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Thema des Tages

Gewitternachlese

Am gestrigen Mittwochnachmittag zog aus Südwesten eine Kaltfront auf, die sich später am Abend und in der Nacht zum heutigen Donnerstag langsam nach Nordosten verlagerte. An der Kaltfront bildeten sich Schauer und Gewitter, die punktuell stark ausfielen und von Hagel und kräftigem Regen begleitet waren. Weitaus verbreiteter trat jedoch starker Wind auf. Vor allem vom Sauerland bis zum Rhein-Main-Gebiet und nach Unterfranken sorgte eine vorlaufende Böenlinie abseits von Schauern und Gewittern für verbreitet stürmische Böen (Bft 8) bis hin zu einzelnen orkanartigen Böen (Bft 11).

Eine Böenlinie entsteht meist an kräftig ausgeprägten Gewitterzellen oder wenn mehrere Gewitterzellen zu einem Komplex anwachsen (Multizellen). Dabei strömt in den unteren Luftschichten Luft von „vorn“, also warme Luft vor dem Gewitter (siehe Grafik zum heutigen Thema des Tages:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/4/25.html), in die Gewitterzelle, steigt auf, kondensiert und es bildet sich
Niederschlag. Der ausfallende Niederschlag kühlt die Luft im Gewitter ab und erzeugt so einen beschleunigten Abwind (engl. „Downdraft“). Am Boden kann dieser Wind dann horizontal aus dem Gewitter heraus strömen. Die dabei auftretenden Böen bilden vor dem Gewitter meist eine linienhafte Struktur, man spricht dann von einer Böenlinie. Diese Linie lässt sich im Radar häufig gut erkennen (siehe auch Thema des Tages v. 31.05.2017:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/5/31.html).

Auswahl Windspitzen Mittwochnachmittag/-abend (24.04.2019):

Würzburg (BY): 105 km/h;
Düsseldorf (NRW): 98 km/h;
Gießen/Wettenberg (HE): 97 km/h;
Frankfurt/Main (HE): 94 km/h;
Frankenberg-Geismar (HE): 92 km/h;
Freudenstadt (BW): 91 km/h;
Heilbronn/Neckar (BW): 91 km/h;
Freiburg (BW): 90 km/h;
Wuppertal (NRW): 88 km/h;
Waibstadt (BW): 85 km/h;

Normalerweise ist die Andauer von Windböen an einer Böenlinie recht kurz, selten frischt der Wind länger als 30 Minuten auf. Am gestrigen Abend aber hielt die Böigkeit zum Beispiel im Rhein-Main-Gebiet sogar bis zu 2 Stunden an. Grund dafür war ein starker
Luftdruckunterschied, der sich gebildet hatte. Vor der Kaltfront sank der Luftdruck ab und stieg dahinter wieder sprunghaft an. Es entstand somit ein Druckunterschied von bis zu 8 hPa auf einer Distanz von nur 100 km Länge. Der starke Gradient sorgte für kräftigen Wind, der den Luftdruckausgleich herbeiführte, womit anschließend der Wind wieder nachließ.

Die Niederschlagsmengen bei den Schauern und Gewittern lagen meist im mäßigen Bereich, punktuell traten starke Niederschläge auf. Auch kleinkörniger Hagel wurde mancherorts beobachtet.

Regenmengen 1-stündig (>10 mm), Mittwochnachmittag/-abend (Uhrzeit MESZ):

21 Uhr: Reken-Groß Reken (NRW): 20,4 mm;
18 Uhr: Hermeskeil (RLP): 14,6 mm;
20 Uhr: Köln-Bonn (NRW): 14,4 mm;
18 Uhr: Kehl-Odelshofen (BW): 11,5 mm;
20 Uhr: Köln-Stammheim (NRW): 11,1 mm;
18 Uhr: Börfink-Brunnen (RLP): 10,5 mm;
18 Uhr: Dienstweiler (RLP): 10,3 mm;
18 Uhr: Beuren (RLP): 10,1 mm;

Regenmengen 24-stündig bis Donnerstagfrüh (25.04.2019, 8 Uhr MESZ):

Hermeskeil (RLP): 30 mm;
Börfink-Thranenweier (RLP): 28 mm;
Beuren, Kreis Trier-Saarburg (RLP): 26 mm;
Wittlich (RLP): 25 mm;
Neunkirchen-Wellesweiler (SL): 24 mm;
Tholey (SL): 24 mm;
Saarbrücken-Ensheim (SL): 23 mm;
Leiwen (RLP): 22 mm;
Köln-Bonn (NRW): 21 mm;
Deuselbach (RLP): 21 mm;

Am heutigen Donnerstag gibt es im Westen etwas Regen, im Südwesten können im Tagesverlauf wieder einzelne Gewitter auftreten. Dabei sind lokal erneut Starkregen und stürmische Böen möglich. Am Freitag ist dann das Risiko von Gewittern mit Starkregen und Sturmböen im Osten und Nordosten erhöht.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Thema des Tages

Trockenheit macht erneut Probleme

Bestimmt erinnern Sie sich noch an das vergangene Jahr, das verbreitet von einer extremen Trockenheit und im Sommer zudem von einer sehr warmen bis heißen Witterungsperiode geprägt war. Landwirte und Förster hatten damals die Hoffnung, dass ein Teil des
beträchtlichen Niederschlagsdefizits im Winter wieder ausgeglichen werden kann und dass auch anschließend im diesjährigen Frühjahr und Sommer ausreichende Niederschläge fallen, damit sich die Natur von der teils drastischen Dürresituation wieder erholen kann. Genau danach sieht es aktuell aber nicht aus.

Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern sowie von Oberfranken bis nach Niederbayern hat es im diesjährigen April noch kaum geregnet (siehe Abbildung 1). Niederschlagsmengen unter 1 mm sind dort keine Seltenheit und vereinzelt fiel bisher sogar kein einziger
Regentropfen vom Himmel. Auch in der Westhälfte Deutschlands fällt die bisherige Regenbilanz im April vielerorts unterdurchschnittlich aus, es regnete aber immerhin noch etwas mehr als im Osten.

Auch der seit Jahresbeginn gemessene Niederschlag, das schon fast zu einem Drittel vorüber ist, sieht gebietsweise alarmierend aus. Vor allem im Thüringer Becken, dem südlichen Niedersachsen und vom östlichen Vorpommern bis zur Prignitz zeigt die mithilfe von Messstationen angeeichte Radarauswertung größere Flächen, in denen die Niederschlagsmenge lediglich 50 bis 100 mm beträgt (siehe Abbildung 2). Passend dazu registrierte die derzeit
niederschlagsärmste Wetterstation in Erfurt-Bindersleben gerade einmal 58 mm (vieljähriges Mittel: 130 mm). Gerade diese Regionen waren bereits im letzten Jahr besonders von der Dürre betroffen. Aber auch in Teilen von Mittel- und Unterfranken blieb es in diesem Jahr ähnlich trocken. Im Westen, Nordwesten und Süden sowie in den Mittelgebirgen regnete und schneite es hingegen etwas mehr, sodass im Deutschlandmittel mit 194 mm immerhin 86% des normalerweise in diesem Zeitraum üblichen Niederschlags gemessen wurde.

Dazu kommt in diesem Jahr noch erschwerend hinzu, dass die Natur im Gegensatz zu 2018 noch mit den Auswirkungen der letztjährigen Trockenheit zu kämpfen hat. Im deutschlandweiten Durchschnitt gab es in den Wintermonaten nur etwa 30 mm mehr Niederschlag als im vieljährigen Mittel, sodass das beträchtliche Niederschlagsdefizit aus dem letzten Jahr bei Weitem nicht ausgeglichen werden konnte (siehe auch Link zur aktuellen Pressemitteilung am Ende des Textes). Vor allem von Schleswig-Holstein über die Altmark (Norden von Sachsen-Anhalt) bis in den Norden von Brandenburg (Prignitz bis Oderbruch) sowie am Oberrhein und in Teilen von Hessen und
Nordthüringen wurde das „Wintersoll“ noch nicht einmal erreicht. Somit konnten die Wasserspeicher in den Böden nicht ausreichend gefüllt werden, sodass die Wasserreserven in den Böden deutlich geringer ausfallen als im letzten Jahr zur selben Zeit.

Gerade jetzt im Frühling, in der das Wachstum der Vegetation sehr aktiv ist, wirkt sich eine Trockenphase besonders schlimm aus. Landwirte berichten bereits vermehrt von Stress-Symptomen bei Kulturpflanzen. Beispielsweise rollt das austreibende Getreide schon seine Blätter ein. Den Pflanzen fehlt genügend Wasser aus den Böden und gleichzeitig verliert die Vegetation bei den derzeitigen hohen Temperaturen und der starken Sonneneinstrahlung viel Wasser durch Verdunstung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass schon jetzt im Frühjahr in immer mehr Regionen eine negative Wasserbilanz vorliegt (siehe Link am Ende des Textes), die die Differenz aus der
Niederschlagssumme und der Summe der potentiellen Verdunstung über Gras beschreibt (Details: siehe DWD-Wetterlexikon-Einträge zu (potentieller) Evaporation und Wasserbilanz).

In den Wäldern hat schon die Trockenheit des letzten Jahres teilweise ihre Spuren hinterlassen. Vielleicht sind Ihnen beim Spaziergang durch die heimischen Wälder vermehrt abgestorbene Nadel- und Laubbäume aufgefallen? Auch der Borkenkäfer, der sich bei der Witterung im letzten Jahr besonders wohl gefühlt hatte, hat an manchen Bäumen ganze Arbeit geleistet, sodass wohl nur noch ein Fällen der Bäume helfen kann. Die aktuelle Trockenheit sorgt zudem vor allem im Osten und Süden für eine hohe, stellenweise sogar für eine sehr hohe Waldbrandgefahr (Stufe 4 bis 5, siehe Abbildung 3). Fast landesweit kam es deshalb in den letzten Tagen bereits zu kleineren Wald-, Moor- oder Flächenbränden. Viele Gemeinden sagten sicherheitshalber ihre traditionellen Osterfeuer ab und am gestrigen Dienstag kam es im Nordosten sogar zu Staubstürmen mit teils massiven Auswirkungen im Straßenverkehr.

In den kommenden Tagen kann man zum Glück überall auf Regen hoffen. Vor allem im Westen und Südwesten kommen durch schauerartig verstärkte Niederschläge bis zum Montag vielfach zwischen 10 und 40 mm zusammen, aber auch im von der Trockenheit geplagten Osten fällt etwas Regen (siehe Abbildung 4). Dort ist dieser aber mancherorts aber wieder nur der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2019

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Neues Unheil für Mosambik

Für uns Meteorologen verliefen die vergangenen Tage bei der Deutschlandwettervorhersage sehr ruhig und man mag glauben, dass wir unseren Dienst sorgenfrei leisten konnten. Dem ist aber leider nicht so. In Zusammenarbeit mit dem „Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum“ in Bonn wird vonseiten des Deutschen Wetterdienstes weltweit die aktuelle Wetterlage beobachtet, um auf potentiell gefährliche Wetterentwicklungen frühzeitig hinweisen zu können. Diese Information wird dann in der Folge an diverse Hilfsorganisationen weitergeleitet. Von daher gibt es Tage, an denen man bei der Erstellung einer Wettervorhersage weiß, dass die zu erwartende Wetterlage der dortigen Bevölkerung Leid und Zerstörung bringen wird. Dies war bei der Vorbereitung der Vorhersage für IDAI der Fall und ist es leider auch heute.

Nachdem Anfang/Mitte März der verheerende tropische Zyklon IDAI im Umfeld der Küstenstadt „Beira“ an Land ging, sind die Folgen bis heute noch kaum zu überschauen. Neben den horrenden Sachschäden und der sehr hohen Zahl an Verletzten und Toten sind die längerfristigen Folgen in der Wirtschaft aber auch mit Blick auf die gesundheitlichen Folgen wie Seuchen noch überhaupt nicht abzuschätzen. Dabei war IDAI aber nur der „prominenteste“ tropische Zyklon, der es in die weltweiten Medien geschafft hat. Bevor wir jedoch näher auf die aktuelle Lage eingehen, wollen wir kurz auf die bisherige
Tropensturmsaison im südwestlichen Indischen Ozean schauen.

In dieser Region erstreckt sich die Tropensturmsaison statistisch von Mitte November bis Ende April. Verlief sie in den vergangenen Jahren mit Blick auf die Anzahl von Tropenstürmen normal, so sieht es in dieser Saison anders aus. Sie war die bisher schadensträchtigste sowie die zweitaktivste Saison seit 1967. Bisher wurden im
südwestlichen Indischen Ozean 13 tropische Stürme (durchschnittlich 9) und 9 tropische Zyklone (durchschnittlich 5) beobachtet. Auch der Blick auf die bisher gemeldete Zahl an Todesopfern lässt diese Saison auf den 3. Platz vorrücken, wobei IDAI ganz klar die Hauptschuld für die hohe Zahl an Todesopfern zuzuschreiben ist. Dabei verlief die Saison insofern noch glimpflich (wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt sagen darf), da sich der Großteil der Zyklone weit abseits von jeglicher Landmasse über dem Indischen Ozean als sogenannte „Fischstürme“ austobten.
Zusammengefasst haben wir es in diesem Jahr also mit einer sehr aktiven Saison zu tun, die scheinbar aktuell noch kein Ende finden will.

Wir Meteorologen schauen seit einigen Tagen mit Sorgenfalten auf ein Gebiet nördlich von Madagaskar, wo es kräftig brodelt. Wiederholt entwickelten sich hochreichende Gewitterwolken, die sich immer weiter verstärken und ausdehnen konnten. Das aktuelle Satellitenbild ist dem Thema des Tages beigefügt [siehe Grafik a)]. Die Gründe für die Entwicklung solcher tropischer Stürme wurden in vergangenen Themen des Tages bereits oft dargestellt und können auch im Wetterlexikon des Deutschen Wetterdienstes nachgelesen werden (siehe Link unter dem Thema des Tages). Kurz zusammengefasst organisieren sich die Gewitter im Verlauf ihrer Entwicklung zu großen Gewitterkomplexen, die dem Einfluss der Corioliskraft folgend beginnen, sich um ein Zentrum zu drehen. Dabei muss ausreichend warmes Wasser vorhanden und die Luft feucht genug sein, damit diese Gewitterkomplexe nicht in sich zusammenfallen. Ist auch noch die vertikale Windscherung, also die Zunahme des Windes mit der Höhe sehr gering, dann steht einer Intensivierung nichts mehr im Weg.

Das aktuelle Satellitenbild zeigt bereits ein gut organisiertes System nördlich von Madagaskar, das über ausreichend hohe
Wassertemperaturen von 28 bis 30 Grad zieht. Zudem ist die
Windscherung sehr gering. Diese Bedingungen bleiben auch in den kommenden Tagen vorherrschend. Somit ist bei der zu erwartenden Westverlagerung eine fortwährende Intensivierung zu einem tropischen Zyklon mit mittleren Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 km/h zu erwarten. Die Böen können dabei sogar noch deutlich höher als der Mittelwind ausfallen, wie in Grafik c) zu sehen ist (Daten vom Europäischen Wettermodell). Aus heutiger Sicht dürfte der Sturm im Verlauf des Freitags im Nordosten von Mosambik auf Land treffen und dann wie IDAI unter geringer Verlagerungsgeschwindigkeit entweder ins Landesinnere driften oder im Küstenumfeld verbleiben. Egal welche Lösung eintrifft, es muss in diesen Regionen mit extremen Regenfällen [Grafik b)], im Küstenumfeld auch mit Orkanböen gerechnet werden. Natürlich sind die Zugbahnvorhersagen noch mit Unsicherheiten behaftet, doch zeigen die unterschiedlichen Wettermodelle dieses Szenario bereits seit Tagen beständig. Leider liegt u.a. die Hafenstadt „Pemba“ mit mehr als 200 000 Einwohnern im unmittelbaren Gefahrenbereich.

Daher macht sich bei der Vorbereitung dieser Vorhersagen ein ungutes Gefühl in der Magengegend breit, denn die Gefahr einer erneuten Katastrophe ist leider aus aktueller Sicht real und womöglich imminent.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2019

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Spanisches Osterfest fällt ins Wasser

Die diesjährige Ostereiersuche fand in Deutschland unter
Hochdruckeinfluss bei viel Sonnenschein und für die Jahreszeit außergewöhnlich milden Temperaturen statt. Die Station
Rheinau-Memprechtshofen (Baden-Württemberg) konnte am gestrigen Ostersonntag mit einem Höchstwert von 26,9 Grad Celsius fast sogar die 27-Grad-Marke knacken. Auch am heutigen Ostermontag kann das Thermometer am Rhein nochmals Werte von bis zu 27 Grad messen. Unter Hochdruckeinfluss gestaltet sich das Wettergeschehen sehr ruhig. Ganz ungefährlich ist das aktuelle Wetter jedoch nicht, wie man bereits in den Themen des Tages der vergangenen Tage lesen konnte. In der durchaus bereits kräftigen Frühjahrssonne kann man sich schnell einen Sonnenbrand holen. Zudem besteht aufgrund der anhaltenden Trockenheit eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Im Land der Sonne und der Tapas sah das Wetter am diesjährigen Osterfest jedoch ganz anders aus: Besonders an der Ostküste Spaniens war es keine gute Idee, die Ostereier im Freien zu verstecken. Dort kam es in den vergangenen Tagen wiederholt zu kräftigen Schauern und Gewittern. Auch die vielen traditionellen Prozessionen, die in der ?Semana Santa? (heilige Osterwoche in Spanien) stattfinden, mussten zum Teil dem anhaltenden Regen und stürmischem Wind trotzen.

Bereits Mitte der vergangenen Woche tropfte ein sogenanntes Höhentief, also ein Tief, das sich lediglich in höheren
atmosphärischen Luftschichten abbildet, über dem nahen
Nordostatlantik ab. Angereichert mit kalter Höhenluft zog dieses Höhentief über Portugal hinweg, um sich recht stationär am Wochenende über Andalusien und Marokko einzunisten. Von dort griffen wiederholt schauerartiger Regen und teils kräftige Gewitter mit Starkregen auf die Ostküste Spaniens über.

Dabei traten bereits am vergangenen Mittwoch und Donnerstag in Spanien und Portugal, aber auch im Norden Marokkos recht verbreitet 10 bis 25 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden auf, örtlich lagen die Niederschlagsmengen in der Osthälfte Spaniens sogar über 70 Liter. Am Wochenende zogen dann immer wieder kräftige Schauer und Gewitter entlang Ostküste sowie im angrenzenden Binnenland von Andalusien nordwärts in Richtung Katalonien und brachten dabei sogar 24-stündige Niederschlagssummen von bis zu 100 Litern pro Quadratmeter.

Akkumuliert man die Niederschlagssummen von Donnerstag bis heute Früh (Ostermontag, 22. April, 08 Uhr MESZ) so kamen in den Provinzen Murcia, Albacete und Valencia in der Fläche Niederschlagssummen von über 100 Liter pro Quadratmeter in drei Tagen zusammen, punktuell sogar über 200 Liter. Den Höhepunkt der Niederschlagstätigkeit bildete wohl ein kräftiger Gewitterkomplex, der in der vergangenen Nacht nördlich von Alicante über die Hafenstadt Xàbia hinweg zog und dort für Starkregen bis in den extremen Unwetterbereich führte. Innerhalb von nur 3 Stunden wurden an der gleichnamigen Wetterstation 143 Liter pro Quadratmeter registriert, über 9 Stunden summierten sich die Regenfälle sogar auf 254 Liter pro Quadratmeter auf. Aber auch nahe liegende Stationen wie Barx (165 Liter pro Quadratmeter) und Oliva (143,5 Liter pro Quadratmeter) konnten sintflutartige Regenfälle verzeichnen. In der Folge kam es zu Überschwemmungen, teilweise auch zu Stromausfällen.

Am heutigen Ostermontag verlagert sich das Höhentief über das westliche Mittelmeer nordostwärts und zieht in der Nacht zum Dienstag unter Abschwächung über die Ballearen hinweg. Während heute an der Ostküste Spaniens nochmals Schauer und einzelne Gewitter auftreten können, lassen die Niederschläge dort dann in der Nacht zum Dienstag und am Dienstag vorübergehend nach. Allerdings befindet sich bereits schon heute das nächste Höhentief auf dem Weg zur iberischen Halbinsel, das neue Regenfälle für die Region bringt.

Aber nicht nur in Spanien werden weitere Niederschläge erwartet. Ab heute greifen feucht-warme Luftmassen auch zunehmend auf
Südfrankreich, Korsika und Italien über und sorgen dort dann ebenfalls für kräftige und teils länger anhaltende Niederschläge. Ab Dienstagmorgen setzten die Regenfälle dann auch im Südstau der Alpen ein und summieren sich in den Folgetagen bis Freitag auf Mengen von 100 bis 200 Liter pro Quadratmeter auf. Punktuell sind dort auch deutlich größere Niederschlagsmengen von 300 Liter pro Quadratmeter denkbar.

In Deutschland sind Niederschläge in diesen Tagen eine Seltenheit. So macht sich an einigen Orten bereits wieder eine ausgeprägte Trockenheit bemerkbar. Etwas Linderung versprechen in dieser Woche zeitweise Schauer und Gewitter, die über die Westhälfte hinweg ziehen werden. In der Fläche kommen dabei bis Freitag 5 bis 15 Liter pro Quadratmeter, punktuell vielleicht bis 25 Liter zusammen. Im Südosten und Osten Deutschlands wird die Trockenheit voraussichtlich jedoch weiterhin anhalten.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2019

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Die Krux mit „gutem“ und „schlechtem“ Wetter

Am diesjährigen Osterfest legt sich der Frühling ganz schön ins Zeug: Strahlender Sonnenschein von früh bis spät, kaum ein Wölkchen am Himmel und Temperaturen über 20, teils sogar über 25 Grad. Schönstes Wetter also, das kaum besser sein könnte… Oder?

Zumindest in den Medien werden sonnige, warme und trockene Aussichten immerzu als fantastisches Wetter hochgepriesen. Und ein Großteil der Bevölkerung ? schaut man sich allein im persönlichen Umfeld um ? sieht das wohl genauso. Und doch erreichen uns immer wieder Zuschriften, die sich über diese Pauschalisierung beschweren. Für die sonniges, trockenes und warmes Wetter also keineswegs „schön“ ist, sondern die sich vielmehr über kühlere Temperaturen oder auch Landregen freuen würden.

Es ist also sehr subjektiv, was als „gutes“ und was als „schlechtes“ Wetter angesehen wird. Da unsere Gesellschaft stark
freizeitorientiert lebt, ist die Sichtweise auf das Wetter
dahingehend geprägt. Am Wochenende soll doch bitte die Sonne scheinen, am besten bei T-Shirt-tauglichen Temperaturen. Und regnen darf es dann gerne nachts.

Vor allem für Gartenbesitzer und ältere Menschen, aber z.B. auch für Allergiker oder Beschäftigte im Straßenbau sind Hitze und Trockenheit kein Vergnügen. Und ihnen gehen (zu Recht) die Lobgesänge von Moderatoren über das „herrliche Osterwetter“ (oder über den vergangenen „Super-Sommer“ 2018) auf die Nerven. So wie die guten Feierabendwünsche im Radio pünktlich um 17 Uhr allen Schichtdienern ein Gräuel sind.

Aber es wäre anmaßend, nur mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen. Und ganz ehrlich: Auch die Autorin freut sich heute noch auf ein paar Stündchen Sonnenschein nach Feierabend. Auch wenn wir Meteorologen stets versuchen eine neutrale Position zu kommunizieren, gelingt dies zugegebenermaßen nicht immer. Wir sind eben nicht „nur“ Meteorologen, sondern auch Hobbygärtner, passionierte Draußensportler oder Gewitterjäger- jeder mit seinem persönlichen Lieblingswetter.

Und so rutschen dem einen oder anderen dann im „Thema des Tages“ oder im Facebook-Post doch mal wertende Ausdrücke wie „tollstes
Wochenendwetter“ oder „endlich Sommertemperaturen!“ heraus. An dieser Stelle also ein großes „Entschuldigung“, falls wir doch mal in die „Floskel-Falle“ tappen. Wir sollten viel öfter mutig sein und nicht auf den Mainstream „Sommer-Sonne-Schönwetter-Zug“ aufspringen. Oder um es mit den Worten der Autorins Großmutter zu sagen: „Lieber aus der Rolle fallen als in die Falle zu rollen“ 🙂

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2019

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