#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 09.07.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 09.07.2026 um 10.30 UTC
Ruhiges und mit Ausnahme des Nordens/Nordostens zunehmend heißes
Hochsommerwetter, gegen Ende zunehmende Gewitterneigung.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 16.07.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag liegen wir im Einfluss einer
Omega-ähnlichen Konstellation. Ein Höhenrücken erstreckt sich von Afrika über
Frankreich bis westlich von Irland, wo auch eine abgeschlossene Antizyklone zu
finden ist. Das Bodenhoch befindet sich nördlich und westlich von
Großbritannien. Flankiert wird dieser Rücken einerseits von einem Höhentief
westlich der Iberischen Halbinsel und einem weiteren über der Ukraine. Während
in den Nordosten mit einer nördlichen Strömung mäßig warme Luftmassen
einfließen, gelangt in den Südwesten zunehmend heiße Luft zu uns. Das Wetter
zeigt sich von seiner freundlichen Seite mit viel Sonnenschein, wobei die
Temperaturen im Südwesten um 35 und im Norden/Nordosten um 28 Grad liegen.
Deutlich kühler ist es an den Küsten bei auflandigem Wind.
Am Montag und Dienstag ändert sich an der großräumigen Strömung wenig. Das
Höhentief über dem Atlantik zieht etwas nach Norden. Das zweite Höhentief wird
zu einem Trog, der sich von Rumänien über die Ukraine bis nach Russland
erstreckt. Dazwischen sowie über Nordeuropa herrscht hohes Geopotential. Das
Bodenhoch liegt mit seinem Schwerpunkt weiter nördlich von Großbritannien, zieht
im Verlauf zur Norwegischen See und erstreckt sich bis nach Skandinavien und
Mitteleuropa. Somit ändert sich wenig am ruhigen Hochdruckwetter. Die warme bis
heiße Luftmasse kommt dabei etwas weiter nordostwärts voran. Am Oberrhein werden
bis 37 Grad erreicht, während der Norden und Nordosten weiterhin unter der
30-Grad-Marke verbleiben. Im Südwesten muss in den Niederungen zunehmend wieder
mit einer extremen Wärmebelastung gerechnet werden, aber auch in der Mitte und
im Süden steigt die Wärmebelastung an. Am Dienstagnachmittag besteht laut IFS in
den westlichen und zentralen Mittelgebirgen ein geringes Gewitterpotential.
Am Mittwoch ändert sich an der Großwetterlage weiterhin wenig. Der Rücken liegt
mit seiner Achse nun über Mitteleuropa, das Bodenhoch wandert mit seinem
Schwerpunkt nach Skandinavien. Das Höhentief nordwestlich der Iberischen
Halbinsel verändert seine Position kaum, der Trog über Osteuropa kommt etwas
weiter ostwärts voran. Somit ändert sich am Wetter in Deutschland nicht allzu
viel. Auffällig ist lediglich, dass IFS nun deutlichere Gewittersignale in den
zentralen Mittelgebirgen simuliert, während das ICON davon nix wissen möchte und
das GFS leichte Signale ganz im Westen sieht. Somit kann das Wetter als nicht
mehr ganz störungsfrei angesehen werden, wobei es sich bei den Gewittern –
sofern sie denn auftreten – um klassische Luftmassenkonvektion handelt. Die
Temperaturen bleiben unverändert.
Auch am Donnerstag befindet sich Deutschland unter Hochdruckeinfluss, das
Bodenhoch liegt dann sogar zentral über Deutschland. Allerdings befindet sich
einerseits die Rückenachse mittlerweile östlich von Deutschland, sodass wir
zunehmend auf die Vorderseite des zum Ärmelkanal ziehenden Tiefs/Trogs gelangen.
Andererseits befindet sich ein schwacher Kaltlufttropfen nördlich von uns.
Beides führt dazu, dass die Modelle deutlich mehr Konvektion simulieren. Mit dem
ruhigen Wetter dürfte es also dann vorbei sein. Bei dieser Luftmasse ist in den
Gewittern der Starkregen das Hauptproblem, der lokal dann auch wieder
unwetterartig ausfallen wird. Auch wegen der zunehmenden Konvektion gehen die
Temperaturmaxima geringfügig zurück. Aufgrund der zunehmenden Schwüle ändert
sich an der Wärmebelastung allerdings wenig.
Auch in der erweiterten Mittelfrist bleiben uns die hochsommerlichen
Temperaturen erhalten, die Gewittertätigkeit nimmt aber deutlich zu.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist kann die Konsistenz als gut eingestuft werden. Zwar
simuliert der gestrige 12UTC-Lauf einen kleinen Kaltlufttropfen über dem Norden,
der aber keine größeren Auswirkungen haben soll. Ab Wochenmitte nehmen die
Unsicherheiten zu. Bei den gestrigen Läufen sollte am Mittwoch die Rückenachse
noch westlich von uns liegen, im heutigen 00UTC-Lauf hingegen liegt der Rücken
zentral über Mitteleuropa mit einem kleinen Höhentief über Dänemark und
Südskandinavien. Somit ist noch unklar, ob bzw. inwiefern die „Gewitterei“
bereits am Mittwoch in Gang kommt. Die Unsicherheit setzt sich auch am
Donnerstag fort. Laut dem heutigen Lauf kommen wir bereits auf die
Trogvorderseite und es wird eine rege Gewitteraktivität simuliert. In den beiden
gestrigen Läufen lagen wir aber noch zentral (00UTC-Lauf) oder östlich
(12UTC-Lauf) der Rückenachse, was deutlich gedämpfte Konvektion zur Folge haben
würde.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Prinzip stützen die anderen Globalmodelle die beschriebenen
Wetterentwicklungen. Unsicherheit bringen vor allem Kaltlufttropfen in die
Vorhersage, die regional (insbesondere im Norden und Osten) mal für kompaktere
Wolkenfelder sorgen können. Ebenso mischen sich diese Kaltlufttropfen ab
Wochenmitte auch in die Gewittersituation ein. Laut ICON wird am Mittwoch in der
Nähe von Deutschland kein Höhentief simuliert, weshalb Hitzegewitter in den
Simulationen (weitgehend) ausbleiben, während bei IFS bereits Hitzegewitter
simuliert werden. Außerdem ist noch unsicher, wann die Rückenachse über
Deutschland hinwegzieht respektive auch aus diesen Gesichtspunkten die
„Gewitterei“ von Westen und Südwesten her zunimmt. Relativ sicher ist aber, dass
die Hitze zumindest in der Südwesthälfte bis Ende kommender Woche anhält.
FAZIT:
Eine neue Hitzewelle steht uns bevor. Während der Norden und Nordosten von der
Hitze verschont bleiben (Temperaturen durchweg unter 30 Grad), steigen in den
übrigen Landesteilen die Temperaturen wieder auf 30 bis 35 Grad, in den
Niederungen im Südwesten auch über 35 Grad mit entsprechender Hitzebelastung.
Zunächst ist noch ruhiges und überwiegend sonniges Wetter zu erwarten. Ab
Wochenmitte nimmt aber das Potential für Hitzegewitter wieder zu, mit den
bekannten Begleiterscheinungen, und die Luftmasse wird zunehmend schwüler.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen stützen die beschriebenen Entwicklungen. Zwar nimmt der Spread
bei Temperatur und Geopotential im Laufe der Mittelfrist peu-a-peu zu, im
Vergleich zu anderen Wetterlagen sind sie aber auch zum Ende der Mittelfrist
noch vergleichsweise eng gebündelt. Vor allem ab Mittwoch nehmen die Signale für
Niederschläge zu.
Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t120h-168h zwar vier Cluster
gezeigt, mit dem Kontrolllauf in Cluster 1 (20 Member). Alle Cluster werden aber
durchweg dem Blocking-Regime zugeordnet.
Auch in der erweiterten Mittelfrist (Zeitraum t192h-240h) setzt sich das
Blocking in den nun drei angebotenen Clustern fort, wobei sich der Kontrolllauf
erneut im größten Cluster 1 (27 Member) befindet.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Bis auf die zunehmende Hitzebelastung sind zunächst keine signifikanten
Wettererscheinungen zu erwarten.
Erst ab Mittwoch steigt das Potential für Hitzegewitter an, wobei sich die Läufe
noch nicht einig sind, wie zahlreich und verbreitet diese auftreten,
insbesondere am Donnerstag. Bei der vorherrschenden Luftmasse ist die Schwelle
für unwetterartigen Starkregen rasch überschritten. Da es sich überwiegend um
undynamische Luftmassenkonvektion handelt, dürften Hagel und Sturmböen zwar
nicht ausbleiben, aber ggü. dem Starkregen eher eine untergeordnete Rolle
spielen.
Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel