SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 251800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 25.05.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Hochdruckrandlage: Ruhiges, aber nur zögerlich wärmeres Wetter.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … sorgt WLA auf der Vorderseite eines hochreichenden Tiefs bei Island
dafür, dass sich ein Rücken vom Seegebiet östlich der Azoren in weitem Bogen
über den Ärmelkanal und die mittleren Nordsee mittlerweile bis zu den Lofoten
aufwölben kann. Ein aus dem Höhentrog bei Island über das Nordmeer
herauslaufender Kurzwellentrog führt dazu, dass die Achse des Rückens in seinem
Nordteil recht zügig nach OSO schwenkt, während er in seinem Südteil quasi
ortsfest bleibt. Als Gegenpart fungiert ein stark amplifizierter, von
Nordwestrussland bis zum Balkan reichender Höhentrog, der dazu neigt, über
Südosteuropa abzutropfen. Dazwischen liegt Deutschland unter einer nördlichen
Strömung, die durch einen südwärts ablaufenden Kurzwellentrog nach Osten zu
anfangs noch zyklonal, nach Westen zu recht glatt konturiert ist. Da die fast
senkrecht unter der Rückenachse liegende Hochdruckzone einen deutlichen
Schwerpunkt im Bereich des Ärmelkanals aufweist, hat sich über uns eine
nordnordwestliche Strömung eingestellt, in der eine frische subpolare Meeresluft
einfließt (T850 zwischen 2 im Nordosten und 7 im Südwesten).

Aufgrund der Zyklonalität konnten sich im Osten und Südosten nochmal zahlreiche
Schauer entwickeln, in Südostbayern war die Schichtung feucht und hochreichend
instabil genug, dass sich auch einzelne Gewitter entwickeln konnten (mit
Potenzial für einzelne stürmische Böen). Aufgrund des abziehenden
Kurzwellentroges und des Tagesganges ist die Konvektion aber nun auf deutlich
absteigendem Ast. Ansonsten konnte sich durch das Absinken bereits eine
Inversion bei 700-750 hPa ausbilden, sodass es nur noch für Quellbewölkung und
sich an der Inversion ausbreitender Stratocumulus reichte. Ein Blick auf die
Drucktendenzen zeigt einen Druckanstieg im Nordosten und leichten, wohl
diabatisch begründeten Luftdruckfall im Südwesten. Dadurch verschärfte sich der
Gradient diagonal über Deutschland, sodass hier und da einzelne steife Böen, im
Kammlagen stürmische Böen auftreten.

In der Nacht kippt die Achse des Rückens weiter im Uhrzeigersinn, sodass sie
nunmehr die südliche Nordsee und den Bottnischen Meerbusen erreicht. Der
Luftdruck steigt somit vor allem über dem nördlichen Mitteleuropa stärker an,
sodass sich eine Hochdruckzone ergibt, deren Divergenzachse von der Keltischen
See bis nach Norddeutschland reicht. Dadurch reißt der Zustrom der Subpolarluft
ab und die Luftmasse kommt mehr und mehr zur Ruhe. Eine schwache Nordkomponente
drückt die Feuchte noch gegen das Erzgebirge und den östlichen Alpenrand, sodass
die Nacht dort wolkig verläuft, vielleicht reicht es auch noch für ein paar
Tropfen. Ansonsten klart es zunächst verbreitet auf, bevor sich gebietsweise
Nebel oder Hochnebelfelder ausbilden. Prädestiniert für warnwürdige Sichtweiten
scheint der Norden und Nordwesten zu sein (deutliche Signale in MOSMix und
WarnMOS sowie Euro4). Dort, wo es länger klar ist, gehen die Temperaturen auf
niedrige einstellige Werte zurück, vereinzelt ist Bodenfrost nicht
ausgeschlossen, vor allem in höheren Muldenlagen des Westens. Meist liegen die
Tiefstwerte aber zwischen 10 (an der See) und 4 Grad.

Dienstag … schwenkt ein weiterer Trog an der Südflanke des nun über der
Grönlandsee befindlichen Höhentiefkomplexes zum Nordmeer und drückt die Achse
des Rückens in seinem Nordteil weiter gen Südosten. Bis zum Abend erreicht sie
in etwa eine Linie vom Ärmelkanal über die Deutsche Bucht bis zum Finnischer
Meerbusen, wo der Rücken Kontakt mit einem weiteren Rücken über Nordwestrussland
aufnimmt. Folglich wird der Abschnürprozess des Troges über Ost- und
Südosteuropa abgeschlossen, sodass sich ein Cut-Off über dem Balkan ausbilden
kann. Da sich auf der Vorderseite eines über dem Nordatlantik abtropfenden
Troges WLA-bedingt ein neuer Rücken westlich Britischen Inseln aufwölbt, kann
sich in der von den Azoren bis ins nördliche Mitteleuropa reichende
Hochdruckzone ein neuer Schwerpunkt über der Keltischen See ausbilden. Dadurch
behält die Strömung über Deutschland nicht nur in der Höhe (nach Südosten zu
immer noch leicht zyklonal konturiert), sondern auch in der unteren Troposphäre
eine klare Nordkomponente, wenngleich sie in den unteren Niveaus sehr schwach
ausfällt. Ausgehend von dem Tiefkomplex über der Grönlandsee läuft eine
okkludierte Front von Nordwesten her in die Nordsee und erreicht am späten Abend
die Deutsche Bucht.

Mal von einer „leidlichen“ Zyklonalität im Südosten abgesehen (im äußersten
Südosten Bayerns ist die Schichtung noch bis rund 500 hPa feucht und labil,
sodass es ein paar Schauer geben kann, Gewitter eher nicht), herrscht sonst
Hochdruckeinfluss. Vor allem in einem Streifen von der Nordsee über die östliche
Mitte nach Südosten zu ist die Grundschicht noch feucht und die Absinkinversion
noch hoch genug (700-800 hPa), sodass sich flache Konvektion in Form von breit
laufenden Quellwolken bildet. Schauer sollten die Ausnahme bleiben. Gegen Abend
kommen im Nordwesten vor der herannahenden Okklusion hohe und mittelhohe
Wolkenfelder herein. Die meisten Sonnenanteile gibt es im Nordosten sowie im
Westen und Südwesten. Die seichte Nordströmung verhindert niedertroposphärische
WLA, wodurch sie die Luft allenfalls diabatisch bzw. durch das Absinken leicht
erwärmen kann (T850 3 bis 7 Grad). Mit Sonnenunterstützung bedeutet das im
Südwesten und Westen maximal 24 Grad, unter den Wolken im Südosten nur rund 17
Grad (an der See kühler).

In der Nacht zum Mittwoch verstärkt sich der Rücken westlich von Irland, sodass
sich der vom Nordmeer nach Skandinavien schwenkende Trog etwas nach Süden bis
Jütland ausweiten kann. Der vorgelagerte Rücken hat nunmehr eine fast zonal
orientierte Neigung angenommen und erreicht Norddeutschland und das Baltikum.
Das Hoch über Großbritannien kann sich noch etwas verstärken und richtet einen
Keil nach Mitteldeutschland. Die Okklusion über der Nordsee kommt bis nach Nord-
und Nordwestdeutschland voran.

Da die Okklusion kaum Unterstützung durch den nach Jütland schwenkenden Trog
erfährt, hält sich die Wetteraktivität an ihr in Grenzen. Mit kompakteren
Wolkenfeldern ist aber im Norden und Nordwesten zu rechnen.
Die Schauer im Südosten fallen in sich zusammen, sodass die Nacht ansonsten oft
klar verläuft. Die Luft kann sich dadurch wieder stark abkühlen, bei
Tiefstwerten zwischen 8 und 2 Grad ist vor allem im östlichen und südöstlichen
Mittelgebirgsraum lokal Bodenfrost möglich. Unter den Wolken im Nordwesten
verharren die Temperaturen bei rund 10 Grad.

Mittwoch … wölbt sich der Rücken von der Biskaya über Irland bis nach Island
auf. Der davor liegenden Trog schwenkt zur Ostsee und drückt den immer mehr an
Kontur verlierenden Rücken nach Süddeutschland. Dahinter kann sich eine recht
glatte nordwestliche Höhenströmung einstellen. Das mit dem Rücken
korrespondierende Hoch verstärkt sich weiter und verlagert sich mit seiner
1035-hPa-Kernisobare zur mittleren Nordsee. Der vom Hoch nach Südosten
gerichtete Keil schwenkt von Mittel- nach Südwestdeutschland. Da sich durch die
nordwestliche Überströmung des Skandinavischen Gebirges und den an Kontur
gewinnenden Trog ein von Finnland bis zum Kattegat reichender Bodentrog
entwickelt, gewinnt die nordnordwestliche Strömung vor allem im Norden und
Nordwesten Deutschland etwas an Fahrt. Die Okklusion wird dadurch etwa bis zur
Mitte gedrückt, wo sie dann aber Schub verliert.

Im Norden und in der Mitte wird es folglich ein recht wolkiger Tag, auch, weil
die Grundschicht wieder feuchter wird und sich in der etwa bis 700 hPa labilen
Schicht Quellwolken zu dem frontalen Gewölk dazugesellt. Für Schauer reicht es
aber kaum (Tops bei >-10 Grad). Der Süden und Südwesten profitiert weiter vom
Absinken, sodass es sonnig bleibt. Später wird es in der postfrontal
einfließenden, abgetrockneten Luftmasse auch im Norden wieder freundlicher. Auf
der Suche nach warnwürdigen Ereignissen in einer ansonsten sehr ereignisarmen
Wetterphase könnte man an der Küste fündig werden, dort treten eventuell
einzelne Böen Bft 7 auf. Die (nicht advektive) Erwärmung macht insgesamt weiter
(langsame) Fortschritte (T850 4 bis 8 Grad), sodass Höchstwerte zwischen 16 Grad
im Norden und 25, vielleicht 26 Grad im Südwesten erreicht werden.

In der Nacht zum Donnerstag nimmt der zum Baltikum schwenkende Trog Kontakt mit
dem Cut-Off über dem östlichen Balkan auf, sodass sich eine langestreckte
Trogkonfiguration ergibt. Zwischen diesem Trog und dem Rücken über den
Britischen Inseln dreht die Höhenströmung wieder mehr auf NNW. Unklar ist, ob
darin ein kurzwelliger Anteil mit nennenswerter Kontur über Deutschland nach
Süden abläuft (IFS, ICON) oder nicht (GFS). Das mit dem Rücken korrespondierende
Hoch bleibt fast ortsfest über der Nordsee.

Im Bereich der alten Okklusion, die über der Mitte nur sehr langsam nach Süden
vorankommt, halten sich dichtere Wolkenfelder. Sollte der o.e. Kurzwellentrog
sich bewahrheiten, könnte die Front aktiviert werden und für leichten Regen
sorgen (vor allem nach Osten und Südosten zu). Im großen Norden und nach
Südwesten zu verläuft die Nacht dagegen gering bewölkt. Die Luft kühlt dabei auf
11 bis 5 Grad ab. Bodenfrost ist wahrscheinlich kein Thema.

Donnerstag … dreht die nach Abzug des etwaigen Kurzwellentroges wieder glatte
Höhenströmung über Deutschland zwischen dem zur Nordsee schwenkenden Rücken und
dem neu regenerierten Trog über Ost- und Südosteuropa auf Nord. Das Hoch
verlagert seinen Schwerpunkt zur Deutschen Bucht. Ageostrophisch ist demnach
auch am Boden mit einer Nordströmung zu rechnen, in der die Front (sofern man
sie überhaupt als solche bezeichnen kann, zu den Alpen gedrückt wird. Die
postfrontale, wieder trockenere Luft kann sich daher nach und nach auch in der
Mitte und im Süden durchsetzen.

Der Tag gestaltet sich im Bereich der nach Süden ziehenden Front in der Mitte
und im Süden zunächst stark bewölkt, je nach Trogkonfiguration regnet es
zeitweise (ICON, IFS), wenn auch nur leicht. Am Alpenrand entwickeln sich in der
präfrontal lagernden, feuchteren Luftmasse eventuell Schauer, Gewitter sind
unwahrscheinlich. Im Verlauf lockert die Bewölkung von Norden auf, sodass es
dann allgemein einen Mix aus Sonne und lockeren Wolken geben dürfte. Schwache,
niedertroposphärische KLA macht die mühsame Erwärmung der Vortage wieder
zunichte (T850 zwischen 3 und 8 Grad, macht Höchstwerte zwischen 17 und 24
Grad).

Modellvergleich und -einschätzung

Die Entwicklung der Großwetterlage wird von allen vorliegenden Modellen sehr
kongruent simuliert. Vorhersagerelevante Unterschiede lassen sich nicht ableiten
(von gewissen, in der Modellphysik begründeten Unterschieden bei der
Bewölkungsprognose abgesehen).
Nennenswerte Differenzen ergeben sich am Donnerstag mit dem angesprochenen
etwaigen Kurzwellentrog. Dies wurde im Text bereits angesprochen. Warnrelevanz
haben diese nicht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 241800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 24.05.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Von Westen her Wetterberuhigung. Am Montag nur noch gebietsweise windig.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … zeigt die großräumige Potenzialverteilung einen Höhenrücken über dem
nahen Ostatlantik respektive Westeuropa, der sich immer weiter in Richtung
Nordmeer ausweitet. Als Gegenpart fungiert ein LW-Trog über dem östlichen
Mittel- bzw. dem nahen Osteuropa, der durch rückseitig eingespeiste kurze Wellen
nicht nur immer breiter wird, sondern auch seine Amplitude merklich vergrößert.
Deutschland liegt genau zwischen den „Stühlen“ unter einer zyklonal konturierten
nordwestlichen Höhenströmung, die aber immer stärker aufsteilt und dabei auf
Nord-Nordwest dreht.
Im Bodendruckfeld gibt das umfangreiche Hoch STEFFEN den Protagonisten, dessen
Zentrum (ab Mitternacht etwas über 1035 hPa) unweit des Westeingangs des Kanals
liegt. Von dort erstreckt sich ein gewaltiger Keil ost-südostwärts über den
Alpenraum hinweg bis zum Balkan. Da über Nordeuropa der Luftdruck dank der zwar
schwächelnden GUDRUN vergleichsweise niedrig ist, ergibt sich bei uns eine
nordwestliche, im Süden eher westliche Grundströmung, mit der indifferente bis
leicht labil geschichtete maritime Polarluft (T850 um 0°C im NO, bis +4°C im SW)
advehiert wird. Zwar kommt es durch von der Nordsee und Südskandinavien
übergreifender WLA zu einer allmählichen Stabilisierung, gleichwohl fällt
vielerorts noch schauerartiger und im Osten anfangs noch gewittriger Regen.
Akkumuliert über 12 Stunden liegen die Mengen unter der 5mm-Schwelle, einzig im
Stau des Erzgebirges können es punktuell 1-2 Millimeter mehr sein. Im Südwesten
fällt nur wenig oder überhaupt kein Regen, dort klart es zum Teil sogar auf. Und
auch im Westen und Nordwesten nimmt die Niederschlagsneigung angesichts
zunehmender Stabilisierung mehr und mehr ab.
Noch ein Satz zum Wind, der im Binnenland tagesgangbedingt ebenfalls immer
weiter an Fahrt verliert. Lediglich an der See sowie in den Hochlagen bleibt er
flott genug unterwegs, um Böen 7-8 Bft, in exponierten Kammlagen auch mal die 9
Bft zu generieren.

Montag … beginnt sich die Wetterlage allmählich zu beruhigen, was vor allem
auf den von Westen zunehmenden Hochdruckeinfluss zurückzuführen ist. So kräftigt
sich nicht nur das Bodenhoch sowie dessen Keil, auch der Höhenrücken rückt
dichter an den Vorhersageraum heran. Entsprechend kommt es zu Absinken bzw. zur
Ausbildung einer Absinkinversion, die im Norden auf 800 bis 900 hPa, in der
Mitte sowie im Westen und Südwesten auf 700 bis 800 hPa und im Südosten auf rund
600 hPa ihren Einstand gibt (jeweils 12 UTC auf Basis COSMO-D2). Da sich der
östlich von uns befindliche Höhentrog aber nicht ganz so einfach abschieben
lässt, entwickeln sich in der Osthälfte nochmals einige Schauer, im Südosten
Bayerns (wo die Schichtung am labilsten ist und etwas CAPE generiert wird)
vielleicht sogar vereinzelte kurze Gewitter. Im Stau von Erzgebirge und Alpen
(im Osten mehr als im Westen) treten die Schauer häufiger auf bzw. regnet es
auch mal längere Zeit am Stück, was in den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen
punktuell 10 mm oder etwas mehr in die Töpfe spülen kann.
Je weiter man seinen Blick gen Westen richtet, desto geringer die
Schauerwahrscheinlichkeit. Im Nordwesten dürfte entsprechend der niedrig
liegenden Inversion gar nichts gehen, aber auch sonst treten Schauer nur
vereinzelt und mit geringer Intensität auf. Stattdessen stehen die Chancen für
Auflockerungen oder ein paar sonnige Abschnitte besser als im weitgehend stark
bewölkten bis bedeckten Osten. Vor allem am Nachmittag zeichnet sich von Benelux
her eine Abtrocknung und somit ein zunehmendes Auflockern der Wolkendecke ab.
Der weiterhin aus Nordwesten, später sogar aus Nord-Nordwest wehende Wind
frischt mit Unterstützung des Tagesgangs in einem von der Deutschen Bucht über
die Mitte bis zum Erzgebirge bzw. den ostbayerischen Mittelgebirgen reichenden
Korridor soweit auf, dass in Böen Stärke 7 Bft, in exponierten Hochlagen 8 Bft
auftreten. Wahrscheinlich wird man aber nicht den gesamten Korridor mit einer
Warnung versehen, sondern mit orografischen Feinheiten arbeiten und diese
entsprechend abbilden.
Zwar bleibt die Luftmasse von ihrem Ursprung her kühl, trotzdem kann sie sich in
der Westhälfte auf 18 bis 23°C (Richtung Nordsee etwas darunter) erwärmen. Nach
Osten hin bleibt die 20°C-Marke tabu, dort stehen Höchstwerte von 13 bis 18°C
auf der Karte.

In der Nacht zum Dienstag bekommt der andauernde Hochdruckeinfluss auch noch
Unterstützung vom Tagesgang, was die konvektiven Niederschläge weitgehend in die
Knie zwingt. Einzig an den Alpen (vor allem nach Osten hin) sowie am Erzgebirge
kann es noch längere Zeit schauern, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Ansonsten
klart es von Westen und Nordwesten her zusehends auf, was bei deutlich
nachlassendem Wind das eine oder andere meist flache Nebelfeld zur Folge hat.
Darüber hinaus sinkt die Temperatur verbreitet unter 10°C, in den Mittelgebirgen
sowie in einigen trockenen Gebieten (z.B. Lüneburger Heide) sogar unter 5°C, was
lokal die Gefahr von leichtem Frost in Bodennähe (auch wenn es zeitlich nur ein
kurzer Peak ist) birgt.

Dienstag … beginnt der von Westeuropa bis nach Skandinavien reichende
Höhenrücken allmählich im Uhrzeigersinn zu „kippen“, was ihm am Ende des Tages
eine nahezu zonal exponierte, sich bis zum Baltikum erstreckende Stellung
einbringt. Derweil löst sich aus dem Osteuropatrog ein eigenständiges Tief, das
via Balkan das Ionische Meer ansteuert. Bei uns resultiert daraus eine
indifferente bis leicht antizyklonal konturierte nördliche bis nordöstliche
Höhenströmung, in der Absinken Trumpf ist, was die Inversion weiter nach unten
drückt. Der Schwerpunkt des Bodenhochs bleibt westlich von uns liegen, von dem
aus sich aber ein Keil bis nach Finnland bzw. den Baltischen Staaten erstreckt.
Die Divergenzachse verläuft dabei über Norddeutschland (12 UTC).
Wettertechnisch bedeutet das Ganze von Westen her weiter zunehmende
Sonnenanteile trotz sich bildender flacher Quellbewölkung. Im östlichen
Mittelgebirgsraum allerdings sowie im gesamten Südosten, wo die Inversion höher
liegt und z.T. nur rudimentär ausgeprägt ist, fallen die Quellungen nicht nur
vertikal mächtiger, sondern auch dichter aus, und es reicht sogar nochmalig für
den einen oder anderen, im Südostzipfel Oberbayerns auch häufigeren Schauer
meist leichter Intensität.
Der im Norden westliche bis nördliche, sonst aus Nord bis Nordost kommende Wind
hat nicht mehr viel drauf und stellt warntechnisch keine Herausforderung dar.
Die Temperatur steigt auf 16 bis 24°C mit den höchsten Werten (lokal) an Rhein
und Mosel und den niedrigsten Werten in Teilen Oberbayerns sowie bei auflandigem
Wind an der Küste.

In der Nacht zum Mittwoch tut sich nicht viel an der Großwetterlage. Letzte
Schauer am Alpenrand sagen alsbald „Guts Nächtle“, so dass einer trockenen und
vielfach klaren Nacht nichts im Wege steht. Dass es in der alternden Polarluft
kühl bleibt, ist evident. Allerdings dürfte Frost in Bodennähe kaum noch
auftreten und z.T. liegen die Tiefstwerte in der Luft nun auch wieder im unteren
zweistelligen Bereich.

Mittwoch … „kippt“ der Höhenrücken weiter nach Süden, wodurch auch die
Divergenzachse des Bodenhochkeils südwärts gedrückt wird. Unter dem Strich
ergibt sich daraus ein hundsnormaler Endmaitag ohne besondere Vorkommnisse.
Heiter bis wolkig, im Norden und Osten auch mal ausgedehntere Wolkenfelder, aber
meist trocken, im Südwesten längere Zeit sonnig. Dazu steigt die Temperatur
weiter an (inzwischen haben wie auch auf 850 hPa 4 bis 8°C) auf 19 bis 24°C, im
Südwesten bis zu 26°C, im äußersten Norden nur 16 bis 19°C.

Modellvergleich und -einschätzung

Nichts Erwähnenswertes.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 231800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 23.05.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Sonntag im Nordosten, ganz vereinzelt auch im Südosten, kurze Gewitter mit
stürmischen Böen.
Am Montag auf exponierten Bergen noch stürmische Böen, auf Brocken und
Fichtelberg Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … Die Kaltfront des Zentraltiefs GUDRUN nördlich von Schottland hat
die Alpen erreicht und schwenkt in der Nacht weiter nach Südosten. Sie besitzt
auf der Vorderseite des nachts über Deutschland hinweg nach Osten ziehenden
Randtroges Anafrontcharakter, so dass es im Südosten Deutschlands noch einige
Stunden regnet. Die Mengen belaufen sich in der ersten Nachthälfte meist auf 1
bis 6 mm und in der 2. Nachthälfte fallen dann allenfalls noch einzelne Schauer
im Alpenraum. Im übrigen Deutschland ist es tagesganggemäß wolkig bis gering
bewölkt und es fallen noch vereinzelt leichte Schauer. Gewitter können dabei im
Norden nicht ganz ausgeschlossen werden (gezeigt von CD2). Dank der teils
geringen Bewölkung wird es recht frisch mit 3 Grad in Tallagen einiger
Mittelgebirge und 9 Grad im Raum Hamburg. Im Westen sorgt alsbald WLA für den
Aufzug von Bewölkung, so dass es hier mit rund 10 Grad milder ist.
Der Wind schwächt sich ab, so dass meist keine Windwarnungen mehr erforderlich
sind. Nur an der Nordsee und hier am ehesten an der Westküste
Schleswig-Holsteins, sind noch steife Windböen möglich.

Sonntag … zieht GUDRUNs Langwellentrog weiter nach Osten und erreicht
Weißrussland und die West-Ukraine, wird aber an seiner Westflanke durch einen
von der nördlichen Nordsee heranschwenkenden flachen Randtrog umlaufen, der das
Wetter im Nordosten beeinflusst. Ansonsten kommt Deutschland auf die Vorderseite
eines sich unter Intensivierung zu den Britischen Inseln verlagernden Höhenkeils
in eine recht glatte Höhenströmung, die von Westnordwest auf Nordwest dreht. Im
Tagesverlauf greift von Westen WLA bis nach Deutschland aus, die aber in der
oberen Troposphäre stattfindet. Feuchtefelder und Theta-Feld deuten eine
Warmfrontwelle an, die starker Bewölkung und Regen in der Nordhälfte bringt. Nur
im Nordosten ist es labiler im Bereich höhenkalter Luft (T500 bei -26 Grad), so
dass es hier nicht nur Schauer, sondern auch einzelne kurze Kaltluftgewitter
gibt. Etwa südwestlich von Elbe und Havel kommt dagegen Regen auf im Bereich der
Warmfrontwelle. Damit frischt auf der Nordseite des zu den Alpen gerichteten
Bodenhochkeils (der vom Hoch über der Bretagne ausgeht) der Wind kräftig auf mit
steifen Windböen in der Nordhälfte. Einzelne stürmische Böen können vor allem an
der See nicht ausgeschlossen werden. Während es im Oberrheintal wahrscheinlich
etwas wärmer wird mit 20 bis 22 Grad, bleiben die Temperaturen ansonsten im
leicht unterkühlten Bereich zwischen 14 und 19 Grad mit den niedrigen Werten an
der Nordsee.

In der Nacht zum Montag rückt der Keil zur Nordsee vor, was die weiterhin leicht
zyklonale Strömung auf Nord bis Nordwest drehen lässt. Daher sind im Osten
weitere, meist schauerartige Niederschläge zu erwarten. In den Staulagen des
Erzgebirges sind bis 10 mm innerhalb von 12 Stunden möglich. Während im
Binnenland der Wind deutlich schwächer wird, sind an der Küste sowie in den
Hochlagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge weiterhin Wind- und auch
stürmische Böen zu erwarten. Im Südwesten und ganz im Westen kann es dagegen
aufklaren. Damit kann es im Südschwarzwald mit rund 3 Grad am kühlsten werden,
während sonst 5 bis 11 Grad angesagt sind.

Montag … schwenkt der Höhenkeil nach Norwegen, was über Mitteleuropa eine
nahezu nördliche Strömung zur Folge hat. Gestützt durch diesen Keil ergibt sich
über Skandinavien Druckanstieg, wodurch eine Hochdruckbrücke zustande kommt, die
von dem Hoch über den Britischen Inseln nach Lappland gerichtet ist. Zwischen
dieser Brücke und tiefem Luftdruck über Osteuropa stellt sich auch in Bodennähe
eine nord-nordwestliche Windkomponente ein. Aufgrund der nach wie vor
vorhandenen leichten Zyklonalität sind im Osten, bevorzugt in den Staulagen der
östlichen Mittelgebirge und an den Alpen, weitere leichte, schauerartige
Niederschläge zu erwarten, die in der Fläche meist nur 0,5 bis 4 Liter/qm,
vereinzelt auch knapp über 5 mm bringen.
Im Tagesverlauf lebt der Wind vor allem in einem Streifen von der Nordsee bis
zum Westerzgebirge auf mit einzelnen steifen Windböen. In den Kamm- und
Gipfellagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge können stürmische Böen
nicht ganz ausgeschlossen werden. Ansonsten weht der Wind vorübergehend mäßig,
in Böen frisch. Im Westen und Südwesten überwiegt absinken, so dass von NRW bis
zum Hochrhein der meist Sonnenschein zu erwarten ist (teils über 50 Prozent
Sonnenschein) mit Höchstwerten zwischen 20 und 23 Grad. Ansonsten sind 14 bis 19
Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Dienstag rückt der Keil mit seinem nördlichen Teil etwas nach
Osten vor, wogegen dessen südlicher Teil nur zum Ärmelkanal schwenkt. Das
korrespondierende kräftige Bodenhoch weitet sich nach Nordwestdeutschland aus.
Insgesamt flacht dadurch der Gradient ab, was die Luftmasse zur Ruhe kommen
lässt. Geringe Niederschläge treten noch im Stau des Erzgebirges und an den
Alpen auf. Sonst bleibt es trocken und verbreitet klart es auf. Landesweit sind
daher meist einstellige Temperaturminima zu erwarten.

Dienstag … Während der Höhenkeil über England regeneriert wird, schwenkt der
Nordostteil des kräftigen Höhenkeiles bis Tagesende langsam nach
Nordwestdeutschland. Dabei wird weiter das Bodenhoch bei den Britischen Inseln
mit dem breiten Keil Richtung Ost- und Nordosteuropa gestützt. Die Südostflanke
des Höhenkeils ist anfangs noch leicht zyklonal, so dass von Vorpommern bis nach
Südostbayern nach einigen Modellen noch Schauer ausgelöst werden (IFS und GFS).
Nach dem ICON-EU Temp würden Quellungen immerhin bis -12 Grad reichen, was
Schauer ermöglichen würde. Daher ist die Niederschlagsprognose von IFS und GFS
nicht von der Hand zu weisen.
Insgesamt wird es ein recht freundlicher Tag mit Quellwolken vor allem im Osten
und 60 bis 80 Prozent Sonne im Westen. Hier wird es auch angenehm warm mit 21
bis 24 Grad, während es ansonsten mit 15 bis 20 Grad kühler ist.
Windmäßig beruhigt sich das Geschehen, denn mit der Ausdehnung des Bodenkeiles
fächert der Gradient auf, so dass meist nur ein schwacher Nord-, in
Süddeutschland ein schwacher Nordostwind weht.

Modellvergleich und -einschätzung

Insgesamt wird die Entwicklung von den externen Modellen ähnlich simuliert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 22.05.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Abends und nachts nur vereinzelt Gewitter. Samstag im Norden kurze Gewitter,
windig. Im Süden teils kräftige Gewitter, Unwetter nicht ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … überquert uns in einer westlichen Strömung aktuell ein markanter
Höhenrücken, gefolgt von der Vorderseite eines breiten Langwellentroges über dem
Nordatlantik. Dem Trog kann ein Sturmtief bei Schottland zugeordnet werden,
dessen okkludierendes Frontensystem uns von Westen her erreicht hat. Während uns
die Warmfront ostwärts überquert, gelangt die Kaltfront im Laufe der Nacht über
der Mitte und Süddeutschland ins Schleifen. Dabei gelangt vorübergehend ein
Schwall feuchtwarmer und potentiell instabiler Warmluft zu uns, bevor auf der
Rückseite der Kaltfront frischere, vor allem aber trockenere und stabilere
Meeresluft folgt.

Dabei treten abends an der Warmfront vor allem über dem Südosten einzelne
Gewitter auf. Ein weiteres Gewittermaximum sollte sich über dem Nordwesten
ergeben, an einer der Kaltfront vorlaufenden Konvergenz. Diese sind aber
deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben und letztlich blieb es bei eher
einzelnen gewittrigen Schauern.
An der Kaltfront, die bis Samstag früh etwa bis auf eine Linie
Nordbaden-Erzgebirge vorankommt, sollte es nachts dann teils schauerartig regnen
und höchstens vereinzelt noch Gewitter geben. Da es mit der einströmenden
kälteren Luft schnell stabilisiert und die Regenfälle sich zusehends auf den
postfrontalen Bereich konzentrieren (Anafront). Präfrontal sind über dem
Bergland im Süden einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen, postfrontal halten
sich vielfach dichte Wolken.
Der Wind frischt sowohl mit Annäherung der Konvergenz/Kaltfront, als auch bei
deren Passage auf mit einzelnen exponierten 7er Böen.
Die Nacht geht vor allem im Südwesten – unter den Wolken und in der warmen
Luftmasse – sehr mild über die Bühne, gebietsweise mit Minima um oder etwas über
15 Grad.

Samstag … kommt der Trog unter Verkürzung seiner Wellenlänge bis zum Abend mit
seiner Achse bis nach Benelux voran. Das zentrale Bodentief verlagert sich nur
langsam ostwärts und erreicht das Seegebiet nördlich der Shetland-Inseln, wobei
es sich mit Kerndruck leicht auf ca. 985 hPa (ICON) abschwächt.
Die zugehörige Kaltfront zieht schleifend weiter nach Südosten und erreicht
abends den östlichen Alpenrand. Damit wird das gesamte Land mit subpolarer
Meeresluft geflutet, in der die 850-hPa-Temperatur auf Werte wischen
7°C (Südosten) und 1°C (Norden) zurückgeht.
Im frontalen Bereich bzw. auf deren Rückseite (Anafront) fällt im Süden und
zunächst auch über der Mitte zum Teil andauernder, konvektiv verstärkter Regen,
bei dem in einigen Staulagen 10 bis 20 l/qm innerhalb 12 h zusammenkommen
können. Präfrontal wird (ganz) im Süden und Südosten noch etwas wärmere, weiter
aber instabile Luft eingesteuert und da hier die Kaltfront bis zum Abend auf
sich warten lässt kann sich auch noch Cape aufbauen, laut C D2 bis 800 J/kg.
Dort sind ab den Mittagsstunden teils kräftige Gewitter möglich, die angesichts
vorhandener Scherung auch organisiert sein können. Markante Entwicklungen
(Starkregen, Sturmböen, kleiner Hagel) sind wahrscheinlich, unwetterartige nicht
ausgeschlossen.
Rückseitiger, teils kräftiger Druckanstieg forciert den Aufbau bzw. die
Ausdehnung eines Hochkeils, was den Regen in der Nacht zum Sonntag rasch in die
Alpen abdrängt. Dabei kann es nachmittags durch die Druckwelle auch abseits der
Konvektion an den Alpen und im Alpenvorland zu starken bis stürmischen Böen
kommen, Sturmböen nicht ausgeschlossen.
Die Mitte, vor allem aber der Norden, gelangen unter den sich von Westen
nähernden Höhentrog, wodurch höhenkalte Luft eingesteuert wird, in der die
Temperatur in 500 hPa bis -28°C sinkt. Bei wechselnder Bewölkung wird etwas
Labilität generiert und es langt für Schauer und kurze Gewitter, inklusive
Graupel und stürmische Böen 8 Bft.
Auch abseits der Konvektion frischt der westliche Wind im Norden und Westen auf,
wobei es für einzelne Bft 7, vereinzelt Bft 8 reichen kann.
Neben der Druckwelle macht sich der auffrischende Wind im Süden vor allem im
höheren Bergland durch stürmische Böen oder Sturmböen bemerkbar.

In weiten Teilen des Landes ist es mit 15 bis 20°C kühler als zuletzt. Lediglich
im äußersten Süden kann sich die Luft vor Eintreffen der Front bzw. des Regens
auf 21 bis 25°C erwärmen, bevor es am Nachmittag und Abend einen kräftigen
Temperaturrückgang gibt.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Regen ganz im Süden ab und auch die Schauer
lassen mit Abzug des Troges nach. Im Nordwesten zieht im Laufe der Nacht durch
Warmluftadvektion vor einer Warmfrontwelle mehrschichtige Bewölkung auf mit
leichtem Regen zum Morgen an der Nordsee, was den Temperaturrückgang dort
bremst. Es werden im Nordwesten Tiefstwerte von 9 oder 10 Grad erwartet.
Ansonsten ist es bei vorübergehend geringer Bewölkung mit 3 bis 9 Grad deutlich
kühler. Der Wind ist wahrscheinlich abgesehen von der Nordfriesischen Küste
nicht mehr warnwürdig.

Sonntag … zieht der Langwellentrog ostwärts und erreicht Ostpolen und die
angrenzenden Staaten Osteuropas. Allerdings wird er durch einen über die Nordsee
heranschwenkenden Randtrog regeneriert.
Ansonsten kommt Deutschland auf die Vorderseite eines sich unter Intensivierung
zu den Britischen Inseln verlagernden Höhenkeils in eine glatte, auf Nordwest
drehende Höhenströmung.

Im Tagesverlauf breitet sich die Warmluftadvektion mit der Warmfrontwelle über
Deutschland nach Südosten aus und die 850er Temperatur steigt etwas an. Vor
allem über Norddeutschland und der östlichen Mitte überwiegt dabei starke
Bewölkung und zeitweise fällt schauerartiger Regen, ohne Warnrelevanz, aber
immerhin mit 5 bis 10 mm Regen in 12 Stunden vom südlichen Niedersachsen über
Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg.

Nur ganz im Nordosten ist es labiler im Bereich höhenkalter Luft (T500 bei -27
Grad), so dass es hier, auch getriggert durch den Randtrog nicht nur Schauer,
sondern auch einzelne Gewitter gibt.

Damit frischt auf der Nordseite des zu den Alpen gerichteten Bodenhochkeils (der
vom Hoch am Westausgang des Ärmelkanals ausgeht) der Wind kräftig auf mit
steifen Windböen in der Nordhälfte und im Südosten. Einzelne stürmische Böen
können vor allem an der See, aber auch landeinwärts exponiert nicht
ausgeschlossen werden.
Während es im Rheintal etwas wärmer wird mit 20 bis 22 Grad, bleiben die
Temperaturen ansonsten im unterkühlten Bereich zwischen 16 und 19 Grad.

In der Nacht zum Montag verhält sich das Muster nur wenig progressiv, der Trog
weitet sich aber über Osteuropa nach Süden aus, sodass die Strömung noch etwas
nach Nord dreht. Über der Osthälfte treten bei leicht instabiler Schichtung
weitere schauerartige Regenfälle auf, aber kaum Gewitter. In Staulagen des
Erzgebirges und an den Alpen sind die Niederschläge kräftiger, aber wohl nicht
warnrelevant. Im Nordosten und Norden wird durch einen über die Ostsee nach
Süden schwenkenden Bodentrog ein kräftiger Gradient aufrechterhalten durch den
an den Küsten weitere steife bis stürmische Böen aus Nordwest auf dem Plan
stehen. Auch landeinwärts und im Bergland (nach Osten hin) kann der Wind nach
vorübergehender Abnahme im Laufe der Nacht wieder etwas zulegen und warnwürdige
Gefilde erreichen.

Montag … setzt sich der Trend aus der Nacht heraus fort. Während der Trog über
Osteuropa eher nach Süden vorankommt, als nach Osten, tut sich der Rücken über
Westeuropa entsprechend schwer Boden nach Osten gutzumachen. Er weitet sich,
wahrscheinlich aus Verdruss darüber, lieber nach Skandinavien aus, was in einer
nördlichen Höhenströmung, und halbwegs auch Bodenströmung, bei uns mündet.
Der Bodendruck dürfte dann wahrscheinlich schon gut angestiegen sein, auf mehr
als 1030 hPa über Westdeutschland, dennoch drückt der Trog im Osten dem Wetter
bei uns, vor allem in der Osthälfte seinen Stempel auf. Es geht dort eher
wolkenreich weiter mit Schauern oder schauerartigen Regen, der an den
Nordrändern der Gebirge verstärkt ist, warnrelevante Regensummen sollte aber
auch akkumuliert nicht zusammenkommen.

Nach Westen, zum Keil hin, sind die Sonnenanteile größer und die
Niederschlagsneigung gering. Die Temperaturen machen aber keine großen Sprünge.
Zwar schafft es die Sonne im Westen und Südwesten, die aus Norden einfließende
kühle Luftmasse tagsüber auf 19 bis 23 Grad zu erwärmen, unter den Wolken werden
die 20 Grad nicht erreicht.

Der bodennah nordwestliche Wind bleibt lebhaft unterwegs. Der Gradient fächert
zwar auf, durch den Tagesgang wird das aber kompensiert und bei bis ca. 750 hPa
gut durchmischter Schicht sind außer im Westen und Südwesten einzelne Böen der
Stärke 7 nicht ausgeschlossen. Das höhere Bergland ist mit stürmischen,
exponiert Sturmböen dabei.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren im Großen und Ganzen ähnlich. Die Signale für Stark-oder
Dauerregen in den kommenden Tagen sind spärlich bis nicht vorhanden. Es regnet
aber wenigstens wieder mal. Die Gewitter bleiben Nowcasting, sind aber aktuell
deutlich hinter den Erwartungen und Modellvorgaben zurückgeblieben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 211800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 21.05.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wetterumschwung! Regnerischer und windiger, dazu im Norden einzelne Gewitter
möglich. Am Samstag deutlich kälter.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … verliert die Bodenhochdruckzone ROLF zunehmend an Einfluss auf unser
Wetter. Zwar verlagert sie sich kaum ostwärts, so dass ihre Divergenzachse zu
Beginn wie auch ausgangs der Nacht etwa vom Bottnischen Meerbusen über Gotland
und Westpolen bis ins Böhmische Becken verläuft. Aber von Westen her setzt in
Deutschland Druckfall ein, was einem kräftigen Tief (GUDRUN) und dem mit ihm
korrespondierenden Langwellentrog in 500 hPa geschuldet ist. Das Tief zieht
dabei im Seegebiet westlich von Irland nach Nordosten. Sein Frontensystem greift
in der Nacht auf Kontinentaleuropa über, wobei im 500-hPa-Niveau weiterhin ein
Höhenrücken dominiert. Dessen Hauptachse verläuft von der Iberischen Halbinsel
über Frankreich, Benelux und Dänemark zum Nordmeer und verlagert sich in der
Nacht nur zögerlich ostwärts. Im Detail ist es allerdings so, dass der Rücken
von einem sehr markanten Kurzwellentrog umlaufen wird, wodurch der Rücken erst
etwas abgebaut, dann aber, auf der Rückseite des Kurzwellentroges, durch WLA
wieder regeneriert wird. Dadurch erklärt sich die insgesamt zögerliche
Verlagerung des Rückens. Während die Kaltfront des Irland-Tiefs zum Morgen die
Bretagne erreicht, schwenkt die Warmfront auf der Rückseite des Höhenrückens dem
Ärmelkanal und Nordfrankreich nach Nordosten und erreicht bis zum Morgen
Benelux. Im Zug der geschilderten Prozesse kommt in der Nacht im Westen erst
hohe, später auch mittelhohe Bewölkung auf. Die hohen Wolkenfelder schaffen es
bis zum Morgen sogar bis in die Mitte und in den Südosten, tiefe Wolken werden
aber wohl nur vom nördlichen Emsland bis nach Schleswig-Holstein aufziehen.
Dabei sind diese gar nicht unbedingt der geschilderten Warmfront, sondern
vielmehr einer schwachen Feuchtezone zu verdanken, die als Relikt des
Kurzwellentroges noch über der Nordsee und dem äußersten Nordwesten und Norden
Deutschlands herumgeistert. Wie auch immer, für ein paar Tropfen Regen könnte es
in der Nacht vom Emsland bis nach Nordfriesland reichen, wobei die Formulierung
wörtlich gemeint ist, die Niederschlagsmengen, so sie denn kommen, also sehr
gering ausfallen werden. Im übrigen Land bleibt es trocken, und die aufziehenden
Wolken unterbinden die Ausstrahlung. Das lässt Tiefstwerte erwarten, die in den
großen Ballungsräumen des Westens um 16 Grad liegen können. Meist sollten sich
die Minima aber zwischen 14 und 7 Grad, in der Lausitz lokal nur um 4 Grad
bewegen, was dort in Bodennähe Temperaturen nahe null ermöglicht. Der zwischen
der Hochdruckzone östlich von uns und dem kräftigen Tief über dem Atlantik
zumeist südwestliche Wind weht in der Nordosthälfte zumindest mäßig bis frisch,
ansonsten aber schwach.

Freitag … wird der Höhenrücken weiter zögerlich nach Osten geschoben, bis zum
Abend sollte seine Achse bis auf eine Linie Genfer See – Rostock vorankommen.
Zwar herrscht vorderseitig des Rückens weiterhin Absinken vor, dieses kann
allerdings den von Westen auf das zentrale und östliche Mitteleuropa
übergreifenden bodennahen Druckfall nicht kompensieren. In der Folge wird die
Hochdruckbrücke ROLF allmählich abgebaut. Während zu Tagesbeginn von Lappland
bis zum Baltikum noch verbreitet Druckwerte über 1025 hPa zu beobachten sein
werden, gehören diese zum Ende des Tages schon der Geschichte an. Während es
GUDRUN, mit fast senkrechter Achse und sich allmählich auffüllend, bis zum Abend
ins Seegebiet westlich der Äußeren Hebriden geschafft hat, greift nicht nur ihr
Frontensystem, sondern auch der mit ihr verbundene breite Bodentrog auf
Mitteleuropa über. Die Warmfront wird dabei bis zum Mittag etwa auf einer Linie
Nordsee – Ostwestfalen erwartet, die Kaltfront greift zu diesem Zeitpunkt von
Westen her auf Belgien über. Am Abend gilt dann für die Warmfront eine Position
von Fehmarn bis zum Erzgebirge als wahrscheinlich, die Kaltfront hat zu diesem
Zeitpunkt schon auf den Nordwesten übergegriffen, und damit liegen Teile
Ostfrieslands schon postfrontal, so dass es dort zum Abend schon wieder erste
Auflockerungen geben könnte. Das sowohl Warm- als auch Kaltfront mit Regen
verbunden sind ist unstrittig. Trotzdem sind noch zwei zentrale Detailfragen zu
klären.

Da wäre zum Ersten die exakte Regenverteilung und Intensität. Denn der breite
Bodentrog weist je nach Modell (bei ICON oder IFS deutlicher, bei GFS schwächer
ausgeprägt) zusätzlich zu den beschriebenen Fronten noch eine Konvergenzlinie im
Warmsektor auf. An dieser Linie könnte sich ein dritter Regenschwerpunkt
herausbilden, den ICON trotz der deutlichen Ausarbeitung der konvergenten Zone
im Bodendruckfeld recht moderat zeichnet; den, im Gegensatz dazu, GFS trotz der
moderaten Ausprägung der Konvergenzzone mit viel Niederschlag versieht. Laut GFS
könnte es sogar südlich des Mains regnerisch zugehen, ein Szenario, das ICON und
GFS, aber auch hochauflösende Modelle wie EURO4, COSMO-D2 oder Kachelmanns
SuperHD ablehnen. Letztendlich hängt von der Niederschlagsintensität an der
Konvergenz auch die Gesamtniederschlagsmenge ab. Im 12-Stunden-Intervall bis 18
UTC sollen im Norden gebietsweise 5 bis 10 mm und lokal sogar bis 15 mm fallen
(ICON, GFS). In den übrigen Gebieten nördlich des Mains werden bis zu 5 mm
erwartet, wobei IFS etwas niedriger liegt als die hier skizzierten ICON und GFS.
Trocken bleibt es, abgesehen vom Süden, noch in einem Streifen von Vorpommern
bis zur Neiße.

Die zweite Frage ist die nach möglichen Gewittern. Diesbezüglich ist COSMO-D2
sehr aggressiv mit großflächigen Gewitterteppichen, um die Mittagszeit über dem
Nordwesten, später dann bis in die Mitte ausgreifend. Unstrittig ist wohl, dass
die Niederschläge durchaus schauerartig durchsetzt sind. Darauf deuten u.a. die
CAPE-Werte hin, die großflächig zwischen 200 und 400 J/kg liegen, ferner auch
die Hebungsfelder, die bei COSMO-D2, aber auch bei ICON oder GFS lokal kräftige
Maxima zeigen. Ein weiterer Gewitterhinweis ist die hohe gesamttroposphärische
Feuchte mit hohen PPW-Werte von knapp 40 mm, u.a. bei COSMO-D2 und ICON-EU.
Weniger für Gewitter spricht der durch einsickernde Kaltluft kühle Fuß vieler
Soundings sowie die nur mäßig feuchte Grundschicht, ebenso wie der natürlich
weiterhin vorhandene Höhenrücken. Klar, abgehobene Konvektion ist möglich, und
entsprechend erstreckt sich das CAPE bei COSMO-D2 vor allem auf die Bereiche
zwischen 850 und 550 hPa und bei ICON-EU auf die Bereiche zwischen 800 und 550
hPa. Das Problem dabei? Die 550 hPa liegen die Temperaturen bei beiden genannten
Modellen um -8 Grad. Damit wäre die für die Ladungstrennung und damit für
Gewitter ausreichende Ladungstrennung nicht gegeben. Vielleicht geht es in
kräftigen Aufwinden auch mal hoch in Bereiche mit Temperaturen unter -10 Grad,
aber ob das tatsächlich für Gewitter reicht??? Und wenn, dann wohl nicht
großflächig. Das Resümee lautet also: Es wird wohl konvektiv verstärkter Regen
fallen, in den hier und da ein kurzes Gewitter eingelagert sein kann.

Bezüglich des Windes erscheint in Schauern und Gewittern die Bft 7-8 eine
brauchbare Abschätzung zu sein, liegen doch die Windgeschwindigkeiten in 850 hPa
um 30kt, vereinzelt auch um 35 kt. Abseits der synoptischen Überlegungen scheint
im Osten anfangs noch etwas die Sonne, bevor auch dort mehrschichtige Bewölkung
aufzieht. Sonnenschein gibt es auch im Süden, wo sich die hohen und mittelhohen
Wolkenfelder als löchrig erweisen. Am Oberrheingraben reicht es punktuell für 30
Grad oder etwas mehr, ansonsten stehen meist 23 bis 29 Grad, im Küstenumfeld um
20 Grad im Ablaufplan. Der Wind frischt vor allem mit Durchschwenken der
Konvergenzlinie und der Kaltfront (hinter der der Druck rasch ansteigt)
kurzzeitig mal auf, insbesondere in Verbindung mit Konvektion. Das gilt auch für
die Warmfront, aber in reduziertem Maße.

In der Nacht zum Samstag verabschiedet sich der Höhenrücken endgültig und
wandert ins östliche Mitteleuropa. Rückseitig stellt sich eine diffluente
südwestliche Höhenströmung ein, die im Süden noch leicht antizyklonal, nach
Nordwesten hin leicht zyklonal konturiert ist. GUDRUN macht nur noch wenig Boden
nach Nordosten hin gut und füllt sich noch ein wenig auf. Über dem Norden
okkludiert das Frontensystem zusehends, und bis zum Morgen hat die Okklusion den
Westen Polens erreicht. Weiterhin kann man, wie oben geschehen, über das
Potential für Gewitter diskutieren. Ohne das Thema nochmals so breit
auszudiskutieren könnte man die laut COSMO-D2 die ganze Nacht gezeigten
gewittrigen Pseudo-Synops als Indikator dafür nehmen, dass zumindest der eine
oder andere Blitz noch auftreten kann. Weil mit der Front bzw. der Okklusion
auch der Bodentrog nach Osten auswandert, zieht über Deutschland der Gradient
auseinander. Damit bricht für die Kaltfront die frontsenkrechte Komponente
zusammen und die Front beginnt zu schleifen. Laut IFS tut sie dies in einem
Streifen von Thüringen über Nord- und Mittelhessen hinweg bis zur Eifel und zur
Mosel. Bei ICON, GFS oder EURO4 liegt diese Linie etwas weiter südlich, was auch
wieder etwas andere Niederschlagsschwerpunkte zur Folge hat. Letztendlich sagen
die Modelle 12-stündig bis Samstagmorgen zwischen Ostsee und Erzgebirge
verbreitet um 5 mm, gebietsweise um 10 mm und lokal bis 15 mm voraus. Im
Kaltfront-Schleif-Streifen sollen um 5 mm zusammenkommen, auch im Warmsektor
über dem Süden fallen ein paar Tropfen, trocken ist dagegen der Nordwesten,
genauer das Gebiet vom Niederrhein bis nach Nordfriesland. Rückseitig des
Frontensystems fließt kühlere Luft ein, zum Morgen liegen die 850er Temperaturen
über dem Nordwesten nur noch um 4 Grad, was dort Tiefstwerte um 10 Grad erwarten
lässt. Im Warmsektor liegen die Tiefstwerte dagegen bei bis zu 15 Grad. Der
aufweichende Gradient lässt vermutlich keine steifen Böen Bft 7 mehr zu. Das
sehen auch die deterministischen Modelle so. Den Spielverderber mimen die
Ensembles, die zumindest geringe Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 7 über dem
Norden aufweisen.

Samstag … schafft es GUDRUN im Tagesverlauf ins Seegebiet zwischen den Färöer-
und Shetland-Inseln um in der Nacht von dort eher einen Ostkurs einzuschlagen.
Dabei füllt sich das Tief zögerlich weiter auf, zum Abend liegt der Kerndruck
etwas unter 990 hPa, zum Morgen dann schon über 995 hPa. Die zugehörige
Kaltfront bekommt durch einen etwas anziehenden Gradienten wieder etwas Schwung
und liegt spätestens am Abend an den Alpen. Damit wird das gesamte Land mit
subpolarer Meeresluft geflutet, in der die 850-hPa-Temperatur auf Werte zwischen
4 Grad (Süden) und 1 Grad (Norden) zurückgeht. An bzw. rückseitig der zunehmend
Anacharakter annehmenden Front fällt im Süden länger andauernder Regen, die
Mengen erreichen zwischen Schwarzwald und Nieder- bzw. Oberbayern allgemein 5
bis 10 mm und gebietsweise auch um 15 mm, weiter nördlich ist es etwas weniger.
Präfrontal setzen einige Modelle, u.a. ICON und EURO4, auf kräftige und
gewittrige konvektive Umlagerungen, denen zufolge auch 6-stündiger Starkregen
möglich wäre. Man wird sehen… Klar ist aber, dass sich Rückseitig der Front
rasch von Westen her ein Hochkeil nach Süddeutschland schiebt, der die
Regenfälle mehr und mehr nach Südosten zurückdrängt, so dass es zum Abend nur
noch von den Alpen und dem Bodensee bis zum Bayerischen Wald, in der Nacht dann
nur noch an den Alpen regnet, mit weiter nachlassender Tendenz. Durch das rasche
Abziehen der Niederschläge nach Südosten ist auch Dauerregen kein Thema. Die
Mitte, vor allem aber der Norden gelangen zunehmend unter den von Westen
vorstoßenden flachen Höhentrog, der sich zwar immer weiter vom hochreichenden
Zentraltief GUDRUN entfernt, diesem aber immer noch zuzuordnen ist. Dabei wird
ab Mittag eine Portion mäßig höhenkalter Luft eingespült (T500 um -27°C), die
bei wechselnder Bewölkung ausreichend Labilität und auch Feuchtigkeit für
Schauer respektive kurze Gewitter bietet. Dabei sollte etwas Graupel ebenso
wenig überraschen wie stürmische Böen 8 Bft. Aber auch abseits der konvektiven
Umlagerungen frischt der westliche Wind im Norden und Westen mitunter auf. Dabei
reicht es gebietsweise für ein paar steife Böen 7 Bft, die einem auf der
Nordflanke des angesprochenen Bodenkeils ablaufenden Troges geschuldet sind. Im
Süden macht sich der Wind vornehmlich in höheren Lagen, im Alpenvorland bei
KF-Passage und durch den Leitplankeneffekt sowie bei potentiellen konvektiven
Umlagerungen bemerkbar. Die Temperaturen erinnern im überwiegenden Teil des
Landes nicht im Entferntesten mehr an die des Vortages. Sehr verbreitet wird es
nicht wärmer als 14 bis 19°C. Lediglich im äußersten Süden kann sich die Luft
vor Eintreffen der Front bzw. des Regens noch mal auf über 20°C erwärmen, bevor
es spätestens am Nachmittag auch dort mit der warmen Herrlichkeit vorbei ist.

Sonntag … zieht GUDRUNs Langwellentrog nach Osten ab und Deutschland gelangt
auf die Vorderseite eines sich unter Intensivierung zu den Britischen Inseln
verlagernden Höhenkeils. Die sich ergebende Höhenströmung ist meist glatt,
leicht diffluent und dreht von Westnordwest auf Nordwest. Im Tagesverlauf, vor
allem aber in der Nacht zum Montag reicht die WLA bis nach Deutschland. Dadurch
steigt von Westen die 850er Temperatur etwas an, gleichzeitig ziehen dichtere
Wolkenfelder nördlich des Mains durch. Bodennah liegt Mitteleuropa dabei
zwischen dem sich weiter auffüllenden Tief GUDRUN, das über Südskandinavien
hinweg bis zur zentralen Ostsee zieht, und hohem Luftdruck über Westeuropa.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Abläufe werden im Großen und Ganzen ähnlich simuliert und es
ist klar, dass uns wechselhafteres Wetter mit einer Frontpassage, teils
auflebendem Wind und postfrontal zurückgehenden Temperaturen erwartet.
Allerdings zeigen sich im Detail Unterschiede, die sowohl wetter- als auch
warntechnisch zu deutlichen Abweichungen zwischen den Modellen führen. Zu nennen
ist dabei insbesondere die Gewitterfrage, die im Text detailliert erörtert
wurde.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas