#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Sonntag, den 28.06.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 28.06.2026 um 10.30 UTC
Leicht wechselhaftes und im Norden windiges Wetter. Mäßig-warm, nur im Südwesten
heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 05.07.2026
Die Mittelfrist beginnt am Mittwoch mit einem Höhentrog über Deutschland, wobei
der Osten des Landes noch auf dessen Vorderseite liegt. Das korrespondierende
Bodentief befindet sich bereits über Polen, sodass sich insbesondere über
Ostdeutschland eine Gegenstromlage einstellt. Kräftige positive
Vorticityadvektion (PVA) in Kombination mit noch ausreichend feuchtwarmer Luft
führt bereits ab der Nacht zum Mittwoch zu ausgeprägten Hebungsprozessen. Bis in
den Mittwochnachmittag treten verbreitet schauerartig verstärkte, teils
gewittrige Niederschläge auf. Besonders in Ostsachsen, Südostbrandenburg sowie
in Südostbayern sind markante Niederschlagsmengen um 40 l/qm innerhalb von 12
Stunden wahrscheinlich. Unter Berücksichtigung der bereits in der Nacht und am
Dienstag gefallenen Mengen sind lokal auch unwetterartige Niederschlagssummen
nicht ausgeschlossen. Im Bereich des Troges entwickeln sich mit Annäherung
kälterer Luft in der Höhe zudem zahlreiche Schauer und einzelne kurze Gewitter.
Am Abend und insbesondere in der Nacht zum Donnerstag greift von Westen ein
Hochkeil über, dem ein flacher Höhenrücken folgt. Damit setzt sich zunehmend
Absinken durch, die Niederschläge verlagern sich ostwärts und das Wetter
beruhigt sich allmählich.
Am Donnerstag bleibt der Süden unter Hochdruckeinfluss. Der flache Höhenrücken
sorgt dort für großräumiges Absinken, sodass sich meist freundliches und
trockenes Wetter einstellt. Im Norden nähert sich dagegen ein Kurzwellentrog.
Das okkludierende Frontensystem des korrespondierenden Tiefs über dem Nordmeer
erfasst den Norden Deutschlands mit meist leichten Niederschlägen. Rückseitig
folgen einzelne Schauer, an der Nordsee sind auch kurze Gewitter möglich. Zudem
frischt der Nordwestwind vor allem im Norden und an den Küsten deutlich auf.
Dort treten verbreitet starke bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8) auf. Mit der
einfließenden kühleren Meeresluft werden im Norden nur noch Höchstwerte zwischen
20 und 24 Grad erreicht, während im sonnigeren Südwesten nochmals sommerlich
warme 27 bis knapp 30 Grad möglich sind.
Am Freitag und Samstag liegt Deutschland am Nordostrand eines mächtigen
Höhenrückens über Südwesteuropa. Die nordwestliche Höhenströmung ist dabei
überwiegend antizyklonal konturiert. Eingelagerte Kurzwellentröge überqueren vor
allem den Norden Deutschlands und sorgen dort für leicht wechselhaftes Wetter
mit einzelnen Schauern. Im Küstenumfeld bleibt es zudem windig mit häufig
starken, exponiert auch stürmischen Böen. Der Süden, insbesondere der Südwesten,
profitiert dagegen sowohl vom Höhenrücken als auch vom Hochdruckeinfluss am
Boden. Dort überwiegt freundliches und trockenes Sommerwetter mit
Höchsttemperaturen um 30 Grad. Aufgrund der relativ trockenen Luftmasse kann es
nachts deutlich abkühlen, wodurch die Wärmebelastung insgesamt gering bleibt.
Am Sonntag verlagert sich der mächtige Höhenrücken weiter nach Mitteleuropa,
sodass der Hochdruckeinfluss deutschlandweit zunimmt. Lediglich der Nordosten
verbleibt noch am Rand der Frontalzone. Insgesamt setzt sich vielfach sonniges
Wetter durch. Die Temperaturen steigen von Südwesten her wieder an. Dort werden
erneut Höchstwerte über 30 Grad erreicht, während es auch in den übrigen
Landesteilen verbreitet sommerlich warm bleibt.
Ein kurzer Ausblick auf die neue Woche deutet darauf hin, dass sich der
Höhenrücken weiter nach Deutschland ausdehnt und sich auch am Boden
Hochdruckeinfluss etabliert. Damit würde sich ruhiges und sonniges Sommerwetter
einstellen. Bei Temperaturen in 850 hPa von 15 °C oder darüber wären erneut
Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad möglich, im Südwesten vereinzelt auch bis 38
Grad. Entsprechend nähme die Wärmebelastung wieder deutlich zu, und eine
Rückkehr einer ausgeprägten Hitzelage erscheint durchaus möglich. Aufgrund der
noch bestehenden Unsicherheiten in den Modelllösungen sollte diese Entwicklung
jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Zunächst steht nach der außergewöhnlichen
Hitzewelle eine spürbare und vielerorts wohltuende Abkühlung bevor.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle IFS-Lauf zeigt eine hohe Konsistenz zu den Vorläufen. Der
großräumige Wettertrend bleibt damit unverändert: Am Rand eines mächtigen Hochs
beziehungsweise Höhenrückens über Südwesteuropa etabliert sich über Mitteleuropa
eine westliche bis nordwestliche Strömung. Mit dieser gelangt mäßig warme
Meeresluft nach Deutschland.
Nach dem Abzug des Höhentrogs am Mittwoch sorgt am Donnerstag ein flacher
Höhenkeil vorübergehend für Wetterberuhigung. Im Norden nähert sich jedoch
bereits der nächste Kurzwellentrog, der in der Nacht zum Freitag über
Norddeutschland hinwegschwenkt. Die zugehörige Kaltfront eines Bodentiefs über
Skandinavien führt insbesondere im Nordosten zu einer spürbaren Abkühlung.
Im weiteren Verlauf verlagert sich der kräftige Höhenrücken allmählich ostwärts
und gewinnt zunehmend Einfluss auf Mitteleuropa. Dadurch etabliert sich erneut
eine nordwestliche Strömung, wobei der Hochdruckeinfluss sukzessive zunimmt.
Dies begünstigt eine Wetterstabilisierung sowie einen langsamen
Temperaturanstieg, ohne dass sich eine ausgeprägte Hitzelage abzeichnet.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch im Vergleich mit den anderen Globalmodellen zeigen sich zunächst nur
geringe zeitliche Unterschiede. Der Hochdruckaufbau ab Freitag wird jedoch
unterschiedlich rasch simuliert. Das IFS steht ab dem Wochenende mit einer
vergleichsweise antizyklonalen Lösung weitgehend allein da. GFS, ICON und UK10
rechnen dagegen eine deutlich zyklonalere Variante, mit einem stärker
ausgeprägten Trog über Skandinavien und einem weiter westlich verbleibenden
Höhenrücken. In diesem Szenario würde sich über Deutschland eher kühles,
wechselhaftes und zeitweise windiges Wetter einstellen.
Damit ist die Entwicklung ab Ende der kommenden Woche noch völlig offen. Denkbar
ist einerseits eine langsame Rückkehr zu sommerlich heißem Wetter, andererseits
aber auch eine Fortdauer eines vergleichsweise kühlen und unbeständigen
Witterungsabschnitts.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse weist im ersten Zeitschritt ausschließlich das Regime
Blocking aus. Dabei verlagert sich das zunächst wetterbestimmende blockierende
Hoch allmählich ostwärts, während sich unmittelbar dahinter über dem nahen
Atlantik bereits das nächste Blocking-Hoch etabliert.
Im zweiten Zeitschritt bleibt die markante Hochdruckanomalie zwischen den
Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel bestehen. Deutschland liegt dabei
am Nordostrand des Höhenrückens, sodass die weitere Wetterentwicklung maßgeblich
von dessen Ausdehnung sowie von der Intensität des Troges über dem Nordmeer
beziehungsweise Skandinavien abhängt. Greift der Rücken stärker auf Mitteleuropa
über, stellt sich verbreitet ruhiges und sonniges Wetter ein; insbesondere im
Südwesten wäre dann erneut eine Hitzetendenz denkbar. Behauptet sich dagegen der
Trog über Skandinavien, ergibt sich eher eine zyklonal geprägte nordwestliche
Strömung mit mäßig warmer, wechselhafter und zeitweise windiger Witterung.
In der erweiterten Mittelfrist verlagert sich der Höhenrücken voraussichtlich
weiter nach Osten und wird gleichzeitig etwas abgeschwächt. Damit deutet sich
bei überwiegend trockenem Wetter erneut ein Temperaturanstieg an. Nach heutigem
Stand wäre zwar wieder sommerlich warmes bis heißes Wetter möglich, eine
ausgeprägte und länger andauernde Hitzelage lässt sich aus den Clustern derzeit
jedoch nicht ableiten.
Die Rauchfahnen zeigen bis etwa zur Wochenmitte eine vergleichsweise geringe
Streuung und damit eine hohe Vorhersagegüte. Sowohl bei der 850-hPa-Temperatur
als auch beim Geopotenzial setzt sich zunächst der markante Temperaturrückgang
nach der aktuellen Hitzewelle robust durch. Ab der zweiten Wochenhälfte steigen
insbesondere im Süden Geopotenzial und Temperatur in einigen Ensemblemitgliedern
wieder an, gleichzeitig nimmt der Spread jedoch deutlich zu. Dies spiegelt die
zunehmende Unsicherheit hinsichtlich der Stärke des Hochdruckeinflusses und der
Position des Höhenrückens wider. Die Niederschlagssignale konzentrieren sich auf
den Beginn der Mittelfrist und stehen im Zusammenhang mit dem Trogdurchgang.
Danach dominieren überwiegend geringe und eher vereinzelte Niederschlagssignale,
was insgesamt auf eine nachlassende Niederschlagsneigung hindeutet.
Fazit: Der Übergang zu einer deutlich kühleren und zumindest im Norden zeitweise
wechselhaften Witterung gilt als gut abgesichert. Ab dem kommenden Wochenende
nimmt die Vorhersageunsicherheit jedoch spürbar zu. Während ein Teil der
Ensemble- und Deterministiklösungen den Hochdruckeinfluss rasch nach
Mitteleuropa ausweitet und damit wieder zunehmend sommerlich heißes Wetter
erwarten lässt, favorisieren andere Lösungen eine anhaltende nordwestliche
Strömung mit mäßig warmem, windigem und zeitweise wechselhaftem Wetter. Ob sich
bereits zum Beginn der neuen Woche erneut eine Hitzelage etabliert oder die
gemäßigtere Witterung anhält, bleibt daher aus heutiger Sicht noch offen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
STARK-/DAUERREGEN:
Am Mittwoch vor allem im Osten und Südosten schauerartiger, teils gewittrige
Niederschläge, dabei Starkregengefahr mit Mengen um 30 l/qm in 6 Stunden. Vor
allem an den östlichen Alpen Dauerregen mit Mengen um 40 l/qm in 12 Stunden.
Gebietsweise unwetterartige Mengen nicht ausgeschlossen.
STARKE GEWITTER:
Im Norden und in der Mitte einzelne Gewitter, dabei örtlich Starkregen um 15
l/qm in kurzer Zeit.
Ab Donnerstag wahrscheinlich keine markanten Wettererscheinungen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta