S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 20.10.2026 um 10.30 UTC

Unbeständig mit wiederholten Regenfällen und zeitweise stürmischem Wind.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 27.10.2026

Im mittelfristigen Vorhersagezeitraum erwartet uns ein unbeständiger
Witterungsabschnitt mit wiederholten Regenfällen und zeitweise stürmischem Wind.
Wie die Entwicklung im Detail aussieht, ist allerdings auch aus heutiger Sicht
noch unsicher.

So reicht auf Basis des IFS am Freitag ein Höhentrog von Island über die
Britischen Inseln hinweg bis nach Frankreich. Er schwenkt im Tagesverlauf
allmählich weiter ostwärts. In dessen südlichen Bereich konnte sich
entwicklungsgünstig gelegen bereits am Vortag ein ausgewachsenes Sturmtief
entwickeln. Es zieht am Freitag mit seinem Kern und einem Kerndruck knapp unter
980 hPa vom Ärmelkanal entlang der niederländischen Nordseeküste und erreicht
Samstagfrüh Ostfriesland. Dabei hat es Freitagfrüh bereits den Höhepunkt seiner
Entwicklung erreicht, sodass es sich auf dem weiteren Weg bereits wieder etwas
abgeschwächt hat (Samstagfrüh Kerndruck knapp unter 995 hPa). Nachfolgend zieht
es unter weiterer Abschwächung über den Norden Schleswig-Holsteins Richtung
Skagerrak, wo es sich schließlich auflöst.
Mit Annäherung des Tiefs nimmt der Druckgradient über Deutschland deutlich zu
und der Wind frischt im Laufe des Freitags auf. Durch die Zugbahn des Tiefs sind
davon vor allem zunächst der Südwesten und Westen und Teile der Mitte betroffen
mit Böen Bft 7 bis 8 um Süd, Samstagfrüh und Samstagvormittag dann auch der
Nordwesten und äußerste Norden sowie die Ostseeküste. In Gipfellagen und im
Nordseeumfeld gibt es auch Sturmböen Bft 9, exponiert auch schwere Sturmböen Bft
10. Wie weit das Windfeld nach Osten ausgreift, ist noch unsicher.
Das zugehörige schon weitgehend okkludierte Frontensystem überquert das
Vorhersagegebiet am Freitag rasch nordostwärts, bevor dann an der Südflanke des
Tiefs Freitagabend und in der Nacht vor allem im Westen und Norden neue
Niederschläge aufkommen. Dabei kann es auch mal kräftiger regnen, Hinweise auf
warnwürdige Mengen gibt es aber nicht.

Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag überquert der Höhentrog Deutschland
allmählich ostwärts. Am Rande des nordwärts ziehenden Bodentiefs kommt es vor
allem in der Mitte und im Norden noch zu Regen, sonst nur vereinzelt zu
Schauern. Allerdings wird der Alpenrand und der äußerste Südosten Deutschlands
von einem Tief über Norditalien beeinflusst, sodass auch dort Niederschlag
fällt. Mit Absinken der Temperatur in 850 hPa auf etwa 0 Grad kann in den
Hochlagen der Alpen etwas Schnee fallen.
Vor allem im Küstenumfeld bleibt es noch teils stürmisch, sonst lässt der Wind
nach.

In der Zwischenzeit hat sich vorderseitig eines von Großbritannien Richtung
Nordsee vorstoßenden Troges das nächste Sturmtief entwickelt. Es zieht am
Sonntag unter Abschwächung von Schottland zur mittleren Nordsee. Von dort aus
kommt es korrespondierend zu dem Trog in der Höhe nur noch langsam und unter
weiterer Auffüllung Richtung Deutsche Bucht voran, wo es sich schließlich in der
Nacht zum Dienstag auflöst.
So bleibt der stürmische Wind mit Bft 8 bis 9, exponiert 10 an den Küsten
aufrecht, bzw. nimmt im Westen und Nordwesten mit Böen Bft 7 bis 8 wieder zu,
bevor er dann im Laufe des Montags wieder nachlässt.
Das Frontensystem greift bereits im Laufe der Nacht zum Sonntag von Westen über
und hat uns bis Montag 00 UTC ostwärts überquert. Im Bereich des Troges kommt es
dann am Montag zu Schauern.

Am Dienstag kommt der Höhentrog durch einen blockierenden Höhenrücken über
Russland kaum mehr weiter ostwärts voran und tropft schließlich Richtung Süden
ab. Ihm folgt von Westen ein Höhenrücken. Er sorgt für eine vorübergehende
Wetterberuhigung, bevor dann in der Nacht zum Mittwoch der nächste Tiefausläufer
auf uns übergreift.

Das Temperaturniveau liegt insgesamt in dem für die Jahreszeit normal üblichen
Bereich.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des EZMW-Modells lässt bereits zu Beginn der Mittelfrist nach. So
wird die Zugbahn des Sturmtiefs am Freitag/Samstag auf etwas anderem Kurs
gerechnet als im gestrigen 00 UTC Lauf, ähnlich zum gestrigen 12 UTC Lauf.
Allerdings ist die Verlagerungsgeschwindigkeit noch etwas langsamer geworden als
im gestrigen 12 UTC Lauf. Entsprechend findet auch die Frontpassage etwas später
statt.
Auch die nachfolgende (Sturm-) Tiefentwicklung am Sonntag/Montag wird seit dem
gestrigen 12 UTC Lauf anders prognostiziert. Das Tief, das gestern von IFS über
die Mitte Deutschlands geführt wurde, hat nun eine deutlich nördlichere Zugbahn
über die mittlere Nordsee hinweg. Entsprechend hat sich auch hier die
Niederschlags- und Windentwicklung geändert.
Nach Passage der Sturmtiefs gleichen sich die Modellläufe hingegen wieder an.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch im Vergleich zu anderen Modellen zeigt die Entwicklung beider Sturmtiefs
noch größere Unsicherheiten mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wind- und
Niederschlagsentwicklung. IFS zeigt ähnlich wie GFS und UK10 eine Zugbahn
entlang der niederländischen Nordseeküste über die Deutsche Bucht hinweg, ICON
liegt nördlicher. Entsprechend beeinflusst das Wind-/Sturmfeld vor allem den
Nordwesten Deutschlands und nicht auch den Westen und Südwesten. Zudem schwächt
es sich bei IFS und UK10 rascher ab als bei GFS und ICON.

Bei dem nachfolgenden Sturmtief wird die Zugbahn zumindest von ICON ähnlich zu
IFS gezeigt. GFS zeigt eine deutlich nördlichere Zugbahn.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen für Temperatur,
Niederschlag und Geopotential bis einschließlich Sonntag einen relativ geringen
Spread. Erst danach nimmt der Spread deutlich zu. Dann steigt der Median der 850
hPa-Temperatur und des Geopotentials nach Durchschwenken der Tröge zu Beginn
kommender Woche vorderseitig des neuen Tiefausläufers rascher an als bei dem
Kontrolllauf.
Vor allem am Wochenende zeigen die Rauchfahnen deutliche Niederschlagssignale
für mehr oder weniger alle vorliegenden Gitterpunkte.

Die Clusterung des EZMW für den Zeitraum von t+72 bis 96 Stunden zeigt vier
Cluster. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 2, der insgesamt 14 Member
enthält. In Cluster 1 sind es 16 Member. Beide sehen sich sehr ähnlich und bei
Betrachtung des 1000 hPa Geopotentials mit einer Zugbahn des Sturmtiefs wie oben
beschrieben. Cluster 3 enthält 13 Member und Cluster 4 beinhaltet 8 Member.
Beide zeigen eine etwas nördlichere Zugbahn und gehen somit in Richtung der ICON
Lösung. Insofern ist auch diese Lösung weiterhin nicht zu vernachlässigen und
die Unsicherheiten bleiben bestehen.

Für den nachfolgenden Zeitraum t+120 bis 168 Stunden gibt es ebenfalls vier
Cluster. Zumindest das Tief über Deutschland taucht nirgends mehr auf, dennoch
liefert auch die Clusterung keine eindeutigeren Aussagen bzgl. des zweiten
Sturmtiefs.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Vorhersagezeitraum ist vor allem die Windentwicklung in Teilen Deutschlands
signifikant. Auf Basis der Mehrheit der Modelle und der Ergebnisse von EZMW-EPS
und ICON-EPS ist im Folgenden das aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Szenario
dargestellt.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag sind im Westen und Nordwesten stürmische
Böen aus Südwest, im Nordseeumfeld und in den Gipfellagen der Mittelgebirge und
der Alpen Sturmböen Bft 9 wahrscheinlich, in exponierten Gipfellagen auch
schwere Sturmböen (Bft 10) oder Orkanböen (Bft 11 bis 12).

Am Samstag sind an den Küsten und in einigen Gipfellagen Sturmböen Bft 8 bis 9
aus Südwest bis Süd wahrscheinlich, in exponierten Höhenlagen schwere Sturmböen
Bft 10.

Am Sonntag sind an den Küsten Sturmböen Bft 8 bis 9, auf einigen Nordseeinseln
auch schwere Sturmböen Bft 10 aus Süd bis Südwest wahrscheinlich. Auch im
Nordwesten und Westen sind stürmische Böen Bft 8 nicht ausgeschlossen. In
exponierten Höhenlagen schwere Sturmböen Bft 10.

Am Montag ist es an den Küsten und im höheren Bergland weiterhin stürmisch mit
Böen Bft 8 bis 9 aus Südwest bis Süd, exponiert sind Böen Bft 10 nicht
ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, ICON-EPS, MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger