#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 10.30 UTC
Turbulenter Sonntag mit schwerem Sturm an der Nordsee. Danach zunächst weiter
wechselhaft, aber zahmer. Ab Wochenmitte zunehmender Hochdruckeinfluss.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 29.10.2026
Wie sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet hat, startet die Mittelfrist
am kommenden Sonntag mit einem echten Paukenschlag. Nachdem mit LUISE (int.
Austen) schon im Laufe des morgigen Freitags ein erster knackiger Wirbel bei uns
vorbeischaut (mehr dazu wie üblich in der Synoptischen Übersicht Kurzfrist),
rauscht am Wochenende die nächste Granate vom Atlantik heran. Die Rede ist von
MANJA, die mal ganz nonchalant eine rapide Zyklogenese im Seegebiet südlich
Islands aufs Parkett legt, um danach die nördliche Nordsee (Viking/Nord-Utsira)
anzusteuern. So zumindest der Plan nach IFS. Sonntagmittag 12 UTC soll MANJA mit
rund 955 hPa im Kern die Färöers und Shetlands bereits hinter sich haben und
knapp unterhalb von Svinöy anlanden. Der Gradient, der von dem Tief ausgeht, ist
gewaltig und erfasst auch den Vorhersageraum, schwerpunktmäßig aber die Nordsee.
Dort droht ein schwerer Südwest- bis Weststurm mit Orkanböen, von dem auch die
deutsche Nordseeküste plus vorgelagerter Inseln/Halligen ordentlich was
abbekommen (wenn auch voraussichtlich nicht die maximale Dröhnung in Form von
12er-Böen). Im Rest des Landes wird der Tag nach der Zeitumstellung zwar nicht
ganz so garstig wie auf und rund um die Deutsche Bucht. Ungemütlich wirdŽs
trotzdem, sehr ungemütlich sogar, gesellt sich zu dem durchaus lebhaften und in
Böen stürmischen Wind auch noch die Passage eines okkludierenden Frontensystems.
Schon beginnend in der Nacht von Samstag auf Sonntag zieht ein äußerst
veritables Regengebiet ost-südostwärts über den Vorhersageraum hinweg, das vor
allem den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen sowie dem Allgäu markante
Mengen bringen kann. Im Laufe des Tages zieht sich der Regen in die Gebiete
südlich der Donau bzw. zum Alpenrand zurück. In der postfrontal einfließenden
maritimen Polarluft (mP; T850 Rückgang auf 4 bis 0°C) entwickeln sich aber in
Verbindung mit einem ostwärts durchschwenkenden Trog (inkl. eines thermischen
Trogs) insbesondere vom Norden bis in die Mitte Schauer und einzelne Gewitter
mit Sturmböen.
Zu Beginn der neuen und gleichzeitig letzten Oktoberwoche beruhigt sich die
Szenerie, ohne aber dass gleich alles auf Null gestellt wird. Das Sturmtief
zieht knapp westlich der norwegischen Küste in Richtung Lofoten, während sich
westlich von Irland schon der nächste Brummer in Stellung begibt. Der – so viel
sei an dieser Stelle schon verraten – dreht wahrscheinlich eher nach Norden ab
als seine Vorgänger und dürfte Deutschland am Ende wohl nur abgeschwächt
tangieren. Auf alle Fälle wölbt sich westlich von uns (West-/Südwesteuropa) ein
Höhenrücken auf, der den Luftdruck vor allem in Süddeutschland spürbar ansteigen
lässt. Der Norden hingegen hängt ein Stück weit noch am Rockzipfel der
scheidenden MANJA. Die Folge sind Schauer und Wind, wenn auch nicht mehr in der
Liga vom Sonntag. Am meisten schauert und bläst es an den Küsten, wo der
Südwest- bis Westwind in Böen zumindest Stärke 8, in der ersten Tageshälfte
sogar 9 Bft erreicht. Am Nachmittag, vielleicht auch erst am Abend greift dann
die weit nach Osten ausgreifende WLA über, welche die Warmfront des o.e.
Brummers ankündigt. Die Wolken verdichten sich von Benelux her und es setzt
leichter Regen ein, der sich bis Dienstagfrüh auf weite Teile des Landes
ausbreiten soll.
Am Dienstag gelangen wir in den sehr weit geöffneten Warmsektor, der stark
antizyklonal konturiert ist. Grund ist der in seiner Wellenlänge inzwischen
stark zusammengestauchte Rücken, der über Deutschland ostwärts wandert. Die
nächtlichen Regenfälle ziehen ost-südostwärts ab, wahrscheinlich bleibt aber Žne
Menge tiefer Bewölkung übrig, so dass die Sonne nur bedingt Akzente setzen kann
(noch unsicher). Fakt ist, dass T850 deutlich ansteigt auf verbreitet
zweistellige Werte, ganz im Süden bei leicht föhniger Tendenz auf rund 15°C.
Am Mittwoch zieht das Tief knapp östlich an Island vorbei zum Europäischen
Nordmeer. Über dem Skagerrak soll sich dabei eine Rand- bzw. Teiltief bilden,
das uns mit einem Bodentrog, aber auch einem KW-Trog in der Höhe einen
nochmaligen wechselhaften Tag bescheren würde. Danach deutet sich ein wuchtiges,
nicht nur für einen Tag präsentes und somit in die erweiterte Mittelfrist
reichendes Hoch an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz von IFS (ECMF) ist nicht schlecht, weist aber trotzdem „Mängel“
auf. Vor allem Timing und räumliche Ausdehnung sowie Intensität der
wetterbestimmenden Systeme wechseln derzeit noch von Lauf zu Lauf, was aber
nicht ungewöhnlich ist. Schließlich sprechen wir hier von einer West- respektive
Südwestwetterlage, bei der das mitteleuropäische Geschehen stark vom Atlantik
geprägt ist. Was man guten Gewissens festhalten kann, dass die Hauptaktivität in
Sachen Niederschlag und Wind/Sturm in der Kurzfrist sowie am Sonntag (schwerer
Sturm Nordsee, Binnenland stürmisch) abgeht. Danach beruhigt sich die Szenerie,
es bleibt aber wechselhaft. Erst in der zweiten Hälfte der kommenden Woche
deutet sich dann verstärkt Hochdruckeinfluss an, der über Eintagsfliegenstatus
hinausgeht.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Es verwundert nicht wirklich, dass jedes der anderen Globalmodelle (die Rede ist
hier von den üblichen Platzhirschen ICON, GFS, GEM und UK10) angesichts der
Großwetterlage die Detailabläufe jeweils etwas anders sieht. Als Beispiel sei
hier die Warmfront von Montag auf Dienstag genannt, deren Regen bei IFS und UK10
weit nach Süden ausgreift, während ICON und GFS lediglich auf nördlichem Trip
unterwegs sind (das kanadische GEM bietet salomonisch eine Zwischenlösung an).
Wie auch immer, das grobe Gerüst steht und die Kernaussagen halten auch dem
Modellvergleich stand: der meiste Regen/Wind zu Beginn (Sonntag), nach hinten
raus Hochdruckeinfluss.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte spiegeln im Grunde das
bisher Geschriebene sehr gut wider: am Sonntag Front- und Trogdurchgang mit
deutlichem RR-Maximum. Danach bei zunehmender, sich vor allem auf das Timing
beziehender Streuung zunächst weiterhin wechselhaft (mit allerdings schwächeren
RR-Peaks) und oszillierender Temperaturkurve (Montag runter, Dienstag rauf,
Mittwoch runter, dann wieder rauf). Und ab Wochenmitte deutliche Abtrocknung bei
gleichzeitig hohem Geopotenzial (Median im Bereich von 580 gpdam).
Bei den Clustern wartet das erste Zeitfenster T+72…96h (Sonntag/Montag) mit drei
Angeboten auf, die sich bezogen auf Deutschland aber sehr ähneln und alle dem
Klimaregime NAO+ zugeordnet sind. Von Dienstag bis Donnerstag (T+120…168h)
bleibt es bei drei Clustern, die am letzten Tag alle auf „Blockierung“ wechseln.
Der Weg dorthin ist leicht unterschiedlich, was sich mit den weiter oben
getroffenen Aussagen zur Unschärfe der Detailabläufe deckt. Ab Freitag
(T+192…240h) bleiben die Cluster der Zahl Drei treu, wobei alle auf
Hochdruckeinfluss und Blockierung setzen. Die Frage ist nur, wie sich
Hochschwerpunkt und korrespondierender Rücken genau positionieren. Das
„brüchigste“ Szenario zeigt CL 3 (immerhin 16 Fälle), wo wir rasch auf die
Westflanke des Hochs gelangen, was atlantischen Störungen den Weg zumindest in
die westlichen Landesteile ermöglichen würde (man beachte den Konjunktiv).
FAZIT:
Bis einschließlich Sonntag ist uns eine sehr abwechslungsreiche und windige bis
stürmische Kurzfrist mit teils kräftigen Regenfällen gewiss. Danach geht es
zunächst zwar wechselhaft, aber 1-2 Stufen weniger intensiv weiter, wobei bei
den Detailabläufen noch Unschärfen vorhanden sind. Nach Wochenmitte deutet sich
dann zunehmender Hochdruckeinfluss an.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Wie bereits erwähnt ist der Sonntag der Tag in der Mittelfrist, aus dem am
meisten Wetter herauszuholen ist. Das betrifft sowohl den Wind/Sturm als auch
den Regen/Gewitter.
WIND/STURM:
Das verantwortliche Sturm-/Orkantief wird in Bezug auf Position und Kerndruck
modellübergreifend sehr ähnlich simuliert. Das ist zwar kein Garant, aber ein
gewichtiges Indiz dafür, dass die Windprognose für Sonntag ziemlich belastbar
ist. Sicherlich wird es in den Details noch Änderungen geben, aber der grobe
Fahrplan steht: verbreitet Böen 8-9 Bft an der Kaltfront/Okklusion sowie nach
einer Pause auch postfrontal, in exponierten Hochlagen mehr (10 bis 12 Bft).
Etwas in der Hinterhand aus heutiger Sicht Teile des Ostens und Südostens, wo
die Wahrscheinlichkeit für Sturm abgesehen vom höheren Bergland geringer ist als
im Norden und Westen. An und auf der Nordsee hingegen droht ein schwerer Sturm,
zunächst aus Süd, tagsüber dann auf Südwest bis West drehend. Auf freier See
sind Böen in voller Orkanstärke 12 Bft, an der Küste (+ Inseln/Halligen) schwere
Sturmböen 10 Bft wahrscheinlich. Orkanartige Böen 11 Bft können nicht
ausgeschlossen werden.
Zu Beginn der neuen Woche beruhigt sich das Geschehen zwar, an der See sowie in
einigen exponierten Hochlagen bleibt es aber zunächst noch stürmisch (wohl aber
nur noch 8-9 Bft). An den Folgetagen könnte der Mittwoch nochmal etwas aufmucken
mit Stand heute einer geringen Wahrscheinlichkeit für Böen 8 Bft aus westlichen
Richtungen an der See sowie im norddeutschen Binnenland.
REGEN/GEWITTER:
Mit Durchzug des okkludierenden Frontensystems von Samstag auf Sonntag kommt es
gebietsweise zu erklecklichen Regenfällen. Herausstechen tun dabei die
orografisch „begünstigten“ Lagen der westlichen und südwestlichen Mittelgebirge
(mit geringer Wahrscheinlichkeit sind auch noch einige zentrale Mittelgebirge
wie z.B. der Thüringer Wald am Start) sowie das Allgäu, wo innert 12 Stunden
oder etwas weniger zwischen 25 und 40, lokal um 50 l/m² zusammenkommen können.
Das reicht dicke für eine markante Dauerregenwarnung. Ob es irgendwo sogar rot
wird, bleibt abzuwarten.
Postfrontal entwickeln sich bevorzugt vom Norden bis in die Mitte einzelne
Graupelgewitter, die mit Böen 8-9 Bft, an der Küste auch noch höher einhergehen
können.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann