S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 10.30 UTC

Zur Wochenmitte wieder freundliches und trockenes Wetter, ab Freitag von Norden
her erneut unbeständig und kälter, teils windig, an der See stürmisch windig.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 26.04.2026

Bis einschließlich Freitag dominiert ein Rücken über Südwest-, West und
Mordwesteuropa, dessen Achse sich bei kaum nenenswerter Verlagerung von Algerien
über Ostspanien, de Biskaya und die Bretagne hinweg bis nach Irland erstreckt
und schließlich die Verbindung zu einem Höhenhoch nordwestlich von Island
herstellt. Bodennah korreliert der Rücken bis Samstag mit einem ausgeprägten
Hoch bei Island, dessen Einflussbereich südostwärts über die Britischen Inseln
und die Nordsee hinweg bis nach Norditalien und Österreich reicht. Als Gegenpart
kann sich über Osteuropa ein Langwellentrog weit nach Süden amplifizieren und
sich bis Libyen ausbreiten. Die Achse des Troges verläuft dabei von Westrussland
über das Schwarze Meer und Griechenland bis Tunesien. Zwischen dem Rücken und
dem Trog verlagern sich mit der nördlichen Grundströmung zudem Kurzwellentröge
und kleinere Höhentiefs südwärts. Vor allem am Freitag kann einer dieser
Kurzwellentröge im Norden und Osten Deutschland ausreichend Hebung generieren,
sodass Niederschläge ausgelöst werden können. Zudem gibt es geringe Hinweise,
dass induziert durch die nördliche bis nordwestliche Strömung auch im Nordstau
des Erzgebirges etwas Regen fallen kann. Ansonsten hält sich bis einschließlich
Freitag unter Hochdruckeinfluss das freundliche und vielfach sonnige Wetter. Da
Deutschland im genannten Zeitraum aber überwiegend auf der Ost bis Südflanke des
Hoch liegt und somit eher kühlere Luft ins Land einsickern kann, liegen die
Temperaturen in 850 hPa am Mittwoch bei -2 bis +5 Grad. Am Donnerstag und
Freitag sorgt schließlich erwärmte Meeresluft für einen geringen Anstieg auf +2
bis +10 Grad, bevor schon in den Nacht zum Samstag die Werte von Nordost nach
Südwest nur noch zwischen -4 und +6 Grad liegen sollen. Der Wind bleibt durch
die Hochrandlage auch ein Thema, wenngleich er zu Beginn des mittelfristigen
Zeitraum am Mittwoch und Donnerstag noch nicht ganz die große Nummer ist. Am
Mittwoch könnten allenfalls die nordöstlichen Winde im Südwesten die Bise
auslösen und resultierend vom Allgäu bis zum Hochrhein sowie im Schwarzwald
einzelne steife Böen, in Hochlagen auch stürmische Böen bringen. Am Donnerstag
lebt der Wind vor allem auflandig an der Nordsee auf. Dabei kann der
Nordwestwind im Nordseeumfeld steife Böen produzieren. Auf den nordfriesischen
Inseln sind auch einzelne stürmische Böen möglich. Am Freitag kann sich der
Nordwestwind in der gesamte Nordosthälfte auffrischen und häufig mit starken bis
steifen Böen einhergehen. Im Nordseeumfeld, Schleswig-Holstein und der
Mecklenburg-Vorpommerschen Küste sind auch stürmische Böen zu erwarten. Zudem
stechen die Alpengipfel bis stürmischen Böen oder Sturmböen hervor. Die
beschriebenen Entwicklungen werden auch vom IFS-EPS gestützt, indem bis
einschließlich Freitag fast nur antizyklonale Wettermuster das EPS bestimmen.
Erst ab Samstag nimmt der Anteil an zyklonalen Wetterlagen deutlich zu. Die
große Vielfalt an potentiellen Mustern zeigt aber gleichermaßen die großen
Unsicherheiten.

Im Detail schwächelt ab Samstag der Rücken und driftet zudem leicht westwärts.
Gleichzeitig verlagert sich bis Sonntagabend tiefes Geopotential mit mehreren
Drehzentren von Skandinavien nach Polen, Weißrussland und den zentralen
Ostseeraum und spannt einen breiten Langwellentrog von Benelux bis weit nach
Russland hinein auf. Nachfolgend setzen sich über ganz Deutschland zyklonale
Strömungsbedingungen durch. Bodennah korreliert das tiefe Geopotential mit einem
Tiefdruckkomplex über der Ostsee und der Rücken mit einem Hoch zwischen Island
und Schottland, sodass bodennah eine kräftige nördliche Grundströmung zu
verzeichnen ist. In diese sind schließlich Bodentröge eingelagert. Zudem ist der
Weg für Polarluft frei. Die Vorderseite der kühlen bis kalten Polarluft markiert
eine Kaltfront, die bis Sonntagabend die Alpen erreicht und mit ersten
schauerartigen Niederschlägen einhergeht. Rückseitig kann in der Nordhälfte des
Landes bei Temperaturen in 500 hPa von -30 bis -35 Grad eine gewisse
Schauertätigkeit einsetzen, teilweise sind auch Schauerstraßen möglich. Zugleich
können auch weitere frontogenetische Impulse (zweite Kaltfront) nicht
ausgeschlossen werden. Vom Südwesten bis in die südliche Mitte scheinen nach
aktuellem Stand die Hebungsimpulse limitiert, sodass dort nur eine geringe
Niederschlagneigung zu erwarten wäre. Die einfließende Polarluft hat auch noch
ordentlich Pepp und lässt die Temperaturen in 850 hPa richtig sinken. Am Sonntag
weist das IFS nur noch Werte von 0 bis +4 Grad am Alpenrand, sonst verbreitet 0
bis -6 Grad aus. Entsprechend können die Niederschläge in den Hochlagen der
östlichen Mittelgebirge auch nochmals als Schnee oder Schneeregen niedergehen.
Nachts könnten im Osten örtlich auch bis in tiefe Lagen nochmals nasse Flocken
beobachtet werden. Der Wind bleibt weiter in der Nordosthälfte ein Thema und
weht voraussichtlich von der Nordsee und Ostsee bis zum Erzgebirge und der Spree
mit steifen Böen, im Küstenumfeld sowie exponierten Lagen des Tieflandes auch
mit stürmischen Böen. Am Sonntag bleibt es windig, warnwürdige steife Böen
werden aber voraussichtlich nur noch im Küstenumfeld und dem angrenzenden
Binnenland erwartet. Ansonsten fegen auf den Alpengipfeln auch am Wochenende
voraussichtlich Sturmböen hinweg.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckverteilungen werden von den
vergangenen IFS-Läufen recht konsistent abgebildet. Bis einschließlich Freitag
weist allenfalls der 12z-Lauf des IFS am Donnerstag ein kleines Höhentief auf,
welches von Nordsee südostwärts über Deutschland hinweg ziehen soll. Dieses
haben die letzten 00-UTC-Läufe so nicht im Programm und lassen allenfalls einen
Kurzwellentrog den äußersten Nordosten streifen. Da aber auch beim letzten 12z
Lauf nahezu kein Wetter am Höhentief zu verzeichnen ist, kann man diese
Entwicklung zunächst mal vernachlässigen.

Ab Samstag gibt es dann im Detail vor allem bezüglich eines Langwellentroges
über dem östlichen Mitteleuropa gewisse Unterschiede. Während die gestrigen
Läufe den Rücken über den Britischen Inseln noch stärker sahen, was den Einfluss
des Troges nach Westen etwas blockierte, schwächelt der Rücken beim neusten
IFS-Lauf. Zwar kann sich konsistent eine Kaltfront mit schauerartigen
Niederschlägen vom Nordosten südwärts verlagern, der deutlich stärker zyklonale
Einfluss im neusten Lauf würde aber auch hinter der Front Hebung induzieren und
die Wahrscheinlichkeit für eine gewisse Schauertätigkeit erhöhen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung wird auch von anderen
Globalmodellen vergleichbar zum IFS simuliert. Vor allem das ICON kommt den
Vorgaben des IFS über den gesamten mittelfristigen Zeitraum sehr nahe. Wenn man
das Salz in der Suppe sucht, so könnte man am Freitag z.B. geringe
Timingabweichungen beim über Nordostdeutschland durchschwenken Kurzwellentrog
erkennen, wobei ICON etwas schneller unterwegs wäre. Zudem hat ICON das
Höhentief über der Südukraine etwas kräftiger im Programm und weicht bei der
Lage des Drehzentrums auf dem Atlantik geringfügig vom IFS ab. Alle genannten
kleinen Unterschiede haben aber keinen Einfluss auf das Wetter hierzulande. Erst
am Sonntag weist das ICON im Vergleich zum IFS eine stärkere Amplifizierung des
Troges über Osteuropa auf, was auf der Westflanke eine kräftige nördliche
Grundströmung zur Folge hätte. Ebenfalls teils bis ins Detail vergleichbar zum
IFS zeigt sich bis einschließlich Freitag das UK10. Zum Samstag produziert das
UK10 einen markanten Trog, der südwärts über Deutschland hinwegschwenkt und ein
Höhentief über Spanien, was ICON und IFS so nicht im Programm haben. Durch den
Kurzwellentrog hierzulande wird die Verlagerung des steuernden Höhentiefs
ausgebremst. Das GFS ähnelt ebenfalls der Grundstruktur der anderen Modelle und
bringt analog zum Uk10 am Freitag sowie am Samstag den markanten Kurzwellentrog
ins Spiel. Im Vergleich zum UK10 verlagert er sich aber rascher, sodass eine
Phasenverschiebung zu verzeichnen ist. Am Wochenende nähert sich das GFS sogar
wieder dem IFS und ICON an. Eine leicht nördlich verschobene Lage des
Höhentiefzentrums sowie geringe Abweichungen bei der Ausrichtung der Trogachse
führt schließlich hierzulande zu einer nördlichen bis nordöstlichen
Grundströmung. Entsprechend würden potentielle Niederschläge analog zum ICON
bevorzugt in der Osthälfte auftreten und nicht wie beim IFS in der Nordhälfte.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zum Start in den
mittelfristigen Zeitraum bei einem recht geringen Spread und einem klar
definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten bei der Temperatur in
850 hPa bis einschließlich Mittwoch und beim Geopotential in 500 hPa sogar bis
einschließlich Donnerstag eine hohe Vorhersagegüte. Bei der Temperatur sorgen am
Donnerstag und Freitag einzelne Ausreißer hin zu teils deutlich tieferen Werten
für einen größeren Spread. Da aber der Bereich hoher
Auftrittswahrscheinlichkeiten weiter sehr gut ausgeprägt ist kann weiter von
einer recht hohen Prognosegüte ausgegangen werden. Beim Geopotential sorgt ein
stetiges aufspannen des EPS-Raums für Unsicherheiten, die aber bis
einschließlich Freitag ebenfalls überschaubar bleiben. Ab Samstag geht sowohl
bei der Temperatur als auch beim Geopotential jegliche Struktur verloren.
Während beim Geopotential zumindest ein Bereich höherer auftrittswahrscheinlich
zu erkennen ist, fehlt bei der Temperatur dieser Hinweis nahezu komplett. Zwar
zeigen die Mehrzahl der Member einen Temperaturrückgang, wie stark dieser
ausfällt bleibt aber unklar. Ein Spread von 13 bis 16 Grad lässt aber keine
seriöse Temperaturaussage zu. Wenngleich beim Geopotential noch eine Mehrzahl
der Member einen vergleichbaren Geopotentialverlauf zeigen, sorgt auch bei
diesem Parameter ein Spread 35 bis 45 hPa für große Unsicherheiten.

Bei der Einordnung der Geopotential- und Luftdruckverteilung der Member des
IFS-EPS in übergeordnete Muster werden im Zeitraum von +72 bis +96h vier
Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu erklären. Alle Cluster
werden dabei dem Schema eines Blockings zugeordnet. Der Haupt- und der
Kontrolllauf sind in der ersten Lösung zusammen mit insgesamt 17 Member zu
finden. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind hauptsächlich bei der
Amplifizierung, Ausrichtung und Lage des Troges über Osteuropa sowie
potentieller Kurzwellentröge zu beobachten. Allgemein betrachtet sind die
Abweichungen jedoch als gering anzusehen.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden fünf Cluster benötigt, um die
Unsicherheiten zu beschreiben. Die ersten drei Lösungen werden dabei komplett
dem Schema eines atlantischen Rückens zugeordnet. Die Cluster 4 und 5 beginnen
mit dem Schema Blocking, bevor sie ebenfalls zum Schema eines atlantischen
Rückens wechseln. Der Haupt- und der Kontrolllauf sind der zweiten Lösung
zugeordnet. Die ersten vier Cluster sind bei 12 bzw.11 Unterstützern dabei
nahezu gleichverteilt. Bezüglich der signifikanten Abweichungen bleibt der Trog
über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa im Fokus. Während die Abweichungen
am Freitag noch eher gering ausfallen, weisen die Lösungen am Sonntag teils
stark unterschiedliche Trogmuster auf.
Die dritte Lösung kommt dabei den Vorgaben des ICON mit einer stärkeren
südwärtigen Amplifizierung des Troges sehr nahe. Das erste Cluster zeigt dagegen
eine Ausdehnung/Amplifizierung Richtung Schwarzes Meer, sodass hierzulande eine
nordwestliche Strömung vorherrschen und der Temperaturrückgang deutlich
moderater ausfallen würde. Zudem bleibe der Südwesten von hohem Geopotential
beeinflusst. Die letzten beiden Cluster lassen den Rücken anfangs stabiler,
sodass sich der/die Tröge erst zeitlich später durchsetzen können. In diesem
Fall würde Deutschland noch länger von freundlichem und trockenem Wetter
profitieren. Am Sonntag ähnelt das Cluster 6 der Hauptlauflösung, wenngleich
räumlich etwas weniger ausgeprägt. Die fünfte Lösung geht einen Sonderweg und
lässt das Höhentief ohne nennenswerte südliche Amplifizierung über Skandinavien.
Die Cluster spiegeln somit die Unsicherheiten bezüglich des Temperaturabfalls
und der Ausdehnung der Niederschläge nach Westen und Südwesten wieder.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h reicht ein einziges Cluster,
um alle Unsicherheiten im IFS-EPS zu beschreiben. Dieses wird komplett dem
Schema eines atlantischen Rückens zugeschrieben. Demnach würde nach anfänglichem
Tiefdruckeinfluss wieder hoher Luftdruck das Wetterzepter für Mitteleuropa
übernehmen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI des ECMWF zeigt allenfalls am Mittwoch im Südwesten sowie am Samstag in
Nordfriesland Hinweise für leicht überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten im
Vergleich zum Modellklima.

Die Probabilistik stützt steife Böen (Bft 7) am Mittwoch im Schwarzwald sowie
der Region bis zum Allgäu mit 10 bis 60%, in Hochlagen bis 100%. Für stürmische
Böen (Bft 8) werden nur vom ICON in den Hochlagen Wahrscheinlichkeiten bis 50%
gezeigt.
Am Donnerstag gibt es allenfalls im Erzgebirge sowie im Berchtesgadener Land
Hinweise von 5 bis 30% für stürmische Böen (Bft 8).
Am Freitag weisen die prob. Modelle (IFS/ICON) bevorzugt an der
Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste sowie dem angrenzenden Binnenland
Wahrscheinlichkeiten von 1 bis 35% für stürmische Böen aus. IFS zeigt zudem in
HH, im Norden NI sowie in Teilen von MV Werte bis 10% für entsprechende
Windspitzen.
Am Samstag zeigt das ICON-EPS im gesamten Küstenumfeld und dem angrenzenden
Binnenland sowie im Harz und Erzgebirge Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40%, in
Nordfriesland bis 60% für stürmische Böen (Bft 8) und einzelne Sturmböen (Bft
9). Beim IFS-EPS sind die Wahrscheinlichkeiten zwar niedriger, dafür lässt es
nahezu über der gesamten Nordosthälfte bei Werten von 5 bis 15% vereinzelt
stürmische Böen (Bft 8) zu.
Am Sonntag gibt es von beiden prob. Verfahren nur noch direkt an der Nordsee
sowie in Hochlagen von Harz und Erzgebirge geringe Hinweise bis 15% für einzelne
stürmische Böen (Bft 8).

Bezüglich des Niederschlags gibt es von Seiten der EPS-Verfahren derzeit weder
im Stark- noch im Dauerregenbereich Hinweise für das Überschreiten der markanten
Warnschwelle.

Als signifikante Wetterbedingung gelten zu dieser Jahreszeit auch der Frost und
Bodenfrost. Während der Luftfrost über den gesamten mittelfristigen Zeitraum
allenfalls gebietsweise, bevorzugt in den Tälern und Senken einiger
Mittelgebirge und der Alpen auftritt, muss fast jede Nacht vielerorts mit Frost
in Bodennähe gerechnet werden.

Basis für Mittelfristvorhersage
IF-EPS, ICON-EPS, bis Samstag auch det. ICON/IFS, für TT auch MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel