S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 16.09.2026 um 10.30 UTC

Unbeständig, zeitweise frischer Wind und ab Sonntag zunehmend kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 23.09.2026

Am Samstag, zu Beginn des Mittelfristzeitraums zieht zum einen ein Randtrog
ostwärts ab, gleichzeitig regeneriert sich der Langwellentrog über dem Atlantik.
Zum anderen nähert sich bereits ein neuer Randtrog von den britischen Inseln
Mitteleuropa an.
Ein kleines Tiefresiduum des vorherigen Randtroges befindet sich anfänglich noch
über den östlichen Alpen und sorgt dort für etwas Regen und starke Bewölkung.
Über Mitteleuropa stellt sich insgesamt eine fast zonale westliche Anströmung
ein, bei der in Verbindung mit den atlantischen Randtrog ein teilokkludiertes
Frontensystem auf Norddeutschland übergreift. Dabei verstärkt sich zum einen der
Druckgradient und zum anderen werden wieder etwas mildere Luftmassen mit 850 hPa
Temperaturen um 10 Grad heran advehiert. Das vorankommen der Kaltfront wird
zunächst durch eine weitere Randtrogentwicklung über dem Atlantik
zurückgehalten.
In der Nacht zu Sonntag jedoch trogt der Langwellentrog nach Süden aus, wobei
auf dessen Vorderseite auch die Kaltfront rasch südwärts vorstoßen kann.
Gleichzeitig wölbt sich das hochreichende Azorenhoch in Richtung Island auf, so
dass der Trog auf dessen Ostflanke quasi ungestörten Zugang nach Europa hat.

Am Sonntag greift der umfangreiche nordeuropäische Langwellentrog mit
hochreichendem Kaltluftkörper auf Mitteleuropa über. Im Vorfeld verlagert sich
zugehörige Kaltfront rasch zu den Alpen. Entlang der Kaltfront und auch im
Umfeld des Trogs ist es labil geschichtet und die Scherung ist nicht zu
verachten. Es wird auch etwas MUCAPE generiert. Auch wenn die Modelle keine
Gewitter in der Symbolik drin haben, können diese nicht gänzlich ausgeschlossen
werden. Der Druckgradient verschärft sich auf alle Fälle, so dass an den Küsten
und auf den Mittelgebirgen mit Windstärke 8 bis 9 zu rechnen ist. Im nördlichen
Flachland kann es gebietsweise zu Windböen kommen. In Verbindung mit Schauern
und Gewittern sind ebenfalls Sturmböen nicht ausgeschlossen. Regen dürfte kein
großes Thema sein, jedoch könnten im Stau der Mittelgebirge und der Alpen, bzw.
bei Schauerstraßen auch an den Küsten strichweise zu mehrstündigen Starkregen
kommen.

Am Montag befindet sich Deutschland zwischen dem ausgeprägten Lagenwellentrog
über Osteuropa und dem sehr kräftigen Höhenrücken über Westeuropa. Dabei werden
weiterhin eher kühle Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen um 3 Grad nach
Deutschland geführt. Der Druckgradient bleibt kräftig, an den Küsten und auf den
Mittelgebirgen treten Sturmböen aus Nordwest auf, im Nordosten treten
gebietsweise Windböen evtl. stürmsiche Böen. Die Luftmassen sind im Trogbereich
labil geschichtet, so kommt es immer wieder zu Schauern und evtl. einzelnen
Gewittern. Im Alpenrand kommt es zu schauerartig verstärkten Regenfällen die im
Tagesverlauf nachlassen.

Am Dienstag und Mittwoch tropft der Langwellentrog über Südosteuropa ab,
gleichzeitig wölbt sich der Höhenrücken in Richtung Skandinavien auf.
Deutschland gerät zunehmen unter Hochdruckeinfluss und das Wetter stabilisiert
sich.

In der erweiterten Mittelfrist bleibt zunächst der Einfluss des Rückens über
Deutschland erhalten, jedoch soll sich ein neuer atlantischer Langwellentrog
Europa annähern. Der Rücken kippt nach Osten, so dass wieder Randtröge das
Wetter im Norden wechselhaft gestallten können.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Sonntag ist die Vorhersage der verschiedenen IFS Läufe recht kongruent.
Nachfolgend gibt es Unterschiede bei der Entwicklung eines Langwellentrogs, der
vom europäischen Nordmeer auf Mitteleuropa übergreift. Im aktuellen Lauf soll
dieser etwas schneller und etwas weiter westlicher auf uns übergreifen und
nachfolgt auch weiter nach Süden vorstoßen. Die damit verbundene
Luftmassengrenze zwischen Trog und dem Azorenhoch soll demnach etwas weiter
westlicher liegen und es gelangen etwas kühlere Luftmassen zu uns.
Generell ist die Vorhersage des Troges sehr unsicher. Nach dem aktuellen Lauf
könnte der Druckgradient am Montag etwas stärker werden und vor allem im
Nordosten flächig für starke bis stürmische Böen sorgen. Die Temperaturen wären
ebenfalls nur etwas geringer.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis Sonntag simulieren die Modelle alle ein ähnliches Bild, nachfolgend gibt es
Unterschiede wie und wo der Langwellentrog auf Mitteleuropa übergreift und wo
genau der Grenzbereich zu dem westlichen Höhenrücken liegt.

Wirklich signifikante Unterschiede in den Ausprägungen gibt es aber nicht. Mal
ist es im Nordosten etwas windiger oder eben nicht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Wie auch schon in den Vortagen ist der Wetterwechsel ab Sonntag sehr unsicher.
Die Plumes öffnen den Spread sehr stark an. Wobei die Mehrheit beim ECMWF
Ensemble nun die etwas kältere Trogvariante, analog zum IFS bevorzugt.

Das Ensemble des GFS lässt es nicht ganz so kühl werden Anfang nächster Woche,
die Mehrheit lässt aber auch da den Trog auf Deutschland übergreifen.

In der Clusteranalyse weisen alle Cluster zunächst den Rücken mit anschließendem
Blocking auf. Jedoch gibt es Unterschiede bei der genauen Druckverteilung.
Das Blocking könnte auch bis zum Ende der erweiterten Mittelfrist halten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Küstenumfeld und auf den Mittelgebirgen gibt es immer mal wieder Böen der
Stärke 8 bis 9, zeitweise sind auch 10er Böen nicht auszuschließen. Am Sonntag,
aber vorallem am Montag gibt es auch Anzeichen, dass in Verbindung mit einer
Schauerlage auch im Flachland stürmische Böen auftreten können.

Eine Dauerregenlage ist zwar nicht in Sicht, jedoch können wiederholte Schauer
ab Sonntag strichweise zu mehrstündigen Starkregen oder 12-stündigen Dauerregen
führen. Dies ist aktuell aber sehr unsicher.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher