#SXEU31 #DWAV120800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Dienstag den 12.05.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 120800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 12.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrM (Trog Mitteleuropa)
Frühling im Pausenmodus – sich stets neu regenerierende Troglage mit labiler
Polarluft und einer „Wetter“-FEE => sehr wechselhaft, dazu kühl bis sehr kühl.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag… ist es frisch geworden in Deutschland und Umgebung, verdammig
frisch. Schon am gestrigen Montag waren es in der Nordwesthälfte nur noch wenig
über 10°C. Und auch die letzte Nacht war alles andere als lau: einstellig, nicht
selten unter 5°C, im höheren Bergland frostig, so die Kurzbilanz. Ist doch kein
Wunder, mag die eine oder der andere jetzt einwerfen, wir haben doch gerade die
Eisheiligen zu Besuch. Nun gut möchte der Verfasser an dieser Stelle erwidern,
dass mit den Eisheiligen ist so eine Sache. Erstens, nach gregorianischer
Kalenderreform sind sie eigentlich ein paar Tage später am Start als im
Allgemeinen gerne kolportierten Zeitfenster 11.-15. Mai. Zweitens, es gibt nicht
wenige Studien, welche die Eisheiligen als Witterungsregelfall (Singularität),
also statistisch signifikante Häufung kühler Witterung mit Nachtfrösten zu genau
dieser Zeit, nicht belegen. Im Umkehrschluss heißt das freilich nicht, dass
polare Kaltluft nicht trotzdem den Weg zu uns findet, was sie ja nun auch getan
hat.
Fangen wir also an, uns die Wetterlage etwas genauer anzuschauen, die heute
geprägt ist von einem schmalen Potenzialtrog mit integriertem Höhentief (HT),
die heute Morgen – angefüllt mit höhenkalter Luft um -30°C auf 500 hPa im
Kernbereich – genau über der Osthälfte des Landes positioniert sind. Heißt, die
labilste Luft befindet sich im bzw. unter dem Kernbereich. Dort spielt sich aber
nicht das wirkliche Wettergeschehen ab, zumindest nicht heute Morgen. Im
Gegenteil, in der Nacht hat es von unten stabilisiert, so dass der Tag
vielerorts sonnig und teils wolkenlos gestartet ist. Ganz anders die Lage am
Rande der Bande, auf der Westflanke, wo Advektionsprozesse greifen, die sich in
schauerartigen Regenfällen widerspiegeln. Einmal von Dänemark über SH, NDS und
Ostwestfalen nach Süden (Nordhessen) und dann weiter nach Osten und Südosten, so
wie es sich für eine zyklonale Rotation gehört. In den nächsten Stunden werden
sich Trog und HT in Richtung Polen verabschieden, allerdings mit gedämpftem
Tempo. Hat zur Folge, dass sich die schauerartigen Regenfälle ebenfalls gen
Osten verlagern, sprich, in die östliche Mitte und den Osten, wo sie sich mehr
und mehr mit tagesganggetriggerter Konvektion vermischen. Die Labilität reicht
in der Hauptzone bis etwa 500 hPa hinauf, was hinreichend ist, um etwas CAPE zu
generieren, obwohl die polare Luftmasse mP alles andere als feucht ist. Kurzum,
neben Schauern (in den höchsten Lagen mit Schnee vermischt) entwickeln sich auch
einzelne Kaltluftgewitter mit Graupel und Böen 7, vereinzelt 8 Bft.
Noch weiter westlich greift in der nordwestlichen Höhenströmung bereits jetzt
WLA, was nicht nur den Aufbau eines flachen Rückens bedingt, sondern zudem die
Schichtung stabilisiert. Allerdings nicht in der Grundschicht, die sich bis etwa
750/700 hPa hält, sondern darüber. Das genügt, um die ganz großen konvektiven
Turnübungen im Zaum zu halten. Gleichwohl, der ein oder andere Schauer wird sich
bilden, nicht zuletzt, weil die Luft so kalt ist, dass bei 700 hPa schon die
-10°C-Marke erreicht wird. Da kann sogar ein kurzer elektrischer Schauer nicht
ganz ausgeschlossen werden.
Bliebe noch der Blick in den Süden des Landes, wo heute Morgen zwischen Main und
Donau häufig die Sonne scheint. Vor allem nach Südwesten hin wird das abgesehen
von einigen Kumulanten auch so bleiben, weil sich von Frankreich her ein
KLA-bedingter Hochkeil hereinschiebt. Ansonsten aber wird Quellbewölkung
dominieren, aus denen aber nicht viel rauskommt. Die anfänglich am Alpenrand
noch auftretenden Niederschläge (bis etwa 800 m herab als Schnee!), Nachwehen
der gestrigen Kaltfrontpassage, schwächen sich noch im Laufe des Vormittags ab
bzw. hören ganz auf.
Darüber hinaus gilt es nur noch zu konstatieren, dass die apostrophierten
Tageshöchsttemperaturen von maximal 8 bis 15°C (höchste Werte Richtung
Oberrheingraben) für Mitte Mai das Attribut „sehr kühl“ verdient haben. Hinzu
kommt ein mitunter auflebender West- bis Nordwestwind, der besonders in einem
breiten, von der Nordsee bis nach SO-Bayern reichenden Korridor mit einigen
steifen Böen 7 Bft, in Schauernähe sowie in freien Lagen gar stürmischen 8 Bft
aufwartet. Dass der Brocken mit einigen glatten Sturmböen 9 Bft die
deutschlandweite Pol-Position in der Windchallenge einnimmt, überrascht nicht
wirklich.
In der Nacht zum Mittwoch greift das nächste okkludierende Frontensystem auf
Norddeutschland über. Absender ist eine „Wetter-Fee“, ne Schmarrn, gemeint ist
FEE, ihres Zeichens Tiefdruckgebiet mit Doppelkern südöstlich von Island.
Während der eine Kern zur Norwegischen See zieht, sich dort aber auffüllt,
verlagert sich der andere dicht an Schottland vorbei gen westliche Nordsee.
Frontale Bewölkung und leichter Regen breiten sich von der Nordsee und den
Niederlanden zunächst im Nordwesten, bis zum Morgen dann auch bis zur Mitte und
nach Osten aus. Eingebettet ist die teilokkludierte Kaltfront in einen
Bodentrog, der die Deutsche Bucht passiert und den Wind (erst Rückdrehen auf
Südwest, später wieder Nordwest) an der Nordseeküste, evtl. kurzzeitig auch an
der Ostsee vorübergehend aufbrisen lässt (Böen 7 Bft).
Weiter südlich bleiben der Bodenhochkeil sowie der rasch durchwandernde flache
Rücken Trumpf, was größere Auflockerungen auf der einen, dafür aber auch in den
Keller rauschende Temperaturen auf der anderen Seite zur Folge hat. Vor allem in
geschützten Lagen der höheren Mittelgebirge sowie am Alpenrand steht leichter
Frost bis -1°C, in höheren Alpentälern auch etwas darunter auf der Karte.
Dagegen bleibt die Nacht im Nordwesten mit 9 bis 6°C fast schon mollig warm.
Mittwoch… erfolgt der nächste Trogvorstoß, gerade rechtzeitig, dass wir nicht
auf den dummen Gedanken kommen, der Frühling könnte bereits wieder vor der Tür
stehen. Nix ist Freunde, es geht zyklonal und unterkühlt weiter, ohne Rücksicht
auf Verluste und Väter, die ja am Donnerstag ihren Ehrentag haben. Über der
Nordsee breitet sich ein zunächst recht breitgelatschter Trog aus, der sich erst
in der Nacht zum Donnerstag stärker nach Süden amplifiziert. Heißt im
Umkehrschluss, dass wir den Tag unterhalb eine zonalen, weitgehend indifferenten
Höhenströmung verbringen, aus der heraus nur wenige dynamische Impulse zu
erwarten sind. Die brauchtŽs aber auch gar nicht, sind doch die frisch
einfließende erwärmte Meereskaltluft mP und der Tagesgang ganz allein in der
Lage, weiten Teilen des Vorhersageraums einen sagen wir mal sehr
abwechslungsreichen Mittwoch zu bescheren. Die Luftmasse ist ausreichend labil,
gut geschert und auch feuchter als heute, um eine äußerst rege Schauer- und
Gewitteraktivität in Gang zu bringen. Diese reicht von Norden über die Mitte bis
etwa an die Donau heran und kann durchaus das ein oder andere Gewitter mit
höherem Organisationsgrad hervorbringen, bei dem neben Graupel auch Böen 8 Bft
auftreten können. Starkregen ist kein großes Thema, trotzdem, akkumuliert man
die RR-Summen über den Tag, kommen gebietsweise gerade nach Westen und
Nordwesten hin 5 bis 10 l/m², lokal sogar noch mehr (Stau bzw. Mehrfachtreffer)
zusammen. Der Südwestwind frischt mitunter böig auf, insbesondere in Verbindung
mit Konvektion. Im Tiefland wird es trotzdem schwierig, die neuralgische
Schwelle von 6 auf 7 Bft zu überschreiten, während höhere Lagen je nach Höhe und
Exposition anfälliger sind, auch für mehr (8 Bft, vereinzelt 9 Bft). Viel Sonne
wirdŽs nicht geben, wenn man mal den äußersten Norden (SH, Ostseeküste
ausklammert), wo ein kleiner Trockeneinschub größere Lücken induziert,
ausklammert.
Nicht vergessen dürfen wir die Gebiete südlich der Donau, die weiterhin unter
leichtem Hochdruckeinfluss liegen und von der Entwicklung weiter nördlich
abgekoppelt sind. Heiter bis wolkig und weitgehend trocken – ein Klassiker
deutscher Wetterberichtsprosa.
Mit 11 bis 17°C (nur höheres Bergland darunter) gehtŽs thermisch etwas bergauf
gegenüber heute. Am wärmsten dabei das Rheintal und SO-Bayern.
In der Nacht zum Donnerstag beginnt der Höhentrog, sich von der Nordsee nach
Süden auszuweiten. Zwar bleibt die Hauptachse ganz knapp westlich von uns.
Trotzdem breitet sich die labile „Trogluft“ (genau genommen handelt es sich
natürlich um eine neue Portion Meeresluft polaren Ursprungs mP) im ganzen
Vorhersageraum aus, was weitere Schauer respektive schauerartige Regenfälle zur
Folge hat. Was abnimmt, ist die Gewitterwahrscheinlichkeit, gleichwohl kann es
hier und da immer noch mal blitzen und donnern. In den Alpen fängt es etwa
oberhalb von 1500 m zu schneien. Mit Tiefstwerten zwischen 9 und 3°C bleibt die
Nacht frostfrei (zu viele Wolken und ein immer mal wieder leicht böig
aufmuckender SW-Wind verhindern eine stärkere Abkühlung).
Donnerstag… ist Himmelfahrt, gerne auch „Vaddertach“ genannt und was soll man
sagen? Die gestrengen Herren, wie die Eisheiligen gerne auch genannt werden,
meinen es nicht gut mit den Herren der Schöpfung (gemeint sind ja eigentlich die
Väter, aber Nichtväter saufen auch ganz gerne mit). TrM lautet die Kurzformel,
Trog Mitteleuropa, die für Outdoor-Aktivitäten alles andere als eine Offenbarung
ist. Nun stellt euch mal nicht so an, könnte jetzt z.B. das weibliche Geschlecht
einwenden und womit, mit Recht. Nicht jammern, richtige Kleidung, richtiges Bier
und los gehtŽs. Wettertechnisch machtŽs der Hoffmann kurz. Troglage mit
Bodentief über Südskandinavien, dazu labile und kühle Polarluft. Macht unter dem
Strich wechselnde bis starke Bewölkung mit erneut reger Schauer- und
(Graupel)Gewitteraktivität. Dazu ein immer mal wieder böig auflebender (in der
Spitze Böen 7 Bft, höhere Lagen darüber) Südwest- bis Westwind und
Maximaltemperaturen zwischen 10 und 16°C (in dicken Schauern kannŽs kurzzeitig
auch mal einstellig werden, was für das höhere Bergland ohnehin gilt). Wer
vorhat, höhere Lagen der Alpen anzusteuern, sollte sich bewusst sein, dass es
oberhalb ca. 1500 m schneit.
Die Nacht zum Freitag bringt nachlassende Schauer. Nur im Süden und Südwesten
gibt es in Verbindung mit einem bevorstehenden Cut-Off des Troges weitere
Niederschläge, in höheren Lagen als Schnee. Ansonsten lockert die Wolkendecke
teilweise aus. Luftfrost wird schwer, Bodenfrost hingegen lokal wahrscheinlich.
Modellvergleich und -einschätzung
Im Großen und Ganzen steht der Fahrplan. Trotzdem bleiben natürlich Fragen offen
in der Detailentwicklung. Als besondere Herausforderung entpuppt sich dabei das
Warnmanagement „Wind“. Immer, wenn sich die Luftbewegung aus einem gradient- und
einem konvektiv-angetriebenen Teilzusammensetzt, wird es tricky. Wählt man eine
offensive Strategie und nimmt dabei eine hohe FAR in Kauf. Wählt man eine
defensive Variante und bewarnt in situ nur signifikante Konvektion. Baut man
eventuell noch Höhenstufen ein. Für heute hat der „Warntrainer“ leicht offensiv
aufgestellt, für morgen (wenn der Gradient etwas schwächer ist), wird noch
abgewartet.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann