SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 26.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 261800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 26.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Ruhiges Spätherbstwetter ohne markante Wettergefahren.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland am Rande eines von Finnland über Südschweden nach
Südengland reichenden Troges. Dieser ist den Rest eines vorherigen
Austropfprozesses. Aktuell schwenkt dieser Resttrog über den Norden Deutschlands
hinweg ostwärts, wobei sich ein weiterer Austropfprozess abzeichnet, der für ein
kleinräumiges Cut-Off-Tief vor der holländischen Küste sorgt. Bei insgesamt
hohem Geopotential ergibt dies für den Norden eine west- bis leicht südwestliche
Strömung, die bis Freitagfrüh schwächer wird. Diese lässt in Verbindung mit dem
vor der Iberischen Halbinsel liegenden Cut-Off Tief die über dem Norden
Deutschlands liegende Kaltfront rückläufig werden. Geringe Niederschläge sind
auf den Frontbereich beschränkt, diese greifen etwas über den Mittellandkanal
und den Berliner Raum südwärts über. Mehrschichtige Bewölkung erfasst die
Gebiete bis einschließlich der nördlichen Mittelgebirge.
Weiter südlich wird aufgrund der geringen Luftdruckgegensätze das
Wettergeschehen von Grundschichtprozessen dominiert. Zwar verlagert sich der
Schwerpunkt des wetterbestimmenden Hochs weiter nach Südosten, aber die
südöstliche bodennahe Windkomponente ist zu schwach, so dass im Süden und
Südosten erneut Nebel entsteht oder sich bereits vorhandener Nebel verdichtet.
Von der Mittelgebirgsschwelle aus südwärts ist leichter Frost zu erwarten; bei
dichtem Nebel und Frost besteht Glättegefahr.

Freitag … weitet sich ein von der nördlichen Nordsee bis nach Lappland
reichender Keil in die Barents-See aus und schwenkt mit seiner Achse zur
Petschora-Mündung. Das vor der holländischen Küste liegende Höhentief verlagert
sich etwas nach Nordwesten. Gestützt durch den Keil erfolgt über dem Ostseeraum
Druckanstieg, so dass der Gradient im Norden und Nordosten aufweicht.
Zunehmender antizyklonaler Einfluss sorgt für ein alsbaldiges Nachlassen der
ohnehin geringen frontalen Niederschläge. Im Bereich der über dem Norden und
Nordosten noch liegenden, aber sich auflösenden Kaltfront hält sich noch
mehrschichtige Bewölkung. Ansonsten lösen sich Nebel und Hochnebel in Tälern und
Niederungen teilweise auf, teils bleibt es neblig-trüb. In höheren und teils
auch im mittleren Lagen sowie im Lee der Mittelgebirge besteht die Chance auf
sonnige Abschnitte. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 2 bis 8, bei längeren
Sonnenschein um 10, bei zähem Nebel jedoch kaum 0 Grad.

In der Nacht zum Samstag wird das über der Nordsee liegende Höhentief nach
Norden gesteuert. Durch den nunmehr bis zur Petschora-Mündung reichenden Keil
wird eine meridionale Hochbrücke gestützt, die sich von Karelien über Schweden
und über Westpolen bis nach Griechenland erstreckt. An deren Rand kommt zwar
eine schwache südöstliche bodennahe Windkomponente zustande. Eine erneute
Bildung von Nebel oder Hochnebel bzw. deren Verdichtung dürfte dies jedoch nicht
unterbinden. Von der Mittelgebirgsschwelle aus südwärts ist leichter und örtlich
mäßiger Frost zu erwarten.

Samstag … gliedert sich das über der Nordsee liegende Höhentief der
Frontalzone an. Der nach wie vor von Südeuropa über den Ostseeraum und Karelien
nordostwärts reichende Keil wird durch einen über Weißrussland nach Süden
ablaufenden Kaltlufttropfen blockiert. Gestützt durch diesen Keil kräftigt sich
die mit ihrer Achse knapp östlich von Deutschland liegende Hochdruckzone, die
Anschluss zu dem über Westsibirien liegenden Bodenhoch findet. Zudem bildet sich
über Südskandinavien ein eigenständiger Schwerpunkt hohen Druckes. Somit kann
sich die östliche bodennahe Windkomponente ein wenig verstärken. Für
warnrelevante Böen oder für die großflächige Auflösung von Nebel oder Hochnebel
sollte es jedoch nicht reichen. Somit lässt sich nur Erhaltungsneigung
beschreiben.
Gegenüber den Vortagen dürfte aufgrund der negativen Strahlungsbilanz und des
bodennahen Zustroms kälterer Luft die Temperatur leicht zurückgehen. Selbst mit
Hilfe der Sonne sind kaum noch 10 Grad zu erwarten. Bei zähem Nebel herrscht
ganztägig leichter Frost.

In der Nacht zum Sonntag wird der bis zum nördlichen Ural reichende Höhenkeil
weiter eingeschnürt. Dies erfolgt zum einen durch den Kaltluftkörper, der von
Weißrussland zu den Waldkarpaten verlagert. Hierdurch wird die feuchtkalte
Grundschicht gehoben, so dass ganz im Nordosten geringe Niederschläge
(Sprühregen oder Schneegriesel) auftreten können. Zum anderen wird ein in der
Frontalzone eingelagerter Trog bis in den isländischen Raum gesteuert.
Das mit Schwerpunkt über Südschweden liegende Bodenhoch weitet sich mit einem
Keil bis in den ostdeutschen Mittelgebirgsraum aus. Sonst ergibt sich keine
nennenswerte Änderung. Relativ großflächig ist daher leichter Frost zu erwarten.

Sonntag … ändert sich die Lage des o.g. Kaltluftkörpers nur wenig. Der in der
Frontalzone eingelagerte Trog rückt weiter nach Osten vor, so dass von dem
bisherigen Keil nur ein Schlauch hohen Geopotentials übrigbleibt. Allerdings
hält sich eine ausgeprägte Hochbrücke, die von einem kräftigen Hoch über
Westsibirien ausgeht und über Norddeutschland sowie Südengland hinweg verläuft
und Verbindung zu einem Hoch über dem mittleren Nordatlantik aufnimmt. Über
Deutschland bleiben daher im Bereich dieser Brücke die geringen
Luftdruckgegensätze bestehen, so dass die Luftmasse ungestört weiter altern
kann.
In den Nordosten gelangt am Rande des Kaltluftkörpers kältere Luft, die sich im
850 hPa-Niveau mit Temperaturen bis unter -5 Grad bemerkbar macht. Daher können
die geringen Niederschläge, die im Nordosten und ganz im Osten auftreten, im
östlichen Bergland in fester Phase fallen. Weiter nach Westen hin erfolgt das
mit einer östlichen bodennahen Komponente Einsickern kälterer Luft nur in
Bodennähe. Längere sonnige Abschnitte sind auf den äußersten Westen sowie die
Hochlagen der Mittelgebirge beschränkt. Im Nordosten und in Teilen der Mitte
hält sich geschlossene tiefe Bewölkung, ansonsten stellen sich nach teilweiser
Auflösung des Nebels Auflockerungen ein. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen
nur noch 1 bis 6 Grad. Bei zähem Nebel sowie im höheren östlichen Bergland
herrscht leichter Dauerfrost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 25.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 251800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 25.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Ruhiges Spätherbstwetter mit Nebel und Frost.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland am Nordwestrand eines breiten Höhenrückens.
Dieser wird von einem Trog flankiert, der sich von Nordnorwegen über Schottland
hinweg südwestwärts bis zu den Kanaren erstreckt, nach Südwesten austropft und
ein Cut-Off-Tief vor der Iberischen Halbinsel ergibt. Der Resttrog schwenkt bis
Donnerstagfrüh in die mittlere Nordsee und drückt die Frontalzone etwas nach
Süden. Die an der Trogvorderseite schleifende Kaltfront wird durch eine Welle,
die nach Südschweden gesteuert wird, zurückgehalten und erreicht ausgangs der
Nacht die ostfriesischen Inseln und Nordfriesland, wodurch geringe Niederschläge
auf die Nordseeküste übergreifen.
Das wetterbestimmende Bodenhoch verlagert sich nach Südosteuropa, wobei über dem
Süden und Südosten Deutschlands die Luftdruckgegensätze gering bleiben.
Hierdurch bildet sich gebietsweise Nebel oder noch vorhandene Nebel- und
Hochnebelfelder werden dichter. Verbreitet gibt es leichten Frost, in Gebieten
mit Frost und Nebel besteht Glättegefahr durch Reif.
Im Norden und Westen wird die Bildung von Nebel durch aufziehende mehrschichtige
Bewölkung und den leicht zunehmenden Gradienten unterbunden. Dort dürfte es auch
weitgehend frostfrei bleiben.

Donnerstag … schwenkt der o.g. Resttrog über den Norden Deutschlands hinweg
ostwärts, wobei sich ein weiterer Austropfprozess abzeichnet, der für ein
kleinräumiges Cut-Off-Tief über der Doggerbank sorgt. Bei insgesamt hohem
Geopotential ergibt dies für den Norden eine west- bis leicht südwestliche
Strömung. Diese lässt in Verbindung mit dem vor der Iberischen Halbinsel
liegenden Cut-Off Tief die Kaltfront über dem Küstenbereich rückläufig werden.
Geringe Niederschläge sind daher auf den Küstenbereich und den Nordwesten
beschränkt, mehrschichtige Bewölkung erfasst die Gebiete bis einschließlich der
nördlichen Mittelgebirge.
Weiter südlich wird aufgrund der geringen Luftdruckgegensätze das
Wettergeschehen von Grundschichtprozessen dominiert. Zwar verlagert sich der
Schwerpunkt des wetterbestimmenden Hochs weiter nach Südosten, aber die
südöstliche bodennahe Windkomponente ist zu schwach, so dass zwar im Lee der
Mittelgebirge größere Auflockerungen abzeichnen, sonst aber Nebel und Hochnebel
erhalten bleiben. Die Obergrenze der tiefen Bewölkung, die heute bei 600 bis 900
m liegt, dürfte durch Absinken dann etwas tiefer zu finden sein, so dass auch
einige mittlere Berglagen oberhalb der Inversion liegen. Je nach
Sonnenscheindauer sind Temperaturmaxima zwischen kaum über 0 Grad (bei zähem
Nebel) und um 10 Grad (bei längerem Sonnenschein sowie in Küstennähe) zu
erwarten.

In der Nacht zum Freitag verlagert sich das aus dem zweiten Austropfprozess
hervorgegangene Tief vor die holländische Küste. Hierdurch können die
Niederschläge unter leichter Verstärkung (aber fernab von jeglicher
Warnrelevanz) im Nordwesten weiter landeinwärts ausgreifen. Mit der im Osten
weiter nach Süden vordringenden Kaltfront kommen dann auch in Mitteldeutschland
und bis in die Lausitz hinein geringe Niederschläge zustande.
Im Süden und Südosten dürfte erneut Nebel entstehen oder sich bereits
vorhandener Nebel verdichten. Vom östlichen und zentralen Mittelgebirgsraum
südwärts ist leichter Frost zu erwarten; bei dichtem Nebel und Frost kann
örtliche Glätte nicht ausgeschlossen werden.

Freitag … weitet sich ein von der nördlichen Nordsee bis zu den Lofoten
reichender Keil nach Lappland aus und schwenkt nach Karelien. Das an dessen
Südflanke, d.h. vor der holländischen Küste liegende Höhentief ändert seine Lage
kaum. Gestützt durch den Keil erfolgt auch über dem Ostseeraum Druckanstieg, so
dass der Gradient auch im Norden und Nordosten aufweicht. Der zunehmende
Hochdruckeinfluss sorgt im Nordwesten und Norden daher für ein alsbaldiges
Nachlassen der ohnehin geringen Niederschläge. Im Bereich der über dem Norden
und Nordosten noch liegenden, aber sich auflösenden Kaltfront hält sich noch
mehrschichtige Bewölkung. Ansonsten lösen sich Nebel und Hochnebel auch in
Tälern und Niederungen teilweise auf, teils bleibt es neblig-trüb. In höheren
und teils auch im mittleren Lagen sowie im Lee der Mittelgebirge besteht die
Chance auf sonnige Abschnitte. Eine Temperaturänderung erfolgt kaum.

In der Nacht zum Samstag wird das über der Nordsee liegende Höhentief, das den
Charakter eines Kaltlufttropfens angenommen hat, nach Norden gesteuert. Durch
den nunmehr bis zur Petschora-Mündung reichenden Keil wird eine meridionale
Hochbrücke gestützt, die sich von Schweden über Westpolen bis nach Griechenland
erstreckt. An deren Rand kommt zwar eine schwache südöstliche bodennahe
Windkomponente zustande. Eine erneute Bildung von Nebel oder Hochnebel bzw.
deren Verdichtung dürfte dies jedoch nicht unterbinden.

Samstag … gliedert sich der über der Nordsee liegende Kaltlufttropfen der
Frontalzone an. Der nach wie vor von Südeuropa über den Ostseeraum und Karelien
nordostwärts reichende Keil wird durch einen über Weißrussland nach Süden
ablaufenden Kaltlufttropfen blockiert. Gestützt durch diesen Keil kräftigt sich
die mit ihrer Achse knapp östlich von Deutschland liegende Hochdruckzone. Die
ost- bis südöstliche bodennahe Windkomponente kann sich hierdurch ein wenig
verstärken. Für warnrelevante Böen oder für die großflächige Auflösung von Nebel
oder Hochnebel sollte es jedoch nicht reichen. Somit lässt sich nur
Erhaltungsneigung beschreiben.
Gegenüber den Vortagen dürfte aufgrund der negativen Strahlungsbilanz und des
bodennahen Zustroms kälterer Luft die Temperatur leicht zurückgehen. Selbst mit
Hilfe der Sonne sind kaum noch 10 Grad zu erwarten. Bei zähem Nebel kann
ganztägig leichter Frost nicht ausgeschlossen werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede
ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Dienstag, den 24.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 241800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 24.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Hoch Mitteleuropa Übergang zu einer antizyklonalen Westlage. Teils
Nebel/Hochnebel, teils Sonne. Im weiteren Verlauf in der Nordhälfte Regen

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … herrscht ein stark mäandrierendes, meridionales Strömungsmuster vor.
Über dem Ostatlantik liegt ein stärker entwickelter Langwellentrog, dem ein
Osteuropahoch gegenübersteht, das wiederum von einem Russlandtrog flankiert
wird. Deutschland befindet sich dabei in einer schwachen südwestlichen
Höhenströmung wobei sehr warme Luft in der Höhe herangeführt wird, die sich noch
zusätzlich durch starkes Absinken weiter erwärmt. Die 12 UTC-Soundings zeigen
eine scharfe Absinkinversion, deren Untergrenze zwischen 950 und 900 hPa (700 –
900 m) liegt. Unterhalb sind die mittleren und südlichen Landesteile abgesehen
von einigen Leelagen und dem Alpenrand von einer dichten Nebel- und
Hochnebeldecke bedeckt, aus der örtlich etwas Sprühregen fällt. Knapp unterhalb
der Inversion geht die Temperatur in den Frostbereich, sodass in den
Mittelgebirgen dort gefrierender Nebel mit entsprechender Glätte auftritt.
Nördlich der Mittelgebirge ist die Bewölkung ebenfalls teilweise aufgelockert.
Im Nordwesten zieht jedoch im Laufe der Nacht durch die WLA des näher kommenden
Troges dichtere hohe und mittelhohe Bewölkung auf. In den Gebieten, wo es klar
ist, gibt es verbreitet Frost, im Süden zum Teil auch in den Nebelgebieten,
wobei dort mit Reifglätte zu rechnen ist.

Mittwoch … rückt über dem Atlantik ein weiterer Keil nach und stößt Richtung
Island und ins Nordmeer vor. An dem weiter östlich liegenden Langwellentrog
setzt ein Abtropfprozess südlich von Irland ein. Mitteleuropa verbleibt unter
dem Einfluss der osteuropäischen Hochdruckzone. Durch starkes Absinken erwärmt
sich die Luft in der Höhe weiter. Die Absinkinversion wird dabei weiter nach
unten gedrückt und liegt in den Vorhersagesoundings am Mittwochnachmittag
unterhalb von 950 hPa. So lockert der Nebel und Hochnebel im Tagesverlauf
vielerorts auf. Im Westen ziehen aber weiterhin dichtere hohe und mittelhohe
Wolken durch, die durch WLA entstehen. Vom Lausitzer Bergland bis zum Zittauer
kommt im Tagesverlauf durch die Verschärfung der Inversion und der etwas stärker
werdenden Südströmung Böhmischer Wind in Gang. Ob es für Windböen über 50 km/h
reicht, wie von ICON und COSMO-D2 prognostiziert, bleibt fraglich, da diese
Modelle solche Ereignisse meist zu aggressiv prognostizieren. Am Erzgebirge
setzt durch das Absinken der Inversion eher eine Umströmung ein.
In der Nacht zum Mittwoch ist der Cut-Off westlich der Iberischen Halbinsel
vollendet und das Trogresiduum zieht von Groß Britannien Richtung Nordsee. Somit
erreicht dichtere Bewölkung den Nordwesten, die mit der Kaltfront eines Tiefs
über Nordskandinavien in Verbindung steht.
Ansonsten beginnt die Nacht wieder vielerorts klar, wobei sich im weiteren
Verlauf wieder Nebelfelder ausbreiten. Bei verbreitetem Frost in der
Südwesthälfte muss vorwiegend in den Nebelgebieten wieder mit Reifglätte
gerechnet werden.

Donnerstag … kommt das Osteuropahoch weiter ostwärts voran und macht Platz für
das besagte Trogresiduum, dass mit der Kaltfront auf den Nordwesten übergreift.
Die Kaltfront richtet sich aber immer mehr strömungsparallel aus, sodass sie
mangels Schub über dem Nordwesten ins schleifen gerät. So greifen im
Tagesverlauf frontale Niederschläge zunächst auf den Nordwesten, später auf den
gesamten Norden über. Während ECMWF und GFS die Schleifzone vom Münser- und
Emsland ostwärts sehen, zeigt ICON im neuen Lauf eine etwas nördliche Variante.
Da in den mittleren Schichten noch trocknere Luft vorhanden ist und sich die
Hebungsprozesse an der Front in Grenzen halten, wird der Regen nur aus den
Schichten unterhalb von 700 hPa produziert und ist dementsprechend wenig
intensiv. (1 – 3 mm im ECMWF im Westen der Schleifzone bis 5 mm in 24 h). Die
trogvorderseitige Hebung sorgt zumindest für etwas Durchmischung. Genug, damit
sich die Nebel- und Hochnebelfelder in der Südhälfte vielerorts auflösen.

Freitag … wird das Hoch weiter nach Osten verdrängt und verliert weitestgehend
seinen Einfluss auf Deutschlands. Der Trog legt sich über die Nordhälfte
Deutschlands, wobei sich seine Achse weiter zonal ausrichtet. Auf seiner
Rückseite stößt das vom Atlantik folgende Hoch über Groß-Britannien nach
Skandinavien vor. Dadurch wird über Norddeutschland ein Cut-Off-Prozess
ausgelöst. Während der dadurch entstehende Kaltlufttropfen von GFS über NRW
simuliert wird, sehen ihn ECMWF und ICON mit seinem Zentrum über der Nordsee.
Entsprechend unterscheiden sich auch die Vorhersagen. Im GFS liegen die Reste
der im thermischen Feld kaum noch sichtbaren Kaltfront über der Mitte
Deutschlands, wobei dort leichter Regen fällt. Laut ICON und ECMWF liegt das
Wolkenband deutlich weiter im Norden. In den GFS und ECMWF-Ensembles lässt sich
bereits am Freitag bereits eine verhältnismäßig breite Streuung über der
Nordhälfte erkennen (-5 bis +4 °C auf 850 hPa für Gitterpunkt Hamburg), sodass
es weiterhin unklar ist, wo der KLT zum Liegen kommt. Der ECMWF-Hauptlauf
favorisiert einen der nördlicheren Varianten.
In der Südhälfte herrscht währenddessen weiterhin teils Hochnebel, teils
sonniges Wetter vor.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Wesentlichen wird die Wetterlage bis Donnerstag gleich simuliert. Bis die
Unsicherheiten am Freitag bezüglich des Kaltlufttropfens geringer werden, ist
zur Prognose das ENS-Mittel empfohlen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Dienstag, den 24.11.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 24.11.2020 um 10.30 UTC

Überwiegend ruhiges, zu Nebel/Hochnebel neigendes Hochdruckwetter mit
Nachtfrösten. Tendenziell leicht zurückgehende Temperaturen. Ab Beginn kommender
Woche größere Unsicherheiten.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 01.12.2020

Das bereits gestern ausführlich beschriebene, für die Wetterentwicklung im
mitteleuropäischen Raum während des am Freitag beginnenden Mittelfristzeitraumes
verantwortliche großräumige Szenario ist im Großen und Ganzen auch heute noch
gültig: Nach wie vor besteht aufgrund schwacher Strömungsverhältnisse über dem
nordatlantisch-europäischen Raum eine Tendenz zu Abtropfprozessen und daraus
resultierenden transienten Blockierungen. Das inzwischen schon spektakulär
unspektakuläre (oder, vereinfacht ausgedrückt, „stinklangweilige“) Wetter setzt
sich also fort.

Am Freitag erstreckt sich – ausgehend von einem Langwellentrog über dem Baltikum

  • eine flache Potenzialrinne über Nordpolen und Norddeutschland hinweg westwärts
    bis zu den Britischen Inseln. Diese wird flankiert von hohem Geopotenzial über
    dem zentralen Mittelmeerraum bzw. von einem bis nach Frankreich reichenden
    Höhenrücken, vor allem aber von einer sich über Skandinavien etablierenden
    Höhenantizyklone. Mit steigendem Geopotenzial über Mitteleuropa wird die Rinne
    im Tagesverlauf mehr und mehr zugeschüttet, übrig bleibt in der Nacht zum
    Samstag ein abgetropftes Höhentief über der westlichen Nordsee. Bis Samstagfrüh
    hat sich somit eine vom Höhenhoch über Skandinavien ausgehende, über
    Mitteleuropa südwärts bis in den zentralen Mittelmeerraum reichende
    Potenzialbrücke etabliert.
    Somit füllt sich auch im Bodenfeld eine flache Tiefdruckrinne über
    Norddeutschland allmählich auf und es stellen sich am Rande einer vom nördlichen
    Ural über Lappland bis nach Südskandinavien reichenden Hochdruckzone schwache
    Luftdruckgegensätze im Vorhersagegebiet ein.
    Somit steht die Wetterentwicklung ganz im Zeichen der Grenzschichtdynamik. Ein
    in die Rinne eingelagertes Frontensystem löst sich in etwa über der
    Norddeutschen Tiefebene bzw. am Nordrand der Mittelgebirge auf, wobei es
    gebietsweise noch etwas regnen oder nieseln kann, am ehesten wohl nahe des
    abtropfenden Höhentiefs ganz im Westen/Nordwesten. Ansonsten dominiert
    vielerorts trübes Wetter mit Nebel bzw. Hochnebel. Sonne gibt es am ehesten in
    höheren Lagen Süddeutschlands, am Alpenrand und vielleicht auch mit etwas
    auflebendem Südostwind im Lee einzelner Mittelgebirge. Postfrontal sickert
    eventuell etwas trockenere Festlandsluft in den äußersten Norden des Landes, so
    das sich auch dort gebietsweise die Sonne durchsetzen kann. Die Höchstwerte
    liegen meist zwischen 0 Grad bei beständigem Nebel im Südosten des Landes und 10
    Grad mit Sonne im Lee bzw. in mittleren Höhenlagen. In der Nacht zum Samstag
    kann es in Regionen mit länger klarem Himmel vor allem in der Südhälfte und in
    der Mitte leichten Frost geben.

Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag kommt der Höhentrog über
Nordwestrussland und dem Baltikum nur noch wenig nach Süden voran und tropft
schließlich über dem polnisch-ukrainischen Grenzgebiet ab. Die Potenzialbrücke
über Mitteleuropa verstärkt sich noch etwas und weitet sich nach Westeuropa aus,
auch das Bodenhoch streckt seine Fühler von Südskandinavien ins Vorhersagegebiet
aus und nimmt in Form einer Brücke über den Britischen Inseln bis Sonntagfrüh
sogar Verbindung zum kräftigen Hochdruckgebiet über dem mittleren Nordatlantik
auf. Mit einer bodennah nur schwachen südöstlichen Strömung ändert sich damit
wettertechnisch im Vorhersagegebiet nur wenig. Teils beständiger Nebel- bzw.
Hochnebelfelder in den Niederungen steht Sonnenschein in mittleren Höhenlagen
bzw. am Alpenrand und im Lee einzelner Mittelgebirge gegenüber. Die Höchstwerte
gehen aufgrund der insgesamt negativen Strahlungsbilanz ein wenig zurück,
zweistellige Höchstwerte sind auch in sonnigen Regionen kaum mehr zu erwarten.
Somit tritt auch in der Nacht zum Sonntag etwas verbreiteter Frost auf. Dabei
deutet der aktuelle IFS-Lauf am Rande des Cut-Off-Tiefs von Polen her ein
Vordringen kälterer Festlandsluft nach Nordostdeutschland an und simuliert dort
einen Rückgang der 850 hPa-Temperatur auf etwa -4 bis -8 Grad am Sonntagfrüh. Am
Rande bemerkt sei, dass diesbezüglich zunächst kein anderes Modell so wirklich
mitzieht.

Am Sonntag und in der Nacht zum Montag wird die Hochdruckzone über Mitteleuropa
sowohl vom sich allmählich nordwärts Richtung Weißrussland verlagernden und sich
dabei etwas nach Westen ausweitenden Höhentief als auch von einem sich vom
Nordmeer Richtung Nordsee bzw. Südskandinavien ausweitenden flachen Höhentrog in
die Zange genommen, bleibt aber noch erhalten. Vor allem nach Lesart des IFS
schwächen sich die Druckgegensätze über dem Vorhersagegebiet aber noch weiter
ab, selbst im 2 hPa-Abstand ist nur noch eine Isobare auszumachen. Allerdings
kann die kalte Festlandsluft von Osten her noch bis nach Bayern und auch bis in
die mittleren Landesteile vordringen, begleitet von dichterer mehrschichtiger
Bewölkung und eventuell sogar von ein paar Schneeflocken (nach wie vor -4 bis -8
Grad in 850 hPa), allerdings nach wie vor nur im IFS-Szenario, während die
anderen Modelle lediglich einen leichten Rückgang der 850 hPa-Temperatur auf der
Agenda haben. Insgesamt dürfte die Grenzschichtdicke etwas abnehmen, so dass die
Sonnenfenster vor allem im Westen/Südwesten etwas größer werden könnten
(zumindest MOSMIX zeigt eine derartige Tendenz), ansonsten ändert sich aber kaum
etwas. Die Höchstwerte gehen etwas zurück, in Nebelgebieten Süddeutschlands kann
es leichten Dauerfrost geben, mit Sonne im Westen sind auch kaum mehr als 7 Grad
drin. Nachts gibt es – außer vielleicht an den Küsten sowie in einigen Regionen
Westdeutschlands – verbreitet leichten, bei klarem Himmel im Süden auch mäßigen
Frost.

Zu Beginn kommender Woche wird die Hochdruckbrücke endgültig abgebaut und das
Richtung Baltikum ziehende Höhentief wird in die Zirkulation eines nach
Skandinavien vorstoßenden Langwellentroges inkludiert. Über dem Vorhersagegebiet
stellt sich somit am Rande eines umfangreichen Höhenrückens, der sich vom
mittleren Nordatlantik bis Dienstag zu den Britischen Inseln verlagert und sich
dann auch Richtung Nordmeer ausweitet, eine nordwestliche Höhenströmung ein, mit
der zunehmend maritime Polarluft advehiert wird. Bereits am Montag kann von
Nordwesten her ein erstes Frontensystem bis in die mittleren und östlichen
Landesteile vordringen, ein weiteres folgt in der Nacht zum bzw. am Dienstag.
Mit auffrischendem und allgemein auf West bis Nordwest drehendem Wind
(Warnschwellen werden aber höchstens auf Berggipfeln und vielleicht an den
Küsten gerissen) dringen Niederschläge meist leichter Intensität allmählich bis
nach Süddeutschland vor, wobei dort in den Nebelregionen eventuell auch
vorübergehend Regen mit Glatteisbildung auftreten kann. Im höhen Bergland fallen
die Niederschläge teils als Schnee.

Zu Wochenmitte schwenkt der Höhenrücken dann vom Nordmeer über Skandinavien und
Mitteleuropa hinweg südostwärts, führt aber wohl nur zu einer vorübergehenden
Wetterberuhigung, da der aktuelle IFS-Lauf in der zweiten Hälfte der kommenden
Woche eine markante Austrogung über dem west- und nordwesteuropäischen Raum
andeutet.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Samstag erweist sich der aktuelle IFS-Lauf als einigermaßen
konsistent zu seinen beiden Vorgängern. Unterschiede bzgl. des aus der
Potenzialrinne abtropfenden Höhentiefs bzw. Kaltlufttropfens – ob dieser Prozess
nun eher über Belgien/Nordfrankreich/England oder über der westlichen Nordsee
stattfindet – beeinflussen die Wetterentwicklung über dem Vorhersagegebiet kaum,
der nach Skandinavien gerichtete und sich nach Mittel- und Westeuropa
ausweitende Höhenrücken wird in allen Läufen ähnlich simuliert.
Dann aber – und das auch eigentlich schon am Samstag – gilt es den Blick auf das
Cut-Off-Tief über Osteuropa zu richten. Dessen Zugbahn wird – wen wunderts –
noch mit größeren Differenzen behaftet simuliert.
Nach Lesart des aktuellen Laufes nistet es sich über der Ukraine bzw.
Weißrussland ein und wird zu Beginn kommender Woche als Randtrog in die
Zirkulation eines nach Skandinavien bzw. Osteuropa vordringenden Troges
inkludiert.
Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte diesen Prozess ähnlich auf der Agenda, allerdings
später, so dass das Höhentief noch bis nach Polen und in Verbindung damit die
kalte Festlandsluft am Sonntag/Montag bis nach Westdeutschland vordringen
konnte. Erst am Montag und viel weiter nordöstlich wurde das Höhentief Teil
eines nordeuropäischen Langwellentroges, so das der erste Trogvorstoß nur
Skandinavien betraf und erst ein weiterer ca. 24 bis 36 Stunden später als im
heutigen Lauf auch auf Mittel- bzw. Osteuropa übergriff.
Noch anders das Szenario im gestrigen 12 UTC-Lauf: Nach dessen Lesart sollte das
Höhentief gar als Kaltlufttropfen in etwa über die Mitte Deutschlands bis
Wochenmitte nach Nordfrankreich ziehen, gefolgt von einer langgestreckten
Hochdruck- bzw. Potenzialbrücke an dessen Nordflanke, die jegliche Trogvorstöße
Richtung Mittel- bzw. Osteuropa erst einmal verhindern würde. Von Osten her
würde sich kalte Festlandluft auf das gesamte Vorhersagegebiet ausbreiten, so
dass sich an dem ruhigen, teils nebligtrüben, vor allem in höheren Lagen auch
sonnigem Hochdruckwetter vorerst wenig ändern würde, bei einem allerdings
niedrigerem und durchaus der Jahreszeit angemessenem (bzw. etwas darunter
liegendem) Temperaturniveau.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ein ähnliches Bild ergibt auch der Vergleich mit anderen Globalmodellen.
Abgesehen vom Abtropfprozess des Höhentiefs aus der Potenzialrinne über dem
Norden bzw. der Mitte Deutschlands am Freitag, der nach Lesart des GFS weiter
östlich als im IFS, GEM und ICON, nämlich bereits über Westdeutschland, erfolgt
(verbunden mit dort etwas verbreiteter auftretenden, aber nur leichten
Niederschlägen) sind bis einschließlich Samstag zumindest keine
prognoserelevanten Unterschiede auszumachen.
Ab Sonntag erweist sich auch im Modellvergleich das bereits angesprochene
Höhentief über Osteuropa, was die Prognosequalität angeht, als Spielverderber.
Nach Lesart des ICON verlagert es sich vom Westen Russlands am Sonntag bis
Dienstag nach Nordwestrussland bzw. zum nördlichen Ural. Auf dessen Rückseite
verstärkt sich durch kräftige KLA ein Hochdruckgebiet über dem Westen Russlands,
wobei ein Keil bis nach Mitteleuropa reicht und ein Vordringen atlantischer
Tiefausläufer nach Deutschland zunächst verhindert, das ruhige Hochdruckwetter
würde also weiterhin andauern.
Auch die GFS-Variante lässt das Höhentief nordnordostwärts abziehen, wobei sich
am Dienstag erneut ein Höhenrücken von den Britischen Inseln nach Skandinavien
ausweitet, an dessen Südflanke ebenfalls ein Hochkeil nicht nur bis nach
Norddeutschland, sondern bis zum Süden der Britischen Inseln reicht und
ebenfalls blockierend auf atlantische Tiefausläufer wirkt. Erst in der zweiten
Wochenhälfte scheint das GFS ebenfalls allmählich seine Blockadehaltung
aufzugeben und deutet einen Trogvorstoß zumindest Richtung Westeuropa an, wobei
sich eher eine antizyklonale Südlage, bestenfalls noch eine Winkelwestlage für
Mitteleuropa andeutet, da das nordosteuropäische Hoch weiterhin blockiert.
Eine noch etwas andere Variante hat das kanadische GEM auf der Agenda: Das
Höhentief verlagert sich bis Montag ins russisch-baltische Grenzgebiet,
gleichzeitig dringt ein flacher Höhentrog von Nordwesten her nach Mitteleuropa
vor und tropft dort am Dienstag ab. Daraus ergibt sich ein Höhentiefkomplex, der
vom Westen Russlands bis nach Mitteleuropa reicht und sich bis in den westlichen
Mittelmeerraum ausweitet. An dessen Nordwestflanke dringt von den Britischen
Inseln her zu Wochenmitte ein Höhenrücken nach Skandinavien vor und ins
Vorhersagegebiet können von Nordnordost her kalte Luftmassen vordringen. Das
Höhentief selbst bringt zudem leichte Niederschläge, die bis in die Niederungen
zunehmend als Schnee fallen könnten. Während es dort aber wohl meist nur für
„Stundenmatsch“ reichen dürfte, würde diese Konstellation in den Mittelgebirgen
und am Alpenrand bzw. im Alpenvorland zumindest für einen Hauch von Winter
sorgen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Zwar verteilen sich die 49 ENS-Member, der Haupt- und der Kontrolllauf im
Zeitraum T+72 bis 96 Stunden auf 6 Cluster, allen gemein ist aber der Block über
Skandinavien bzw. dem nordwestrussischen Raum (Regime „Blockade“) und das
abtropfende Höhentief über Osteuropa und somit die antizyklonale Dominanz über
Mitteleuropa.
Daran ändert sich im nächstfolgenden Zeitraum (T+120 bis 168 Stunden) zunächst
nur wenig. Erneut werden 6 Cluster analysiert, allesamt dem Regime „Blockade“
zugehörig. Dabei gewinnt neben dem Block über Nordosteuropa auch der Höhenrücken
über dem mittleren Nordatlantik mehr und mehr an Bedeutung, am Ende schwenken
Cluster 1 (11 Member) und Cluster 3 (10 Member, inklusive Haupt- und
Kontrolllauf) sogar auf das Regime „Atlantikrücken“. Das Höhentief über
Osteuropa wird nach Lesart von Cluster 1, 2 und 3 Teil eines vom Nordmeer
Richtung Skandinavien bzw. Baltikum vordringenden Höhentroges, woraus am Ende
eine eher antizyklonale (Cluster 2 und 3) bzw. – wie auch vom Hauptlauf
apostrophiert (deshalb erstaunt es etwas, dass er sich in Cluster 3 befindet) –
zyklonale (Cluster 1) Nordwestlage resultiert.
Nach Lesart von Cluster 4 und 6 (8 bzw. 5 Member) verlagert sich das Höhentief
eher Richtung Südosteuropa, so dass im Vorhersagegebiet ruhiges Hochdruckwetter
dominant bleibt (ähnlich wie im ICON bzw. GFS), während Cluster 5 (6 Member) das
Höhentief Richtung Alpen ziehen lässt, wodurch – ähnlich wie nach GEM – weite
Teile des Vorhersagegebietes von kalter Festlandsluft geflutet würden.
Kurz zur erweiterten Mittelfrist (T+192 bis 240 Stunden): 4 Cluster; Cluster 1
(20 Member, inklusive Hauptlauf) tendiert nach Durchschwenken eines Höhenrückens
Richtung Trog Westeuropa (negative NAO), Cluster 2 (18 Member) markiert den
Übergang zu einer antizyklonalen Westlage (positive NAO), Cluster 3 (8 Member)
dagegen zu einer zyklonalen West- bis Nordwestlage (positive NAO, gefolgt von
Rücken Atlantik) und Cluster 4 (5 Member) belässt es bei einer ausgiebigen
Blockade, die sich im Prinzip vom mittleren Nordatlantik bis in den
osteuropäischen Raum erstreckt und weiterhin jeglichen Trogvorstoß Richtung
Mitteleuropa verhindert.
Zu guter Letzt noch ein Blick auf die Rauchfahne eines etwa in der Mitte des
Vorhersagegebietes gelegenen Gitterpunktes: Bereits am Freitag und Samstag läuft
die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der Einzelmember mehr und mehr
auseinander, was aber wohl auf eine unterschiedlich simulierte Grenzschichtdicke
zurückzuführen ist und sicherlich Einfluss auf die Nebel- bzw. Hochnebelprognose
hat. Noch größer wird der Spread dann am Sonntag, wobei einige Member die kalte
Festlandsluft (bis -6 Grad in 850 hPa über der Mitte des Landes) weit nach
Westen vordringen lässt, während die „wärmeren“ Member es bei einer wohl recht
scharfen, unterhalb von 850 hPa liegenden Absinkinversion belassen und
Temperaturen bis +6 Grad auf der Agenda haben.
Insgesamt simuliert von Samstag bis Montag so gut wie kein Member Niederschläge,
lediglich für die Osthälfte, wo übrigens gar nicht so wenige Member einen
deutlichen Temperaturrückgang auf -6 bis -9 Grad auf der Agenda haben, deuten
einige Member am Sonntag und Montag leichte Niederschläge, dann wohl meist als
Schnee, an.
In der erweiterten Mittelfrist wird dann der Spread der 850 hPa-Temperatur – bei
recht hohem Geopotenzial und nur spärlich bis gar keinen simulierten
Niederschlägen – wieder schmaler.

FAZIT:
Im Großen und Ganzen langweiliges spätherbstliches Hochdruckwetter mit Tendenz
zu allmählichem Temperaturrückgang und nur wenigen Niederschlägen. Abgesehen von
wenigen Außenseitervarianten (GEM, einzelne GFS- und IFS-Member) ist kein
Winterwetter in Sicht.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Anhand der deterministischen Läufe und der Probabilisitk lassen sich so gut wie
keine Wahrscheinlichkeiten für markante Wettererscheinungen ableiten, auch EFI
hat keine Signale für signifikant vom Modellklima abweichendes Wetter auf der
Agenda. Die Grenzschichtproblematik steht eindeutig im Vordergrund und somit
Nebel, Frost und eventuell „gelbe“ Glätte im Fokus der Warntätigkeit.
Inversionsbedingt kann es auf einigen Berggipfeln vor allem ab der Nacht zum
Freitag bis Sonntagfrüh stürmische Böen aus Südost geben.
Zu Wochenbeginn werden die Unsicherheiten größer. Vor allem zum Dienstag hin
könnte es mit der IFS-Variante in den Nebelregionen Süddeutschlands kurzzeitig
auch gefrierenden Regen geben. Diese Version erscheint aber im Modellvergleich
nicht allzu wahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ModelMIX, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Montag, den 23.11.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 23.11.2020 um 10.30 UTC

Überwiegend trocken mit viel Nebel und Hochnebel. Nachts Frost, regional auch
Dauerfrost.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 30.11.2020

Die gesamte Mittelfrist (Donnerstag bis Montag, 26. bis 30.11.) wird geprägt
durch einen stratosphärischen Polarwirbel (SPW), der nur eines kennt:
Intensivierung. Fehlende Wärmeflüsse und keine nennenswerten Blockierungen der
Grundströmung puschen den Wirbel in den letzten IFS-Vorhersagen beständig und
deutlich über das 90-iger Perzentil des Modellklimas, wenn man sich den zonal
gemittelten Zonalwind in 10 hPa bei rund 60 Grad Nord betrachtet. Zudem
etablieren sich zum Ende der Mittelfrist in der Nähe des Nordpols auch im Niveau
der Troposphäre negative Geopotenzialanomalien, was die zunehmende Intensität
des SPW stützt. Allerdings deuten weder GEFS noch das GMAO der NASA eine
nachhaltige Kopplung des SPW mit dem Polarwirbel der Troposphäre (TPW) an. Die
allmähliche Intensivierung des TPW ist auch auf fehlende polwärts gerichteten
Flüsse innerhalb der Troposphäre zurückzuführen, die bis jetzt wenigstens
zeitweise auftraten.

Das Zentrum des SPW verlagert sich dabei von der Laptewsee/Ostsibirischen See
sukzessive zum Pol. Der TPW weist eine amöbenartige bzw. Dipolstruktur auf mit
einem vorherrschenden und dominanten Zentrum über den Königin-Elisabeth-Inseln
(im Kanadisch-Arktischen Archipel) und auch hier verlagert sich das Zentrum bis
zum Ende der Mittelfrist in die Nähe des Nordpols, um in der Folge zusammen mit
dem SPW in Richtung Ostsibirische See abzudriften.

Die bereits vor einer Woche angesprochene Geopotenzialerhöhung in der
Stratosphäre über dem asiatischen Sektor wird weiterhin gerechnet, wobei sich
diese Anomalie sukzessive über den pazifischen Sektor nach Westen verlagern
soll. Damit verbunden ist auch eine beträchtliche Intensivierung des
Polarfrontjets in diesem Bereich. Hinzu kommt ein anormal kräftiges
Hochdruckgebiet über der Mongolei (gestützt durch beständige und kräftige KLA),
dessen Bodendruck zentrumsnah mit rund 1040-1055 hPa verbreitet 15-20 hPa zu
hohe Druckwerte aufweist (in Bezug auf das Klima von 1981 bis 2010). Diese
Positionierung ist insofern interessant, weil sie ein sogenanntes „positives
Gebirgsdrehmoment“ induziert – vereinfacht gesagt liegt der hohe Druck östlich
der ruppigen Orografie Ostasiens mit einer Ausgleichsströmung vom hohen zum
tiefen Druck – also gegen den Rotationssinn der Erde. Dieser augenscheinliche
Verlust von Momentum wird in die Atmosphäre und somit in den Strahlstrom
injiziert und kurbelt diesen weiter an. Beides ist in der zonalen Mittelung der
Gesamtkomponente des atmosphärischen Drehimpulses mit einer erneuten Zunahme ab
dem 28.11. zu erkennen, aber auch in Vorhersagen von 200 hPa Windvorhersagen mit
Werten jenseits von 200 kt über dem Nordpazifik zum Ende der Mittelfrist.
Interessant und wichtig ist diese Entwicklung deshalb, weil durch diese
Beschleunigung ein ausgeprägter Rossby-Wellenzug induziert wird, der in der
Folge durch zyklonales Wellenbrechen vor Alaska ein kräftiges und blockierendes
positives Geopotenzialmuster über Kanada/dem Nordostatlantik entstehen lassen
soll, das unter Umständen über den Nordpol hinweg Kontakt zu einem
asiatischen/sibirischen Gegenstück aufnehmen könnte. Diese Aktivität deutet sich
zum Ende der Mittelfrist u.a. in einer erneuten geringen Abnahme der
Zonalgeschwindigkeit beim TPW an, aber auch durch eine rasante Verstärkung des
vertikalen Wärmeflusses über dem pazifischen/kanadischen Sektor. Das ist zwar
jetzt noch nicht das Mittel für eine nachhaltige Abschwächung des gesamten
Polarwirbels, doch wie heißt es so schön: der stete Tropfen höhlt den Stein.
Nicht umsonst streuen immer mehr Member bei der zonalen Mittelung des
Zonalwindes in 10 hPa ab Mitte Dezember. Aber zur Erinnerung, der SPW befindet
sich im absoluten Höhenflug bezüglich seiner Intensität (vielleicht gar mit
Rekordwerten), sodass auch die abgeschwächten Member weiterhin um oder über dem
Median der Modellklimatologie liegen.

Die Tropen haben keinen Einfluss auf die Außertropen mit einer bezüglich
Intensität nicht nennenswerten MJO.

Die AO/NAM geht zwar die Mittelfrist über sukzessive zurück, macht das aber
nicht konstant, sondern in Sprüngen, was aber insgesamt auf ein vorübergehendes
Verstärken des TPW hindeutet.
Die NAO geht vom deutlich positiven Bereich allmählich in den neutralen Bereich
zurück, während die PNA im deutlich positiven Bereich verbleibt. Zum Ende der
Mittelfrist wird in diesem Sektor ja auch eine klassische PNA +
Geopotenzialgeometrie erwartet.

Was bedeutet das für das Wetter in Deutschland/Mitteleuropa während dieser
Mittelfrist? Zusammengefasst: wenig Abwechslung!

Wir befinden uns durchweg in einer sehr schwachen und flatternden Strömung im
Schnittbereich Troposphäre/Stratosphäre, sodass die Tendenz zu Abtropfprozessen
bzw. transienten Blockierungen vorherrscht. Wer sich am trüben Herbstgrau
erfreut, der wird diese Mittelfrist auf jeden Fall genießen.

Am Donnerstag, dem Beginn der Mittelfrist, wird im Zuge einer Langwellenpassage
über Skandinavien eine Kaltfront nach Deutschland geführt und bleibt dort
zunehmend strömungsparallel bzw. unter leicht steigendem Geopotenzial in 500 hPa
über der Mitte Deutschlands liegen. Dies wird von einer recht dichten Bündelung
der Einzelmember vom IFS-EPS gestützt, wobei der „tracker“ jedoch über
Deutschland zunehmend die Front verliert. Mit dieser Front wird etwas
Niederschlag (1-4 l/qm/24h) und viel Feuchte nach Deutschland geführt, die sich
dort schön einnisten kann. Dank der frontolytischen Tendenz schwächen sich zwar
die Niederschläge ab, Nebel und Hochnebel beglücken jedoch weite Bereiche
Deutschlands in der Nacht zum Freitag.

Am Freitag und Samstag ändert sich dann wenig. Das Geopotenzial über
Skandinavien steigt und ein Trog über Südwesteuropa „zerbröselt“ mehr und mehr
in zahlreiche abgetropfte Höhentiefs. Beide Tagen stehen ganz im Zeichen der
Grenzschichtdynamik, wobei vielerorts Nebel und Hochnebel ganztags das
Himmelsbild bestimmten. Wenn, dann kann sich mal im Westen und Südwesten sowie
im äußersten Norden kurz die Sonne zeigen.

Am Sonntag wird im heutigen deterministischen Lauf stromauf der sich
nordostwärts verlagernden positiven Geopotenzialanomalie ein Kaltlufttropfen
über Polen in Richtung Ostsee geführt, der den Nordosten Deutschlands streift.
Müßig zu sagen, dass diese Entwicklung mit maximalen Werten der normalisierten
Standardabweichung des IFS-PS Ensemble aufleuchtet, was auch für den HRES gilt.
Die letzten drei IFS-Läufe sprangen mit dessen Zentrum zwischen Polen und der
Nordsee hin und her. Summa summarum – wir behalten diese Entwicklung im Auge.
Selbst mit der aktuellen Vorhersage wären die einzigen Auswirkungen, dass sich
die Wolkendecke durch Hebung bzw. Abkühlung jeglicher Inversionen vielerorts
auflösen könnte und der Sonne Platz machen würde. Niederschlag wäre nur in
homöopathischen Mengen im Umfeld der Oder und Erzgebirge zu erwarten – dann
vielleicht in Form einzelner Schneeflocken.

Dieser Trend würde sich auch am Montag mit geringen Geopotenzialgradienten
fortsetzten mit einem sonnigen Norden und einer heiteren Mitte sowie einem
hochneblig-trüben Süden. Aber bitte nicht viel Gewichtung in diese
Bewölkungsverteilung legen, denn frühere IFS-Läufe sowie andere Modelldaten
zeigen wiederum andere Optionen. So langweilig diese Wetterlage auch erscheint,
so anspruchsvoll wird sie für die Numerik bzgl. Bewölkungsverteilung werden.

Die Höchstwerte liegen zunächst je nach Nebel- und Sonnenanteil zwischen -3 und
10 Grad und gehen zum Ende des Wochenendes allgemein auf -3 bis 6 Grad zurück.
Abgesehen vom Norden werden frostige Nächte (leichter Luftfrost) und regional
auch Glätte (z.B. Nebelnässe bzw. Frontalniederschläge) erwartet.
Der meist aus Ost bis Südost wehende Wind spielt keine Rolle, kann nur über der
offenen Deutschen Bucht sowie inversionsbedingt auf einzelnen Berggipfeln
zeitweise stürmisch auffrischen.

In der erweiterten Mittelfrist könnte das Geopotenzial über Mitteleuropa von
Norden etwas zurückgehen. Zudem wird mit der im Haupttext angesprochenen
Blockierung/positiven Geopotenzialanomalie über Kanada und dem Nordostatlantik
jeglicher Impuls von Westen unterdrückt, sodass die Augen nach Norden gerichtet
sind mit der Frage: wohin stößt der nächste Trog und wohin bringt uns dieser
Vorstoß – auf die Vorder- oder Rückseite des Troges?

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die vergangenen deterministischen Modellläufe von IFS zeigten bis einschließlich
Freitag eine einheitliche Handhabung der allgemeinen Entwicklung der Strömung.
Der Anstieg des Geopotenzials in 500 hPa über Skandinavien wird übereinstimmend
gezeigt, geringe Diskrepanzen gibt es mit einem sich abschwächenden Trog an
dessen Südflanke, der auch Deutschland betrifft. Der jüngste Lauf möchte den
Trog nun gar mit einem Residuum über dem Ärmelkanal abtropfen lassen. Das sind
aber Feinheiten, die nur den Wettervorhersager interessieren, denn alle Läufe
stützen eine Frontpassage am Donnerstag (geringe Niederschläge) mit
nachfolgender Grenzschichtproblematik (viel Nebel und Hochnebel) in vielen
Regionen Deutschlands.

In der Folge herrscht dann größte Unstimmigkeit, was mit zahlreichen
Abtropfprozessen über Europa zu tun hat, die Spanien, das westliche Mittelmeer
und das östliche Mitteleuropa betreffen. Dabei gibt es noch keine
Modellkonsistenz bezüglich der jeweiligen Zugbahnen und alleine beim
Kaltlufttropfen (KLT) über dem östlichen Mitteleuropa am Samstag/Sonntag
springen die Läufe noch um rund 1000 km bezüglich dessen Platzierung. Die
einzige Unsicherheit, die sich aber daraus ergibt ist die, inwieweit sich die
Nebel- und Hochnebelfelder zum Sonntag/Montag mal auflockern können. Natürlich
bleibt die Zugbahn des KLT bezüglich einer Schneeüberraschung nicht komplett
uninteressant, aber viel Niederschlag soll dieses Höhentief eh nicht begleiten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Beim Vergleich der internationalen Globalmodelle beginnen sich die
Unsicherheiten ein bisschen früher auf die Entwicklung der Mittelfrist
auszuwirken. GFS zeigt den Trog am Donnerstag/Freitag deutlich schwächer als IFS
und belässt somit die Front mit all der Feuchte auch über dem Norden von
Deutschland, sodass die Mitte und der Süden davon gar nicht so tangiert werden
würde. Entsprechend sonniger würde dieser Abschnitt für weite Bereiche
Deutschlands verlaufen. ICON tendiert eher zu der GFS-Lösung, zeigt jedoch auch
präfrontal eine feuchtere und somit zu Hochnebel neigenden Luftmasse.

In der Folge nehmen durch die Abtropfprozesse die Unsicherheiten rasch zu. Bei
überwiegend laschen Geopotenzialgradienten in 500 hPa aber bleibt nur die
Unsicherheit, ob das trockenere GFS oder das feuchtere IFS/ICON überwiegen, was
auf den Sonnenanteil Auswirkungen hat. MOSMIX zeigt zwar wenigstens im Südwesten
und Westen etwas Sonnenanteil, wird jedoch vom IFS-MOS heruntergezogen, das sehr
pessimistisch ist.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse beginnt mit dem klimatologischen Regime „Blockade“ und 5
Clustern (Kontrolllauf im ersten, der det. Lauf im zweiten Cluster). Deutschland
liegt dabei in allen Clustern am Südrand positiver Geopotenzialanomalien, die
von Norwegen bis nach Sibirien reichen, im Einflussbereich eines sich
abschwächenden Langwellentroges. Dabei ist noch etwas unsicher, wie aktiv dieser
Trog nach Deutschland vorankommt, denn einige der Cluster zeigen auch über
Mitteleuropa leicht positive Anomaliewerte. Einig sind sich aber alle Cluster,
dass es sich eher um eine gering aktive Frontpassage handelt, wenn diese
Deutschland überhaupt erfasst (Cluster 3 und 5).

In der Folge bleibt das klimatologische Regime bestehen mit 3 Clustern (det. und
Kontrolllauf jeweils im ersten Cluster). Neben negativen Anomaliewerten in der
Nähe des Nordpols sticht ein zonal ausgerichteter Bereich mit positiven
Anomaliewerten heraus, der sich (noch abgeschwächt) von Kanada und dem
Nordostatlantik bis nach Sibirien (Schwerpunkt) erstreckt. Deutschland verbleibt
dabei am Südrand der dominanten Anomalie über Sibirien und „schlägt“ sich mit
zahlreichen abgetropften „Kaltluftkörpern“ herum. Die Zugbahnen weichen
innerhalb der Cluster stark voneinander ab und auch die im det. Cluster gezeigte
KLT-Passage von Polen zur Ostsee (24 Member) wird vom zweiten Cluster bereits
nicht mehr gestützt (18 Member) und verläuft im dritten Cluster deutlich
östlicher.

In der erweiterten Mittelfrist wird dann zunehmend die positive Anomalie über
Grönland und dem Nordostaltantik dominant, sodass auch das klimat. Regime von
„Blockade“ zu überwiegend „Atlantikrücken“ wechselt. Bei 2 Clustern könnte
Mitteleuropa im ersten Cluster wenigstens von schwachen Trogpassagen über
Nordeuropa tangiert werden, während im zweiten Cluster die hohe Anomalie bzw.
eine schwache Geopotenzialgradientverteilung überwiegt. Beide Cluster sind
ähnlich verteilt bezüglich der Memberschar. In der Folge (Anfang Dezember)
gleichen sich beide Cluster bei einem Regime „negative NAO“ zunehmend an mit
einem umfangreichen Langwellentrog über West- und Mitteleuropa, was wenigstens
etwas Schwung in die eingefahrene bzw. eingeschlafene Wetterküche bringen
könnte.

Die Meteogramme zeigen in Deutschland die Mittelfrist über einen geringen
Abkühlungstrend an, was durch eine schwache advektive Komponente forciert wird,
allerdings auch durch eine zunehmend hochnebelartig behaftete Mittelfrist.
Niederschlagssignale gibt es im Norden nur am Donnerstag während der
Frontpassage (Maximum um 1 l/qm/6h), während es im Süden erst trocken bleibt und
zum kommenden Wochenbeginn geringe Signale gibt. Auch im Osten gibt es diese und
die können dem Kaltlufttropfen geschuldet sein. Wie man es aber dreht und
wendet, nennenswerte Niederschläge werden bei der aktuellen Zugbahn des
Kaltlufttropfen keine erwartet.
Die Rauchfahnen bei der 850 hPa Temperatur und dem 500 hPa Geopotenzial beginnen
gebündelt und streuen dann zum Wochenende dank des unsicheren Kaltlufttropfens
stark.

GEFS sieht ähnlich aus, wenngleich zu Beginn vielerorts trockener wegen der
fehlenden bzw. verzögerten und stark abgeschwächten Frontpassage.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen der Grenzschichtproblematik zeigen weder der EFI noch das IFS-EPS
Wahrscheinlichkeiten für markante Wettererscheinungen (exklusive einzelner Bft
8-er Böen über der Deutschen Bucht und inversionsbedingt auf einzelnen
Berggipfeln).

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, IFS, MOSMIX, GEFS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy