#DWD -> #Thema des Tages 2021-08-02: Deutschlandwetter im Juli 2021

Thema des Tages

Deutschlandwetter im Juli 2021

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD
in Deutschland.
Besonders warme Orte im Juli 2021*

  1. Platz Berlin-Tempelhof (Berlin) 21,2 °C — Abweich. 2,4 Grad
  2. Platz Manschnow (Brandenburg) 21,0 °C — Abweich. 3,2 Grad
  3. Platz Berlin-Marzahn (Berlin) 21,0 °C — Abweich. 3,1
    Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2021*

  1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 14,0 °C — Abweich. 1,3
    Grad
  2. Platz Kleiner Feldberg (Hessen) 14,6 °C — Abweich. 0,8 Grad
  3. Platz Carlsfeld (Sachsen) 14,6 °C — Abweich. 1,8 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2021**
1. Platz Ruhpolding-Seehaus (Bayern) 368,9 l/m² — 158
Prozent

  1. Platz Rettenberg-Kranzegg (Bayern) 348,2 l/m² — 175 Prozent
  2. Platz Berchtesgaden-Oberau (Bayern) 330,6 l/m² — 155
    Prozent
    Besonders trockene Orte im Juli 2021**
  3. Platz Erxleben-Bregenstedt (Sachsen-Anhalt) 16,1 l/m² — 30
    Prozent
  4. Platz Gardelegen (Sachsen-Anhalt) 19,6 l/m² — 33 Prozent
  5. Platz Köckte (Sachsen-Anhalt) 19,9 l/m² — 32 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2021**

  1. Platz Saldenburg-Entschenreuth (Bayern) 244 Stunden — 102
    Prozent
  2. Platz Goldberg (Mecklenburg-Vorpommern) 240 Stunden — 113
    Prozent
  3. Platz Greifswalder Oie (Mecklenburg-Vorpommern) 239 Stunden — 86
    Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2021**

  1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 127 Stunden — 72
    Prozent
  2. Platz Treuen (Sachsen) 133 Stunden — 69 Prozent
  3. Platz Lennestadt-Theten (Nordrhein-Westfalen) 140 Stunden — 77
    Prozent

oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht
berücksichtigt.

  • Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
    (int. Referenzperiode 1961-1990).
    ** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
    Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station
    (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).
    Hinweis:
    Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle
    Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 02.08.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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#DWD -> #Thema des Tages 2021-08-01: Juli 2021 schwitzlos

Thema des Tages

Juli 2021 schwitzlos

Während im Juli 2021 in anderen Teilen der Welt Hitzewellen 
ungewöhnlichen Ausmaßes herrschten (und zum Teil auch noch 
herrschen), hat er in Deutschland kaum für Hitze gesorgt. In vielen 
Landesteilen gab es sogar keinen heißen Tag mit einer 
Tageshöchsttemperatur von 30 Grad oder mehr.

Der Juli 2021 brachte massive bzw. außergewöhnliche Hitzewellen 
beispielsweise im Westen der USA und am Mittelmeer, zum Teil halten 
sie auch noch weiter an. In Mitteleuropa hingegen war es meist nur 
mäßig-warm, zum Teil sogar kühl. So betrug der Temperaturdurchschnitt
im Juli 2021 in Deutschland 18,3 Grad, womit der Wert der 
international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 zwar noch um 1,4
Grad übertroffen, das Mittel der aktuellen und wärmeren Periode 1991 
bis 2020 aber ziemlich genau erfüllt wurde. Im Zuge dessen gab es 
zwar einige Sommertage (per meteorologischer Definition ein Tag mit 
einer Höchsttemperatur von 25 Grad oder mehr), heiße Tage (30 Grad 
oder mehr) dagegen nur selten oder gar nicht.

Insbesondere in den nordwestlichen, westlichen und südwestlichen 
Landesteilen stand häufig die "Null", womit der Juli fußballtechnisch
trotz vergeigter Europameisterschaft zwar voll im Soll war, 
Freibadbetreibern jedoch Tränen in die Augen trieb und sie ein Minus 
in den Kassen verzeichnen mussten. Immerhin 1 bis 2 heiße Tage 
konnten im Südosten Bayerns registriert werden, im Osten 1 bis 6 
Tage. Die meisten heißen Tage konnte man im mittleren und südlichen 
Brandenburg erleben, wobei man in Berlin-Tempelhof und in 
Lübben-Blumenfelde mit je 6 heißen Tagen am meisten ins Schwitzen 
kam.

Vor allem im Westen und Südwesten sind hitzearme Juli-Monate in den 
vergangenen Jahren immer seltener geworden. Null heiße Tage wie in 
diesem Juli an den Stationen in Frankfurt und Stuttgart wurden 
zuletzt im Juli 2011 und davor im Juli 2002 bzw. 2000 (siehe den 
oberen Teil der Grafik zu heißen Tagen an vier Stationen in 
Deutschland im Juli unter 
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/8/1_Bild.png) 
erfasst. Zwischen 2012 und 2020 hingegen wurden durchschnittlich 5 
heiße Tage in Stuttgart und 7 heiße Tage in Frankfurt verzeichnet. Im
ausgeprägten Hitzesommer 2018 kam Frankfurt sogar in den fraglichen 
Genuss von 16 heißen Tagen, Stuttgart immerhin noch von 9. Starke 
Juli-Hitze gab es auch 1994 und 2006. Dass es im Juli keine Hitze 
gibt, ist mittlerweile jedoch eher die Ausnahme als die Regel. 

Vergleicht man die Hitzetage des bisher zu zwei Dritteln absolvierten
meteorologischen Sommers 2021 (mit den Monaten Juni, Juli und August)
mit den Sommern der vergangenen Jahre (siehe unterer Teil der Grafik 
mit den heißen Tagen im Sommer), so befinden sich die Kurven aktuell 
eher im unteren Bereich. Aber noch liegt ja auch ein Drittel des 
Sommers vor uns. Dass die diesjährigen Werte nicht bei 0 liegen, ist 
dem Juni 2021 zu verdanken, der in den meisten Teilen Deutschlands 1 
bis 8 heiße Tage brachte.
 
Darüber hinaus wird im unteren Teil der Grafik auch deutlich, dass 
die Hitze im Sommer vor allem seit Mitte der 1990er-Jahre zunimmt. 
Davor sind die Kurven meist recht flach, während die Peaks in den 
Jahren 1994, 2003 und 2018 immer neue Spitzen erreichen.

Schauen wir also mal, was der August 2021 noch zu bieten hat. 
Zunächst bleibt es in den kommenden Tagen mäßig-warm und Hitze wird 
erst einmal nicht auf den Plan gerufen. So könnte der Sommer 2021 
tatsächlich mal so sein, wie er früher einmal war.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 01.08.2021

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#DWD -> #Thema des Tages 2021-07-31 – KORREKTUR

Thema des Tages

Den Überblick behalten im Unwetterjahr 2021

Korrigierte Passage:
Autorenname vergessen


Sie möchten wissen, wo es an einem bestimmten Tag zu Unwettern 
gekommen ist? Dann lohnt ein Blick in die europäische 
Unwetterdatenbank, die im heutigen Tagesthema vorgestellt wird.

Nachdem sich das Jahr 2020 in Sachen Unwetter eher etwas 
zurückgehalten hat, wird in diesem Jahr in Europa und Deutschland 
wirklich einiges aufgeboten. Dabei stechen bisher natürlich vor allem
die Hochwasserkatstrophe in Deutschland und Belgien sowie der Tornado
in Hodonin (Tschechien) heraus. Aber auch im Alpenvorland gibt es 
beinahe täglich Unwetter, wahlweise mit großem Hagel, schweren 
Sturmböen oder heftigem Starkregen.

Dies war nur eine kleine Auswahl. Bei dieser großen Anzahl an 
Unwetterereignissen in diesem Sommer kann man schnell den Überblick 
verlieren. Es gibt aber eine Möglichkeit sich für jeden Tag einen 
Überblick zu verschaffen, wo es zu Unwettern in Europa gekommen ist. 
Als Basis dafür dient die sogenannte europäische Unwetterdatenbank 
(European Severe Weather Database - ESWD).

Die ESWD wird betrieben vom ESSL, dem European Severe Storm 
Laboratory (auf Deutsch: Europäisches Unwetterlabor). Diese 
Organisation wurde 2006 zu einem eingetragenen Verein mit Sitz in 
Wessling bei München. Ihr Ziel ist eine europäische Zusammenarbeit 
auf dem Gebiet der Unwetterforschung, um die Gesellschaft in Europa 
besser auf die Auswirkungen von sommerlichen Unwettern vorzubereiten.
Dafür wird zum einen wissenschaftliche Forschung betrieben und zum 
anderen werden zahlreiche Fortbildungskurse für 
Vorhersagemeteorologen auf dem Gebiet der Gewitter- und 
Unwettervorhersage angeboten. Zudem organisiert das ESSL alle zwei 
Jahre eine internationale Konferenz zum Austausch über den aktuellen 
Stand der Forschung. 

Die Europäische Unwetterdatenbank ist ein wichtiger Baustein der 
Arbeit des ESSL. Sie wird dort von mehreren Personen betreut und lebt
auch von der Beteiligung vieler engagierter Menschen in den 
verschiedenen Ländern. In der Datenbank werden Meldungen aus ganz 
Europa in verschiedenen Kategorien zusammengetragen. Das können 
schadensbringender Starkregen, großer Hagel (ab 2 cm), Wind (ab 90 
km/h) oder auch Tornados sein. Auch Blitze, die zu Bränden oder 
Personenschäden geführt haben, fließen dort mit ein. 

Die Meldungen stammen aus Archiven, Zeitungen, von Onlinemedien oder 
kommen aus den sozialen Kanälen wie Twitter und Facebook. Daneben 
fließen Meldungen von den staatlichen Wetterdiensten ein, wie zum 
Beispiel auch geprüfte Zumeldungen aus unserer WarnwetterApp.

Der Nutzer kann die Einträge schließlich nach dem zeitlichen 
Auftreten, der Art des Unwetterereignisses und der betroffenen Region
filtern. In einer Liste gibt es dann genaue Beschreibungen zu jedem 
Ereignis. Gegen eine Jahresgebühr kann man die Daten auch für den 
persönlichen Gebrauch anfordern und eigene Auswertungen anstellen.

Die erfassten Daten finden vor allem Eingang in die 
Unwetterforschung. Sie werden aber auch von Versicherungsunternehmen 
genutzt, dienen der Evaluierung verschiedener Vorhersageprodukte oder
bilden die Basis für klimatologische Untersuchungen zur Entwicklung 
von Unwetterereignissen.

Die Unwetterdatenbank eignet sich aber auch einfach zum Stöbern. 
Durch die Arbeit mit alten Zeitungsarchiven und anderen historischen 
Daten konnten auch viele Ereignisse aus früheren Zeiten rekonstruiert
werden. So kann man beispielsweise herausfinden, dass am 29.06.1764 
zur Mittagszeit ein Tornado der stärksten Kategorie F5 durch Woldegk 
in Mecklenburg-Vorpommern gezogen ist (siehe auch Grafik), oder dass 
der DWD am 02.09.2000 in den Abendstunden die erste offizielle 
Tornadowarnung im südlichen Sachsen-Anhalt ausgegeben hatte. Die 
älteste deutsche Tornadomeldung in der Datenbank stammt übrigens vom 
1.Juli 689 aus dem Stammherzogtum Sachsen.

Das ist nur ein kleiner Einblick. Schauen Sie doch auch mal in die 
Datenbank und suchen nach Hagel, Wind oder Starkregenereignissen aus 
der jüngsten oder frühen Vergangenheit. Gerne können Sie sich auch 
selbst beteiligen und Unwetterereignisse zumelden, welche die 
Kriterien erfüllen.



Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 31.07.2021

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#DWD -> #Thema des Tages 2021-07-31: Den Überblick behalten im Unwetterjahr 2021

Thema des Tages

Den Überblick behalten im Unwetterjahr 2021

Sie möchten wissen, wo es an einem bestimmten Tag zu Unwettern 
gekommen ist? Dann lohnt ein Blick in die europäische 
Unwetterdatenbank, die im heutigen Tagesthema vorgestellt wird.

Nachdem sich das Jahr 2020 in Sachen Unwetter eher etwas 
zurückgehalten hat, wird in diesem Jahr in Europa und Deutschland 
wirklich einiges aufgeboten. Dabei stechen bisher natürlich vor allem
die Hochwasserkatstrophe in Deutschland und Belgien sowie der Tornado
in Hodonin (Tschechien) heraus. Aber auch im Alpenvorland gibt es 
beinahe täglich Unwetter, wahlweise mit großem Hagel, schweren 
Sturmböen oder heftigem Starkregen.

Dies war nur eine kleine Auswahl. Bei dieser großen Anzahl an 
Unwetterereignissen in diesem Sommer kann man schnell den Überblick 
verlieren. Es gibt aber eine Möglichkeit sich für jeden Tag einen 
Überblick zu verschaffen, wo es zu Unwettern in Europa gekommen ist. 
Als Basis dafür dient die sogenannte europäische Unwetterdatenbank 
(European Severe Weather Database - ESWD).

Die ESWD wird betrieben vom ESSL, dem European Severe Storm 
Laboratory (auf Deutsch: Europäisches Unwetterlabor). Diese 
Organisation wurde 2006 zu einem eingetragenen Verein mit Sitz in 
Wessling bei München. Ihr Ziel ist eine europäische Zusammenarbeit 
auf dem Gebiet der Unwetterforschung, um die Gesellschaft in Europa 
besser auf die Auswirkungen von sommerlichen Unwettern vorzubereiten.
Dafür wird zum einen wissenschaftliche Forschung betrieben und zum 
anderen werden zahlreiche Fortbildungskurse für 
Vorhersagemeteorologen auf dem Gebiet der Gewitter- und 
Unwettervorhersage angeboten. Zudem organisiert das ESSL alle zwei 
Jahre eine internationale Konferenz zum Austausch über den aktuellen 
Stand der Forschung. 

Die Europäische Unwetterdatenbank ist ein wichtiger Baustein der 
Arbeit des ESSL. Sie wird dort von mehreren Personen betreut und lebt
auch von der Beteiligung vieler engagierter Menschen in den 
verschiedenen Ländern. In der Datenbank werden Meldungen aus ganz 
Europa in verschiedenen Kategorien zusammengetragen. Das können 
schadensbringender Starkregen, großer Hagel (ab 2 cm), Wind (ab 90 
km/h) oder auch Tornados sein. Auch Blitze, die zu Bränden oder 
Personenschäden geführt haben, fließen dort mit ein. 

Die Meldungen stammen aus Archiven, Zeitungen, von Onlinemedien oder 
kommen aus den sozialen Kanälen wie Twitter und Facebook. Daneben 
fließen Meldungen von den staatlichen Wetterdiensten ein, wie zum 
Beispiel auch geprüfte Zumeldungen aus unserer WarnwetterApp.

Der Nutzer kann die Einträge schließlich nach dem zeitlichen 
Auftreten, der Art des Unwetterereignisses und der betroffenen Region
filtern. In einer Liste gibt es dann genaue Beschreibungen zu jedem 
Ereignis. Gegen eine Jahresgebühr kann man die Daten auch für den 
persönlichen Gebrauch anfordern und eigene Auswertungen anstellen.

Die erfassten Daten finden vor allem Eingang in die 
Unwetterforschung. Sie werden aber auch von Versicherungsunternehmen 
genutzt, dienen der Evaluierung verschiedener Vorhersageprodukte oder
bilden die Basis für klimatologische Untersuchungen zur Entwicklung 
von Unwetterereignissen.

Die Unwetterdatenbank eignet sich aber auch einfach zum Stöbern. 
Durch die Arbeit mit alten Zeitungsarchiven und anderen historischen 
Daten konnten auch viele Ereignisse aus früheren Zeiten rekonstruiert
werden. So kann man beispielsweise herausfinden, dass am 29.06.1764 
zur Mittagszeit ein Tornado der stärksten Kategorie F5 durch Woldegk 
in Mecklenburg-Vorpommern gezogen ist (siehe auch Grafik), oder dass 
der DWD am 02.09.2000 in den Abendstunden die erste offizielle 
Tornadowarnung im südlichen Sachsen-Anhalt ausgegeben hatte. Die 
älteste deutsche Tornadomeldung in der Datenbank stammt übrigens vom 
1.Juli 689 aus dem Stammherzogtum Sachsen.

Das ist nur ein kleiner Einblick. Schauen Sie doch auch mal in die 
Datenbank und suchen nach Hagel, Wind oder Starkregenereignissen aus 
der jüngsten oder frühen Vergangenheit. Gerne können Sie sich auch 
selbst beteiligen und Unwetterereignisse zumelden, welche die 
Kriterien erfüllen.



Dipl.-Met. **
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 31.07.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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#DWD -> #Thema des Tages 2021-07-30: Superzelle legt über 700km zurück

Thema des Tages

Superzelle legt über 700 km zurück


Der Süden Bayerns wurde in der vergangenen Woche von heftigen 
Unwettern heimgesucht. Einige dieser kräftigen Gewitter waren 
Superzellen. Am Mittwoch zog eine dieser Superzellen von Oberbayern 
bis in die Hohe Tatra und richtete auf ihrem Weg größeren Schaden an.



Die Region nördlich des Alpenrands wurde in der letzten Woche von 
zahlreichen Unwettern geplagt. Die meisten dieser Unwetter gingen 
dabei auf einen speziellen Gewittertyp, die Superzelle zurück. Das 
besondere an Superzellen ist ihr beständig rotierender 
Aufwindbereich, der bei normalen Einzel- oder Multizellen so nicht zu
finden ist.  Darin liegt auch ihre besondere Heftigkeit und ihre 
Langlebigkeit begründet. Denn ein Gewitter benötigt einen warmen und 
möglichst feuchten Aufwind. Da wärmere Luft leichter ist (eine 
geringere Dichte hat) als kalte Luft, steigt in diesem Aufwindbereich
warme Luft nach dem Archimedisches Prinzip auf und erhält das 
Gewitter am "Leben". Irgendwann im Reifestadium des Gewitters 
produziert es Regen oder auch Hagel, der zunehmend zum Problem für 
das Gewitter wird. Der ausfallende Regen oder Hagel kühlt die Luft in
seiner Umgebung durch Verdunstung bzw. Schmelzen ab, sodass auf der 
Rückseite des Gewitters ein kalter Abwind entsteht. Die kalte Luft 
breitet sich dann am Boden aus und kappt den für das Gewitter 
notwendigen warmen Aufwind. Bei einer Superzelle bleiben durch die 
Rotation des Gewitters Auf- und Abwindbereich ständig getrennt, 
sodass der Zustrom von warmer Luft, der die Gewitterzelle mit Energie
versorgt, nahezu durchgängig aufrechterhalten wird. Dies erklärt die 
Langlebigkeit und die Heftigkeit von Superzellen. So sind Orkanböen 
durch kräftige Fallwinde und heftiger Starkregen keine Seltenheit. 
Nahezu alle großen Hagelereignisse stehen im Zusammenhang mit 
Superzellen. Des Weiteren bildet die Rotation die Grundlage für 
Tornados. Mehr zur Dynamik und Struktur von Superzellen finden Sie im
Thema des Tages vom 14.07.2019 
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/7/14.html). 
Typische Zugbahnen von Gewitterzellen am Alpenrand sind im Thema des 
Tages vom 27.06.2021 beschrieben 
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/6/27.html).
Am Mittwoch den 28.07. entstand erneut eine Superzelle im 
Alpenvorland, doch dieses Mal nördlich von Rosenheim. Sie zog rasch 
ostwärts und richtete teils schwere Schäden im Chiemgau an. Orkanböen
deckten Dächer ab, Bäume wurden entwurzelt, durch heftigen Starkregen
liefen Keller voll und örtlich gab es Ansammlungen von Hagelmassen.
Die Zelle zog weiter nach Oberösterreich, wo sie sich nochmals 
verstärkte, Dächer und Häuser beschädigte und große Agrarflächen 
zerstörte. Danach zog sie nach Wien und erreichte am Abend die 
Slowakei. Erst in der Nacht löste sie sich östlich der Hohen Tatra 
auf. In 13 Stunden legte sie dabei eine Strecke von über 700 km 
zurück und gehört somit zu den langlebigsten Sperrzellen der 
vergangenen Jahre. Die Abbildung zeigt die Blitzspur von Mittwoch 
09:00 bis Donnerstag 01:00 UTC.  Deutlich lässt sich die Zugbahn 
erkennen. Der Grund für die lange Lebensdauer waren die guten 
Bedingungen, die die Zelle vorgefunden hat. Neben schwülwarmer und 
energiereicher Mittelmeerluft, gab es in den betroffenen Regionen 
eine sehr große Windscherung.  Als Windscherung bezeichnet man die 
Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe. Diese ist maßgeblich 
für die Rotation in Superzellen verantwortlich. 
Dieses Jahr treten Superzellen vom Alpenrand über Nordösterreich bzw.
in Südtschechien ungewöhnlich häufig auf. Ursache dafür war eine 
besondere Wetterlage, bei der Tiefdruckgebiete immer wieder nach 
Westeuropa zogen. Mitteleuropa lag dabei am Rand dieser 
Tiefdruckgebiete auf der Vorderseite, wobei die betroffenen Regionen 
mit sehr warmer und besonders feuchter Mittelmeerluft versorgt 
wurden. Gleichzeitig stellten diese Tiefs die benötige Windscherung 
bereit. Der Alpenrand ist für die Entstehung von Superzellen 
besonders prädestiniert, da sich dort durch Überströmung der Alpen 
oft ein Leetief bildet. Dadurch dreht der Bodenwind, wie auch am 
Mittwoch geschehen, nochmals auf Ost, während in der Höhe Südwestwind
vorherrscht. Somit wird die Windscherung deutlich erhöht.
Wie geht es mit den Gewittern bei uns weiter? In der Nacht zum 
Samstag gibt es im Süden nochmal lokale Unwetter.  Dann ändert sich 
die Wetterlage. Der Tiefschwerpunkt verlagert sich nach Skandinavien,
wobei auch im Süden kühlere Luft einfließt. Was Schwergewitter 
angeht, stellt sich zunächst ein etwas ruhigerer Witterungsabschnitt 
ein.


Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 30.07.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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