S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 15.09.2026 um 10.30 UTC

Im Norden oft frischer Wind, sonst leicht wechselhaftes und eher mildes Wetter.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 22.09.2026

Zu Beginn der Mittelfrist am Freitag befindet sich Mitteleuropa auf der
Vorderseite eines Langwellentrogs, der sich von Island bis nach Nordwestafrika
erstreckt. Dieser greift im Laufe des Tages auf Deutschland über, wobei eine
dazugehörige Frontalzone bereits Freitagvormittag diagonal von Südwesten bis
Nordosten über Deutschland liegt und für etwas Regen sorgt. Gleichzeitig stärkt
sich der Druckgradient, so dass vor allem im Norden ein lebhafter Wind weht. An
der Küste und auf den Mittelgebirgen treten auch stürmische Böen aus westlichen
Richtungen auf.
Der Trog verlagert sich weiter ostwärts, wobei über dem Mittelmeer ein
Abtropfprozess in Gang kommt und die Trogachse im Süden nur langsam nach Osten
vorrankommt. Je nach dem wie sich der Abtropfprozess gestaltet, könnte es auch
zu anhaltenden Regen im südöstlichen Alpenrand kommen. Im aktuellen IFS Lauf
sollte der Regen aber bereits in der Nacht zu Samstag nach Osten abgezogen sein.

Vom Atlantik her regeneriert sich der Trog und es stellt sich eine zonale
westliche Strömung ein. Ausgehend von einem weiteren Randtrog greift ausgangs
der Nacht zu Samstag ein neues teilokkludiertes und zu Wellen neigendes
Frontensystem auf Deutschland über.

Am Samstag greift der neue atlantische Randtrog auf Deutschland über, wobei
wieder etwas mildere Luftmassen herangeführt werden. Es kommt zu leichten Regen,
jedoch verstärkt sich erneut der Druckgradient. Im Norden muss daher
gebietsweise mit starken Böen, an der Küste und auf den Mittelgebirgen auch mit
Sturmböen aus West gerechnet werden. Die Tagesmaxima liegen zwischen 18 und 23
Grad.
Von den Azoren her wölbt sich dabei ein Höhenrücken nach Norden auf und sorgt
dafür, dass die zugehörige Kaltfront nicht weit nach Süden vorstoßen kann. Die
zonale Westanströmung bleibt, wenn nicht ganz störungsfrei erhalten.

Am Sonntag wölbt sich das Azorenhoch in Richtung Grönland auf, dabei kann der
Trog weiter nach Süden vorstoßen und greift mit ein schwall kühler und
trockenerer Polarluft auf Mitteleuropa über. Die Kaltfront kann nun Raum nach
Süden machen, entlang der Kaltfront kommt es zu teils kräftigen Regenfällen. Vor
der Kaltfront liegen die 850 hPa Temperaturen bis 12 Grad, hinter ihr sinken sie
auf Werte um 4 Grad.
In der Nacht zu Montag kann die Kaltfront bis an die Alpen vorstoßen,
gleichzeitig wölbt sich das Azorenhoch in Richtung Westeuropa auf, wobei
Deutschland zwischen dem kräftigen Hochkeil über dem Atlantik und dem
Langwellentrog über Nordosteuropa in eine eher kühle nordwestliche Anströmung
gelangt.

Am Montag und Dienstag ändert sich im Gro nicht viel an dieser Konstellation.
Der Langwellentrog im Osten kann Raum bis zum Schwarzen Meer gut machen, während
das Hoch weiterhin für eher ruhiges Wetter im West- und Mitteleuropa sorgt.
Deutschland liegt also zwischen den Stühlen, wobei immer wieder schwache
Tiefausläufer vorallem im Norden und Nordwesten für starke Bewölkung und etwas
Regen sorgen.

In der erweiterten Mittelfrist soll das Hoch auf Mitteleuropa ganz übergreifen
und wieder recht warme Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen bis 15 Grad nach
Deutschland einfließen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der IFS Läufe ist recht gut.
Es gibt durchaus Varianzen bei der genauen Trogkonfiguration, so dass der
Abtropfprozess über Südeuropa jeweils etwas anders vonstattengeht. Die
Frontenabfolge und die damit verbundenen Wetterwechsel simulieren die IFS-Läufe
mit kleineren Unterschieden im zeitlichen Ablauf aber ähnlich. Gerade der Ablauf
des sich stärkenden Azorenhochs am Ende des Mittelfristzeitraums und der
gleichzeitige kräftige Kaltlufteinschub an der Rückseite eines umfangreichen
Langwellentroges simulieren alle IFS Läufe sehr kongruent, aber mit gewissen
unterschieden in der Stärke und im Timing.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Den Abtropfprozess über Südeuropa am Freitag simulieren alle Globalmodelle
jeweils etwas anders und auch die Interaktion des Azorenhochs mit dem
atlantischen Langwellentrog ist noch unsicher. Wann bzw. wie die Kaltfront auf
Mitteleuropa vorstoßen kann, wird immer etwas anders simuliert. Die Stärkung des
Azorenhochs simulieren aber alle Globalmodelle ähnlich, jedoch wie stark der
Einfluss des Hochs ab nächster Woche auf Deutschland ist bzw. des Troges, wird
ebenfalls jeweils etwas anders simuliert.
Wir sitzen sprichwörtlich zwischen den Stühlen und zwischen zwei recht
unterschiedlichen Wetterregimen. Welches gewinnt, ist aktuell unklar.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis Sonntag ist der Spread des Ensembles sehr eng, wenn am Sonntag der Wechsel
von der eher zonalen Anströmung auf fast meridionale Anströmung ansteht, gibt
aber einige Unsicherheiten. Befinden wir uns eher auf der kalten oder milden
Seite, ist aktuell völlig unsicher. Ab Sonntag öffnet sich der Spread im 850 hPa
Temperaturfeld, aber auch im 500 hPa Geopotentialfeld sehr stark.

In der Clusteranalyse gibt es 5 Cluster, alle haben zu Beginn die positive NAO
und zum Schluss ein kräftiges Blocking anzubieten. Dazwischen bleibt es
ungewiss.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Mittelfristzeitraum bleibt der Druckgradient meist kräftig, vor allem im
Norden kann es an den Küsten und auf den Mittelgebirgen immer wieder zu
stürmischen Böen oder Sturmböen kommen.

Ansonsten werden keine markanten Wetterfahren erwartet.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher