SXEU31 DWAV 060800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 06.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
SWA
Am heutigen Samstag vor allem im Nordwesten und am Alpenrand einzelne Gewitter,
örtlich markant. Ansonsten meist Wetterberuhigung, ab Montagnachmittag neue
Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… zeigen sich die „Big Player“ im Wettergeschäft als umfangreicher
Langwellentrog im Seegebiet zwischen Grönland, Island und den Britischen Inseln
sowie einem weit nach Norden sich erstreckendem, aber schmalen Rücken zwischen
dem östlichen Mittelmeer und der Barentssee. Ausgehend vom Langwellentrog läuft
an dessen Südostflanke ein Randtrog mit eigenständigem Drehzentrum über den
Britische Inseln in die Nordsee. Daran geknüpft ist das Bodentief QUELLA, dessen
okkludierendes Frontensystem am Nachmittag auf den Westen Deutschlands
übergreift. Mit bis weit nach Skandinavien reichendem hohen Druck östlich von
uns mit Bodenhoch DJAMSCHID ergibt sich zuvor eine hochreichende südwestliche
Strömung, in der allerdings nur mäßig-warme Meeresluft mit T850 hPa von 5 bis 8
Grad einfließt. Im Südosten erfolgt dagegen ein Streifschuss etwas wärmerer
Subtropikluft, in der die T850 hPa auf 9 bis 11 Grad steigt.
Präfrontal ist die Luftmasse recht feucht, sodass mit der Hebung eines dem
Randtrog über Deutschland vorlaufenden Sekundärtrogs Quellwolkenbildung
einsetzt, die etwa ab dem Mittag Konvektion generiert. Diese tritt vornehmlich
im Nordwesten auf (relative Sonnenscheindauer 20 bis 50 %). Aber auch in den
anderen Regionen im Osten und Südosten, die mehr Sonnenschein (50 bis 70 %
relative Sonnenscheindauer) erwarten können, sind zumindest örtlich Schauer und
Gewitter zu erwarten.
Klopft man die Konvektionsparameter ab, so ergibt sich die Hebung aus etwas PVA,
während WLA kaum vorhanden ist. ML-CAPE beträgt 50 bis 250 J/kg, ist aber
unterhalb einer nur langsam aufbrechenden Inversion bei rund 700 bis 600 hPa
gedeckelt. Die PPWs betragen 15 bis 25 mm, die Scherung ist mau. Wirft man alles
in einen Topf, so kommen Gewitter der Marke „Gelb“ mit nur geringem Potenzial
für lokal steife Böen um 55 km/h (Bft 7) und Starkregen um 20 l/qm in kurzer
Zeit heraus. Die geringe Scherung lässt auch kaum organisierte Zellen zu, womit
es bei Einzel- oder zusammenwachsenden Multizellen bleibt.
Ein wenig „besseres“ Gewitterpotenzial ist zwar am Alpenrand gegeben, an dem
sich in der südwestlichen Strömung ein kleines Leetief bilden kann. Bei einem
etwas schärfer geschnittenen Sekundärtrog kann aus den Alpen heraus Konvektion
auf Deutschland übergreifen. Weil die Dynamik jedoch zu schwach ist, dürfte bei
Gewittern der Kategorie „Gelb“ ebenfalls häufig Schluss sein.
In den späteren Nachmittagsstunden bringt das okkludierende Frontensystem von
QUELLA dem Westen und Nordwesten gebietsweise schauerartigen Regen, wobei das
Gewitterpotenzial sogar noch abnimmt. Die Regenmengen in diesem Bereich betragen
meist nur 0,5 bis 5 l/qm.
Der Wind weht abseits der Konvektion schwach bis mäßig um Süd.
Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 18 Grad in der Eifel und 26 Grad in der
Lausitz.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Randtrog mit nahezu achsensenkrecht
darunterliegendem Tief QUELLA allmählich über der Nordsee nach Nordosten weiter.
Das Tief hat damit sein Entwicklungspotenzial ausgeschöpft, das okkludierende
Frontensystem kommt im Laufe der Nacht bis auf eine Linie westliche Ostsee –
Berliner Raum – Lausitz voran. Die Regenmengen liegen weiterhin nur bei 0,5 bis
5 l/qm. Postfrontal setzt zunächst eine Stabilisierung ein, sodass die Wolken
häufig auflockern.
In der zweiten Nachthälfte macht sich der Randtrog im Nordwesten mit neuer
Konvektion und leicht auffrischendem Wind bemerkbar. MU-CAPE ist allerdings nur
gering, folglich bleiben Gewitter die Ausnahme und voraussichtlich meist auf die
„gelbe“ Kategorie beschränkt. Ebenso lässt die Konvektion am Alpenrand nicht
gänzlich nach, vielleicht reicht es dort bei etwas mehr MU-CAPE noch für
elektrische Zuckungen, ohne die Ockerkarte ausspielen zu müssen.
Bei Tiefstwerten von 15 Grad an der See bis 7 Grad in der Eifel und oft nur
schwacher Windbewegung ist hier und da flacher Nebel bei größeren Auflockerungen
nicht ganz ausgeschlossen, warnwürdig wird dies aber höchstens lokal.

Sonntag… macht sich der Randtrog auf den Weg nach Südschweden. Das sich
auflösende Tief QUELLA folgt ihm auf dem Fuß, weshalb sein okkludierendes
Frontensystem mit letzten schwachen Regenfällen im Nordosten rasch nach Osten
abzieht.
Danach liefert der Randtrog noch eine Schauerstaffel für den Norden, deren
Potenzial aber ziemlich beschränkt ist. CAPE und Labilität sind nur gering
ausgeprägt, sodass eigentlich nur die geringe WLA Hebungsaimpulse liefert.
Elektrische Entladungen gibt es daher vermutlich selten, selbst die
konvektionserlaubenden Lokalmodelle bieten diesbezüglich nichts an.
Im Rest des Landes ist es bei einem auf Deutschland zulaufenden flachen Rücken
unter zunehmendem Zwischenhocheinfluss heiter bis wolkig und meist trocken mit
40 bis 60 % relativen Sonnenschein in der Mitte und mit 50 bis 80 % nach Süden
hin.
Im Norden jedoch verstärkt sich der Druckgradient mit Durchzug des Tiefs und
Aufbau des neuen Hochs EMIL über Ostfrankreich vorübergehend etwas. Dann sind
vor allem im Bereich der Konvektion starke, vereinzelt steife Böen um 50 km/h
(Bft 7) aus West bis Südwest gering wahrscheinlich, an der Nordsee auch
außerhalb der Konvektion wahrscheinlich. Dort können in exponierten Lagen
vereinzelt sogar stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) auftreten. Nach Süden hin
weht schwacher bis mäßiger Wind um West.
Die Temperaturen steigen auf 18 bis 24 Grad im Norden und auf 19 bis 26 Grad von
der Mitte bis in den Süden.

In der Nacht zum Montag wandert der sich leicht in die westliche Ostsee
aufwölbende Rücken über Deutschland hinweg, ausgangs der Nacht liegt die Achse
auf einer Linie Kattegat – Bayern. Damit steigt der Druck überall und letzte
Schauer im Nordosten lassen rasch nach. Sonst steht eine locker bis gering
bewölkte, nach Süden hin teils auch klare Nacht an. In der Westhälfte kommen in
der zweiten Nachthälfte wieder etwas mehr Wolken auf, wobei diese vornehmlich
aus mittelhoher bis hoher Bewölkung resultieren. Das sind Vorboten eines neuen
Frontensystems vor den Toren Mitteleuropas, das aber erst ab Montagnachmittag
bei uns Relevanz erlangt.
Der Wind lässt auch im Norden mit Sonnenuntergang rasch nach und weht dann nur
noch schwach.
Die Temperaturen sinken auf 14 Grad an der See bis 7 Grad im Binnenland.

Montag… ist der Rücken für Deutschland bald schon wieder Geschichte, in seine
Fußstapfen tritt der Langwellentrog über dem Nordatlantik. Dieser weitet sich
durch einen neuen Sekundärtrog bis zu den Britischen Inseln aus. Er ist mit
einem steuernden Tief bei Island verbunden, welches wiederum ein Randtief
nordöstlich der Britischen Inseln besitzt. Die Kaltfront davon greift in den
Abendstunden mit schauerartigen und teils gewittrigen Regenfällen auf den Westen
und Südwesten Deutschlands über. Präfrontal nimmt die Bewölkung zwar weiter zu
(im Osten allerdings noch 50 bis 80 % relative Sonnenscheindauer), Konvektion
gibt es in der noch trockenen Luft den Modellen zufolge aber kaum. Zwar wäre ein
wenig CAPE, Hebung und Labilität vorhanden, Absinken und eine trockene Schicht
zwischen 800 und 600 hPa wirken vermutlich jedoch zu stark dagegen (recht hohe
CIN-Werte). Bei diesem Szenario ist sicherlich noch nicht das letzte Wort
gesprochen, sodass die bald erscheinenden Karten der Lokalmodelle weitere
Auskunft geben müssen.
Ansonsten bleibt festzuhalten, dass mit südlicher Strömung bei schwachem bis
mäßigem Wind die subtropische Luft vorübergehend bis in den Norden ausgreift und
die 10 Grad-Marke in T850 hPa fast überall überschritten wird. Höchstwerte
zwischen 20 und 28 Grad sind die Folge, womit gebietsweise ein Sommertag zu
erwarten ist.

In der Nacht zum Montag weitet sich der Langwellentrog bis in die Nordsee und
bis nach Nordfrankreich aus. Damit zieht die Kaltfront des Tiefs bei Island bzw.
Teiltiefs nun vor Norwegen mit den schauerartigen und teils gewittrigen
Regenfällen über Deutschland hinweg nach Osten und Südosten. Im Bereich der
Front gibt es bis zu 250 J/kg MU-CAPE, etwas Scherung und PPWs bis 30 mm. Hebung
resultiert aus PVA, allerdings wirkt kräftige KLA hemmend. Darüber hinaus
spricht der Tagesgang nicht für kräftige Entwicklungen. Aus dieser Warte heraus
steht nun vornehmlich der Starkregen im Vordergrund, der lokal markant werden
kann. Gegen Unwetter-Starkregen spricht ein eher schneller Durchzug der Front.
Beim Wind sind nach aktuellem Stand steife Böen um 55 km/h (Bft 7), vereinzelt
stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) zu erwarten. Hagel sollte bei den CAPE-Werten
klein bleiben. Sollte durch die Scherung doch etwas stärkere Organisation
aufkommen, sind stärkere Entwicklungen möglich. Ob diese dann sogar in den
Unwetterbereich gehen, muss mit den nächsten Modellläufen beurteilt werden.
Nach Durchzug der Kaltfront lockern die Wolken im Westen und Nordwesten wieder
auf und es bleibt meist trocken.
Der Wind weht abseits von Schauern und Gewittern schwach bis mäßig, auf einigen
Bergen mit steifen, im Hochschwarzwald mit stürmischen Böen aus Süd, im
Nachtverlauf auf West drehend.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 16 Grad unter Wolken im Osten und bis 7 Grad bei
Aufklaren im Westen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Bezüglich der Gewitterlage ab
Montagnachmittag müssen zur genaueren Beurteilung die Lokalmodelle abgewartet
werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler