S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 03.05.2026 um 10.30 UTC

Gebietsweise Gewitter, teils mit Starkregen, Sturmböen und Hagel, strichweise
auch mehrstündiger Starkregen

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 10.05.2026

Am ersten Tag der Mittelfrist liegt eine Potenzialrinne über dem Süden
Deutschlands, die westwärts bis an die Loire und ost-nordostwärts bis weit nach
Nordrussland reicht, wo sie in einem Tief südlich Novaja Semljas aufgeht. In der
Rinne, also vorderseitig des Troges, liegt eine ebenso lange Frontalzone, die
durch changierendes Potenzial einen wellenden Charakter aufweist. Das macht sie
auch eher träge und sie verlagert sich im Tagesverlauf nur langsam südwärts, wo
sie auch die Nacht verbringt. Auf der Südseite der Frontalzone ergeben sich
wiederholt schauerartige und teils gewittrige Regenfälle. Auf der Nordseite
regnet es auch mal längere Zeit mit wechselnder Intensität. Trocken bleibt es
nur nördlich der Norddeutschen Tiefebene. Apropos Norden: Dort fliest recht
kalte Luft mit 0 bis -4 Grad in 850 hPa ein, während im Süden anfangs noch 6 bis
9 Grad einströmen. Das schlägt sich auch am Boden wieder, wo die Maxima im
Norden zwischen 9 und 14 Grad und im Süden zwischen 17 und 23 Grad liegen. Mit
Abbau der Potenzialrinne in den Abendstunden des Mittwochs verzieht sich die
milde Luft aber südostwärts. In der Nacht zum Donnerstag geht die Temperatur im
Süden auf 8 bis 4, sonst auf 4 bis 2 Grad zurück. Im Norden ist dann nochmal
Frost in Bodennähe wahrscheinlich. In der Höhe bestimmen ein Langwellentrog,
ausgehend von Nordeuropa und bis nach Nordspanien reichend, sowie ein Keil,
ausgehend von Nordafrika bis nach Osteuropa reichend, die Wetterkarte.

Am Donnerstag ist von der Rinne noch ein flaches Tiefdruckgebiet übrig, das sich
langsam ost-südostwärts aus Deutschland verabschiedet und dort am Nachmittag
quasi auflöst. Es wäre vermessen von sich ausdehnendem Hochdruck zu sprechen,
aber in der Tat steigt das Geopotenzial im Laufe des Tages von Nordwesten her an
(über 1015 hPa), was zu allmählichem Absinken und Abtrocknen führt. In der
Südosthälfte ist die Nähe zum Tief spürbar. Dort liegt die feuchte Luft länger.
Zudem sorgt ein Randtrog, der sich bereits in der Nacht von Südwesten her ins
Land schleicht, für verstärkte Hebung und teils kräftige Regenfälle. Im
Tagesverlauf zieht er langsam in den Osten und in der Nacht zum Freitag nach
Polen ab. Erst dann ist es auch im Osten weitgehend niederschlagsfrei.
Temperaturtechnisch ist der Donnerstag frisch mit maximal 11 bis 16 Grad. In der
Nacht zum Freitag kühlt es auf 6 bis 2 Grad ab, wobei im Norden und teil auch im
Osten noch einmal Frost in Bodennähe auftreten kann.

Bei flacher Druckverteilung in und um Deutschland ist am Freitag hoher Luftdruck
(1014 bis 1016 hPa) am Boden vorherrschend. Aus Südwesten macht sich in der Höhe
auch ein Keil auf zu uns, um das Wetter zu stabilisieren. Kleine kurzwellige
Anteile vorher können allerdings zu Schauern oder auch einzelnen Gewittern vor
allem über dem Bergland und im Süden führen. Mit dem Zustrom allmählich wieder
milderer Luft und vermehrten Sonnenanteilen wird es auch am Boden wieder wärmer.

Während weite Teile Deutschlands von Hochdruckeinfluss profitieren, bildet sich
ein Tief über dem Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Es wird gestützt vom
Langwellentrog über Westeuropa und etabliert sich in der Nacht zum Samstag über
der Biskaya.

Ausgehend vom Tief, das sich am Samstag südwärts ausdehnt und nahezu die
komplette Iberische Halbinseln bedeckt, erfasst uns am Morgen ein Randtrog von
Südwesten her, der sich bis zum Abend nordwärts schiebt. Dort wird er von hohem
Geopotenzial, dass sich vom Nordatlantik her südwärts verlagert, ausgebremst.
Mit der Sperre nach Norden bleibt nur eine Ostausdehnung übrig, die in der Nacht
zum Sonntag auch erfolgt. Der Langwellentrog über Westeuropa tropft in der
Zwischenzeit ein Höhentief vor Portugal ab. Mit südwestlicher Strömung fließt
milde Luft in den Süden (bis 12 Grad in 850 hPa). Auch im Norden wird es milder,
wenn es auch nur +5 Grad in 850 hPa reicht.

Am Sonntagmorgen erstreckt sich das Tiefdruckgebiet dann von der Iberischen
Halbinsel über Frankreich und die Alpen bis in den Norden Deutschlands.
Nordwestlich und östlich davon liegt höherer Druck. In der Höhe wölbt sich noch
der Keil über uns, er gerät allerdings im Norden zunehmend unter den Druck des
Langwellentroges, der sich nach vorangegangenem Abtropfprozess nun von
Nordwesten her nähert. Im Tagesverlauf nimmt des Tief Kontakt zum tiefen
Luftdruck über Nordskandinavien auf und es bildet sich eine Tiefdruckrinne, die
in der Nacht von Nordnorwegen über die Ostsee, Polen, Tschechien und
Süddeutschland bis nach Frankreich und ins westliche Mittelmeer reicht. Sie ist
gefüllt mit feuchter Luft, die sich einerseits in Schauer und Gewittern,
andererseits aber auch in länger anhaltendem Regen ausdrückt.

Das Hoch über dem Atlantik dehnt seinen Einfluss am Montag weiter nach
Mitteleuropa aus. Dadurch wird die Rinne südwärts gegen die Alpen geschoben, wo
sie sich aufhängt und schließlich teilt. Der Hauptteil zieht sich dabei nach
Osteuropa zurück, während die übrigen Nester der allmählichen Auflösung
unterliegen. Am Dienstag ist nur noch ein Feuchteschlauch übrig, der dank
orografischer Hebung noch ein paar Schauer im Alpenraum produziert. Mit
zunehmendem Hochdruck von Norden her strömt wieder kältere Luft ins Land, es
reicht aber nur im Norden für knapp unter 0 Grad in 850 hPa.

Fazit: Die Trockenheit findet zumindest regional ein Ende. Dass es auch wieder
kühler wird ist schade, aber der Jahreszeit angemessen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn der Mittelfrist ist der aktuelle IFS-Lauf konsistent gegenüber den
Vorläufen, wenngleich der Langwellentrog über Westeuropa schon deutliche
Schwächen aufweist. Ab Samstag ändert sich die Vorhersage. Das gestern noch von
Südwest- nach Westeuropa ziehende Tief wird heute von sich vom Nordatlantik
südwärts verlagerndem Hochdruck aufgehalten. Am Südrand des Hochs bildet sich am
Boden eine Potenzialrinne, die von Nordspanien über die Alpen und Süddeutschland
bis nach Polen reicht. In der Höhe kämpft ein Hochkeil mit Fuß in Nordafrika
gegen einen Trog über Skandinavien, der zu Beginn der Woche zu gewinnen scheint.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Der Vergleich mit anderen Modellen ergibt zunächst eine hohe Übereinstimmung mit
ICON. GFS und UK10 lassen anders als IFS dem Tiefdruckeinfluss auch zum Ende der
Woche die Oberhand, wobei GFS am Wochenende in eine High-over-Low-Lage schwenkt.
Am Wochenende divergieren auch ICON und IFS, weil ICON das Atlantikhoch deutlich
weiter nördlich und weniger stark ansetzt und das Tief westlich der Biskaya
aufhält. Damit bleibt für uns eine Tiefrandlage mit kurzwelligen Störungen
übrig.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse liefert in den ersten beiden Zeitschritten Mono-Cluster mit
einem Wechsel von atlantischem Rücken zu NAO+. In der erweiterten Mittelfrist
werden die Lösungen zwar mehr (drei Cluster) aber das Wetterregime ist
mehrheitlich bei atlantischem Rücken. Insgesamt

Die Rauchfahnen sprechen ein einheitliches Bild: Mittwoch ist der kälteste Tag
der Woche, anschließend geht es stetig, wenn auch flach, bergauf. Dabei ist der
Spread recht klein. Erst am Sonntag geht er weit auseinander. Eine ähnliche
Struktur ergibt sich beim Geopotential. Erfreulich sind die zahlreichen und
teils kräftigen Ausschläge beim Niederschlag, wobei sich deutschlandweit ein
Minimum für Freitag/Samstag ergibt.

Die Ensembles der anderen Modelle sind in der Tendenz ähnlich. Etwas speziell
sind der Haupt- und Kontrolllauf des GFS, beide sind am Mittwoch unter der
Mehrheit der Temperaturensembles, am Wochenende dafür deutlich darüber. Bei
allen anderen Parametern ergeben sich aber keine Auffälligkeiten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Gewitter werden in der Mehrheit markant aufgrund stürmischer Böen oder
Sturmböen sowie Starkregen. Lokal lässt sich unwetterartiger Starkregen mit
Mengen knapp über 25 l/qm in einer Stunde nicht vollkommen ausschließen, die
Signale dafür sind aber noch sehr gering. Regional begrenzt kann zu Beginn der
Mittelfrist bevorzugt über der nördlichen Mitte auch mehrstündiger Starkregen
auftreten. Abseits davon werden keine markanten Wettererscheinungen erwartet.
Auch beim EFI gibt es nur Signale für höhere Niederschlagssummen in der
Mittelfrist. Dies vor allem über dem Südosten sowie strichweise über der
nördlichen Mitte.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn