SXEU31 DWAV 161800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Freitag, den 16.04.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 161800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 16.04.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Hochdruckrandlage, vorerst kaltes Frühlingswetter. Erst ab Sonntag mit geringer
Wahrscheinlichkeit einzelne Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland im nördlichen Randbereich eines dipolartigen
Höhentiefkomplexes, der durch Zentren über Südfrankreich und der Ukraine
gebildet wird. In der über Mitteleuropa resultierenden schwachen nordöstlichen
Strömung werden kurzwellige Tröge nach Südwesten gesteuert. Der Dipol wird von
einem Höhenrücken flankiert, der sich von Skandinavien in Richtung Spitzbergen
aufwölbt. Durch diesen Rücken wird ein ausgedehntes Bodenhoch mit Schwerpunkt
ebenfalls über Skandinavien mit einem nach Nordwestrussland gerichteten Keil
gestützt. Zwischen diesem Keil und tiefem Luftdruck südlich davon wird mit einer
nordöstlichen schwachen bodennahen Strömung kontinentale und zunehmend feuchtere
Luft nach Mitteleuropa geführt. Zudem setzt im Nordosten Deutschlands
Warmluftadvektion ein. Allerdings liefert die Dynamik aufgrund der schwachen
Strömung kaum Hebung, so dass zwar hierdurch in Schüben mehrschichtige Bewölkung
auf Deutschland übergreift, die Niederschläge aber gering bleiben. Selbst in
Staulagen kommen nur wenige (unter 5) mm Niederschlag zusammen, die im
Erzgebirgsraum oberhalb 800 m als Schnee fallen. Hierfür dürfte eine „gelbe“
Glättewarnung hinreichend sein.
Im Nordwesten und Westen sorgt Absinken, das aus der Nähe zum o.g. Hoch
resultiert, für Aufklaren. Im Süden wird dies durch kompensierendes Absinken
bewirkt. Hierdurch (sowie im Bergland) ist verbreitet leichter Frost zu
erwarten, wogegen es im Nordosten bis etwa zur Weser weitgehend frostfrei
bleibt.

Samstag … greift von Nordosten her ein weiterer Kurzwellentrog auf Deutschland
über, was die Niederschlagstätigkeit von Polen her aufleben lässt. Erneut reicht
es nur für wenige (in Staulagen um 5 mm) Niederschlag in von 12 Stunden, die
oberhalb etwa 800 m als Schnee fallen. Geringe Niederschläge (maximal 2 mm)
erfassen auch den zentralen Mittelgebirgsraum und den Süden Deutschlands.
Mehrschichtige Bewölkung breitet sich über weite Landesteile aus. Auflockerungen
sind dann auf den Küstenbereich, den Nordwesten und Westen sowie die alpennahen
Gebiete beschränkt. Die Höchsttemperaturen erreichen 5 bis 10, im Norden (wo
niedertroposphärische Erwärmung einsetzt) wie auch im Westen Werte bis 12 Grad.

In der Nacht zum Sonntag setzt sich die Drehbewegung des o.g. Dipols fort. Der
westliche Kern verlagert sich nach Sardinien, der östliche nach Weißrussland.
Die Strömung an dessen Nordflanke und somit über Mitteleuropa ist weiterhin
zyklonal geprägt, in höheren Troposphärenschichten (300 hPa) könnte ein
abgeschlossenes Höhentief nach Deutschland gesteuert werden. Wenngleich aufgrund
der geringen Geopotentialgegensätze kaum Hilfestellung seitens der Dynamik zu
erwarten ist, so können sich doch Niederschläge mit den o.g. Mengen über die
zentralen Mittelgebirge hinweg weiter westwärts ausbreiten. Dabei ist die feste
Phase auf die Kammlagen der östlichen Mittelgebirge beschränkt. In den
süddeutschen Mittelgebirgen und an den Alpen liegt die Schneefallgrenze bei etwa
800 m. Leichter Frost sollte dann nur noch in Lagen oberhalb 600 bis 800 m sowie
am Alpenrand auftreten.

Sonntag … erfolgt mit dem in höheren Troposphärenschichten ausgeprägten Tief
deutschlandweit Labilisierung. Zudem wird an dessen Nordflanke merklich
feuchtere Luft eingesteuert, was deutschlandweit den Gehalt an niederschlagbarem
Wasser auf mehr als 10, im Norden und Nordosten auf 15 bis 20 mm steigen lässt.
Wenngleich sich mehrschichtige Bewölkung hält, so wird etwas CAPE generiert, so
dass sich im Tagesverlauf über dem Nordosten einzelne Gewitter entwickeln
können. Meist dürfte es sich um konvektive Umlagerungen handeln, die in das von
Polen übergreifende Niederschlagsfeld eingelagert sind. Dabei ist die
Wahrscheinlichkeit für Gewitter gering. Neben der Einstrahlung fehlt auch vor
allem niedertroposphärische Scherung.
Ansonsten breiten sich in Verbindung mit o.g. Höhentief schauerartige
Niederschläge auf weite Teile Deutschlands aus, wobei Niederschlagssummen in
Staulagen auch bis etwa 10 mm innerhalb von 12 Stunden zusammenkommen können. An
den Alpen und in den süddeutschen Mittelgebirgen steigt die Schneefallgrenze auf
über 1000 m an. Die geringsten Niederschläge sind im Nordwesten und Westen
Deutschlands zu erwarten, aber auch dort sind größere Wolkenlücken eher selten.
Lediglich in Küstennähe macht sich die Nähe zum Hoch mit Auflockerungen
bemerkbar. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 7 bis 12, im höheren Berglagen
Werte um 4 Grad.

In der Nacht zum Montag verlagert sich das Höhentief von Deutschland über die
Westalpen hinweg südwärts und wird von dem bislang über Südeuropa liegenden
Höhentiefkomplex „eingefangen“. Mit dem Abzug des Höhentiefs wird die
nordöstliche Strömung antizyklonaler. Zudem ist kaum Warmluftadvektion zu
finden, sodass die Niederschlagstätigkeit nachlässt und nur geringe Mengen
(maximal 5 mm, je nach Modell unterschiedlich positioniert, aber mit höherer
Wahrscheinlichkeit im Süden) zustande kommen. Die Schichtung ist nach wie vor
labil, aber dynamisch kann kaum Hebung generiert werden, so dass Konvektion
weitgehend ausbleibt. Aufgrund der vorherrschenden meist starken Bewölkung
sollte es weitgehend frostfrei bleiben.

Montag … ändert sich die Druck- und Geopotentialverteilung kaum. Das gesamte
Zirkulationsmuster verlagert sich etwas nach Osten, der Dipol setzt seine
Drehbewegung fort, so dass sich nunmehr über Mitteleuropa eine nord-nordöstliche
antizyklonale Strömung einstellt. Das Höhenhoch liegt dann über dem Weißen Meer.
Von diesem Hoch ausgehend reicht eine Brücke zu den Britischen Inseln. Das
korrespondierende Bodenhoch hat sich bis dahin mit seinem Schwerpunkt nach
Nordwestsibirien verlagert und weist einen über Skandinavien hinweg zum
Ärmelkanal reichenden Keil auf, so dass bei geringen Luftdruckgegensätzen eine
schwache nordöstliche bodennahe Strömung bestehen bleibt.
Allerdings nimmt die Labilität aufgrund voranschreitender Erwärmung in der
unteren Troposphäre zu. Somit können sich vorzugsweise im Osten und Süden erneut
einzelne Gewitter, teils in Niederschlag eingelagert, entstehen. Etwas CAPE (bis
etwa 100 J/kg) wird generiert, wenn dann Einstrahlung und Tagesgang
unterstützend wirken, könnten sich dann mit einer gegenüber Sonntag leicht
erhöhten Wahrscheinlichkeit einzelne Gewitter entwickeln, die durchaus bereits
markante Warnungen erforderlich machen könnten.
Während sich im Süden aufgrund der mehrschichtigen Bewölkung noch keine
Temperaturänderung abzeichnet, erfolgt ansonsten ein Temperaturanstieg auf 11
bis 15 Grad, bei Sonne auch auf Werte ein wenig darüber.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Freitag, den 16.04.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 16.04.2021 um 10.30 UTC

Nach Milderung zum Wochenanfang bei leicht wechselhaftem Wetter ab Wochenmitte
voraussichtlich erneute Abkühlung und weiter eher unbeständig.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 23.04.2021

Weiterhin können wir uns in der ab Montag beginnenden Mittelfrist mit dem schon
seit Wochen vorherrschendem Wetterregime der Blockierung beschäftigen, das die
Meridionalität anhalten lässt und dadurch erneut Kaltluftausbrüche bei uns
möglich macht. Es stellt sich sogar die Frage, ob der bisher völlig unterkühlte
April dadurch sein Wärmedefizit ins Ziel retten kann und damit einen deutlichen
Gegensatz zu den drei viel zu warmen April-Monaten der letzten Jahre bildet.

Am Montag wird die Blockierung durch einen bis ins Barentssee aufragenden Rücken
manifestiert, dem weiter westlich ein Langwellentrog über dem Nordmeer
gegenübersteht. Der Rücken stützt ein Hoch mit Zentrum über Nordwestrussland,
das einen Keil bis nach Skandinavien und bis in die Nordsee aussendet.
Allerdings wird der Rücken unter seinem Dach über Skandinavien, Mittel- und
Südosteuropa durch mehrere Höhentiefs unterlaufen, die zudem über Südosteuropa
tiefen Luftdruck am Boden produzieren. Nimmt man nun noch das Azorenhoch und ein
Tief an der Südspitze Grönlands hinzu, kann ein Viererdruckfeld mit einem
„High-over-Low“ über Osteuropa identifiziert werden.

Im Verlauf der Mittelfrist bleibt von dem Viererdruckfeld jedoch nicht mehr viel
übrig, weil sich erstens das Gebilde durchaus progressiv zeigt und zweitens
meridionale Bewegungen das System aufbrechen. Merdionale Bewegungen finden dabei
durch einen von der Labradorsee nach Süden laufenden Trog und durch den
amplifizierenden Nordmeertrog statt, wobei sich als Ausgleich ein Rücken
dazwischen bis nach Island aufwölbt (erneute Blockierung).

Zum Wochenbeginn am Montag und Dienstag zeichnet sich vor allem das vom Balkan
zur Ukraine wandernde Höhentief samt zugehörigem Bodentief für das Wetter in
Deutschlands verantwortlich. Bei Temperaturen von 0 bis 3 Grad in 850 hPa ist es
nicht mehr ganz so kalt wie in dieser Woche, allerdings werden auch etwas
feuchtere Luftmassen zu uns gelenkt. Inwieweit diese das Absinken des
Russlandhochs durchbrechen können, wird von den Modellen unterschiedlich
beantwortet.

Ab Mittwoch geraten wir dann mehr und mehr unter dem Einfluss des Nordmeertrogs,
der ein Höhentief in die Nordsee abtropfen lässt. Dieses stützt ein Bodentief an
fast gleicher Stelle. Die Kaltfront des Tiefs erreicht im Tagesverlauf von
Westen her Deutschland. Postfrontal setzt sich erneut über dem Meer erwärmte
Polarluft mit T850 hPa von -2 bis -6 Grad durch. Bis zum Freitag machen es sich
Höhen- und Bodentief über Dänemark „gemütlich“, womit vor allem der Norden von
wechselhafterem Wetter traktiert wird. Nach Süden hin könnte sich dann bereits
eine Warmfront eines Tiefs nordwestlich der Iberischen Halbinsel bemerkbar
machen, was dort die Temperaturen wieder auf über 0 Grad treiben würde.

In der erweiterten Mittelfrist ab Samstag kommt die Warmfront bis in die Mitte
des Landes voran und fungiert als Bindeglied des von Dänemark nach Finnland
ziehenden Tiefs zum Tief nordwestlich der Iberischen Halbinsel. Die
Luftmassengrenze hätte im Norden Temperaturen in 850 hPa von 0 bis -4 Grad, im
Süden von 3 bis 10 Grad zur Folge.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis zum Dienstag stehen der heutige 0 UTC-Lauf des EZMW und seine beiden
gestrigen Vorläufe noch im guten Einklang. Anschließend forciert der neue Lauf
ein sich abspaltendes Höhentief über der Nordsee, das es in den Vorläufen gar
nicht gab. Statt Hoch über der Nordsee heißt es nun Tief über der Nordsee, was
einen wechselhafteren und im Norden windigen Witterungsabschnitt bringt. Darüber
hinaus setzt sich die allerdings auch schon von den Vorläufen angedachte
Abkühlung rascher durch. Im weiteren Verlauf quartiert sich das Höhentief im
neuesten Lauf über Dänemark ein, wohingegen der gestrige 12 UTC-Lauf einen
Randtrog an dem vom Nordmeer nach Skandinavien ziehenden Langwellentrog nach
Mitteleuropa vorankommen ließ. Der gestrige 0 UTC-Lauf zeigte in dieser Phase
ebenfalls einen Langwellentrog, aber bereits weiter östlich und mit einem
schwächeren Randtrog über Polen. In der erweiterten Mittelfrist potenzieren sich
die Gegensätze so weit, dass detaillierte Erklärung hier den Rahmen sprengen
würde. Insgesamt kann dem neuen Lauf also eine schlechte Konsistenz zugesprochen
werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON folgt der Theorie des EZMW mit dem sich abspaltenden Höhentief zur
Wochenmitte nicht und lässt stattdessen den sich amplifizierenden Langwellentrog
über Skandinavien bis nach Polen ziehen. Das hat noch Ähnlichkeit mit dem
gestrigen 0 UTC-Lauf des EZMW, allerdings hängt der Trog beim ICON auch zurück
und ist stärker. GFS folgt beim Höhentief schon eher dem EZMW, lässt dieses aber
anschließend nach Deutschland wandern und ist nicht so kräftig ausgeprägt (nicht
so windig im Norden). Allen gleich ist jedoch, dass sich die kältere Luft
durchsetzt. GEM wiederum belässt den Nordmeer-Langwellentrog über Skandinavien,
sodass nur im Norden kühlere Luft einsickern würde. Zudem würde Deutschland auf
die Vorderseite eines Tiefs über der Biskaya geraten, womit eine sehr milde
südwestliche Strömung unter eher antizyklonalen Vorzeichen generiert würde.
NAVGEM ist bis zum Ende des Vorhersagezyklus am Freitag dem ICON ziemlich
ähnlich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN:
Bis zum Dienstag verlaufen die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles für diverse
deutsche Städte sowohl bei T850 hPa als auch bei Geopot 500 hPa eng gebündelt,
was dem deterministischen Lauf bis dahin größere Sicherheit verleiht. Danach
öffnen sich die Kurven, wobei Haupt- und Kontrolllauf jeweils an den unteren
Rand der Streuung geraten in einen von zwei Bereichen mit Häufung von
Mitgliedern. Der zweite Median-Bereich ist bei höheren Temperaturen und höherem
Geopotenzial angesiedelt, womit die in den Läufen der Vortage angedachte weitere
Milderung also doch noch nicht ganz vom Tisch ist.

CLUSTERANALYSE:
Bei t+120…168h (Mittwoch (0 UTC) bis Freitag (0 UTC)) werden 5 Cluster mit
unterschiedlichen Regimen angeboten. Trog, sich abspaltendes Höhentief und
räumliche Zuordnungen davon differieren dabei deutlich, was die bereits in den
Abschnitten zuvor gefundenen Diskrepanzen unterstreicht und die Vorhersage
unsicher macht. Bei C1, C2 und C5 mit 18, 17 und 5 Mitgliedern wird übrigens
kein Höhentief simuliert, was dieses auf sehr wackelige Füße stellt.
Bei t+192…240h (Samstag (0 UTC) bis Montag (0 UTC)) gibt es zwar nur noch 3
Cluster, das Spektrum reicht über Mitteleuropa dann aber von Höhentief oder
Rücken über uns bis hin zu Langwellentrog östlich von uns. Böse Zungen würden
sagen: „Nix Genaues weiß man nicht“.

FAZIT:
Die Milderung bis zum Dienstag bei leicht wechselhaftem Wetter wird stabil
gerechnet. Ab Mittwoch zeigen die Modellergebnisse keinen eindeutigen Trend,
vieles ist möglich. Ein neuerlicher Kaltlufteinbruch scheint aber aufgrund der
Mehrzahl der Modelle und vor allem der Muster der vergangenen Wochen eher
wahrscheinlich. Auf welche Art dieser zustande kommt, wird sich erst noch zeigen
müssen. Dass dieser eher zyklonal daher kommt, ist nicht unwahrscheinlich. Das
mögliche Windereignis in der Nordhälfte Deutschlands am Donnerstag/Freitag
könnte sich mit den nächsten Modellläufen bald wieder als „laues Lüftchen“ bzw.
als „Luftnummer“ herausstellen, sollte aber natürlich weiter beobachtet werden.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Das einzige mögliche markante Wetterereignis bezieht sich auf dem vom EZMW vom
Hauptlauf angedachten möglichen Sturm am Donnerstag/Freitag. EFI zeigt dabei
jedoch keine Auffälligkeiten, auch die weiteren Modellergebnisse lassen vorerst
nicht auf ein größeres Windereignis schließen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX. Zum Ende hin eher EZMW, da im MOSMIX zu viel „Klima“ ist
und die Abkühlung möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt wird.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler

SXEU31 DWAV 141800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 15.04.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 151800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 15.04.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Heute Nacht im östlichen Bergland Schneefall und verbreitet Frost. In den
kommenden Tagen weiterhin viele Wolken, leicht unbeständig und nur sehr zögernd
milder.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … befindet sich ein umfangreiches Höhentief über dem zentralen Europa,
das insgesamt drei Kerne aufweist (über der Ukraine, Ungarn und dem Jura).
Dagegen erstreckt sich eine Brücke hohen Potentials von einem atlantischen
Höhenrücken über Skandinavien hinweg bis nach Nordrussland. Das zugehörige
Bodenhoch hat seinen Schwerpunkt über Skandinavien und erstreckt sich nach
Südwesten bis zur Biskaya und nach Nordosten bis in den Norden Russlands.
Bodennah befindet sich ein Tief im Süden Weißrusslands. Zwischen diesen Systemen
fließt aus Nordosten eine für die Jahreszeit sehr kalte Luftmasse ein, die in
850 hPa gerade mal um -6 Grad aufweist. An der Westflanke des Tiefs greift aber
allmählich Warmluftadvektion auf den Osten Deutschlands über, so dass dort
geschlossene Bewölkung aufzieht und von Oder und Neiße her Regen einsetzt. Über
der Mitte und dem Süden Deutschlands ist die Schichtung noch labil, dort hat es
tagsüber zahlreiche Schauer gegeben, die aber nicht sehr hochreichend waren und
dementsprechend schwach ausfielen.

In der kommenden Nacht lösen sich die Quellwolken rasch wieder auf, so dass es
über dem Westen und Süden zeitweise klar wird. Von Osten greifen aber die durch
die WLA entstehenden hohen und mittelhohen Wolken immer weiter nach Westen aus,
so dass diese Wolken bis zum Morgen fast ganz Deutschland überdecken.
Regenfälle, respektive Schneefall greift von Brandenburg und Ostsachsen west-
und südwestwärts aus und kommt über der Mitte des Landes mindestens bis zur Rhön
voran. Vor allem in Sachsen, Ostthüringen und Nordbayern kann bis in tiefe Lagen
Schnee fallen, der auch liegen bleibt. Vor allem vom Lausitzer Bergland bis zum
Westerzgebirge muss mit 2 bis 5 cm Neuschnee gerechnet werden, in höheren Lagen
auch bis zu 10 cm. Richtung Flachland sowie in den Mittelgebirgen nach Westen
hin fällt etwas weniger Schnee. In großen Teilen des Landes, vom Nordosten
abgesehen, muss in der Nacht zum Freitag wieder mit leichtem Frost gerechnet
werden. Glättegefahr besteht aber – abgesehen von den Schneefallgebieten – nur
in den relativ unwahrscheinlichen Fällen, in den denen Restnässe nicht mehr ganz
verdunsten kann, vor die Belagstemperaturen unter 0 Grad sinken.

Freitag … zieht das westliche Höhentief südwestwärts Richtung Pyrenäen. Diese
Tatsache, zusammen mit der Warmluftadvektion von Osten, sorgt für Stabilisierung
der Schichtung, so dass am Freitag keine Schauer mehr entstehen. Dazu trägt auch
bei, dass die Sonnenanteile im Vergleich zum Vortag deutlich abnehmen und damit
auch vom Boden her keine Labilisierung stattfindet. Insgesamt dominieren also
viele Wolken, aus denen vor allem in einem Gebiet, das sich von der südlichen
Mitte in den Süden ausdehnt, auch noch leichte Niederschläge fallen, die im
Tagesverlauf weiter abnehmen. Insgesamt steigt das Temperaturniveau etwas an
(auf etwa -4 Grad in 850 hPa), so dass die Schneefallgrenze dann tagsüber eher
bei etwa 600 bis 700 m zu finden sein wird und Glättegefahr kein Thema mehr ist.
Mit etwas mehr Sonne darf man Richtung Nordsee und unmittelbar an den Alpen
rechnen. Die Höchstwerte erreichen mit leichter Sonnenunterstützung im
Nordwesten etwas über 10 Grad, in den trübsten Regionen vom Osten bis in den
Südwesten werden es wohl nur um die 5 Grad werden. Am Rande des Hochdruckgebiets
weht der Wind schwach bis mäßig aus Nord und bleibt weiterhin unter der
Warnschwelle.

In der Nacht zum Samstag ändert sich im Großen und Ganzen nicht viel. Von Osten
nähert sich ein neues Gebiet mit Warmluftadvektion dem Nordosten Deutschlands,
so dass sich dort nicht nur die Wolken noch mehr verdichten, sondern auch wieder
leichter Regen auf den Nordosten übergreift. In 850 hPa steigt dann auch die
Temperatur im Nordosten auf etwa 0 Grad an. Etwas kälter ist es noch im
östlichen Bergland, so dass dort in den Höhenlagen geringfügiger Schnee fallen
kann, wahrscheinlich in Lagen oberhalb etwa 400 m. Im Süden hört dagegen der
Niederschlag vollständig auf. Die größten Chancen auf Wolkenauflockerungen gibt
es weiterhin ganz im Nordwesten und an den Alpen. Insbesondere dort kann die
Temperatur noch einmal deutlich in den Frostbereich absinken. Ansonsten zeigt
MOS auch zur Mitte und im Westen noch leichten Frost, allerdings ist angesichts
der Bewölkung fraglich, ob die Temperatur noch einmal so weit absinkt. Im
Nordosten bleibt es unter den Wolken sicherlich frostfrei.

Samstag … ändert sich an der großräumigen Konstellation weiterhin nicht viel.
Der Höhentiefkomplex weist neben Kernen im westlichen Mittelmeer und in der
Ukraine neue Kerne über Polen (schwach ausgeprägt) und vor der Küste
Südnorwegens auf. Von Osten gelangt in den Nordosten noch etwas feuchtere Luft,
die zudem etwas labil geschichtet ist, so dass es dort im Laufe des Tages wieder
etwas verstärkt zu Schauern kommt. Ansonsten wird für die gesamte Osthälfte
weiterhin sehr viel Bewölkung simuliert, aus der vielleicht noch geringfügiger
Regen fällt. Schnee ist immer weniger ein Thema, da sich die Luftmasse langsam
weiterhin erwärmt. So werden in 850 hPa bis zum Abend zwischen -3 und +1 Grad
erreicht, mit den höchsten Werten in Ostseenähe. Das erlaubt auch im ganzen Land
allmählich wieder etwas höhere 2-m-Temperaturen. So werden im Westen, wo es
etwas mehr Sonne gibt, wieder beinahe jahreszeitgemäße 10 bis 14 Grad erreicht.
Unter den dichten Wolken bleibt es meist bei 7 bis 11 Grad. Da sich auch an den
Bodendruckgebilden nicht viel ändert, bleibt es bei dem schwachen bis mäßigen
Nordwind.

In der Nacht zum Sonntag zieht der schwache Höhentiefkern von Polen Richtung
Ostdeutschland. In Kombination mit der sehr feuchten Luftmasse hält vom Osten
bis zur Mitte die Schauertätigkeit an. Wolkenauflockerungen kann es dagegen ganz
im Norden, im Westen und im Süden geben. In Kombination mit dem allgemein
angestiegenen Temperaturniveau sollte Frost nur noch vereinzelt auftreten, vor
allem in höheren Lagen des Berglandes bzw. wenn es im Bergland mal auflockert.
Das Hochdruckgebiet zieht sich weit in den Nordosten zurück, während das Tief im
Südosten immer schwächer wird. Das hat zur Folge, dass sich über Deutschland der
Wind noch etwas abschwächt und teils fast einschläft, meist aber weiter aus
nördlichen Richtungen kommt.

Sonntag … bestimmt weiterhin das Höhentief das Wettergeschehen. Es zieht noch
etwas zur Mitte Deutschlands. Bodennah gelangen wir dagegen immer mehr in den
Bereich eines schwachen Keils des Hochs, dessen Schwerpunkt über Nordrussland zu
finden. Damit herrschen aber über Deutschland sehr schwache Windverhältnisse.
Das Höhentief sorgt zunehmend im ganzen Land für leichte Labilität, so dass der
Himmel allgemein von konvektiver Bewölkung geprägt ist, zwischen der auch ab und
zu mal die Sonne herauskommt. Allerdings wird es wieder zu einigen Schauern
kommen, auch wenn die Labilität nicht überbordend ist und bei 700 bis 600 hPa
die Obergrenze der Schauer erreicht ist. Ob dann auch einzelne Gewitter, wie von
ICON im Nordosten angedeutet wird, auftreten, ist fraglich. Mit der wieder etwas
milderen Luftmasse erreichen die Höchstwerte meist 10 bis 14 Grad, lediglich im
Süden zeigt MOS immer noch einstellige Werte. Damit befinden wir uns immer noch

  • im Vergleich zum jahreszeitlichen Mittel – selbst wenn man das alte Mitte
    61-90 nimmt – im leicht unterdurchschnittlichen Bereich.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Detail gibt es durchaus leichte Unterschiede zwischen den Modellen. So werden
die Niederschlagsgebiete teils leicht unterschiedlich positioniert. Zudem fällt
auf, dass am Samstag IFS das Höhentief schwächer ausgeprägt zeigt als ICON und
GFS.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Peter Hartmann

SXEU31 DWAV 141800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 14.04.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 14.04.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Keine markanten Entwicklungen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … tropft ein Langwellentrog über Mitteleuropa ab. Das entstehende
Höhentief zieht langsam südwärts, wird dabei etwas in die Länge gezogen und
nimmt mehr und mehr eine zonale Orientierung ein. Die Höhenströmung dreht
dadurch auf Ost bis Südost.
Ein Höhenrücken über Nordwesteuropa stützt an der Flanke des Troges ein
Hochdruckgebiet bei den Britischen Inseln, das sich nach Skandinavien ausdehnt.
Dabei gelangt aus Nordosten kalte und instabil geschichtete Luft nach
Deutschland, die in 850 hPa Temperaturen um -7°C aufweist, in 500 hPa -30 bis
-35°C. Lediglich im Nordosten setzt durch aufkommende Warmluftadvektion
Stabilisierung und Erwärmung in der mittleren Troposphäre ein.
Die letzten abendlichen Schauer fallen rasch in sich zusammen, nur in Staulagen
an den Alpen sowie den östlichen Mittelgebirgen schneit es zeitweise leicht mit
geringen Mengen, eventuell fallen an den Alpen 1 bis 3 cm in 12 Stunden.

Gebietsweise lockert die Wolkendecke stärker auf, sodass es wieder eine kalte
Nacht wird mit Minima von 0 bis -7°C. Ausgenommen davon sind die Küstenregionen
und eventuell der äußerste Nordosten, wo die Warmluftadvektion von Polen her
hohe und mittelhohe Bewölkung aufkommen lässt. Niederschläge gibt es noch nicht.

Der Wind weht schwach aus Nord bis Nordost. Glätte durch gefrierende Nässe wird
vor allem im Bergland ein Thema, ansonsten trocknet örtliche Nässe nach den
Schauern schnell ab.

Nach Nord- und Südwesten zu besteht bei teils klarem Himmel leichte
Nebelneigung.

Donnerstag … verläuft das umfangreiche Höhentief von Frankreich über
Süddeutschland und dem Alpenraum zur Ukraine. An dessen Nordflanke werden
Hebungsfelder von Ost nach West über Deutschland geführt, die vor allem über dem
Norden und Osten auf Warmluftadvektion zurückzuführen sind.
So breiten sich denn auch teils kompaktere Wolken auf den Osten und die Mitte
aus und vor allem Richtung Lausitz und im Erzgebirge dürfte es im Tagesverlauf
leichte Niederschläge geben, die tagsüber oberhalb von 400 bis 600m als Schnee
fallen. In Hochlagen ist Glätte durch Schneematsch nicht ausgeschlossen.
Die höhenkalte Luft mit T500<-30°C zieht sich in den Südwesten zurück, sodass es
zwar auch über dem Mittelgebirgsraum schwache Schauer geben kann, vor allem über
dem Südwesten sind aber auch noch kurze Gewitter möglich.

Ansonsten bleibt es bei teils längeren Aufheiterungen im Westen und Norden und
nur flacher Quellbewölkung meist trocken. Der Wind weht schwach aus Nord bis
Nordost bei Höchstwerten von 6 bis 11 Grad, im Niederschlag zwischen 2 und 5
Grad. Nur im Osten, im Übergangsbereich zu einem Tief über der Ukraine, kann der
nördliche Wind etwas zulegen, warnwürdig wird er auch dort eher nicht.

In der Nacht zum Freitag zerfällt das Höhentief in eines über Frankreich und ein
weiteres im Raum Rumänien/Ukraine, woraufhin über Deutschland die Strömung
antizyklonaler wird und sich die Warmluftadvektion abschwächt.
Die stärkere Bewölkung und die leichten Niederschläge breiten sich noch etwas
nach Südwesten aus, zumindest nach Lesart ICON/EURO4, die Niederschläge werden
dabei aber immer schwächer.
Vor allem im Bergland, am ehesten im Erzgebirge oder im Bayerischen Wald, kann
es geringen Neuschnee geben. Abseits davon klart es teilweise auf und dann muss
wieder mit leichtem Frost, aber eher nicht mit Glätte gerechnet werden. Lokal
kann sich bei Aufklaren Nebel bilden.

Freitag … vollziehen die beiden Höhentiefs über Frankreich und der Ukraine nur
eine leichte Drehung um den gemeinsamen Schwerpunkt. Die Höhenströmung dreht
entsprechend etwas nach Nordost. Leichte Hebung, durch Warmluftadvektion und
kurzwellige Tröge, sorgt vor allem im Süden für mehr Bewölkung, ohne dass
nennenswerte Niederschläge auftreten.

Kräftige Warmluftadvektion über Nordwest- und Nordeuropa stützt weiter die
dortige Hochdruckzone, sowohl am Boden, als auch in der Höhe. Somit sind die
Änderungen in der Strömungskonfiguration insgesamt nur gering.
Bei geringen Druckunterschieden muss nicht mit warnrelevantem Wind gerechnet
werden, wir liegen unter einer eher schwachen nordöstlichen Strömung, womit
allerdings nun etwas weniger kalte Luft zu uns gelangt. In 850 hPa steigen die
Werte auf -5°C über dem Südwesten und bis 0°C über dem Nordosten.
Längere sonnige Abschnitte sind im Norden aufgrund der Nähe zum Hoch am
wahrscheinlichsten, aber auch im Westen, in Teilen der Mitte sowie im äußersten
Südwesten zeichnen sich größere Auflockerungen ab. Die etwas höheren
Temperaturen in der unteren Troposphäre werden teilweise durch die zunehmende
Bewölkung kompensiert, so dass die Temperatur mit maximal 6 bis 12°C unter den
durchschnittlichen Werten verbleibt.

In der Nacht zum Samstag ändert sich die Druck- und Geopotentialverteilung kaum.
Durch einen Kurzwellentrog, der mit schwacher Warmluftadvektion an der
Nordflanke des Höhentiefs nach Westen zieht, kann im Osten Niederschlag
aufkommen. Oberhalb 400 bis 600 m dürfte im Erzgebirgsraum meist Schnee fallen.
Ob die Schneefallgrenze zum Morgen schon deutlicher steigt, ist unsicher.
Starke Bewölkung, die bis in die mittleren Landesteile ausgreift, lässt leichten
Frost in tiefen Lagen unwahrscheinlicher werden. Ansonsten klart es teilweise
auf. Wo dass der Fall ist, gibt es wieder leichten Frost.

Samstag … liegen wir weiter zwischen dem Höhentief, ausgehend vom
westlichen Mittelmeerraum bis zur Ukraine und einem Höhenrücken von GB über die
Nordsee nach Skandinavien in einer nordöstlichen Strömung. Am Rand des kräftigen
blockierenden Hochs über Nordeuropa gelangen weiter kalte Luftmassen zu uns.
Da an der Nordflanke des Höhentiefs durch flache Kurzwellentröge und leichte
Warmluftadvektion etwas Hebung ausgelöst wird, breiten sich wieder teils dichte
Wolken und schwache Niederschläge über den Osten und die Mitte aus. Im höheren
Bergland oberhalb von 600 bis 800m ist die feste Phase denkbar.
Freundlicher mit weniger Wolken und trocken bleibt es im Westen und Nordwesten
des Landes. Dort wird es mit 11 bis 14 Grad auch am wärmsten, während in den
grauen Regionen es teils unter 10 Grad frisch bleibt.

Nachts muss vor allem im Bergland gebietsweise mit Frost und häufig Bodenfrost
gerechnet werden, auch die betroffenen Bereiche langsam kleiner werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Entwicklung ist in groben Züge unstrittig. Im Detail ergeben sich
Unwägbarkeiten, vor allem was das Verhalten der kurzwelligen Tröge und der
Niederschläge angeht.
Am weiter unterkühlten und eher niederschlagsarmen Wetter, bestehen aber keine
Zweifel.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

SXEU31 DWAV 131800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Dienstag, den 13.04.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 13.04.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Weiterhin leicht unbeständig mit einzelnen Schauern, teils mit Schnee,
vereinzelt auch mit Graupelgewittern. Dazu kalt, nachts verbreitet Frost.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland im Einflussbereich eines Langwellentroges,
der vom Nordmeer über Skandinavien und Mitteleuropa bis zur Adria reicht. Dieser
wird flankiert von Höhenrücken über Russland und über West- bzw. Nordwesteuropa,
von dem sich allmählich ein Höhenkeil über die Norwegische See Richtung
Südskandinavien ausweitet, wodurch sich der Trog über Südschweden abzuschnüren
beginnt und mit seinem Südteil allmählich Richtung Balkan vorankommt.
Mit dem Trog hat sich über dem gesamten Vorhersagegebiet höhenkalte maritime
Polarluft breitgemacht, die labil geschichtet ist. In 500 hPa liegen die
Temperaturen zwischen -30 und -35 Grad, in 850 hPa zwischen -5 und -8 Grad. Die
Folge war eine rege Schauertätigkeit einerseits im Bereich der höhenkältesten
Luftmasse über der Nordhälfte des Landes, andererseits mit etwas kräftigerer
dynamischer Hebung knapp vorderseitig der Trogspitze im Süden, vereinzelt gab
bzw. gibt es kurze Graupelgewitter, ab etwa 200 bis 400 m fallen die Schauer
auch als Schnee.
Im Laufe der Nacht klingen die Schauer tagesgangbedingt (also mit Auskühlung der
Grenzschicht und damit abnehmender Labilität) allgemein ab, über Süddeutschland
kommt auch die Trogspitze etwas nach Südosten voran, so dass dort der
zusätzliche dynamische Input ebenfalls fehlt. Vor allem an den Küsten kommt die
Schauertätigkeit aber wohl nicht komplett zum Erliegen. Auch an den Alpen
schneit es noch zeitweise, da sich ein von Benelux und Nordfrankreich nach
Westdeutschland gerichteter Bodenhochkeil noch etwas verstärkt und sich nach
Südosten ausweitet, wodurch vorübergehend die Staukomponente mehr wirksam werden
kann. 1 bis 5 cm, nach Osten zu in Staulagen bis nahe 10 cm Neuschnee können
dort noch zusammenkommen, bevor auch dort die Schneefälle von Westen her weiter
nachlassen.
Ansonsten lockern die Wolken aber im Laufe der Nacht weiter auf, vor allem im
Bereich des Hochkeils im Westen und Südwesten klart der Himmel auch vielerorts
auf. Der anfangs noch böige West- bis Nordwestwind an den Küsten flaut weiter ab
und verbreitet sinken die Temperaturen in den Frostbereich. In einigen
Mittelgebirgstälern und Senken kann es auch mäßigen Frost bis -7 Grad geben.
Frostfrei bleibt es am ehesten bei auflandigem Wind an den Küsten sowie dort, wo
sich noch längere Zeit dichtere Wolkenfelder halten. Gebietsweise tritt Glätte
durch Überfrieren auf, am ehesten im Alpenvorland und dort, wo es am Abend noch
Schauer gegeben hat.

Mittwoch … weitet sich der Höhenkeil über Südwestnorwegen und Mittelschweden
zur mittleren Ostsee aus und nimmt Verbindung auf zu einem von Westrussland bis
zum Baltikum reichenden Höhenrücken. Der Höhentrog wird somit komplett über
Mitteleuropa abgeschnürt, das Drehzentrum des Höhentiefs befindet sich abends in
300 bzw. 500 hPa ziemlich genau über der Mitte Deutschlands, eventuell auch in
Form eines Dipols mit einem weiteren Zentrum über Norddeutschland.
Wie auch immer, der gesamte Höhentiefkomplex bleibt angefüllt mit hochreichend
labil geschichteter maritimer Polarluft, wobei sich die höhenkälteste Luftmasse
(um -35 Grad in 500 hPa) über Nordwestdeutschland allmählich nach Süden
vorarbeitet.
Das durch den Rücken gestützte kräftige Bodenhoch mit Schwerpunkt über den
Britischen Inseln ändert seine Lage kaum, wobei der nach Mitteleuropa gerichtete
Keil allerdings etwas abgebaut wird. An dessen Ostflanke gelangt von Norden her
auch niedertroposphärisch nach wie vor kalte Luft aus dem skandinavischen Raum
nach Deutschland (T850 hPa weiterhin bei -5 bis -7 Grad). Somit können sich mit
dem Tagesgang erneut verbreitet, allerdings meist unergiebige Regen-,
Schneeregen- und Graupelschauer entwickeln, oberhalb von etwa 200 bis 400 m
fallen die Schauer als Schnee (wegen der warmen Böden und der diffusen Strahlung
ohne nennenswerte Akkumulation von Neuschnee und höchstens nur kurzzeitig
auftretender Glätte durch Schnee- und Graupelmatsch) und auch kurze Gewitter mit
Böen Bft 7 sind weiterhin nicht ausgeschlossen. Der Schwerpunkt der
Schauertätigkeit dürfte sich im Nordwesten sowie im westlichen bzw. zentralen
Mittelgebirgsraum befinden, dennoch sind die Schauer wohl noch inhomogener
verteilt als am heutigen Dienstag.
Zwischen den Schauern lässt sich auch immer wieder mal die Sonne blicken, am
häufigsten wohl an den Küsten (wo etwas Skandinavienföhn wirksam ist) und im
Südwesten sowie zwischen Main und Donau. An den Höchsttemperaturen (5 bis 9
Grad, mit mehr Sonne im Südwesten knapp darüber, im Bergland bzw. an den Alpen
etwas darunter) ändert sich gegenüber heute nur wenig.

In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich der Höhentiefdipol vor allem mit
seinem Nordwestteil nach Süden, nimmt eine zonale Ausrichtung an und wird dabei
in die Länge gezogen. Donnerstagfrüh sind in 500 hPa sogar drei Drehzentren
(über Süddeutschland, über Ostösterreich und westlich der Krim) auszumachen.
Damit dreht die Höhenströmung über der Nordhälfte des Landes auf Ost und von
Polen her setzt später im Nordosten zumindest mitteltroposphärisch
Warmluftadvektion ein, was dort zu einer deutlichen Stabilisierung der Luftmasse
führt.
Aber auch sonst klingen die Schauer im Laufe der ersten Nachthälfte rasch ab,
etwas länger dauert es noch an den Alpen, wo erneut wenige Zentimeter Neuschnee
fallen können. Vor allem zwischen Mosel, Main und Donau klart der Himmel häufig
auf, ansonsten bleibt es aufgelockert, teils gering bewölkt, in die Osthälfte
ziehen mit der WLA von Polen her allerdings allmählich etwas dichtere hohe und
mittelhohe Wolkenfelder. Erneut gibt es verbreitet leichten, in ungünstigen
Lagen auch mäßigen Frost und stellenweise Glätte. Frostfrei bleibt es oft an den
Küsten, aber auch unter den dichteren Wolken Richtung Oder und Neiße.

Donnerstag … zieht sich das Höhentief weiter in die Länge und nimmt eher die
Form einer Potenzialrinne an, die sich – bestückt mit weiterhin grob drei
Drehzentren – von Ostfrankreich über Südwestdeutschland und dem Ostalpenraum bis
nach Rumänien bzw. zur südwestlichen Ukraine erstreckt. Somit dreht die
Höhenströmung fast über dem gesamten Vorhersagegebiet auf östliche Richtungen
und die mitteltroposphärische WLA sorgt auch im Nordwesten und in den mittleren
Landesteilen zunehmend für Stabilisierung.
Derweil weitet sich das Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln bis nach
Skandinavien aus und verlagert seinen Schwerpunkt bis zum Abend in etwa zur
Haltenbank, wobei sich ein Hochkeil bis nach Nordwestrussland erstreckt. An der
Nordostflanke des langgestreckten Trogkomplexes verstärkt sich ein Bodentief
über dem Westen der Ukraine An dessen Westflanke intensiviert sich auch
niedertroposphärisch die WLA, die dadurch induzierten Hebungsprozesse machen
sich zunehmend bis ins Vorhersagegebiet anhand dichterer Wolkenfelder bemerkbar,
die sich von Osten her rasch auf die mittleren und am Nachmittag bzw. Abend
allmählich auch auf die westlichen/nordwestlichen Landesteile ausweiten. Von
Polen her greifen leichte Niederschläge im Tagesverlauf auf die Lausitz und
später auch auf Erzgebirge über. Niedertroposphärisch kann sich die mildere Luft
noch nicht durchsetzen, die 850 hPa-Temperatur liegt am Abend weiterhin zwischen
-5 und -7 Grad. Somit kann es vor allem im Zittauer Gebirge und am Erzgebirge
oberhalb von etwa 200 bis 400 m auch etwas schneien. Vor allem nach Osten zu
verschärft sich der Gradient etwas und somit frischt der Wind von Vorpommern bis
zum Erzgebirge aus nördlichen Richtungen auf. Eventuell reicht es nahe der
Grenze zu Polen für einzelne steife Böen (Bft 7).
Die Höhenkaltluft (weiterhin -30 bis -35 Grad) wird mehr und mehr nach
Südwestdeutschland abgedrängt, wo sich im Tagesverlauf erneut einzelne
unergiebige Regen-, Schneeregen- und Graupelschauer entwickeln. Gewitter sind
wohl eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Im übrigen Land sollte es, bis auf vielleicht vereinzelte kurze Schauer im
zentralen Mittelgebirgsraum, weitgehend trocken bleiben, vor allem im
Nordwesten, Westen und Süden zeigt sich auch länger die Sonne. Die Temperaturen
steigen auf Werte zwischen 3 Grad bei dichter Bewölkung am Erzgebirgsnordrand
und bis auf 11 Grad mit Sonne am Niederrhein.

In der Nacht zum Freitag wird die noch schmaler werdende Potenzialrinne noch ein
wenig nach Süden abgedrängt und im ganzen Land setzt sich eine ostnordöstliche
Höhenströmung durch, wobei vor allem über dem Osten und der Mitte des Landes
mitteltroposphärisch WLA nach wie vor nur wenig dynamischen Hebungsantrieb
liefert.
Das Bodenhoch kann sich mit seinem Schwerpunkt über dem mittleren Norwegen bzw.
Schweden noch etwas verstärken, während das Tief über der Ukraine ein wenig nach
Westen vorankommt. Entsprechend breiten sich auch die Niederschläge in der
Lausitz und im östlichen Mittelgebirgsraum noch etwas westsüdwestwärts aus und
erfassen noch den Thüringer Wald sowie den Nordosten Bayerns. Dabei werden meist
1 bis 5 mm in 12 Stunden simuliert, von der Lausitz bis zum Vogtland nach Lesart
des aktuellen ICON-EU-Laufes auch mehr. Da sich die WLA niedertroposphärisch
lediglich im äußersten Nordosten temperaturtechnisch bemerkbar macht (T850 hPa
in Vorpommern schon bei -2 Grad, im Vogtland aber noch bei -6 Grad), fällt der
Niederschlag vor allem im östlichen Bergland sowie in Nordbayern teilweise bis
in tiefe Lagen als Schnee, in Staulagen des Erzgebirges kommen gebietsweise mehr
als 5 cm Neuschnee zusammen.
Im übrigen Land bleibt es dagegen weitgehend trocken, auch im Südwesten und an
den Alpen klingen die Schauer eingangs der Nacht rasch ab. Insgesamt bleibt es
bewölkter als in den Vornächten, so dass wohl nicht mehr so verbreitet Frost
auftritt.
Der Wind weht vor allem in der Osthälfte zumindest in höheren Lagen weiterhin
lebhaft aus nördlichen Richtungen, ob es auf exponierten Gipfeln der
Mittelgebirge aber für warnrelevante Böen reicht, ist fraglich.

Freitag … ändert sich an der großräumigen Konstellation der
Geopotenzialgebilde nur wenig, wobei die Potenzialrinne südlich des
Vorhersagegebietes mehr in eine Südwest-Nordost-Richtung kippt und die
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet allmählich auf Nordost dreht. Das
Bodenhoch erstreckt sich weiterhin vom Süden der Britischen Inseln über die
Nordsee nach Skandinavien und von dort aus weiter nach Nordwestrussland, während
das Tief über der Ukraine etwas nach Norden, Richtung Weißrussland vorankommt.
Somit gelangen bodennah von Nordosten her weiterhin kalte Luftmassen aus dem
skandinavisch-baltischen Raum ins Vorhersagegebiet. Dabei macht sich von Polen
her mitteltroposphärisch im Tagesverlauf ein weiterer WLA-Schub bemerkbar. Die
leichten Niederschläge über der östlichen Mitte kommen noch etwas nach Süden
voran, weiten sich ein wenig nach Westen aus, schwächen sich aber insgesamt ab.
Dabei werden in Bayern zwischen Main und Donau sowie in Sachsen noch wenige mm
Niederschlag simuliert, die bei nur wenig niedertroposphärischer Erwärmung (auf
etwa -4 bis -5 Grad in 850 hPa) oberhalb von etwa 400 m noch teilweise als
Schnee fallen, aber auch in höheren Mittelgebirgslagen nicht zu einer
nennenswerten Akkumulation von Neuschnee reichen dürften.
Mit dem neuen WLA-Schub kann es am Nachmittag/Abend Richtung Oder und Neiße
erneut etwas regnen.
Im übrigen Land bleibt es dagegen weitestgehend trocken und vor allem im Norden
und Nordwesten, aber auch ganz im Südwesten scheint neben hohen/mittelhohen
Wolkenfeldern auch häufig die Sonne. Der Wind frischt landesweit im Tagesverlauf
ein wenig aus Nord bis Nordost auf, dabei kann es an der ostvorpommerschen Küste
an auflandigen Abschnitten eventuell auch steife Böen geben. Insgesamt wird es
geringfügig milder als an den Vortagen, die Höchsttemperaturen erreichen Werte
zwischen 5 Grad bei meist trübem Himmel am Erzgebirgsnordrand und 12, vielleicht
13 Grad mit Sonne im Nordwesten bzw. entlang des Rheins.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis einschließlich Donnerstag lassen sich kaum Modellunterschiede ausmachen,
zumindest sind diese nicht wirklich prognose- und warnrelevant.
Ab der Nacht zum Freitag und am Freitag tagsüber gibt es nach wie vor
Differenzen, die Warmluftadvektion und die damit korrespondierenden
Niederschläge in der „östlichen Mitte“ betreffend. GFS und ICON-EU haben dabei
in den aktuellen Läufen etwas höhere Mengen als das IFS-Lauf (von 00 UTC) auf
der Agenda und lassen die Niederschläge auch etwas weiter nach westen
vorankommen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff