#DWD #Thema des Tages 2022-07-05: Die Dienste in der Vorhersage- und Beratungszentrale – Teil 2

Thema des Tages

Die Dienste in der Vorhersage- und Beratungszentrale – Teil 2

Die Dienste in der Vorhersage- und Beratungszentrale (VBZ) sind
vielfältig und abwechslungsreich. Doch was machen wir Meteorologen
hier nun eigentlich genau und was beinhalten die Dienste?

Nachdem im ersten Teil am vergangenen Sonntag
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2022/7/3.html) bereits
auf drei Dienste eingegangen wurde, sollen heute die restlichen
Dienste vorgestellt werden.

Mediendienst:

Der Medienmeteorologe tritt ebenfalls am Morgen seinen Dienst an und
ist dann bis in die Mittagsstunden einem relativ straffen Programm
ausgesetzt. Zuerst muss der Wetterbericht fürs Deutschlandradio
überarbeitet werden. Im Anschluss folgt der allgemeine Wetterbericht
für Deutschland und ein erstes Posting auf den Plattformen der
sozialen Medien. Am besten mit einem schön gestalteten und
aussagekräftigen Bild garniert. Im weiteren Verlauf wird der
Pressetext verfasst, der an verschiedene Medienanstalten verschickt
wird. Dabei geht es darum, das Wetter möglichst anschaulich für die
Bevölkerung zu beschreiben. Danach folgt die Kernaufgabe des
Mediendienstes, nämlich die Erstellung eines Wetterclips
beziehungsweise eines Unwetter- oder Hitzeclips. Diese Clips werden
bei entsprechenden Lagen auf YouTube und auf der Homepage
hochgeladen. Dafür wird mit einer Software ein Wetterfilm erzeugt,
der dann im betriebseigenen TV-Studio vorgetragen und aufgenommen
wird. Am Mittag und Nachmittag wird dann der Deutschlandwetterbericht
fortlaufend aktualisiert und ein Thema des Tages verfasst. Außerdem
gibt es bei Unwetterlagen einen extra Bericht für Medienanstalten.
Des Weiteren müssen weitere Postings erzeugt werden, Kundenmails
beantwortet werden. Ebenso kann den ganzen Tag über das Telefon
klingeln, weil beispielsweise ein Radiosender ein Interview will oder
eine Zeitung Informationen für einen Artikel braucht. Gelegentlich
kommt auch ein Fernsehteam vorbei, um Aufnahmen zu machen. Der
Mediendienst ist also sehr vielfältig und man hat viel Kontakt mit
den Kunden.

Warnproduktion:

Dieser Dienst ist äußerst facettenreich und man befasst sich mit sehr
vielen unterschiedlichen Bereichen. Am frühen Morgen steht ein
hydrologischer Bericht für ganz Deutschland und im Speziellen
nochmals für das Rheineinzugsgebiet an. Danach erstellt man im
Bedarfsfall Grafiken für das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum für
Bund und Länder (GMLZ) und die Deutsche Bahn (DB). Interessant für
diese Kundengruppen sind vor allem großräumig zu erwartende
Unwetterereignisse mit gewissem Schadenspotenzial. Daran anschließend
nimmt der Meteorologe dann das weltweite Wetter in Betracht und dafür
nutzt er zum Beispiel auch den Extreme Weather Index (EWI). Dieser
Index dient zur Abschätzung von außergewöhnlichen Wetterereignissen
weltweit und wird dazu genutzt, frühzeitig Unwetterereignisse zu
erfassen. Diese Erkenntnisse werden dann entweder mündlich oder in
Form eines Berichtes an das GMLZ weitergeleitet, damit dort
beispielsweise Hilfsaktionen koordiniert werden können. Im
Warnproduktionsdienst werden weitere deutschlandinterne oder
internationale Sonderaufgaben bearbeitet. Derzeit werden
beispielsweise verschiedene Berichte zum aktuellen Wetter und die
Windverhältnisse für die Ukraine erstellt. Auch für die international
stationierte Bundeswehr wird Zuarbeit geleistet. Der Dienst ist somit
sehr anspruchsvoll, da man sich in viele unterschiedliche
Themenbereiche einarbeiten muss und in großem Umfang
Geografiekenntnisse erfordert.

Evaluierungsdienst:

In diesem Dienst sollen Produkte auf Herz und Nieren geprüft und
mögliche Fehler beziehungsweise Verbesserungsvorschläge dokumentiert
werden. Das können Untersuchungen zu neu entwickelten Radarprodukten,
neuen Modellfeldern oder Weiterentwicklung von bestehenden Produkten
sein. Des Weiteren dient dieser Dienst der Unterstützung des
Guidancemeteorologen oder des Supervisors vor allem bei komplexen
Warnlagen. Außerdem übernimmt der Meteorologe bei Ausfall der
Außenstellen deren Arbeit, wie beispielsweise die Erstellung von
Wetter- und Warnlageberichten sowie von akuten Warnungen. Gerne
genutzt wird dieser Dienst auch, um Onlinefortbildungen wahrzunehmen
und zur Bearbeitung von liegen gebliebenen E-Mails.

Analysedienst:

Man könnte diesen Dienst mit „Malen nach Zahlen“ titulieren, denn
schließlich geht es hier um die Erstellung von Analysekarten in
unterschiedlichen Formaten. Dazu werden klassischerweise Fronten und
Isobaren sowie die Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten in
Wetterkarten eingezeichnet. Zusätzlich erstellt der Meteorologe
Prognosekarten für zu erwartende Druckfelder und die Lage von Fronten
innerhalb der nächsten 48 Stunden. Evaluierungsaufgaben zu
Wetterkarten führt der Meteorologe im Analysedienst ebenfalls aus.
Dies ist der längste Dienst in der VBZ und erstreckt sich von morgens
bis abends über fast 11 Stunden, daher erfordert er ein großes Maß an
Konzentration und Ausdauer.

Nachtdienste:

Neben dem Supervisorennachtdienst gibt es noch zwei Nachtdienste, die
nachts die Aufgaben der Außenstellen von Essen, Leipzig und Potsdam
übernehmen. Neben der Erstellung der Guidance sind sie dann für akute
Warnungen im Zuständigkeitsbereich der Außenstellen, für die
Erstellung von Warnlage- und Wetterberichten, für die telefonische
Beratung und für eine Reihe von Sonderaufgaben verantwortlich.

Dies war nun ein Überblick über die verschiedenen Dienste in der VBZ.
Nicht weiter aufgeführt wurden eine Reihe von Sonderaufgaben, wie
beispielsweise die Erstellung von Ausbreitungsrechnungen im
Bedarfsfall und die Übernahme von Projektarbeiten, die einen immer
größeren Raum im Dienstplan einnehmen. Die Arbeit in der VBZ ist also
sehr spannend, anspruchsvoll und nicht langweilig, da man sich immer
wieder mit neuen Aufgaben befassen und sich in neue Themengebiete
einarbeiten muss.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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#DWD #Thema des Tages 2022-07-04: Staubteufel – eine unterschätzte Gefahr?

Thema des Tages

Staubteufel – eine unterschätzte Gefahr?

In Rheinland-Pfalz führte ein Staubteufel zu einem tragischen
Unglück. Wir beleuchten das meteorologische Phänomen im heutigen
Thema des Tages.

Am gestrigen Sonntagnachmittag (03.07.2022) kam es bei einem
Fußballturnier in Gondershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis zu einem
tragischen, wetterbedingten Unglück. Eine Hüpfburg wurde von Windböen
erfasst und in die Luft gewirbelt, die Kinder darin stürzten aus etwa
fünf Metern in die Tiefe und verletzten sich teilweise schwer. Die
meteorologischen Rahmenbedingungen lassen einen sog. „Staubteufel“
vermuten, der für das Unglück verantwortlich gewesen sein könnte.

Unter Staubteufeln verstehen wir sogenannte „Kleintromben“, das sind
kleinräumige, schnell rotierende Luftwirbel geringer vertikaler
Mächtigkeit. Sie ragen vom Erdboden bis in eine Höhe von einigen
Dutzend, im Extremfall von wenigen Hundert Metern und sind allenfalls
wenige Meter breit. Innerhalb des Wirbels werden
Windgeschwindigkeiten meist zwischen 50 und 100 km/h erreicht. Nur
sehr selten erreichen die Böen Geschwindigkeiten in Orkanstärke.
Gängig sind auch Bezeichnungen wie „Feuerteufel“, Schneeteufel“ oder
auch „Heuteufel“, je nach dem, über welchem Untergrund sie entstehen
und welches Material sie aufwirbeln.

Kleintromben wie Staubteufel bilden sich meist an sonnigen
Sommertagen, wenn sich die bodennahe Luft stark aufheizen kann. Dann
lösen sich immer wieder Blasen heißer Luft vom Erdboden, die rasch
aufsteigen. Für uns sichtbar wird dieser als „Thermik“ bezeichnete
Vorgang beispielsweise durch die Bildung von kleinen Quellwolken, die
den Bereich aufsteigender, sich abkühlender und folglich
kondensierender Luft markiert. Wenn nun die Luft am Boden bereits
eine Verwirbelung aufweist, zum Beispiel hervorgerufen durch
bestimmte Objekte wie Häuser, Bäume etc., transportiert die
aufsteigende Luftblase diese Rotation in die Höhe. Je heißer die Luft
in der Blase, desto schneller steigt sie nach oben und desto stärker
wird sie dabei gestreckt. Durch die Streckung erhöht sich die
Rotationsgeschwindigkeit und damit auch die Windgeschwindigkeit nach
dem Gesetz der Drehimpulserhaltung. Es verhält sich dabei wie mit
einer Person, die sich auf einem Drehstuhl befindet und die Arme
anzieht. Auch dabei erhöht sich die Drehung bzw. Rotation.

Das tückische an Kleintromben ist, dass sie an ruhigen Sommertagen
entstehen, an denen eigentlich nicht mit stärkerem Wind oder anderen
Wettergefahren gerechnet wird. So können auch Wind- oder Sturmböen
genügen, um größere, unzureichend gesicherte Gegenstände in die Luft
zu wirbeln. Zudem treten die Kleintromben sehr plötzlich auf und
kündigen sich nicht immer durch aufgewirbeltes Material an.
Wenigstens ist deren Lebensdauer kurz, mit in der Regel einigen
Sekunden bis wenigen Minuten.

Nicht selten herrscht bei der Benennung verschiedenster „Wirbelwinde“
Verwirrung. So werden Staubteufel beispielsweise auch mal als
Windhose bezeichnet. Windhosen gehören aber zur Gattung der
Großtromben oder auch Tornados. Im Gegensatz zu Kleintromben stehen
Großtromben immer in unmittelbarer Verbindung zu konvektiver
Bewölkung, also Schauer- oder Gewitterwolken. Die vertikale
Mächtigkeit ist also ungleich größer und reicht vom Erdboden bis zur
Wolke in unter Umständen wenigen Kilometern Höhe. Die
Rotationsgeschwindigkeit und die damit in Verbindung stehenden
Windgeschwindigkeiten können weitaus größer ausfallen, was
Großtromben zu viel gefährlicheren Phänomenen macht. Auch Wasserhosen
gehören dieser Gattung an, während die tropischen Wirbelstürme wie
Hurrikane oder Taifune wieder ein ganz anderes meteorologisches
Phänomen darstellen.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.07.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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#DWD #Thema des Tages 2022-07-03: Die Dienste in der Vorhersage- und Beratungszentrale – Teil 1

Thema des Tages

Die Dienste in der Vorhersage- und Beratungszentrale – Teil 1

Die Dienste in der Vorhersage- und Beratungszentrale (VBZ) sind
vielfältig und abwechslungsreich. Doch was machen wir Meteorologen
hier nun eigentlich genau und was beinhalten die Dienste?

Häufig werden wir gefragt „Was macht ihr Meteorologen eigentlich den
ganzen Tag? Schaut ihr in den Himmel, streckt den Finger in die Luft
und macht dann daraus eine Wettervorhersage“? Ja, wenn es denn so
einfach wäre und dazu noch so viel an der frischen Luft, dann wäre
das wirklich schön. Doch die Realität schaut ganz anders aus. 90
Prozent der Arbeit erfolgt nämlich vor dem Bildschirm und die
restlichen 10 Prozent decken Wege zur Kaffeemaschine, zum Drucker und
das Mittagessen sowie der Austausch mit Kollegen ab.

Es gibt 12 Dienste im Schichtdienst des höheren Dienstes der VBZ, die
sich teilweise in der Aufgabenstellung unterscheiden, teils aber auch
nur die unterschiedlichen Schichtzeiten berücksichtigen. Um sechs Uhr
morgens beginnen dabei 4 Dienste. Dann folgen bis zum Mittag 3
weitere Dienste, bevor um 13 Uhr die 2 Spätdienste beginnen und um 20
Uhr die Übergabe an die drei Nachtdienste erfolgt. Damit ist die
Zentrale rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr besetzt, denn
logischerweise macht das Wetter an Feiertagen, Sonntagen oder an
Weihnachten keine Pause. Einige der Dienste können mittlerweile im
Homeoffice erledigt werden, aber längst nicht alle. Wir Meteorologen
arbeiten dabei im Wechselschichtdienst, das heißt wir haben täglich
wechselnde Schichten, was die Arbeit spannend und abwechslungsreich
gestaltet, aber natürlich auch Probleme in Bezug auf den Biorhythmus
mit sich bringt. Nun zu den Diensten im Detail.

Supervisor:
Dieser Dienst ist rund um die Uhr besetzt. Der Supervisor hat quasi
den Hut auf und ist der Koordinator für sämtliche anfallende Dienste
sowie der erste Ansprechpartner für Anfragen von hoher Priorität.
Seine Hauptaufgaben sind die Erstellung einer synoptischen Übersicht
Kurzfrist, das Katastrophenmanagement, die Vertretung des Präsidenten
am Wochenende und nachts, die Erstellung des nationalen
Warnlageberichts, Leitung der Telefonkonferenzen mit den
Außenstellen, Halten der Wetterbesprechung, Neubesetzen von Diensten
beispielsweise durch Krankheitsfälle, Monitoring des
Wettergeschehens, Verfassen von Sofortwetterberichten, Korrektur und
Abnahme von erstellten Produkten und vieles mehr. Das
Aufgabenspektrum ist also sehr umfangreich und erfordert eine Menge
Erfahrung. Diesen Dienst kann daher nur ein ausgewählter
Kollegenkreis innerhalb der VBZ leisten.

Mittelfristdienst:
Der Mittelfristdienst startet in der Früh und geht bis in den
Nachmittag. Grundlegend befasst sich der Mittelfristmeteorologe mit
den Vorhersagen, die über das aktuelle Wetter, also über die
Kurzfrist hinausgehen. Dazu verfasst er eine synoptische Übersicht
Mittelfrist, gibt eine Einschätzung für zu erwartende markante oder
auch unwetterartige Wetterereignisse in der Mittelfrist, schreibt
eine 10-Tageswettervorhersage für Deutschland, verfasst eine
hydrologische Mittelfristvorhersage und erstellt Prognosekarten für
zu erwartende Druckfelder und Lage von Fronten innerhalb der nächsten
108 Stunden.

Guidance-Dienst:

Auch der Guidance-Dienst beginnt am frühen Morgen seinen Dienst,
bevor zum Mittag der Spätdienst übernimmt und nachts dann der
Nachtdienst. Somit ist dieser Dienst rund um die Uhr besetzt. Er ist
grundlegend für die deutschlandweite Wetterüberwachung zuständig und
die Koordination des Warnmanagements in Absprache mit den
Außendiensten. Dabei erstellt er mit einem Zeichenprogramm
fortlaufend sogenannte Guidancepolygone für warnrelevante
Wetterereignisse, die den Außenstellen als Richtlinie für akute
Warnungen dienen sollen. Am Morgen wird außerdem in tabellarischer
Form eine Übersicht über die zu erwartenden Wetterereignisse in ganz
Deutschland erstellt. Diese Übersicht dient als Diskussionsgrundlage
für die morgendliche Frühkonferenz. Die Vorabinformationen werden
ebenfalls vom Guidancemeteorologen angefertigt und Windwarnungen für
große Teile des Landes gibt er ebenfalls heraus. Selten, aber von
sehr großer Bedeutung ist die Bedienung von MoWas (Modulares
Warnsystem), denn damit wird vor extremen oder sehr
schadensträchtigen Wetterereignissen gewarnt, wie es beispielsweise
beim Ahrtalhochwasser der Fall war. Zudem füllt der
Guidancemeteorologe täglich ein Formular aus, das zur Archivierung
von Wetterlagen dient. Gelegentlich erfolgen auch telefonische
Beratungen sowohl für Feuerwehr und Polizei als auch für
Privatpersonen. Insgesamt ist dieser Dienst sehr eng mit dem
Supervisor verknüpft und quasi seine rechte Hand bei Warnlagen.

In einem weiteren Thema des Tages werden Ihnen dann noch die
restlichen Dienste vorgestellt.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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#DWD #Thema des Tages 2022-07-02: Deutschlandwetter im Juni 2022

Thema des Tages

Deutschlandwetter im Juni 2022

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD
in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juni 2022*

  1. Platz: Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) – 21,5 °C –
    Abweichung +3,7 Grad
  2. Platz: Ohlsbach (Baden-Württemberg) – 21,0 °C – Abweichung +4,6
    Grad
  3. Platz: Frankfurt am Main-Westend (Hessen) – 21,0 °C – Abweichung
    +3,4 Grad

Besonders kalte Orte im Juni 2022*

  1. Platz: Schleswig-Jagel (Schleswig-Holstein) – 14,0 °C – Abweichung
    -0,8 Grad
  2. Platz: Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) – 14,5 °C – Abweichung
    +3,4 Grad
  3. Platz: List auf Sylt (Schleswig-Holstein) – 15,3 °C – Abweichung
    +1,1 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juni 2022**

  1. Platz: Oberstdorf (Bayern) – 253,1 l/m² – 122 Prozent
  2. Platz: Aschau-Stein (Bayern) – 231,8 l/m² – 85 Prozent
  3. Platz: Garmisch-Partenkirchen (Bayern) – 216,6 l/m² – 124 Prozent

Besonders trockene Orte im Juni 2022**

  1. Platz: Hannover, Kleingartenv. Farrelheide (Niedersachsen) – 5,1
    l/m² – 7 Prozent
  2. Platz: Waltershausen (Thüringen) – 5,3 l/m² – 7 Prozent
  3. Platz: Wismar (Mecklenburg – Vorpommern) – 5,6 l/m² – 10 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juni 2022**

  1. Platz: Leipzig-Schkeuditz (Sachsen) – 319 Stunden – 160 Prozent
  2. Platz: Frankfurt am Main (Hessen) – 314 Stunden – 150 Prozent
  3. Platz: Bad Kissingen (Bayern) – 313 Stunden – 156 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juni 2022**

  1. Platz: Garmisch-Partenkirchen (Bayern) – 221 Stunden – 129 Prozent
  2. Platz: Oberstdorf (Bayern) – 224 Stunden – 132 Prozent
  3. Platz: List auf Sylt (Schleswig-Holstein) – 227 Stunden – 92
    Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

  • Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
    (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station
(int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent)

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 02.07.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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#DWD #Thema des Tages 2022-07-01: Alarmierende Gletscherschmelze in den Alpen

Thema des Tages

Alarmierende Gletscherschmelze in den Alpen

Dem „Ewigen Eis“ in den Alpen geht es im diesjährigen Sommer
besonders dramatisch an die Substanz. Die Gletscherschmelze könnte
somit besonders extrem stark ausfallen und den ohnehin schon
angespannten Aderlass der Gletscher beschleunigen.

Allein die Webcams aus den Gletscherregionen der Zentralalpen zeigen
bereits eindrucksvoll das massive Schmelzen der für die Gletscher so
wichtigen schützenden Schneeschicht. Beispielhaft sei hier der
Vergleich vom Kleinfleißkees zwischen diesem und letztem Jahr
(Abbildung 1 und 2; mit freundlicher Unterstützung von
www.foto-webcam.eu) gewählt. Auf dem Gipfel des 3106 m Sonnblicks
(oben rechts in den Abbildungen 1 und 2) betreibt die Zentralanstalt
für Meteorologie und Geophysik (ZAMG) am Alpenhauptkamm ein
Observatorium. Besonders eindrücklich wird es zudem, wenn man sich
dazu noch die nackten Zahlen vor Augen führt. Am Observatorium am
Sonnblick beträgt die Schneehöhe aktuell nur noch 26 cm, ein
Negativrekord für diese Jahreszeit. Hält der Trend an, dann ist der
Sonnblick in wenigen Tagen praktisch schneefrei. Auf der Zugspitze
gibt es seit fast zwei Wochen keine geschlossene Schneedecke mehr,
nur noch Schneeflecken. Das wird auch beim Blick auf den Schneeferner
unterhalb des Gipfels sichtbar (Abbildung 3). Ähnlich früh lag
zuletzt 1960 so wenig Schnee. Die tiefer gelegenen Gletscherregionen
sind daher oft schon aper, sprich das blanke Eis ist zu sehen. Zum
Teil liegt das Eis soweit frei, wie es normalerweise erst im August
der Fall ist. Und jenes Eis schmilzt nun seit einigen Wochen
besonders rasant. Selbst in den höchsten Lagen schützt nur noch wenig
Schnee das Gletschereis. Normalerweise würden in den Lagen oberhalb
von 3000 m um diese Jahreszeit noch rund 2 bis 3 m Schnee liegen.

Welche Faktoren sind für die außerordentlich dramatische Lage der
Gletscher in den Alpen verantwortlich? Da wäre zum einen der
Winterniederschlag. Das Winterhalbjahr war in den inneralpinen
Regionen, wo die meisten Gletscherregionen liegen, aber insbesondere
auch südlich des Alpenhauptkamms besonders schneearm. Lediglich in
einigen Staulagen der Nordalpen brachte vor allem der Februar etwas
überdurchschnittlich Niederschlag. Allerdings profitierten von den
Neuschneemengen nur die Hochlagen, da der Winter erneut
überdurchschnittlich mild ausfiel. Im Frühjahr setzte sich dann die
schneearme Lage fort.

Des Weiteren gab es vor allem Mitte März mehrere teils intensive
Saharastaubereignisse. Der Staub setzte sich auf dem Schnee ab und
machte ihn besonders schmutzig. Zwar wurde dieser zwischenzeitlich
mal von Neuschnee überlagert aber spätestens ab Mai war der Staub
wieder an der Oberfläche. Der dunkle Staub verringerte dabei das
Reflexionsvermögen (Albedo) des Schnees und erhöht im Gegenzug die
Absorption der Sonnenenergie. Dadurch wurde der Schmelzprozess enorm
beschleunigt.

Während in den letzten drei Jahren der Mai relativ kühl ausfiel, war
jener in diesem Jahr deutlich zu warm. Vor allem in den westlichen
Regionen war es sogar teilweise der wärmste Mai der Messgeschichte.
Streckenweise verlief der Mai schon hochsommerlich, sodass es dem
Schnee in Kombination mit dem vorhandenen Saharastaub sehr früh und
besonders stark an den Kragen ging. Und auch der nun zurückliegende
Juni fiel besonders warm, ja teils sogar sehr heiß, aus. Neben viel
Sonne waren aber auch häufig heftige Gewitter unterwegs. Für die
Gletscherregion war das freilich nicht gut verträglich, wie die oben
genannten Schneehöhen beweisen. Die Nullgradgrenze lag oft in 4000
Meter oder teils darüber und auch in den Nächten reicht es auf den
Gletschern nur selten für leichten Frost.

In den nun anstehenden Sommermonaten Juli und August wären für die
Gletscher kühlere Phasen mit halbwegs regelmäßigem Neuschnee
notwendig. Der Neuschnee würde die dunkleren Eisflächen mit dem teils
darauf lagernden Staub oder Geröll überdecken und so die Albedo im
Bereich der Gletscherregionen deutlich erhöhen. Allerdings sieht es
in den Kurz- sowie in den Mittelfristprognosen derzeit nicht nach
einem markanten Kaltlufteinbruch mit Sommerschnee aus. Generell ist
die Wahrscheinlichkeit für solche wichtigen Schneefallereignisse im
Sommer mit dem wärmer werdenden Klima zurückgegangen.

Mit den genannten Vorbedingungen droht den Gletschern in diesem Jahr
somit ein besonders großer, wenn nicht gar historischer, Aderlass und
Flächenverlust. Ohne die schützende Schneedecke kostet den Gletschern
jeder heiße und sonnige Tag rund zehn Zentimeter Eis. Bis Ende
September dauert im Schnitt die Ablationsperiode, jene Phase also in
der im Massenhaushalt eines Gletschers die Ablation (also das
Abschmelzen bzw. Sublimieren von Schnee und Eis) die Akkumulation
überwiegt. Neben dem Flächenverlust dürfen auch die Einbußen in der
Mächtigkeit der Gletscher vernachlässigt werden. Zuletzt sei noch ein
Blick auf einen besonders markanten Gletscher gerichtet.

Die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs und der längste der
Ostalpen, droht gar in diesem Sommer auseinanderzubrechen. In den
letzten Jahren hat sich die Gletscherzunge in der Größenordnung von
rund fünfzig Metern pro Jahr zurückgezogen. Die Eisdicke nahm im
Mittel etwa um 5 Meter pro Jahr ab, wobei es im untersten Bereich der
Gletscherzunge sogar bis rund neun Meter waren. Der untere Bereich
des Gletschers ist inzwischen nur noch über einen dünnen Eisstreifen
mit dem oberen Teil verbunden (rot markierte Bereich in Abbildung 4).
Sollte dieser nur mehr wenig mächtige Eisstrom in diesem Sommer
abschmelzen, dann wäre der untere Teil vom Eisnachschub abgetrennt.
Als Folge daraus, würde die Gletscherzunge in einem Zeitraum von etwa
10 bis 20 Jahren gänzlich verschwinden.
Insgesamt gehen die Glaziologen davon aus, das bis zur Mitte des
Jahrhunderts die Alpen etwa 50 Prozent ihres derzeitigen Eisvolumens
einbüßen könnten. Der Gletscherrückgang hätte große Auswirkungen auf
die Alpen, da die Gletscher ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems,
der Landschaft und der Wirtschaft der Region sind. Sie dienen als
natürlicher Süßwasserspeicher für Flora und Fauna sowie für
Landwirtschaft und Wasserkraft.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.07.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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