SXEU31 DWAV 180800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 18.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu SWa (Südwest antizyklonal)

Sehr warm bis heiß mit zunehmender Hitzebelastung, dazu meist zwar nur örtliche,
dafür aber kräftige Gewitter mit Unwettergefahr!

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… gehtŽs thermisch zum ersten Mal so richtig zur Sache. Zwar ging es
im Südwesten bereits gestern, bedingt sogar vorgestern los (Tmax um oder über
30°C). Heute reden wir dann aber schon über 35 und 36°C und vor allem, die
30°C-Isotherme arbeitet sich deutlich nach Norden voran bis in die Norddeutsche
Tiefebene. Damit sind die Weichen ganz klar gestellt (klarer zumindest als bei
der DB): Der kalendarische Frühling (endet Sonntagvormittag) geht mit der ersten
ernstzunehmenden Hitzeperiode des Jahres zu Ende, verabschiedet sich also
hochsommerlich. Die einen mögenŽs, andere eher weniger, hilft nix. Die Lage in
der Übersicht.

Deutschland befindet sich heute unter einem Potenzialrücken, der sich von
NW-Afrika bis nach Mitteleuropa erstreckt, wo er zusehends abflacht. Flankiert
wird der Rücken von zwei Trögen, einem über dem nahen Atlantik und einem über
dem nahen Osteuropa. Die Konstellation hat was von Omega, zumal zumindest heute
auch nur wenig Progression in dem Muster zu verspüren ist. Der westliche Trog
füttert den Rücken immer wieder mit Warmluft, so dass sich seine Ostverlagerung
in infinitesimalen Geschwindigkeitsschritten vollzieht. Mit anderen Worten,
Absinken ist Trumpf, was weiten Landesteilen nicht nur einen heißen, sondern
auch sonnenscheinreichen Donnerstag beschert.

Ein Bodenhoch gibtŽs übrigens auch – wenig verwunderlich angesichts der
Übermacht des Rückens. Ob FALK (so der offizielle Terminus) oder GORGIAS (war
gestern bei uns schon vorstellig) sei mal dahingestellt. Wahrscheinlich sind
beide beteiligt in der leicht amorph anmutenden 1020+x-Hochdruckzone, die sich
heute Morgen etwa vom Schwarzen Meer über Süddeutschland bis nach Frankreich
erstreckt. Der Schwerpunkt des Hochs verlagert sich langsam aber sicher gen
Osten, was uns auf seine warme oder in diesem Falle besser heiße Flanke bringt.
So steigt T850 nicht nur subsidenzbedingt, sondern ein Stück weit auch advektiv
mächtig an, so dass heute Abend Werte rund 12°C an der Ostseeküste bis zu 21°C
an der schweizer Grenze (Hopp Schwyz, viel Glück heute Abend vs. Bosnien-Herz.)
auf der Anzeigetafel stehen. Labil ist die Luftmasse südwesteuropäischer
Herkunft auch (xS). Allerdings mangelt es in der Vertikalen noch an ausreichend
Feuchte, um die Luft energetisch soweit aufzubereiten, dass sie für konvektive
Schandtaten bereitsteht. Zu fett ist der Deckel, vor allem auch bedingt durch
die vergleichsweise trockene Grundschicht. Es wird schwer für die stets zu
Diensten stehende Orografie, als Zündkerze potenzieller Gewitter zu fungieren.
Dabei bräuchte es „den Berg“, damit überhaupt was geht. Der Rücken jedenfalls
leistet keinen Beitrag, sondern arbeitet eher dagegen.

Bliebe nur noch zu konstatieren, dass je weiter wir in den Norden und Nordosten
schauen, desto mehr Wolken und desto weniger heiß. Typischer Fall von
Hochrandlage, bei der hinter der gestern durchgezogenen Warmfront feuchte
Luftmassen advehiert werden. Thermisch ist bei teils schwülen 23 bis 28°C
Schluss, an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind sogar noch etwas eher.

In der Nacht zum Freitag könnte es interessant werden. Allerdings hängt das ganz
davon ab, was tagsüber und am Abend bei unseren westlichen Nachbarn so passiert.
Dort etabliert sich bereits jetzt schon eine Tiefdruckrinne, die im Tagesverlauf
auf französischer Seite gebietsweise mit Leben gefüllt wird (Gewitter). Je nach
dem, wie diese sich entwickeln und auf ihrem Weg nach Nordosten über die erste
Nachthälfte kommen, könnte auch bei uns im Westen und Nordwesten was gehen. Die
Grundvoraussetzungen sind nicht schlecht: Die Luftmasse wird zusehends feuchter,
Labilität + MU-CAPE sind vorhanden. Darüber hinaus werden schwache Störungen um
den Rücken herumgeführt (am besten erkennbar in der IPV-Darstellung), die sicher
auch nichts gegen nächtliche Gewitter hätten, sie zumindest nicht verhindern
würden. Unsicher ist derzeit noch, ob eventuell ein organisierter
Gewittercluster (MCS) den Weg zu uns findet oder „nur“ einzelne Gewitter(reste).
Tatsache ist, dass eigentlich alle Modelle was im Köcher haben und z.B. ICON-D2
seine gestern noch an den Tag gelegte Zurückhaltung aufgegeben hat. Als
Begleiterscheinung gilt es primär auf den Starkregen zu achten (PPWs teils über
35 mm), der im schlechtesten Fall sogar das Unwetterkriterium > 25 l/m² innert
kurzer Zeit reißen könnte. Hagel, zumindest größerer Hagel sollte aufgrund des
reduzierten Energieangebots weniger ein Thema sein, ebenso der Wind bzw. Sturm
(Stichwort nächtliche Stabilisierung der Grundschicht). Aber nochmal, viel wird
davon abhängen, wie gut die Import-Gewitter organisiert sind respektive welche
Eigendynamik sie aufbringen.

Der große Rest des Landes kann sich ganz entspannt den auf TV projizierten
Bewegungen männlicher Fußballerbeine in Übersee widmen oder – wahrscheinlich
besser – die Nacht zum Schlafen nutzen. Besser auch deswegen, weil es in den
nächsten Nächten immer schwieriger wird, einen erholsamen Schlaf zu finden. In
den Ballungszentren West- und Südwestdeutschlands sowie in mittleren Höhenlagen
könnte das jetzt schon zum Problem werden, kühlt es doch nicht unter 20°C ab,
was per definitionem eine Tropennacht bedeutet. Ansonsten stehen Tiefstwerte
zwischen 19 und 12°C auf dem Zettel, wobei die Abkühlung im Südosten der
Republik am besten funktionieren dürfte.

Freitag… bekommt das großräumige Strömungsmuster einen kleinen Schub nach
Osten, wobei die Betonung auf „klein“ liegt. Der Trog über dem nahen Atlantik
steckt seine Energie nämlich lieber in den Ausbau seiner Amplitude als in
Translation, was bei uns ein Aufsteilen der Höhenströmung zur Folge hat. Dabei
verlagert sich die Rückenachse etwas nach Osten, was den Vorhersageraum unter
eine weiterhin stark antizyklonale konturierte, südliche bis westliche
Höhenströmung bringt. Das Bodenhoch entfernt sich noch ein wenig gen Osten,
wodurch sich die im Bodendruckfeld nun deutlicher zutage tretende Tiefdruckrinne
bis in den Westen und Nordwesten des Landes ausweiten kann. Hinzu kommt eine
weitere Labilisierung und Anfeuchtung der mit subtropisch fast schon
euphemistisch skalierten Luftmasse (besser wäre wahrscheinlich „Tropenluft“,
auch wenn das von der Genese vielleicht nicht ganz richtig ist). Die Taupunkte
steigen im Norden und Nordwesten auf 20°C oder etwas drüber, gepaart mit einer
gesamttroposphärischen Feuchteflusskonvergenz (PPW bis zu 40 mm).

Kurzum, es verwundert nicht wirklich, dass der Energiegehalt der Luftmasse
gegenüber heute fast schon einen Quantensprung macht angesichts apostrophierter
ML-CAPE-Werte von gebietsweise um 2000 J/kg. Auf der anderen Seite soll aber
nicht verhehlt werden, dass die Luftmasse weiterhin gedeckelt ist (CIN) und dass
es gilt, diesen Deckel zu sprengen, sofern man denn konvektive Umlagerungen
haben möchte. Auf der Suche nach möglichen Impulsgebern meldet sich die Dynamik
gleich mal ab. Obwohl wir zusehends auf die Rückseite der Rückenachse kommen,
zeichnen sich keine Randtröge o.ä. ab, die den Weg zu uns finden. Schauen wir
also zunächst mal auf das, was da von der Nacht noch so übrig ist: Gewitter,
Schauer, vielleicht ein gewittriger Regenkuchen oder gar doch die veritablen
Reste eines MCS? Man wird sehen. So oder so, es deutet sich an, dass diese
Schauer und Gewitter wie immer sie auch organisiert sind, über Norddeutschland
ostwärts gesteuert werden und dabei möglicherweise in die vormittägliche
Depression reinlaufen (=> weniger oder keine Gewitter mehr), bevor sie nach
Osten hin mit zunehmender Tageslänge wieder aktiviert werden – vielleicht.

Nächste Frage, was können diese Gewitter eventuell für die Entstehung anderer
Gewitter an anderer Stelle leisten. Antwort: Einiges! Es wäre nicht das erste
Mal, das aus den Gewittern herauslaufende Outflow-Boundaries die Rolle des
Impulsgebers einnehmen, nicht selten unter Mithilfe der Orografie. Auch wenn die
Numerik diesbezüglich defensiv agiert, lässt sich nicht ausschließen, dass z.B.
über dem zentralen und/oder östlichen Bergland am Nachmittag gezündelt wird –
abwarten. Die Modelle jedenfalls stehen eher auf der Variante, dass sich aus dem
west- bzw. süddeutschen Bergland was entwickelt oder aber am Abend neue „Ware“
aus Belgien und den Niederlanden die Grenze überschreitet. Mit anderen Worten,
es gibt noch einiges an Spielraum, den es zu füllen gilt. Warnfrei geht der Tag
jedenfalls nicht über die Bühne (allein schon wegen der Hitze nicht), womit wir
bei den möglichen Begleiterscheinungen der konvektiven Umlagerungen wären. Ein
Thema ist sicherlich der Starkregen, vor allem aber nicht ausschließlich bei den
südlichen Gewittern, die eher von der trägen Sorte sind. Lokale Unwetter (> 25
l/m² innert kurzer Zeit) können dort als wahrscheinlich angesehen und
vereinzelte extreme Gewitter (> 40 l/m²) nicht zu 100% ausgeschlossen werden.
Größerer Hagel ist ebenfalls zu erwarten, weniger wegen der eher limitierten
Scherung als vielmehr wegen der hohen CAPE-Werte (die allerdings im Süden mit
denen im Norden/Nordwesten nicht mithalten können). Beim Wind hängt Vieles von
der Organisation ab, denn die Dynamik lässt keine großen Sprünge zu, wohl aber
das inverse V im unteren Troposphärenbereich. Basis eher Böen Stärke 7-9 Bft,
bei guter Organisation auch mehr.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei aller Uffregung um mögliche Gewitter
die meisten von uns leer ausgehen und sich eher Gedanken darüber machen dürften,
wie sie der Hitze trotzen. Die macht morgen nämlich unter gütiger Mithilfe der
hochstehenden Sonne (fast Jahreshöchststand) weitere Fortschritte. So steigt die
Temperatur verbreitet auf 30 bis 36°C, vom Südwesten bis in die Mitte
stellenweise auf 37 oder gar 38°C. Selbst an den Küsten könnte die 30°C-Marke
erreicht oder etwas überschritten werden, sofern sich kein Seewind einstellt.
Also ab nach Helgoland…

In der Nacht zum Samstag ändert sich nicht viel an der großräumigen
Strömungskonstellation. Allerdings gibt es Hinweise, dass ein flacher
Sekundärtrog in die schwache südwestliche Höhenströmung eingelagert ist, der
auch den Vorhersageraum erfassen soll. Welchen Impact er dabei erzeugt, ist noch
offen. Die Modelle reagieren wenig überraschend individuell unterschiedlich. Es
lässt sich aber dahingehend ein gemeinsamer Nenner finden, als dass die
Berglandgewitter noch etwas nach Nordosten vorankommen, sich dabei tendenziell
aber abschwächen. Ob sie ganz absterben, ist aber fraglich. Dann ist es so, dass
die Gewitter aus dem Westen inkl. neuer Importgewitter ost-nordostwärts
gesteuert werden. Welche Form sie dabei annehmen (Einzel-, Multizellen, Cluster)
ist ebenso noch fraglich wie die Auswirkungen, die natürlich stark von der
Organisationsform abhängen. Es macht also wenig Sinn, an dieser Stelle schon zu
tief in die Materie einzusteigen. Einigen wir uns darauf, dass mindestens mal
mit markanten Gewittern gerechnet werden muss, dass aber auch Unwetter alles
andere als eine Überraschung wären.

Darüber hinaus bleibe „nur“ noch festzuhalten, dass die Nacht sehr mollig bleibt
angesichts verbreitet zu erwartender Tiefstwerte um oder über 20°C. Am besten
klappt es mit der Abkühlung noch im Süden und Südosten, wo es z.T. auf 15°C oder
etwas weniger runtergeht.

Samstag… verbringen wir unter einer leicht flatternden, insgesamt aber nur
schwachen südwestlichen Höhenströmung. Die Rückenachse ist knapp raus, während
über die Nordsee ein Randtrog nordostwärts schwenkt. Am Boden herrscht ebenfalls
ein schwacher Gradient vor, wobei aber durchaus eine gewisse Struktur erkennbar
ist. So bringt sich hinter dem alten Hoch über UK/Irland und dem Ärmelkanal ein
neues Hoch in Stellung, das im weiteren Verlauf auch für uns an Relevanz
gewinnt. Getrennt werden die beiden Hochs durch eine diffuse Rinne mit mehreren
Windkonvergenzen (bei schwachen Winden wohlbemerkt). Summa summarum also eine
zyklonal angehauchte Gemengelage, gepaart mit einer energetisch fett
angereicherten Warm- bzw. Heißluft.

Zunächst mal müssen die Reste der nächtlichen Gewitter abgewickelt werden, bevor
sich neue Entwicklungen bilden. Wie genau das vonstattengeht, ist noch nicht
belastbar vorherzusehen, weil die Modelle jeweils andere Ideen präsentieren. Was
zu erkennen ist, ist ein deutlicher Trockeneinschub im Südwesten, der dort dem
Gewitterpotenzial einen erheblichen Dämpfer verpasst. Darüber hinaus besteht die
Möglichkeit, dass mit Winddrehung auf West bis Nord am Rande des neuen Hochs im
Westen und Nordwesten frühzeitig eine Stabilisierung einsetzt. Ansonsten ist von
Rohrkrepierer oder nix bis zum (extremen) Unwetter fast alles möglich.

Weniger möglich als vielmehr sicher ist die Fortdauer der Hitze mit Spitzen bis
zu 37°C, vielleicht 38°C im Südwesten.

Modellvergleich und -einschätzung

Über die Variabilität bzw. Volatilität der Modelle insbesondere im Hinblick auf
das konvektive Geschehen wurde schon ausreichend philosophiert. Im Kern ist sich
die Numerik aber einig, heißt, viel Sonne, nach Norden und Nordosten hin etwas
reduzierter und Hitze satt. Ob da in der Spitze 36, 37 oder gar 38°C
herausspringen, ist medial vielleicht von Interesse, spielt sonst aber nur eine
untergeordnete Rolle.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann