#SXEU31 #DWAV070800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch den 07.10.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 070800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 07.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrW (Trog Westeuropa) mit Übergang zu Wz (West zyklonal)
FELICIA und das Ende des Spätsommers – ab der kommenden Nacht signifikanter und
facettenreicher Wetter-/Luftmassenwechsel.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch… Sollte sich jemand aus der geneigten Leserschaft dieses Bulletins
mit dem Gedanken tragen, ein für heute geplantes Outdoor-Event – sei es
Radfahren, Wandern, Sporteln, Barbecue (mittags), Garten aufräumen oder was weiß
ich – zu verschieben oder gar zu prokrastinieren – donŽt do that. Carpe diem
lautet das Motto, steht uns doch heute der (vorerst??) letzte Frühherbsttag mit
markant spätsommerlichen Zügen in Haus, den es zu nutzen gilt. Danach wirdŽs
erstmal ungemütlicher, aber auch abwechslungsreicher, was dem Hoffmann gut
gefällt. Tagtäglich Synoptische Übersichten über BM (Brücke Mitteleuropa) zu
schreiben, wird schnell sehr langweilig. Allein von daher ist es gut, dass sich
jetzt mal was tut in der Atmosphäre und uns der Atlantik ins Gedächtnis ruft,
dass er auch noch da ist und ein Wörtchen bei der Wetterentwicklung mitzureden
hat. Dass dabei u.a. auch ein Kollateraleffekt wie Regen auftritt, ist mehr als
erfreulich. Aber der Reihe nach.
Aktuell ist die Weichenstellung des bevorstehenden Wetterumschwungs bereits in
vollem Gange. So hat sich über UK/Irland ein fescher Randtrog formiert, der bis
morgen noch an Schärfe zulegt, um uns dann von West nach Ost zu überqueren.
Zudem wäre der Druckfall über Westeuropa zu nennen, der eine vom westlichen
Mittelmeer über Frankreich bis hoch an die südliche Norwegensee reichende Rinne
namens FELICIA geschaffen hat. Noch ist die Druckverteilung flach, aber Trog und
Rinne setzen ab der kommenden Nacht zu einer äußerst fruchtbaren Interaktion an
(Intensivierung des Druckfalls durch trogvorderseitiges PVA-Maximum), woraus
schlussendlich ein veritabler Wirbel am Rande zu einem Sturmtief resultiert, der
am Donnerstag über Norddeutschland zur Ostsee zieht. Es versteht sich von
selbst, dass dieses Tief (es wird weiterhin FELICIA heißen) eine Kaltfront
aufzubeiten hat, welche uns ebenfalls passiert und damit einen markanten
Luftmassenwechsel von xSp (gealterte Subtropikluft) hin zu mP (maritime
Polarluft) einleitet.
Nun greife ich aber schon wieder auf den Donnerstag vor, dabei gebieten es die
Höflichkeit und die Regeln zeitlich korrekter Chronologie, erst noch den
heutigen Mittwoch zu würdigen. Den verbringen wir nämlich am Rande des Hochs
DIETER über dem östlichen Mittel- respektive Südosteuropa unter einer noch
antizyklonal konturierten südwestlichen Höhenströmung. Diese weist eine nicht zu
übersehende Anomalie in Form eines kleinen Höhentiefs auf, das heute Morgen über
Altbayern liegt, von wo aus es in den nächsten Stunden weiter nach Tschechien
geht. Bei dem Tief handelt es sich übrigens um einen alten Bekannten, der als
Kaltlufttropfen am Montagfrüh über Südwestdeutschland Richtung Alpen gezogen ist
(wir erinnern uns, knapp über 50 l/m² in Meßstetten-Appental innert weniger
Stunden), diese überquert hat, um jetzt wieder mit allerdings deutlichen
Verlusten in der körpereigenen Substanz zurückzukehren. Vereinzelt reicht es
noch für einen schwachen Schauer im Süden und Südosten, ansonsten beschränkt
sich sein Impact auf wenige Wolkenfelder.
Die wird es etwas dichterer Natur auch hoch im Norden geben, teils als
Hochnebelreste, teils durch eine Warmfront induziert, die quasi den Fortsatz der
o.e. Kaltfront auf der Westflanke der Rinne markiert. Im größten Teil des Landes
aber gibt die Sonne trotz einiger meist lockerer Wolken nochmal ordentlich Gas,
was verbreitet Nachmittagstemperaturen zwischen 20 und 24, in der Südhälfte
nicht selten gar 25, 26 oder am im südlichen Oberrheingraben vielleicht sogar
27°C zur Folge hat. Das schreit nach T-Shirt und kurzen Hosen, bevorŽs dann
morgen mit einem regelrechten Temperatursturz mächtig was auf die Glocke gibt.
In den Alpen wird es leicht föhnig (Innsbruck-Bozen immerhin mit 6 hPa in der
Spitze), vielleicht gibt es oben die ein oder andere Böe 8 Bft.
Interessant wird es zum Abend hin im äußersten Westen und Südwesten, wo mit der
süd-südwestlichen Strömung nicht nur eben warme, sondern auch zunehmend feuchte
(PPW um oder über 30 mm) und leidlich labil geschichtete Luft advehiert wird.
Einige Wochen zurück, und wir müssten uns heute früh ernsthafte Gedanken über
eine ausgewachsene Unwetterlage mit Schwergewittern machen. Der Imperativ der
Jahreszeit – nota bene, wir schreiben Herbst – ist mittlerweile aber so
eindeutig, dass uns das ganz große Tamtam erspart bleibt. Nichtsdestotrotz,
neben Schauern dürften durchaus auch einzelne Gewitter ins Rennen gehen, die
zwar ziehen, lokal aber trotzdem Starkregen der Größenordnung 15 bis 25 l/m²
innert kurzer Zeit neben Böen 7-8 Bft zustande bringen können.
In der Nacht zum Donnerstag zieht das sich kontinuierlich vertiefende Tief in
den Raum Hamburg, wo es am Morgen mit etwa 1000 hPa im Kern aufschlägt. Der
stromauf folgende, mittlerweile messerscharf geschnittene Randtrog bleibt bis
zum Frühstück noch knapp außen vor, was auf die baroklin sehr gut aufgestellte
Kaltfront nicht zutrifft. Eingebettet in einen wunderbar ausgeprägten Bodentrog
greift sie auf die westlichen Landesteile über, was mehrere Konsequenzen nach
sich zieht: Erstens, es fängt in der Westhälfte an zu regnen und das nicht zu
knapp. So gibt es Hinweise, dass bevorzugt im westlichen Mittelgebirgsraum lokal
die ein- oder mehrstündige Starkregenschwelle gerissen wird. Ob sich das
warntechnisch adäquat abbilden lässt, bleibt abzuwarten. Haarspaltereien (in dem
Sinne, wenn wir uns nur an der Schwelle zum formalen Starkregen befinden)
sollten wir angesichts der trockenen Vorgeschichte besser vermeiden. Zweitens,
die einzelnen präfrontalen Gewitter weiten sich ost-nordostwärts aus mit im
Laufe der Nacht abnehmender Auftrittswahrscheinlichkeit. Drittens, mit Passage
der Front frischt der Wind nicht nur böig auf, er legt auch eine signifikante
Drehung von Süd auf Nordwest bis Nord hin. Vereinzelt, im Bergland häufiger muss
mit steifen Böen 7 Bft, in exponierten Hochlagen mit stürmischen Böen 8 Bft
(Brocken 9 Bft) gerechnet werden. Richtig stürmisch mit Spitzen 8-9 Bft wird es
auf und an der Nordsee (Nordwest bis Nord), während es der Süd-Südostwind vor
dem Tief an der Ostsee deutlich gemächlicher angehen lässt.
Der Osten und Südosten der Republik bleiben von den zyklonalen Geschehnissen des
Westens noch weitgehend verschont. Zwar wird es peu a peu wolkiger, der große
Regen bleibt aber noch ebenso aus wie nennenswerter Wind (außer auf den Bergen).
Außerdem wird dort die Nacht im deutschlandinternen Vergleich am frischesten.
Örtlich kühlt es nochmal auf 7°C oder gar etwas darunter ab, wohingegen weiter
westlich meist zweistellige Tiefstwerte bis zu 16°C auf der Karte stehen
Donnerstag… erreicht nun auch der Trog den Vorhersageraum, um ihn im
Tagesverlauf und ein Stück weit auch noch in der Folgenacht ostwärts zu
passieren. Mittlerweile ist die Wellenlänge so kurz und die Amplitude so lang,
dass es knapp südlich der Alpen zum Cut-Off mit gleichzeitiger Zyklogenese über
Oberitalien kommt. Das wiederum hat zur Folge, dass die Kaltfront des über
Dänemark ost-nordostwärts ziehenden Tiefs im Süden etwas in ihrer Progression
gebremst wird. Mit dem Resultat, dass es dort (insbesondere südlich der Donau
sowie in Niederbayern) etwas längere Zeit skalig regnet wie in anderen Regionen.
Der meiste Niederschlag dürfte an und in den Alpen runterkommen, wo sich
postfrontal vorübergehend eine Stauphase einstellt, welche die Hebungsprozesse
forciert. Akkumuliert bis Freitagfrüh 06 UTC sind im Alpenstau durchaus 30 bis
40, lokal vielleicht bis 50 l/m² drin, wobei der Schwerpunkt im westlichen
Bereich zu finden ist. Auch das Wort „Schnee“ findet nun wieder Einzug in die
Wetterberichte. So sinkt die Schneefallgrenze in den Alpen in der Nacht zum
Freitag auf unter 1500 m. Allerdings gilt einmal mehr, wenn die Kaltluft so
richtig ankommt (und die Schneefallgrenze noch weiter nach unten drücken würde),
hört der Niederschlag auf. Aber gut, oberhalb 1500 m wird am Freitagmorgen wohl
eine wenige Zentimeter dünne Neuschneedecke die Landschaft schmücken.
Was gibt es sonst noch an diesem Donnerstag, den 8. Oktober. Nun, bis zum Abend
wird das ganze Land von frischer maritimer Polarluft geflutet (mP), in der T850
auf unter 5°C, im Norden teils auf 0°C zurückgeht. Dabei stellt sich nach dem
frontalen Regen wechselhaftes Schauerwetter ein, bei dem im Nordwesten ein
kurzes Graupelgewitter mit Böen 7-8 Bft nicht ausgeschlossen ist. Einzelne
markante Gewitter (Böen, SR) sind durchaus auch im Südosten möglich, dort
allerdings an der Front mit Hilfe des letzten Rests Warmluft, die kurz danach
getilgt wird. Weiterhin ein Thema bleibt der Wind, der sowohl bei Frontpassage,
aber auch dahinter (klassische Kaltluftböigkeit) merklich auffrischen kann mit
Böen 6-7 Bft, in exponierten Hochlagen darüber (8-9 Bft). Warntechnisch ist das
Ganze eine undankbare Angelegenheit, weil es erstens meist nur für kurze Zeit
und zweitens nicht flächendeckend aufbrist. Einfacher wirdŽs an der See sowie im
küstennahen Binnenland, wo der nun auch an der Ostsee auf Nordwest drehende Wind
in Böen Stärke 7-8 Bft, an der Nordsee anfangs bis 9 Bft.
Wie bereits weiter oben schon erwähnt, gilt es morgen einen satten
Temperatursturz auszuhalten, der im Süden und Südwesten z.T. rund 10 Kelvin
beträgt. Mit anderen Worten, 13 bis 19°C sind das Maß der Dinge, nur zwischen
dem östlichen Oberbayern über Sachsen bis hoch in die Mark Brandenburg werden
nochmal 20°C oder etwas mehr erreicht.
In der Nacht zum Freitag verabschiedet sich der Randtrog gen Osten. Rückseitig
setzt Druck- und Potenzialanstieg ein, der aber zur Zwischenhochcharakter hat.
Bei Island steht mit GABRIELA schon das nächste Tief parat, einzig und allein
mit dem Ziel, uns die nächste Watschn zu verpassen. Bevor das passiert, beruhigt
sich die Szenerie bei uns aber für ein paar Stunden. Heißt, sich in die Alpen
zurückziehende Niederschläge, nachlassende Schauer (mit Ausnahme der Küste, wo
noch ein paar Huschen unterwegs sind) und auch nachlassender Wind (an der Küste
aber noch längere Zeit warnwürdig, vor allem auf Ostseeseite im Schlepptau der
Richtung Finnischer Meerbusen abziehenden FELICIA). Ansonsten lockert die
Bewölkung auf und in der frischen, nicht allzu feuchten Polarluft kühlt es außer
direkt an der See auf 9 bis 3°C ab.
Freitag… stellt sich eine Zweiteilung des Wetters bei uns ein. Während sich
nach Süden und Südosten hin der Zwischenhocheinfluss als einigermaßen resilient
entpuppt (=> Sonne und Wolken, meist trocken), wird der Rest des Landes vom
neuen Tief attackiert. Wobei das nicht ganz richtig ist, ist es doch weniger die
GABRIELE selbst, die nur langsam den Raum Island Richtung nördliche Nordsee
verlässt als das zugehörige Frontensystem, das klaren Kurs Nordwestdeutschland
fährt. Ausgestattet ist das System mit einer gut definierten Warmfront, in deren
Vorfeld kräftige WLA generiert wird. Es verwundert also nicht, dass bereits am
frühen Morgen stratiformer Regen von der Nordsee und den Niederlanden
übergreift, der bis Mittag große Teile West- und Norddeutschlands erfasst haben
dürfte, um danach abschwächend auch noch den Osten und Süden in Angriff zu
nehmen. Vor der Warmfront bzw. im Warmsektor frischt der auf Südwest
rückdrehende Wind mitunter auf, was aufgrund der stabilen Schichtung vor allem
in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen sowie an der See zu spüren sein
wird (7-8, Brocken bis 10, in der Nacht evtl. sogar bis 11 Bft). Im Nordwesten
sind aber auch in tiefen Lagen einige Böen 7 Bft möglich, zumal man dort ja auch
alsbald auf die Vorderseite der nachfolgenden Kaltfront gelangt. Dabei geht der
skalige Regen in schauerartigen Regen und einzelne Gewitter (vor allem
Nordseenähe) mit Böen bis 8 Bft über. Thermisch sind aus dieser Lage nicht mehr
als 12 bis 17°C rauszuholen, was für Oktober aber immer noch als mild gilt. Na
dann…
Modellvergleich und -einschätzung
Die bevorstehende Umstellung haben die Modelle unisono im Programm. Dass dabei
aufgrund der Vielfältigkeit (Niederschlag, Gewitter, Wind) gewisse Unschärfen
bzw. kleine Diskrepanzen auftreten, liegt in der Natur der Sache. Aus
warntechnischer Perspektive dürfte wie oben schon erwähnt die Windentwicklung
die größte Herausforderung werden (außer den der Küste, wo die Angelegenheit
ziemlich klar ist). Unklar ist auch noch, ober Der Schwarzwald morgen eine
Stark-, eine Dauerregen- oder überhaupt keine Regenwarnung braucht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann