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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 29.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Von SWa zögernd zu BM

Wechselhaft mit wiederholt auftretenden, teils heftigen Schauern und Gewittern.
Unwettergefahr besonders durch Starkregen. Meist sommerlich warm, anfangs
regional auch noch heiß.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… starten wir in eine Kurzfrist, die endlich mal nicht mehr von extremer
Hitze und Rekordwerten dominiert wird.

Der für die Hitzewelle verantwortliche Höhenkeil liegt mittlerweile über
Osteuropa und schwächt sich dort sukzessive ab, nicht aber ohne auch dort die
Temperaturen ordentlich in die Höhe zu treiben. Derweilen baut sich während der
Kurzfrist vor der Biskaya eine neue umfangreiche Hochdruckzelle auf, die
zunehmend das Geschehen auf der europäischen Wetterkarte dominiert. Mitteleuropa
gelangt dabei zwischen die Stühle in eine Schwachstelle beim Geopotenzial, wobei
dies ein Trog über Nordwesteuropa wahrnimmt und sich sukzessive nach Deutschland
heranpirscht. Somit wird eine eher wechselhafte Witterung aufrechterhalten.

Heute tagsüber beschäftigt uns aber erstmal ein Kurzwellentrog, der (geschert)
den Nordwesten von Deutschland nordostwärts passiert. Seine Passage sorgt
temporär für niedertroposphärische Frontogenese entlang einer der Kaltfront
vorgelagerten Windkonvergenz (zum 00Z Termin wurde die eigentliche Kaltfront
noch über dem Westen von Benelux verortet). Das Residuum des gescherten Troges
liegt in Form einer Kurzwelle über Ostfrankreich und driftet von dort sukzessive
nach Süddeutschland.

Von daher wird sich das umfangreiche konvektive Niederschlagsgebiet, das sich im
Verlauf der Nacht von Frankreich bis in die Mitte und am Vormittag bis in den
Norden der Republik voran gearbeitet hat, weiter nordostwärts ausdehnen. Dabei
sorgen eingebettete konvektive Elemente für eine lokale/temporäre Unwettergefahr
durch Starkregen mit Mengen von 25 bis lokal 30 l/qm/h. Auch im Osten konnte
sich ein Cluster aus der Nacht in Richtung Lausitz retten, lokal ebenfalls mit
Unwettergefahr durch Hagel und Starkregen.

Den Vormittag und Mittag über wird der konvektive Niederschlag im Nordosten der
Republik dank zunehmender Labilität wieder reaktiviert, wobei bei PWATs von
teils über 35 mm der Starkregen bis in den Unwetterbereich im Fokus steht. Dabei
betrifft der eigentliche (und an die Konvergenz gekoppelte) Cluster vor allem
das südliche und östliche Niedersachsen, wobei hier meist nur markante und eher
punktuell mal unwetterartige Mengen zu erwarten sind, zumal sich dieser Cluster
zum Mittag allmählich abschwächt. Zugleich richtet sich der Fokus auf die
östlicheren Bereiche (Brandenburg/Berlin/Sachsen-Anhalt und Sachsen), wo im
Vormittagsverlauf weitere Gewitter entstehen, die teils verclusternd
nordostwärts ziehen. Hier können dank zunehmender Labilität punktuell auch
Niederschlagsmengen nahe am extremen Unwetter (bis 40 l/qm/h) auftreten. Zum
frühen Nachmittag ziehen diese Niederschläge allmählich nach Polen ab und
nachfolgend beruhigt sich das Wetter.

Im Südosten beginnt der Tag noch mit viel Sonnenschein, wenngleich es hier und
da bereits die ersten Schauer und Gewitter gibt (meist an die Orografie
gebunden).
Ab dem Mittag können sich auch im Süden der Republik lokal teils heftige Schauer
und Gewitter entwickeln, was vor allem Franken, den Bayerischen Wald, den
Alpenrand und ggf. auch die Pfalz betrifft. Hier wird die nach Süddeutschland
driftende Kurzwelle erwartet, die sich über Süddeutschland festläuft, aber
weiter aktiv bleibt. MUCAPE bis 1500 J/kg und schwache Scherung bei hochreichend
feuchter Luftmasse sorgen punktuell für Unwettergefahr durch heftigen Starkregen
(um 30 l/qm in kurzer Zeit), Hagel und stürmische Böen (Bft 8). Lokal extremes
Unwetter durch sehr heftigen Starkregen kann man nicht ausschließen, was vor
allem bei stationärer Konvektion an der Orografie, aber ggf. auch entlang
kollidierender Outflow boundaries (Niederbayern) der Fall sein kann. Zudem
besteht weiterhin das Potential, dass vorderseitig der Kurzwelle mit etwas
Rückdrehen der Winde die Konvektion nordwärts ins Vorland gedrückt wird (im
ID2-EPS wird dies besonders im Maximum, kaum im Median und in der Deterministik
hinterlegt).

Der Westen und besonders Nordwesten liegen rückseitig der ganzen Konvektion in
einer stabilen Schichtung, sodass besonders vom Niederrhein bis zur Ostsee bei
steigendem Bodendruck ein freundlicher, zeitweise auch sonniger Tag zu erwarten
ist. Dabei passiert den Nordwesten eine wetterinaktive Kaltfront, die in
Richtung Niedersachsen und nördliche NRW für einzelne Schauer oder ein kurzes
Gewitter gut sein kann – sonst bleibt es aber trocken.

Die Maxima liegen im südlichen Brandenburg/Lausitz sowie in weiten Bereichen
Bayerns zwischen 30 und 32 Grad, in Richtung Niederbayern auch um 33 Grad und
sonst zwischen 24 und 28 Grad, küstennah um 22 Grad. Schwacher bis mäßiger Wind
aus nördlicher Richtung.

In der Nacht zum Dienstag wird bei einem sehr seichten Geopotenzialgradienten
und einem vorhandenen schwachen Bodenhoch meist eine vergleichsweise ruhige
Nacht erwartet. Letzte Schauer und Gewitter fallen im Süden während der ersten
Nachthälfte zögernd in sich zusammen (bei zurückgehendem Unwetterpotenzial) und
in Richtung Oberlausitz muss noch geschaut werden, ob ein Gewittercluster von
Tschechien kommend auf unseren Bereich übergreift. Allerdings streut die Numerik
noch erheblich, wobei besonders Globalmodelle auch nach Mitternacht in Richtung
Bayern und Sachsen/südliches Brandenburg weitere Schauer und Gewitter sehen und
diese Option sollte auf jeden Fall weiter beobachtet werden, sorgt die über
Süddeutschland liegende und sich auffüllende Kurzwelle doch für weitere
Hebungsantriebe.

Im Westen und Norden verläuft die Nacht unter seichtem Hochdruckeinfluss teils
klar, teils bewölkt und meist trocken.

Die Minima liegen im Süden und Osten zwischen 21 und 17 Grad, im Westen zwischen
17 und 11 Grad und das bei einem schwachen Wind aus Nordost.

Dienstag… nähert sich von Nordwesteuropa der bereits angesprochene markante
Trog allmählich an. Vorderseitig sorgt diese Entwicklung mit einem weiteren
Rückdrehen der meist schwachen Höhnwinde, dass die über Süddeutschland
verweilende Kurzwelle im Tagesverlauf in Form eines „lead impulse“ nordostwärts
über Ostdeutschland geführt wird und in der Nacht den Norden Polens passiert.

Dabei wird die über Süddeutschland liegende sehr feuchte und labil geschichtete
Luftmasse (PWAT um 40 mm und MUCAPE von 1000 bis 2000 J/kg) nordostwärts geführt
und teilweise auch vorderseitig in den von Westen nahenden Trog eingespeist.

Im Süden der Republik entwickeln sich nach einem freundlichen, teils auch
sonnigen Start im Verlauf des Nachmittags besonders entlang der Orografie teils
heftige Schauer und Gewitter, die mit unwetterartigem Starkregen um 30 l/qm/h
und teils mit Hagel einhergehen können. Die im EPS angedeutete Option eines
umfangreichen und von Österreich nach Tschechien ziehenden Clusters ist mit der
Nordostverlagerung der Kurzwelle eine vertretbare Option. Dieser Cluster könnte
zum Abend auch den Osten von Sachsen beeinflussen. Ansonsten brodelt es bis zum
Abend im Süden immer heftiger mit teils eigenständigen Clustern, die sich
erratisch bewegen. Punktuell extremes Unwetter durch Starkregen ist nicht
ausgeschlossen, was besonders die Oberpfalz und den Schwarzwald/die Schwäbische
Alb betrifft, wo eine auf 15 m/s zunehmende hochreichende Scherung auch für
besser strukturierte Cluster gut sein kann (inklusive teils größerem Hagel).

Abgesetzt davon richtet sich der Blick in den Nordwesten der Republik. Hier
beginnt der Tag freundlich, doch muss auch hier im Nachmittagsverlauf mit
zunehmender snyoptisch-skaliger Hebung aus Westen und mit teils dichter
Bewölkung sowie mit einem ansteigenden Schauer- und Gewitterrisiko gerechnet
werden. Aus heutiger Sicht findet keine direkte Advektion der labilen/feuchten
Luftmasse von Süddeutschland nordwestwärts gerichtet statt. Eher wird hier die
stark modifizierte atlantische Luftmasse in Form einer stärkeren
Massenflusskonvergenz eingebunden und kann regional etwas MUCAPE unterstützen.
Die Scherung per se würde organisierte Konvektion stützen, sodass hier auch
einzelne Gewitter durchweg markant, vielleicht lokal auch mal unwetterartig
durch Hagel ausfallen können.
Am längsten trocken bleibt es voraussichtlich im äußersten Nordosten.

Die Höchstwerte liegen zwischen 24 und 29 Grad, im Südwesten zwischen 28 und
lokal 33 Grad und das bei eine schwachen bis mäßigen Wind aus Nordost.

In der Nacht zum Mittwoch nähert sich der Trog von Westen weiter an, verstärkt
die synoptisch-skalige Hebung, die zusätzlich durch Höhendivergenz im rechten
Einzug eines nach Skandinavien ziehenden Jet Maximums besonders im Osten der
Republik weiter forciert wird. Somit deutet sich für den Süden und Osten eine
sehr rege und warnintensive Gewitteraktivität an, bei der der Starkregen nicht
nur punktuell, sondern gebietsweise auch regional unwetterartig ausfallen kann
(PWAT um 40 mm). Selbst extremes Unwetter ist bei rückseitigem Anbauen der
Gewitter oder Zellinteraktionen untereinander/mit der Orografie absolut
vorstellbar. Entsprechende Signale sind in den Ensembleverfahren vorhanden,
wenngleich noch diffus und recht verstreut. Hier macht die Überlegung einer
Vorabinformation Sinn und sollte heute Abend oder morgen Vormittag besprochen
werden, wenn auch die Ensembles der höher aufgelösten Modelle den gesamten
Zeitraum umfassen.
Im äußersten Westen verläuft die Nacht meist klar und trocken.

Die Minima liegen im Süden zwischen 20 und 17 Grad, im Osten nur etwas darunter
und erreichen in Richtung Eifel ausgangs der Nacht erfrischende 11 Grad. Der
Wind dreht zunehmend auf west und frischt im Bergland zeitweise auf.

Mittwoch… erfolgt dann in der Höhe die Trogpassage, wobei die energiereiche
und sehr feuchte Luftmasse besonders im Süden nur sehr zögernd ausgeräumt wird.
Im Süden treten weitere Schauer und Gewitter auf, teils haben sich auch größere
Cluster mit länger anhaltendem Regen gebildet, die Stück für Stück in Richtung
Österreich und Tschechien driften, wohl aber erst zum Nachmittag endgültig
ostwärts abziehen. Starkregen, teils bis in den Unwetterbereich bleibt bis zum
Mittag noch wenigstens lokal ein dominantes Thema (einstündig oder mehrstündig).

Im Westen und Norden entwickeln sich unter dem Trog mit einhergehender Abkühlung
in der Höhe im Tageverlauf zahlreiche Schauer und Gewitter, die bei nur zögernd
auf 25 mm zurückgehendem Wassergehalt in der Troposphäre weiterhin markant und
lokal unwetterartig durch Starkregen ausfallen können. Dazwischen zeigt sich
aber wenigstens zeitweise die Sonne.

Die Höchstwerte liegen im teils anhaltenden Regen im Südosten/Osten um 20 Grad
und erreichen im eher freundlichen Südwesten 24 bis 29 Grad, mit den höchsten
Werten den Oberrhein entlang. Der Nordwestwind weht meist mäßig und frischt im
Tagesverlauf zeitweise leicht böig auf.

Die Nacht zum Donnerstag über steigt der Bodendruck von Frankreich an und sorgt
für eine von West nach Ost rasch durchgreifende Wetterberuhigung, sodass die
zweite Nachthälfte meist klar, im Osten auch bewölkt, aber überall trocken
verläuft. Die Tiefstwerte liegen im Osten um 16 Grad und sonst zwischen 14 und 8
Grad und das bei einem schwachen Westwind.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Numerik hat die Entwicklung auf der synoptischen Bühne recht gut im Griff.
Erhebliche Diskrepanzen ergeben sich aber auf der konvektiven Skala, die sich
teils substanziell zwischen Globalmodellen und CAMs unterscheiden. Bei einem
zunehmend dynamischen Antrieb wird ein recht großes Gewicht auf die
Globalmodelle gelegt, vor allem bei der zu erwartenden Entwicklung umfangreicher
Gewittercluster. Das betrifft z.B. die Andauer der nächtlichen Konvektion, die
von den Globalmodellen teils stärker gestützt wird.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy