#SXEU31 #DWAV290800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch den 29.04.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 290800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 29.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM
Überwiegend ruhiges Hochdruckwetter. In den Kamm- und Gipfellagen der
süddeutschen Mittelgebirge vor allem kommende Nacht und Donnerstagvormittag Böen
Bft 8 bis 9. In der Lausitz kommende Nacht lokal mäßiger Frost möglich.
Sonst keine markanten Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch… dominiert nach wie vor eine blockierende Antizyklone mit Schwerpunkt
(in 500 hPa) inzwischen bei Schottland das Wetter im Vorhersagegebiet. Flankiert
wird diese einerseits von einem Höhentiefdipol über der Biskaya bzw. westlich
von Portugal, dessen Drehzentren sich aktuell um einem gemeinsamen Scherpunkt
bewegen und auf dessen Vorderseite von Südosten her feuchte Luft gegen die Alpen
geführt wird, die sich auch im äußersten Süden des Vorhersagegebietes in Form
teils dichter mittelhoher Bewölkung bemerkbar macht. Im südlichen Oberallgäu und
an der Grenze zur Schweiz reicht es heute Früh sogar noch für ein paar Tropfen
Regen (Oberstdorf sogar 3 mm zwischen 3 und 6 UTC!).
Über Nordost- und Osteuropa befindet sich andererseits ein umfangreicher
Höhentrog. An dessen Südwestflanke überquert ein Randtrog im Tagesverlauf
Weißrussland und Polen südwärts und streift dabei auch den äußersten Osten und
Südosten Deutschlands, wodurch die feuchtere Luftmasse über Süddeutschland
endgültig nach Süden abgedrängt wird und sich auch dort mehr und mehr die Sonne
durchsetzt. Dem Trog folgt niedertroposphärisch eine sehr kalte Luftmasse
arktischen Ursprungs, die inzwischen weite Teile Nordost- und Osteuropas
geflutet hat, wobei die -5 Grad-Isotherme in 850 hPa heute Vormittag
vorübergehend sogar das deutsch-polnische Grenzgebiet erreicht.
Im Bodenfeld hat dagegen das umfangreiche Hochdruckgebiet „WINFRIED“ nach wie
vor das Zepter fest in der Hand. Dessen Schwerpunkt befindet sich mit nahe 1035
hPa über der nördlichen Nordsee, wobei ein kräftiger Keil über
Schleswig-Holstein bis nach Nordpolen reicht. An dessen Südflanke bleibt die
Advektion der sehr trockenen Festlandsluft ins Vorhersagegebiet weiterhin
aufrecht. Durch Druckfall über Südwesteuropa verschärft sich allerdings im
Tagesverlauf der Gradient insbesondere über Südwestdeutschland, und unterstützt
durch die „Tagesböigkeit“ frischt der Wind in der gesamten Südwesthälfte böig
aus Ost bis Nordost auf. In den Kammlagen der Mittelgebirge gibt es steife,
exponiert eventuell auch einzelne stürmische Böen, auch in den Niederungen kann
es in bei dieser Windrichtung anfälligen Regionen hier und da für steife Böen
reichen.
Ansonsten steht aber ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus. Bis auf den
äußersten Süden, wo sie sich nur langsam durchsetzt, scheint verbreitet die
Sonne, oft auch von einem wolkenlosen Himmel. Nach Trogpassage kann sich die
Luftmasse auch niedertroposphärisch wieder etwas erwärmen, am Abend schwankt die
Temperatur in 850 hPa zwischen -4 Grad über dem Zittauer Bergland und +7 Grad im
Breisgau. Das reicht bei ungehinderter Einstrahlung und vorübergehender
Überadiabasie für Höchstwerte zwischen 13 Grad an Oder und Neiße und 23,
vielleicht sogar 24 Grad im südlichen Oberrheingraben. Etwas frischer bleibt es
an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind.
In der Nacht zum Donnerstag verlagert unser Höhenhoch seinen Schwerpunkt langsam
Richtung Skagerrak, das Bodenhoch wandert tendenziell ebenfalls ein wenig
südostwärts und reicht morgens von der nördlichen Nordsee bzw. Südskandinavien
bis ins östliche Mitteleuropa. An dessen Südwestflanke bleibt über
Südwestdeutschland ein recht scharfer Gradient aufrecht. Während der Wind in den
Niederungen aber bei nächtlicher Ausstrahlung und Entkopplung der Grundschicht
abnimmt, frischt er im Bergland, vor allem nahe der Inversion, auf. In den Kamm-
und Gipfellagen der süddeutschen und zentralen Mittelgebirge gibt es nun recht
verbreitet stürmische Böen aus Ost bis Nordost. Durch lokale Low Level Jets kann
es auch Sturmböen geben, am ehesten wohl auf den Gipfeln des Hochschwarzwaldes.
Ansonsten verläuft die Nacht nahezu überall wolkenlos oder gering bewölkt. Die
trockene Luftmasse kann dabei vor allem in der Osthälfte – dort herrscht im
Bereich der Divergenzachse des Hochs kaum Wind – deutlich abkühlen und es gibt
dort verbreitet leichten, In der Lausitz, im Zittauer Bergland sowie im
Osterzgebirge in ungünstigen Lagen auch mäßigen Frost, in Bodennähe geht es dort
vielleicht sogar bis auf nahe -10 Grad zurück. Auch im Nordosten und in den
mittleren Landesteilen ist zumindest stellenweise mit leichtem Frost zu rechnen,
während es im Westen und Südwesten wohl frostfrei bleibt.
Donnerstag… ändert sich an der Gemengelage kaum etwas. Die Höhenantizyklone
bleibt mit ihrem Schwerpunkt im Bereich Skagerrak/Jütland/nordöstliche Nordsee
nahezu ortsfest, Bodenhoch „WINFRIED“ wandert tendenziell ein wenig nach
Südosten, wobei sich zu Tagesende noch ein Schwerpunkt mit einer geschlossenen
1030 hPa-Isobare über der Deutschen Bucht befindet. Nach wie vor verläuft die
Divergenzachse des Hochs über dem Nordosten des Landes, so dass von Osten her
weiterhin sehr trockene und ursprünglich auch kühle Festlandsluft zu uns
gelangt. Die Temperatur in 850 hPa steigt somit kaum an und erreicht
nachmittags/abends Werte zwischen +1 Grad in Ostsachsen und +8 Grad im äußersten
Südwesten. Somit steht ein weiterer, überwiegend sonniger Tag ins Haus.
Lediglich über die Osthälfte ziehen zeitweise ein paar Wolkenfelder, die WLA
über Osteuropa geschuldet sind. Die Höchstwerte ändern sich gegenüber dem Vortag
in der Westhälfte kaum (18 bis 23 Grad), in der Osthälfte wird es mit 15 bis 19
Grad dagegen etwas wärmer.
Der Gradient über Südwestdeutschland weicht zunächst nur langsam, erst am
Nachmittag/Abend mit Druckanstieg über Südwesteuropa beschleunigt auf. Somit
lebt der Wind im Tagesverlauf dort in den Niederungen noch einmal deutlich aus
östlichen Richtungen auf, nun reicht es etwas verbreiteter als am Vortag auch in
den Niederungen für steife Böen, so dass wohl etwas großflächigere Warnungen
fällig werden. Mit der turbulenten Durchmischung nimmt der Wind dagegen in den
Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge etwas ab, stürmische Böen sind aber dort
noch möglich. Erst zum späteren Nachmittag und Abend setzt sich dann überall
eine Windabnahme durch.
Hingewiesen sei noch auf die aufgrund der sehr trockenen Luftmasse und der
teilweise extrem trockenen Vorgeschichte deutlich erhöhte Waldbrandgefahr in
weiten Teilend es Landes.
In der Nacht zum Freitag verlagert „WINFRIED“ seinen Schwerpunkt langsam in die
Osthälfte Deutschlands und überdeckt nach wie vor weite Teile Mitteleuropas. An
dessen Südwestflanke weicht der Gradient im Südwesten weiter auf, dennoch reicht
es vor allem mit Entkopplung der Grenzschicht in den Kamm- und Gipfellagen vor
allem des Schwarzwaldes und der Alb für einzelne stürmische Böen aus Ost bis
Südost. Ansonsten verläuft die Nacht ruhig und überwiegend gering bewölkt oder
wolkenlos, lediglich über die Osthälfte ziehen zeitweise einige hohe, vielleicht
auch mittelhohe Wolkenfelder hinweg. Die Nacht fällt dort entsprechend nicht
mehr ganz so kalt wie die Vornacht aus, dennoch gibt es vor allem in der
Lausitz, aber auch im Süden und Südosten Bayerns erneut vielerorts leichten
Frost. Ansonsten bleibt es meistens frostfrei und im Westen/Nordwesten liegen
die Minima teilweise nur noch wenig unter 10 Grad.
Freitag… verlagert die Höhenantizyklone ihren Schwerpunkt nach
Norddeutschland, das Bodenhoch bleibt nahezu ortsfest, wird aber ein wenig
abgebaut. Dessen Divergenzachse nimmt allmählich eine meridionale Ausrichtung
an, wodurch die Strömung niedertroposphärisch mehr auf Süd bis Südost dreht und
sich somit die Advektion wärmerer Luft aus Südeuropa vor allem in den Westen des
Vorhersagegebietes verstärkt. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa
bereits auf Werte zwischen 10, vielleicht knapp 11 Grad im Westen und 6 Grad in
der Lausitz. Erneut scheint die Sonne dabei von einem vielerorts wolkenlosen
Himmel und heizt die Luftmasse kräftig auf. Somit wird es überall wärmer als am
Vortag, vor allem in der Westhälfte steht mit Maxima zwischen 23 und 26 Grad
mancherorts der erste Sommertag auf dem Plan, aber auch sonst werden Werte
zwischen 19 und 24 Grad erreicht. Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem
Wind bleibt es teilweise deutlich kühler.
Apropos Wind: Erneut lebt dieser insbesondere im Westen und Südwesten im
Tagesverlauf wieder aus Südost auf, für warnrelevante Böen dürfte es aber –
abgesehen von sehr exponierten Lagen – nicht mehr reichen.
In der Nacht zum Samstag wird die Höhenantizyklone abgebaut, es bleibt aber ein
robuster Höhenkeil übrig, der vom westlichen Mittelmeerraum über die Alpen und
Deutschland bis zur südlichen Ostsee reicht. Derweil wird der Höhentiefkomplex
westlich der Biskaya regeneriert und greift auf die Biskaya bzw. die Iberische
Halbinsel über, so dass sich westlich von uns die südsüdwestliche Höhenströmung
allmählich verstärkt. Im Bodenfeld bleibt es bei schwachem Druckfall über
Mitteleuropa und der Schwerpunkt von Hoch „WINFRIED“ verlagert sich langsam
Richtung Osteuropa. Mit schwacher trogvorderseitiger WLA können auf den
äußersten Westen im Laufe der Nacht eventuell erste hohe/mittelhohe Wolkenfelder
übergreifen, ansonsten bleibt es aber gering bewölkt oder wolkenlos. Frost
sollte allerdings lediglich noch in einigen Tälern der östlichen und
ostbayerischen Mittelgebirge sowie der Alpen Thema sein, während die Minima ganz
im Westen/Nordwesten oft zweistellig bleiben.
Modellvergleich und -einschätzung
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine warn- und
prognoserelevanten Modellunterschiede ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff