SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Sonntag, den 28.02.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 28.02.2021 um 10.30 UTC

Am Donnerstag mit Kaltfronpassage Wetterumstellung.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 07.03.2021

Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes hält sich noch der Hochdruckeinfluss
ausgehend von einem Rücken, der sich von Libyen über das Mittelmeer bis zur
Nordsee erstreckt. Über Deutschland bleibt das Wetter bei nur schwachen
Luftdruckgegensetzen eher ruhig und warnarm. Die Luft erwärmt sich bei 850 hPa
Temperaturen um 5 Grad am Tage auf Werte zwischen 10 Grad im Nordosten und 16
Grad im Südwesten. Neues Ungemach ist aber auf dem Atlantik und über dem
europäischen Nordmeer bereits zu erkennen. Zum einen sorgt ein kleinräumiges
hochreichendes Tief über Südwestengland für gewisse Hebungsprozesse auf dessen
Ostflanke und zum anderen nähert sich von Skandinavien her ein ausgeprägter und
mit polarer Kaltluft gefüllter Trog Mitteleuropa. Vorgelagert ist eine Kaltfront
eines Tiefs über Nordwestrussland, die ausgangs der Nacht zu Donnerstag Dänemark
erreicht.

Donnerstagvormittag kann die Kaltfront/Trog auch auf Schleswig-Holstein
übergreifen. Anfangs ist die Kaltfront bei der im Norden eher trockenen Luft
noch wenig wetterwirksam. In der Mitte und im Süden, wo sich etwas feuchtere
Luft halten konnte, kommt es zu Hebungsprozessen und es regnet vielerorts. Aber
auch das kleinräumige Tief über Südengland sorgt im Vorfeld der Kaltfront im
Westen und in der Mitte für Aufgleitprozesse, die zum einen zu einem stark
bewölkten Himmel, aber auch zu leichten Regen führen. Bei einer straffen
Nordströmung kann sich die Kaltfront rasch südwärts vorarbeiten. Hinter dieser
fließen hochreichend kalte Luftmassen (in 850 hPa -5 bis -10 Grad) nach
Deutschland, die die Schneefallgrenze absinken lassen. Tagsüber wird aber nur in
den höchsten Lagen mit Schneefall gerechnet.
Nach Süden hin wird aber das rasche Fortschreiten der Kaltfront/Trog durch das
Höhentief bei Südengland gebremst. Das Höhentief verlagert sich nach Frankreich
und stellt sich mit schwacher WLA der Kaltfront entgegen. Dabei intensivieren
sich die Niederschläge über der Mitte noch etwas. In der Nacht zu Freitag greift
die Kaltfront auf den Süden über. Am Alpenrand wo sich die Kaltfront am längsten
hält sind auch anhaltende und teils kräftige Schneefälle zu erwarten.
Auf der Rückseite lockert es vielerorts auf. Wobei auch Frost und bei den noch
nassen Straßen auch überfrierende Nässe ein Thema werden wird. Hinter der Front
nimmt der Hochdruckeinfluss wieder zu. Es hat sich eine abgeschlossene
Hochdruckzelle über Großbritannien und Island gebildet, die hinter dem Trog
wieder auf Nordwesteuropa übergreift.

Das kleine Höhentief, das sich nun über der Schweiz befindet, sorgt auch am
Freitag noch für gewisse Unsicherheiten bzw. zu einem verlangsamten Abzug der
Kaltfront nach Süden. Zum Abend hin sollten die letzten Reste der Kaltfront
Deutschland nach Süden hin verlassen haben. Vielerorts bleibt es unter leichten
Hochdruckeinfluss sonnig und trocken. Im Nordosten jedoch sorgen kurzwellige
Randtröge für wechselhaftes Schnee – Schauerwetter. Auch die Temperaturen
steigen in der meist trockenen Kaltluft nicht mehr so stark wie Anfang der
Woche. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 5 Grad im Osten und bis 9 Grad im
Westen. Nachts muss verbreitet mit leichten bis mäßigen Frost gerechnet werden.
Über Schnee ist auch strenger Frost nicht auszuschließen.

Am Samstag greift die Hochdruckzelle über dem Nordatlantik weiter auf
Mitteleuropa über. Es bleibt kalt mit 850 hPa Temperaturen zwischen -5 und -10
Grad. Nach Auflösung einiger Nebel oder Dunstfelder bleibt es vielerorts sonnig.
Nachts bleibt es oft klar und frostig.

Auch am Sonntag bleibt die Hochdruckzelle für Deutschland wetterbestimmend. Der
Hochdruckkern verschiebt sich etwas nach Osten, so dass in den Südwesten wieder
etwas mildere Luftmassen (um 0 Grad in 850 hPa) strömen. Es bleibt
niederschlagsfrei. Über dem europäischen Nordmeer ist aber erneut eine
Trogbildung auszumachen, die uns vorerst nicht tangiert.

Am Montag soll sich der Trog bzw. auch eine Kaltfront von Skandinavien erneut
nach Süden aufmachen. Ob diese uns aber reicht ist fraglich. Nach dem aktuellem
IFS Lauf soll anfang übernächster Woche ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über
Südwesteuropa zum einen den Hochdruckeinfluss abschwächen und zum anderen die
vorherrschende Anströmung von Nord auf Südwest bis Süd drehen. Ob sich die
polare Kaltluft dann nochmal durchsetzen kann bleibt fraglich.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Mittwoch gibt es kaum Unterschiede zwischen den Vorläufen und
dem aktuellem IFS-Lauf. Nach der eher Hochdruckgeprägten Wetterlage stellt sich
am Donnerstag die Wetterlage um. Aber auch wenn es noch Unsicherheiten im Timing
der Kaltfrontpasse gibt, ist es recht sicher, dass die Kaltfront in der Nacht zu
Freitag den Süden Deutschlands erreicht. Nachfolgend baut sich zwar wieder
Hochdruckeinfluss, ausgehend von einem Hoch über den britischen Inseln auf. Auf
der Ostflanke des Hochs fließen aber nun recht kalte Luftmassen bis -10 Grad
nach Deutschland. Neben den Schneefällen an der Kaltfront (Mittelgebirge und
Alpen) gibt es vorrauschsichtlich keine markanten Wettergefahren im
Mittelfristzeitraum. Wobei das Risiko vor strengen Frost über Schnee wieder
ansteigt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch andere Globalmodelle sehen die Entwicklung ähnlich. Jedoch gibt es gewisse
Unsicherheiten bei dem Trog bzw. bei der Kaltfrontpassage am Donnerstag. Auch
das kleinräumige Tief das sich von England zur Schweiz verlagert, wird teils
deutlich anders oder gar nicht simuliert.
Das eine Modell ist etwas schneller als der andere. Dabei gibt es größere
Unterschiede wieviel Schnee am Alpenrand fallen könnte.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis Donnerstag ist der Spread der Rauchfahne sehr eng. Man kann deutlich die
Kaltfrontpassage Am Donnerstag erkennen, die die einzelnen Member teils etwas
schneller oder langsamer bringen. Es gibt aber auch einzelne Member die den
Kaltlufteintrag gar nicht simulieren und es eher „mild“ bleiben sollte . Ebenso
weist die Mehrheit der Member auf eine etwas längere Kälteperiode (Freitag bis
Sonntag) hin (Anders als im Operationellen IFS Lauf.) Demnach soll es erst
Anfang übernächster Woche wieder etwas milder werden.

In der Clusteranalyse gibt es im Zeitbereich 120 bis 168 h 3 Cluster. Der
aktuelle IFS- und der Kontrolllauf befinden sich mit insgesamt 24 Membern in
Cluster 1. Insgesamt unterschieden sich die Cluster nur darin, das der Trog, der
sich am Donnerstag bzw. Freitag über Mitteleuropa nach Südosten verlagert,
jeweils etwas anders dargestellt wird. Der nachfolgende Hochdruckeinfluss
dagegen simulieren alle.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Donnerstagabend bzw. am Freitag kann es vor allem am Alpenrand zu längeren
und teils kräftigen Schneefällen kommen.

Mit Kaltfrontpassage frischt der Wind auf den höchsten Gipfeln der Mittelgebirge
und der Alpen stürmisch auf.

Nachfolgend erhöht sich das Risiko vor strengem Frost über Schnee.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher

Pollenflug-Gefahrenindex für Baden-Württemberg ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am Sonntag, den 28.02.21 um 11 Uhr gültig bis: Montag, den 01.03.21 abends

Pollenflug-Gefahrenindex für Baden-Württemberg
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Sonntag, den 28.02.21 um 11 Uhr
gültig bis: Montag, den 01.03.21 abends

Bereich: Baden-Württemberg
Teilbereich: Oberrhein und unteres Neckartal 
       Sonntag  Montag
Hasel     2        2       
Erle      3        3       
Esche     0        0       
Birke     0        0       
Gräser    0        0       
Roggen    0        0       
Beifuss   0        0       
Ambrosia  0        0       

Teilbereich: Hohenlohe/mittlerer Neckar/Oberschwaben 
       Sonntag  Montag
Hasel     3        3       
Erle      3        3       
Esche     0        0       
Birke     0        0       
Gräser    0        0       
Roggen    0        0       
Beifuss   0        0       
Ambrosia  0        0       

Teilbereich: Mittelgebirge Baden-Württemberg 
       Sonntag  Montag
Hasel     2        2       
Erle      2        2-3     
Esche     0        0       
Birke     0        0       
Gräser    0        0       
Roggen    0        0       
Beifuss   0        0       
Ambrosia  0        0       



Legende:
0   keine                Belastung
0-1 keine bis geringe    Belastung
1   geringe              Belastung
1-2 geringe bis mittlere Belastung
2   mittlere             Belastung
2-3 mittlere bis hohe    Belastung
3   hohe                 Belastung

Deutscher Wetterdienst
Medizin-Meteorologie

DWD -> Thema des Tages 2021-02-28

Thema des Tages

Der Winter ist doch vorbei, oder?

Am morgigen Montag (1. März) beginnt für die Meteorologen der 
Frühling. Das Wetter der vergangenen Tage erinnerte auch schon mehr 
an den Frühling als an den Winter. Hat der Winter also ausgedient?

Bei Höchsttemperaturen von zum Teil über 20 Grad über mehrere Tage 
hinweg und viel Sonnenschein ließ das Wetter in der dritten 
Februar-Dekade den starken Wintereinbruch mit gebietsweise viel 
Schnee und klirrender Kälte Mitte Februar schnell vergessen. Im 
Freien konnte das Wetter statt mit dicker Jacke, Handschuh, Schal und
Mütze nun plötzlich im T-Shirt genossen werden. Da außerdem für die 
Meteorologen der heutige Sonntag auch noch der letzte Tag des Winters
ist (der astronomische/kalendarische Frühlingsbeginn ist am 20. März 
2021), werden wohl nicht wenige denken, dass der Winter nun bereits 
vorbei ist.

Allerdings haben sie damit die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Dieser
hat nämlich noch ein Ass im Ärmel, das sich "Märzwinter" nennt und 
ziemlich regelmäßig bei uns auf dem Zettel steht. Der Märzwinter ist 
eine meteorologische Singularität, die wiederum als 
Witterungsregelfall bezeichnet wird. Damit sind Wetterlagen gemeint, 
die zu einer bestimmten Zeit im Jahr überdurchschnittlich häufig 
vorkommen und recht deutlich vom Klimamittel zu diesem Zeitpunkt 
abweichen.

Beim Märzwinter gibt es regelmäßig etwa zur Mitte des Monats hin 
einen Kälterückfall, der nicht selten auch Schnee bis ins Tiefland 
bringt. Dass es noch einmal sehr kalt werden kann, liegt an den noch 
sehr kalten Luftmassen in nördlichen oder nordöstlichen Breiten. Dort
endet die Polarnacht erst mit dem Frühlingsbeginn um den 21. März 
herum, sodass sich die Luftmasse durch fehlende Sonneneinstrahlung 
noch nicht erwärmen kann. Bei passender Strömung wird diese kalte 
Luftmasse angezapft und gelangt bis nach Deutschland.

Zuletzt gab es 2013 einen ausgeprägten Märzwinter. Damals lag die 
Durchschnittstemperatur in Deutschland etwa 3,3 Grad tiefer als der 
Klimawert der zu diesem Zeitpunkt international gültigen 
Referenzperiode von 1961 bis 1990. Vor allem im Osten und Norden fiel
dabei Schnee, aber selbst die nicht so schneeverwöhnten Gebiete im 
Westen und Südwesten Deutschlands bekamen zeitweilig eine ordentliche
Portion des "Weiß" ab.

In diesem Jahr deuten die Modelle seit einigen Tagen an, dass es um 
den 5./6. März herum (Freitag/Samstag kommender Woche) einen 
Kälterückfall geben soll. Allerdings reicht es nach derzeitigen 
Erkenntnissen nur im Bergland für etwas Neuschnee und Dauerfrost, 
während sich das Temperaturniveau im Tiefland tagsüber meist im 
leichten Plusbereich bewegt (siehe Meteogramm für Offenbach am Main 
unter 
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/02/28_Bild.png). In
den Tagen nach der Abkühlung werden nur wenige Niederschläge 
angezeigt, aber vielleicht reicht es in den Nächten bei einem 
seltenen Schauer vorübergehend auch mal im Tiefland für eine dünne 
Schneedecke. Nachtfröste jedenfalls stehen verbreitet ins Haus, 
allerdings gibt es die auch schon in diesen Tagen.

Dicke Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe können also leider noch 
nicht in den (vorübergehenden) "Ruhestand" geschickt werden. Ein 
Märzwinter ist sogar noch bis in den April hinein möglich. Es muss 
nicht nur bei einem Kälterückfall im Frühjahr bleiben: Im Mai und 
Juni drohen auch noch die "Eisheiligen" und die "Schafskälte"?

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 28.02.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Diesen Artikel und das Archiv der "Themen des Tages"
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Samstag, den 27.02.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 27.02.2021 um 10.30 UTC

Kaltlufteinbruch ab Donnerstag mit etwas Schnee im Bergland und an den Alpen
sowie verbreitetem Nachtfrost.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 06.03.2021

In der Mittelfrist vollzieht sich eine Umstellung der Großwetterlage, die uns
kälteres, eventuell gar spätwinterliches Wetter beschert. Es ist allerdings noch
unklar, wie ausgeprägt der Kaltluftvorstoß ist. Darüber hinaus bleibt
abzuwarten, ob der ansonsten dominierende antizyklonale Einfluss vorübergehend
unterbrochen wird und der Kaltlufteinbruch von Schneefällen begleitet wird.

Ein Blick auf die Anomalien des 500-hPa-Geopotenzial verrät uns, wie es zu der
Umstellung kommt. Ein massiver Kaltluftvorstoß über Ostkanada und dem Osten der
USA führt zu einer signifikanten negativen Geopotenzialanomalie, die sich
langsam zur Labradorsee verlagert. Dem „Downstream Development“ folgend kann
sich über dem isländisch-grönländischen Raum eine starke positive Anomalie
aufbauen, an dessen Ostflanke der Vorstoß polarer Luftmassen auf breiter Front
in Richtung Ost- und Mitteleuropa erfolgen kann. Der dadurch forcierte, zügige
Abbau der zuvor wirksamen positiven Anomalie über dem Nord- und Mitteleuropa
bzw. deren Verschiebung auf den Nordatlantik macht sich in den
IFS-EPS-Wetterregime-Trajektorien bemerkbar, die sich im
„NAO-BLO“-Phasendiagramm aus dem BLOCKING-Sektor heraus mehrheitlich in den
Sektor NEGATIVER NAO bewegen. Zum Ende der Mittelfrist ist fraglich, ob sich die
positive Anomalie wieder in Richtung Mitteleuropa verlagert und der Kaltluft
rasch den Weg abschneidet oder draußen auf dem Atlantik bleibt.

Am Dienstag und Mittwoch merken wir in Deutschland noch nicht viel von der
Umstellung. Wetterbestimmend bleibt der Rücken, der von Nordafrika über den
zentralen Mittelmeerraum bis nach Mitteleuropa reicht und dort am Dienstag sogar
noch eine abgeschlossene Höhenantizyklone aus. Der Rücken wird in seinem
Nordteil aber bereits abgehobelt, zum einen durch ein von der Biskaya nach
Südengland ziehenden Kaltlufttropfen, zum anderen durch den sich bereits
abzeichnenden Kaltluft- und Trogvorstoß über Skandinavien. Am Boden verläuft
eine Hochdruckzone mit ihrer Divergenzachse diagonal von Südost nach Nordwest
über Deutschland. Dabei gelangt in den Norden und Nordosten mit nordwestlicher
Strömung feuchte Meeresluft, in der sich vielfach Stratus hält. Ansonsten setzt
sich das nach Auflösung von Frühnebelfeldern sonnige Wetter fort. Bei T850 meist
zwischen 4 und 7 Grad werden mit Sonne 11 bis 16 Grad erreicht, im Norden nur 4
bis 10 Grad.

Am Donnerstag beginnt sich die Umstellung auch in Deutschland bemerkbar zu
machen. An der Ostflanke des sich verstärkenden Rückens über dem Nordostatlantik
kann die arktische Kaltluft über Skandinavien weiter südwärts ausbrechen. Der
damit in Verbindung stehende Trog schwenkt mit seiner Achse nach Deutschland und
integriert dabei das o. e. Höhentief. Im Bodenniveau dreht die Strömung zwischen
einem Hoch über dem Seegebiet zwischen Island und Schottland und einem Tief über
Nordwestrussland über Deutschland auf Nord. In der Nordströmung ist die
Kaltfront des Russlandtiefs eingebettet, die abends bereits den Süden erreicht.
Die von Nordwest nach Südost ausgreifenden, gebietsweisen schauerartigen
Niederschläge gehen bei deutlich zurückgehenden T850 auf +1 bis -8 Grad zunächst
im Bergland, später im nördlichen und östlichen Mittelgebirgsraum sogar bis in
tiefere Lagen in Schnee über. Vor allem in höheren Staulagen sind dabei
Neuschneemengen um 5 cm wahrscheinlich. Unter dem Höhentief könnte im Westen und
Südwesten vor der Kaltfront genügend Labilität erzeugt werden, dass einzelne
Gewitter nicht ausgeschlossen werden können. Im Süden und Südwesten werden
nochmal zweistellige Höchsttemperaturen bis 14 Grad erreicht, ansonsten nur noch
4 bis 9 Grad.

Am Freitag liegt Deutschland am Rande des nordosteuropäischen Troges unter einer
nordnordwestlichen, zyklonal konturierten Höhenströmung, in der die Advektion
arktischer Polarluft anhält (T850 weiter sinkend auf -5 bis -10 Grad, am
kältesten im Nordosten). Die Kaltfront zieht über die Alpen ab, allerdings kommt
es dort staubedingt noch zu weiteren Schneefällen. 24-stündig sind an den Alpen
so durchaus markante Neuschneemengen zwischen 10 und 20 cm möglich. Ansonsten
sorgt ein vom Hoch nördlich der Britischen Inseln nach Deutschland gerichteter
Keil für eine Wetterberuhigung. Neben vereinzelten Schneeschauer zeigt sich
längeren Zeit die Sonne, die die gut durchmischte Luft immerhin auf 3 bis 9 Grad
erwärmt. Nachts stellt sich allerdings fast flächendecken leichter bis mäßiger
Frost ein.

Am Samstag wird ein weiterer, etwas markanterer Kurzwellentrog über Deutschland
südostwärts gesteuert. Nachfolgend konturiert sich die nördliche Höhenströmung
im Vorfeld eines vom Nordmeer nach Skandinavien gesteuerten Rückens aber
zunehmend antizykonal. Dieser stützt den vom Hoch bei den Britischen Inseln bis
nach Mitteleuropa gerichteten Bodenhochkeil. Mit dem Kurzwellentrog nimmt die
Schaueraktivität im Vergleich zum Vortag vorübergehend wieder zu, bevor der
zunehmende Hochdruckeinfluss später wieder längere heitere Abschnitte zulässt.
Im Nordwestdeutschen Tiefland fallen die Niederschläge teils als Regen oder
Schneeregen, sonst überwiegend als Schnee. In den höhergelegenen Nordstaulagen
der Mittelgebirge kommen dabei nochmal gut 5 cm zusammen. In tieferen Lagen
bleibt es wahrscheinlich eher bei einem nasskalten Charakter, denn in weiterhin
gut durchmischter Luft steigen die Temperaturen auf höhere einstellige Werte.

In der erweiterten Mittelfrist sorgt der o. e. Rücken nach Lesart des neusten
IFS-Laufes zunächst für ruhiges Wetter, bevor es sich mit einem neuerlichen
Trogvorstoß von Norden wieder unbeständiger gestaltet. Am wahrscheinlich leicht
unterdurchschnittlichen Temperaturniveau ändert sich aufgrund der
vorherrschenden nördlichen Strömung wenig.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der deterministischen IFS-Modellläufe kann über weite Strecken
der Mittelfrist als relativ gut bezeichnet werden.
Die Störungen des Rückens in Form kleiner Höhentiefs zu Beginn der Mittelfrist
(Di/Mi) werden zwar weiterhin unterschiedlich simuliert, sie haben aber aufgrund
der nur schwachen Wetterwirksamkeit kaum Prognoserelevanz.
Der Trog- und Kaltluftvorstoß ab Donnerstag vollzieht sich im jüngsten IFS-Lauf
von 00Z nur ein klein wenig zügiger als in den Vorläufen.
Erst ab Samstag divergieren die Läufe etwas stärker: Während sich im aktuellen
Lauf mit einem von Nordwesten hereinschwenkenden Rücken eine Wetterberuhigung
durchsetzt, sollte sich das zyklonale Wettergeschehen mitsamt gebietsweiser
Schneefälle nach den gestrigen Läufen noch weiter fortsetzen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Alle vorliegenden Globalmodelle zeigen den Kaltluftvorstoß ab Donnerstag. Bei
GFS vollzieht er sich allerdings etwas gradueller und nicht so abrupt wie bei
IFS und beispielsweise auch ICON. ICON wiederum sieht am Wochenende den raschen
Übergang zu „Hoch Mitteleuropa“ mit entsprechend nachhaltigerer
Wetterberuhigung, während IFS und GFS die Troglage bzw. Hochdruckrandlage und
das zumindest phasenweise leicht unbeständige Wetter erst mal fortsetzen.
In der erweiterten Mittelfrist setzt schließlich auch GFS – im Gegensatz zu IFS

  • auf Hoch Mitteleuropa und allmähliche Milderung.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das IFS-EPS folgt zunächst mehrheitlich dem deterministischen Lauf, wie man
schön an den Rauchfahnen für 500-hPa-Geopotenzial (H500) und 850-hPa-Temperatur
(T850) erkennt. Bei T850 stürzt die überwiegende Mehrheit der Member, in die der
deterministische IFS-Lauf geräuschlos eingebettet ist, am Donnerstag (im Süden
eher am Freitag) in ein Tal, das zumindest bis einschließlich Samstag reicht.
Nur wenige Member verzögern den Kaltluftvorstoß etwas oder mildern ihn ab.
Nachfolgend divergieren die Einzelmember sowohl im Hinblick auf T850 als auch
auf H500 stärker. Der deterministische Lauf fährt mit seinem seichten Auf-
(Sonntag) und Abschwingen (kommende Woche) einen Mittelweg. Nicht wenige Member
weichen davon aber ab, indem sie entweder einen weiteren Rückgang von T850
(teils bis -15 Grad!) bei gleichzeitig konstant tiefem Geopotenzial simulieren
oder einen nachhaltigeren Anstieg von T850 und H500.

Das GFS-Ensemble sieht den Kaltluftvorstoß mehrheitlich etwas weniger markant
und vor allem nicht nachthaltig und geht so mit dem deterministischen GFS-Lauf
konform.

FAZIT: Die Umstellung der Wetterlage mit Kaltlufteinbruch ab Donnerstag ist
mittlerweile ziemlich sicher. Fraglich ist nur, wie „massiv“ und nachhaltig er
ist und ob es überhaupt zu nennenswerten Niederschlägen, ergo Schneefällen
kommt. IFS ist sowohl im Hinblick auf die Ausprägung und die Nachhaltigkeit der
„Kältewelle“ konsequent am aggressivsten. Zumindest aber scheint IFS in den
jüngsten Prognosen mit der etwas antizyklonaleren Färbung einen Schritt auf die
anderen Modellen zugegangen zu sein.
So oder so, wirklich markant oder ungewöhnlich mit Dauerfrost und Schnee bis in
tiefe Lagen wird der Kaltlufteinbruch alleine schon aufgrund der
fortgeschrittenen Jahreszeit und der Vorgeschichte wohl eher nicht.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Wahrscheinlichkeiten für markante winterliche Wettererscheinungen ist eher
gering. Markante Neuschneemengen (>10 cm) sind ab Donnerstag bis einschließlich
Samstag am ehesten in Staulagen der östlichen Mittelgebirge, insbesondere aber
an den Alpen ins Kalkül zu ziehen. Dort, wo sich eine entsprechende
Neuschneedecke ausbilden konnte, steigt dabei auch wieder das Potenzial für
strengen Nachtfrost – vor allem, wenn sich das antizyklonalere Wettergeschehen
ab Sonntag durchsetzen sollte.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS (det.+EPS), MOS-EZ

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

DWD -> Thema des Tages 2021-02-27

Thema des Tages

Flugwetterberatungen für das "fliegende Teleskop"

Die Flugwetterzentrale des Deutschen Wetterdienstes am Flughafen 
Frankfurt unterstützt derzeit die SOFIA-Mission von NASA und DLR mit 
Wettervorhersagen und Briefings.


SOFIA (Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie) ist ein 
mit einem 17 Tonnen schweren Teleskop ausgestatteter Jumbo-Jet. Im 
Februar und März startet die Boeing 747SP (Special Performance) vom 
Flughafen Köln/Bonn zu ca. 20 Missionen. Dabei wird bei den über acht
Stunden langen Flügen in 11-14 km Höhe getan, was man in normalen 
Flugzeugen tunlichst vermeiden muss. So öffnet man im Rumpf hinter 
der Tragfläche eine Luke, in die ein KFZ durchpassen würde, und macht
die Boeing zum fliegenden Teleskop (siehe Abbildung 1: 
https://t1p.de/g6vp). Bei -40 bis -65 °C Außentemperatur in der 
Stratosphäre und sehr geringem Luftdruck, beobachtet das 
Infrarot-Teleskop Exoplaneten, die Entstehung junger Sterne, die 
Milchstraße aber auch Planeten, Monde, Asteroiden und Kometen unseres
Sonnensystems. So konnte dieses Forschungsprojekt unter anderem 
Wassermoleküle auf dem Mond nachweisen, eine genauere Methode zur 
Altersbestimmung von Sternentstehungsgebieten entwickeln und das 
Innere der Milchstraße vermessen.

Solche Messungen wären mit einem Infrarot-Teleskop vom Boden aus kaum
möglich, da der Wasserdampf in der untersten Schicht der Atmosphäre 
(Troposphäre) die infrarote Strahlung aus dem Weltraum zum Teil 
absorbiert. Das "thermische Hintergrundrauschen" wäre ganz außerhalb 
der Erdatmosphäre im All natürlich noch geringer, hier ist ein 
flexibler Einsatz derartig großer Messgeräte aber sehr schwierig. 
Dies macht SOFIA zu einem einzigartigen und so erfolgreichen 
Forschungsprojekt.

Aktuell startet die Mission nicht von ihrer Heimatbasis in Palmdale 
(Kalifornien, USA), sondern vom Flughafen Köln/Bonn. Für die sichere 
und erfolgreiche Durchführung der Missionen ist eine detaillierte und
genaue Einsatzplanung wichtig. Dabei unterstützt die 
Flugwetterzentrale (FWZ) am Flughafen Frankfurt die Crew. Die 
besondere Bauweise des Flugzeugs, die besonders großen Flughöhen und 
die lange Dauer der Einsätze erfordern gewisse meteorologische 
Randbedingungen.

 Bei winterlichen Bedingungen ist durch die große Teleskope-Klappe 
ein "Deicing" (Flugzeugenteisung) der Maschine nicht möglich. Starts 
bei Schnee oder gefrierendem Regen sind deshalb nicht möglich. Auch 
sind Windverhältnisse mit starken Seiten- oder Rückenwindkomponenten,
Gewitter oder auch dichter Nebel oft flugverhindernd. Die 
erforderlichen guten Bedingungen müssen nicht nur in Köln/Bonn 
gegeben sein, sondern auch auf gewählten Ausweichflughäfen und 
Streckenpunkten, die im Notfall angeflogen werden können. Deshalb 
werden Punktvorhersagen für diverse europäische Flughäfen erstellt.

Vor allem im Steig- und Sinkflug ist starke Vereisung, welche meist 
in kompakten Wolken zwischen ca. -5 bis -20 °C auftritt, eine 
gefährliche Wettererscheinung. Turbulenzen z.B. im Bereich von 
Fronten, bei sogenannten Low-Level-Jets oder in großer Höhe um 
ausgeprägte Jetstreams (siehe DWD Lexikon) herum, können in allen 
Flugphasen auftreten und erfordern eine detaillierte Analyse und 
Vorhersage der Windsituation auf der gesamten Strecke. Bei Flugrouten
in Richtung Süden und Atlantik können sich auch im Winter sehr 
hochreichende Cumulonimbuswolken mit Gewittern entwickeln. Im Bereich
dieser teils in umgebender Bewölkung versteckten Starkwetter-Zonen 
muss mit Blitzschlag, Hagel, Vereisung und extremer Turbulenz 
gerechnet werden. Für die Crew ist es deshalb sehr wichtig, diese zu 
umgehen oder nach Möglichkeit in großer Höhe zu überfliegen. Beim 
Einsatz des Teleskops sollten oberhalb der Boeing nach Möglichkeit 
keine Cirrus-Wolken (Eiswolken des hohen Stockwerks in der 
Troposphäre) vorhanden sein. Diese treten oberhalb der Tropopause in 
der Stratosphäre kaum noch auf. Für die Planung ist es deshalb sehr 
wichtig vorherzusagen in welcher Höhe die Tropopause (Oberrand der 
Troposphäre) liegt und ob diese mit der maximalen Flughöhe erreicht 
werden kann.

Um all diese meteorologischen Parameter vorherzusagen, nutzen wir 
Flugwetterberater diverse Modellvorhersagen, vergleichen und 
analysieren diese und erstellen dann die aktuellen 
Briefing-Unterlagen für die Crew. Die aktuelle Wetterlage und die 
besonderen Bedingungen werden vor Abflug der Crew durch ein 
Online-Briefing auf Englisch noch einmal näher erläutert (siehe 
Abbildung 2: https://t1p.de/g6vp). Wir haben im Bereich der 
Flugwetterberatung auch schon andere ungewöhnliche Vorhaben und 
andere wichtige Projekte unterstützt. Die meteorologische Betreuung 
dieser Missionen ist aber nochmal eine besonders herausfordernde aber
auch spannende und einmalige Aufgabe.


Anmerkung: Zum heutigen Thema des Tages finden Sie eine englische 
Version unter: https://t1p.de/c704 

Dipl.-Met. (FH) Robert Herrmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 27.02.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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