Norden
nähernden Frontalzone. Bei schwachen Höhenwinden dominiert eine vom Ostatlantik
bis zum nahen Osteuropa reichende Hochdruckzone das Geschehen, was gering
bewölkte bis klare Verhältnisse mit einigen Nebelfeldern (vor allem im Süden, wo
die Luft deutlich feuchter als im Norden ist) bedeutet. Etwas „Wetter“ gibt es
eigentlich nur im äußersten Norden, wo sich das Frontensystem eines Sturmtiefs
über der Norwegischen See nähert. Es bringt zunehmend dichte Wolken und einen
vor allem über der Nord-, später auch über der Ostsee auffrischenden Südwest-
bis Westwind mit Böen 7-8 Bft.

Sonntag … erreicht das Sturmtief die norwegische Westküste, während die
zugehörige Kaltfront wohl noch im Laufe des Vormittags den Norden Deutschland
erreicht. Ihr Vortrieb hält sich mangels frontsenkrechter Schubkomponente in
Grenzen. In Grenzen hält sich auch der frontale Regen, weil es an Hilfestellung
aus der Höhe mangelt. Zwar kommt die Frontalzone weiter nach Süden voran,
allerdings ist diese so glatt konturiert, dass dynamische Hebungsimpulse
weitgehend ausbleiben. Kurzum, im äußersten Norden fallen zwar ein paar Tropfen,
volle Töpfe wird es bis zum Abend aber nicht geben.
Dafür dreht sich das Windrad ganz ordentlich, insbesondere an Nord- und Ostsee
sowie im küstennahen Binnenland. Dort erreicht der von SW auf W bis NW drehende
Wind in Böen Stärke 7-8 Bft (auch der Brocken wartet mit einigen „8ern“ auf),
lässt an der Nordsee nach Frontpassage aber rasch nach, weil der Gradient
deutlich auffächert.
Der größte Teil der Republik bekommt von den Geschehnissen im hohen Norden nicht
viel bis gar nichts mit. Zwar sorgt leichter Druckfall für ein allmähliches
Auseinanderbröseln der langgestreckten Hochdruckzone, ihre Potenz reicht aber
noch dicke, einen hochsommerlichen Spätsommertag auf das Parkett zu zaubern.
Nach Nebelauflösung dürften nur ein paar flache Quellungen sowie langsam von
Norden hereindriftende Cirren das Himmelsbild zieren, ansonsten verläuft der
Sonntag extrem strahlungsreich.
Während im Norden unter dichten Wolken und in frisch einfließender subpolarer
Meeresluft (T850 am Abend bei 8°C) maximal nur 17 bis 22°C erreicht werden, sind
es weiter südlich 23 bis 28°C, am Oberrhein lokal nahe 30°C.

In der Nacht zum Montag kommt die Frontalzone noch etwas weiter nach Süden
voran, wobei sich eine ganz allmähliche Austrogung über Mitteleuropa andeutet.
Unter der west-nordwestlichen Höhenströmung tut sich die Kaltfront weiterhin
schwer, die Norddeutsche Tiefebene in Richtung Mittelgebirge zu verlassen. Als
weiterer Bremsklotz kommt eine flache Welle hinzu, die an der Front ostwärts
abläuft. Sie sorgt für eine Verstärkung des frontalen Regens, der bis zum Morgen
etwa eine Linie Ruhrpott-Dresden erreicht. Der meiste Regen soll dabei in
Niedersachsen fallen, wo gebietsweise rund 10 mm innert 12 h angeboten werden.
Dee West- bis Nordwestwind an der Küste nimmt weiter ab, trotzdem könnte es an
der vorpommerschen Küste bis zum Morgen für die eine oder andere steife Böe 7
Bft reichen.
Während die Bewölkung in den mittleren Landesteilen von Norden her
kontinuierlich zunimmt, bleibt es im Süden gering bewölkt oder klar mit einigen
Nebelfeldern.

Montag … macht die Austrogung über ME zaghafte Fortschritte, was nicht zuletzt
auch der Aufwölbung eines Rückens über dem nahen Ostatlantik geschuldet ist. Die
weiterhin aus West-Nordwest kommende Höhenströmung weist zwar eine leicht
zyklonale Krümmung auf, als Support für dynamischen Spektakel taugt sie aber
mitnichten.
So dödelt die Kaltfront weiterhin ähnlich uninspiriert und träge wie das
Aufbauspiel von Hannover 96 (Mirko, wenn dir da nicht schnell was einfällt,
schmeißt dich der Hörgerätefabrikant bald raus) langsam in Richtung Süden, was
im allgemein gradientschwachen Umfeld sehr schwer fällt. So dürfte die Front den
zentralen Mittelgebirgsraum kaum bezwingen, was für die nördliche Mitte (etwa
von NRW bis hinüber nach Sachsen und BB) einen regnerischen Wochenstart
bedeutet. Gebietsweise fallen dabei 5 bis 10 mm, lokal (Staulagen) auch etwas
mehr binnen 12 h.
Postfrontal strömt sukzessive immer kühlere (sub)polare Meeresluft in den
Norden, in der die 850-hPa-Temperatur auf 5 bis 2°C sinkt. Dabei lockert die
Wolkendecke mitunter auf, unterhalb einer zwischen 800 und 750 hPa
positionierten Inversion bilden sich nur wenige schwache Schauer. Der
West-Nordwestwind bleibt vor allem an der Ostsee flott unterwegs mit Böen 7 Bft,
die es ab dem Nachmittag wohl auch wieder an der nordfriesischen Küste geben
wird.
Noch ein paar Sätze zum Süden, der sich auch am Montag noch im präfrontalen
Warmluftbereich befindet. Entsprechend scheint nach Nebelauflösung einmal mehr
die Sonne, bevor es im Tagesverlauf von Norden her allmählich wolkiger wird.
Gegenüber dem Wochenende wird die Luftmasse etwas labiler, außerdem akkumuliert
sich gesamttroposphärisch etwas mehr Feuchtigkeit, was am Anstieg des PPWs auf
rund 25 mm erkennbar ist. Kurzum, es wird etwas ML-CAPE generiert (meist 100-400
J/kg), so dass wir uns nicht wundern sollten, wenn es am Nachmittag zwischen
Schwarzwald und Alpenrand respektive dem südlichen Vorland an der einen oder
anderen Stelle mal rumst.
Recht groß bleibt der Temperaturunterschied zwischen Nord und Süd: so werden in
der Nordhälfte nur noch 15 bis 20°C anvisiert, wohingegen ganz im Süden noch mal
ein Sommertag mit bis zu 28 oder 29°C auf der Karte steht.

In der Nacht zum Dienstag intensiviert sich die o.e. Austrogung durch rückseitig
reinlaufende KW-Tröge. Die Höhenströmung dreht etwas mehr auf Nordwest und
verstärkt sich, was der Progression der Kaltfront zugutekommt. Diese erreicht
bis zum Morgen etwa die Donau, wobei im östlichen Bereich der Front zeitweise
Regen fällt (bis 5 mm/12 h), während ihre Passage nach Westen hin antizyklonal
und weitgehend trocken über die Bühne geht.
Turbulenter als im Süden verläuft die Nacht im Norden. Zum einen verschärft sich
auf der Südwestflanke eines vom Oslofjord via Kattegat gen westliche Ostsee
schwenkenden Bodentroges der Gradient, so dass der Nordwestwind an und über der
See stark bis stürmisch auffrischt (7-8 Bft, Nordfriesland evtl. 9 Bft). Zum
anderen wird in den äußersten Norden etwas höhenkalte Luft herangespült, die die
maritime Luftmasse bis etwa 600 hPa hinauf labilisiert. Entsprechend wird mit
Hilfe diabatischer Antriebe vom immer noch relativ warmen Oberflächenwasser der
vorgelagerten Meere Konvektion angeregt, die in Schauer und vielleicht sogar
kurze Gewitter mündet. Hochreichende Scherung und 850-hPa-Oberwinde von bis zu
45 Kt machen Sturmböen 9 Bft als begleitenden Parameter nicht unwahrscheinlich.

Dienstag … setzt sich die Meridionalisierung der großräumigen
Potenzialströmung weiter fort. So gewinnt der Rücken über dem Ostatlantik ebenso
an Amplitude wie der sich über Mitteleuropa weiter nach Süden ausweitende Trog.
Dessen Hauptachse liegt knapp östlich von uns, was dem gesamten Vorhersageraum
eine sehr flotte nordwestliche Höhenströmung und dem Nordosten eine Portion
höhenkalter Luft (T500 -20 bis -25°C, Richtung Vorpommern sogar bis knapp -30°C)
bringt. So entwickeln sich im Norden und Nordosten zahlreiche Schauer und auch
einzelne Gewitter, die mit Graupel und Sturmböen (an der Ostsee schweren
Sturmböen) einhergehen können.
Auch sonst legt der West- bis Nordwestwind im Norden und Osten sowie in Teilen
der Mitte zu, was der Verschärfung des o.e. Bodentrogs (bei gleichzeitigem
Druckanstieg im SW der Republik) geschuldet ist. An der Küste steht sogar die
erste frühherbstliche Sturmlage ins Haus mit Böen bis zu Stärke 10 Bft (schwere
Sturm), in der Mehrzahl aber 8-9 Bft. Im Binnenland liegen die Böen meist bei
6-8 Bft, auf den Bergen entsprechend darüber.
Im Süden lädt die alternde Kaltfront an den Alpen noch ein paar Schauer ab.
Ansonsten zeigt sich im Zuge eines von Frankreich vorstoßenden Bodenhochkeils
öfters die Sonne bei trockenen Verhältnissen.
In der in weite Teile des Landes vorstoßenden polaren Meeresluft (T850 um 0°C im
NO, um 10°C im äußersten S und SW) steigt die Temperatur auf Werte um 14°C
nordöstlich von Elbe und Havel und bis zu 24°C im Oberrheingraben.

Modellvergleich und -einschätzung


Keine Anmerkungen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann