SXEU31 DWAV 090800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 09.04.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HFa (Hoch Fennoskandien antizyklonal) mit leicht zyklonalem Einschlag

Erst nachlassender, dann wieder zunehmender Hochdruckeinfluss (QUIRIN/REINALD),
dazwischen (vor allem Nacht zum Freitag) vorübergehend zyklonaler (SASKIA).

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… starten wir antizyklonal in den Tag, werden diesen aber zumindest
nach Westen hin zyklonal beenden. Grund dafür ist die Tatsache, dass sich die
bisher wetterbestimmende, von Mittel- bis nach Nordosteuropa reichende
Hochdruckzone QUIRIN in ihrem Südteil allmählich abschwächt. Gleiches gilt für
den korrespondierenden, nicht minder ausladenden Potenzialrücken, dem quasi ein
„antizyklonaler Cut-Off“ droht, indem sich der nördliche Part selbständig macht
und in eine abgeschlossene Höhenantizyklone übergeht. Initiiert wird das Ganze
vom Sturmtief SASKIA unweit von Island, die mit ihrer kompletten Kapelle
(Frontensystem, Bodentrog/Rinne, kurzwelliger Höhentrog) auf Mitteleuropa
zusteuert. Wobei, ganz richtig ist das nicht, denn SASKIA selbst nimmt die
Reisestrapazen nicht aus sich, sondern investiert lieber in Zellteilung. Sprich,
bereits jetzt hat sich an der Okklusion ein Teiltief gebildet und es kommt noch
eins dazu, so dass am Abend eine mehrkernige Rinne auf der Karte zu finden sein
wird, die von der Irminger See bis nach Island reicht. Der Rest der Entourage
allerdings macht in den nächsten Stunden Boden nach Osten hin gut, greift hier
aber erst in der kommenden Nacht so richtig ins Geschehen ein.

Bis dahin beschränken sich die zyklonalen Vorboten im Wesentlichen auf hohes
Gewölk sowie einige mittelhohe Schollen, die von Nordwesten süd-südostwärt
ziehen und der WLA vor der Warmfront geschuldet sind. Ansonsten aber scheint –
nachdem im äußersten Nordosten einige Nebel- und Hochnebelreste relativ rasch
entsorgt sind, die Sonne. Dabei bleibt der markante Temperaturgradient der
vergangenen Tage zwischen Nordosten und Westen/Südwesten erhalten: Während es in
Vorpommern gerade mal für 9 bis 12°C reicht, werden Richtung Aachen, Trier und
Freiburg bis zu 24°C anvisiert. Zwischen dem nur langsam scheidenden Hochkeil
und dem vorrückenden Bodentrog verschärft sich der Gradient zunächst vor allem
über der Nordsee, was zunächst Helgoland, im Verlauf dann auch den anderen
Inseln + Küstenstrich sowie der schleswig-holsteinischen Ostseeküste steife Böen
7 Bft bringt.

In der Nacht zum Freitag greift das Frontensystem mit einem relativ schmalen
Warmsektor nebst Bodentrog/Rinne nicht nur auf den Vorhersageraum über, sondern
passiert diesen auch langsam ostwärts. Als „Anschieber“ fungiert der o.e.,
inzwischen recht scharf konturierte KW-Trog, der im Verlauf der Nacht immer
dichter an das System Front/Bodentrog heranrückt. Dadurch verbessert sich die
Zusammenarbeit, sprich, die anfangs im Westen eher diffus auftretenden leichten
Regenfälle intensivieren sich nicht nur auf ihrem Weg nach Osten, sie nehmen
auch zunehmend die Kontur eines frontalen Niederschlagsbands an. Interessant
wird es, wenn der Niederschlag die östlichen Landesteile erreicht und dort auf
die noch lagernde bodennahe Kaltluft trifft. Es gibt Anzeichen, dass die
Hebungs- und Niederschlagsabkühlung so stark ausfällt, dass sich in der
untersten Schicht eine knapp über dem Gefrierpunkt liegende Isothermie ausbildet

  • ein Phänomen, was man zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit nicht unbedingt
    mehr vermuten würde. Auf alle Fälle sollten wir uns nicht wundern, wenn der
    Regen zumindest teilweise vorübergehend in Schneeregen oder nassen Schneefall
    übergeht, ohne dass dabei nennenswert was liegenbleibt. Etwas Matsch vielleicht,
    aber sonst passen weder Vorgeschichte noch Andauer des Niederschlags, zumal in
    der Höhe immer mehr Warmluft dazukommt.

Ach ja, bevor wir also nochmal ein Stück weit in die Winterkiste greifen, wird
weiter westlich – wenn auch wahrscheinlich nur sehr vereinzelt – ein eher
sommerliches Element ausgepackt. Die Rede ist von Gewittern knapp vor respektive
an der Front. Labil genug ist die Warmluft allemal, doch kurz vor der Kaltfront
zeigt sich zudem eine veritable Feuchteflusskonvergenz, die für einen merklichen
Anstieg de Wasserdampfgehalts auf über 20 mm PPW sorgt. Das genügt, um etwas
CAPE zu generieren, das wiederum für die Bildung freilich von der Grenzschicht
abgehobener Konvektion notwendig ist. Ob das CAPE auch hinreichend sein wird,
bleibt abzuwarten. Scherung ist vorhanden, aber reichen Front und Bodentrog als
Trigger aus? Die Frage wird sein, ob der KW-Trog schon nah genug ist, um bei der
Hebung mitzuhelfen. Zugegeben, viel theoretisches Bohei um voraussichtlich wenig
praktischen Ertrag. Warten wirŽs ab. Wenn es irgendwo böllern sollte, wäre wohl
Wind 7, worst case 8 Bft der zu nennende Begleitparameter.

Stichwort Wind, der hat auch ohne Konvektion ein wenig was zu bieten, frischt er
doch an der Nordsee, bedingt aber auch an Ostsee (dort bei Südost eher in SH als
in MV) weiter auf. Dabei sind Böen 7, an der Nordsee 8, ganz vereinzelt auch 9
Bft Programm, wobei die krasse, bis zu 180° betragende Winddrehung (SO -> NW)
rückseitig des Bodentrogs mindestens genauso bemerkenswert ist wie die
Auffrischung als solche. Apropos Rückseite, auch im Landesinnern brist der Wind
kurzzeitig böig auf (Stichwort Druckanstiegswelle) mit Spitzen 7 Bft, was
voraussichtlich schwer, aber nicht unmöglich in eine flächige Warnung zu gießen
sein wird.

Ganz kurz nochmal zurück in den Osten, etwa einem Streifen von Vorpommern bis
zum Osterzgebirge/Zittauer Gebirge, wo der Niederschlag bis zum Morgen nicht
ankommt. Dort geht die Temperatur vorübergehend in den leichten Frostbereich
zurück, bevor Aufzugsbewölkung und Gegenstrahlung beginnen, das Minuszeichen von
Westen her zu tilgen.

Freitag… kommt die Front (im Grunde ist es eine Okklusion, aber in der
Vorhersagekarte wird sie als Kaltfront geführt, weil sie an eine weitere
Okklusion über dem Nordmeer angebunden wurde) noch etwas nach Osten voran. Dort
bekommt sie aber sichtlich Schwierigkeiten, gegen die Blockade des weiterhin
über NO-Europa präsenten Hochs QUIRIN anzustinken. Auch das über dem nahen
Osteuropa positionierte stationäre Höhentief trägt nicht gerade zur Progression
bei. Berücksichtigt man nun noch den von Westen einsetzenden Druckanstieg sowie
die Tatsache, dass der KW-Trog unter Konturverlust gen Dänemark und Ostsee
abdriftet, wird relativ rasch deutlich, warum der Front im Tagesverlauf immer
mehr an Substanz genommen wird und sich der Bodentrog auffüllt. Folgerichtig
schwächt sich auch der Niederschlag ab, so dass noch nicht klar ist, ob an Oder
und Neiße am Ende überall was runterkommt. Wenn doch, wirdŽs nicht viel sein.
Regnen tut es auf alle Fälle zunächst im Süden und Südosten (oberhalb ca. 1000 m
Schnee), bevor sich der Niederschlag mehr und mehr an bzw. in die Alpen
zurückzieht.

Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass nicht nur der Luftdruck, sondern auch
das Potenzial wieder ansteigt. Der Rücken bekommt in seinem Südteil quasi ein
Refresh verpasst, wenn auch zunächst nur relativ flach. Am Boden spaltet sich
aus dem Azorenhochkeil eine eigenständige 1020+x-hPa-Parzelle ab (REINALD), die
am Mittag über Belgien Platz nimmt. Unter dem Strich bedeutet das in der vor
allem in die Mitte und den Norden eingeflossenen Polarluft (mP; T850 -5 bis 0°C)
ein munteres Sonne-Wolken-Gemisch (im Südosten deutlich mehr Wolken als Sonne)
mit Tageshöchsttemperaturen von gerade mal 7 bis 13°C in der NO- und 12 bis 18°C
in der SW-Hälfte. Der Wind an der See nimmt schon in den Morgenstunden merklich
ab.

Die Nacht zum Samstag bringt leichten Zwischenhocheinfluss, auch wenn der Druck
bereits wieder anfängt zu fallen. Kein Wunder, positioniert sich doch
nordwestlich von Irland ein wuchtiges Sturm- respektive Orkantief mit unter 970
hPa im Kern. TAMINA heißt das gute Stück, das sich auf der Südflanke der
rinnenartigen SASKIA prächtig entwickeln kann (lange Zeit unter dem linken
Ausgang der Frontalzone usw.). Doch zurück nach Deutschland, wo der Bodendruck
zwar schwächelt, dafür aber das Potenzial noch etwas steigt. Bringt unter dem
Strich eine ruhige Nacht mit Cirren (WLA vorm Orkantief), einigen Nebelfeldern
und vornehmlich im Norden, Osten und der Mitte Luftfrost bis zu -5 oder -6°C.
Noch kälter wirdŽs am Boden, vor allem zwischen Ostsachsen und Vorpommern.

Samstag… nähert sich von Westen her das teilokkludierte Frontensystem von
TAMARA dem Vorhersageraum, was zunächst aber kaum spürbar sein wird. Vielmehr
setzt tagsüber noch der inzwischen wieder regenerierte Rücken die Maßstäbe, so
dass wir weiterhin – auch wenn es in der Bodenwetterkarte nicht richtig sichtbar
ist – von Zwischenhocheinfluss sprechen können. Dabei scheint nach Auflösung von
Nebel oder Hochnebel verbreitet die Sonne, abgesehen von durchziehenden hohen
Wolkenfeldern, die sich nicht vermeiden lassen. Auch deutet sich die Zufuhr von
Saharastaub an, was der Austrogung über dem nahen Atlantik geschuldet ist. Am
Nachmittag/Abend werden die Wolken im Westen immer dichter und von Benelux und
Frankreich her beginnt es leicht zu regnen. Zuvor frischt der Südostwind
insbesondere auf und an der Nordsee sowie im westlichen Mittelgebirgsraum böig
auf, wobei aber noch nicht feststeht, ob dafür auch eine gelbe Warnung nötig
ist. Thermisch bleibt alles beim Alten, meint, im Nordosten eher frisch mit 10
bis 15°C, im Südwesten eher warm mit bis zu 25°C.

In der Nacht zum Sonntag greift die teilokkludierte Kaltfront auf Deutschland
über. Der frontale, schauerartig verstärkte Regen weitet sich auf die Westhälfte
aus, wobei bis zum Morgen gebietsweise 5 bis 10 l/m², in Staulagen auch mehr
zusammenkommen können. Nach Osten zu bleibt es noch trocken, dort tritt lokal
leichter Luft- und gebietsweise Bodenfrost auf. Der Wind frischt präfrontal
vornehmlich an der Nordsee und der westlichen Ostsee aus (Südost). Und auch
postfrontal (Druckanstieg) gibtŽs ein kurzes Aufmucken + Winddrehung auf
West-Nordwest.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Abläufe als solche werden modellübergreifend sehr ähnlich simuliert. Einige
Auswirkungen – als Beispiel seien die potenziellen Gewitter, der Wind an der
Druckwelle oder aber der Phasenübergang Regen -> Schnee genannt – weisen
trotzdem noch Unschärfen auf, die wahrscheinlich erst kurz vorm oder beim
Ereignis selbst richtig aufklaren.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann