S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 17.06.2026 um 10.30 UTC

Hitze und Gewitter – heißes Frühlingsende bzw. Sommerstart (Sonntag, 21. Juni
kalendarischer Beginn).

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 24.06.2026

Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Samstag hat uns die südwesteuropäische
respektive nordwestafrikanische Hitze mit voller Wucht Protest. Anlass für den
aus Norddeutschland kommenden Verfasser, schon 1-2 Tage nach Beginn der
Hitzewelle die weiße Fahne zu hissen und um Gnade in Form von Abkühlung zu
bitten. 35+X°C im RMG, aber auch anderswo, liebe Freunde, muss das sein? Jawoll
Hoffmann, muss es, genau darauf haben wir gewartet. Wird Zeit, dass es endlich
richtig warm bzw. heiß wird, mussten jetzt lang genug bei „schmalen“
Temperaturen darben – so sicherlich der Einwand der Hitzefans unter der
geneigten Leserschaft dieses Bulletins. Andere wiederum, die „Hitzeallergiker“
werden zustimmen und sich ebenfalls eine baldige Trendwende wünschen. Tja, liebe
LeutŽ, so ist das nun mal beim Wetter: die einen so, die anderen so. Wünsch dir
was ist allerdings woanders, nur beim Wetter nicht. Also ran an den Speck, die
Fakten.

Einsteigen tun wir mit einem veritablen Trog-Rücken-Muster, das den nahen
Atlantik inkl. UK/Irland und große Teile des westlichen europäischen Kontinents
überdeckt. Am Samstag befindet sich Deutschland knapp hinter der in Richtung
Skandinavien weisenden Rückenachse und mithin auf der Vorderseite des westlich
von uns positionierten Troges. Trogvorderseite, leicht zyklonale und
möglicherweise flatternde südwestliche Höhenströmung, da heißt es als
Meteorologe Aufhorchen und in Hab-Acht-Stellung begeben, insbesondere im Sommer,
wenn wie am Samstag eine hochenergetische und potenziell instabile Luftmasse
subtropischen Ursprungs bei uns Fuß gefasst hat (T850 16 bis 21°C). Und außerdem
sich das bisher bestimmende Bodenhoch nach Osten verlagert hat und vor dem
nächsten Hoch eine Tiefdruckrinne unser Land erfasst. Ich erspare mir an dieser
Stelle, die Ingredienzien der Konvektionsfavoriten inkl. Überlappung usw. rauf
und runter zu beten, weil die Detailentwicklung von unendlich vielen Faktoren
abhängt und in den nächsten Modellläufen (insbesondere dann, wenn die
Hochauflösenden einsteigen) sowieso noch mehrfach umgekrempelt wird. Nur so viel
an dieser Stelle: neben der fetten Hitze mit verbreitet über 30°C, im Südwesten
bis zu 37, vereinzelt vielleicht 38°C (etwas erträglicher nur die Küste und die
Inseln bei Seewind) drohen zudem kräftige Gewitter bis hin zu Unwettern mit den
bekannten Begleiterscheinungen.

Am Sonntag regeneriert sich der Höhenrücken, weil ordentlich Warmluft in seinen
Westteil gepumpt wird, so dass er scheinbar retrograd wird. Gleichzeitig wandert
das o.e. neue Hoch mit seinem Zentrum von etwas über 1030 hPa zur Nordsee.
Kurzum, das gesamte Setup bei uns wird wieder antizyklonaler, doch Vorsicht ist
die Mutter der Porzellankiste. Auf der Süd-Südostflanke des Hochs schickt sich
nämlich eine in den Prognosekarten recht unscheinbar daherkommende Kaltfront an,
von der Küste etwas landeinwärts voranzukommen. Rückseitig gelangt trockenen
Fußes eine Portion nicht mehr so heißer Luft in den äußersten Norden (Tmax 25
bis 30°C, an der See unter 25°C). Doch was passiert präfrontal zwischen
nördlicher Mitte und Süddeutschland? Zwar beginnt auch dort der (schwache) Wind
auf Nordwest bis Nord zu drehen. Trotzdem, ein richtiger Luftmassenwechsel
findet nicht statt, bestenfalls eine leichte Modifizierung, die aber weder
ausreicht, die Hitze nennenswert zu dämpfen noch das erneute Auslösen von
kräftigen Gewittern zu verhindern.

An den ersten Tagen der neuen Woche flacht der Rücken zusehend ab, was uns auf
die warme Seite der zonal exponierten, leicht flatternden Frontalzone bringt.
Ins Auge fällt dabei ein ausgewiesener Kurzwellentrog, der uns am Dienstag
ost-südostwärts passiert. Dabei stößt er schon am Montag über
Südengland/Ärmelkanal eine Zyklogenese an, auf deren Rückseite (das Tief zieht
via Nord- und Ostsee zum Baltikum) eine neue Kaltfront von Nordwesten nach
Südosten schwenkt. Nicht geräuschlos, aber relativ geräuscharm, so die Lesart
von IFS. Heißt Gewitter ja, das ganz große, flächendeckende Spektakel eher nein.
Hinzu kommt ein allgemeiner Temperaturrückgang, dessen quantitative Bewertung
aber noch unscharf ist. Reicht es, die Hitze gänzlich auszuräumen oder lediglich
zu dämpfen. Es spricht einiges dafür, dass die Norddeutschen die Hauptprofiteure
des Luftmassenwechsels sein werden. Ob im Süden ein Rückgang von 35, 36 oder
37°C auf 31, 32 oder 33°C die große Wende ist, mag ein jeder selbst beurteilen.
Aber nochmal, es gibt noch Spielraum, der wohl erst in den nächsten Tagen mit
Substanz gefüllt wird.

Kurz noch ein Blick in die erweiterte Mittelfrist, die uns voraussichtlich den
nächsten Rücken und eine Regeneration der Warm- bzw. Heißluft beschert. Ob von
Dauer oder nur kurzzeitig – who knowŽs?

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Es ist vollkommen unstrittig, dass der Beginn der Mittelfrist am kommenden
Samstag mit landesweiter Hitze und einigen kräftigen Gewittern aufwartet. Auch
wenn die Details der Gewitterei bei Weitem noch nicht in trockenen Tüchern sind
(was übrigens vollkommen normal ist), wird damit der Kurs der gestrigen Prognose
fortgesetzt. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die Folgetage, auch wenn
gerade über dem Thema „Gewitter“ nach wie vor Fragezeichen schweben (wann, wo,
wie stark usw.).
Noch nicht geklärt ist die Frage – und jetzt nimmt die Modellkonsistenz von IFS
(ECMF) allmählich ab -, wie der für nächste Woche von Nord-Nordwest
apostrophierte Temperaturrückgang vonstattengeht? Eher mit Pauken und Trompeten
(kräftige Gewitter), eher ruhig und gediegen. Oder irgendwas dazwischen. Und vor
allem, wie stark fällt die Abkühlung in den jeweiligen Regionen des Landes aus?
Wie gehtŽs weiter? Ein komplexes Gleichungssystem mit X Randbedingungen, an dem
in den nächsten Tagen numerisch noch reichlich Kärrnerarbeit zu leisten ist, um
belastbare Ergebnisse zu bekommen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Da helfen auch die anderen für gewöhnlich auf dem Prüfstand stehenden
Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UK10) nur bedingt weiter. Immerhin, sie alle
versuchen ebenfalls, die Temperatur in den nächsten Woche nach unten zu
korrigieren. Auf die o.e. Zyklogenese wird dabei verzichtet
(Alleinstellungsmerkmal IFS). Stattdessen wird tendenziell eher auf Hochrandlage
mit östlicher Grundströmung gesetzt, bei der der Süden zwar nicht mehr ganz so
heiß wie zuvor, aber immer noch heiß und auch gewitteranfällig daherkäme.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Im Grunde spiegeln die Rauchfahnen von IFS-EPS verschiedener deutscher Städte
die auf Basis der Determinsistik gemachten Aussagen wider. Besonders deutlich
wird das am stark zunehmenden Temperaturspread (850 hPa) im Laufe der nächsten
Woche, der im Prinzip keine seriösen Aussagen zulässt. Beispiel gefällig?
Mittwoch, 24. Juni, Standort Offenbach, wärmste Lösung bei 23°C, kälteste Lösung
bei 4°C. Immerhin lässt sich extrahieren, dass sich das Gros der Ensembles am
Dienstag/Mittwoch nach unten orientiert, um Richtung nächste Wochenende wieder
einen Anlauf nach oben zu nehmen. Wie gesagt, das alles bei hohem Spread.
Nicht ganz so heterogen präsentiert sich das Bild beim Geopotenzial 500 hPa. Die
o.e. Trogpassage am Dienstag wird im Norden von sehr vielen Ensembles gestützt,
während im Süden die Mehrheit seitwärts auf hohem Niveau verbleibt.
Begleitet wird das Ganze von einigen kräftigen, aber zahlenmäßig nicht
überlaufenden RR-Peaks, aus der keine Systematik herauszulesen ist. Klassisch
für Lagen mit nicht-dynamischem Konvektionspotenzial.

Die Cluster starten mit nur einem einzigen Cluster (T+72…96h, Samstag/Sonntag)
in ihre Präsentation, was ungewöhnlich ist. Aber gut, wollen wirŽs nicht
überinterpretieren. Von Montag bis Mittwoch (T+120…168h) werden zwei Schubladen
aufgemacht, beide unter dem Regime „Blockierung“. Während CL 2 (20 Fälle + HRES)
in etwa die vom Hauptlauf simulierte Tief- bzw. Trogpassage wiedergibt, setzt CL
1 (31 Fälle) auf ein insgesamt antizyklonaleres Muster über Deutschland.
T+192…240h (Donnerstag bis Samstag) hat ebenfalls 2 Varianten im Angebot. CL 1
(27 Fälle) sieht Deutschland auf der Vorderseite eines sich aufwölbenden
Höhenrückens knapp westlich von uns (=> nordwestliche Höhenströmung). CL 2 (24
Fälle) bevorzugt es, den Rücken flach bei uns durchzuschleusen, was uns unter
eine seichte, leicht antizyklonal konturierte südwestliche Höhenströmung bringt
(Regime „NAO+“). In beiden Szenarien wäre Hochdruckeinfluss Trumpf, allerdings
nicht ganz störungsfrei. Unterschidlich wäre das thermische Niveau: CL 1 zwar
warm bis sehr warm, aber eher gemäßigt, CL 2 eher sehr warm bis heiß.

FAZIT:
Die Hitze am Wochenende ist gewiss, auch wenn es am Sonntag im Norden ein wenig
Entspannung gibt. Kräftige Gewitter bis hin zu Unwettern sind ebenfalls gewiss.
Die Frage ist nur wann wo genau. Im Laufe der nächsten Woche deutet sich auf
unterschiedlichen Wegen ein Temperaturrückgang an. Wie stark dieser ausfällt und
mit welchen Begleiterscheinungen, ist derzeit noch offen. Man wird allerdings
das Gefühl nicht los, dass zumindest der Süden trotz ein paar Grad weniger nicht
so richtig aus dem Hitzekäfig entkommt. Ob es Richtung nächstes Wochenende einen
neuen Anlauf gibt oder sich nur warme bis sehr warme Verhältnisse einstellen,
ist z.Zt. noch völlig offen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Grund wurde schon alles geschrieben. Zwei Komponenten stehen in dieser Rubrik
im Fokus: Hitze und Gewitter. Während bei der Temperatur im ersten Teil der
Mittelfrist noch seriöse Aussagen möglich sind, ist das bei den Gewittern nicht
der Fall – zumindest wenn man den Anspruch verfolgt, deren Vita nicht nur mit
Allgemeinplätzen zu beschreiben. Lassen wir uns also überraschen, was da so
kommt.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit Modell-Mix.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann