#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Sonntag, den 01.11.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 01.11.2026 um 10.30 UTC
Ruhiges Herbstwetter mit nächtlicher Nebelproblematik, dazu gebietsweise leicht
frostig. Im Süden in den Hochlagen anfangs stark böiger Ostwind.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 08.11.2026
Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag dominiert der hohe Luftdruck einer
hoch reichenden Antizyklone über der Nordsee das Wettergeschehen. Der
Schwerpunkt des Systems liegt dabei sowohl niedertroposphärisch als auch in
höheren Luftschichten über der nördlichen Nordsee, von dort weißt jeweils ein
Keil nach Südosten, der dem Norden über 1035 hPa, großen Teilen des übrigen
Landes über 1030 hPa beschert. Der Keil kräftigt sich allmählich, so dass eine
alternde, in Auflösung befindliche Front, die grob von West nach Ost über der
Mitte Deutschlands orientiert ist, allenfalls noch am Vormittag einige Tropfen
Regen bringen kann. Der Nachtmittag wie auch die Nacht zum Donnerstag sollten
dann trocken verlaufen. Die höchsten Sonnenanteile werden in der Nähe des Hochs,
also im Norden und Nordwesten erwartet. An der Südflanke des Hochs stellt sich
eine östliche bis nordöstliche Strömung ein, die insbesondere in der Südhälfte
zeitweise etwas lebhafter ausfallen und auf den Bergen Böen Bft 7, auf
exponierten Gipfeln (z. B. Feldberg im Schwarzwald, Großer Arber) auch Böen Bft
8 bis 9 bringen kann. Bei 850er Temperaturen von -1 bis 3 Grad sollten sich die
Höchstwerte zwischen 5 und 11 Grad einpendeln, nachts sinken die Werte dann auf
3 bis -2 Grad, wobei Frost vor allem in Aufklarungsgebieten des Nordens und in
ungünstigen Mittelgebirgslagen der Mitte und des Südens ein Thema werden kann,
Nebel dagegen tritt vorzugsweise im Nordosten im Bereich der Divergenzachse des
Hochs auf.
Am Donnerstag bleiben uns sowohl das Boden- wie auch das Höhenhoch erhalten.
Dabei kann aber beidseitig, also auf der Nordost- wie auf der Südwestflanke des
sich immer meridionaler ausrichtenden Hochs in 850 hPa etwas mildere Luft
einsickern (18 UTC etwa 4 bis 6 Grad in 850 hPa). Letzteres geschieht auf der
Vorderseite eines markanten Langwellentroges, der am Donnerstagabend von der
Biskaya ins westliche Mittelmeer weist und über der Biskaya selbst mit einem
veritablen Höhentief aufwarten kann. Dessen Hebungsgebiete erreichen uns aber
nicht, so dass ein trockener und zeitweise auch sonniger Tag ins Haus steht. Das
ist zumindest die Sichtweise von MOSMIX, letztendlich wird es auf die Frage
hinauslaufen, ob sich eventueller Nebel oder hochnebelartige Bewölkung auflösen
kann oder nicht. Die Erwärmung in 850 hPa greift nicht bis zum Boden durch, so
dass die Temperaturmaxima auf Vortagsniveau erwartet werden. Nachts liegen die
Werte dagegen mit 3 bis -3 Grad etwas tiefer (vor allem dehnen sich nach den
Modellen die Frostgebiete aus), was wohl aber nur bei entsprechender
Ausstrahlung – und wenn sich kein Nebel bildet – wirklich gelingt. Der
aufweichende Gradient dimmt auch den Wind im Süden herunter, Warnwürdig geht es
allenfalls auf den höchsten Gipfeln zu.
Am Freitag wird das Hoch vor allem über der Nordsee abgebaut, was auch dem dort
herrschenden Geopotentialrückgang geschuldet ist. Im Bodendruckfeld bleibt in
der Nacht zum Samstag ein abgeschlossenes 1030er Hoch über Polen übrig. Dieser
Druckfall eröffnet dem Biskaya-Langwellentrog die Möglichkeit, nach Nordosten
auszugreifen. Das entsprechende Höhentief schlägt ausgangs der Nacht in der
westlichen Normandie auf, die inzwischen über die Schweiz hinweg zur nördlichen
Adria weisende Trogachse kommt deutlich näher. Trotzdem soll es auch in der
Nacht noch trocken bleiben. Ohne Luftmassenwechsel gibt es auch keine
durchgreifenden Änderungen bei den Temperaturen, täglichen Maxima von 5 bis 10
Grad stehen nachts Minima von 3 bis -3 Grad gegenüber. Der Wind ist meist
schwach, somit steht er auch der gebietsweisen Nebelbildung nicht im Wege.
Am Samstag und Sonntag zieht das Höhentief dann aus Sicht des deterministischen
Laufs von IFS an der Küste nach Nordwesten. Calais, Ostende, Den Haag und Den
Helder heißen die Stationen, bevor es über die Deutsche Bucht hinweg am Sonntag
in Richtung des dänischen Aarhus geht. Im niedertroposphärischen Gepäck befindet
sich ein kleinräumiges, nicht allzu kräftiges Tief, das spätestens ab der Nacht
zum Sonntag von Westen her wechselhafteres Wetter mit gebietsweise zumeist
leichten Regenfällen bringt. Dabei sinken die 850er Temperaturen auch wieder auf
Werte um oder knapp unter 0 Grad, Schnee soll aber nicht dabei sein, und an
dieser Stelle sei schon darauf hingewiesen, dass die Modellunterschiede dann
(genau genommen schon ab Freitag) sehr groß werden. So will ICON gar nichts von
Niederschlag wissen und lässt das Höhentief in einem weiten Bogen westlich (!)
an Irland vorbei in Richtung Schottland ziehen. Mit anderen Worten: Man ist sich
einig darüber, dass man sich nicht einig ist – mal sehen in welche Richtung es
geht.
Trend für die erweiterte Mittelfrist: Es ist noch nichts entschieden.
Fazit: Blockierung bis zum Freitag, dann wechseln die Modelle in Richtung
Unvorhersagbarkeit. Die Prognoseunterschiede nehmen rasch zu, am kommenden
Wochenende erwarten uns nach jetzigem Stand teils sogar völlig gegenläufige
Lösungsvorschläge. Wer Regen will, setzt auf IFS deterministisch. Wer ruhiges
Wetter will, setzt auf ICON. Wer’s wirklich wissen will, der wartet ab.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis in den Freitag hinein herrscht zwischen dem aktuellen IFS-Lauf und den
Vorläufen weitgehend Einigkeit, wenngleich sich schon kleinere, aber durchaus
nicht außergewöhnliche Unterschiede zeigen. Im weiteren Verlauf aber steigen die
Unterschiede deutlich an. Der gestrige 00-UTC-Lauf favorisierte für die Zugbahn
des Biskaya-Höhentiefs einen Nordkurs in Richtung Irland, eine Lösung, die mit
der aktuellen von ICON eine gewisse Ähnlichkeit aufweist.
Aber auch der aktuelle Lauf und sein unmittelbarer Vorlauf von gestern um 12 UTC
schlagen ab Samstagnachmittag deutlich unterschiedliche Wege ein. Nach dem
gestrigen Lauf verharrt das Höhentief bis Sonntagmorgen im Bereich des
Ärmelkanals, um dann nach Ost-Südosten und somit im weiteren Verlauf auch nach
Südwestdeutschland vorzurücken. Der aktuelle Lauf lässt das Höhentief dagegen –
wie oben beschrieben – als Variante drei nach Dänemark ziehen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis in die Nacht zum Donnerstag herrscht zwischen den Modellen weitgehend
Einigkeit. Danach fällt beim Höhentief über der Biskaya auf, dass die
Lösungsvorschläge deutlich unterschiedlich aufgestellt sind. Lauf GFS soll das
Höhentief nach Osten in Richtung Zentralfrankreich ziehen und sich dort in der
Nacht zum Samstag auflösen. Dagegen lässt ICON (oben schon angedeutet und
ähnlich wie AROME) das Höhentief nach Norden in Richtung Irland ziehen, von dort
soll es dann weiter Kurs auf Schottland nehmen. Nach der deterministischen
IFS-Lösung zielt das Höhentief in Richtung Dänemark.
Die Unterschiede bilden sich natürlich auch beim Blick auf die hochreichende
Antizyklone über der Nordsee ab. Während diese am Samstag bei GFS noch als
abgeschlossenes System in den Karten zu finden ist, weist bei ICON nur noch ein
Höhenkeil von Süden zur Nordsee, bei IFS dagegen von Süden her nach
Zentralpolen. Laut AROME dagegen sollen weite Teile Südwest- Süd- und
Mitteleuropas unter einem flachen Höhenrücken liegen. Die Geopotentialmuster
sind somit nicht nur unterschiedlich, vielmehr muss teilweise von gegenläufigen
Lösungen gesprochen werden.
Eine verlässliche Prognose ist zum jetzigen Zeitpunkt somit ab Freitag,
spätestens jedoch ab Samstag nicht mehr möglich.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusterung der IFS-Ensembles liefert im Zeitraum +72 bis +96 Stunden zwar 3
Cluster (24, 16 und 11 Mitglieder), diese liegen aber alle durchweg in der
Blockierungslage und somit unterstreicht auch die Clusterung den vorherrschenden
Hochdruckeinfluss.
Dies setzt sich auch im Zeitfenster +120 bis +168 Stunden fort. Wiederum werden
3 Cluster angeboten, die beiden größten (26 und 15 Mitglieder) liegen wiederum
durchweg in der Blockierung. Nur der mit 10 Mitgliedern kleinste Cluster
wechselt zum Ende in die Kategorie „Atlantischer Rücken“. Der deterministische
Kontrolllauf ist dabei in Cluster eins zu finden, das in der synoptischen
Übersicht beschriebene kleinräumige Höhentief ist dabei aber nur der südliche
zyklonal geprägte Appendix eines großräumigen Rückens, der zwar an Schärfe und
Kontur einbüßt, der aber großräumig über den bei uns am Wochenende möglichen
kleinräumigen Tiefdruckeinfluss überwiegt. Insofern widersprechen sich die
Blockierung und das Höhentief nicht. Deutlich zyklonaler, auch mit einem
hereinschwenkenden Langwellentrog, deutet der 3te Cluster den Verlauf des
Wochenendes an.
Im weiteren Verlauf deuten der größte und kleinste (22 und 10 member) von drei
Clustern eine wechselhaftere Wetterperiode mit einem Übergang zu positiver NAO
an, der mittlere (19 member) bleibt stoisch bei der Blockierung. Auf jeden Fall
nimmt die Zonalität in allen Lösungsvorschlägen zu, auch bei Cluster zwei, der
nur eine schwach ausgeprägte Blockierung aufweist.
Die Rauchfahnen des IFS-Ensembles zeigen für Offenbach bis zum Freitag hohes
Geopotential bei geringer Schwankung wie auch geringer Streuung. Ab Freitag, und
zunehmend am Samstag, sinken Geopotential und T850 bei gleichzeitiger deutlicher
Zunahme der Streuung. Der deterministische Lauf des IFS liegt im Feld der
Ensemblemember ab dem kommenden Wochenende eher im unteren Drittel der
Verteilung. Will heißen: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es am Ende
„besser“ kommt als es IFS-deterministisch heute vermutet.
Die GFS-Ensembles stützen die Sichtweise der IFS-Ensembles, insbesondere auch im
Hinblick auf die zunehmende Streuung ab dem kommenden Wochenende.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI:
Der EFI zeigt schwache Signale für signifikant unter dem Klimamittel liegende
Temperaturen.
COSMO-LEPS-FROST:
In den Nächten deutet COSMO-LEPS im Süden mit teils hohen Wahrscheinlichkeiten
leichten Frost an. Diese Wahrscheinlichkeiten betragen in den Hochlagen bis zu
100%, ansonsten 40 bis 80% mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten in der Nacht
zum Freitag. Höchstwahrscheinlich frostfrei bleibt es nur in den größeren
Flusstälern des Südwestens. Auch in der Nordhälfte ist lokal mit Frost zu
rechnen.
COSMO-LEPS-WIND:
In den Gipfellagen des Südens am Mittwoch Wahrscheinlichkeiten von bis zu 20%
für stürmische Böen oder Sturmböen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas