S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 18.10.2026 um 10.30 UTC

Sehr zyklonaler Wetterabschnitt, Niederschlag kaum über den Warnschwellen.
Freitag im Westen Sturmgefahr.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 25.10.2026

Mittwochfrüh liegt ein Kaltlufttropfen über Nordwestpolen und zieht bis zum
Abend nach Estland. Regen durch Warmluftadvektion nördlich des Kaltlufttropfens
im äußersten Nordosten zieht rasch über die Ostsee ab. Dann sorgt ein flacher
Keil in der Höhe vorübergehend für Wetterberuhigung im Osten und Nordosten. Im
Westen und Südwesten liegt vorderseitig eines Westeuropatroges eine Okklusion,
die mit Regen nordostwärts schwenkt. Im Lee der Alpen findet eine
Tiefdruckentwicklung statt. Von Oberösterreich zieht es bis Donnerstagmittag
nach Südschweden und sorgt im Südosten und Osten für mäßigen Regen. Im Rest des
Landes sorgt ein Trog (um -25 Grad in 500 hPa) am Donnerstag für Schauer oder
schauerartigen Regen. Ein markanter Bodentrog an der Südflanke eines Tiefs über
der Nordsee schwenkt tagsüber über die Deutsche Bucht nordostwärts. Der
Südwestwind erreicht in Böen Sturmstärke. Im Rest des Landes reicht es
gebietsweise, besonders bei Schauern, für Windböen. Zugleich vertieft sich ein
Tief auf seinem Weg vom Atlantik nach Cornwall auf 970 hPa und erreicht dort in
der Nacht zum Freitag seinen Höhepunkt.

Am Freitag zieht das Tief unter Abschwächung auf über 985 hPa bis zum Abend zu
den Niederlanden. Sein okkludierendes Frontensystem schwenkt rasch über
Deutschland hinweg, am Abend erreicht der Bodentrog den Westen Deutschlands. Im
Fokus steht die Windentwicklung an der Süd- und Südwestflanke des Tiefs. Im
Südwesten und Westen lebt der Süd- bis Südwestwind deutlich auf und erreicht in
Böen Bft 7 bis 8, exponiert und in Schauern im Trog auch Bft 9.

Samstagfrüh hat das Tief unter weiterer Abschwächung die Deutsche Bucht erreicht
und zieht bis zum Abend nach Dänemark. Deutschland liegt sowohl in der Höhe als
auch am Boden im Trogbereich. Bei Temperaturen meist knapp unter -25 Grad in 500
hPa und um 0 Grad in 850 hPa gibt es zahlreiche Schauer oder schauerartigen
Regen. Der Südwest- bis Westwind weht mäßig bis frisch, verbreitet gibt es Böen
der Stärke 7 bis 8, exponiert und an der Nordsee auch Sturmböen (Bft 9).

In der Nacht zum Sonntag schwenkt ein flacher Keil rasch nordostwärts über
Deutschland hinweg. Es folgt am Sonntag das okkludierende Frontensystem eines
Sturmtiefs nördlich von Schottland. Durch Einbeziehung warmer und sehr feuchter
subtropischer Luft und einer Verwellung über Süddeutschland bringt das
Frontensystem gebietsweise mehr als 10 l/qm in 6 Stunden. Die Entwicklung ist
aber unsicher, siehe Modellvergleich.

In der erweiterten Mittelfrist bleibt es bei einer lebhaften Westwindwetterlage.
Der Jet ist nach Mitteleuropa gerichtet. Bei den Britischen Inseln kommt es zu
Sturmtiefentwicklungen. Die Luftmasse ist im Wechsel modifiziert subpolar oder
modifiziert subtropisch, in jedem Fall aber maritim geprägt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch zieht ein Kaltlufttropfen über Westpolen
zur nördlichen Ostsee. Deutschland wird vorderseitig eines Troges von Ausläufern
überquert. Der hereinschwenkende Trog ist etwas markanter als in den Vorläufen
simuliert. Ein von Westen hereinziehendes Tief schwächt sich nicht zu einem Trog
ab, sondern zieht als eigenständiges Tief mit einem markanten Trog an seiner
Südflanke zur Nordsee. Eine Tiefdruckentwicklung von Österreich nach Schweden
verläuft am Mittwoch und Donnerstag ebenfalls markanter.

Das Zwischenhoch am Donnerstag und Freitag ist kaum noch vorhanden. Das am
Freitag nach Westeuropa ziehende Sturmtief ist kräftiger und nimmt eine
südlichere Zugbahn. Am Freitagabend liegt es nun über den Niederlanden; im
gestrigen 00-UTC-Lauf lag es über dem Westteil der Nordsee. Die Windentwicklung
für Deutschland ist deutlich markanter, die Fronten sind kräftiger. Die
Konsistenz im Hinblick auf das Wetter in Deutschland ist nicht gut. Am
Wochenende nimmt die Ähnlichkeit zum gestrigen Morgenlauf zwar wieder zu, der
gestrige 12-UTC-Lauf zeigte aber eine andere Lösung: Statt einer raschen
Weiterverlagerung der Trog-Keil-Strukturen und einem Übergreifen der Fronten des
nächsten Sturmtiefs blieb das Tief über der Nordsee länger das maßgebliche
Druckgebiet für Deutschland.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bereits Mittwochfrüh gibt es enorme Unterschiede bezüglich der Position des
Kaltlufttropfens. Bei GFS liegt er über Ostpolen und bei ICON über Südnorwegen.
Auch bezüglich des möglichen Nordseetiefs inklusive eines markanten Bodentrogs
am Donnerstag gibt es erhebliche Unterschiede. Bei IFS ist es am markantesten
ausgeprägt, ICON und GFS haben gar kein eigenständiges Tief über der Nordsee.
Das Sturmtief am Freitag zeigen zwar alle Modelle, aber es gibt zwei Lager: IFS
und UK10 ähneln sich mit ihrer südlichen Zugbahn. ICON und GFS ähneln der
gestrigen IFS-Lösung und simulieren es am Freitagabend über dem Westteil der
Nordsee. Danach besteht Übereinstimmung hinsichtlich eines sehr zyklonalen
Wettercharakters, die genauen Abläufe werden unterschiedlich simuliert.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN:

Das Geopotenzial in 500 hPa sinkt in Wellen bis zum Wochenende, um dann bei den
meisten Mitgliedern bei sehr großer Streuung wieder anzusteigen. Bis
einschließlich Freitag ist die Streuung noch überschaubar. Der Hauptlauf liegt
eingebettet in der Ensembleschar.

Die Temperatur in 850 hPa liegt im Norden um 3 Grad und im Süden zwischen 0 und
9 Grad. Die Warmluft- und Kaltluftsektoren sind im Süden deutlich ausgeprägter
als im Norden. Die Unsicherheit nimmt am Freitag deutlich zu.

Über den gesamten Mittelfristzeitraum gibt es Niederschlagssignale. Im Norden
gibt es kein klares Maximum, im Süden fällt ein Maximum am Mittwoch/Donnerstag
auf.

CLUSTERUNG:

Am Mittwoch und Donnerstag gibt es drei Cluster, die alle dem Regime „Blocking“
zugeordnet werden. Die Unterschiede für Deutschland sind marginal.

Von Freitag bis Sonntag gibt es ebenfalls drei Cluster. Diese sind hauptsächlich
dem Regime „NAO positiv“ zugeordnet. Deutlich zunehmende Unterschiede zeigen
sich am Wochenende. Der von Westen hereinschwenkende Trog zeigt bei Cluster 2
und 3 (zusammen 32 Member) Abtropftendenzen über die Alpen hinweg. Diese gibt es
in Cluster 1 nicht.

Ab Montag gibt es sechs Cluster, die erhebliche Unterschiede zueinander
aufweisen. Eine mehr oder weniger zyklonal geprägte West- bis Südwestlage kann
man als gemeinsamen Nenner herauslesen. Bis auf das Regime „Mittelatlantischer
Rücken“ kommen alle anderen vor.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

STURM:

Der EFI zeigt am Donnerstag im Süden und Westen geringe Signale.
Das EPS zeigt für Donnerstag an der Nordsee geringe bis mittelhohe
Wahrscheinlichkeiten für Bft 8. Sonst liegen die Wahrscheinlichkeiten im Westen
und Süden gebietsweise bei unter 10 %.

Für den Freitag gibt es in der Westhälfte starke Signale für ein ungewöhnliches
Windereignis.
Das EPS zeigt für den Freitag im Westen mittelhohe Wahrscheinlichkeiten für Bft
8 und niedrige Wahrscheinlichkeiten für Bft 10. An der Nordsee liegen die
Wahrscheinlichkeiten etwas darüber.

Am Samstag gibt es in abgeschwächter Form weiterhin Signale für die Westhälfte.
Das EPS zeigt am Samstag verbreitet niedrige, an der Nordsee mittelhohe
Wahrscheinlichkeiten für Bft 8.

NIEDERSCHLAG:

Der EFI zeigt für den Mittwoch und die Nacht zum Donnerstag im Süden und
Südosten mäßige Signale für ein ungewöhnliches Ereignis.
Das EPS zeigt bis Donnerstagfrüh am Alpenrand und im Alpenvorland niedrige
Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden.

Am Freitag gibt es im Westen schwache bis mäßige Signale für ein ungewöhnliches
Ereignis.
Das EPS zeigt bis Samstagfrüh in der Eifel niedrige Wahrscheinlichkeiten für
mehr als 30 l/qm in 24 Stunden.

FAZIT:

Zyklonal ist das Stichwort für die Mittelfrist. Beim Regen wird wahrscheinlich
nur an den markanten Warnschwellen gekratzt. Beim Thema Sturm könnte am Freitag
dagegen gebietsweise „Ocker“ nötig werden.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen