#SXEU31 #DWAV #211800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 21.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 211800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 21.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Vorerst Wetterberuhigung. Sonntag zum Abend hin inneralpin einzelne Gewitter.
In der Nacht zum Montag im Westen und Südwesten aufkommend schauerartiger Regen,
teils auch Gewitter, zunächst mit geringer, am Montag auf die Mitte übergreifend
mit erhöhter Gefahr für Starkregen; auch Unwetter nicht ausgeschlossen. In der
Nacht zum Dienstag unter zögernder Abschwächung nach Nordosten und zu den Alpen
abziehend.
Am Dienstag im Südosten und dort vor allem an den Alpen noch Gewitter mit
geringer Wahrscheinlichkeit für Starkregen. Außerdem an der Nordseeküste kurze
Gewitter mit stürmischen Böen.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland am warmen Rand der Frontalzone, die vom mittleren
Nordatlantik über Schottland und das nördliche Mitteleuropa hinweg zur Ukraine
verläuft. Ein darin eingelagerter flacher Rücken wird in die Nordsee gesteuert,
was die Frontalzone über Deutschland noch etwas nach Norden drückt. Durch diesen
Rücken wird ein schwaches Hoch gestützt. Absinken in dessen Bereich bringt eine
Wetterberuhigung mit sich.
In der Nacht zum Sonntag wölbt sich der Rücken über der Nordsee noch etwas auf,
was durch kräftige Warmluftadvektion bedingt ist, die nordöstlich von Schottland
ansetzt. Das Bodenhoch, dass sich mit seinem Schwerpunkt in den Westen
Deutschlands verlagert, sorgt für eine schwachgradientige Lage, so dass sich
dort, wo es zuvor viel geregnet hatte, flache Nebelfelder bilden können. Etwas
Gradient bleibt aufgrund der nicht allzu weit entfernt liegenden Frontalzone
noch im Norden und Nordosten vorhanden, aber auch dort sollte der Wind nicht
mehr warnrelevant sein. Abgesehen vom Küstenbereich und von einigen tieferen
Lagen Südwestdeutschlands sind einstellige Temperaturminima zu erwarten.

Sonntag … erreicht der Rücken mit seiner breiten Achse unter weiterer
Aufwölbung bis zum Abend den Westen Deutschlands. Das korrespondierende
Bodenhoch verlagert sich unter Abschwächung mit seinem Schwerpunkt in den
Nordosten Deutschlands. Mit einer bodennahen nördlichen bis östlichen Strömung
gelangt eine stabil geschichtete und gemäßigte Luftmasse in den weitaus größten
Teil Deutschlands. Eine Ausnahme stellt der Südwesten und äußerste Westen dar.
In diese Gebiete wird wieder feuchtere und etwas labilere Luft herangeführt, was
den Gehalt an niederschlagbarem Wasser auf 25 bis 30 mm steigen lässt. Für etwas
Konvektion sollte es dank orografischer Unterstützung allenfalls inneralpin
reichen, aber auch dort ist die Wahrscheinlichkeit für Gewitter sehr gering.
Großräumiges Absinken im Randbereich des Bodenhochs bringt längere sonnige
Abschnitte mit sich und unterbindet wetterwirksame Konvektion. Lediglich im
Norden und Nordosten wird die Einstrahlung durch Sc-Felder gedämpft. In diesen
Gebieten bewegen sich die Temperaturen um 20 Grad, an der See werden nur Maxima
um 17 Grad erreicht. Ansonsten steigt die Temperatur auf 22 bis 26 Grad, wobei
es südlich der westlichen Mittelgebirge am wärmsten wird.

In der Nacht zum Montag verschiebt sich das Zirkulationsmuster etwas nach Osten.
Der Rücken erreicht mit seiner Achse den Osten Deutschlands. Das
korrespondierende und sich weiter abschwächende Bodenhoch ist dann über den
Baltischen Staaten zu finden. Ein nachfolgender markanter Trog nähert sich unter
Ausweitung nach Süden Irland und der Biskaya. Das ergibt eine südwestliche und
aufsteilende Strömung, die sich auch über dem Westen und der Mitte Deutschlands
durchsetzt. In diese Strömung läuft ein Kurzwellentrog hinein, der bis
Montagfrüh nach Mittelfrankreich vorankommt. Vorderseitige Hebung, die
hauptsächlich durch Warmluftadvektion induziert wird (für positive
Vorticityadvektion liegt der Trog noch zu weit im Westen) lässt kompakte
Bewölkung und im Westen und Südwesten schauerartige Niederschläge aufkommen. Die
Schichtung wird zusehends labiler, so dass einzelne Gewitter eingelagert sein
können. Die Starkregengefahr ist dabei vorerst gering.
Ansonsten hält sich noch antizyklonaler Einfluss; östlich der Weser dürfte es
aufklaren, so dass sich dort noch einmal einstellige Temperaturminima
einstellen. Unter Wolken wird es mit 16 bis 11 Grad nicht so kühl.

Montag … erreicht der o.g. Trog die Britischen Inseln und Galizien, der
vorlaufende Kurzwellentrog greift, wenngleich unter Abschwächung, auf den Westen
und Südwesten Deutschlands über. Da sich der zuvor wetterbestimmende Rücken nach
Osten verabschiedet, setzt sich über dem gesamten Vorhersagegebiet eine
südwestliche Strömung durch. Hierdurch erfasst feuchtlabile Luft den gesamten
Westen, Süden und die mittleren Gebiete Deutschlands. Der Flüssigwassergehalt
steigt auf 30 bis 35 mm, mehr als 1000 bis knapp 2000 J/kg CAPE werden
generiert, so dass die nächste Gewitterlage bevorsteht. Zudem liefert zur
tagesgangsbedingt aktivsten Zeit der übergreifende Kurzwellentrog den noch
fehlenden Hebungsantrieb. Durch diesen Kurzwellentrog wird die Entwicklung eines
flachen Tiefs induziert, das sich von Nordostfrankreich über die Eifel hinweg
bis zum Abend nach Südhessen verlagert. Eine bodennahe Windkonvergenz ist
hierdurch gegeben. An der Südflanke dieses Tiefs frischt der Wind auf und dreht
auf Südwest bis West. Im Südwesten sind dann in freien Lagen Windböen bis Bft 7,
im südwestdeutschen Bergland stürmische Böen und auf Schwarzwaldgipfeln
Sturmböen bis Bft 9 zu erwarten.
Hinsichtlich der Frage, inwieweit Unwetter zu erwarten sind, bietet sich ein
Vergleich mit der Lage vom Freitag, den 20.05., an. Gegenüber der Konstellation
vom vergangenen Freitag ist der Flüssigwassergehalt etwa 5 mm geringer, die
Schichtung ist nicht ganz so labil und es wird weniger CAPE generiert, was der
bereits vorhandenen Bewölkung und der hierdurch stark reduzierten Einstrahlung
zuzuschreiben ist. Nicht zuletzt ist die Scherung (die immerhin noch
signifikante Werte aufweist) deutlich verringert. Das betrifft sämtlich Niveaus
und sowohl die Richtungs- als auch aufgrund des schwächeren Oberwindes die
Geschwindigkeitsscherung.
Dennoch sind die Voraussetzungen gegeben, dass abgesehen vom Norden und
Nordosten hochreichende Konvektion in Form von Gewittern zustande kommt. Mit
hoher Wahrscheinlichkeit tritt Starkregen auf, Unwetter sin zwar nicht so
wahrscheinlich wie am Freitag, sind aber durch heftigen Starkregen und im Süden
auch durch größeren Hagel nicht auszuschließen. Mit der Annäherung des flachen
Bodentiefs nimmt im Tagesverlauf die Scherung zu, was eher organisiertere
Strukturen hochreichender Konvektion wahrscheinlicher werden lässt, die durchaus
auch staffelartig auftreten und mit Sturm- bzw. schweren Sturmböen einhergehen
können. Für stärkere Böen ist der Oberwind wahrscheinlich zu schwach. Auch
rotierende Erscheinungen können nicht ganz ausgeschlossen werden. Die
niedertroposphärische Scherung ist hierfür durchaus hinreichend, wenngleich die
anderen Voraussetzungen hierfür nicht so optimal sind wie vor ein paar Tagen.
Im Norden und Nordosten bleibt noch der Einfluss des Bodenhoch, das von den
Baltischen Staaten ins westliche Schwarzmeergebiet reicht, bestehen. Absinken
unterbindet dort weitgehend die Bildung konvektiver Bewölkung.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen je nach Sonnenscheindauer 23 bis 28, an
der Küste Werte um 20 Grad.

In der Nacht zum Dienstag wird der vorlaufende Kurzwellentrog unter Auffüllung
in den Ostseeraum gesteuert. Der Haupttrog schwenkt in die Nordsee und erfasst
dabei den Nordwesten und den äußersten Westen Deutschlands. Die
trogvorderseitige Hebung könnte stärker in Erscheinung treten, allerdings wird
die durchaus markant positive Vorticityadvektion durch kräftige
Kaltluftadvektion nahezu kompensiert. Demzufolge reicht es an der Nordsee und im
westlichen Bergland nur für ein paar Schauer.
Mit der auf Süd-Südwest drehenden Strömung wird das flache Bodentief rasch von
dem vorlaufenden Kurzwellentrog überlaufen und wandelt sich unter Auffüllung in
eine Tiefdruckrinne um. Diese überquert mit Beginn der zweiten Nachthälfte die
Elbe und erreicht bis Dienstagfrüh die Warnow und die Neißemündung. Bis
Mitternacht zeichnet sich noch an der Vorderseite dieser Rinne kräftige Hebung
ab. Mit dieser erfassen die Gewitter bei rasch abnehmender Wahrscheinlichkeit
für Unwetter auch die nordöstlichen Landesteile. Bis Dienstagfrüh wird dann auch
die Gefahr für Starkregen geringer. Die dann einsetzende kräftige westliche
Strömung lässt an der See einzelne Windböen Bft 7 und auf exponierten
Berggipfeln der Mittelgebirge Sturmböen Bft 8/9 aufkommen.
Nachfolgend setzt durch Kaltluftadvektion nur eine vorübergehende
Wetterberuhigung ein. Im Süden und Südosten halten sich noch Reste feuchtlabiler
Luft, so dass neben den Schauern im westlichen Bergland und an der Nordsee auch
aus den Alpen heraus einzelne Gewitter auftreten können, wobei auch dort
Starkregen nicht ganz auszuschließen ist.

Dienstag … verbleibt der Nordwesten Deutschlands im Bereich eines über der
Nordsee liegenden Troges. Ein Teiltrog, der zuvor zu den Pyrenäen abgetropft
ist, ergibt im Zusammenspiel mit dem über der Nordsee liegenden Trog eine
südwestliche, nach Nordwesten hin zyklonal geprägte Strömung. Mit diesem Trog
gelangt der Nordwesten und der Küstenbereich unter eine leicht labil
geschichtete Luftmasse. Da sich aber über dem gesamten Vorhersagegebiet kräftige
Kaltluftadvektion durchsetzt, hält sich die Schauertätigkeit in Grenzen und
bleibt auf die küstennahen Gebiete und die nordwestlichen Landesteile
beschränkt. Für kurze Gewitter reicht es nur unmittelbar an der Nordseeküste,
wenngleich die Wahrscheinlichkeit auch dort relativ gering ist. Meist bleibt die
Konvektion flach, so dass rasch wechselnde Bewölkung, die meist aus Sc-Feldern
und Cu besteht, dominierend ist. Schauer sind weiter im Binnenland selten.
Allerdings lässt das mit dem Trog korrespondierende Bodentief, das nach
Südnorwegen gesteuert wird, den Wind auffrischen, der im Nordwesten mit Böen bis
Bft 7 durchaus warnrelevant wird. An der Nordsee (vor allem in Verbindung mit
kräftigeren Schauern oder kurzen Gewittern) und auf exponierten Berggipfeln sind
auch stürmische Böen möglich.
Bedingt durch die südwestlich Strömung erfasst die am Alpenrand und im äußersten
Südosten Deutschlands noch vorhandene feuchtlabile Luft wieder den östlichen
Mittelgebirgsraum, d.h. zumindest den Bayerischen Wald. Hierdurch kann von der
Bodenseeregion und vom Alpenrand bis zum Oberpfälzer Wald erneut schauerartiger
Regen aufkommen. In diesen Gebieten hält sich mehrschichtige Bewölkung. Vor
allem zu den Alpen hin können einzelne Gewitter eingelagert sein, wobei erneut
Gefahr von Starkregen besteht.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 17 bis 21, in Nordseenähe Werte um 15
Grad. Im Nordosten sind noch einmal bis 23 Grad zu erwarten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede
ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

#SXEU31 #DWAV #201800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 20.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 201800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 20.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Abend vor allem in der Mitte und im Osten sowie in Bayern teils schwere
Gewitter mit Großhagel, Starkregen über 25 mm in kurzer Zeit und schweren
Sturmböen oder orkanartigen Böen. Am späteren Abend auch in Süddeutschland
lokale Unwetter. In der 2. Nachthälfte Abzug der Gewitter.
Am Samstag im Nordosten noch vereinzelt Gewitter, aber auch außerhalb der
Gewitter exponiert stürmische Böen.
Am Sonntag ganz im Südwesten aufkommende teils markante Gewitter. Unwetter nicht
ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … zieht ein Gewittertief vom westlichen Niedersachsen rasch
ostnordostwärts. In seinem Warmsektor und an der Kaltfront des Tiefs ziehen
kräftige Gewitter ostnordostwärts, wobei schwere Gewitter, teils auch extreme
Gewitter dabei sind. Ursache ist eine feuchtlabile Luftmasse mit Cape-ML-Werten
zwischen 500 und 1200 J/Kg und PPWs zwischen 30 und 40 mm, die durch die
Vorderseite eines heranschwenkenden atlantischen Kurzwellentroges gehoben wird.
Die Achse des Troges erreicht bereits um 06 die Oder und das Bodentief mit einem
Kerndruck von fast 1000 hPa die Küste Polens.
Über Deutschland liegt es um 21 UTC an der Elbe südöstlich von Hamburg und um 00
UTC über Vorpommern. Wegen der hohen Scherungswerte (Deep-Layer-Shear teils bei
20 m/s) können auch Tornados dabei sein. An der Nordflanke des ostwärts
ziehenden Tiefs zeichnet sich ein Band mit 2 bis 3stündigem, durchaus auch
ungewittrigem Starkregen ab. Rückseitig dieses Tiefs kommen auch ohne Zutun der
Konvektion durch den kräftigen Gradienten Böen bis Sturmstärke zustande. Bis in
die Frühstunden des Samstags sind im Nordosten und Osten noch Windböen und an
der Küste sowie im östlichen Bergland stürmische Böen möglich.
In der zweiten Nachthälfte setzt eine rasche und nachhaltige Stabilisierung ein.
Zwar bringt dann im Norden der hereinschwenkende Trog noch etwas Labilität mit
sich, wodurch vor allem in Küstennähe ein paar Schauer zustande kommen. Auch an
den Alpen kann es in der labilen Luft, die dort gestaut wird, noch für Gewitter
reichen, wobei die Unwettergefahr bis Samstagfrüh zusehends geringer wird. Im
Westen und Südwesten können sich dort, wo es zuvor viel geregnet hat, flache
Nebelfelder bilden.

Samstag … gelangt Deutschland nach Abzug des Troges in den Genuss eines
flachen Rückens. Damit setzt sich landesweit stabilere und trockenere (mit einem
Flüssigwassergehalt zwischen 15 und 20 mm) Luft durch. Eine Ausnahme stellt noch
der Alpenrand dar, wo sich Reste leicht labiler Luft halten. Aber auch dort
sollte es mangels dynamischer Unterstützung nicht mehr für konvektive
Umlagerungen reichen. Die 2. Ausnahme bildet der Nordosten, wo im Randbereich
des Troges bis Mittag noch isolierte kurze Gewitter möglich sind. Im
Tagesverlauf schiebt sich aber von Westen ein Hochkeil herein. Zwischen diesem
und dem nach Litauen abziehenden Tief bleibt vor allem im Norden und Nordosten
ein kräftiger Gradient bestehen, so dass mit tagesgangbedingter Hilfe verbreitet
Windböen, an der See, in freien Lagen und in den Kamm- und Gipfellagen der
östlichen Mittelgebirge stürmische Böen zustande kommen. Bis zum Abend sollte
auch dort der Wind abnehmen.
Während über den Norden und die Mitte, bedingt durch die Nähe zur Frontalzone,
teils kompaktere Wolkenfelder hinweg ziehen, sind im Süden, abgesehen vom
Alpenrand, längere sonnige Abschnitte zu erwarten. In tieferen Lagen
Süddeutschlands werden bis 26, sonst in der Mitte und im Süden 20 bis 25 und im
Norden 15 bis 19 Grad erreicht.

In der Nacht zum Sonntag wölbt sich, gestützt durch über dem Nordmeer ansetzende
Warmluftadvektion, der Rücken über der Nordsee noch etwas auf, was über
Mitteleuropa eine antizyklonale nordwestliche Strömung ergibt. Das durch diesen
Rücken gestützte schwache Hoch, das aus dem Hochkeil hervorgegangen ist,
verlagert sich nach Deutschland, so dass sich, abgesehen vom Nordosten, eine
schwachgradientige Lage ergibt. Mit Ausnahme des Südwestens stellen sich dann
einstellige Temperaturminima ein. Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können
sich flache Nebelfelder bilden.

Sonntag … verlagert sich der Rücken unter weiterer Verstärkung nach
Deutschland. Da nach wie vor der Rücken leicht überströmt wird und diese
Strömung durch kurzwellige Fluktuationen geprägt ist, gelangt in den äußersten
Südwesten und Süden Deutschlands wieder labilere und feuchtere Luft, was bei
stark gedeckeltem CAPE den Flüssigwassergehalt dort auf etwa 30 mm steigen
lässt. Mit orografischer Unterstützung können sich über dem südwestdeutschen
Bergland und aus den Alpen heraus einzelne starke Gewitter entwickeln, Unwetter
(durch heftigen Starkregen und (schwere) Sturmböen) sind vorerst nur wenig
wahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen.
Im großen Rest des Landes dauert das Absinken im Bereich des sich mit seinem
Schwerpunkt nunmehr zur Ostseeküste verlagernden Bodenhochs an. Während der
Norden noch von Wolkenfeldern gestreift wird, sind ansonsten abgesehen vom
unmittelbaren Alpenrand längere sonnige Abschnitte zu erwarten. Die Folge ist
ein leichter Temperaturanstieg auf 22 bis 27, im Küstenbereich und im Nordosten
auf 15 bis 21 Grad.

In der Nacht zum Montag verlagert sich der Rücken mit seiner Achse zum östlichen
Deutschland, so dass erneut eine südwestliche Strömung resultiert. In diese
eingelagert greift ein markanter Kurzwellentrog auf Ostfrankreich über.
Vorderseitige Hebung erfasst dann den Westen und Südwesten, so dass auf den
westlichen Mittelgebirgsraum und den Südwesten einzelne und zum Teil heftige
Gewitter übergreifen, die mit Starkregen und bedingt durch den im 850 hPa-Niveau
auf 40 kt zunehmenden Oberwind, mit Sturmböen einhergehen können. Dabei nimmt
auch die niedertroposphärische Scherung wieder zu, was organisiertere Strukturen
hochreichender Konvektion verspricht. Ob es dann bereits wieder auch ohne
tagesgangsbedingte Unterstützung für unwetterartige Entwicklungen reicht, ist
noch nicht sicher, kann aber nicht ausgeschlossen werden.
Im weitaus größten Teil Deutschlands hält sich die stabil geschichtete gemäßigte
Luftmasse. Im Nordosten sind bei klarem Himmel noch einmal einstellige
Temperaturminima möglich.

Montag … Während der Höhenrücken nach Polen wandert, schwenkt der
Kurzwellentrog an seiner Westflanke zum östlichen Deutschland. Das zugehörige
Randtief eines Nordmeertiefs zieht von der Belgisch-Französischen Grenze nach
Norddeutschland und seine Warmfront erreicht den Osten Deutschlands.
Gleichzeitig zieht seine Kaltfront von Benelux nach Westdeutschland. Im
Warmsektor gelangt erneut ein Schwall schwülwarme Luft in die Südhälfte
Deutschlands mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 10 und 16 Grad mit den höchsten
Werten ganz im Süden. Dazu ist die Luft recht labil mit Cape-ML-Werten zwischen
400 und 750 J/Kg. Die Modelle simulieren außer im Nordosten in der Fläche meist
Regenmengen zwischen 2 und 9 l/qm, örtlich, vor allem im Mittelgebirgsraum auch
10 bis 20 l/qm. Kleinräumig ist auch Starkregen über 25 l/qm dabei. Die
Scherungswerte sind teils mäßig, die Deep-Layer-Shear teils auch kräftiger. So
sind etwa in der Südhälfte im Tagesverlauf wieder kräftige Gewitter unterwegs,
die örtlich eng begrenzt auch wieder unwetterartig sein können.
Im Norden fällt der Regen auch flächig ohne Gewitter.
Den meisten Sonnenschein bekommt noch der Osten ab, während sonst die Wolken
vorherrschen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 20 Grad an der See und 27
Grad in Südostbayern.

Modellvergleich und -einschätzung

Aktuell ist bis in die Nacht hinein Nowcasting angesagt, ehe am Wochenende
Wetterberuhigung angesagt ist.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 19.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 191800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 19.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Freitag über dem Norden und Mitte Schwergewitterlage mit Unwettern und allen
Begleiterscheinungen bis WU. Auch im Süden einzelne starke Gewitter, auf der
Zugbahn des Tiefs heftiger Starkregen bis Unwetter möglich. Am Wochenende wieder
ruhiger.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … schwenkt die Achse eines Höhenrückens langsam nach Südosten raus und
erstreckt sich im Laufe der kommenden Nacht vom westlichen Mittelmeer über
Italien zum Balkan.
An dessen Rand liegen wir in einer westsüdwestlichen Strömung, in der
kurzwellige Tröge auf der Vorderseite eines Langwellentroges über dem Atlantik
und eine von Nordwesten eindringende Tiefdruckrinne für eine deutliche Zunahme
der Zyklonalität sorgen.
In die Rinne eingelagert sind eine Konvergenzlinie und an der Rückseite eine
Kaltfront, die derzeit den Nordwesten erfasst haben und sich nachts schleifend
über den Norden legen.
Präfrontal hat sich die Zufuhr der sehr warmen bis heißen Luft aus Südwesteuropa
zu uns verstärkt, wobei sie feuchter und instabiler wird.
Das führt aktuell über dem Norden und Westen zu teils starken, auch linienhaft
organisierten Gewittern, die bei erhöhter Scherung (DLS 10 bis 15 m/s), CAPE (um
1500 J/kg) und PPWs um 35 mm auch unwetterartig ausfallen.
Auch aus den Alpen heraus, sowie orografisch getriggert auch sonst über
Süddeutschland haben sich einzelne starke Gewitter gebildet.

In der Nacht zum Freitag bildet sich in der bis Skandinavien reichenden Rinne
über der Ostsee ein Tief, wobei wie erwähnt die Kaltfront im Laufe der Nacht
über Norddeutschland ins Schleifen kommt.
Sie geht dort in die Warmfront einer Welle über, die sich unter der Vorderseite
eines markanten Randtroges bei Irland entwickelt und nach Nordfrankreich zieht.

Die Gewitter erreichen noch den Nordosten und Osten und schwächen sich dabei nur
zögernd ab. Sie verlassen uns später über die Ostsee nach Nordosten. Aber auch
im Süden können sich die Gewitter noch einige Zeit halten und in der zweiten
Nachthälfte können getriggert durch ein nächstes Hebungsgebiet neue Schauer und
Gewitter mit Starkregen auf den Südwesten übergreifen und dann via Mitte nach
Osten ziehen. Vor allem anfangs besteht Unwettergefahr, die letztlich auch im
weiteren Verlauf nicht gänzlich gebannt ist.
Die Nacht wird mild mit Frühwerten zwischen 20 und 13°C.

Freitag … greift der markante Randtrog auf Frankreich und die Nordsee über,
was uns unter seine diffluente Vorderseite bringt. Die Welle zieht dabei unter
Intensivierung ab den Mittagsstunden von NRW über das südliche Niedersachsen und
Brandenburg nach Osten, wo es in der Nacht zum Samstag Polen erreicht. An ihrer
Südflanke nimmt die Scherung über Deutschland weiter zu. Neben DLS bis 35 m/s,
sind auch niedertroposphärisch
hohe Scherungswerte um 20 m/s zu finden, begleitet von niedrigem HKN und hohen
SRH Werten, siehe auch Hodogramme.
Ansonsten sind die Luftmasseneigenschaften (PPW um 40 mm, Cape bis 1500 J/kg)
südlich der Welle ähnlich denen des Vortags, nun aber mit deutlich
„verbesserter“ Dynamik. Die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Superzellen
nimmt in der Warmluft zu und auch vereinzelte Tornados sind nicht
ausgeschlossen, wenn sich ab den Mittagsstunden von Westen wieder neue, teils
schwere Gewitter bilden, bzw. über Benelux aufziehen. Die Unwettergefahr steigt
vor allem in einem Streifen von NRW und Rheinland-Pfalz bis hinüber nach Sachsen
und Brandenburg an, sodass der Freitag den Höhepunkt der Schwergewitterlage
markieren dürfte. Im Westen sind zwar schon morgens Wolken da und mangels
Einstrahlung wird CAPE nicht mehr so üppig aufgebaut, hier dürfte es aber die
Dynamik richten.

Bei Oberwinden um 50 kt im Bereich der Welle sind neben heftigen evtl. auch
extremen Starkregen schwere Sturmböen und auch größerer Hagel mögliche
Begleiterscheinungen. Die Unsicherheiten sind was die Konvektion angeht noch
erheblich, je nach Organisationsgrad, in Linien oder bei Superzellen sind
Orkanböen möglich. Die Zugbahn der Welle simulieren die Modelle inzwischen aber
recht ähnlich. Auf der Spur des Tiefs sind nach anfänglich vielleicht ein paar
Blitzen auch unwetterartige Starkregenfälle bis in den extremen Bereich möglich,
wie sie von den deterministischen Modellen, aber auch von den EPS gestützt wird.

Im Süden ist die Unwettergefahr geringer, die Modelle sparen ihn teilweise
komplett aus, was aber auch nicht sehr wahrscheinlich sein dürfte. Die Luft ist
dort zwar trockener und die Höhe antizyklonal konturiert, bei sehr instabiler
Schichtung können sich aber auch dort (Orografie) einzelne Gewitter mit
Unwetterpotential vor allem durch Hagel und Starkregen bilden.

Am wenigsten passiert wohl deutlich nördlich der Zugbahn der Welle in gemäßigter
und recht stabiler Luft, wo zwar Regen durchzieht, der aber nicht warnwürdig
wird.
Auf der Rückseite des Tiefs dringt die Kaltfront über dem Westen beschleunigt
nach Süden vor, wobei an der Kaltfront und zum Tief hin auch abseits der
Gewitter Windböen und einzelne stürmische Böen, im Bergland Sturmböen möglich
sind.
Die Temperaturen steigen im Süden bis 33°C, ganz im Norden nur 20 bis 27°C und
direkt an der See werden wohl die 20°C nicht geschafft.

In der Nacht zu Samstag zieht das Wellentief Richtung Nordpolen ab, wobei auf
dessen Rückseite die Kaltfront rasch zu den Alpen vorankommt und die feucht
warme Gewitterluft durch gemäßigte und stabile Luftmassen von Nordwesten her
ersetzt werden.
Bevor es soweit ist, ziehen Gewitter, teils nicht gewittriger Starkregen
(eventuell noch WU) über den Norden und Nordosten ab und auch an der Kaltfront
sind vor allem anfangs starke, teils linienhaft organisierte Schauer und
Gewitter zu erwarten, die bis in den Süden vordringen. Mit Passage des
Tiefausläufers und an der Südflanke der Welle kann der Wind zum Teil stürmisch
auffrischen mit Sturmböen im höheren Bergland und vor allem anfangs auch bei
Gewittern.

Im Laufe der Nacht folgt über dem Norden der besagte Höhentrog mit labilerer
(höhenkalter) Luft und erneuten Schauern und einzelnen Gewittern, die aber kein
Unwetterpotential mehr besitzen. Dann kommen vor allem an den Küsten wieder
Windböen und einzelne stürmische Böen aus westlicher Richtung auf.

Samstag … nach Abzug der Frontalwelle und des Höhentroges wird die
Höhenströmung antizklonaler und von Frankreich her breitet sich eine
Bodenhochdruckzone nach Deutschland aus.
Die von Westen einströmenden gemäßigten und stabilen Meeresluftmassen gelangen
in den meisten Teilen unter Absinken. Südlich der Donau sind an der abziehenden
Kaltfront anfangs schauerartige Regenfälle möglich, aber wohl keine Gewitter
mehr. Im Tagesverlauf lockern die Wolken auch dort stärker auf.
Im Norden ist die Schichtung rückwärtig des Troges zunächst instabil mit
Schauern und einzelnen, durch stürmische Böen auch markanten Gewittern. Bei
Windgeschwindigkeiten in 850 hPa bis 40 kt sind in der Nordosthälfte Windböen
und auch ohne großartige Konvektion einzelne stürmische Böen zu erwarten. Auf
einigen Bergen und an der Ostsee kann es zu Sturmböen reichen. Am Nachmittag
greift aber auch dort die Stabilisierung und bei nachlassendem Wind lassen die
Schauer von Westen her nach.

Die Temperatur steigt im Norden auf 16 bis 21°C und auf 20 bis 26°C im übrigen
Deutschland mit den höchsten Werten am Oberrhein.

In der Nacht zum Sonntag herrscht unter der Hochdruckzone, die von Westeuropa
über Deutschland in einem Bogen ins Mittelmeer verläuft ruhiges, teils klares
Wetter. Die Luft kühlt kräftig ab, oft in den einstelligen Bereich. An der
Ostsee treten anfangs steife Böen um West auf und im Nordosten halten sich
zunächst auch noch ein paar dichtere Wolken mit letzten Tropfen. Auch ganz im
Südwesten zieht hohe Bewölkung auf, ausgehend von einem Tiefdruckgebiet über
Südwesteuropa.

Sonntag … wölbt sich ein Rücken über dem westlichen Mittelmeer weiter in
Richtung Britische Inseln auf und kommt ostwärts mit seiner Achse bis zu uns
voran. Der Bodendruck beginnt aber erneuter Erwärmung der unteren Troposphäre zu
fallen und das Tief über Frankreich weitet sich nach Nordosten aus.
Letztlich hält sich aber noch die flache Hochdruckzone, deren Schwerpunkt über
Norddeutschland liegt, und sorgt für nach Süden hin teils sonniges, aber
insgesamt meist trockenes Wetter. Im Norden und der Mitte bilden sich harmlose
Quellwolken, die an einer Absinkinversion breitlaufen.

In den äußersten Süden breitet sich auf der Vorderseite des Tiefs wieder
wärmere, feuchte und instabile Luft aus, in der es nachmittags und abends
orografisch gestützt zu einzelnen Schauern und Gewittern mit Starkregen und
kleinkörnigem Hagel kommen kann. Die Spanne der Temperaturen reicht von 27°C am
Oberrhein und Hochrhein und 16°C bei auflandigem Wind an der Ostsee.

Modellvergleich und -einschätzung

Von den Basisfeldern her ergeben sich nur wenige Unterschiede. Die Konvektion
wird noch deutlich abweichend simuliert, wobei sich teils eklatante Schwächen
der diversen hochauflösenden Modelle zeigen. Hier ist und bleibt Nowcasting
gefragt. Der Höhepunkt der Gewitterlage morgen ist mit dem Gewittertief und dank
nochmal gesteigerter Dynamik unstrittig.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 18.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 181800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 18.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Donnerstag und vor allem am Freitag Schwergewitterlage!

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland im Einflussbereichs eines ausgeprägten
Bodenhochs über Osteuropa, das von einem Höhenkeil, der sich von Nordwestafrika
bis nach Trondheim erstreckt, gestützt wird. Dabei gelangen an dessen Westflanke
feuchtewarme und potenziell instabile Luftmassen zu uns. In 850 hPa liegt der
Temperaturbereich zwischen 9 Grad im Nordosten und bis 14 Grad im äußersten
Südwesten. Auch im Flüssigwassergehalt macht sich die andauernde Anfeuchtung mit
PPWs zwischen 20 und 30 mm bemerkbar.
Über dem Nordostatlantik befindet sich ebenfalls ein ausgeprägter
Tiefdruckkomplex, der mit eingelagerten Randtrögen an dessen Südostflanke die
zwischen dem Höhenkeil und dem hochreichenden Tiefdruckkomplex befindliche
Luftmassengrenze zu Wellen anregt. Auf dessen Vorderseite kommt es zu stärkeren
Hebungsantrieben die heute zunächst noch nicht auf Deutschland übergreifen. Auf
der Vorderseite der Frontalzone hat sich in einer Rinne höchster
pseudopotentieller Temperaturen eine schwache Windkonvergenz gebildet. In deren
Umfeld haben sich einige schwache Schauer gebildet, die sich in den Abend und
Nachtstunden rasch auflösen.
Nachts kann sich der Höhenkeil anfangs etwas verstärken, wobei der Zustrom
feuchtwarmer Luftmassen aus Südwesteuropa an der Westflanke des Hochs bestehen
bleibt. Im Laufe der Nacht zu Donnerstag nähert sich von Frankreich her die
wellende Frontalzone Nordwestdeutschland an. Somit setzen ausgangs der Nacht
vorderseitig erste Hebungsprozesse ein, die schon recht früh am Donnerstag für
einzelne Gewitter oder Schauer sorgen könnten. Dies wird von den verschiedenen
Modellen aber recht unterschiedlich simuliert, ICON bleibt recht passiv.

Donnerstag … verlagert sich die Welle an der Westflanke des Höhenkeils in
Richtung Norwegen. Insgesamt kippt aber die Höhenkeilachse in Richtung Polen und
die Frontalzone kann auf den Nordwesten übergreifen. Dabei wird das Geschehen
zyklonaler und auch die Dynamik bzw. auch die Scherung nimmt im Frontalbereich
zu. Die PPWs liegen verbreitet in der Nordwesthälfte bei 30 bis 35 mm,
vereinzelt bis an 40 mm und auch CAPE liegt zwischen 900 und 1400 J/Kg.
In der gesamten Nordwesthälfte besteht ein erhöhtes Risiko vor schweren
Gewitterentwicklungen mit heftigen Starkregen (30 bis 50 l/qm in kurzer Zeit),
schweren Sturmböen (um 100 km/h – BFT 10, bei linienhaften Entwicklungen sind
auch Orkanböen bis 120 km/h – BFT 12 möglich!) und großer Hagel (über 2 cm) die
ab den Nachmittagsstunden von Frankreich und Benelux auf den Westen übergreifen.
Generell simuliert ICON nach wie vor ein teils deutlich schwächeres Szenario als
IFS, GFS oder SHD. Gerade in der Nacht zu Freitag lässt ICON die Konvektion, die
sich ostwärts gegen den Höhenkeil verlagert rasch abklingen.

Nach Süden hin bleibt aber der Höhenkeil wetterwirksam und unterdrückt
verbreitet die Konvektion. Dort könnte aber die orographische Hebung ausreichen
um einzelne, auch kräftige Gewitterentwicklungen mit Starkregen und Hagel
auszulösen. Jedoch sollte, wie nach SHD, sich eine entsprechende linienhafte
Entwicklung abzeichnen, könnte sie durchaus auch auf den süddeutschen Raum
übergreifen und sich weiter nach Osten verlagern. Auch jetzt noch, nicht mal 24h
im Vorfeld gibt es sehr große Unsicherheiten. Eine Vorabinformation vor schweren
Gewittern wird es mit bestimmt für den morgigen Nachmittag geben, aber aufgrund
der Unsicherheiten wird die Ausgaben wohl erst am Donnerstagvormittag erfolgen.

In der Nacht zu Freitag nähert sich ein neuer amplifizierte Randtrog ausgehend
von dem Tiefdruckkomplex über dem Ostatlantik Westeuropa an. Vorderseitig wird
nochmal der Zustrom feucht labiler Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum
verstärkt. Kurzwellenanteile, die sich um den Höhenkeil herumverlagern, könnten
bereits ausgangs der Nacht zu kräftigen Gewitterentwicklungen im Nordwesten
führen, dies ist aber noch sehr unsicher.

Freitag … entwickelt sich aus dem gut konturierten Randtrog ein eigener
Langwellentrog, der auf der Vorderseite die Entwicklung eines Wellentiefs durch
kräftige Hebungsprozesse begünstigt. Die Frontalzone bleibt dabei zunächst noch
über der Mitte liegen (Wo genau ist noch unsicher.). Dabei werden entlang der
Frontalzone immer wieder durch Kurzwellenanteile auch kräftige Schauer und
Gewitter ausgelöst. Das Wellentief greift am späten Nachmittag bzw. abends auf
den Nordwesten über und sorgt vor allem an der Nordflanke des Wellentiefs für
strichweise anhaltenden teils gewittrigen Starkregen (evtl. bis in den extremen
WU Bereich 40 bis 80 l/qm in wenigen Stunden).
An dessen Südflanke nimmt die Scherung deutlich zu, neben DLS von 32 m/s und LLS
von 22 m/s gibt es auch sehr hohe SRH Werte, PPWs um 50 mm und Höhenwinde von
bis zu 55 kn. Auch befindet sich das HKN in einem recht niedrigem Bereich (um
800 m), so dass eigentlich punktuell alle Zutaten für Tornados, MCS, Superzellen
mit heftigen oder extremen Starkregen, Orkanböen bis 120 km/h (BFT 12), großem
Hagel um 5 cm vorhanden sind. Aber auch abseits davon, entlang der Frontalzone
werden vielfach Gewitter mit schweren Sturmböen, größerem Hagel und heftigem
Starkregen simuliert.

Das Wellentief mit seinen Begleiterscheinungen verlagert sich an der
Nordwestflanke des Höhenrückens, das mittlerweile stark abgeflacht ist, rasch in
Richtung Ostsee/Polen. Jedoch an der Vorderseite des Langwellentrogs kann sich
das Wellentief nochmals leicht verstärken. Im Laufe der 2. Nachthälfte zieht das
Wellentief nach Polen/Ostsee ab.
Die Kaltfront verlagert sich dabei ebenfalls rasch nach Südosten, wobei nun auch
die südlichen und östlichen Landesteile mit zum teils schweren
Gewitterentwicklungen betroffen werden, insgesamt ist im Süden aber das SRH, die
Scherung und auch die PPWs etwas geringer und das HKN deutlich höher, so dass
das Potential im Süden geringer als im Norden ausfällt. Aber dennoch wird es für
organisierte schwere Gewitter reichen, wobei auch der Tagesgang die Entwicklung
etwas dämpfen wird. Hinter der Kaltfront fließen kühle und deutlich trockenere
Luftmassen ein, es stabilisiert rasch hinter der Kaltfront.
Samstag … nach Abzug des Wellentiefs verstärkt sich ein Bodenhoch über
Westeuropa und die nun deutlich kühlere und trockenere Luftmasse gelangt unter
Absinken. Einzig am Alpenrand kann sich die feuchtwarme und potentiell instabile
Luftmasse noch etwas halten und für einige Gewitter sorgen.

Modellvergleich und -einschätzung

Für Donnerstag ist die Lösung der deutschen Kette recht defensiv. Andere Modelle
simulieren um einiges mehr an Konvektion und auch stärkere Verläufe.

Am Freitag haben eigentlich alle betrachteten Modelle eine Schwergewitterlage im
Programm, jedoch unterscheiden sie sich im Timing und in der räumlichen
Ausdehnung.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christina Speicher

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 17.05.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 171800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 17.05.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Heute Abend nachlassende Schauer- und Gewitteraktivität, erst am Donnerstag und
vor allem am Freitag teils schwere UNWETTER durch Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland im Einflussbereich eines umfangreichen
Bodenhochs über Nordosteuropa und einem Höhenkeil der sich Nordwestafrika bis
zum europäischem Nordmeer erstreckt. Dazwischen befindet sich eine langsam
auffüllende Tiefdruckrinne die trockene und etwas kühlere Luft im Nordosten von
eher feuchten und warmen Luftmasse im Westen und Süden trennt. Entlang dieser
Tiefdruckrinne haben sich heute bei PPWs um 27 mm und nur schwachen Höhenwinden
teils kräftige Gewitter und auch Schauer gebildet, diese schwächen sich in den
nächsten Stunden aber mit Zunahme des Hochdruckeinflusses rasch ab. Die etwas
trockenere Luft aus Nordosteuropa gelangt am Südrand des nordosteuropäischen
Hochs noch etwas südwärts, im Westen bleibt aber die zuvor eingeflossene
feucht-milde Luftmasse erhalten. Ein über Westeuropa/Ostatlantik befindliches
Höhentiefkomplex kommt an der Westflanke des Höhenkeils vorerst nicht weiter
nach Osten voran und bleibt bis zum Ende der Kurzfrist quasistationär dort
liegen. Jedoch greift in der Nacht zu Mittwoch ein Randtrog an der Westflanke
des Höhenkeils auf Irland und Groß Britannien über. Dazugehörig nähert sich auch
ein teilokkludiertes Frontensystem Frankreich bzw. der Nordsee an. Im äußersten
Westen Deutschlands zieht dabei in der 2 Nachthälfte hohe Bewölkung auf, es
bleibt unter dem dominierenden Hochdruckeinfluss über Deutschland aber
niederschlagsfrei. An der Südostflanke des Höhentiefkomplexes wird sehr warme
Luft aus dem Mittelmeerraum angezapft und allmählich nordwärts geführt. Ausgangs
der Nacht befindet sich im äußersten Südwesten in 850 hPa Werte bis +12 Grad.

Mittwoch … bleibt der Höhenkeil über Deutschland vorerst dominierend. Der
Randtrog verlagert sich über der Nordsee in Richtung europäisches Nordmeer,
wobei die Frontalzone unsere Nordseeküste (Nordwestdeutschland) streift. In
dessen Umfeld mit PPWs bis 30 mm kann CAPE bis 800 J/kg generiert werden. Dabei
liegt aber auch die Keilachse über der Nordsee, daher wird die Konvektion
weitgehend unterdrückt. Andere Modelle sind aber nicht so defensiv wie das
aktuelle ICON, die Wahrscheinlichkeit für Gewitter ist aber eher gering.
Orographisch bedingt gibt es eventuell auch am Alpenrand den einen oder anderen
Schauer. Die Gewitterneigung bleibt gering.
An der Westflanke des Hochs strömen auch am Tage warme und potentiell instabile
Luftmassen nach Deutschland und unter dem vorherrschenden Hochdruckeinfluss
bleibt es vielerorts sonnig. Somit steigen die 2 m Temperaturen bei 850 hPa
Temperaturen bis 15 Grad im Südwesten auf bis zu 32 Grad. Im Nordosten des
Landes bleibt es mit um die 25 Grad (8 Grad in 850 hPa) zwar etwas kühler, aber
immer noch sommerlich warm.

Bereits in der Nacht zu Mittwoch entwickelte sich an der Südostflanke des
Höhentiefkomplexes ein weiterer Randtrog, der nun analog zum Ersten sich
Richtung Nordsee verlagert. Die Frontalzone die etwa über der Westküste
Frankreichs befindet, beginnt zu Wellen und nähert sich in der Nacht zu
Donnerstag Nordwestdeutschland an. Dabei kippt die Achse des Höhenkeils langsam
nach Osten und die Frontalzone kann Ausgangs der Nacht zu Donnerstag auf den
äußersten Nordwesten übergreifen. Dabei gelangen nochmal feuchtere und wärmere
Luftmassen mit PPWS zwischen 25 und 35 mm nach Westdeutschland.

Donnerstag … bleibt der Zustrom feucht-labiler Luftmassen an der
Nordwestflanke des Höhenrückens mit PPWs zwischen 30 und 38 mm und 850 hPa
Temperaturen zwischen 12 und 15 Grad erhalten. Auch CAPE mit verbreiteten Werten
zwischen 800 und 1400 J/Kg kann generiert werden. Jedoch unterdrückt der
Höhenkeil oftmals die Konvektion. Die Achse des Höhenrückens kippt zwar in
Richtung Ostsee, im Tagesverlauf weist sie dann auch zunehmend in Richtung Polen
bzw. Ukraine. Somit kann CIN im Nordwesten abgebaut werden. Somit wird das
Wettergeschehen im Nordwesten immer zyklonaler und es bilden sich entlang der
Frontalzone vermehrt Schauer, aber auch Gewitter die mit erhöhter Scherung auch
organisierter ausfallen können. Hauptaugenmerk liegt aber wieder bei dem
Starkregen, der rasch bis in den Wertebereich der Unwetterskale aufsteigen
könnte. Nach Süden hin wird die Auslöse noch vom Höhenkeil weitgehend
unterdrückt. Am ehestens wird da die Orographie eine Rolle spielen.

Südlich des Höhentiefkomplexes, das immer noch über dem Ostatlantik zu finden
ist, entwickelt sich nachts erneut ein Randtrog, der sich rasch auf dessen
Südostflanke in Richtung Britische Inseln verlagert. Der Hochkeil flacht zwar
ab, baut sich aber nach Norden, nachdem der 2. Randtrog Richtung europäisches
Nordmeer abgezogen ist, wieder auf. Die Schauer- und Gewittertätigkeit lässt in
der Nacht zu Freitag nach. Die sehr feuchte und potentiell labile Luftmasse
bleib aber in Deutschland erhalten. Mit Nachttemperaturen zwischen 14 und 16
Grad bleibt es verbreitet sehr mild.

Freitag … greift der gut konturierte Randtrog mit einer etwas südlicheren
Zugbahn als seine Vorgänger zunächst auf Frankreich, ab den Mittags- und
Nachmittagsstunden auch auf Westdeutschland über. Dabei wird nochmal feuchtere
Luft mit PPWs bis 53 mm herangeführt und auch in 850 hPa steigt die Temperatur
im Südwesten auf bis zu 20 Grad. CAPE steigt auf Werte bis 1800 J/Kg. Auch die
Scherung steigt an, so dass die Bildung von MCS und Superzellen begünstigt ist.
Auch die Höhenwinde steigen auf bis zu 50 Kn an. Neben heftigen evtl. auch
extremen Starkregen sind schwere Sturmböen und auch größerer Hagel mögliche
Begleiterscheinungen starker Gewitterentwicklung. Generell gibt es für Freitag
aber noch einige Unsicherheiten. Es bleibt spannend. Denn das Auftreten von
Tornados kann man nämlich ebenfalls nicht ausschließen.
Abends und in der Nacht zu Samstag verlagert sich die Welle Ostwärts, hinter der
Kaltfront fließen kühlere und trockenere Luftmassen in den Nordwesten.

Modellvergleich und -einschätzung

Am Donnerstag gibt es teils größere Unterschiede in der genauen Erfassung der
Gewitter und Schauer, jedoch simulieren die meisten Modelle einen ähnlichen
Verlauf. Größere Unterschiede im Timing und räumlicher Ausdehnung gibt es jedoch
am Freitag. Generell simulieren aber alle betrachteten Modelle für Freitag eine
potentielle Schwergewitterlage.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christina Speicher