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Thema des Tages 

Aprilscherze, aber (wohl) nicht beim Wetter! 

April, April, der macht, was er will und ist zu Beginn zu Scherzen 
aufgelegt?! Allen bekannt doch beim Wetter eher nicht an der 
Tagesordnung, der Aprilscherz am 1. April. Wir gehen den Ursprüngen 
auf den Grund und betrachten gleichermaßen das Wetter der kommenden 
Tage. 

Jeder kennt sie und viele wurden auch schon von den sogenannten 
Aprilscherzen „aufs Glatteis“ geführt. Als Aprilscherz bezeichnet man 
dabei den Brauch, die Mitmenschen zum Start in den April durch 
erfundene oder verfälschte Geschichten oder Erzählungen in die Irre 
zu führen. Die Scherze zum 1. April sind deutschlandweit bekannt und 
haben ihre Ursprünge weit in der Vergangenheit. Diese Tradition 
konnte sich mit der Zeit sogar über die meisten europäischen Länder 
sowie auch Nordamerika verbreiten. Als Ausgangspunkt des 
Aprilscherzes werden Bayern oder aber auch Frankreich überliefert. 

Eine mögliche Erklärung für die Aprilscherze führt uns zurück in das 
Jahr 1530, in welchem der Augsburger Reichstag für die 
Vereinheitlichung am 1. April einen „Münztag“ ankündigte, der 
schließlich viele Spekulanten auf den Plan rief. Da der „Münztag“ 
jedoch ausfiel und die Spekulanten ihr eingesetztes Geld verloren, 
wurden sie damals zum Gespött und als Narren ausgelacht. Weil die 
Redensart vom „in den April schicken“ in einer Quelle erstmals im 
Jahre 1618 erwähnt wurde und es nach Überlieferungen durchaus eine 
gewisse Nähe zu dem beschriebenen Ereignis aus Augsburg gibt, könnten 
die Geschehnisse aus dem Jahre 1530 den Ausgangspunkt für die 
Aprilscherze in Deutschland darstellen. 

Eine weitere Erklärung führt uns nach Frankreich, wo angeblich die 
Kalenderreform von Karl IX der Auslöser für die Aprilscherze sein 
soll. Karl IX verfügte im Jahre 1564, dass der Jahreswechsel vom 1. 
April auf den 1. Januar vorgeschoben werden solle. Da sich diese 
Änderung nur zögerlich verbreitete und nicht in alle Regionen seines 
Reiches vordrang, feierten viele Bürger zunächst weiter zum 1. April 
den Jahreswechsel und wurden schließlich vom anderen Teil der 
Gesellschaft verspottet. Diese Geschehnisse waren danach so in den 
Köpfen der Bürger eingebrannt, dass sie sich über Generationen 
überlieferten und schließlich als Ursprung für unsere heutigen 
Aprilscherze in Frage kommen. 

Das Wetter ist am heutigen Mittwoch in weiten Teilen des Landes nicht 
zum Scherzen aufgelegt. Verbreitet wird es am heutigen 1. April noch 
von hohem Luftdruck dominiert, der sich ausgehend von dem Hoch KEYWAN 
I über dem Nordatlantik bis zum Hoch KEYWAN II an der 
Schwarzmeerküste zieht. Durch Absinken lösen sich vor allem in der 
Mitte und dem Süden Deutschlands die Wolken auf und die Sonne kann 
vielerorts vom wolkenlosen Himmel strahlen. Allenfalls die Bürger im 
Norden Deutschlands könnten sich „veräppelt“ fühlen. Denn dort 
schicken Tiefausläufer dichte Wolkenfelder ins Land und bringen sogar 
etwas Regen/Schnee. 

Und auch in den nächsten Tagen gibt es wohl nur vorübergehend einen 
Wetterdämpfer. Denn ab dem morgigen Donnerstag schwächelt die 
Hochdruckbrücke und bricht schließlich auf. Nachfolgend nutzen 
Tiefdruckgebiete samt ihren Frontensystemen bis zum Wochenende die 
Gunst der Stunde, um sich über Deutschland breit zu machen. Die Folge 
sind dichte Wolken und ein leicht unbeständiger, an der Küste auch 
windiger Wettercharakter. Hier und da erinnern die auftretenden 
Phänomene dann durchaus an das typisch, wechselhafte Aprilwetter. 
Über das Land verteilt können neben sonnigen Abschnitten auch Regen 
und Regenschauer, im Bergland Schneeschauer, örtlich Gewitter, starke 
bis stürmische Böen sowie Nachtfrost mit lokaler Glätte das 
Wetterpuzzle füllen. 

Erst zum Wochenende wird das Wetter wieder einheitlicher und 
scherzfrei. Mit einem von Westen bis nach Polen ostwärts wandernden 
Hoch gelangt auch Deutschland wieder in den Bereich hohen Luftdrucks, 
sodass die Sonnenanteile im Verlauf im ganzen Land wieder deutlich 
zunehmen. Zudem kann allmählich auch wieder mildere Luft aus 
südlichen Gefilden angezapft und bis nach Deutschland transportiert 
werden, sodass der Frühling erneut einen Vorstoß macht. 

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel 
Deutscher Wetterdienst 
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 01.04.2020 

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

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Thema des Tages 

Grenzgänger zwischen Tag und Nacht: Die Dämmerung 

Sie ist so selbstverständlich wie Tag und Nacht: Die Dämmerung. Aber 
wussten Sie, dass sich die Dämmerung in drei Phasen einteilen lässt? 

Am vergangenen Sonntag war es mal wieder soweit: Die Uhren wurden 
umgestellt und laufen seither auf Sommerzeit. Damit geht die Sonne 
abends wieder „später“ unter, die Nacht darf dafür in den Frühstunden 
etwas länger „wach bleiben“. Aber nach Sonnenuntergang ist es 
natürlich auch nach der Zeitumstellung nicht sofort zappenduster. 
Zuvor wird selbstverständlich noch „gedämmert“ und das sogar in sage 
und schreibe drei Phasen. 

Los geht es mit der bürgerlichen Dämmerung. Sie beginnt mit 
Sonnenuntergang, also sobald die Sonne unter dem Horizont steht. In 
Oberstdorf beispielsweise ist das am heutigen Dienstag um 19.47 Uhr
in Flensburg dagegen erst um 19.57 Uhr der Fall. Dieser 
Zeitunterschied hängt mit der Neigung der Erdachse zusammen, wodurch 
die Nächte im Sommerhalbjahr auf der Nordhalbkugel umso kürzer 
werden, je weiter man nach Norden geht. 

Sobald die Sonne tiefer als 6 Grad unter den Horizont sinkt, geht die 
bürgerliche in die nautische Dämmerung über. Bleiben wir bei unseren 
Beispielstädten, dann findet dieser Übergang in Oberstdorf heute um 
20.18 Uhr und in Flensburg um 20.34 Uhr statt. Während in der 
bürgerlichen Dämmerung bei wolkenlosem Himmel nur helle Planeten wie 
z.B. Venus oder Jupiter sichtbar werden, zeigen sich im nautischen 
Pendant schon erste Sternbilder – daher auch der Zusatz „nautisch“, 
denn Sternbilder dienen bei der Seefahrt als Orientierungshilfe. 

Mit der nautischen Dämmerung ist es allerdings noch nicht getan. Ab 
12 Grad unter dem Horizont schließt sich ihr die astronomische 
Dämmerung an, die sich heute in Oberstdorf ab 20.55 Uhr und in 
Flensburg ab 21.18 Uhr die Ehre gibt. Da es nun schon wirklich sehr 
stark an Tageslicht mangelt, könnte man sich vielleicht beim Gedanken 
erwischen, von „Nacht“ reden zu wollen. Im Prinzip ist das allerdings 
erst dann korrekt, wenn die Sonne tiefer als 18 Grad unter dem 
Horizont steht. Denn erst dann schafft es wirklich kein Sonnenstrahl 
mehr (durch Streuung in der Atmosphäre) zu uns (in Oberstdorf ab 
21.34 Uhr, in Flensburg ab 22.07 Uhr). 

Damit hat die Dämmerung also ihre Schuldigkeit getan und überlässt 
der Nacht die Bühne, ehe in ihrem Verlauf das Ganze wieder von vorne 
beginnt – dann allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. 

Vielleicht haben Sie bemerkt, dass der zeitliche Versatz der 
einzelnen Dämmerungsphasen zwischen Oberstdorf und Flensburg immer 
größer wurde. Zusammengefasst dauert die Dämmerung heute Abend in 
Oberstdorf 1 Std. und 47 Min. (19.47 Uhr bis 21.34 Uhr), in Flensburg 
dagegen mit 2 Std. und 10 Min (19.57 Uhr bis 22.07 Uhr) satte 23 
Minuten länger. Das liegt an der „Zugbahn der Sonne“, die auf der 
Nordhalbkugel umso flacher verläuft, je weiter man sich im Norden 
befindet. Deutlicher wird dieser Zusammenhang, wenn wir mal einen 
Blick auf das tropische Manila (Philippinen) werfen. Dort dauert die 
gesamte Dämmerung heute gerade einmal 1 Std. und 11 Min (18.08 Uhr
bis 19.19 Uhr) – deutlich weniger Zeit also, um das mitunter 
farbenfrohe Spiel der Dämmerung zu genießen. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz 
Deutscher Wetterdienst 
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 31.03.2020 

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Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee? 

Für eine belastbare Prognose zum Osterwetter ist es sicher noch zu 
früh, ein möglicher Trend soll trotzdem gewagt werden. 

Momentan wird man ja beim Wetter das Gefühl nicht los, dass da ein 
wie in den letzten Jahren häufiger zu beobachtender Trend zur 
Winterwiedergutmachung besteht. Drei Monate warteten die Freunde der 
kalten Jahreszeit vergeblich auf passende Schnee- und Kältelagen. 

Und nun sind sie da, und dass zu einem Zeitpunkt, wo wir relativ 
wenig damit anfangen können. Das Hoch über dem nördlichen Atlantik 
bzw. über Skandinavien hat sich nun innerhalb von rund zehn Tagen 
bereits zweimal so positioniert, dass arktische Luftmassen relativ 
ungehindert über Skandinavien bzw. Nordosteuropa nach Mitteleuropa 
gelangen konnten. 

Wenn man nun mal in die Vergangenheit blickt – gerade wenn Ostern so 
Anfang April gelegen hat, kam es häufiger vor, dass solche 
Wetterlagen dafür gesorgt haben, dass die Kinder die Ostereier vor 
allem in höher gelegenen Lagen aus dem Schnee fischen mussten. Für 
‚Flachlandtiroler‘ spricht bzw. sprach man sonst eher vom nasskalten 
Aprilwetter mit Schnee- und Graupelschauern tagsüber und teils 
unangenehmen Nachtfrösten, die dann mitunter, je nach Stand der 
Vegetation, der Obstblüte gehörig zugesetzt haben. 

Soweit so gut. Wie sieht es in diesem Jahr mit dem Osterwetter aus? 
Nun ja, Ostern fällt heuer auf den Zeitraum zwischen dem 10. und 13. 
April, ein Umstand, der saisonal gesehen eher stille Hoffnung auf 
Frühlingsgefühle statt auf winterliche Eskapaden weckt. Aber ehrlich 
gesagt, sind dem Wetter bzw. der Natur unsere Wertungen und Wünsche 
relativ egal. 

Konkret können wir über das Osterwetter derzeit nur spekulieren, da 
vor uns immerhin noch mehr als zehn Tage Prognosezeitraum liegen. 
Dabei nimmt die Unschärfe bei der Wettervorhersage bereits ab Tag 
fünf bis Tag sieben aufgrund von teils erheblichen Modifikationen der 
Ausgangsbedingungen drastisch zu. 

Nichtsdestotrotz soll ein Blick auf die gruppierten Ensembleprognosen 
(auch Cluster genannt) der Globalmodelle GFS (20 verschiedene Läufe 
oder Ensemble-Member) und IFS (51 Ensemble-Member) gewagt werden. 
Dabei handelt es sich um die Gruppierung ähnlicher Prognosen bzw. 
Modelläufe, die mit leicht modifizierten Anfangsbedingungen und einer 
Vorhersagefrist von bis zu 15 Tagen gerechnet werden. Aus den 
Ensemble-Prognosen resultieren so genannte Meteogramme (Berechnung 
der Meteoelemente mit einer sich durch die verschiedenen Prognosen 
ergebenden Spannbreite, siehe Grafik anbei: 10-Tagesprognose der 
Lufttemperatur in 2 m Höhe für München). 

Und dieser Blick lohnt sich! Zu erkennen ist für München gerade ab 
Sonntag, 05. April sowie in der darauffolgenden Karwoche ein durchaus 
angenehmes Temperaturniveau mit Tagesmaxima so um die 14 bis 17 Grad. 
Das deckt sich mit einer Mehrzahl der aktuell gerechneten Cluster der 
beiden Globalmodelle (Stand: 30. März, 0 Uhr UTC), die zumindest in 
der Mitte und im Süden eher Hochdruckeinfluss prognostizieren. Den 
Norden Deutschlands könnten aus jetziger Sicht immer wieder 
atlantische Frontensysteme mit kühlerer Meeresluft streifen. 

Allerdings kann es sein, dass der atlantische Tiefdruckeinfluss genau 
über Ostern von Westen und Nordwesten auch wieder mehr in die 
Südhälfte vordringt, was bereits an den leicht sinkenden Temperaturen 
zum Ende der 10-Tagesfrist deutlich wird. Die relativ große Streuung 
(Länge des Balkens) drückt dabei die erhebliche und in der Natur der 
Sache liegende Vorhersageunsicherheit aus. 

Von daher ist wie gesagt dieser Trend aus den oben erwähnten Gründen 
noch mit größerer Vorsicht zu genießen und eben nicht als 
deterministische Wetterprognose zu verstehen. 

Dr. rer. nat. Jens Bonewitz 
Deutscher Wetterdienst 
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 30.03.2020 

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Jahreszeiten als Welterbe?


Um die Jahreszeiten zu schützen, kommt nun aus Norwegen die 
Forderung, sie von der UNESCO in die Weltnaturerbe-Liste aufzunehmen.
Was steckt dahinter?


Der Winter 2019/2020 war in Deutschland der zweitwärmste Winter seit 
Beginn der Messungen im Jahr 1881, in ganz Europa sogar der wärmste. 

Auch in unseren nordeuropäischen Nachbarländern wie Norwegen und 
Schweden, die viele mit tiefverschneiten und kalten Wintern 
verbinden, werden die Winter zunehmend milder. In Oslo z.B. war der 
diesjährige Januar erstmalig komplett schneefrei.

Auch wenn die einen von uns große Winterfans sind, die anderen 
hingegen eher Freunde des Sommers sind: Den meisten in unseren 
Breiten ist gemein, dass sie an unserem Klima den Wechsel der 
Jahreszeiten schätzen. Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben 
schließlich jeweils einen ganz eigenen Reiz! 

Diese Überlegung hatte auch der norwegische Outdoor-Hersteller 
Bergans, für den die Jahreszeiten natürlich auch (aber nicht nur) ein
wirtschaftlicher Faktor sind. Wenn es keine schneereichen Winter mehr
gibt, erübrigt sich der Skisport und die Nachfrage für entsprechende 
Bekleidung und Ausrüstung sinkt. Könnte man also nicht irgendwie 
versuchen, die Jahreszeiten zu wahren?! 

Das Unternehmen wandte sich an den WWF (World Wildlife Fund), eine 
der größten internationalen Umwelt- und Naturschutzorganisation, und 
zusammen gründeten sie eine Initiative ("Save the seasons") zum 
Schutz der Jahreszeiten. Ihre Idee: Frühling, Sommer, Herbst und 
Winter sollen von der UNESCO in die Liste der Weltnaturerbe 
aufgenommen werden. Klingt komisch? Im ersten Moment auf jeden Fall, 
stellt die UNESCO doch bisher nur physisch vorhandene Dinge unter 
Schutz. Diese Anforderungen erfüllen die Jahreszeiten natürlich 
nicht. Die Argumentation der Initiatoren: Veränderungen der 
Jahreszeiten würden massiv den Erhalt der bereits geschützten 
Gebäude, Pyramiden, Korallenriffe und Co. gefährden. So verweisen sie
auf die Folgen des Klimawandels wie Stürme, Fluten und Dürren, auf 
kürzere Winter sowie heißere und trockenere Sommer und auf die 
Auswirkungen für Pflanzen und Tiere.

Ein Ausrüstungshersteller bei einem solchen Vorhaben? Da drängen sich
schnell wirtschaftliche Hintergedanken auf. Doch laut Bergans geht es
um weit Wichtigeres, als die eigenen Produkte zu verkaufen. "Für uns 
geht es im Wesentlichen darum, die Natur für zukünftige Generationen 
zu bewahren."
Von einem Schutz der Jahreszeiten durch die UNESCO ergäben sich also 
Vorteile für die bereits geschützten Teile des Welterbes. Oder wie 
der Leiter des WWF Norwegen Bård Vegar Solhjell sagt: "Die 
Jahreszeiten sind das Fundament unseres Outdoor-Lebens, das wiederum 
in direktem Zusammenhang mit unserem kulturellen Erbe steht. Die 
Jahreszeiten müssen daher als schützenswert eingestuft werden".

Und wie geht es nun weiter? WWF Norway und Bergans haben sich mit 
einem Brief an das Umweltministerium der norwegischen Regierung 
gewandt und darum gebeten, den Antrag bei der UNESCO einzureichen. 
Stehen die Jahreszeiten einmal auf der Liste, wäre der nächste 
logische Schritt, sie zu schützen. 

Ob das Vorhaben Erfolg hat ist also noch unsicher und auch auf eine 
eigene Meinung soll an dieser Stelle verzichtet werden. Vielmehr 
wendet sich die Autorin nun wieder dem zurückgekehrten "Spätwinter" 
im meteorologischen Frühling zu? 


Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 29.03.2020

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Thema des Tages

Hangwinde

Gebirgsketten nehmen einen großen Einfluss auf das regionale 
Wettergeschehen. Die komplexe Topographie verursacht lokale 
Windphänomene wie das Hangwindregime und das mit diesem eng 
verzahnten Tal- und Bergwindsystem. Ersterem widmen wir uns heute 
etwas genauer.


Mit dem Fortschreiten des Frühlings rückt auch die nächste 
Wandersaison langsam wieder in den Fokus (Vorbehaltlich einer 
Lockerung der derzeitigen Ausgangsbeschränkungen). Jeder der einmal 
einen Wanderurlaub - sei es in die Alpen oder in unseren 
Mittelgebirgen - unternommen hat, wird vermutlich den Hangwind schon 
mal wahrgenommen haben. Aber auch Segel-, Drachen-, oder 
Gleitschirmflieger machen sich selbigen oft zu nutze.

Die Hangwindzirkulation ist ein tagesperiodisches Windsystem, das im 
Gebirge überwiegend bei ruhigen Hochdruckwetterlagen entsteht, und 
als ein Teilglied in die Berg- und Talwindzirkulation eingebettet 
ist. Die Grundvoraussetzung ist starke, möglichst störungsfreie 
Sonneneinstrahlung. Nach dem Sonnenaufgang fällt die Strahlung 
zunächst auf die Osthänge der Bergketten, während die nach Westen 
abfallenden noch im Schatten liegen. Dadurch setzt an den 
sonnenbeschienenen Hängen eine rasche und starke Erwärmung des Bodens
ein. Auf den der Sonne zugewandten Hängen ist der Einfallswinkel zur 
Sonnenstrahlung nahe bei 90°. Diese Hänge erhalten mehr Energie pro 
Fläche und werden stärker aufgeheizt als hangferne Luft im Tal. 
Diesen Wärmeüberschuss gibt der Boden an die darüber liegende Luft 
ab. Die nun erzeugte dünne Warmluftschicht ist aber deutlich leichter
als die kalte Umgebung und beginnt daher in Form von Warmluftblasen 
aufzusteigen. Dabei spielt auch die geringere Luftdichte in den 
Hochlagen, die zuerst von der Sonne bestrahlt werden, eine Rolle. Auf
z.B. 2000 m Höhe hat die Luftdichte gegenüber der Meereshöhe um fast 
20% abgenommen. Entsprechend weniger Energie wird benötigt, um die 
Luft aufzuheizen.  Weitere Faktoren bei der Erwärmung spielen aber 
auch die Oberflächenform und der Bewuchs. So erwärmen sich 
vegetationsarme Wiesen- oder Schotterhänge schneller als dunkle 
Wälder oder Seen. 
Wanderer können die aufsteigenden Warmluftblasen in den 
Vormittagsstunden an einem sonnenbeschienenen Hang beim Aufstieg 
wahrnehmen. Für einige Sekunden ist eine deutliche Temperaturerhöhung
spürbar. Gleichzeitig kann man auch vorübergehend viel stärker den 
Duft von Blüten oder auch Tannen wahrnehmen, deren Duftstoffe die 
Warmluftpakete beim Aufgleiten aufnehmen können.
Wird die Folge der aufgleitenden Luftpakete immer dichter, entsteht 
der Hangaufwind. Dessen Geschwindigkeit beträgt in der Regel etwa 2 
bis 4 m/s. Die Hangaufwinde erreichen eine Mächtigkeit von nur 
wenigen Metern bis zu einigen Dekametern (im Maximum meist deutlich 
unter 100 m). 

Die Luft kühlt sich schließlich beim Aufsteigen ab und sinkt über der
Mitte des Ursprungstals oder aber auch im Nachbartal wieder in 
tiefere Lagen ab. Auch an den unbesonnten Hängen kommt es noch zu 
Abgleitvorgängen. Insgesamt bildet sich eine geschlossene 
Hangwindzirkulation.  Im Tagesverlauf verlagert sich mit der Änderung
des Sonnenstandes bei Nord-Süd-Tälern der aufwärts gerichtete Ast der
Hangaufwindzirkulation am Nachmittag zum Westhang hin. Bei 
Ost-West-Tälern bleibt er hingegen den ganzen Tag über dem Südhang. 
Wegen des beschränkten Luftvolumens im Tal wird zunehmend Luft aus 
dem Vorland ins Tal gezogen und es entsteht im Laufe des Vormittags 
ein zusätzlicher Wind, der das Tal hinauf weht, der Talwind. (Diesem 
werden wir uns in einem weiteren Thema des Tages genauer widmen.)

Die Luft, die aus den Tälern nachgeführt und sukzessive die Hänge 
hinauftransportiert wird, ist meist feucht. Auch sie wird erwärmt und
steigt ebenfalls auf, wodurch sie sich abkühlt und relativ gesehen 
feuchter wird. Wenn sie das Kondensationsniveau (100 % Luftfeuchte) 
erreicht, bilden sich meist um die Mittagszeit über den Berggipfeln 
und -kämmen die ersten Quellwolken.
Mitunter können sich bei ausreichender Labilität Schauer oder 
Gewitter bilden. Über den Tälern bleibt es hingegen oft wolkenlos, da
sich die absinkende Luft erwärmt und dabei relativ gesehen trockener 
wird.

Für Segel- oder Gleitschirmflieger sind Hangaufwinde, neben der 
Thermik, die wichtigste Antriebsquelle. Bereits ein relativ schwacher
Hangaufwind kann zu einem merklichen Höhengewinn führen, wenn die 
Flugroute parallel zum sonnen- bzw. windseitigen Hang verläuft. 

Am Abend und in der Nacht drehen sich die Verhältnisse um. Kurz vor, 
spätestens aber mit dem Sonnenuntergang kommt der Hangwind zum 
Erliegen. Nach zeitweiligem Stillstand der Luftbewegung kehrt sich 
das Windsystem schließlich um. Die Luft über den Hochebenen und den 
Berghängen des Gebirges kühlt sich durch die stärkere Ausstrahlung 
schneller ab als die Luft über dem Tal in vergleichbarer Höhe. Die 
nun kühlere, dichtere und somit schwerere Luft strömt die Hänge 
hinab, fließt im Tal zusammen und sorgt so für frische Luft am 
Talgrund, der Hangabwind hat eingesetzt. Die abwärtsgerichteten Winde
haben geringere Mächtigkeit als die Hangaufwinde und ihre 
Geschwindigkeiten sind in der Regel auch kleiner. Nur an steilen und 
langen Hängen kann das Abfließen der Kaltluft stark und 
außerordentlich böig sein. 


MSc.-Met. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 28.03.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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