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Thema des Tages

Hat der Sommer schon ausgedient?

Nach den wiederholten Hitzeperioden seit Juni hat sich das Wetter bzw. die Temperatur nun auf ein für Mitteleuropa und für die Jahreszeit übliches Niveau begeben. Da werden schon Rufe laut, dass es das nun wohl gewesen sei mit dem Sommer 2019. Muss es aber nicht!

Tageshöchsttemperaturen von 19 bis 26 Grad erwarten uns in den nächsten Tagen in den meisten Teilen Deutschlands. Diese Temperaturen können als mäßig-warm bis warm eingestuft werden. Eine kleine Ausnahme davon gibt es am morgigen Sonntag, wenn es in der
Südosthälfte mit Höchstwerten von 25 bis 33 Grad zum Teil heiß wird. Eine längere Hitzephase steht aber nicht an, zudem gehen die Hundstage, also die aus statistischer Sicht heißesten Tage des Jahres, am kommenden Freitag (23.08.2019) zu Ende. Und prompt ist natürlich zu vernehmen, dass der Sommer (bzw. sommerliches Wetter) nun wohl vorbei ist. Aber ist das wirklich so?

Die Vergangenheit lehrt, dass das nicht sein muss, selbst wenn am 01.09.2019 für die Meteorologen der Herbst beginnt.
Tageshöchsttemperaturen von 25 Grad oder mehr (nach meteorologischer Definition ein Sommertag) sind bis weit in den Oktober möglich (siehe dazu die rote Kurve in der Grafik mit den Tageshöchsttemperaturen von Juni bis Oktober in Deutschland unter
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/8/17.html). Sogar 30 Grad oder mehr (nach meteorologischer Definition ein heißer Tag) kann es noch bis Anfang Oktober geben!

Ein Rückschluss bzw. eine Extrapolation des aktuellen Wetters auf die Witterung in den nächsten Wochen ist nach derzeitigem
wissenschaftlichen Stand nicht möglich. So gab es beispielsweise Mitte Juli 2019 bereits eine etwas kühlere Phase (siehe blaue Linie in der Grafik), der eine extrem heiße Periode mit Rekordwerten Ende Juli folgte. Gleiches ist auch in diesem Monat noch denkbar. Sollten die Temperaturen zum Monatsende wieder rekordverdächtig werden, so könnten immer noch 34 bis 38 Grad erreicht werden!

Darüber hinaus tritt im ersten Herbstmonat September häufig der „Altweibersommer“ auf. Dabei handelt es sich um eine beständige Hochdruckwetterlage über Mitteleuropa, die sich hauptsächlich Mitte September bis Anfang Oktober ausbildet und sommerliche Temperaturen bringt. Höchsttemperaturen um 30 Grad sind dabei keine Seltenheit. Die Nächte werden aufgrund abnehmender Tageslänge allerdings meist schon frischer und abends kühlt es sich schneller ab.

Zu guter Letzt gibt es im Verlauf des zweiten Herbstmonats oft noch einen „Goldenen Oktober“. Tageshöchsttemperaturen im sommerlichen Bereich von 25 bis 28 Grad locken dann zu Aktivitäten in den herbstlich bunten Wäldern.
Heiße Tage kommen dann allerdings wahrscheinlich nicht mehr vor (es sei denn, es werden neue Rekorde aufgestellt).

Der Sommer muss also noch lange nicht ausgedient haben, auch längere Hitzewellen sind noch gut möglich. Allen Unkenrufen zum Trotz haben einzelne Modelle für das übernächste Wochenende tatsächlich einen deutlichen Temperaturanstieg im Programm. Zwar ist die Vorhersage noch sehr unsicher, wenn es aber so kommt, dann würde es mit Tageshöchsttemperaturen über 30 Grad wieder heiß hergehen und der Sommer 2019 noch einmal zeigen, was er kann.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.08.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Thema des Tages

Wochenendwetter

Am Montag wurde das Wetter der sich dem Ende entgegen neigenden Woche näher beleuchtet. Heute blicken wir auf das bevorstehende Wochenende.

Nach einer durchwachsenen Woche mit eher verhaltenen Temperaturen, dafür aber hier und da dringend benötigtem Regen, steht nun das Wochenende vor der Tür. Noch sind in einigen Bundesländern Ferien und viele Mitbürger haben am Wochenende frei und wollen dieses in der Natur verbringen. Eigentlich keine schlechte Idee, wenn da nicht das Wetter wäre.

Dieses Wochenende wird nämlich geprägt von einem Tief mit Zentrum über dem Nordatlantik bzw. nahe den Britischen Inseln und seinen Ausläufern, die uns ab Samstagmorgen erreichen. Hochdruckgebiete über dem Osten und Südosten Europas halten sich zurück und so verwandelt das recht kräftige Tief „BERND“, mit einem Kerndruck von 985 hPa, das Wochenende in Deutschland in ein „Kuschelwochenende“.

Am Samstag ist es in der Südosthälfte zunächst noch freundlich, später nehmen die Wolken zu und im Süden kann es etwas regnen, im Osten bleibt es aber weitgehend trocken. Die Höchstwerte liegen dazu zwischen 25 und 28 Grad. In der Nordwesthälfte macht sich die Kaltfront des Tiefs bemerkbar mit dichten Wolken und wiederholtem, im Norden auch länger anhaltendem Regen. Dort erreicht die Temperatur nur noch 20 bis 25 Grad. Mit der Front frischt auch der Südwind spürbar auf und erreicht vor allem in den Mittelgebirgslagen und an der Nordseeküste starke bis stürmische Böen (7 bis 8 Bft).

Da die Front fast parallel in der Höhenströmung liegt, kommt sie nur wenig südostwärts voran und beginnt sich zu „wellen“. So verlagert sich auch der Regen in der Nacht zum Sonntag nur sehr wenig. Durch die wellende Struktur wird er erst weniger, verstärkt sich in der zweiten Nachthälfte aber wieder und erfasst dann auch Gebiete über der Mitte und dem Osten Deutschlands. Trocken bleibt es
voraussichtlich nur noch südlich der Donau und östlich von Havel und Schwarzer Elster. Bei mäßigem bis frischem Süd- bis Südwestwind geht die Temperatur auf 17 bis 12 Grad zurück.

Der Sonntag eignet sich im Großteil Deutschlands für ausgiebiges Ausschlafen oder andere Aktivitäten drinnen. Es dominieren Wolken, die sich erst im Laufe des Abends etwas auflockern. Dazu fällt immer wieder Regen, teils schauerartig verstärkt und im zentralen Mittelgebirgsraum unter Umständen auch von Blitz und Donner begleitet. Nur im Süden zeigt sich die Sonne häufiger und es ist lange Zeit trocken, bevor dort am Abend teils kräftige Schauer und Gewitter niedergehen können. Die Temperatur erreicht in der Nordwesthälfte verbreitet 20 bis 25 Grad, in der Südosthälfte werden noch einmal sommerliche 26 bis 32 Grad erwartet, wobei die höchsten Werte südlich der Donau zu finden sein werden. Der Wind weht weiterhin mäßig bis stark aus Südwest bis West mit gebietsweise steifen Böen (7 Bft), über der Mitte und an den Küsten sowie im Bergland stürmischen oder Sturmböen (8 bis 9 Bft).

In der Nacht zum Montag verlagert sich der schauerartige und teils gewittrige Regen in die Südosthälfte, im Norden gibt es nur noch einzelne Schauer. Im übrigen Bundesgebiet ist die zweite Nachthälfte trocken und oft auch klar. Stellenweise kann sich zum Morgen hin Nebel bilden. Dabei kühlt es an den Küsten und unter den dichten Wolken auf 16 oder 15 Grad ab, sonst werden Tiefstwerte zwischen 9 und 14 Grad erwartet. Der Wind weht an der Nordseeküste und in den Bergen weiterhin stark, teils stürmisch, lässt sonst aber nach.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.08.2019

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Waldbrände in Griechenland und kaum Regen in Sicht

Waldbrände in Griechenland und auf Zypern. Wenig Niederschlag im August und zeitweise stärkere Winde sorgten für einen guten Nährboden für eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Im August will der Sommer in Deutschland noch nicht so richtig auf Touren kommen. Meist überwiegt bisher ein unbeständiger
Wettercharakter. Dabei sind die Temperaturen im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990 im Deutschlandmittel zwar noch deutlich zu warm (+2,2 Grad), bei der Sonnenausbeute hinkt dieser Monat aber seinen Vorgängern hinterher (verbreitet noch unter 50%). Dafür scheint der August bezüglich des Niederschlags zumindest in der Südhälfte sowie im Nordseeumfeld auf Normalniveau oder sogar etwas zu feucht auszufallen (dort bisher um oder über 50% des
Monatsniederschlags). Dagegen hält im Osten die Trockenheit an (0 bis 35%). Vor allem im Oderumfeld ist bisher nur ein kleiner Bruchteil des typischen Augustniederschlags gefallen (um 1%).

Analog zu den derzeitigen Wetterbedingungen bzw. der
Niederschlagsverteilung verhält sich in Deutschland auch die Waldbrandgefahrenlage. Lediglich im trockenen Osten besteht eine mittlere bis hohe, in Brandenburg teils auch eine sehr hohe Waldbrandgefahr. Ansonsten überwiegt die niedrigste Stufe (vgl. www.dwd.de/waldbrand).

Anders sieht es in Griechenland aus. Dort ist in den frühen Morgenstunden des 13. August 2019 auf der Insel „Evia (Euböa)“ in Zentralgriechenland ein großer Waldbrand ausgebrochen. Neben diesem sind zudem weitere kleinere Brände in dem Urlaubsland am Lodern. Aufgrund der Größe und der Gefahrenlage wurde durch den griechischen Zivilschutz noch am 13. August für die Insel „Evia“ der Notstand ausgerufen. Hunderte Menschen mussten schon evakuiert werden. Wegen der starken Rauchbildung konnten Löschflugzeuge nur begrenzt eingesetzt werden.

Aus Wettersicht war der Juli in Griechenland im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990 zwar normal „nass“, im August sorgte jedoch eine Dürreperiode vielerorts für einen guten Nährboden für Brände. Derzeit liegt Griechenland bei recht schwachen
Luftdruckgegensätzen westlich einer Tiefdruckzone, die sich von der Ukraine über das Schwarze Meer und die Türkei hinweg bis ins östliche Mittelmeer erstreckt. Entsprechend wehen bodennah meist schwache bis mäßige Winde aus nördlichen Richtungen. Aus diesem Grund konnten die Rauschschwaden des brennenden Pinienwaldes bis in die 90 km entfernte Hauptstadt Athen gelangen. „Teilweise ging Asche wie Schneeflocken nieder“, sagten Augenzeugen dem lokalen Rundfunk (www.spiegel.de).

Da zudem ein kleinräumiges Tief im Norden Griechenlands zunehmend seine Finger im Spiel hat, sind vom heutigen Donnerstag bis einschließlich Samstag vor allem in der Osthälfte Griechenlands dichtere Wolken unterwegs, die hier und da auch ein paar Tropfen bringen. Größere Niederschläge, die die Waldbrände deutlich einbremsen würden, sind jedoch nicht in Sicht. Ab Sonntag soll nach derzeitigen Berechnungen von Westen her sogar ein Hoch
wetterbestimmend werden, sodass die Niederschlagsneigung wieder abnimmt. Zudem frischt der Nordwind auf der Vorderseite des hohen Luftdrucks an der Ostküste Griechenlands ab dem Wochenende spürbar auf.

Demnach sollten die Wetterbedingungen bis zum Wochenende kaum Einfluss auf die Brände nehmen, aufgrund der aber eher schwächeren Winde und evtl. geringen Niederschläge sind zumindest keine Verschlechterungen zu erwarten. Mit dem auffrischenden Wind ab dem Wochenende könnte sich die Gefahrenlage jedoch wieder etwas verschlechtern.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.08.2019

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Fastnet-Tragödie vor 40 Jahren – Heute vermeidbar?

Heute vor 40 Jahren überraschte ein Orkan die Teilnehmer der berühmten Fastnet-Regatta. Es war die größte Katastrophe des Segelsports. Hätte sie mit der heutigen Wettervorhersage verhindert werden können?

Die Fastnet-Regatta ist eine der berühmtesten Segelregatten der Welt. Alle zwei Jahre bildet sie im August den Höhepunkt der Cowes Week auf der Isle of Wight. Dann segelt die weltweite Segelelite über mehrere Tage 608 Seemeilen entlang der Südwestküste Englands, vorbei an Lands End, zu einem kleinen Felsen an der Südwestecke von Irland, dem Fastnet-Rock, anschließend geht es zurück nach Plymouth.

1979 endete diese Regatta in der schlimmsten Tragödie im Segelsport, als die teilnehmenden Yachten nach etwa 60 bis 72 Stunden in der Nacht vom 13. auf den 14. August im Bereich der Keltischen See südlich Irlands von einem überaus heftigen Sturm erfasst wurden. Dabei kamen besonders auf den kleineren Yachten 15 Segler und 3 Seenotretter ums Leben.

Dieses Desaster ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen, insbesondere aber auf eine unzureichende Wettervorhersage. Damalige Modellvorhersagen hatten ein Sturmtief ungenügend erfasst, das besonders schnell über den Nordatlantik zog und sich erst im Bereich Irlands explosionsartig vertiefte. Ohne entsprechende Warnungen gerieten die Regatta-Teilnehmer in ein Windfeld, das mit Orkanböen die See zu haushohen Wellen aufpeitschte. Zusätzlich entstanden Kreuzseen infolge
Windrichtungsänderungen bei Durchzug des Tiefs.

Am Beispiel dieser fatalen Wettersituation sollen die Verbesserungen in der Wettervorhersage während der letzten 40 Jahren veranschaulicht werden. Dazu wurde auf Grundlage des erst kürzlich veröffentlichten Reanalysedatensatzes ERA5 des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW), der einen globalen Analysedatensatz des Zustands der Atmosphäre während der letzten Dekaden bereithält und ursprünglich vor allem für die Klimaforschung erstellt wurde, mit der aktuellen Version des ICON, dem globalen Wettervorhersagemodell des DWD, die damalige Wetterentwicklung neu simuliert. Der Focus liegt auf der Frage, ob auf der Basis der heutigen Wettervorhersagen die
Wettfahrtleitung der Fastnet-Regatta in der Lage gewesen wäre, das Rennen noch vor Beginn abzusagen oder im Verlauf so anzupassen, dass die Teilnehmer den Durchzug des Orkans
in sicheren Häfen hätten erleben können. Es geht also letztlich darum, inwieweit die Präzision heutiger Wettervorhersagen Segelregatten auch über einen längeren Zeitraum sicherer machen.

Stark vereinfacht ausgedrückt lässt sich die Wettervorhersage in zwei Bestandteile aufteilen. Das ist zum einen der Anfangszustand (Analyse) und zum anderen die Entwicklung weg vom Anfangszustand (Wettermodell). Beide Gebiete haben in den vergangenen 40 Jahren eine
starke Entwicklung durchlaufen. Im Bereich der Analyse hat z.B. die Gewinnung raum-zeitlich hochaufgelöster Satellitendaten kombiniert mit neuen Methoden und Verfahren, diese Daten aufzubereiten, z.B. 4D-Var, in die Wetterprognose von heute Einzug erhalten. Im Jahre 1979 fand eine Analyse weitestgehend auf der Grundlage von vergleichsweise spärlichen Daten aus Bodenwettermeldungen ergänzt durch Messungen von Flugzeugen und Radiosonden statt. Ähnlich groß ist die Diskrepanz zwischen den Wettermodellen von damals und heute. Das den Meteorologen vom Britischen Wetterdienst 1979 zur Verfügung stehende Octagon rechnete entsprechend der technischen Gegebenheiten damals mit einem horizontalen
Gitterpunktsabstand von 300 km auf 10 Schichten in der Vertikalen und bis zu 72 Stunden in die Zukunft.
Anders heute, wo das ICON zum einen mit einem horizontalen
Gitterpunktsabstand von 13 km auf 90 Schichten für 265 Mio. Gitterpunkte global eine Vielzahl von Parametern bis zu 180 Stunden in die Zukunft berechnet, zum anderen auch die nicht direkt zu berechnenden Prozesse der Atmosphäre, z.B. Strahlung und Niederschlag, durch feinere Parametriesierungsverfahren in der Simulation berücksichtigt. Das Ergebnis einer „Nach-Vorhersage“ der historischen Wetterlage des Fastnet-Sturms ist in der Abbildung zu sehen. Diese zeigt den ICON-Lauf vom 11.08.79 00 UTC. Abgebildet ist die 72h-Prognose für den 14.08.79 00UTC des Bodendrucks sowie des Mittelwinds in 10 m Höhe
gelblich eingefärbt für relevante Teilbereiche des Fastnet-Sturms (LY). Der ICON-Lauf prognostiziert zu diesem Zeitpunkt einen schweren Sturm mit Kerndruck von 981 hPa dicht südwestlich Irlands und einen Mittelwind von bis zu 50 Knoten an der Südflanke des Tiefs. Ein solches Modellergebnis hätte am Morgen des 11.08.79 den Meteorologen vorgelegen, also noch vor Auslaufen des Regattafeldes, und einen qualitativ signifikanten Hinweis auf die sich entwickelnde schwere Sturmlage gegeben. Die Wettfahrtleitung sowie Regattateilnehmer wären
informiert und hätten ihr Vorgehen mit großem zeitlichen Vorlauf anpassen können.

Unter Einbeziehung von Satellitendaten findet eine vergleichbare Prognose einer solchen Entwicklung heutzutage noch genauer statt. Zudem hat die probabilistische Betrachtung mittelfristiger Wetterberatungen Einzug erhalten, so dass etwaige Prognoseunsicherheiten von
Meteorologen/innen besser abgeschätzt werden können.

Dipl.-Met. Tobias Schaaf & Dipl.-Met. Reinhard Strüfing Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.08.2019

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Die Trockenheit ist nicht vorüber

Im heutigen Tagesthema geht es um die anhaltende Trockenheit in Bezug auf den bisherigen Sommer, das bisherige Jahr und den Vergleich mit 2018.

In den vergangenen 24 h sind in Südbayern zum Teil 30 bis 45 Liter pro Quadratmeter (l/qm) Regen gefallen. Auch sonst haben die letzten Wochen dem Süden und Teilen der Mitte Deutschlands einiges an Regen gebracht. Da kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass es mit der Trockenheit gar nicht mehr so schlimm ist. Diese Annahme ist allerdings nicht richtig.

Natürlich stimmt es, dass die Niederschläge der vergangenen Wochen die Situation im Süden des Landes zum Teil entspannt haben. Ganz anders sieht es aber in Teilen der Mitte und insbesondere in der Nordhälfte aus. Schaut man auf den aktuellen Dürremonitor vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ), so erkennt man, dass in einigen Regionen der Boden außergewöhnlich trocken ist und dies nicht nur in den obersten 25 cm, sondern vor allem hinab bis in 1.8 m Tiefe. Diese Analyse deckt sich auch mit denen von der Agrarabteilung des DWD.
Gleichzeitig ist die Waldbrandgefahr vor allem in den östlichen Landesteilen hoch bis sehr hoch. Von den Landwirten gibt es Klagen über Ernteverluste und einem Mangel an Futtermittel für die Tiere. Aus den Städten und Wäldern kommen teils dramatische Berichte über das Baumsterben, das zu einem großen Teil auch auf die Trockenheit zurückzuführen ist, die schon seit 2018 anhält.

Auch die Messwerte sowohl aus dem Bodenstationsnetz des DWD, als auch abgeleitet vom Wetterradar zeigen, dass sich die Trockenheit von der Mitte bis in den Norden in einigen Regionen fortsetzt. So ist seit Monatsbeginn mancherorts kaum oder noch gar kein Niederschlag gefallen. Beispielhaft sei Potsdam genannt, wo bisher nur 0.6 l/qm zu Buche stehen.

Schaut man auf die bisherige Jahreszeitenbilanz, dann bestätigt sich, dass sich die Trockenheit durch den gesamten bisherigen Sommer zieht. In Cottbus in Brandenburg gab es seit dem 01.06.2019 nur 50.9 l/qm, in Hoyerswerda in Sachsen waren es 52.3 l/qm, in Naumburg in Sachsen-Anhalt 58.4 l/qm, in Artern in Thüringen 61.1 l/qm, in Sonnefeld in Bayern 55.6 l/qm. Aber auch in den anderen Bundesländern (Bayern und Baden-Württemberg ausgenommen) lassen sich Stationen mit ähnlich niedrigen Mengen finden.

Nun mag man anführen, dass die niedrigen Summen auch der
klimatologischen Lage der betroffenen Regionen geschuldet ist. Aber auch das lässt sich widerlegen, wenn man die Mengen mit den klimatologischen Mittelwerten vergleicht. In allen Bundesländern gibt es größere Defizite, die auch bis Ende August nicht mehr aufgeholt werden können. In Sachsen-Anhalt und Sachsen wurde im Flächenmittel bisher noch nicht einmal 50 % vom langjährigen Sommermittel erreicht. Und selbst im vergleichsweise nassesten Bundesland
(Baden-Württemberg) waren es im Sommer 2019 bisher nur 74 %.

Geht man noch einen Schritt weiter und betrachtet den gefallenen Niederschlag seit Jahresbeginn, dann zeigt sich ein ähnliches Bild. Vergleicht man die klimatologisch zu erwartenden Niederschlagssummen bis zum heutigen Tag mit den bisher gefallenen Mengen, so bewegen wir uns im Flächenschnitt ebenfalls bei nur 50 bis 60 %. Den wenigsten Niederschlag gab es in Nordthüringen (z.B. Artern: 208.4 l/qm seit 01.01.2019). Das größte Niederschlagsdefizit herrscht in Schleswig (SH, 32.8 %), Neu-Ulrichstein (HE, 36.5 %) und Wangerooge (37.3 %). Diese breite Verteilung bestätigt zudem, dass die Trockenheit nicht nur ein lokales Phänomen ist.

Nun kann man noch einen Vergleich mit dem Jahr 2018 anführen. Betrachtet man nur den Sommer (Jun-Aug), so war 2018 im
Deutschlandflächenmittel sogar noch etwas trockener (2018: 54 %, 2019 (bisher): 57%). Schaut man auf das Gesamtjahr, so wird man
feststellen, dass das bisherige diesjährige Niederschlagsdefizit noch weitaus größer ist, als vergangenes Jahr (Deutschlandflächenmittel 2018 Gesamtjahr: 76 %; 2019 bisher: 54 %). Das heißt im Umkehrschluss auch, dass in den verbleibenden vier Monaten noch einiges an Niederschlag fallen muss, damit 2019 deutschlandweit betrachtet nicht noch trockener als 2018 ausfällt.

Zu guter Letzt sei noch zu erwähnen, dass die oben getroffenen Aussagen die allgemeine Situation darstellen. Da einige Niederschläge Schauern und Gewittern geschuldet sind, kann es lokal große Unterschiede sowohl in den trockenen, als auch in den weniger trockenen Gebieten geben. Mancherorts ist die Situation in Bezug auf fp1Trockenheit und Dürre entsprechend noch (deutlich) angespannter, während es andernorts nicht ganz so schlimm wie 2018 ausschaut.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.08.2019

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