S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 25.08.2026 um 10.30 UTC

Im Norden Übergang zu herbstlichem Wettercharakter, vorher aber zunächst
unwetterträchtige Schwergewitterlage am Freitag! Danach sehr unbeständig mit
Zweiteilung zwischen kühlem Norden und milderem und sonnigerem Süden. Insgesamt
sinkendes Temperaturniveau.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 01.09.2026

Man mag es kaum glauben – aber es gibt sie noch: Zyklonale Südwestlagen. Mit
einer solchen steigen wir heute in die Mittelfrist ein. Diese Lage wird ihrem
Namen auch gleich gerecht, denn direkt am Freitag erfolgt erst einmal ein
Luftmassenwechsel mit Pauken und Trompeten. Danach macht sich die bereits
fortgeschrittene Jahreszeit bemerkbar – ja, bald ist meteorologischer
Herbstbeginn…! Ab dem kommenden Wochenende stellt sich nämlich anschließend
eine zyklonal geprägte Westlage mit zonaler Grundströmung ein. Auch etwas, was
man schon ziemlich lange nicht mehr gesehen hat. Durchziehende Kurzwellentröge
bringen dann auch endlich etwas Regen. Dabei kühlt es vor allem im Norden auch
weiter sukzessive ab. Das fühlt sich dann wahrscheinlich wirklich schon wie
Herbst an. Das grundlegende Geschehen vorweggenommen geht es nun noch etwas in
die Details:

Am Freitag erstreckt sich ein Langwellentrog mit Zentrum über Schottland weit
ausgreifend nach Süden bis hinein nach Marokko. Dem gegenüber wölbt sich ein
Höhenkeil mit Achse ausgehend von Süditalien über den Balkan hinweg bis ins
Baltikum und Südfinnland. Bodennah greift das Schottlandtief dabei bereits bis
nach Deutschland aus und wirkt hier in Form eines flachen Bodentroges. Dieser
Bodentrog läuft einer Kaltfront voraus, die im Laufe des Tages und in der Nacht
zum Samstag für einen markanten Luftmassenwechsel sorgt. Der vorderseitige
Warmluftsektor wird mit einer sehr feuchten und heißen Luftmasse versorgt (T850
im Osten um 20°C), während rückseitig eine maritim geprägte subpolare Luftmasse
(T850 um 14°C mit Tendenz zu weiterer Abkühlung) wirksam wird. Das Ganze geht
dementsprechend nicht geräuschlos vonstatten. Die Luftmasse ist äußerst labil,
zumal die Höhenkaltluft offenbar deutlich schneller vorankommt als die
bodennahe. Das führt zu erheblichem Unwetterpotential bei CAPE-Werten von
großflächig über 1000 J/kg, im Warmsektor sogar teils über 2000 J/kg,
gleichzeitig teils enormer DLS von 20 bis 30 m/s. So zumindest nach
ECMWF-Lesart, andere Modelle wie z.B. ICON sind hier deutlich sanfter unterwegs,
vor allem bezüglich der Labilität. Nichtsdestotrotz ist das Potential für
organisierte Konvektion erheblich. Vorlaufend sind im Warmsektor diskrete
Superzellen mit Potential für großen Hagel und Sturm- bis Orkanböen denkbar. Mit
Frontdurchgang deuten sich größere Squall-Line-Segmente, oder aber wenigstens
linienartig organisierte Konvektion an, ebenfalls mit Potential für Unwetter
durch Starkregen und schweren Sturm- bis orkanartigen Böen. Hauptschwerpunkt
wird dabei wohl die Südosthälfte Deutschlands sein, nachdem bereits in der
Vornacht ein größeres Gewittercluster (MCS) im Rahmen des sich nähernden
Bodentiefs den Nordwesten gestreift hat. Entsprechende Unterschiede gibt es auch
bei den Höchsttemperaturen: Während im Osten stellenweise bis 31°C erreicht
werden, geht es westlich des Rheins nur noch auf 22 bis 24°C hoch.
In der Nacht zum Samstag lässt die Gewitteraktivität grundsätzlich nach. Noch
nicht ganz klar ist dabei die Entwicklung im Nordwesten. Abhängig von der Lage
des Bodentiefs über Südengland und der Nordsee ist die Entwicklung eines zweiten
Gewitterclusters nicht ausgeschlossen.

Am Samstag ist der Luftmassenwechsel erst einmal abgeschlossen. Es stellt sich
mehr oder weniger klassisches „Rückseitenwetter“ ein. Dieses kennzeichnet sich
üblicherweise durch wechselnde, meist tiefe Bewölkung und einige Restschauer
sowie anfangs noch in Böen recht frischen Wind. Die Schauertätigkeit betrifft
hier vor allem den Nordwesten. Diese werden vor allem durch eingelagerte
Kurzwellentröge in einer flatternden West- bis Südwestströmung verursacht. Die
Wetterlage ist nun insgesamt ausgesprochen zyklonal geprägt, wobei sehr
komplexes Tiefdruckgeschehen mit mehreren Tiefdruckzentrum über den Britischen
Inseln und Südskandinavien zum Tragen kommt, während Deutschland sich im Bereich
der Frontalzone befindet. Das erhöht entsprechend die Prognoseunsicherheit.
Relevant dürfte aber für den Abend und die Nacht zum Sonntag ein neu
entstehendes Randtief bei Wales sein, dass sich dann bereits der deutschen
Nordseeküste nähert. Dort setzen entsprechend größerflächige Regenfälle ein,
zudem frischt der Wind deutlich auf, einzelne Sturmböen auf den Inseln nicht
ausgeschlossen. Ansonsten bleibt es größtenteils trocken. Die höchsten
Sonnenanteile finden sich dabei voraussichtlich südlich der Donau. Die
Temperaturen bewegen sich auf spätsommerlichem Niveau zwischen 20 und 25°C.

Am Sonntag nähert sich das erwähnte Randtief weiter an, kommt zunächst über der
Deutschen Bucht zu liegen und zieht anschließend Richtung Ostsee ab. Die teils
schauerartigen Regenfälle weiten sich im Norden dabei noch etwas aus, zudem
können einzelne Gewitter eingelagert sein. Je nach Lage und Zugbahn dieses Tiefs
wird es im Norden auch ziemlich windig bis stürmisch, mit der höchsten
Wahrscheinlichkeit entlang der Nordsee. Aber auch ein großräumigeres Ausgreifen
ins Binnenland ist nicht ausgeschlossen. In der Mitte und im Süden bleibt es
dagegen wahrscheinlich trocken, erst in der Nacht zum Montag ziehen auch hier
von Westen einzelne Schauer und Gewitter durch. Die Temperaturen ähneln dabei
dem Vortag. Bei guter Grenzschichtdurchmischung sind auch keine größeren
Unterschiede zu erwarten. Am kühlsten wird es in Schleswig-Holstein mit kaum
über 20°C.

Am Montag nähert sich ein weiterer markanter Kurzwellentrog. Dieser zeichnet
sich deutlich ausgeprägter ab als sein kleinerer Vorgänger vom Sonntag. Damit
gelangt zumindest im Norden ein neuer Schub maritimer Kaltluft nach Deutschland.
Dort regnet und schauert es weiterhin bei noch weiter auffrischendem bis hin zu
stürmischem West- bis Nordwestwind und Werten kaum über 20°C. Fast schon
astreines Herbstwetter. Im Süden stellt sich das Geschehen dagegen deutlich
freundlicher dar bei zunächst nur wenigen bis gar keinen Niederschlägen und
höherer Sonnenscheindauer. Allerdings deutet sich gleichzeitig die Entwicklung
eines Oberitalientiefs an, in dessen Zuge über die Alpen hinweg zunehmend
instabile Mittelmeerluftmasse in den Süden einsickert. Damit erhöht sich dort
das Gewitterpotential, was die Numerik auch für den Montagnachmittag und -abend
dort andeutet. Angesichts dort nicht vorhandener Dynamik dürften sich die
Auswirkungen aber in Grenzen halten.

Wie es anschließend in der erweiterten Mittelfrist weitergeht, ist unklar. Neben
anhaltender Zyklonalität (Herbstwetter) steht auch ein neuer blockierender
atlantischer Höhenrücken (Spätsommer) im Raum.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die letzten IFS-Läufe zeichnen sich durch recht hohe Konsistenz aus. In der
Natur der Sache liegt es dabei, dass die Wetterlage (SWz/Wz) in sich mit
Unsicherheiten behaftet ist. Recht chaotisches Tiefdruckgeschehen im Norden hat
Auswirkungen auch auf unseren Vorhersagebereich und ist immer mit Unwägbarkeiten
verbunden, vor allem was Niederschlags- und Windentwicklung betrifft. Der
generelle Fahrplan steht aber bezüglich des zu erwartenden Witterungsgeschehens
auf relativ festen Füßen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die anderen Globalmodelle bilden die beschriebene Entwicklung im
Wesentlichen so ab. Der Teufel liegt natürlich im Detail, insbesondere was den
Durchzug der Tiefdruckgebiete ab dem Wochenende angeht. Hier zeigen sich
durchaus noch recht signifikante Unterschiede im Wetterablauf, der sehr stark
von der jeweiligen Zugbahn abhängt und natürlich noch mit großen Unterschieden
in der Numerik behaftet ist. Auch wie sich die Gewitterlage ausgangs der Nacht
zum Freitag darstellt, ist natürlich im Detail noch nicht ganz klar, aber die
groben Strukturen mit den jeweiligen räumlichen Schwerpunkten werden schon recht
konsistent abgebildet.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Zu den Rauchfahnen gibt es nicht viel zu berichten. Diese zeigen die
vergleichsweise hohe Prognosesicherheit in Form trauter Einigkeit und fangen
erst im erweiterten Mittelfristbereich an zu rauschen. Bis dahin bilden sie das
bereits beschriebene Geschehen genau so ab.

Ähnliches gilt für GEFS, wobei einzelne Perturbationen schon vorher ausreißen.
Das signifikante Rauschen beginnt aber ebenfalls erst im erweiterten
Mittelfristbereich.

Die Cluster sind sich insgesamt ziemlich uneins (5 bis t+96h, 3 bis t+168h, 6
bis t+240h), aber die Umstellung von Blocking auf NAO+ wird erst einmal homogen
gezeigt. Danach herrscht Wildwuchs ohne eindeutige Tendenz, was die bereits
getätigten Aussagen zu Unsicherheiten in der erweiterten Mittelfrist noch
untermauert.

Fazit:
Der Einstieg erfolgt mit großem Knall in Form einer unwetterträchtigen
Schwergewitterlage am Freitag, die sich aus dem Donnerstag heraus fortsetzt. Ab
dem Wochenende prägt dann wechselhaftes, eher kühleres und teils ziemlich
windiges Schauerwetter (Herbst!) den Norden, während es im Süden milder und
freundlicher (Spätsommer!) zugeht. Nachdem der Osten am Donnerstag nochmal in
den Genuss der 30°C-Marke kommt, war es das aber dann mit Hitze. Viel mehr als
25°C sind anschließend nicht mehr drin. Bis zum Beginn der kommenden Woche steht
der Fahrplan, danach zeigen sich allerdings derartige Unsicherheiten, dass ein
qualifiziertes Statement dazu nicht mehr möglich ist.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Donnerstag hohes Unwetterpotential durch schwere Gewitter mit allen
erdenklichen Begleiterscheinungen (Starkregen, großer Hagel, Sturm-/Orkanböen).
Schwerpunkt zum einen in der Südosthälfte, aber auch im äußeren Nordwesten
Unwetter nicht ausgeschlossen, hier ist die Entwicklung weniger sicher.

Ab Sonntag im Bereich der Küste und im angrenzenden Binnenland bis zur Elbe
wiederholt einzelne starke Gewitter möglich, zudem zunehmend stürmisch, vor
allem an der Küste. Im angrenzenden Binnenland mit rasch abnehmender
Wahrscheinlichkeit nach Süden hin. Die genaue Entwicklung ist dabei noch
unsicher.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF-IFS, ICON, ECMWF-ENS, MOSMIX

VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch