S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 12.08.2026 um 10.30 UTC

Wetterwende: Nach heißem Start am Samstag von Westen aufkommend teils kräftige
Schauer und Gewitter. Nachfolgend Abkühlung und wechselhaft.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 19.08.2026

Die Hitze geht zu Ende! Und es gibt sogar die Möglichkeit auf Niederschläge!
Tatsächlich manifestiert sich der Wetterwechsel zum kommenden Wochenende auch im
neuesten Lauf des EZMW.

Zum Beginn der Mittelfrist am kommenden Samstag gibt es jedoch noch einen Tag
mit außer im Norden verbreiteter, in der Mitte und im Südwesten regional teils
großer Hitze mit Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad. Möglich wird das durch
einen blockierenden Rücken, der sich vom zentralen Mittelmeer bis zum Baltikum
erstreckt und der ein Hoch über Osteuropa stützt. An der Westflanke davon strömt
aus Süden sehr warme bis heiße Subtropikluft mit T850 hPa von 15 bis 23 Grad
nach Deutschland. Im Tagesverlauf wird allerdings auch schon die Wetterwende
eingeläutet. Diese resultiert aus einem Trog, der vom Nordmeer ausgehend bis zur
Iberischen Halbinsel verläuft und der auf Ostkurs unterwegs ist. Er bringt ein
Tief über Skandinavien in Stellung, welches wiederum von Nordwesten eine
Kaltfront nach Deutschland vordringen lässt. Damit steigt das Schauer- und
Gewitterrisiko in der Westhälfte an.

Am Sonntag erreicht der Trog den Westen Deutschlands, sodass die Kaltfront des
Skandinavientiefs bis zum Abend den Osten überquert und bis zu den Alpen
vorstößt. Die T850 hPa sinken bei Drehung auf Nordwest postfrontal auf 4 Grad im
Norden bis 11 Grad im Süden.

Am Montag bringt ein flacher Rücken Zwischenhocheinfluss, bevor in der Nacht zum
Dienstag der nun über Skandinavien liegende Trog sich mit einem weiteren Trog
über dem Nordostatlantik verbindet. Damit können die Ausläufer eines Tiefs nahe
der Britischen Inseln Deutschland erfassen.

Im weiteren Verlauf der Woche bzw. bis in die Mittelfrist hinein bis zum
übernächsten Wochenende geht aus dem Zusammenschluss ein mächtiger Trog hervor,
der dann weite Teile von den Britischen Inseln bis nach Island und bis nach
Skandinavien überdeckt. Das Tief zieht im Verlauf dessen über Deutschland und
das Baltikum in den Nordwesten Russlands und gestaltet das Wetter wechselhaft
mit gebietsweisen Regenfällen, Schauern und Gewittern. In westlicher Strömung
liegen die T850 hPa bei 5 Grad im Norden bis 11 Grad im Süden.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die in den Vorläufen propagierte Wetterwende mit dem Ende der Hitze und
aufkommenden Niederschlägen bestätigt sich auch im neuen 0 UTC-Lauf vom heutigen
Mittwoch. Die Muster werden dabei weiterhin ähnlich gezeigt, allerdings ist der
Trog in der neuen Woche nun noch kräftiger. Die Abkühlung ist daher ziemlich
sicher, zudem könnten mehr Niederschläge auftreten als es der gestrige 0
UTC-Lauf noch prognostizierte. Der gestrige 12 UTC-Lauf ging auch schon in diese
Richtung.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON, GFS und UK10 bestätigen den Wetterwechsel ebenfalls, auch wenn
insbesondere beim Trog in der kommenden Woche einige Unterschiede zutage treten.
In Konsequenz betrifft das dann aber vor allem die zeitlich-räumliche
Verteilungen der in allen 3 Modellen vorhandenen Niederschläge.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen bestätigen für diverse deutsche Städte den Hauptlauf. Ab Montag
öffnen sich die Kurven zwar ein wenig, Hauptlauf und Median bleiben aber gut
gebündelt. Beim Geopot 500 hPa läuft der Hauptlauf ab der Wochenmitte allerdings
an den unteren Rand, sodass die Stärke des Trogeinflusses und damit verbunden
auch die Niederschläge etwas unsicher sind. Immerhin tauchen seit langer Zeit
wieder vermehrt Niederschlagspeaks auf, vor allem am Samstag/Sonntag und
Dienstag/Mittwoch.

CLUSTER:
4 Cluster werden im zweiten Zeitschritt von Montag 0 UTC bis Mittwoch 0 UTC
benötigt. Bei den meisten wird der Wechsel von der Blockierung zum atlantischen
Rücken vollzogen. Der Trog zeigt sich in teils unterschiedlicher Geometrie, ist
aber bei allen Clustern an ähnlicher Position zu sehen.
Im dritten Zeitschritt zwischen Donnerstag 0 UTC und Samstag 0 UTC gibt es nur
noch 3 Cluster, alle mit atlantischem Rücken. C1 mit 26 Mitgliedern entspricht
dem Hauptlauf, in C2 mit 17 Mitgliedern ist der Trog deutlich schwächer und wird
sogar von einem flachen Rücken unterlaufen. In C3 mit 8 Mitgliedern zieht der
Trog ab Donnerstag ostwärts ab, sodass sich erneut Hochdruckeinfluss durchsetzen
könnte.
Die Clusteranalyse bestätigt also das eher unsichere Troggeschehen in der neuen
Woche.

FAZIT:
Klar ist: Ab Samstag wird von Nordwesten und Westen her die Wetterwende
eingeläutet, sodass die Hitze geht und die Niederschläge kommen. Dabei sind am
Wochenende teils auch kräftige Gewitter möglich. Nicht ganz klar ist dagegen,
wieviel Nass es von oben in Summe bis in die erweiterte Mittelfrist gibt. Der
neueste EZMW-Lauf forciert den Trogeinfluss und die Niederschläge in der neuen
Woche, das Ensemble und andere globale Modelle streuen allerdings Zweifel daran.
Bleibt für die Natur zu hoffen, dass der Hauptlauf des EZMW Recht behält.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Am Samstag erreicht MU-CAPE in der Westhälfte moderate Werte bis etwa 1000 J/kg.
Dort sind lokal Gewitter mit Sturmböen, Hagel und Starkregen denkbar, Unwetter
drängen sich derzeit nicht unbedingt auf. Bei EFI zeigen sich im Nordwesten aber
erhöhte CAPE-SHEAR Werte, sodass dort die Organisation von Gewittern etwas
besser sein kann und vereinzelte Unwetter möglich sind.
Am Sonntag erreicht MU-CAPE präfrontal von der Mitte bis in den Süden 500 bis
1000, im Südosten lokal bis 2000 J/kg. Damit sind erneut eher markante Gewitter
zu erwarten, die vor allem im Südosten nachmittags vereinzelt auch unwetterartig
ausfallen können. Die Scherung bleibt dann allerdings eher mau.
In der neuen Woche nimmt das Gewitterpotenzial zunächst ab, ab Mitte der Woche
wieder ein wenig zu. Dann sind aber höchstens lokal markante Gewitter zu
erwarten.

DAUERREGEN:
COSMO-LEPS hat für Sonntag am Alpenrand und am Harz Wahrscheinlichkeiten bis 30
% für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden im Programm, was aber durch den neuesten
Lauf des EZMW-Ensembles nicht bestätigt wird. Ob es daher tatsächlich zu
Dauerregen kommt, bleibt noch abzuwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler