#SXEU31 #DWAV110800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag den 11.06.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 110800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 11.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: NWz
Wechselhaft und meist nur mäßig warm, aber kaum markante Wettererscheinungen.
Am Freitag bis in die Nacht zum Samstag am Alpenrand östlich des Karwendels
Dauerregen möglich.
Freitag lediglich auf exponierten Gipfeln stürmische Böen bzw. Sturmböen,
Samstag an den Küsten stürmische Böen, in Gipfellagen Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag… schwenkt ein vom Nordmeer über Mitteleuropa bis zur Adria
reichender Langwellentrog bei weiterer Amplifizierung mit seiner Achse bis zum
Abend langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts. Rückseitig folgt ein
flacher, aber breiter Höhenkeil, der sich abends bereits über den Britischen
Inseln befindet. Daraus resultiert über dem westlichen Mitteleuropa eine recht
glatte nordwestliche Strömung, wobei kräftige WLA vorderseitig eines weiteren
Troges mit Drehzentrum südwestlich von Island über den Höhenkeil hinweg bereits
weit nach Ostsüdost ausgreift und bis zum Abend zunehmend auch den Westen des
Vorhersagegebietes erfasst.
Zunächst bestimmt aber noch eine hochreichend kalte und labil geschichtete
Luftmasse maritimen Ursprungs das Wetter in weiten Teilen des Landes. Bereits
aktuell gibt es – oft gekoppelt an kurzwellige Troganteile – vor allem im
Südwesten, in der Mitte sowie an den Küsten (hier spielt sicherlich auch das
relativ zur Luft wärmere Oberflächenwasser eine Rolle) einzelne Schauer; da auch
oberhalb der stabilen Grundschicht ein wenig Cape zur Verfügung steht, kann es
ab und zu auch mal blitzen.
Mit Einstrahlung und diabatischen Erwärmung der Grundschicht labilisiert die
Luftmasse im Tagesverlauf nun auch von „unten her“. In 500 hPa schwanken die
Temperaturen um die Mittagszeit zwischen -24 und -27 Grad (außer ganz im Westen
und Südwesten, dort beginnt sich die Luft mitteltroposphärisch bereits zu
erwärmen), in 850 hPa zwischen 2 Grad im Nordwesten und 5 Grad an den Alpen. Die
Folge sind zahlreiche Schauer und auch einzelne Gewitter, mangels Scherung und
Organisationsgrad (lediglich die Mittelgebirge können ein wenig „triggern“) oft
der Marle „Popcorn“. Die Prognosetemps zeigen überwiegend dünne, aber
hochreichende (bis etwa 400 hPa) Labilitätsflächen, wobei 50 bis gebietsweise
200 J/kg ML-Cape generiert werden können bei PPWs um oder knapp über 15 mm. Die
meisten auftretenden Gewitter genügen somit wohl „gelben“ Warnkriterien (Böen
Bft 7, etwas Graupel), nur vereinzelt tritt auch mal eine stürmische Böe (Bft 8)
auf, vor allem bei im Vorfeld trockener Grundschicht, auch kleiner Hagel ist im
„Extremfall“ mal denkbar, während Starkregen so gut wie keine Rolle spielen
dürfte.
Im Westen und vor allem im Südwesten reicht die Labilitätsfläche oft nur noch
bis 600 hPa, nachmittags teilweise nicht einmal mehr bis 700 hPa. Hier macht die
Stabilisierung durch die WLA deutliche Fortschritte, nachmittags und abends
zieht bereits mehrschichtige Bewölkung auf. Für einzelne Schauer reicht es wohl
noch, aber kaum für Gewitter. Nachmittags bleibt es dort dann meist trocken, ehe
am späteren Abend im äußersten Westen leichter Regen einsetzt.
Im Bodenfeld kann sich der nach Südwestdeutschland und ins Alpenvorland
gerichtete Hochkeil noch ein wenig verstärken, was zu einer leichten
Gradientverschärfung in der Südwesthälfte führt. Mit dem Tagesgang frischt der
Wind dort somit aus West bis Nordwest auf, für warnrelevante Böen dürfte es aber
kaum reichen, lediglich in einigen Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge sowie
der Alpen gibt es auch außerhalb der Schauer einzelne steife, exponiert
stürmische Böen.
Die Sonne zeigt sich am häufigsten noch an den Küsten, aber auch sonst reicht es
immer mal wieder für kurze sonnige Abschnitte zwischen den Schauern. Innerhalb
der gut durchmischten Luftmasse werden Maxima zwischen 15 und 19 Grad, am
Oberrhein stellenweise 20 Grad erreicht, im Bergland bleibt es frischer.
Ibn der Nacht zum Freitag kommt der Langwellentrog bei weiterer Amplifizierung
Richtung Balkan aufgrund eines blockierenden Höhenrückens über Westrussland nur
noch langsam nach Osten voran. Der folgende Höhenkeil schwenkt Richtung Nordsee,
gefolgt vom Höhentrog über dem mittleren Nordatlantik, der sich mit seinem
Drehzentrum langsam dem Seegebiet südlich von Island annähert.
Die nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet verstärkt sich weiter
und bei nun kräftiger WLA, die im Laufe der Nacht das gesamte Land erfasst, ist
sie leicht antizyklonal konturiert. Die Luftmasse stabilisiert nun rasch und die
Schauer- bzw. Gewittertätigkeit kommt in der ersten Nachthälfte auch nach Osten
zu alsbald zum Erliegen.
Das mit dem Höhentrog südlich Islands korrespondierende Bodentief „SABINA“
befindet sich zunehmend achsensenkrecht unterhalb des Höhentiefs und hat somit
den Höhepunkt seiner Entwicklung überschritten, füllt sich aber nur langsam auf.
Es bildet mit dem Vorgängertief „ROSI“ nachts vorübergehend einen Dipol südlich
von Island. Dessen okkludierendes Frontensystem überquert die Nordsee im Laufe
der Nacht rasch ostsüdostwärts und greift in der zweiten Nachthälfte
teilokkludiert bereits auf den Westen bzw. Nordwesten des Vorhersagegebietes
über. Im Vorfeld setzt von Westen her leichter Regen ein, der rasch nach Osten
vorankommt, lediglich von Vorpommern bis nach Sachsen bzw. im Osten Bayerns
bleibt es wohl bis Freitagfrüh noch trocken.
Die Mengen bleiben allerdings überschaubar. Meist fallen nur wenige l/qm,
lediglich in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge, vor allem aber im
Schwarzwaldstau fallen bis Freitagfrüh um bzw. knapp über 10 l/m². Im Lee
einiger Mittelgebirge bleibt es dagegen gebietsweise sogar halbwegs trocken.
Mit Annäherung und Passage des Frontensystems verschärft sich zwar der Gradient,
angesichts der stabilen Schichtung macht sich das aber lediglich in höheren
Lagen bemerkbar. Auf dem Brocken kann es ausgangs der Nacht stürmische Böen,
eventuell Sturmböen aus Südwest geben; ob es über der offenen Nordsee mit
Passage der Okklusion für einzelne steife Böen reicht, ist dagegen noch
fraglich. Die Nacht fällt im Westen mit zweistelligen Minima bereits recht mild
aus, während es in den östlichen Mittelgebirgen gebietsweise auf nahe 5 Grad
abkühlen kann.
Freitag… schwenkt der flache Höhenkeil von der Nordsee her langsam über das
Vorhersagegebiet ostsüdostwärts, wodurch die Höhenströmung etwas auf
Westnordwest zurückdreht und über dem Westen/Nordwesten des Landes zunehmend
diffluent konturiert ist. Die beiden Bodentiefdipole haben sich inzwischen zu
einem Tiefdruckgebiet vereinigt, das sich langsam ins Seegebiet nördlich der
Färöer-Inseln verlagert. Während Warmfront und Okklusion relativ rasch nach
Osten vorankommen, gerät die strömungsparallele Kaltfront irgendwo über
Norddeutschland und der südlichen bzw. mittleren Nordsee bzw. den Britischen
Inseln ins Schleifen, wobei die aktuellen Läufe eine flache Welle auf der Agenda
haben, die vom Norden Englands bis zum Abend ins Seegebiet nordwestlich der
Deutschen Bucht zieht. Somit gelangen nur Teile Nord- und Ostdeutschlands
vorübergehend postfrontal in den Einflussbereich maritim erwärmter Polarluft,
die aber lediglich bis knapp über 700 hPa labil geschichtet ist. Neben kurzen
Auflockerungen mit etwas Sonnenschein gibt es dort noch einzelne Schauer, für
Gewitter dürfte es aber kaum reichen, auch, wenn SuperHD vereinzelte auf der
Agenda hat.
Weite Teile des Landes bleiben dagegen im Einflussbereich der schleifenden Front
bzw. im Warmsektor. Die dorthin advehierte Luftmasse ist teilweise subtropischen
Ursprungs, ist hochreichend nahezu feuchtegesättigt und weist PPWs von über 35
mm auf. Vor allem in einem breiten Streifen vom Westen über die Mitte bis in den
Süden des Landes regnet es verbreitet und teilweise auch länger anhaltend, wobei
die Mengen mangels dynamischen Hebungsantrieb trotz der hohen PPW-Werte meist
übersichtlich bleiben. Lediglich in den Staulagen der west- und südwestdeutschen
Mittelgebirge fallen bis zum Abend 10 bis 15 l/m², vor allem aber auch im Stau
der Alpen, wo in exponierten Staulagen auch um 25 l/m² zusammenkommen können.
Ganz im Südwesten macht sich allerdings im Tagesverlauf bereits ein sich von
Frankreich her dorthin ausweitender Hochkeil dämpfend bemerkbar; vom Saarland
über die Pfalz bis zum Schwarzwald und nach Südbaden klingen die Regenfälle ab
mittags bereits wieder ab und vor allem vom Breisgau bis zum Hochrhein zeigt
sich dann auch zeitweise die Sonne.
Der Wind weht vor allem in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge und der
Alpen lebhaft aus westlichen Richtungen, exponiert kann es stürmische Böen
geben. An Nordseeküstenabschnitten mit auflandigem Wind sowie in einigen
Mittelgebirgsleelagen sind steife Böen nicht ausgeschlossen.
In 850 hPa steigt die Temperatur auf Werte zwischen 5 Grad im Nordosten und 10
Grad im Südwesten. Somit werden dort, wo die Wolken zeitweise auflockern, also
vor allem im Harzlee und im Südwesten, Werte um 20 Grad erreicht, im südlichen
Oberrheingraben auch bis 22 oder gar 23 Grad. Unter den dichten Wolken reicht es
für Maxima zwischen 15 und 19 Grad.
In der Nacht zum Samstag überquert der flache Höhentrog die Britischen Inseln
und greift auf die nördliche Nordsee über, dessen Drehzentrum befindet sich
morgens in etwa vor Kap Svinöy. An dessen Südflanke dreht die kräftige
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet noch etwas auf Westnordwest zurück und
bleibt diffluent konturiert.
Das Bodentief zerfällt in mehrere Kerne über dem Südteil der Norwegischen See
und Südnorwegen. Die flache Welle entlang der Kaltfront kommt über
Norddeutschland rasch nach Osten voran und hat kein Entwicklungspotenzial mehr,
rückseitig macht die Front selbst wieder etwas mehr nach Süden an Boden gut und
erreicht Samstagfrüh die mittleren Landesteile.
Mit Passage der flachen Welle setzt im Laufe der Nacht auch im Norden und Osten
vorübergehend wieder skaliger Regen ein, lässt aber postfrontal alsbald von
Westen bzw. Nordwesten her wieder nach. Die im Warmsektor in den Südwesten und
Süden Deutschlands advehierte Luftmasse büßt im Laufe der Nacht nicht zuletzt
durch Absinken deutlich an Feuchte ein, die PPWs gehen auf teilweise unter 25 mm
zurück. Entsprechend klingen auch dort die Regenfälle langsam ab. Im Stau der
östlichen und ostbayerischen Mittelgebirge kommen bis Samstagfrüh noch um oder
knapp über 10 l/m² zusammen, an den Alpen östlich des Karwendels nach Lesart des
ICON-EU dagegen nochmals 15 bis über 20 l/m², so dass in den Regionen wohl die
Warnschwellen für 12- bis 24-stündigen Dauerregen (25 bis 50 l/m²) überschritten
werden.
Vor allem mit Passage der Kaltfront verschärft sich der Gradient über weiten
Teilen des Landes, zumal sich auch der nach Südwestdeutschland gerichtete
Hochkeil ein wenig verstärkt. Vor allem in den Kamm- und Gipfellagen der
zentralen und ostbayerischen Mittelgebirge sowie der Alpen gibt es nun häufiger
stürmische Böen, exponiert auch Sturmböen, an der Nordsee reicht es eventuell
für steife Böen aus West bis Nordwest.
Die Nacht verläuft mild mit Minima zwischen 16 und 11 Grad.
Samstag… verlagert der Höhentrog sein Drehzentrum langsam nach
Südskandinavien, wo sich auch im Bodenfeld ein zentralsteuerndes Tiefdruckgebiet
(Kerndruck um 1000 hPa) etabliert. An dessen Südflanke schwenken einer oder
mehrere kurzwellige Anteile über die Nordsee und den Nordosten Deutschlands
hinweg südostwärts und halten die zyklonale Nordwestlage zumindest über der
Nordhälfte des Landes aufrecht. Über Süd- und Südwestdeutschland ist die
Höhenströmung dagegen leicht antizyklonal konturiert.
Die Kaltfront kommt somit über der Mitte des Landes nur noch langsam nach Süden
voran und löst sich mit Annäherung an den Bodenhochkeil weitgehend auf. Die
Südhälfte bleibt somit im Einflussbereich der dorthin von Westen her advehierten
warmen Biskayaluft mit 850 hPa-Temperaturen zwischen 9 und knapp 14 Grad. Vor
allem in Baden-Württemberg und zunehmend auch in Bayern, vielleicht auch noch im
Saarland und in der Südpfalz setzt sich verbreitet die Sonne durch und es bleibt
dort trocken. Die Temperaturen erreichen sommerliche Werte zwischen 23 und 27,
im südlichen Oberrheingraben vielleicht 28 Grad.
Anders dagegen postfrontal in der Mitte und im Norden. Die 5 Grad-Isotherme in
850 hPa erreicht noch die mittleren Landesteile, nördlich davon macht sich
erneut ein Schwall maritimer Polarluft breit, die aber nicht sonderlich
hochreichend labil geschichtet ist. Vor allem mit Passage der oben
angesprochenen kurzwelligen Troganteile reicht es im Norden und Nordosten aber
wohl doch für einzelne Schauer, nach Osten zu auch für kurze Gewitter; bei
markanter Scherung, aber nur wenig Cape sind dann als Begleiterscheinung am
ehesten stürmische Böen bzw. Sturmböen zu erwarten, maximal noch Graupel bzw.
kleinkörniger Hagel.
Apropos Wind: Der dürfte im Fokus der Warntätigkeit stehen. Vor allem im Norden
und in der Mitte bleibt ein scharfer Gradient aufrecht bzw. kann sich mit
Passage eines Bodentroges noch etwas verschärfen, dazu kommt noch der Tagesgang.
Außer im Südwesten und Süden gibt es zumindest in freien Lagen vielerorts steife
Böen aus West bis Nordwest, an den Küsten auch stürmische Böen, in den Kamm- und
Gipfellagen der Mittelgebirge (ausgenommen wohl die südwestdeutschen) ebenfalls,
exponiert sind dort Sturmböen zu erwarten.
Im Gegensatz zum Südwesten und Süden macht sich die Sonne im Norden und Osten
deutlich rarer und zeigt sich meist nur kurz zwischendurch. Im Norden reicht es
auch nur für Maxima zwischen 15 und 19 Grad, in der Mitte immerhin für 18 bis 23
Grad.
In der Nacht zum Sonntag greift von Nordwesten her ein etwas markanterer
Randtrog auf das Vorhersagegebiet über, damit einhergehend auch ein Bodentrog,
der mit häufigeren Schauern, eventuell auch einzelnen Gewittern vor allem den
Küstenbereich und eventuell auch noch die Norddeutsche Tiefebene erfasst.
Der nach Südwest- und Süddeutschland gerichtete Hochkeil wird dadurch nach
Südwesten abgedrängt und die maritime Polarluft kann sich weiter nach Süden
durchsetzen, die 5 Grad-Isotherme erreicht morgens in etwa Mosel und Main. Somit
kommen die etwas dichteren Wolken weiter südwärts voran, lediglich ganz im
Südwesten bleibt es noch gering bewölkt. Ob es hier und da für etwas Regen
reicht, ist noch unklar.
Der Wind nimmt tagesgangbedingt vor allem im Binnenland rasch ab, an den Küsten
und auf den Bergen bleibt er aber wohl noch teilweise warnrelevant. Die Minima
bewegen sich zumeist zwischen 12 und 7 Grad, lediglich im Südwesten bleibt es
milder mit 15 bis 11 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs. Allerdings ergeben sich vor allem
für den morgigen Freitag noch feine Unterschiede bei der Passage der Kaltfront
bzw. der darin eingebetteten Welle, was Auswirkungen auf die
Niederschlagsprognosen hat, insbesondere auch auf die Ausprägung einer
eventuellen Dauerregenlage am östlichen Alpenrand.
Die Modelle haben sich diesbezüglich angeglichen, die geringeren Mengen im GFS
und IFS sind wohl auch der gröber aufgelösten Modellorographie geschuldet.
Letztendlich erscheint Dauerregen angesichts der hohen PPWs aber plausibel. Über
eine entsprechende Warnung wird spätestens am morgigen Vormittag entschieden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff