#SXEU31 #DWAV270800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch den 27.05.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 270800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 27.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Hoch Britische Inseln (HB) Übergang zu Hoch Mitteleuropa (HM)
Heute im äußersten Süden lokale Schauer und Gewitter, sonst sonniges
Hochdruckwetter. Kommende Nacht im Norden und Osten sehr frisch. Am Freitag
potentielle Schwergewitterlage im Nordwesten.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch… liegt unser Höhenhoch schon nicht mehr ganz so prominent über dem
Kontinent, sondern hat sich schon ein Stück weit nach Südwesten Richtung
Pyrenäen zurückgezogen. Es besitzt aber weiterhin einen kräftigen Keil über den
Britischen Inseln (ein kleiner Cut-Off dicht westlich der Bretagne stört da
kaum), der auch das Bodenhoch BORIS mit über 1030 hPa im Zentrum dicht östlich
von Schottland stützt. Verantwortlich für die Verschiebung/Modifizierung der
Omegastrukturen ist eine Austrogung über der Ostsee und dem Baltikum unterhalb
derer sich eine thermisch recht ordentliche, jedoch so gut wie wetterunwirksame
antizyklonal einfließende Kaltfront inzwischen bis nach Berlin und ins
Münsterland vorgearbeitet hat – samt Temperaturrückgang um etwa 4 K und
einstelligen Taupunkten. Ansatzweise ist noch ein schmales, durchbrochenes
Wolkenband in mittleren Niveaus auszumachen. Mit jedem Kilometer Richtung
Südwesten wird die Front im Tagesverlauf strömungsparalleler und schließlich
rückläufig.
Sie schafft es etwa noch bis zur Eifel und dem Fichtelgebirge, was im
Umkehrschluss bedeutet, dass südlich von Main und Mosel erneut ein heißer Tag
mit viel Sonnenschein bei maximal 30 bis 34°C ansteht. Eine gewissen Anfeuchtung
(Feuchtflusskonvergenz) ist zwar vor allem unmittelbar präfrontal zu
verzeichnen, was dann auch in MU CAPE von 500 bis 1000, punktuell sogar bis 1500
J/Kg mündet, das Problem bleiben kleinere Sperrschichtung, das überlagerte
Absinken sowie eine zumindest weiterhin sehr trockene mittlere Troposphäre. So
geht wohl hinsichtlich konvektiver Umlagerungen erneut nicht viel. Mithilfe
orographischer Unterstützung sind im süd- und südwestdeutschen Bergland, vor
allem aber am Alpenrand etwas stärkere Anzeichen für einzelne, durchaus markante
Gewitter gegeben mit Starkregen, kleinerem Hagel und stürmischen Böen. Dort
hilft auch ein ganz flacher Randtrog in 700 hPa, der vom Böhmischen Becken bis
zu den Vogesen reicht, mit. Für mehr fehlt es an Scherung und Dynamik. Erste
Vorboten in Form hochbasiger elevated castellani sind bereits im Süden vorhanden
(08 MESZ zwischen Landshut und Passau gar mit einem kleinen Schauer). Passend
dazu reagiert ICON-RUC auch relativ frühzeitig heute bereits mit der
bodengestützten Auslöse gegen 12 Uhr mittags.
Postfrontal scheint ebenfalls größtenteils die Sonne. Die Anströmung begünstigt
Skandinavienföhn, auch wenn es kaum etwas „wegzuföhnen“ gibt oder gab. Lediglich
in Nordseenähe sind bei nordwestlicher Anströmung unterhalb der
recht flachen Inversion bei rund 600 m die Quellwolken etwas kompakter (bzw.
breitgeschmierter). Der Wind bleibt lebhaft, vor allem in Nordfriesland an den
Nordspitzen der Ostseeinseln sowie in einigen Hochlagen der östlichen
Mittelgebirge angekratzt mit Böen der Stärke 7.
In der eingeflossenen kühleren, gealterten Luftmasse aus Skandinavien gehen die
T850 schrittweise auf rund 10, in Vorpommern bis 5°C zurück. Entsprechend bleibt
es an der See mit 14 bis 19°C recht frisch, sonst in der Nordhälfte bei 20 bis
25°C angenehm.
In der Nacht zum Donnerstag wird dem Rücken an dessen Rückseite langsam aber
sicher die Warmluftzufuhr in der Höhe abgegraben. Davon merken wir derweil noch
nix und das Hoch BORIS über der Nordsee bleibt mit seinem Keil, der nach
Tschechien und Ungarn gerichtet ist, bei uns wetterbestimmend.
Nördlich der Divergenzachse wird mit einer nordwestlichen Strömung weiterhin
bodennah etwas feuchtere Nordseeluft eingesteuert mit teilweise kompakterer
Cu/Sc Bewölkung. Innerhalb der windschwachen Achse kann sich vor allem von der
Ems über Ostwestfalen bis nach Thüringen gebietsweise Nebel bilden. Sonst ist es
vielfach gering bewölkt oder klar und auch lokale Schauer oder Gewitter an den
Alpen klingen eingangs der Nacht rasch ab.
Dann heißt es durchlüften, angesichts teils nur 4 oder 5°C in der Lüneburger
Heide oder einigen Mittelgebirgstälern aber vielleicht auch nicht zu exzessiv.
Rund um Faßberg, Quickborn und Itzehoe, aber auch Richtung Coschen und
Deutschneudorf droht sogar nochmal leichter Frost in Bodennähe. Im Süden und
Südwesten, wo der Luftmassenwechsel größtenteils ausblieb, bleibt es bei 10 bis
15°, im Oberrheingraben teilweise noch darüber, milder.
Donnerstag… der Einbezug des derzeitigen Cut-Offs westlich der Bretagne, ein
Randtief westlich von Irland und ein sich westwärts anschließendes Zentraltief
mit unter 990 hPa über dem Atlantik: Die Summe der immer weiter nördlich
ansetzenden Tiefs aus Westen setzen unserem einstigen stolzen Omegahoch immer
weiter zu und bereiten konkret und zielstrebig dessen Abgesang vor. Zunächst
bleibt aber noch der sich im Nordteil immer weiter abflachende Rücken
wetterbestimmend, dessen Achse in der Höhe langsam ostwärts schwenkt, aber
selbst am Abend noch knapp westlich unserer Landesgrenzen liegt. Das Bodenhoch
verlagert sich von Nordsee unter leichter, aber stetiger Abschwächung nach
Norddeutschland.
Anfänglich kompaktere Wolken im Norden und Nordwesten lösen sich im Tagesverlauf
zunehmend auf, die bodennahe nordwestliche Strömung von der Nordsee wird mit
Verlagerung des Hochs südostwärts immer mehr gekappt. Sonst gibt es erneut
vielfach Sonne satt. An den Alpen und im Südschwarzwald, sowie ebenfalls
Richtung Eifel bleibt ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko bestehen, was
aber deutlich schwächer als noch am Vortag ausfällt.
Der permanente, wenngleich advektiv äußerst schwache Zufuhr bodennah kühlerer
Luft aus Nord bis Nordost hinterlässt nun auch im äußersten Südwesten des Landes
ihre Spuren, wo die 30 Grad Marke nur noch punktuell überschritten wird. Meist
werden es angenehme 23 bis 29°C, in Küstennähe um oder knapp unter 20°C.
In der Nacht zum Freitag greift ein erster markanterer Randtrog auf die
Britischen Inseln über und schwenkt in der Folge weiter nordostwärts. Vom
Bodentief südlich von Island erstreckt sich dabei Bodentrog bis in die Deutsche
Bucht hinein, in den auch eine schwache, weitgehend okkludierte Front
eingelagert ist. Je weiter südlich man dabei schaut, desto mehr büßt sie vom
Höhenkeil überlagert an Wetterwirksamkeit ein. Außer ein paar vereinzelten
Tropfen kommt wohl noch nicht viel an bei uns im äußersten Nordwesten. Das Hoch
verabschiedet sich unterdessen allmählich Richtung Hohe Tatra.
Dadurch bleibt es vielerorts noch klar bei rückdrehendem Wind auf Süd bis
Südost. Die Tiefstwerte liegen in der Osthälfte bei frischen 4 bis 10°C, im
Westen und Südwesten bei 10 bis 16°C.
Freitag… schwenkt die sich weiter abflachende Achse des Rückens ostwärts und
reicht am Abend vom Südwesten Deutschlands bis in den Nordosten. Der Westen und
Nordwesten gelangt somit immer mehr auf die Vorderseite des atlantischen
Langwellentroges. Entscheidend ist nun die Ausprägung der Höhenströmung an der
Südflanke eines abgeschlossenen Drehzentrums bei den Färöer. Schwache Vergenzen
sind in der leicht flatternden West-Südwestlichen Höhenströmung auszumachen und
auch ein schwaches IPV-Maximum erreicht am Abend den Nordwesten Deutschlands.
Von diesen Nuancen hängt maßgeblich die Entwicklung der Konvektion im
Tagesverlauf ab, weshalb die Modelle auch entsprechend unterschiedlich darauf
reagieren.
Die beteiligte Luftmasse nämlich hat es ordentlich in sich! So öffnet sich just
über Deutschland schon nochmal ein kleiner Warmsektor dank bodennaher Zufuhr
(gewissermaßen Rückkehr) der kaum verdrängten subtropischen Luftmasse von
Frankreich und Belgien, die nun nach Norden hin zunehmend durch Hebungsprozesse
angefeuchtet und damit schwül-heiß wird. Die PPW’s steigen bis zum Abend von 30
bis auf 40 mm an im Nordwesten, ML CAPE zwischen 1500 und 2500 J/kg stehen zur
Verfügung in einem zunehmend moderat bis stark gescherten Umfeld. Ein leichter
Deckel ist vorhanden, dessen Sprengung aber auch ohne orographische Hebung durch
die Höhenkonfiguration früher oder später wahrscheinlich (aber falls später, wie
heftig dann noch?). Man kann also guten Gewissens von einer „loaded gun“ Lage
sprechen, bei der es – sobald die Auslöse erreicht ist – rasch Entwicklungen bis
in den Unwetterbereich hinein geben kann.
Das Super HD simuliert dann auch eindrücklich in der Pseudoreflektivität eine
gut definierte Squall line und am Südrand auch einzelne Superzellen vor allem
über Niedersachsen und NRW. Stand jetzt ist für diese Regionen die Ausgabe einer
Vorabinformation durchaus in Betracht zu ziehen, können doch sämtliche
Begleiterscheinungen das Unwetterkriterium (heftiger Starkregen, großer Hagel,
orkanartige Böen) erreichen.
Auf der Keilvorderseite passiert somit noch wenig und so wird es von der Lausitz
bis in den Süden des Landes abermals ein durchweg sonniger und trockener Tag.
Dabei werden 27 bis 33°C erreicht, die sich vor allem im Westen und Nordwesten
zunehmend schwül anfühlen. Bei überwiegend südlichem Wind dürfte es auch direkt
an der See vielfach für einen Sommertag reichen.
In der Nacht zum Samstag zieht das kleine Höhentief mit eigenständigem
Drehzentrum ostwärts zum Oslofjord, womit die Höhenströmung über Deutschland auf
Nordwest kippt. Über UK schließt sich stromauf bereits ein neuerlich, wenn auch
flacher Rücken an. Die Strömung flattert leicht und ist noch immer anfällig und
durchlaufende Störungen, die modellübergreifend sehr unterschiedlich simuliert
werden.
Mithin schwenkt am Boden auch eine teilokkludierte Kaltfront von Nordwesten zur
Landesmitte und gerät dort ins Schleifen. Der gefährdetste Bereich für noch
längere Zeit gewittrige Regenfälle erstreckt sich somit quer über der
Landesmitte von NRW bis nach Berlin/Brandenburg und Sachsen – einzelne
abgehobene Überraschungen auf der unmittelbaren warmen Südseite inklusive. Die
Unwettergefahr dürfte dabei mit Einbruch der Nacht deutlich nachlassen. Im EPS
gibt es aktuell auch keine Signale für Wahrscheinlichkeiten für mehrstündigen
Starkregen, der 25 l/qm binnen 12 Stunden überschreitet. Südlich des Mains
dürfte es meist noch trocken bleiben und auch ganz im Norden beruhigt sich das
Wetter rasch wieder.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 8 und 14°C mit den tiefsten Werten diesmal im
Süden. Über der Mitte werden unter den Wolken in den Gebieten ohne oder nur
wenig Regen kaum unter 20°C gemessen.
Modellvergleich und -einschätzung
Signifikante Unterschiede in den Basisfeldern offenbar sich erst im Laufe des
Freitags, wo die Konfiguration des beteiligten Höhentroges noch Unschärfen
aufweist. Dies hängt maßgeblich vom Schweregrad der zu erwartenden Konvektion
bis in den Unwetterbereich ab. ICON06 scheint vor allem nach Süden einen Tick zu
antizyklonal aufgestellt zu sein im Vergleich zu den externen Modellen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen