SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 220800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 22.07.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
HM
Heute im Südwesten, morgen in der Mitte und im Süden und am Mittwoch fast überall starke Wärmebelastung.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… wandert der westeuropäische Höhenrücken unter weiterer Verstärkung
langsam nach Osten und erreicht mit seiner Hauptachse zum Tagesende Benelux und
die Nordsee, wobei sich ein Höhenhochzentrum zum Tagesende über den Westalpen
entwickelt (300 hPa). Der Schwerpunkt des Bodenhochs liegt dabei im Alpenraum.
An seiner Westflanke setzt von Südfrankreich her die Zufuhr heißer Luft nach
Südwestdeutschland ein.
An der Nordflanke des Höhenkeiles herrscht Warmluftadvektion, die auf Norddeutschland übergreift. Daran gekoppelt ist eine atlantische Warmfront, die
über das Küstengebiet nach Osten geführt wird. Leichter Regen dehnt sich in diesem Zusammenhang von der Küste bis zum mittleren Niedersachsen und bis in den
Norden Brandenburgs aus.
In der Mitte und im Süden wirkt sich die WLA in der Höhe lediglich in Form hoher
Wolkenfelder aus und es ist trocken.
Die Höchsttemperaturen liegen in der Südhälfte zwischen 29 bis 33 Grad mit den
höchsten Werten am
Oberrhein. In der Nordhälfte werden sommerliche 24 bis 28 Grad erreicht. Nur im
äußersten Norden ist es mit 19 bis 23 Grad nicht so warm. Der Wind frischt an
der Nordsee vorübergehend etwas auf und weht mit 5er bis 6er Böen. An der Schlesw.-Holsteinischen Nordseeküste sind 7er Böen wahrscheinlich (PEPS: 30 bis
100 Prozent mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten auf Sylt).

In der Nacht zum Dienstag lockert sich die Bewölkung im
Nordseeküstenbereich
auf. Ganz im Nordosten hält sich bis zum Morgen aber noch starke Bewölkung, der
Warmfrontregen lässt aber nach. Ansonsten ist es klar
oder leicht bewölkt und trocken bei Tiefstwerten zwischen 10 Grad in einigen
Mittelgebirgstälern und 17 Grad in Berlin. Vereinzelt bildet sich Nebel (Nebelwahrscheinlichkeit nach Mosmix im Nordwesten bei 30 bis 75 Prozent).

Dienstag… liegt Deutschland unter dem von Südwesteuropa respektive Nordwestafrika nach Norden gerichteten Höhenrücken, in dessen Zentrum sich weiter eine Höhenantizyklone befindet, die sich nach Oberitalien verlagert. Ein
Höhenkeil reicht im Tagesverlauf bis nach Südskandinavien. Dabei entwickelt sich
bis zum Abend ausgehend vom Hoch über den Ostalpen eine Hochdruckbrücke, die
über Tschechien bis zur westlichen Ostsee reicht. An ihrem Westrand wird von
Süden und Südwesten weiter heiße Luft bis nach Norddeutschland geführt. Damit lockern sich im Nordosten die Wolken durch Absinken langsam auf, so dass
es in fast ganz Deutschland sonnig und trocken ist. Mit der kräftigen Einstrahlung und dem Absinken erwärmt sich die Luft auf Höchstwerte zwischen 30
Grad in Nordbrandenburg und 36 Grad am Oberrhein. Folglich ist zumindest in der
Mitte und im Süden mit einer
starken Wärmebelastung zu rechnen.
Der Wind weht angesichts der sich entwickelnden flachen Hochdruckzone meist nur
schwach.
In der Nacht zum Mittwoch ist es meist gering bewölkt oder klar und Nebel bildet
sich nur ganz vereinzelt. Es kühlt sich auf 13 Grad im Nordosten und 19 Grad im
Westen und Südwesten ab. In den inneren Bereichen einiger Großstädte kühlt es
nicht mehr unter 20°C ab (sogenannte Tropennacht).

Mittwoch… liegt Deutschland weiterhin unter dem Höhenrücken. Allerdings verlagert sich seine Achse etwas weiter nach Osten und somit gelangen die westlichen Landesteile auf der Rückseite in die südwestliche Höhenströmung. Zwischen 2000 und 3000 m strömt von Nordwestafrika und Spanien aus sehr heiße
Luft nach Frankreich und zum westlichen und südlichen Deutschland. Die Temperatur in 850 hPa steigt südwestlich einer Linie vom Bayerischen Wald bis
zur Weser auf 20 bis 24 Grad mit den höchsten Werten an der französischen Grenze. Der Himmel ist meist wolkenlos, wenn man von dünner Cirrusbewölkung einmal absieht. Daher werden in Norddeutschland 31 bis 34 Grad, in der Mitte und
im Südwesten 35 bis 38 und in Südbayern rund 34 Grad erwartet. Wie schon an den
Vortagen ist daher eine Warnung vor starker bis sehr starker Wärmebelastung zu
erwarten. Bei auflandigem Wind an der Küste ist es mit 27 bis 30 Grad einigermaßen erträglich.

In der Nacht zum Donnerstag ist nur leichte Kühlung in Sicht. Meist liegen die
Tiefstwerte über 18 Grad. Nur im Osten und Südosten sowie in einigen Gebirgstälern kühlt es auf 14 bis 17 Grad runter. Im Westen und in den Ballungszentren muss mit einer ŽTropennachtŽ gerechnet werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die externen Modelle simulieren die Entwicklung ähnlich wie die deutschen Modelle.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 210800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 21.07.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu HM (Hitze, nee Hoch Mitteleuropa)

Heute im Südosten noch Gewitter, einzelne Unwetter nicht ausgeschlossen. Im weiteren Verlauf der Woche zunehmender Hochdruckeinfluss und aufkommende Hitzewelle.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… liegt Deutschland am östlichen Ausgang der – noch! – relativ glatt
über den mittleren Nordatlantik bis zum europäischen Kontinent verlaufenden Frontalzone. Das wird sich aber in den nächsten Tagen signifikant ändern, wenn
nämlich aus der von kurzen Wellen geprägten Zonal- eine veritable, in Richtung
Omega tendierende Meridionalströmung wird. Bereits aktuell erkennt man über dem
östlichen Teil des Atlantiks ein mächtiges antizyklonal konturiertes Wolkenschild, dessen Formation zumindest vage andeutet, in welche Richtung sich
das Ganze entwickeln wird. So kommt heute noch weiter westlich eine Austrogung
in Gang, die stromab eine antizyklonale Aufwölbung der Potenzialflächen bedingt,
was zunächst aber noch sehr breit und entsprechend flach erfolgt. Aber was nicht
ist, kann ja noch werden, und es wird – ganz sicher.
Bevor wir uns hier aber in den Tiefen des Atlantiks verlieren (genauer gesagt
„in den Höhen über dem Atlantik“), schauen wir auf Deutschland, das in Teilen
einen unruhigen Samstag hinter sich hat. Ursache dafür, und jetzt kommen wir
noch mal zurück zur Frontalzone, ist ein kurzwelliger Höhentrog, der gerade dabei ist, den Vorhersageraum ostwärts zu überqueren. Ihm vorgeschaltet ist eine
Kaltfront, die in den Analysen nicht ganz einfach zu finden ist, was mehrere
Gründe hat: schwache Baroklinität, geringe Taupunktunterschiede post-/präfrontal, kein vernünftiger Windsprung, von Druckanstieg überlaufen und
und und). Es kann aber als unstrittig angesehen werden, dass ein Großteil der
Nordwesthälfte unseres Landes die Passage der Front bereits hinter sich hat, und
dass sie sich in den nächsten Stunden unter weiterer Abschwächung (überlagerter
Druckanstieg, abnehmende Interaktion mit dem scheidenden Höhentrog) weiter nach
Südosten in Richtung Alpen „schleppt“.
Heute Morgen beschränkt sich ihre Wirksamkeit im Wesentlichen auf breitgelaufene, nicht mehr organisierte Konvektion in Form gewittriger Regenfälle im Südosten (Schwerpunkt Bayern). Der Südosten, also etwa vom Südteil
der Schwäbischen Alb bzw. Oberschwaben bis hinüber zum Bayerischen, vielleicht
auch noch bis zum Oberpfälzer Wald/Vogtland sowie südlich davon, ist dann auch
die Region, wo es Tagesgang und Kaltfront im weiteren Verlauf schaffen sollten,
ein paar kräftige Zellen entstehen zu lassen. Zwar setzt von Nordwesten her eine
allmähliche Stabilisierung ein, ein wirklicher Luftmassenwechsel findet aber
nicht statt. Feuchtigkeit ist noch ausreichend vorhanden (PPW um 30 mm, spez.
Feuchte 12-13 g/kg), auch kann trotz der anfänglich starken Bewölkung ML-CAPE
generiert werden (lokal um oder etwas über 1000 J/kg). Kurzum, es muss mit einzelnen Krachern gerechnet werden, die von Starkregen, Hagel und Sturmböen
begleitet sein können. Großartig organisierte Strukturen zeichnen sich aufgrund
geringer Scherwerte und dem zu großen Abstand zum Trog nicht ab, was die Unwettergefahr klein hält. Gleichwohl kann nicht ausgeschlossen werden, dass die
verantwortlichen Warnmeteorologen in wenigen Einzelfällen mal die rote Karte
zücken müssen. Am späten Nachmittag und Abend jedenfalls zieht dich das konvektive Geschehen mehr und mehr in den äußersten Süden und Südosten des weiß-blauen Freistaats zurück.
Bleibt also noch die Frage zu klären, wie der Sonntag im großen Rest der Republik verläuft. Gar nicht mal so schlecht, könnte man vereinfacht sagen, obwohl das ja immer Geschmackssache ist. Gemessen an dem, was in den nächsten
Tagen auf uns zukommt, sollte man heute auf alle Fälle noch mal tief durchatmen.
Ein sich vom Atlantik bis nach Mitteleuropa vorarbeitender Bodenhochkeil sorgt
für eine Mischung aus Sonnenschein und einigen Quellungen (im hohen Norden ist
vorübergehend auch hochnebelartiger Nordseestratus am Start, der im weiteren
Verlauf aber zunehmend von der turbulenten Durchmischung durch den auffrischenden Wind sowie den Tagesgang angeknabbert bzw. perforiert wird), die
nur noch einige wenige kurze Schauer produzieren dürften. Zwar ist die Luftmasse
nach Osten hin (vor allem Teile BBs, Sachsen) in der Mittagszeit noch ausreichend labil geschichtet (wenn die von unten bis 800 hPa reichende indifferente Schichtung (siehe Frühsondierung von Lindenberg) labilisiert wurde)
und auch feucht genug, um ausreichend CAPE zu generieren (MU-CAPE teils über
1000 J/kg), so dass es bei günstiger Interaktion mit dem o.e. KW-Trog für Gewitter reichen könnte. Dagegen spricht allerdings ein möglicherweise zu frühes
Rauslaufen des Troges sowie die von Westen her einsetzende deutliche Abtrocknung
der Luftmasse (siehe Prognosesoundings). Im Norden und Westen, wo der Luftmassenwechsel am griffigsten ausfällt bzw. ausgefallen ist (Rückgang T850
auf 10 bis 7°C), kann man gemäßigte Temperaturen von 20 bis 26°C genießen, während es sonst 25 bis 30°C sind.
Im äußersten Norden, wo ein flacher Bodentrog durchschwenkt (er markiert das
südliche Ende des über Südskandinavien zum Auslaufmodell degradierten Tiefs THEO), frischt der auf nahezu glatt West drehende Wind für ein paar Stunden böig
auf mit Spitzen 6-7 Bft, bevor im Laufe des Nachmittags der sich von Süden aufwölbende Bodenkeil dem Ganzen den Hahn abdreht.

In der Nacht zum Montag sorgt weiterer Druckanstieg für ein rasches Ende der
anfangs im äußersten Süden und Südosten noch auftretenden Konvektion. Die Bewölkung lockert respektive löst sich auf, was weiten Landeteilen eine klare
Nacht beschert. Im Süden, wo durch die Regenfälle und Gewitter die Grundschicht
noch etwas angefeuchtet ist, bildet sich stellenweise Nebel. Im Norden und Nordwesten tauchen im Laufe der Nacht vermehrt hohe Schleierwolken, später auch mittelhohe Wolken auf. Sie sind das Ergebnis kräftiger WLA, die von UK und der Nordsee allmählich auf unseren Raum übergreift. Angekündigt wird damit die Warmfront eines kleinen Randtiefs (UWE),
das um Mitternacht die Färöer-Inseln kontaktiert, um von dort weiter zur südlichen Norwegischen See zu ziehen. Gegen Morgen könnte es auf den Nordseeinseln erste zaghafte Tröpsche geben. Mit 17 bis 10°C, in einigen Mittelgebirgstälern sogar darunter, geht die Temperatur in den meisten Regionen
in die lüftungsfreundliche Komfortzone zurück. Nutzt die Chance, liebe Freunde,
und reißt die Schlafzimmerfenster auf, bald wird das kein Vergnügen mehr sein,
vor allem in der Westhälfte.

Montag… setzt sich die Umstellung der Großwetterlage unaufhaltsam fort. Von
West nach Ost heißt es global betrachtet: Austrogung – Aufwölbung – Austrogung.
Deutschland gelangt dabei zunehmend und mit Nachdruck in den sich von Südwesteuropa über Frankreich nach Norden aufwölbenden Höhenrücken, der verstärkt für Absinken sorgt. Im Bodenniveau wird ein umfangreiches, von seinem
Absolutluftdruck gar nicht mal so potentes Hoch (YVONNE) generiert (etwas über
1020 hPa, was für hochsommerliche Verhältnisse aber durchaus normal ist), das
der Südhälfte einen sonnigen und sehr warmen bis heißen Wochenstart mit relativ
dünnen Wolken (hohe Cirren) beschert. T850 steigt auf 13 bis 18°C, was unter dem
Strich Höchstwerte von 26 bis 32°C, an Hoch- und Oberrhein vereinzelt vielleicht
sogar 33°C beschert.
Je weiter man allerdings nach Norden kommt, desto dichter fällt die Bewölkung
aus. Grund dafür ist sich vorübergehend verstärkende WLA, die den sich aufwölbenden Rücken problemlos überläuft, was übrigens auch für die o.e. Warmfront gilt. So wird morgen von der Nordsee her ein schwaches, aber spürbares
Regengebiet (Regen und Nieselregen) über SH und das nördliche Niedersachsen in
Richtung MV ziehen, wobei die südliche Grenze des Regens von der Numerik noch
leicht unterschiedlich angegeben wird (die deutsche Modellkette ist mit Hannover-Braunschweig am südlichsten aufgestellt). Einigkeit herrscht aber dahingehend, dass am Ende des Tages nur wenige Millimeter, teils sogar weniger
als ein Millimeter gemessen werden. Am Nachmittag ist das Ganze an der Nordsee
durch und mit etwas Glück bekommt man noch etwas Sonne ab.
Mit oder ohne Sonne, die Temperatur übt sich im Norden und Nordosten zunächst
noch in dezenter Zurückhaltung, ohne dass man angesichts von 20 bis 26°C von
kühlen Verhältnissen sprechen könnte. Zu beachten gilt es den von südlichen Richtungen auf Südwest drehenden Wind, der hinter der Warmfront vor allem über
der Nordsee vorübergehend an Fahrt aufnimmt. Auf den Nordfriesischen Inseln und
den Halligen könnte es für die eine oder andere steife Böe 7 Bft reichen.

In der Nacht zum Dienstag überquert die Warmfront den Nordosten mit dichter Bewölkung und etwas Regen, der aber nach Mitternacht Richtung Polen abzieht.
Dahinter lockert die Bewölkung von Westen her auf, hier und da bildet sich flacher Nebel. Im großen Rest des Landes verläuft die Nacht unter Hochdruckeinfluss gering bewölkt oder klar. Mit 18 bis 10°C liegen die Tiefstwerte noch im kommoden Bereich, einzig im Südwesten sowie in größeren Städten Westdeutschlands bleibt es vereinzelt schon wärmer.

Dienstag… gelangt Deutschland endgültig unter den von Südwesteuropa respektive
Nordwestafrika nach Norden gerichteten Höhenrücken. Ein Keil reicht dabei bis
nach Südskandinavien, ein zweiter bis hoch nach Island. Der Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs liegt zur Mittagszeit mit etwas über 1022 hPa mitten über Deutschland. Es sorgt für Sonne satt, wobei es aufgrund des starken
Absinkens und der schwachen horizontalen Advektionsverhältnisse in der mittleren
und oberen Troposphäre selbst Cirren schwer haben, sich über dem Bundesgebiet zu
präsentieren. Wer sicher Wolken sehen möchte, sollte sich Richtung Osten und
Nordosten orientieren, wo sich unterhalb der dort bei etwa 800 hPa liegenden
Absinkinversion einige Quellungen bilden.
Die Erwärmung respektive Aufheizung der Luftmasse macht weitere Fortschritte. So
geht es in 850 hPa bis zum Abend hoch auf 14/15°C im Nordosten und bis zu 20°C
im äußersten Süden und Südwesten. Die Quittung erfolgt auf dem Fuße, die 30°C-Marke rückt vor bis in den Osten und Norden. Im Südwesten reicht es punktuell schon für 35°C, vor allem am Oberrhein, an Mosel und Saar. Die Refugien mit weniger als oder so gerade 30°C beschränken sich auf die Zonen von
der Nordsee über den Hamburger Raum bis nach Berlin und nördlich davon sowie
vielleicht noch an der Neiße. An den Küsten dürfte sich aufgrund der großen Temperaturunterschiede zwischen Meer und Land vielerorts Seewind ausbilden, der
die Temperatur zumindest teilweise auf unter 25°C drückt.

Die Nacht zum Mittwoch tut sich wetterlagenmäßig wenig, temperaturmäßig schon.
So wird es im Westen und Südwesten gebietsweise sowie in den großen Innenstädten
nicht mehr unter 20°C abkühlen (=> sogenannte Tropennacht), während sonst die
Tiefstwerte zwischen 20 und 13°C liegen.

Modellvergleich und -einschätzung

Es ist eigentlich alles gesagt. Die einzig kleine, für das Warnmanagement relevante Unsicherheit betrifft die genaue räumliche Verteilung der aktuell die
übliche vormittägliche Depression durchlebende, später aber noch mal einsetzende
Konvektion. Nowcasting heißt hier das Stichwort.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 200800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 20.07.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
SW a
Heute im Tagesverlauf im Norden und in der Mitte von West und am Abend und in
der Nacht zum Sonntag nach Ost übergreifend Gewitter, Unwettergefahr durch schwere Sturm- und orkanartige Böen und Hagel. Außerdem auch weiter im Süden
einzelne und zum Teil heftige Gewitter.
Am Sonntag im Süden und Südosten erneut Gewitter, Unwetter durch größeren Hagel
und heftigen Starkregen nicht ausgeschlossen. Danach Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… liegt Deutschland an der Vorderseite eines Troges, der von den Britischen Inseln bis in die Nordsee vorankommt. Vorderseitig gelangt feuchtlabil geschichtete Warmluft aus Südfrankreich nach Mitteleuropa. Mit der
Annäherung des Troges setzt kräftige Hebung ein, die hauptsächlich durch positive Vorticityadvektion generiert wird. Hierdurch greifen im Tagesverlauf
staffelartig organisierte Gewitter auf das Vorhersagegebiet über. Während CAPE
relativ großflächig 1000 bis 1500 J/kg erreicht, erfasst der maximale Feuchteeinschub (mit einem Gehalt an niederschlagbarem Wasser bis knapp über 40
mm) den Westen und Nordwesten. Dort ist auch die kräftigste Scherung (sowohl
niedertroposphärisch als auch bis in mittlere Troposphärenschichten hinaufreichend) zu finden. In Verbindung mit einem Oberwind, der im 700 hPa-Niveau 45 kt erreicht, sind in Verbindung mit den staffelartig auftretenden
Gewittern schwere Sturmböen vorstellbar; orkanartige Böen können nicht ausgeschlossen werden. Auch größerer Hagel kann auftreten. Starkregen sollte als
Unwetterkriterium eher eine untergeordnete Rolle spielen. Am gefährdetsten ist
zunächst der Nordwesten und Westen, weil dort alle beschriebenen Zutaten gegeben
sind. Am Abend und in der Nacht zum Sonntag werden diese Gewitter über die (nördliche) Mitte ostwärts und auch den Süden übergreifen und in den Frühstunden
des Sonntags die Oder sowie die Alpen erreichen. Für die gefährdetsten Regionen
wird daher eine Unwetter-Vorabinformation ausgegeben.
Einzelne und zum Teil heftige Gewitter können aber auch weiter südlich auftreten, wobei dort die Orografie und später die übergreifende Kaltfront des
mit dem o.g. Trog korrespondierenden Tiefs eher zur Auslösung beitragen dürfte.
Aufgrund der geringeren Verlagerungsgeschwindigkeit ist in diesen Gebieten Starkregen eher vorstellbar. Auch größerer Hagel ist möglich. Unwetter sind aber
deutlich weniger wahrscheinlich als in den oben beschriebenen Regionen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 26 bis 31, in tieferen Lagen Süddeutschlands
bis 33 Grad.
In der Nacht zum Sonntag greift die Gewittertätigkeit auf den Nordosten und ausgangs der Nacht auf den östlichen Mittelgebirgsraum und, bedingt durch die in
ihrem südlichen Teil zurückhängende Trogachse, auf den Südosten über. Kaltluftadvektion, die auf die Trogvorderseite vordringt, dämpft die Wetterwirksamkeit des Troges. Folglich dürfte sich die Gewittertätigkeit dann in
den östlichen Gebieten allmählich abschwächen, wobei bis weit in die Nacht hinein unwetterartige Entwicklungen möglich sind.

Sonntag… kommt der o.g. Trog bis Polen voran, nachfolgend zonalisiert sich die
Strömung antizyklonal. Kaltluftadvektion bewirkt die Ausweitung eines Keils, der
von einem Hoch südlich der Azoren ausgeht, bis ins östliche Mitteleuropa. Hierdurch nimmt im Norden der Gradient vorübergehend zu, so dass bis ins nördliche Binnenland hinein Windböen auftreten können und an der See in exponierten Lagen einzelne stürmische Böen möglich sind.
Das mit dem Trog korrespondierende Tief erreicht Südnorwegen. Dessen Kaltfront,
die unter antizyklonalen Einfluss gelangt, überquert schleifend den Mittelgebirgsraum. Hierdurch verbleibt der Süden und Südosten, etwa vom Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald und zu den Alpen, unter der oben beschriebenen feuchtlabilen Luftmasse. In diesen Gebieten ist das Potential für
unwetterträchtige konvektive Umlagerungen erneut gegeben. Allerdings leistet
hierzu die Dynamik keinen nennenswerten Beitrag mehr, so dass die Auslösung im
Wesentlichen an die Orografie gekoppelt ist. Unwetter, vielmehr durch größeren
Hagel und/oder heftigen Starkregen und weniger durch schwere Sturm- oder orkanartige Böen können demnach nicht ausgeschlossen werden. Die anderen Regionen dürften in den Genuss einer Wetterberuhigung kommen. In der
dann einfließenden gemäßigten Luftmasse werden 24 bis 29 Grad erreicht. Am Oberrhein sind noch einmal um 30 Grad möglich, wogegen im Küstenbereich nur Maxima um 20 Grad zu erwarten sind.
In der Nacht zum Montag beginnt sich über Westeuropa ein breiter Rücken aufzuwölben. Hierdurch kräftigt sich der über Mitteleuropa liegende Hochkeil,
wobei sich ein Bodenhoch mit Schwerpunkt über dem Alpenraum ausbildet. Dies sollte der Gewittertätigkeit auch über Süddeutschland alsbald den Garaus machen.
Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können sich flache Nebelfelder bilden.

Montag… führt relativ weit nördlich ansetzende Warmluftadvektion zu einem weiteren Geopotentialgewinn, was eine Kräftigung des nunmehr bis nach Ostfrankreich und in die Nordsee vorankommenden Höhenrückens bewirkt. Über dem
Norden und Nordosten Deutschlands bleibt vorderseitig (des Rückens) eine nordwestliche Strömung bestehen. In diese wird eine schwache Warmfront eingesteuert, so dass dort in Verbindung mit mehrschichtiger Bewölkung etwas
Niederschlag (maximal 10 mm innerhalb von 12 Stunden und diese am ehesten an der
Nordsee) zu erwarten sind. Zudem können an der See ein paar Windböen nicht ganz
ausgeschlossen werden.
Das über Mitteleuropa liegende Bodenhoch ändert seine Lage nur wenig. Großräumiges Absinken sorgt im Westen und Süden für längere sonnige Abschnitte.
Allenfalls hohe Wolkenfelder dämpfen dort etwas die Einstrahlung. Dabei steigt
die Temperatur dann wieder auf 26 bis 32 Grad, wogegen im Norden und Nordosten
20 bis 25 Grad zu erwarten sind.
In der Nacht zum Dienstag wandelt sich der Rücken in ein abgeschlossenes Höhenhoch mit Schwerpunkt über dem Westalpenraum um. Von diesem ist ein Keil
über den Westen Deutschlands hinweg nach Südskandinavien gerichtet. Das Bodenhoch ändert dagegen seine Lage nur wenig. Aufgrund der Nähe zur Frontalzone
können geringe Niederschläge noch im Nordosten auftreten. Ansonsten klart es
verbreitet auf. Da kein nennenswerter Gradient vorhanden ist, können sich flache
Nebelfelder bilden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle zeigen eine weitgehend ähnliche Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten. Auch in Bezug auf weiter zurückliegende Modellläufe ergeben sich keine
signifikanten Abweichungen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 190800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 19.07.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
BM
Heute vor allem im Nordosten und an den Alpen Gewitter. Samstag gebietsweise
kräftige Gewitter mit Unwettergefahr. Am Sonntag im Osten und Südosten noch Gewitter, sonst Wetterberuhigung

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag… Über dem östlichen Atlantik liegt ein hochreichender Tiefkomplex, der
heute durch eine Randtrog in seine Rückseite regeneriert wird. Dadurch dehnt
sich ein Trog weiter nach Süden aus mit der Folge, dass die Strömung bei uns auf
Südwest dreht. Mit der dann einsetzenden südwestlichen Strömung wird recht warme
Luft zu uns geführt und aufgrund der WLA bildet sich über Frankreich ein flacher
Keil aus, der am Abend mit seiner Achse den Westen Deutschlands erreicht. Am
Boden hat uns die weitgehend okkludierte Front eines Tiefs bei Schottland erreicht. Die Front überquert uns bis zum Abend und löst sich dabei auf. Auch in der unteren Troposphäre wird wärmere Luft zu uns geführt was die Temperatur in 850 hPa im Tagesverlauf im Süden von 12 auf 16 Grad ansteigen lässt. Dem entsprechend ist heute mit Tageshöchstwerten zwischen 22 und 29 Grad
zu rechnen.
Insgesamt zeigt sich heute ein recht gemischter Wettercharakter. Im Osten, dort
wo noch die Reste der labilen Luftmasse liegen, gibt es Schauer und einzelne
Gewitter, meist verbunden mit Starkregen. Sonst überwiegen viele Wolken und vor
allem am Vormittag gibt es teilweise etwas Regen. Am Abend greift dann die Warmfront eines flachen Tiefs bei Irland auf den Nordwesten über wobei es erneut
Regen oder Regenschauer geben kann. Ansonsten dominiert eine Mischung aus Wolken
und Sonne und es bleibt in der zweiten Tageshälfte trocken.
Neben dem Osten und Nordosten liegt auch am im Südosten, am Alpenrand und im
südöstlichen Bergland noch die feucht-labile Luft und von daher sind dort ebenfalls Schauer und Gewitter möglich. Sie ziehen recht langsam und somit ist
bei PPW Werte bis zu 30 mm vor allem Starkregen das beherrschende Thema.

In der Nacht zum Samstag erreicht der Trog im Westen dann schon den europäischen
Kontinent. Sein Hebungsantrieb sorgt vor allem im Bereich der wellenden Kaltfront in Westeuropa für kräftige Regenfälle. Davon kriegen wir leider nichts
ab, die Warmfront des Frontensystems streift nur den Norden, wo es im Bereich
der deutschen Bucht zu schauerartigem Regen kommt. Die Mengen sind allerdings
nicht der Rede wert.
Ansonsten sorgt der flache Keil über dem Süden Deutschlands noch für Absinken.
Dadurch lockern die Wolken im Süden auf und auch die Konvektion im äußersten
Süden bricht rasch zusammen. Die Nacht bleibt bei Tiefstwerten zwischen 17 und
12 Grad warnfrei.

Samstag… greift der Randtrog auf den Westen über und überquert Deutschland in
der Nacht zum Sonntag in Richtung Nordosten. Am Boden befindet sich weiterhin
eine Tiefdruckzone, die sich von der südwestlichen Nordsee bis nach Island erstreckt. Sie spaltet sich bis zum Abend in zwei Tiefdruckgebiete, wobei für
uns das südlichere interessant wird. Dessen Warmfront überquert weite Teile des
Nordens bis zum Mittag und die Kaltfront erreicht am Nachmittag den Westen. In
deren Vorfeld wird weiterhin warme und feuchte Luft zu uns geführt. Die T850
steigt weiter an und wird bis zum Abend auf Werte zwischen 11 Grad im Norden und
knapp 20 Grad im Süden prognostiziert. Bei insgesamt labiler Schichtung, hoher
Feuchte mit PPW-Werte von über 35 mm, CAPE-ML Werten bis 1000 J/kg und zusätzlich noch recht kräftiger Scherung kommt es vor allem im Norden und der
nördlichen Mitte zu kräftigen Gewittern mit Starkregen, Hagel und Sturmböen,
teilweise bis in den Unwetterbereich. Aufgrund der Scherung ist auch eine Organisierung in Form einer Konvergenz wahrscheinlich. Jedenfalls liefern die
hochaufgelösten Modelle C-D2 und EURO4 sogar Orkanböen an einer der Kaltfront
vorlaufenden Konvergenz. Somit ist bereits am Abend mit einer Vorabinformation
zu rechnen.

Ein weiterer Gewitterschwerpunkt ist vor allem im Süden, in Alpennähe, zu erkennen, wobei dort vor allem der Starkregen im Fokus steht. Dazwischen, in
etwa vom Main bis an die Donau, sowie bis zum Abend im äußersten Osten bleibt es
trocken.
Die Höchsttemperaturen steigen in der Südosthälfte Deutschlands auf über 30 Grad, sonst auf 27 bis 30 Grad und nur an den Küsten bleibt es etwas kühler.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Trog über den Norden hinweg in Richtung
Nordosten. Die Kaltfront liegt am Morgen über dem Süden und dem Osten des Landes. Die Schauer- und Gewittertätigkeit schwächt sich ab, über dem Nordosten
und im Süden kann sie aber die ganze Nacht über andauern. Hinter der Kaltfront
stabilisiert die Schichtung im Westen zusehends und die Wolken lockern teilweise
auf. Hinter der Kaltfront fließt etwas frischere Luft in den Westen. Die Temperaturen gehen auf 18 bis 15 Grad zurück.

Sonntag… Hinter dem nach Nordosten abgewanderten Trog stellte sich eine westliche Höhenströmung ein, in der sich über den Britischen Inseln ein flacher
Keil aufbaut. Das stützt den Druckanstieg im Westen. Die Kaltfront überquert den
Osten, wird allerdings an den Alpen zurückgehalten. Dadurch gibt es an den Alpen
sowie im Bereich der östlichen Mittelgebirge weiterhin Schauer und Gewitter, die
angesichts der dort noch vorhandenen Luftmasse mit hoher Feuchte, Labilität und
CAPEs bis über 1000 J/kg auch recht kräftig mit Starkregen und Hagel ausfallen
können. Auch unwetterartige Entwicklungen sind nicht auszuschließen. Im restlichen Land dagegen setzt sich kurzfristig etwas frischere Luft durch und
die Tageshöchstwerte steigen noch auf 22 bis 28 Grad. Lediglich am Oberrhein
sind noch Höchstwerte über 30 Grad vorstellbar.

In der Nacht zum Montag schiebt sich der Hochkeil von den Britischen Inseln weiter ostwärts und dadurch steigt der Bodendruck bei uns weiter an. In der Folge lassen auch am Alpenrand die Schauer und Gewitter, es bleibt aber vielerorts bedeckt. Wolkenauflockerungen sind vor allem im Süden und Nordosten
zu erwarten. Die Tiefstwerte liegen bei 15 bis 12 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle stimmen im Kurzfristzeitraum recht gut überein. Auch die Niederschlagsprognosen weichen kaum voneinander ab. Die aktuellsten Läufe der
hochauflösenden Modelle lassen die Entwicklung aber etwas schneller ablaufen als
ICON.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 180800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 18.07.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu SWa (Südwest antizyklonal)

Abwechselnd kurze Wellen, mal zyklonal, mal antizyklonal. Heute und morgen tendenziell wenig Konvektion, am Samstag dann deutlich mehr Schmackes.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… Wer ist SEPP? – Dieser nicht gerade marin angehauchte Name wurde
bei der FU Berlin gekauft und dem Tief zugeordnet, das aktuell eine prominente
Rolle auf der europäischen Wetterkarte einnimmt. Wie ein träger Mops liegt der
gute SEPP – hochreichend bis fast an den troposphärischen Anschlag – zwischen
Island und Schottland, von wo aus er die atmosphärischen Geschicke in Teilen
Europas bestimmt. An seiner Südflanke verläuft die Frontalzone vom mittleren
Nordatlantik kommend bis nach Mitteleuropa, wo sie deutlich aufspreizt und von
einem eher mager ausfallenden Höhenrücken begrenzt wird, der heute den Vorhersageraum ostwärts überquert. Ihm folgt ein sehr kurzwelliger Trog, der
auch nicht gerade als Musterexemplar in die meteorologischen Chroniken eingehen
wird, der aber – man staune – im allgemein diffluenten Umfeld ein Mindestquantum
an Dynamik bildet.
Unterstützt wird er dabei von einer teilokkludierten Kaltfront, die zu keinem
Geringeren als unserem SEPP gehört und von Westen her gerade Kurs auf Deutschland nimmt. Auch die Front ist alles andere als ein Herkules, unterer
Durchschnitt mit schwach ausgeprägter Baroklinität, aber immerhin existent. Trog
respektive diffluente Vorderseite der Frontalzone sowie Front treffen bei uns
auf eine abgetrocknete und nächtlich abgekühlte Meeresluft, die tagsüber labilisiert und in der von Westen her sukzessive Feuchtigkeit akkumuliert wird.
Zunächst wird das im Westen und Nordwesten mit der Zufuhr hoher und mittelhoher,
am Nachmittag dann auch vermehrt mit tiefer Bewölkung und einigen Schauern quittiert. Ob auch Gewitter am Start sind, ist nicht ganz klar. Die Numerik beantwortet diese Frage mit auffälliger Zurückhaltung, was synoptisch aber auch
nachvollziehbar ist. Aufgrund reduzierter Einstrahlung wird nur sehr wenig ML-CAPE generiert, dazu kommt trotz Feuchteanreicherung eine ziemlich trockene
Grundschicht. Kurzum, ein paar vereinzelte Gewitter sind ab dem Nachmittag nicht
ausgeschlossen, drängen sich auf anderen Seite aber auch nicht auf. Wenn, dann
sin sie maximal markanter Natur („ocker“) mit Starkregen um 15 l/qm, Böen 7 Bft
(im worst case trotz ansonsten flauen Windverhältnissen sogar 8 Bft) und vielleicht kleinkörnigem Hagel (insgesamt schlechte Scherungsbedingungen). Im Osten und auch in großen Teilen Süddeutschlands profitiert man noch längere
Zeit vom scheidenden Höhenrücken. Dort scheint trotz einiger Wolken (teils Reste
aus der Nacht, teils hohes Zeug vom neuen System, teils etwas Quellbewölkung)
häufig die Sonne. Eine im gradientschwachen Druckfeld auftretende Windkonvergenz, die am Nachmittag u.a. bei ICON und C-D2 im Osten erkennbar ist,
läuft vollkommen ins Leere, so dass man allgemein das Gefühl nicht los wird,
dass trotz „günstiger“ Jahreszeit mit dieser Wetterlage kein vernünftiger Staat
zu machen ist – rein konvektiv betrachtet. Es ist allerdings nicht ganz auszuschließen, dass einmal mehr die Orografie als treuer Gefährte den einen
oder anderen Impuls diesbezüglich liefert. Labil genug jedenfalls ist die Luftmasse im Süden, aber reicht es von der Feuchte? Es lohnt sich auf alle Fälle, heute Nachmittag etwas genauer auf den Alpenrand, den Bayerischen Wald
und auch auf den Schwarzwald sowie die Gebiete dazwischen zu werfen, wo vielleicht vereinzelt was gehen könnte. Zwar sind die PPWs geringer als im W/NW,
aufgrund schwacher Winde fehlt es aber auch an Mobilität, so dass mögliche Zellen durchaus mit Starkregen einhergehen können. Was sind schon 15, was sind
schon 25 l/qm innert kurzer Zeit?
Temperaturmäßig geht es in der präfrontal sich erwärmenden Luftmasse (T850 im N
und W um 10°C, sonst 12 bis 16°C) hoch auf Tageshöchstwerte zwischen 23 und 29°C, an den Küsten stellenweise etwas darunter.

In der Nacht zum Freitag dankt der ostwärts auswandernde Höhenrücken endgültig
ab, aber auch der in seine Rückseite hineinlaufende KW-Trog verliert mehr und
mehr von seiner ohnehin nicht übermäßig ausgeprägten Kontur. So beginnt die schwache Höhenströmung über dem Vorhersageraum zu zonalisieren, wobei mit geübtem Auge gegen Morgen sogar ein flacher, ein extrem flacher Höhenkeil erkennbar ist.
Wie auch immer, Fakt ist, dass die schauerartigen Regenfälle und anfänglich noch
möglichen Gewitter mit der ebenfalls schwächelnden Kaltfront ostwärts vorankommen. Dabei zeigen die RR-Prognosen für die gesamte Nacht ein sehr fragiles Bild mit insgesamt aber sehr überschaubaren Regenmengen. Sieht man mal
von nur ganz vereinzelt auftretenden Starkregen ab, kann man ansonsten froh sein, wenn es mal in Richtung 5 l/qm geht. Nicht selten sind die Dosen aber unweit vom C12-Niveau angesiedelt oder es fällt überhaupt nix. Mit 17 bis 12°C
wird die Nacht milder als die vergangenen, was vor allem dem hohen Wolkenanteil
geschuldet ist.

Freitag… verlagert Altmeister SEPP – wir erinnern uns, das hochreichende Tief
auf dem nahen Ostatlantik – seinen Schwerpunkt nur marginal gen Osten. Auf seiner Südflanke taucht nun aber ein flaches Wellentief auf (THEO), das um 12
UTC kurz vor der Irischen Westküste liegt. Es verfügt über ein komplettes Frontensystem bis hin zu rückseitiger Okklusion und wellender Kaltfront. Schön
für UK/Irland, zunächst aber noch ohne Belang für uns, macht sich zwischen der
nach Osten abziehenden, nur noch rudimentär auffindbaren
Kaltfront/Okklusion und
dem neuen Frontensystem leichter Zwischenhocheinfluss bemerkbar. Dabei wölbt
sich der o.e. sehr flache Höhenkeil in Folge einer südlich von SEPP einsetzenden
Austrogung noch etwas auf, so dass nun auch altersschwache Augen die Möglichkeit
haben, ihn in den Potenzialkarten zu entdecken.
Unter dem Strich stellt sich deutschlandweit morgen ein sehr gemischter Wettercharakter ein. Im Osten und Südosten, wo sich noch am längsten Reste der
labilen Luftmasse befinden, können sich bis weit in den Tag hinein Schauer und
auch einzelne Gewitter (mit Starkregen), auch wenn gaaanz langsam leichtes, synoptisch-skaliges Absinken einsetzen sollte. Zumindest Schauer können sich
auch über den zentralen und südlichen Mittelgebirgen sowie unmittelbar an den
Alpen entwickeln. Hierbei fällt die doch sehr unterschiedliche Niederschlagssimulation der verschiedenen Modelle ins Auge: während vor allem
GFS, aber auch IFS eine sehr offensive Variante bevorzugen, setzen ICON und C-D2
auf den regenmäßigen Catenaccio nach dem Motto „nix zulassen von oben“. Wo genau
es also morgen wie viel regnet, ist ebenso noch mit Unsicherheiten behaftet wie
die Frage nach der Sonnenscheindauer. Laut MOS stehen die Chancen auf die höchsten Sonnenanteile im äußersten Süden (Südbaden, Alpenrand plus Vorland)
sowie im Nordwesten (denen ist es zu gönnen angesichts der bisherigen, z.T. miserablen Julibilanz) am besten. Dort, also im Nordwesten befindet sich über
den Tag hinweg auch die stabilste Luftmasse, was ein Stück weit der im Tagesverlauf langsam einsetzenden (schwachen) WLA geschuldet ist. Auf der Temperaturskala tut sich gegenüber heute eher wenig, abermals steht eine
Spanne von 23 bis 29°C auf der Karte mit den üblichen Einschränkungen höheres
Bergland und Küste/Inseln bei auflandiger Windkomponente.

In der Nacht zum Samstag gelangt Deutschland zwischen den allmählich ostwärts
abwandernden Rücken und dem sich dem europäischen Festland nähernden Höhentrog.
Die Folge ist eine zunehmend südwestliche, im Großen und Ganzen noch antizyklonal konturierte Höhenströmung. Dabei setzt besonders im Norden und Westen sich verstärkende WLA ein, die sich bis zum Morgen aber nur mit mehrschichtiger Bewölkung bemerkbar macht. Vielleicht beginnt es schon in den
frühen Morgenstunden im Zuge der von Westen unweigerlich näherkommenden Warmfront des o.e. Wellentiefs an der Nordsee zu regnen, noch haben die Modelle
dahingehend aber noch ein paar Meinungsverschiedenheiten.
Einig ist man sich hingegen darüber, dass es im großen Rest des Landes bei vielerorts auflockernder Bewölkung trocken bleibt, wenn potenziell am Abend noch
auftretende Schauer rasch in sich zusammengefallen sind.

Samstag… werden die Strukturen gegenüber Freitag wieder etwas klarer. Besagter
Höhenrücken wird bis zum Abend endgültig vom Hof gejagt, während uns der nachfolgende Trog immer dichter auf die Pelle rückt. Um 18 UTC befindet sich
seine Achse (500 hPa) aber immer noch knapp westlich von uns, was vor allem den
Westen und Nordwesten auf seine diffluente und zunehmend zyklonal gekrümmte Vorderseite bringt.
Aber nicht nur in der Höhe stehen die Zeichen auf zunehmende Zyklonalisierung,
auch weiter unten, im bodennahen Bereich tut sich was. Das schon mehrfach angesprochene Wellentief überquert UK nordostwärts und erreicht am frühen Nachmittag die nordwestliche Nordsee (Forties), von wo es weiter geht in Richtung Südnorwegen. Die zugehörige Warmfront überquert Norddeutschland ost-nordostwärts, ohne dabei eine allzu große Wetterwirksamkeit zu entfalten.
Mehrschichtige Bewölkung, gebietsweise etwas Regen, das sollte es gewesen sein.
Weitaus interessanter wird es ab dem Nachmittag, wenn die nachfolgende Kaltfront
West-Nordwestdeutschland ansteuert. Zuvor wird mit südlicher bis südwestlicher
Strömung eine Portion potenziell instabiler Subtropikluft angesaugt, in der die
850-hPa-Temperatur bis zum Abend auf rund 12°C im NW und bis zu 20°C im äußersten Süden steigt. Darüber hinaus zeigt sich im Nordwesten eine ausgeprägte
Feuchteflusskonvergenz, die die PPWs auf 35 bis 40 mm und die spez. Feuchte bis
zu 13 g/kg ansteigen lässt. Zwar überlappen sich die höchste Feuchte und die
höchste Labilität nicht, trotzdem wird gebietsweise ML-CAPE bis an die 1000 J/kg
generiert (Nordwesten, Süden), wobei man im Nordwesten wegen der arg verminderten Einstrahlung etwas skeptisch mit solch hohen Werten sein muss. Wie auch immer, ab der zweiten Tageshälfte muss im Norden und Westen neben schauerartigen Regenfälle mit einer erhöhten Gewitterbereitschaft gerechnet werden, wobei die Überentwicklungen aufgrund vorhandener Scherung (LLS bis 10
m/s, DLS 15 bis 20 m/s) durchaus organisiert sein können (evtl. bildet sich vor
der Kaltfront eine Konvergenz aus, was von ICON aber erst recht spät und recht
weit im Osten angezeigt wird). 850-/700-hPa-Wind von 25 bis 40 Kt lassen die
Zellen ziehen, trotzdem muss Starkregen möglicherweise bis in den WU-Bereich,
ins Kalkül gezogen werden. Aber auch Hagel und Sturmböen sind in dem gegenüber
den Vortagen deutlich verbesserten Setup (bezogen auf Konvektion) wahrscheinlich. Darüber hinaus kann der SW-Wind im Vorfeld der Front mitunter
böig auffrischen, einzelne Böen 7 Bft nicht ausgeschlossen.
Im Süden und Osten, wo tagsüber die Sonne scheint, hält sich das konvektive Geschehen zunächst noch in Grenzen. Gleichwohl können vereinzelte Gewitter, ausgehend vom Bergland nicht ausgeschlossen werden. Auch wenn die Luft trockener
ist als im Nordwesten, ist Starkregen wahrscheinlich und WU nicht ausgeschlossen. Bei der Temperatur liefert der Samstag einen Vorgeschmack auf
die in der nächsten Woche bevorstehenden Hitzewelle, 26 bis 32°C stehen auf der
Agenda; im Osten und Süden lokal vielleicht noch „eins druff“, im Nordwesten
eher etwas reservierter.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Höhentrog über den Norden und die Mitte
ostwärts hinweg, während nach Süden hin die Höhnströmung relativ glatt bleibt.
Entsprechend fallen die Hebungsprozesse vor und an der Kaltfront nach Norden hin
stärker aus als im Süden. So kommt es in der Nordhälfte verstärkt zu schauerartigen Regenfällen und kräftigen Gewittern, während weiter südlich eher
Einzelphänomene auftreten dürften. Die genauen Details sind aber noch nicht abschließend geklärt. Auf alle Fälle beruhigt sich das Wetter in der postfrontal
einfließenden mäßig warmen Luftmasse von Westen her ziemlich rasch und die Wolkendecke lockert auf.

Modellvergleich und -einschätzung

Die eigentliche Entwicklung hinsichtlich der kurzen Welle ist unstrittig, die
entsprechenden Felder werden weitgehend kongruent simuliert. Nicht so homogen
fallen die Niederschlagsprognosen aus, was im Text bereits angerissen wurde.
Grundsätzlich gilt die Aussage, dass GFS von den Globalmodellen das nasseste
ist, gefolgt von IFS und dem eher zur Trockenheit neigenden ICON.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann