#SXEU31 #DWAV270800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Dienstag den 27.10.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 270800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von SWa zu BM/HM
Heute im Nordseeumfeld windig, aber höchstens exponiert stürmische Böen. Auf dem
Brocken abends vorübergehend Sturmböen.
Nach Passage einer schwachen Kaltfront ab Mittwoch ruhiges, zunehmend zu
Nebel/Hochnebel neigendes Hochdruckwetter ohne markante Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag… befindet sich das Vorhersagegebiet im Warmsektor des vom Seegebiet
zwischen Schottland und Island bis zur kommenden Nacht ins Nordmeer ziehenden
Sturmtiefs „NAOMI“. Das Tief hat inzwischen mit einem Kerndruck von unter 955
hPa den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht und weist im Tagesverlauf
vorübergehend zwei Kerne auf, wobei es sich nur langsam auffüllt. Der zugehörige
breite Höhentrog erweist sich aktuell noch als recht progressiv, überquert heute
im Tagesverlauf die Britischen Inseln ostwärts und erreicht abends die westliche
Nordsee, wird dann aber zunehmend durch einen umfangreichen Höhenrücken über
Osteuropa blockiert.
Derweil hat die Warmfront des Sturmtiefs den Großteil des Vorhersagegebietes
ostwärts überquert. Mit der kräftigen WLA hat sich ein Höhenkeil über das
Vorhersagegebiet hinweg nordnordostwärts aufgewölbt, der seinerseits ebenfalls
nur langsam nach Osten vorankommt und abends vom westlichen Mittelmeerraum über
die Alpen Tschechien/Polen bis zum Baltikum reicht. Somit stellt sich über dem
Vorhersagegebiet vorübergehend eine überwiegend antizyklonal konturierte
südwestliche Höhenströmung ein.
Der Höhenkeil stützt eine anfangs noch bis nach Südostdeutschland reichende
Hochdruckbrücke, die sich nur langsam nach Osten zurückzieht und auch
blockierend wirkt auf die Warmfront, die zudem inzwischen schon deutlich an
Wetterwirksamkeit eingebüßt hat. Lediglich in der Nordwesthälfte hat es für
geringe Niederschläge zwischen 0,5 und 3 mm gereicht, sonst fiel höchstens
gebietsweise etwas Nieselregen aus der oft dichten Stratusbewölkung.
Im Warmsektor gelangt aktuell sehr milde maritime Subtropikluft ins
Vorhersagegebiet, bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa auf Werte
zwischen 8 Grad im Norden und 12, vielleicht 13 Grad im Süden/Südwesten. Somit
wird es überall dort, wo etwas Durchmischung gegeben ist bzw. wo sich die Sonne
länger zeigt, sehr mild mit Höchstwerten zwischen 15 und 19 Grad, im südlichen
Oberrheingraben und an den Alpen können auch die 20 Grad knapp überschritten
werden. Aber auch sonst reicht es für zweistellige Maxima zwischen 12 und 16
Grad.
Die Kaltfront von „NAOMI“ hat inzwischen die Britischen Inseln überquert, wird
aber durch den vorgelagerten Höhenkeil eingebremst, kommt über der Nordsee nur
noch langsam nach Osten voran und erreicht erst gegen Abend die Deutsche Bucht
bzw. den äußersten Nordwesten des Landes. Somit bleiben wir nahezu ganztägig im
Warmsektor, und vor allem im Südwesten und Süden trocknet die Luftmasse so weit
ab, dass sich dort länger die Sonne durchsetzen kann, ebenso im Lee einiger
Mittelgebirge, während es im Nordwesten wohl ganztätig bedeckt bleibt. Mit
Annäherung der Kaltfront verschärft sich der Gradient. Im Nordseeumfeld gibt es
im Tagesverlauf steife, an exponierten Küstenabschnitten vorübergehend auch
stürmische Böen aus Süd bis Südwest. Bereits am Nachmittag, wenn das Sturmtief
südöstlich von Island einen Kurs Richtung Norden einschlägt und sich zudem
langsam auffüllt, beginnt der Gradient aber wieder aufzufächern, so dass der
Wind schon vor Kaltfrontpassage dort wieder langsam abnimmt.
Steife bis stürmische Böen gibt es auch in den Kamm- und Gipfellagen einiger
Mittelgebirge. Warnrelevant sind diese aber wohl lediglich auf dem Brocken, wo
es am späten Nachmittag und Abend vorübergehend auch Sturmböen aus Südwest geben
kann.
Die Kaltfrontpassage am Abend im Nordwesten erfolgt dann in einem halbwegs
stabilen Umfeld. Sie weist Anafrontcharakter auf, so dass es erst unmittelbar
postfrontal zu allerdings nicht sonderlich ergiebigen schauerartigen Regenfällen
kommt, die am Abend den Niederrhein, das Emsland und das Nordseeumfeld erfassen.
In der Nacht zum Mittwoch überquert die Kaltfront Deutschland langsam
ostsüdostwärts und erreicht morgens in etwa eine Linie Ostvorpommern-Bodensee.
Die trogvorderseitige PVA wird durch kräftige Kaltluftadvektion teilkompensiert,
somit hat sie bereits an Wetterwirksamkeit eingebüßt. Immerhin reicht es noch
(überwiegend postfrontal) für schauerartige Regenfälle, wobei vor allem von der
Mitte bis in den Nordosten gebietsweise mehr als 5 l/m² zusammenkommen, sonst in
der Regen weniger, im Südwesten kommt vor allem im Lee der Mittelgebirge dagegen
kaum mehr was an.
Postfrontal strömt maritim erwärmte Polarluft (T850 hPa knapp über 0 Grad) ins
Vorhersagegebiet und nach Abzug der Regenfälle lockern die Wolken in der
Nordwesthälfte wieder auf, zumal sich ein Hochdruckgebiet westlich der Biskaya
verstärkt und auf Frankreich übergreift, so dass der Front kräftiger
Druckanstieg folgt.
Der Front folgt der Höhentrog, der morgens mit seiner Achse den äußersten
Westen/Nordwesten des Landes erreicht. In einem insgesamt antizyklonalen Umfeld
und bei einer maximal bis etwa 600 hPa reichenden Labilitätsfläche reicht es
aber auch im Nordseeumfeld kaum mehr für Schauer, geschweige denn für Gewitter.
Auch präfrontal im Südosten bleibt es noch trocken, vor allem im Südosten
Bayerns kann sich Nebel/Hochnebel ausbreiten. In den ostbayerischen
Mittelgebirgen muss stellenweise mit leichtem Frost gerechnet werden. Sonst
bleibt es mit Minima zwischen 9 und 2 Grad (im Nordseeumfeld milder) aber
frostfrei. Der Wind lebt zwar mit Frontpassage etwas auf und dreht von Südwest
auf Nordwest, bleibt aber zumeist unterhalb der Warnschwellen. Lediglich in den
Gipfellagen einiger Mittelgebirge gibt es steife, auf dem Brocken anfangs auch
stürmische Böen.
Mittwoch… wölbt sich vorderseitig eines umfangreichen und langsam nach Osten
vorankommenden Langwellentroges über dem mittleren Nordatlantik durch kräftige
WLA ein breiter Höhenrücken auf und kommt allmählich Richtung Britische Inseln
voran. Der vorgelagerte Höhentrog schwenkt langsam über das Vorhersagegebiet
hinweg ostwärts, wird aber durch von Nordwesten her wieder zunehmende WLA mehr
und mehr „zugeschüttet“ und verliert an Komtur. Auf dessen Rückseite stellt sich
über Deutschland eine antizyklonale nordwestliche Höhenströmung ein.
WLA und der sich nähernde Höhenrücken stützen das kräftige Bodenhoch über
Frankreich, das sich auf über 1030 hPa verstärkt und im Tagesverlauf auch auf
das Vorhersagegebiet ausweitet. Die Kaltfront überquert am Vormittag/Mittag mit
schauerartigen, nach wie vor wenig ergiebigen Regenfällen auch den Südosten des
Landes. Mit der auf Nordwest drehenden Strömung stellt sich an den Alpen
vorübergehend eine Staulage ein, dort gibt es bis zum späteren Abend teils
länger anhaltende Niederschläge, wobei die Schneefallgrenze dann auf unter 1500
m, teilweise auf 1200 m sinkt. Dabei können in Staulagen bis zum späteren Abend
durchaus Mengen zwischen 10 und 15 l/m² fallen, exponiert auch mehr, in höheren
Lagen fallen entsprechend über 10 cm Neuschnee.
Ansonsten beschränken sich die Mengen im Osten und Süden auf lediglich wenige
l/m².
Postfrontal dominiert mit dem kräftigen Druckanstieg Absinken, so dass die
Wolken nach Abklingen die Regenfälle alsbald wieder auflockern. Für schwache
Schauer reicht es mit Trogpassage am ehesten noch im äußersten Norden/Nordosten,
meist bleibt es aber trocken. Vor allem im Westen scheint auch gebietsweise
wieder länger die Sonne.
Ein flacher Bodentrog greift am Nachmittag/Abend auf den Nordwesten über. Dort
werden die Wolken auch durch die wieder zunehmende WLA dann erneut dichter und
gegen Abend kann es im Nordseeumfeld hier und da etwas regnen. Der Wind frischt
vor allem über der offenen Nordsee (Helgoland) am Nachmittag/Abend mit einzelnen
steifen Böen aus West auf. Ansonsten spielt der Wind warntechnisch keine Rolle.
Die Höchsttemperaturen erreichen bei guter Durchmischung und mit etwas Sonne im
Westen/Südwesten milde 12 bis 16 Grad, während unter den noch länger dichten
Wolken im Südosten kaum 10 Grad erreicht werden.
In der Nacht zum Donnerstag wölbt sich der Rücken über den Britischen Inseln
weiter nach Norden auf, so dass wir unterhalb einer nach wie vor antizyklonal
konturierten nordnordwestlichen Höhenströmung verbleiben. Der Schwerpunkt des
Bodenhochs verlagert sich nach Süddeutschland. Der flache Bodentrog an dessen
Nordflanke schwenkt mit bis nahe 600 hPa reichender nahezu feuchtegesättiger
Meeresluft (PPWs über 20 mm) langsam über Nordwest- und Norddeutschland hinweg
ostwärts. Dort bleibt es somit stark bewölkt bis bedeckt und gebietsweise fällt
etwas Regen oder Nieselregen.
In der Mitte und im Süden/Südosten bleibt es dagegen, nachdem die Niederschläge
an den Alpen zum Erliegen gekommen sind, zunächst aufgelockert, teils gering
bewölkt. Innerhalb der inzwischen entkoppelten, recht feuchten Grundschicht
können sich aber vielerorts Nebel- und Hochnebelfelder ausbreiten. Während es in
der Nordwesthälfte unter den dichten Wolken mit Minima zwischen 10 und 5 Grad
recht mild bleibt, kühlt es sonst auf 5 bis 0 Grad ab, in ungünstigen Lagen gibt
es bei länger klarem Himmel leichten Frost.
Donnerstag… kommt der breite Rücken langsam nach Osten voran und erstreckt
sich abends von Südwesteuropa über die Nordsee bis ins Nordmeer. Somit bleiben
wir auf dessen Vorderseite, so dass großräumiges Absinken dominiert. Das
Bodenhoch bleibt mit seinem Schwerpunkt über dem Vorhersagegeiet und kann sich
sogar noch etwas verstärken. Landesweit dominiert entsprechend ruhiges
Hochdruckwetter, wodurch die Grundschichtproblematik in den Fokus der Prognose-
und Warntätigkeit gerät.
Die hochreichend feuchte Luftmasse an der Nordflanke des Hochs über
Norddeutschland kann sich noch etwas nach Süden und Osten vorarbeiten und
trocknet durch das Absinken nur langsam ab. Somit bleibt es vor allem im
Nordosten und Osten meist stark bewölkt, teilweise auch trüb, hier und da fällt
etwas Nieselregen. Die Nebel- und Hochnebelfelder im Süden und Südosten lösen
sich nur zögernd, gebietsweise auch gar nicht auf. Ansonsten scheint aber vor
allem in höheren Lagen Südwest- und Süddeutschlands länger, teilweise auch
durchgehend die Sonne, im Südwesten sollte das auch in den Niederungen der Fall
sein. Auch im Westen/Nordwesten und in der Mitte bekommt die Wolkendecke im
Tagesverlauf größere Lücken.
Mit zunehmender Entkopplung der Grundschicht klappt es natürlich nicht mehr mit
der Durchmischung. Lediglich ganz im Westen werden bei leicht auflebendem
östlichen Wind und mit Sonnenunterstützung gebietsweise um 15 Grad erreicht.
Auch unter den dichten Wolken im Norden/Nordosten bleibt es bei beständiger
Advektion bodennah milder Nordseeluft recht mild mit 12 bis 15 Grad. Dagegen
werden in den Regionen Süddeutschlands, wo sich Nebel bzw. Hochnebel nicht
auflösen, kaum 5 Grad erreicht.
In der Nacht zum Freitag hält sich im Nordosten die kompakte Stratusbewölkung,
aus der hier und da etwas Nieselregen fällt. Ansonsten ist es zunächst teils
aufgelockert bewölkt, teils klar. Rasch bilden bzw. verdichten sich aber Nebel-
und Hochnebelfelder, nur einige Niederungen bleiben davon verschont. Dort, wo es
länger klar bleibt, kann es in ungünstigen Lagen leichten Frost geben, sonst
liegen die Minima meist zwischen 5 und 0 Grad. Im Norden und Osten kühlt es
dagegen aufgrund der beständigen Advektion milderer Nordseeluft lediglich auf 10
bis 6 Grad ab.
Modellvergleich und -einschätzung
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine Modellunterschiede
ableiten. Natürlich gibt es vor allem ab der Nacht zum Donnerstag noch größere
Unsicherheiten, die Verteilung der Nebel- und Hochnebelfelder betreffend, was
entsprechend Auswirkungen auf die Temperaturprognosen hat.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff