S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 23.05.2026 um 10.30 UTC

Ruhiges, weitestgehend trockenes Hochdruckwetter. Im Südwesten durchweg sehr
warm bis heiß, sonst vorübergehend kühler, an der Küste am Dienstag stürmische
Böen möglich.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 30.05.2026

Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag befinden sich weite Teile West- und
Mitteleuropas weiterhin im Einflussbereich eines blockierenden Höhenrückens, der
von den Britischen Inseln bis zum Balkan und zum Schwarzen Meer reicht. Darin
eingelagert ist ein Höhenhoch mit Kern über Frankreich. Das Geopotenzial ist mit
588-592 gpdam zwar gebietsweise immer noch für die Jahreszeit rekordverdächtig
hoch, ein sukzessiver Abbau hat aber bereits eingesetzt. Der
Geopotenzialrückgang ist vornehmlich einem Kurzwellentrog zuzuschreiben, der vom
Nordmeer kommend über Südskandinavien zum Baltikum schwenkt und sich dem
Höhentief über Nordwestrussland angliedert. Am Rande des korrespondierenden
Zentraltiefs mit Kern knapp östlich des Weißen Meeres kann sich dabei im Lee des
Skandinavischen Gebirges ein kleines Tief bilden, das ebenfalls zum Baltikum
schwenkt. Die zugehörige Kaltfront erreicht die nördlichen Landesteile, läuft
auf ihrem Weg nach Süden aber in den Hochkeil, der vom Hochzentrum knapp
nördlich von Irland über Mittel- bis nach Südosteuropa reicht. Während
postfrontal bereits kühlere Subpolarluft in den Norden geführt wird (T850 auf 10
bis 5 °C absinkend), lagert über den mittleren und südlichen Landesteilen eine
sehr warme bis heiße Luft (T850 11 bis 17 °C), in der wieder verbreitet
Höchsttemperaturen über 30 °C erreicht werden. Die Kaltfront bringt dem Norden
in erster Linie ein paar dichtere Wolkenfelder, eventuell auch ein paar Spritzer
Regen. Ob die Anfeuchtung der instabilen Luftmasse knapp präfrontal ausreicht,
um vereinzelte Schauer und Gewitter zuzulassen, ist aber äußerst fraglich. Im
Küstenumfeld frischt der auf Nordwest drehende Wind in Böen stark bis stürmisch
auf.

Am Mittwoch trogt es über dem östlichen Mittelmeer weit nach Süden aus, sodass
sich zwischen dem dort formierenden Langwellentrog und dem Rücken über
Frankreich und den Britischen Inseln über Deutschland eine recht lebhafte
nordwestliche Höhenströmung einstellen kann. Das Hoch verlagert sich mit seinem
Schwerpunkt zur Nordsee, der von ihm ausgehende, nach Mitteleuropa gerichtete
Keil schwächt sich nur vorübergehend etwas ab und sorgt weiterhin für
weitestgehend antizyklonales Wettergeschehen. Entsprechend löst sich die weiter
nach Südwesten schwenkende Kaltfront spätestens über der Mitte auf. Mit
Winddrehung auf Nordwesten setzt aber auch weiter südwestlich schwache
Kaltluftadvektion, womit die Temperaturen auch dort leicht zurückgehend (T850
zwischen 2 °C in Vorpommern und 15 °C im Breisgau). Höchstwerte über 30 °C
werden wahrscheinlich nur noch lokal am Oberrhein erreicht. Mit Anfeuchtung der
instabil geschichteten Warmluft steigt die Gewitterwahrscheinlichkeit auch im
Süden etwas an, insbesondere über den Bergen und in den Alpen sind einzelne
Gewitter nicht ganz ausgeschlossen. An den Küsten sind anfangs noch starke bis
stürmische Böen aus Nordwest möglich.

Am Donnerstag schwenkt der Rücken über Westeuropa zur Nordsee, der
Hochschwerpunkt verlagert sich langsam nach Deutschland und sorgt weiterhin für
antizyklonales Wettergeschehen. Zudem reißt die Nordwestströmung von Südwesten
zögerlich wieder ab, sodass sich die Temperaturen auf 850 hPa zwischen 4 °C in
Vorpommern und 13 °C im Südwesten einpendeln können. Höchstwerte über 30 °C sind
demnach auch entlang des südlichen Oberrheins wohl kaum mehr möglich. Die
Gewittergefahr nimmt auch im Süden mit wieder abtrockender Luftmasse und
stärkerem Absinken wieder ab.

Am Freitag schwenkt der Höhenrücken nach Mitteleuropa, das korrespondierende
Hoch nach Südosteuropa. Westlich der Britischen Inseln wölbt sich derweil schon
der nächste Rücken auf und bildet ein Hoch. Dazwischen könnte sich ein
kurzwelliger Trog über Nordsee nach Südskandinavien schieben, was sich durch
eine flache Rinne zwischen den beiden Hochs bemerkbar macht. Wetterrelevanz hat
diese aber kaum, allerdings könnte WLA gebietsweise für etwas dichtere
Wolkenfelder sorgen. Die Luft kann sich auch nach Nordosten zu wieder etwas
erwärmen (T850 zwischen 9 und 15 °C), am Oberrhein steht der nächste heiße Tag
an.

In der erweiterten Mittelfrist am Wochenende setzt sich das hochdruckdominierte
und wieder verbreiteter sehr warme, im Südwesten heiße Wetter unter dem Einfluss
des nach Mitteleuropa schwenkenden Höhenrückens wahrscheinlich zunächst fort.
Über dem Atlantik deutet sich allerdings bereits eine gewisse Zonalisierung und
Konsolidierung der Frontalzone an. Ob das dann pünktlich zum Sommeranfang zu
Beginn der übernächsten Woche auch bei uns in zunehmenden Tiefdruckeinfluss
mündet, ist vor allem mit Blick auf die jüngsten Modellprognosen aber noch
unsicher. Mangels flächiger Niederschläge spricht aber so oder so Vieles für
sich wieder deutlich verschärfende Trockenheit und zunehmende Waldbrandgefahr.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Berechnungen des IFS sind über weite Strecken der Mittelfrist sehr
konsistent. Zunehmende, leichte Unschärfen in der Detailprognose insbesondere in
Richtung des nächsten Wochenendes haben zunächst keine große Wetter- und
Warnrelevanz.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch zwischen den anderen, üblicherweise an dieser Stelle betrachteten
Globalmodellen ergeben sich zunächst kaum nennenswerte Unterschiede. Das Ändert
sich dann zum nächsten Wochenende: ICON rechnet eine Trog- und Kaltfrontpassage
zumindest über der Nordhälfte und damit vorübergehend zyklonaleres
Wettergeschehen (Schauer, Gewitter, gebietsweise kräftiger Wind). Auch bei
NAVGEM deutet sich Ähnliches an, die anderen Modelle simulieren eher einen kaum
wetterrelevanten Streifschuss.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des IFS-EPS sind bis einschließlich Freitag eng gebündelt und
der deterministische Lauf gut eingebettet. Der Temperaturverlauf weist zur
Wochenmitte eine kleine, nach Nordosten zu auch etwas größere Delle auf, hat bis
Freitag aber verbreitet schon fast wieder das (sommerliche) Ausgangsniveau vom
Wochenbeginn erreicht. Auch das Geopotenzial steigt von seinem hohen Ross ab,
Niederschlagssignale sucht man aber fast vergebens.
Ab dem nächsten Wochenende nehmen die Unsicherheiten zu. Einige Member rechnen
erneut einen Temperaturrückgang bzw. vollziehen im Verlauf größere
Fluktuationen. Langsam aufflammende Niederschlagssignale und
Geopotenzialrückgang deutet zudem auf zunehmenden zyklonalen Einfluss hin. Es
gibt aber auch genügend Member, die davon nicht viel wissen wollen und auf hohem
Temperatur- und Geopotenzialniveau verbleiben. Der deterministische Lauf findet
sich vor allem am Wochenende eher im oberen Bereich der Memberschar.

Im Zeitraum +72 bis +96 h (Di/Mi) werden zwei Cluster gebildet, die jeweils den
Übergang vom Blocking-Regime zu Atlantic-Ridge vollziehen. Nennenswerte
Diskrepanzen mit Fokus auf Mitteleuropa sind nicht auszumachen.
Im Zeitraum 120 bis 168 h (Do-Sa) werden fünf Cluster gebildet. Anfangs
dominiert noch Atlantic Ridge, drei Cluster schwenken im Verlauf zurück auf
Blocking. In allen Clustern befindet sich Deutschland zwischen einem
Langwellentrog über Osteuropa und einem Rücken über Westeuropa. In C1-4 (44/51)
dominiert klar der Einfluss des Rückens, in C5 (7/51) sorgt ein Kurzwellentrog
vorübergehend für etwas zyklonalere Verhältnisse (ICON-Variante!).
Im Zeitraum 192 bis 240 h (So-Di) stehen drei Cluster zur Auswahl. C1 (27/51)
verbleibt im Blocking-Regime, wobei am Rande des Rückens über Westeuropa bzw.
dem Ostatlantik schwache Störungen vorübergehend für zyklonaleren Einfluss
sorgen könnten. In C2 und C3 (24/51) wird der Zonalisierung über dem Atlantik
stärker Rechnung getragen und es erfolgt der Übergang zu NAO+. Die nach Norden
verschobene Frontalzone mit kurzwelligen Troganteilen scheinen Mitteleuropa aber
eher streifen als voll erwischen zu wollen. Dennoch wäre auch hier vorübergehend
etwas zyklonaleres Wetter möglich, insbesondere nach Norden zu.

FAZIT:
Auch in der Mittelfrist setzt sich das stark hochdruckdominierte Wettergeschehen
fort. Mit einer fast durchweg antizyklonalen Kaltfrontpassage zur Wochenmitte
zieht sich die Sommerwärme zwar vorübergehend nach Südwesten zurück,
Niederschläge sind aber – wenn überhaupt – nur ganz, ganz vereinzelt in Form von
Schauern oder Gewittern zu erwarten. Damit setzt sich der Trend zu Trockenheit
weiter fort! Ob sich pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang von Westen her
dann doch mal Tiefdruckeinfluss durchsetzen kann, ist noch fraglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Wahrscheinlichkeit für signifikante Wettererscheinung ist über die gesamte
Mittelfrist hinweg sehr gering.

Ganz vereinzelte Gewitter mit Starkregen und/oder stürmischen Böen sind am
Dienstag vom Norden bis zur Mitte, am Mittwoch über dem süddeutschen Bergland
nicht ganz ausgeschlossen. Zuvor wird es am Dienstag in der Südwesthälfte
nochmal (sehr) heiß mit Höchstwerten bis knapp 35 Grad. An der See frischt der
Nordwestwind am Dienstag und Mittwoch vorübergehend auf, exponiert sind dann
stürmische Böen Bft 8 gering wahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS det.+EPS, MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm