#SXEU31 #DWAV200800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Dienstag den 20.10.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 200800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 20.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
SW z
Unbeständiger. Bis in die Nacht zu Mittwoch in den Alpen leichter Föhn. Am
Mittwoch, bis Donnerstagnacht an den Alpen Dauerregen nicht ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag… ist das Strömungsmuster über Europa stark meridional geprägt. Einem
negativ geneigten Trog von Russland bis Skandinavien steht niedriges
Geopotential in Form mehrerer Tröge über dem Nordatlantik und Westeuropa
gegenüber. Im Bodendruckfeld äußerst sich das in einem umfangreichen Hoch über
Ost- und Nordeuropa und Tiefausläufern westlich von uns. Der Hochdruckeinfluss
über Mitteleuropa schwächt sich ab, die Randlage mit der Ostströmung und der
Zufuhr relativ trockener Luftmassen bleibt aber heute bestehen.
Ein kleiner Unsicherheitsfaktor ist aktuell ein Kaltlufttropfen. Aktuell liegt
er über Ostdeutschland und dreht auf seinem Weg nach Nordwesten Richtung
dänische Inseln ein. An dessen Ost- und Nordflanke regnet es aufgrund von
Aufgleiten einer feucht-wärmeren Luftmasse aus Südosten zeitweise leicht.
Sonst gibt es abseits der Nebel- und Hochnebelfelder aus der Nacht heraus
zeitweiligen Sonnenschein mit einigen hohen und mittelhohen Wolken.
Auch aus Westen wird das ruhige Herbstwetter in die Zange genommen. Ein stark in
die Länge gezogenes Höhentief wird von einem nachfolgenden Trog aufgenommen und
nach Nordosten gesteuert. Während wir heute tagsüber zwischen dem
Kaltlufttropfen und dem Trog liegen, kommt Deutschland im Laufe der Nacht auf
die diffluente Trogvorderseite.
Dabei wird aus dem westlichen Mittelmeerraum feucht-warme Luft nach Norden
geführt, die bei uns auf die bodennah kühlere Festlandsluft trifft und gehoben
wird. In diesem frontogenetischen Umfeld bildet sich eine Warmfront, die abends
den Westen und Südwesten überquert. Deshalb zieht von Frankreich her tagsüber im
Südwesten und Westen Deutschlands dichte Bewölkung auf und nachfolgend regnet es
gebietsweise leicht.
Bleibt noch die teils lebhafte östliche bis südöstliche Strömung, mit dem
entsprechenden Wind, der über der offenen Nordsee und auf den Inseln zeitweise
die Warnschwellen von 7 Bft reißt. In den Alpen setzt leichter Föhn mit
stürmischen Böen oder Sturmböen auf einzelnen Gipfeln ein, der aber kaum bis in
die Täler durchbricht.
Nacht teils frostigem Start über der Mitte und dem Osten liegen die Höchstwerte
bei 8 bis 14°C, in mittleren Lagen Süddeutschlands sowie bei eventuell kurzem
Föhndurchbruch bei 15 bis knapp 20°C.
In der Nacht zum Mittwoch werden die Strukturen in der Höhenströmung etwas
klarer. Ein markanter Trog greift auf Frankreich und den Ärmelkanal über.
Vorderseitig dreht die Strömung auf Südsüdwest und die kleinen Randtröge aus dem
Höhentief über Westeuropa und dem Kaltlufttropfen werden in die Nordsee, bzw.
nach Südschweden verfrachtet. Südlich der Alpen werden dabei starke Regenfälle
(loc. >100 l/qm in 12h) mit Gefahr von Überschwemmungen ausgelöst.
Bei uns ist die Entwicklung entspannter. Auf Vorderseite des Troges greift eine
Tiefrinne auf Deutschland über, deren Warmfront morgens den Nordosten erreicht.
Der Warmsektor ist weit geöffnet, weil die Passage der nachfolgenden Kaltfront
durch eine Genuazyklogenese verzögert wird. Diese bringt dann in der Westhälfte
zunehmend leichten bis mäßigen Regen, sodass in 12 Stunden auch 5 bis 10 l/qm in
einigen Regionen möglich sind.
Die Temperaturen liegen unter den Wolken recht einheitlich oft zwischen 10 und
5°C. Auf den Inseln bleibt es noch sehr windig, wobei der Gradient mit Drehung
auf Südost allmählich etwas an Schärfe verliert. Auch der Föhn in den Alpen
bricht bis zum Morgen aus Westen meist zusammen.
Mittwoch… stößt der atlantische Trog Richtung Westalpenraum vor und nimmt
dabei durch kräftige KLA an der Südflanke eine leicht negative Achsenneigung
ein. Auf der Vorderseite der scharfen Achse wird starke Krümmungsvorticity
generiert. Bodennah ist das Druckfeld mehr oder weniger stark aufgeweicht mit
einer wellenden Kaltfront längs über Deutschland hinweg von Schleswig-Holstein
bis zu den Alpen, die aufgrund der langsamen Verlagerung und negativen
Achsenneigung des Troges in der Höhe starken Anacharakter annimmt.
In einem breiten Streifen von Süd- nach Nord regnet es verbreitet. Gebietsweise
sind 5 bis 10 l/qm in 12 Stunden wahrscheinlich, punktuell bis 15 l/qm. Am
längsten trocken bleibt es an Oder und Neiße. Zum Abend sind im Westen und
Südwesten mit Annäherung der höhenkalten Luft im Trog teils linienhaft (gute
Scherung) Schauer oder schauerartige Regenfälle zu erwarten. Gewitter bleiben
unwahrscheinlich.
Der Wind zieht auf der Rückseite der Rinne an und dreht auf Südwest bis West.
Nachmittags und am Abend sind zunächst auf den Bergen, später auch von der
Nordsee bis zur Eifel Böen 7 Bft möglich, auf exponierten Gipfeln 8-9 Bft.
In der Nacht zum Donnerstag verschärft sich der Druckgradient über Deutschland,
in dem Maße wie sich eine Hochdruckzone in den Süden ausweitet und ein markanter
Trog den Nordwesten streift. Dabei sind an der Nordsee stürmische Böen aus SW zu
erwarten, exponiert Sturmböen. Im Bergland treten ebenfalls steife bis
stürmische Böen möglich, exponiert Sturmböen. In tieferen Lagen und im Flachland
beschränken sich steife Böen auf Lee- oder exp. Lagen. Die Kaltfront wird durch
den in die SW-hälfte vorstoßenden Trog nach Osten gesteuert.
Postfrontal regnet es in der Osthälfte und Süden (auch Stau) längere Zeit. An
den Alpen, besonders im Allgäu sind leichte Hinweise auf Dauerregen vorhanden
(24h RR, Cosmo Leps, det. I D2). Die Trogschauer schwächen sich, außer an der
Nordsee, auf ihrem Weg nach Nordosten ab. Über der Nordsee sind vereinzelte
Gewitter möglich. In der einfließenden frischen Meereskaltluft sinkt die
Temperatur in 850 hPa auf knapp unter 0°C und die Schneefallgrenze in den Alpen
auf etwas über 1000m. Oberhalb 1500 bis 2000m akkumuliert sich etwas Neuschnee.
Donnerstag… kommt der Höhentrog unter Substanzverlust bis in den Osten und
Norden voran. Die Regenfälle auf der Vorderseite, die auch noch zur abziehenden
Rinne/KF gehören, klingen auch ganz im Nordosten vormittags ab.
Nachfolgend stellt sich eine antizyklonale westliche bis nordwestliche Strömung
ein vor einem Höhenrücken, der von Westen näher kommt. Das spiegelt sich u.a. in
einer Hochdruckzone von Frankreich bis in den Alpenraum wider, die an ihrer
Nordseite aber mit einem halbwegs ausgeprägten Druckgradienten aufwarten kann.
Die Folge sind kräftige Böen 7-8 Bft an der Nordsee und im Bergland. Auch einige
windanfällige tiefe Lagen sind mit steifen Böen aus Südwest dabei.
Zudem bringt eine leicht flatternde Strömung und WLA im Rücken des Troges
leichte Hebungsimpulse, die sich in gebietsweise starker Bewölkung und leichten
Regenfällen äußert.
Die Temperatur bewegt sich in der Regel zwischen 11 und 16°C, im Bergland etwas
weniger. Unterdessen hat sich entwicklungsgünstig vor einem Trog und unter
linkem Jetausgang liegend ein Sturmtief (ICON bis ca. 970 hPa) gebildet. Es
zieht bis zum Abend vor die SW Küste Irlands.
In der Nacht zum Freitag zieht das Sturmtief nach Wales und ändert seine
Intensität zunächst wenig. Vermehrte Warmluftadvektion auf der Vorderseite lässt
im Laufe der Nacht im Westen dichte Bewölkung und leichten Regen ankommen. Zudem
dreht der Wind auf Süd bis Südost zurück und frischt im Westen ausgangs der
Nacht langsam wieder auf.
Ansonsten ist die Nacht geprägt von einer Wetterberuhigung durch ein
Zwischenhoch mit Auflockerungen und Nebelfeldern nach Osten hin. Im Süden
besteht leichte Frostgefahr und sei es auch nur durch Bodenfrost südlich der
Donau.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die großräumige Entwicklung ähnlich. Böen und
Niederschlag kommen zumindest in die Nähe der Warnschwellen. Eine Ausgabe von
Warnungen scheint nicht nötig, weil nur an den Warnschwellen gekratzt wird, bzw.
der Impact fehlt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner