DWD -> WARNLAGEBERICHT für Deutschland –

VHDL30 DWOG 201800
Warnlagebericht für Deutschland
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Sonntag, 20.10.2019, 21:00 Uhr

In den Alpen noch bis Montag früh Föhn. Im Westen gebietsweise Dauerregen, Tendenz im Laufe der Nacht nachlassend.

Entwicklung der Wetter- und Warnlage für die nächsten 24 Stunden bis Montag, 21.10.2019, 21:00 Uhr:

Ein Tiefausläufer liegt diagonal von Südwest nach Nordost orientiert über Deutschland. Er trennt gealterte Warmluft im Südosten von kühlerer Meeresluft im Nordwesten. Ab Wochenanfang steigt der Luftdruck allmählich, so dass der Einfluss des Tiefausläufers nachlässt.

STURM:
In den Alpen bis Montag früh andauernder Südföhn mit Sturmböen 8-9 Bft (65-80 km/h) auf den Gipfeln bzw. steifen Böen 7 Bft (um 55 km/h) in anfälligen Föhntälern. In exponierten Hochlagen auch schwere Sturmböen 10 Bft oder orkanartige Böen 11 Bft nicht gänzlich ausgeschlossen, auf deutscher Seite aber eher unwahrscheinlich.

DAUERREGEN:
Bis in die erste Nachthälfte zum Montag hinein im Westen länger anhaltende Regenfälle. Dabei bevorzugt zwischen Saar, Hunsrück und Eifel gebietsweise Mengen um 30 l/qm, kleinräumig auch nahe 50 l/qm in 24 Stunden (Unwetter).
Im Lauf des Montages nachlassend.

NEBEL:
In der Nacht zum Montag im Südosten stellenweise Nebel, Sichtweiten teils unter 150 m.

Nächste Aktualisierung: spätestens Montag, 21.10.2019, 05:00 Uhr

Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Stefan Külzer

DWD -> Wochenvorhersage WETTERGEFAHREN Deutschland –

Wochenvorhersage WETTERGEFAHREN Deutschland

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Sonntag, 20.10.2019, 21:00 Uhr

Abgesehen von Südföhn an den Alpen ruhiges Hochdruckwetter.

Entwicklung der WETTER- und GEFAHRENLAGE
bis Dienstag, 22.10.2019, 24:00 Uhr

Am Montag an den Alpen anfangs noch (schwere) Sturmböen auf den Gipfeln und starke bis stürmische Böen in anfälligen Föhntälern.

Am Dienstag keine signifikanten Wetterereignisse.

Weitere Entwicklung der WETTER- und GEFAHRENLAGE
bis Donnerstag, 24.10.2019

Am Mittwoch und Donnerstag werden keine signifikanten
Wetterereignisse erwartet.

Ausblick bis Samstag, 26.10.2019

Am Freitag und Samstag werden keine signifikanten Wetterereignisse erwartet.

Nächste Aktualisierung: spätestens Montag, 21.10.2019, 05:00 Uhr

DWD/VBZ Offenbach

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 20.10.2019 um 10.30 UTC

Bestes Bergwetter! Ansonsten Nebellotterie und meist trocken.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 27.10.2019

Zunächst soll ein Blick auf den stratosphärischen Polarwirbel geworfen werden,
der aktuell für diese Jahreszeit zonale Windgeschwindigkeiten aufweist, die nahe
am oberen Ende des bisher beobachteten liegen. Allerdings deuten u.a. die GEFS
Member recht einheitlich Ende Oktober eine Abschwächung auf normale bis leicht
unterdurchschnittliche Werte an (besonders vom Nordostpazifik über Kanada bis
nach Grönland). Davon abgesehen liegt das Zentrum des Wirbels in der
Stratosphäre aktuell recht zentriert über dem Pol und „flattert“ in der Folge in
Richtung Ostsibirische See bzw. Laptewsee (ein in der Findung des Wirbels nicht
ungewöhnlicher dynamischer Prozess). Daran gekoppelt fällt auch in der
mittleren/oberen Troposphäre das Geopotential zwischen der Karasee und der
Laptewsee. Peripher erhöhte Baroklinität sorgt von Island über Nordskandinavien
bis nach Russland die Mittelfrist über für eine rege Tiefdruckaktivität. Mit dem
Abdriften des Wirbels und einer absinkenden AO/NAO in negative Gefilde deutet
sich ein stark mäandrierendes Strömungsmuster im nordamerikanisch/kanadischen
und teils auch europäischen Raum an.
Komplexer wird das Bild durch die erneut in der Mittelfrist vorhandenen
„high-latitude“ Blockadelagen und der daraus resultierenden positiven
Geopotentialanomalien über Grönland und zum Ende der Mittelfrist besonders über
dem Nordostpazifik/Alaska („phase locked“ mit dem Bereich höchster SST Anomalie
von teils deutlich mehr als 2 Kelvin über dem Nordostpazifik bis zur
Tschuktschensee). Daher verwundert es nicht, dass das Wort „Retrogression“ über
dem Nordatlantik und auch über dem westlichen Europa die Mittelfrist über eine
zunehmende Bedeutung erlangt und das Geopotentialfeld teils sehr komplexe
Vorgänge unterläuft – u.a. zwei versetzte Blockadelagen („Omega“ über Kanada und
Grönland sowie „Hoch-über-Tief“ über Süd- und Mitteleuropa). Zudem etabliert
sich dank zyklonal brechenden Rossby-Wellen über dem Nordatlantik stromab eine
typische Blockadelage, die jedoch den Randbereich dieser Mittelfrist und somit
eher die erweiterte Mittelfrist betrifft.
Zusammengefasst springt einem die Komplexität der zu erwartenden Vorgänge ins
Auge und daher (so viel sei schon mal erwähnt) verwundert eine stetige
Diskrepanz der Modelle innerhalb der Mittelfrist nicht. Das Gute aber zuletzt:
so komplex das Wetter auf dieser Skala erscheint, so ruhig verläuft es in
Deutschland.

Zum Beginn der Mittelfrist, am Mittwoch, etablieren sich die bereits
angesprochenen Druck- und Geopotentialverteilungen über dem Nordatlantik und
über Europa. Ein markanter Höhentrog erstreckt sich von Island bis zu den
Azoren, kommt insgesamt mit seiner Achse kaum nach Osten voran, weist jedoch in
den PV-Feldern einen agilen kurzwelligen Anteil an seiner Südspitze auf, der mit
den subtropischen Luftmassen interagierend in der Folge noch von Interesse sein
wird. Stromab liegt ein Tiefdruckgebiet über Spanien und dem westlichen
Mittelmeer, was jedoch keinen Anschluss an die über Nordwesteuropa liegende
Frontalzone findet und vor Ort „herumirrt“ (dabei jedoch ein „high-impact“
Wetter über Südwesteuropa in Form unwetterartiger Regenfälle/Gewitter bringend).
Wiederum stromab wölbt sich ein Keil dank hochreichender WLA nordwärts in
Richtung Mitteleuropa und östliches Europa auf.
Deutschland befindet sich dabei am westlichen Rand dieses Rückens sowie in einem
breiten Warmsektor (aufgespannt durch die Zyklone über Südwesteuropa). Eine zur
Deutschen Bucht und Benelux abziehende Warmfront dürfte dem Nordwesten noch
dichtere Wolken bringen, bevor sich auch hier die Sonne wie im übrigen Land
durchsetzt. Dank höhenmilder Luft und angedeuteter Absinkinversion werden sich
Feuchtefelder in Form von Nebel/Hochnebel entlang der Flüsse Süddeutschlands
lange bis in den Tag halten (teils bis zum Abend). Die leicht föhnige
Südströmung macht sich auf Alpengipfeln mit Sturmböen bemerkbar, ansonsten weht
der Südostwind nur schwach (und verstärkt nur die hochnebelhaltende Inversion
über Süddeutschland). Die Höchstwerte werden sich im Norden um 17 Grad, im Süden
um 20 Grad einpendeln mit deutlichen (negativen) Abweichungen im Nebel.
In der Nacht zum Donnerstag gibt es keine wesentlichen Änderungen. Vielerorts
bildet sich dichter Nebel (über dem Norden mit einsickernder Nordseeluft gar
eine ausgedehnte Hochnebeldecke) und über der Deutschen Bucht frischt der
Südwind dank der Nähe zur Frontalzone etwas stärker auf. Die Tiefstwerte liegen
zwischen 13 und 6 Grad.

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag ändert sich bei dem genannten
Geopotentialmuster wenig. Erwähnenswert ist, dass sich der kurzwellige Anteil am
Südrand des Troges dank hervorragender barokliner Umgebung zu einem ungewöhnlich
heftigen Azorensturmtief aufbläht. Sein diabatischer Input baut einen Keil
Richtung Portugal auf, was das Tief über Spanien in der Folge etwas nach
Ost/Nordost und somit in Richtung Deutschland drückt. Die östliche
Höhenkeilachse verbleibt über dem östlichen Mitteleuropa bzw. Osteuropa. Seine
Westflanke kann als Schwachstelle angesehen werden und mit der regen
Tiefdruckaktivität über Nordeuropa stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich
im Tagesverlauf eine erste Front nach Deutschland „mogeln“ kann.
Somit erwartet Deutschland vielerorts erneut ein ruhiger und vielerorts sonniger
„Goldener Oktobertag“. Achtung, Einschränkung: Dichte Nebelfelder aus der Nacht
müssen sich erst einmal auflösen (bleiben teils bis zum Abend bestehen) und auch
der Hochnebel im Norden braucht bis weit in den Tag, um sich zu lichten. In der
Nacht verdichten sich die Nebelfelder dann erneut. Auch sonst driften abseits
der Nebelfelder teils ausgedehnte Wolkenfelder vorüber, die an eine Front
gebunden sind, die unter Abschwächung in den Keil reinläuft (große
Modelldiskrepanzen, wie ausgeprägt die frontale Hebung bzw. Bewölkung noch ist).
Ganz im Südwesten könnte es mit etwas Labilisierung und Hebung des
Mittelmeertiefs gar zu einzelnen Schauern reichen. Nach Höchstwerte von 17 bis
23 Grad (mit Föhn lokal auch mehr) werden Tiefstwerte von 13 bis 7 Grad
erwartet. Der Südwind weht auf Alpengipfeln weiterhin föhnig mit Sturmböen,
sonst aber nur schwach bis mäßig aus Süd bis Südost.

Am Freitag wird das Sturmtief über den Azoren zur treibenden Kraft. Dank seiner
kräftigen WLA wird einerseits das Tief über dem westlichen Mittelmeer zunehmend
aufgefüllt (bringt aber dort weiterhin hohes Unwetterpotential), andererseits
findet eine Retrogression des Keils in Richtung zentrales Mitteleuropa statt.
Grundsätzlich beste Voraussetzungen für einen goldenen Oktobertag, wenn nicht
die Frontpassage aus der Nacht wäre. Deren Feuchteeintrag, überlaufen von
höhenmilder Luft und zunehmendem synoptisch-skaligem Absinken könnte vielerorts
eine dichte Hochnebeldecke zur Folge haben, die sich besonders im Nordosten zäh
bis weit in den Tag hälft. IFS ist noch zurückhaltend mit der Frontpassage und
somit mit dem Feuchteinput aus der Nacht heraus, sodass demnach der Freitag
vielerorts sonnig verläuft, aber diese Ausgangslage birgt grundsätzlich
Potential für „negative“ Überraschungen mit Blick auf die Sonnenausbeute.
Abseits des Nebels/Hochnebels wird ein freundlicher bis sonniger Tag erwartet.
In der Nacht verdichtet sich die Nebelfelder, sonst ändert sich an dem
hochdrucklastigen Wetter wenig. Nach Höchstwerte von 16 bis 20 Grad (im
Dauernebel deutlich kälter) liegen die Tiefstwerte bei rund 12 bis 6 Grad mit
den mildesten Werten entlang der Küsten. Der aus überwiegend südlicher Richtung
wehende Wind spielt deutschlandweit keine Rolle.

Am Samstag wandert das Hochdruckgebiet mit seinem Zentrum weiter in Richtung
südliche Nordsee und bildet eine schwache Hochdruckbrücke mit der positiven
Geopotentialanomalie über Grönland aus. Mit dieser Entwicklung würden wir aus
heutiger Sicht im Tagesverlauf auf die Ostflanke des Hochs gelangen und
grundsätzlich wäre dieser Schritt einer in Richtung „peripher Nordwest“,
„kälter“ und „wechselhafter“. Allerdings liegen hier noch erhebliche
Diskrepanzen vor bezüglich der Druckverteilung über dem Nordatlantik und der
daraus resultierenden Entwicklung stromab, sodass dieser Vorhersagezeitraum noch
als unsicher einzustufen ist.
Folgen wir dem Fahrplan des letzten IFS-Laufs, dann würde auch der Samstag und
die Nacht zum Sonntag zumeist störungsfrei verlaufen, wenngleich im Verlauf der
Nacht mit Annäherung einer Kaltfront aus Nord mit zunehmender Bewölkung und
einzelnen Schauern zu rechnen wäre. Ansonsten dauert sowohl am Tag wie auch in
der Nacht das Wechselspiel aus Sonne/Sternen und Nebel-/Hochnebelfeldern an. Die
Höchstwerte liegen zwischen 14 und 20 Grad, die Tiefstwerte zwischen 12 und 5
Grad (das „im Nebel kälter“ spare ich mir in der Folge) und der allmählich auf
Südwest drehende Wind spielt abseits einzelner Böen im Küstenumfeld keine große
Rolle.

Bleibt noch kurz der Sonntag zu erwähnen, wo sich KLA gestützt ein üppiges
Bodenhoch vor Südnorwegen aufblähen und seine Fühler bis nach Deutschland
strecken soll. Der Süden und Westen werden zudem noch vom Höhenkeil tangiert,
während der Nordosten eher zyklonal geprägt daherkommt. Die Kaltfront aus der
Nacht kommt nur noch mit Mühe südwärts voran, bringt im Osten einzelne Schauer,
sonst aber vor allem viel Hochnebel, während präfrontal im Süden die
Nebel-/Sonnenlotterie weitergeht. Postfrontal gehen die Höchstwerte auf rund 13
Grad zurück und liegen sonst weiterhin im milden Bereich zwischen 15 und 19
Grad. Einzelne postfrontale Windböen im Küstenumfeld vernachlässigend ist
weiterhin mit keinem nennenswerten Wind zu rechnen.

Fazit: Bestes Wetter in den Bergen, lästige Nebellotterie im Tiefland und
durchweg trocken (abgesehen von einzelnen Schauern).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Eine blockierende Wetterlage wird durch eine recht homogene
Geopotentialverteilung innerhalb der vergangenen IFS-Läufe gestützt.
Erwähnenswert ist vielleicht, dass die westliche Peripherie des Keils über
Deutschland bis Freitag von Lauf zu Lauf etwas schwächer gerechnet wird, was die
Wahrscheinlichkeit für schwache Frontpassagen (besonders in Form von Bewölkung
und Hochnebel) erhöht. Mit einer retrograden Keilverlagerung vom östlichen
Mitteleuropa nach Deutschland nimmt die Unsicherheit zum kommenden Wochenende
wieder ab.

Die Mittelfrist über muss weder mit einem erhöhten Sturmpotential noch mit
nennenswertem Niederschlag gerechnet werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Freitag stimmt die Numerik recht gut mit der von IFS
gezeigten Entwicklung überein.
Diese Aussage beschränkt sich jedoch nur auf Mitteleuropa, denn über dem
Nordatlantik sieht es aus wie „Kraut und Rüben“. Die Modelle scheinen mit der
Retrogression der Rossby-Welle vor Grönland/Island ihre Probleme zu haben.
Erschwert wird das Ganze noch durch die Interaktion dieses Troges mit
subtropischen Luftmassen, sodass die daraus hervorgehende Zyklogenese
unterschiedlich berechnet wird. Da stromab gelegen, erreichen uns diese
Modelldiskrepanzen per „downstream development“ am Wochenende. U.a. wird die von
IFS proklamierte Höhenhochlage über Deutschland weder von ICON noch von GFS
gestützt (dort eher im Randbereich gelegen). Entsprechend zyklonaler wäre das
Wetter, entsprechend weniger nordwestanfällig wäre dann allerdings auch die
erweiterte Mittelfrist (eher Fortdauer mit einer Trogvorderseite).

Die Unsicherheiten nehmen also besonders zum Wochenende deutlich zu und erlauben
einem nur eine grobe Tendenz bezüglich der Entwicklung zu äußern.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Meteogramme in Deutschland zeigen ein stabiles Temperaturniveau mit einer
engen Memberschar (die in Nebelgebieten wie der Donau naturgemäß zunimmt) und
deuten im Norden zum Ende mit einer größeren Streuung die mögliche
Kaltfrontpassage an.
Eine ähnlich enge Bündelung findet bei den 850 hPa und 500 hPa Rauchfahnen (T
und p) statt, wobei besonders im Norden eine schwache Frontpassage mit einer
vorübergehenden Spreizung der Memberschar angedeutet wird.

Die Clusteranalyse zeigt zum Beginn der Mittelfrist am Mittwoch drei Cluster
(noch positive NAO) mit unbedeutenden Diskrepanzen für Deutschland.
In der Folge wechseln mehr und mehr Cluster in das klimat. Regime „Blockade“ und
bei maximaler Anzahl wird die Komplexität der Entwicklung der Geopotentialfelder
hervorgehoben. Bis Freitag bleiben wir dank der direkten Nähe zum Höhenhoch von
den meisten Unsicherheiten noch verschont, doch spätestens zum Wochenende wirken
sich die Unsicherheiten über dem Nordatlantik auch auf die Lage des
blockierenden Hochs über Mittel-/Westeuropa aus. Mit dem Kontroll- und det. Lauf
im ersten und zweiten Cluster verwundert die Tendenz zu einer nordwestlichen
Strömung wenig, doch zeigen das die restlichen Cluster nicht. Die geometrischen
Diskrepanzen wirken sich auch auf mögliche Frontpassagen über Deutschland aus,
die zwar aus dynamischer Sicht nicht „die Bringer“ sein werden, aber
entscheidend bei der Nebellotterie eingreifen können.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von einem leicht positiven Ausschlag bei den Temperaturwerten deuten
auch der EFI sowie alle weiteren probabilistischen Verfahren eine ruhige
Mittelfrist an.

STURMBÖEN:
Bis Donnerstag treten auf Alpengipfeln wiederholt föhnbedingt Sturmböen aus Süd
auf.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS und (modifizierte) MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 200800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 20.10.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Sz
Im Westen Dauerregen, vereinzelt Gewitter. An den Alpen Föhn. Zu Beginn der
kommenden Woche unter zunehmendem Hochdruckeinfluss Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… zeigt der allseits bekannte Langwellentrog westlich und nördlich von
uns Abtropftendenzen in Richtung Iberische Halbinsel. Während sich das Wetter
zunächst also noch in „Täglich grüßt das Murmeltier“-Manier wechselhaft mit
zeitweiligen Regenfällen gestaltet, wird durch den Abtropfprozess und einer
kompensierenden Aufwölbung eines Rückens weiter östlich davon ein
Großwetterlagenwechsel von Sz zu SWa herbeigeführt, von dem auch Deutschland
„profitieren“ sollte.
Zunächst aber resultiert aus der aktuellen Konstellation am heutigen Sonntag mit
dem LWT eine südwestliche Strömung, die von der Iberischen Halbinsel über
Deutschland und Polen bis nach Russland reicht und die über Frankreich bereits
leicht antizyklonal konturiert ist. In der südwestlichen Strömung eingebettet
ist die Frontalzone. Im Langwellentrog ist über der Nordsee ein Drehzentrum
auszumachen, dass dort das Tief THILO stützt. Allerdings verrät die
achsensenkrechte Exposition, dass dieses Bodentief kaum noch Entwicklungschancen
hat. Indes hat durch den Abtropfprozess über Südfrankreich und Nordspanien eine
Zyklogenese eingesetzt, die heute früh mit einem neuen Bodentief namens URBAN
mit einem Kerndruck nahe 1000 hPa quittiert wurde. Dieses Tief zieht im
Tagesverlauf vom Süden Frankreichs in die Mitte des Landes unserer Nachbarn.
Beide Tiefdruckgebieten sind mit einem Frontensystem verbunden, das in
Südwest-Nordost-Erstreckung quer über Deutschland liegt und schauerartige
Regenfälle bringt. Im Tagesverlauf wird die Frontalzone bzw. das Frontensystem
durch den von Frankreich hereinziehenden antizyklonalen Anteil etwas
aufgesteilt, wobei das Frontsystem marginal nach Nordwesten gedrückt wird. Trotz
der antizyklonalen Konfiguration in der Höhe wird Hebung generiert, die zum
einen aus PVA auf der Vorderseite des Abtropfprozesses im Südteil des LWT rührt,
zum anderen aber auch durch WLA unterstützt wird. Frontogenetisch lässt sich
also eine Verstärkung feststellen, sodass im Westen und Nordwesten länger
andauernde Regenfälle zu erwarten sind. Im Westen geben die Ensembles mehr oder
weniger deutliche Hinweise für warnwürdigen Dauerregen mit Mengen von mehr als
30 mm in 24 Stunden, weshalb eine entsprechende Warnung vom Saarland bis zur
Eifel ausgegeben wurde. ICON-EU EPS hat im Vergleich zu gestern sogar noch
einmal aufgesattelt und zeigt Hinweise für unwetterartige Regenmengen, steht mit
dieser Lösung aber alleine da. Eventuell kommt auch noch eine Erweiterung der
Warnung für das Bergische Land infrage, wurden mit den neusten Modellläufen die
Regenmengen dort ein wenig heraufgesetzt. Zudem stellt sich noch die Frage, ob
die Hebung für Gewitter ausreicht? Die Konvektionsparameter sprechen eher
dagegen, da im Niederschlagsgebiet nur niedrige Lapse Rates (unter -0,5 K/100 m)
vorhanden sind und die zur Verfügung stehende Energie gering ist (MU CAPE 100
bis 200 J/kg). Dennoch könnte insbesondere am Südrand des Niederschlagsgebietes
im Grenzbereich zu etwas besseren konvektiven Bedingungen mal ein Blitz oder
Donner dabei sein.
Darüber hinaus bewirkt die Südwestströmung in den Alpen Föhn. Auch wenn der Wind
bisher unter den Erwartungen blieb, sind bei einer Druckdifferenz von zeitweise
bis zu 8 hPa zwischen Innsbruck und Bozen immer noch einzelne orkanartige Böen
um 115 km/h (Bft 11) in exponierten Lagen, ansonsten auf den Gipfeln schwere
Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) zu erwarten. In anfälligen Föhntälern können
Sturmböen zwischen 65 und 80 km/h (Bft 8 bis 9) auftreten, im angrenzenden
Vorland vereinzelt starke Böen bis 60 km/h (Bft 7).
Ansonsten gibt der Gradient anders als am gestrigen Samstag in den Höhenlagen
kaum noch warnwürdige Böen her.
Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass außerhalb der Regengebiete zeitweise
die Sonne scheint. Am häufigsten ist sie ganz im Osten und im Südosten zu sehen.
Die Höchsttemperaturen liegen im Nordwesten unter den Regenwolken nur bei 13 bis
17 Grad, während es sonst 17 bis 23 Grad warm wird. Föhnunterstützt wird im
Alpenvorland erneut ein Sommertag mit Temperaturen über 25 Grad in Angriff
genommen.

In der Nacht zum Montag macht der Abtropfprozess weiter Fortschritte, das
resultierende Cut-Off-Tief verliert jedoch noch nicht vollständig die Verbindung
zum Trogresiduum über Skandinavien. Am Boden füllt sich Tief THILO über der
Nordsee auf, da es durch das abziehende Trogresiduum keine dynamische
Unterstützung mehr aus der Höhe erfährt. Tief URBAN hingegen wird mit einem um
den Cut-Off herumlaufenden und zum Ärmelkanal ziehenden schwachen Randtrog nach
Nordfrankreich bzw. Belgien geführt. Das nun in Okklusion befindliche
Frontensystem des Tiefs bleibt damit über Deutschlands erhalten, wobei die
Warmfront/Okklusion ein wenig nach Norden weiterzieht, während von Westen und
Südwesten die Kaltfront nachrückt. Weitere Regenfälle im Norden und neue
Niederschläge im Westen bzw. Südwesten sind die Folge. Allerdings nehmen auch
die dynamischen Impulse bzw. die Hebung ab, weil erstens die WLA nach Norden
herauszieht und zweitens die Kaltfront von KLA überlaufen wird. Die
resultierenden Niederschläge mit Mengen zwischen 3 und 15 mm in der Fläche
erweisen sich als nicht mehr warnwürdig. Im Norden werden in einem Bereich von
Bremen über Hamburg bis nach Lübeck von der deutschen Modellkette bis zu 20 mm
in 12 Stunden angeboten, was nach derzeitigen Erkenntnissen aber ebenfalls keine
Warnung notwendig macht.
Der Föhn an den Alpen hält noch an, zeigt bei abnehmender Druckdifferenz von nur
noch 6 hPa jedoch bereits leichte Schwächeerscheinungen.
Nach Osten und Südosten zu gibt es zeitweise Auflockerungen und gebietsweise
wieder Nebel mit Sichtweiten von zum Teil unter 150 m.
Die Temperaturen sinken unter den meist vielen Wolken nur auf 13 bis 7 Grad.

Montag… Am Montag wird der Cut-Off-Prozess vollzogen. Der neue Cut-Off
positioniert sich dann über der Iberischen Halbinsel. Der schwache Randtrog über
dem Ärmelkanal zieht zur Nordsee weiter und ist abends nur noch als kleines
Höhentief zu erkennen. Allerdings sorgt es für ein Vorankommen des Tiefs URBAN
in die Ostsee, sodass die Okklusion bzw. die Warmfront nach Norden herausziehen
und die Kaltfront sich in die Mitte Deutschlands verlagert. Im Norden gibt es
daher Regenfälle (3 bis 10 mm, in Nordfriesland örtlich auch mehr). Entlang der
Kaltfront werden im Nordteil nur schwache Niederschläge (1 bis 3 mm, KLA)
gerechnet, im Süden aber etwas stärkere Signale ausgegeben. Dort kommt noch
einmal schwache Hebung auf, die aus der diffluenten Vorderseite des Cut-Offs
hauptsächlich aus PVA induziert wird. Regenmengen zwischen 3 und 8 mm, örtlich
auch um 10 mm sind die Folge. Elektrische Aktivität bleibt den Modellen zufolge
aus, zumal die Ingredienzien alles andere als gut sind (keine Energie, keine
Labilität).
Zwischen den Regengebieten scheint zuweilen die Sonne, vorhandene Restfeuchte
lässt aber keinen allzu großen Spielraum für längere heitere Abschnitte.
Der Föhn an den Alpen bricht spätestens am Abend ein, ansonsten spielt der Wind
bei einer nur noch flachen Druckverteilung keine Rolle mehr.
Die Temperaturen steigen auf 11 bis 19 Grad, im Osten und Südosten vor der
Kaltfront auf 17 bis 23 Grad. Im Berchtesgadener Land kann föhnbedingt noch
einmal ein Sommertag mit Höchsttemperaturen knapp über 25 Grad vorkommen.

In der Nacht zum Dienstag wölbt sich vom zentralen Mittelmeer ausgehend ein
Rücken über Deutschland auf, sodass der Druck steigt. Über der Mitte
Deutschlands bildet sich dann eine neue Hochzelle, die das Absinken verstärkt.
Die noch über der Mitte Deutschlands liegende Kaltfront wird dadurch
frontolytisch und die Niederschläge von den Modellen mehr und mehr
zurückgerechnet. Allerdings sorgt die noch vorhandene Restfeuchte für viele
Wolken und gebietsweise Nebel. Ein paar mehr Auflockerungen sind nach Norden hin
zu verzeichnen, wo die Luftmasse schon abtrocknet. Die Tiefsttemperaturen liegen
zwischen 11 und 6 Grad.

Dienstag… wölbt sich der Rücken weiter auf, sodass das neue Hoch weiter
gestärkt wird und Niederschläge fast nicht mehr zu verzeichnen sind. Am ehesten
könnte im Norden – die Betonung liegt auf könnte – ein aus dem Nordteil des
Cut-Offs über der Iberischen Halbinsel herauslaufender und zur Nordsee ziehender
Troganteil ein paar Tropfen bringen. Zumeist verläuft der Tag jedoch trocken mit
zeitweiligem Sonnenschein bei Höchsttemperaturen von 13 Grad in der Eifel bis 20
Grad im Südostbayern.

In der Nacht zum Mittwoch dominiert das neue Hoch und die Auflockerungen nehmen
zu. Allerdings werden durch die immer noch vorhandene Restfeuchte des ehemaligen
Frontenzugs bei deutlicher absinkender Temperatur als in den Vornächten vermehrt
Nebelfelder ausgelöst. Etwas ausgenommen davon scheint nur das Ostseeumfeld zu
sein. Die Temperatur sinkt auf 10 Grad an der See, sonst auf 9 bis 4 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren die anstehende Wetterlage ähnlich. Kleinere Unterschiede
vor allem bei den Niederschlägen wurden im obigen Teil angesprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler

DWD -> WARNLAGEBERICHT für Deutschland –

VHDL30 DWOG 200800
Warnlagebericht für Deutschland
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Sonntag, 20.10.2019, 11:00 Uhr

In den Alpen Föhn. Im Westen gebietsweise Dauerregen, vereinzelt Gewitter.

Entwicklung der Wetter- und Warnlage für die nächsten 24 Stunden bis Montag, 21.10.2019, 11:00 Uhr:

Die Ausläufer eines Tiefs über der Nordsee liegen in
Südwest-Nordost-Erstreckung quer über Deutschlands. Sie trennen feuchtmilde Luft im Südosten von kühlerer Luft im Nordwesten. Zum Wochenanfang steigt der Druck allmählich, sodass der
Tiefdruckeinfluss nachlässt.

STURM:
Föhn in den Alpen mit einzelnen orkanartigen Böen um 115 km/h (Bft 11) in exponierten Lagen, ansonsten auf den Gipfeln schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10). Vor allem in anfälligen Föhntälern Sturmböen zwischen 65 und 80 km/h (Bft 8 bis 9), im angrenzenden Vorland vereinzelt starke Böen bis 60 km/h (Bft 7). Bis in den Montag hinein noch anhaltender Föhn.

DAUERREGEN:
Bis in die Nacht zum Montag hinein im Westen länger anhaltende Regenfälle, dabei bevorzugt zwischen Saar, Hunsrück und Eifel gebietsweise Mengen um 30 l/qm in 24 Stunden.

GEWITTER:
Im Westen in den Dauerregen eingelagerte Gewitter nicht ganz ausgeschlossen.

NEBEL:
In der Nacht zum Montag im Südosten erneut gebietsweise Nebel mit Sichtweiten unter 150 m.

Nächste Aktualisierung: spätestens Sonntag, 20.10.2019, 16:00 Uhr

Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Simon Trippler