#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Dienstag, den 16.06.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 16.06.2026 um 10.30 UTC
Am Wochenende flächendeckende Hitzewelle, vielerorts starke bis sehr starke
Wärmebelastung. Lokal Unwetterpotential durch schwere Gewitter, Details – wie
auch eine Abkühlung aus Norden in der neuen Woche noch unsicher!
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 23.06.2026
Im Laufe des Freitags etabliert sich über weiten Teilen Mittel- und Westeuropas
eine ausgeprägte südwestliche Höhenströmung. Ursache hierfür ist ein
umfangreicher Langwellentrog über dem nahen Ostatlantik und westlich der
Britischen Inseln, während sich gleichzeitig ein Höhenrücken vom westlichen
Mittelmeerraum über Norditalien bis nach Deutschland und Südskandinavien
aufwölbt. Deutschland befindet sich dabei auf der Vorderseite des Atlantiktroges
in einer sehr warmen bis heißen und zunehmend feuchten Luftmasse subtropischen
Ursprungs.
Am Boden erstreckt sich eine flache Tiefdruckrinne von Westfrankreich über die
Beneluxstaaten bis nach Nordwestdeutschland. Die eigentliche Kaltfront des
steuernden Atlantiktiefs verbleibt zunächst noch im Bereich der Britischen
Inseln und kommt nur langsam ostwärts voran. Damit können sehr warme Luftmassen
ungehindert nach Deutschland advehiert werden.
Die Temperatur in 850 hPa steigt verbreitet auf 16 bis 22°C, im Südwesten und
Westen zeitweise auch darüber. Gleichzeitig nehmen die Taupunkte in den
bodennahen Luftschichten vor allem im Nordwesten auf 16 bis 21°C zu. Die
resultierenden Theta-e-Werte liegen auf außergewöhnlich hohem Niveau und führen
zu zunehmender Schwüle sowie einer deutlich erhöhten Wärmebelastung. Die
Höchsttemperaturen erreichen am Freitag verbreitet 30 bis 36°C, im Westen und
Südwesten lokal auch darüber.
Konvektiv betrachtet gestaltet sich die Lage durchaus interessant. Die Luftmasse
weist teils MU-CAPE-Werte zwischen 1000 und 2500 J/kg auf, lokal auch darüber.
Während die stärkste Instabilität eher über der Westhälfte und im Bereich der
Tiefdruckrinne auftritt, nimmt dort gleichzeitig die tiefreichende Scherung auf
15 bis 25 m/s zu. Somit ergibt sich insbesondere vom Nordwesten über
Nordrhein-Westfalen bis nach Niedersachsen zeitweise eine günstige Überlappung
von CAPE und Windscherung. In diesen Regionen können sich organisierte
Gewitterstrukturen wie Multizellencluster, Bowing-Segmente oder vereinzelt
Superzellen entwickeln. Die Hauptgefahren liegen in größerem Hagel, schweren
Sturmböen und lokal extremem Starkregen.
Weiter südlich und östlich bleibt die Scherung tendenziell geringer. Dort
dominieren eher langsam ziehende Einzel- oder Multizellen mit erhöhtem
Starkregenpotenzial. Aufgrund von PPW-Werten um oder über 35 mm kann bereits
eine geringe Verlagerungsgeschwindigkeit ausreichen, um lokale Unwetter durch
heftigen Starkregen auszulösen.
Am Samstag ändert sich an den großräumigen Druckverhältnissen zunächst nur
wenig. Der Atlantiktrog verlagert sich nur langsam ostwärts, während sich über
Mitteleuropa weiterhin eine leicht antizyklonal gekrümmte südwestliche
Höhenströmung behauptet. Gleichzeitig laufen jedoch wiederholt kurzwellige
Troganteile über den Rücken hinweg. Diese Störungen sind mesoskalig nur
eingeschränkt vorhersagbar, können aber als Auslösemechanismus für teils
kräftige Gewitter dienen.
Die Frontalzone verbleibt weiterhin nordwestlich Deutschlands, wodurch die
schwül-heiße Luftmasse erhalten bleibt. Die Temperaturen steigen erneut auf 30
bis 38°C, wobei insbesondere in Ballungsräumen sowie im Westen und Südwesten
auch tropische Nächte möglich sind. Die Wärmebelastung bleibt hoch bis sehr
hoch.
Bezüglich der Gewitter gilt am Samstag weiterhin das Motto „Alles kann, nichts
muss“. Das Umfeld weist verbreitet ausreichende Instabilität auf, die genaue
Auslösung hängt jedoch stark von kleinräumigen Hebungsprozessen, Konvergenzen
oder überlaufenden Kurzwellentrögen ab. Das höchste Potenzial für organisierte
Gewitter mit Hagel- und Sturmgefahr besteht in der Osthälfte Deutschlands, wo
die Überlappung von CAPE und Scherung am günstigsten erscheint. In den übrigen
Landesteilen liegt der Schwerpunkt eher auf Starkregen bis hin zu
unwetterartigen Mengen.
Am Sonntag steigt das Geopotenzial über Mitteleuropa weiter an und die
Höhenströmung wird zunehmend antizyklonal gekrümmt. Dadurch werden großräumige
Hebungsprozesse gedämpft und die Gewittertätigkeit insgesamt gehemmt. Am Boden
etabliert sich zudem schwacher Hochdruckeinfluss. Eventuelle Gewitter werden
daher vor allem durch Orographie oder lokale Konvergenzen ausgelöst. Aufgrund
der nur schwachen Höhenströmung verlagern sich die Zellen meist nur langsam oder
bleiben nahezu stationär, sodass die Starkregengefahr deutlich erhöht ist. Auch
Hagel bleibt aufgrund der hohen Instabilität beziehungsweise der teils hohen
CAPE-Werte ein Thema. Im Südwesten erreicht die 21-Grad-Isotherme in 850 hPa
Deutschland. Dort wird die 35-Grad-Marke erneut verbreitet überschritten, lokal
sind bis zu 38°C möglich.
Zum Montag deutet sich eine allmähliche Progression der Frontalzone an. Der
Atlantiktrog gewinnt etwas an Einfluss, während der Höhenrücken über
Mitteleuropa zunehmend abgeflacht und nach Osten abgedrängt wird. Kurzwellige
Troganteile greifen verstärkt auf die Nordhälfte Deutschlands über.
Dabei könnte eine Kaltfront den Norden und Nordwesten Deutschlands erreichen. Im
Vorfeld bleibt die Luftmasse nochmals sehr warm bis heiß und energiereich.
Sollte die Front in den Nachmittags- oder Abendstunden auf die aufgeheizte Luft
treffen, wären erneut organisierte Gewitterlinien oder größere Cluster mit
Unwetterpotenzial denkbar. Allerdings bestehen hinsichtlich Timing, Intensität
und räumlicher Ausdehnung derzeit noch erhebliche Unsicherheiten.
In der erweiterten Mittelfrist sprechen die aktuellen IFS-Läufe für eine
fortschreitende Zonalisierung über dem Nordatlantik und Europa. Der Höhenrücken
wird weiter nach Südosteuropa abgedrängt, während sich wiederholt Tiefausläufer
auf Norddeutschland zubewegen können.
Wahrscheinlich ist eine Abschwächung der extremen Hitze zumindest in der
Nordhälfte Deutschlands. Im Süden und Südosten könnte sich die warme bis heiße
Luft dagegen länger halten. Insgesamt nimmt die Wahrscheinlichkeit für
wechselhafteres Wetter mit zeitweiligen Schauern und Gewittern zu. Ob es dabei
zu einer nachhaltigen Abkühlung im gesamten Bundesgebiet kommt oder lediglich zu
einer vorübergehenden Unterbrechung der Hitzelage, ist nach den aktuellen
Modelllösungen noch offen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der Vergleich der IFS-Modellläufe zeigt insgesamt eine recht gute
Übereinstimmung. Die Wetterlage stellt sich um: Mit einer südwestlichen Strömung
erreicht bis zum Wochenende die erste flächendeckende Hitzewelle des Jahres auch
den Norden Deutschlands.
Ab Freitag werden verbreitet Höchsttemperaturen zwischen 30 und 38 Grad
erwartet. Gleichzeitig ist die Luft vielerorts sehr feucht und damit schwül.
Dadurch steigt die Wärmebelastung deutlich an.
Noch unsicher ist die Entwicklung bei möglichen Gewittern. Das größte Risiko für
örtlich kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial besteht derzeit im Nordwesten
sowie in den Bergregionen.
Auch für den Beginn der kommenden Woche gibt es noch Unsicherheiten. Es ist
derzeit nicht abschließend absehbar, ob die Hitze im Norden Deutschlands dann
zurückgedrängt wird und ob dies mit kräftigen Gewittern verbunden sein wird.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Teufel steckt jedoch auch bei den übrigen Globalmodellen im Detail.
Übereinstimmend belassen alle Modelle Deutschland am Wochenende auf der
schwül-heißen Seite der Frontalzone und deuten für die neue Woche eine Abkühlung
von Norden her an. Diese verläuft insbesondere in der Südwesthälfte unter
zunehmendem Hochdruckeinfluss und dürfte dort nur wenig wetterwirksam ausfallen.
Eine endgültige und vor allem nachhaltige Verdrängung der Hitze auch aus dem
äußersten Süden und Südwesten des Landes erscheint nach Durchsicht der gängigen
Globalmodelle zumindest fraglich.
Noch größer sind die Unsicherheiten hinsichtlich der Gewitterentwicklung. Die
höchste Gewitterwahrscheinlichkeit besteht derzeit am Freitag vor allem im
Westen und Nordwesten Deutschlands. Am Samstag verlagert sich der Schwerpunkt
voraussichtlich eher in die Osthälfte des Landes. Am Sonntag sind aufgrund
zunehmenden Hochdruckeinflusses lediglich vereinzelte Gewitter zu erwarten. Zum
Montag hin nimmt die Gewitterneigung von Nordwesten her im Zusammenhang mit der
Annäherung einer Kaltfront wieder zu.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die kommende Hitzewelle ist in den Ensemblevorhersagen weitgehend unstrittig.
Die deutschlandweiten Rauchfahnen verlaufen bis zum Wochenende eng gebündelt
oberhalb der 15-Grad-Marke in 850 hPa. Damit sind verbreitet Höchsttemperaturen
von über 30°C sehr wahrscheinlich. Im Südwesten, wo die Temperaturen in 850 hPa
zeitweise auf etwa 20°C ansteigen, sind lokal auch Höchstwerte um 35°C oder
etwas darüber möglich.
Zu Beginn der neuen Woche deutet der Hauptlauf einen allmählichen
Temperaturrückgang an. Gleichzeitig nimmt der Spread der Ensembles deutlich zu,
was auf zunehmende Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung
hinweist. Während ein Teil der Member die Abkühlung des Hauptlaufes unterstützt,
halten andere an der sehr warmen bis heißen Luftmasse fest. Die
Wahrscheinlichkeit für eine nachhaltige Beendigung der Hitzewelle ist daher noch
begrenzt.
Das Geopotenzial steigt bis Sonntag kontinuierlich an und erreicht dann seinen
Höhepunkt. In der neuen Woche wird ein allmählicher Rückgang simuliert, was mit
der Annäherung der Frontalzone und einer Abschwächung des Höhenrückens
korrespondiert.
Die Niederschlagssignale fallen insgesamt eher verhalten aus und zeigen das für
sommerliche Konvektionslagen typische Muster. Die Niederschläge konzentrieren
sich auf einzelne konvektive Ereignisse, während Hinweise auf flächendeckende
und länger anhaltende Niederschlagsereignisse derzeit fehlen.
CLUSTER:
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitraum bis +96 h lediglich einen Cluster. Auch im
Zeitraum von +120 bis +168 h werden nur zwei Cluster berechnet. Beide Lösungen
weisen ein Blocking-Muster über weiten Teilen Europas auf. Deutschland verbleibt
dabei in einer südwestlichen Höhenströmung, mit der sehr warme bis heiße Luft
subtropischen Ursprungs herangeführt wird.
Im Zeitraum von +192 bis +240 h werden mehrere Cluster simuliert. Dabei
verlagert sich der Schwerpunkt der positiven Geopotenzialanomalien tendenziell
etwas nach Westen. Für Deutschland ergibt sich daraus zunehmend eine westliche
bis nordwestliche Strömung. Während Norddeutschland dadurch stärker in den
Einflussbereich der Frontalzone geraten könnte, verbleibt der Süden und
Südwesten voraussichtlich länger unter dem Einfluss des Höhenrückens. Dort
dürfte sich die warme bis heiße Luftmasse entsprechend länger halten.
FAZIT:
Die erste flächendeckende Hitzewelle des Jahres steht unmittelbar bevor und
dürfte mindestens bis Montag andauern. Danach nehmen die Unsicherheiten
hinsichtlich der weiteren Entwicklung deutlich zu. Tendenziell sprechen die
Ensembles für eine Abkühlung von Norden her, deren Ausmaß und Nachhaltigkeit
jedoch noch offen sind.
Auch die Gewitterentwicklung ist weiterhin mit großen Unsicherheiten behaftet.
Dass es lokal zu unwetterartigen Entwicklungen kommt, erscheint angesichts der
feucht-heißen Luftmasse durchaus wahrscheinlich. Ob und in welchem Umfang diese
auftreten sowie wo die Schwerpunkte liegen werden, lässt sich derzeit jedoch
noch nicht belastbar eingrenzen.
Als relativ sicher kann derzeit gelten, dass bis auf Weiteres keine
großflächigen und ergiebigen Niederschlagsereignisse simuliert werden. Vielmehr
stehen punktuelle, teils kräftige Gewitter mit lokal hohen Niederschlagsmengen
im Vordergrund.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Die eingeflossene Luftmasse sorgt ab Freitag insbesondere im Nordwesten sowie im
Bergland für ein erhöhtes Unwetterpotenzial. Die Modelle reagieren darauf
bislang vergleichsweise verhalten, da in dem schwach antizyklonal geprägten
Umfeld weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der konkreten Gewitterauslösung
bestehen. Eine mehr oder weniger ausgeprägte Deckelung könnte die Konvektion
zeitweise unterdrücken oder zumindest räumlich begrenzen.
Der EFI für CAPE und Scherung zeigt am Freitag und Samstag im Nordwesten
Deutschlands leichte positive Signale, was die Einschätzungen aus der
synoptischen Analyse grundsätzlich unterstützt. Dort besteht die größte
Wahrscheinlichkeit für eine organisierte Gewitterentwicklung, sei es durch
lokale Auslöse entlang von Konvergenzen und Tiefdruckrinnen oder durch die
Verlagerung von Gewitterclustern beziehungsweise mesoskaligen konvektiven
Systemen aus den westlichen Nachbarländern.
Angesichts der feucht-heißen und energiereichen Luftmasse können dabei sämtliche
konvektiven Begleiterscheinungen lokal das Unwetterkriterium erreichen oder
überschreiten. Neben heftigem Starkregen sind auch größerer Hagel sowie schwere
Sturm- oder vereinzelt orkanartige Böen möglich.
Abseits davon besteht vorerst vor allem über den Mittelgebirgen und den Alpen
eine punktuelle Unwettergefahr. Aufgrund geringer Zuggeschwindigkeiten können
sich dort einzelne Gewitterzellen nur langsam verlagern oder nahezu stationär
bleiben. Entsprechend steht in diesen Regionen insbesondere heftiger Starkregen
im Vordergrund.
In den EPS-Niederschlagssignalen finden sich derzeit noch keine ausgeprägten
Wahrscheinlichkeiten für die Überschreitung relevanter Warnschwellen. Dies
unterstreicht die weiterhin hohe Unsicherheit hinsichtlich Ort, Zeitpunkt und
Ausmaß möglicher Unwetterentwicklungen.
HITZE:
Die Kollegen aus Freiburg weisen auf hitzewarnungen.de für Freitag und Samstag
nahezu deutschlandweit eine starke Wärmebelastung aus. Lediglich die
unmittelbaren Küstenregionen bleiben voraussichtlich davon ausgenommen.
Insbesondere in den Ballungsräumen West- und Südwestdeutschlands dürfte sich die
Hitzebelastung deutlich verschärfen. Bei Tageshöchsttemperaturen um oder über
35°C sowie nur geringer nächtlicher Abkühlung sind dort regional mehrere
Tropennächte in Folge möglich. Dadurch kann sich die Wärmebelastung zusätzlich
verstärken, insbesondere für empfindliche Personengruppen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta