#SXEU31 #DWAV240800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Dienstag den 24.03.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 240800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 24.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Kurzzeitig Übergang zu TrM (Trog Mitteleuropa), Richtung Freitag und
Wochenende eher wieder BM (Brücke Mitteleuropa)
Heute Ruhe vor dem Sturm, von Norden her aber bereits einsetzender Druckfall. Am
Mittwoch Vollwetter – Kaltfrontpassage mit anschließendem Temperatursturz,
Wind/Sturm, Niederschlägen jeglicher Couleur sowie kurzen Gewittern.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag… Es ist nichts Neues, dass wenn wir uns erstmal an den Frühling
gewöhnt haben – die milden linden Tage, die Sonne, das Erwachen der Natur mit
allem Pipapo -, es früher oder später so richtig was auf die Rübe gibt. Manchmal
erst im April, mitunter noch im Mai (Stichwort Spätfröste) oder eben schon im
März wie in diesem Fall. Jahreszeiten sind schlechte Verlierer, wobei sich
insbesondere der Winter gerne mal als Brachial-Rüpel präsentiert, der nach
Ablauf der Spielzeit ordentlich und bisweilen auch mehrfach nachtritt. Dass er
damit unsere zartbesaiteten Seelen der mittleren Breiten erheblich strapaziert,
scheint ihm egal. Aber nun, so läuft es in der Natur. Sehen wirŽs positiv, nach
langer Zeit mehr oder weniger antizyklonalen Dahindümpelns stehen die Zeichen
nun mal wieder auf Vollwetter, was für die meisten treuen Leser dieses Bulletins
sicherlich nicht die schlechteste Nachricht ist.
Einen Tag Schonfrist haben wir aber noch, bevor es in die Vollen geht. Zwar wird
am heutigen Dienstag schon ein wenig gekratzt, gebissen wird aber noch nicht.
Dabei ist die Geschichte vergleichsweise rasch erzählt. Die seit Tagen
wetterbestimmende Hochdruckzone, die vom mittleren Nordatlantik bis hinüber nach
Russland reicht und im Osten auf MAX, bei uns auf NORBERT hört, verlagert sich
samt korrespondierendem Potenzialrücken langsam aber sicher nach Süden. Dadurch
kann von Nordeuropa her die zunächst noch relativ glatt konturierte Frontalzone
dichter an den Vorhersageraum heranrücken. Auf der kalten Seite hat sich über
der Norwegischen See das Sturmtief LIVIA eingefunden, das in der vergangenen
Nacht (00 UTC) mit knapp unter 965 hPa analysiert werden konnte. Sowohl Warm-
als auch die wellende Kaltfront des Tiefs tangieren heute insbesondere den
Norden des Landes nicht nur mit dichter, mehrschichtiger Bewölkung. Im
Küstenumfeld, vor allem aber im Norden SHs fällt zudem zeitweise etwas Regen,
ganz oben im Norden gar um 5 l/m² innert 12 h. Darüber hinaus frischt der
Südwestwind über der Deutschen Bucht sowie im Grenzbereich zu Dänemark soweit
auf, dass die ein oder andere steife Böe 7 Bft auf dem Windschreiber erscheint.
Deutschlands Sturmhügel #1 (genau 1x dürft ihr raten, wie der heißt und wo der
liegt) kommt sogar schon auf die ersten stürmischen Böen respektive Sturmböen
8-9 Bft.
Je weiter wir in der Republik nach Süden gehen, desto größer der Einfluss der
langsam scheidenden Hochdruckzone/-brücke und desto höher die apostrophierte
Sonnenscheindauer. Ganz blankgeputzt wird der Himmel allerdings nicht
daherkommen, weil der zonal exponierte Rücken von WLA überlaufen wird, welche
nicht nur viel hohes, sondern teilweise auch mittelhohes Gewölk generiert. Das
hindert die Temperatur aber nicht, in der abgetrockneten subtropischen Luftmasse
(xSp; T850 Anstieg auf 3 bis 6°C) verbreitet auf sehr solide und selbstredend
überdurchschnittliche Werte zwischen 14 und 20°C anzusteigen. Einzig im
Nordseeumfeld sowie unter den Regenwolken SHs müssen sich die Leute mit 10 bis
14, an der nordfriesischen Küste + vorgelagerter Inseln (auflandiger Wind) z.T.
nur 8 oder 9°C zufriedengeben.
In der Nacht zum Mittwoch gehtŽs los mit der Umstellung der Wetterlage, die
wirklich krass ausfällt und – so viel sei vorab verraten – einen erheblichen
Temperatursturz mit sich bringt. Zwar verliert die gute LIVIA auf ihrem Weg in
Richtung Lofoten etwas an Substanz – ausgangs der Nacht stehen „nur noch“ etwas
über 970 hPa auf der Karte -, dafür kommt es zu einer spürbaren Aktivierung der
tagsüber noch im Schlummermodus agierenden Kaltfront. Hauptgrund ist ein fetter
Kaltluftvorstoß aus dem grönländischen Raum nach Süden, der über dem nahen
Atlantik bzw. UK/Irland eine merkliche Austrogung zu Folge hat. Darüber hinaus
formiert sich über UK und etwas zeitverzögert über der Nordsee eine weitere
Welle mit ausgeprägtem Bodentrog, die schlussendlich sogar zu einem
eigenständigen Randtief mit Kernisobare 980 hPa mutiert – Gott zum Gruße
MARLIES. Welle/Randtief schlagen um 06 UTC bereits über dem Skagerrak auf, um
von dort zügig weiter in Richtung Südschweden abzuziehen.
Die aktive Kaltfront (KF) greift nach Mitternacht mit frontalem Regen auf den
Westen und Nordwesten des Landes über (Vorderkante am Morgen etwa
Saarland-Solling-Mecklenburg), wobei sich die Mengen mit meist unter 5 l/m² in
Grenzen halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass direkt an oder gar vor der KF
Gewitter auftreten, ist angesichts eines stabilisierenden Warmluftbuckels um 700
hPa herum eher gering. Erst postfrontal, wenn der unmittelbar folgende Höhentrog
übergreift und eine deutliche Labilisierung einleitet, könnten ganz im Westen
und die ersten elektrischen Entladungen an den Start gehen. Wenn dem so sein
sollte, ist Wind oder besser Sturm der vornehmlich zu beachtende Parameter.
Scherung, Höhenwind und zunehmender Gradient sorgen auch abseits von Konvektion
schwerpunktmäßig im Westen und Nordwesten für eine deutliche Windauffrischung
mit Böen 7-8 Bft, Nordsee + Bergland 8-9, vereinzelt 10 Bft, Brocken bis 12 Bft
aus Südwest. Bei Kaltfrontdurchgang sind auch in tiefen Lagen Sturmböen 9 Bft
möglich.
Im Süden und Osten bekommt man von der bevorstehenden Umstellung noch nicht
allzu viel mit, wenn man mal davon absieht, dass die Bewölkung von Nordwesten
ganz allmählich zunimmt und der Wind in den Hochlagen der Mittelgebirge (die
Alpen halten sich noch etwas zurück) stark bis stürmisch auffrischt. Frost ist
kaum noch ein Thema, lediglich zwischen östlichem Alpenrand und Bayerischem Wald
kühlt es stellenweise nochmal auf etwas unter 0°C ab.
Mittwoch… zieht die Kaltfront rasch über den Vorhersagebereich südostwärts
hinweg, so dass zum Mittagessen weite Teile bereits auf der Rückseite liegen.
Nur der äußerste Süden und Südosten bleiben noch außen vor, was sich spätestens
am Spätnachmittag auch erledigt haben wird. Nicht minder flott gibt sich der
nachfolgende, weiter an seiner Amplitude arbeitende Höhentrog, dessen Hauptachse
am Abend über der Westhälfte liegt. Bis dahin ist das gesamte Land mit
hochreichender Kaltluft polaren Ursprungs geflutet (mP), in der T850 auf 0 bis
-4°C, T500 mit Ausnahme des Südostens auf -32 bis -36°C zurückgeht. Es ist
evident, dass die Schichtung damit erzlabil ist, auf der anderen Seite aber auch
nicht überbordend feucht. Im Gegenteil, mit PPWs von maximal 10 mm ist sie für
eine maritim geprägte Luftmasse sogar ziemlich trocken, was vor allem an der zu
dieser Jahreszeit noch kalten Meeresoberfläche liegt.
Wie auch immer, das Potenzial für ordentlich Bambule ist trotzdem gegeben, wenn
auch vielleicht nicht in Form eines prominenten konvektiven Feuerwerks. Ganz
oben auf der Liste signifikanter Wettererscheinungen steht sicherlich der
Wind/Sturm, aber auch die Palette möglicher Wettererscheinungen wird ordentlich
ausgereizt. So zieht der frontale Regen rasch in den Süden, gefolgt von
zahlreichen Schauern, teils als Graupel oder eben als kurzes Graupelgewitter.
Und auch das Thema „Schnee“ kommt wieder auf die Agenda, wenn auch tagsüber eher
rezessiv als dominant. Mit Kaltluftzufuhr sinkt die Schneefallgrenze bis zum
Abend in den Mittelgebirgen auf 800 bis 600 m (in einem intensiven Schauer
vielleicht auch etwas darunter), im Südosten auf rund 1000 m. Heißt, in den
Hochlagen gehen die ersten Schneeschauer an den Start, nicht zuletzt aufgrund
der guten Durchmischung dürfte aber kaum eine vernünftige Neuschneeakkumulation
zustande kommen.
Stichwort Durchmischung, womit wir beim Wind wären, dessen Intensität und
räumliche Verteilung nicht ganz trivial zu bestimmen ist. Gradient ist
beteiligt, Front ist beteiligt, Bodentrog ist beteiligt, dazu Scherung,
Höhenwinde, Labilität, Orografie, Jet. Ein Versuch einer Einschätzung: Das erste
fette Windmaximum schwenkt am Vormittag/Mittag über Norddeutschland hinweg. Es
ist gekoppelt an den gut definierten Bodentrog unter dem linken Ausgang des
Jets. Dazu kommen niedertroposphärische Höhenwinde bis zu 55 Kt auf 850 und bis
zu 45 Kt auf 925 hPa. Die Wahrscheinlichkeit ist also nicht gering, dass es bis
weit nach Süden in der Norddeutschen Tiefebene vermehrt zu Böen 8-9 Bft kommt.
Noch strammer dürfte es an der Küste sowie im Norden von SH abgehen, wo der
Gradient am stärksten ausgeprägt ist. Böen 10 Bft sind durchaus wahrscheinlich,
Böen 11 Bft (orkanartig nicht ausgeschlossen).
Das zweite Maximum abseits der Hochlagen des Berglands (dort je nach Exposition
Böen 8-10 Bft, Brocken/Hochschwarzwald 11-12 Bft) tritt im Tagesverlauf im
Süden, vornehmlich südlich der Donau auf, wenn sich die KF nähert und der
Leitplankeneffekt greift. Auch dort dürfte es für kurze Zeit vermehrt zu Böen 8
Bft, teils 9 Bft kommen. Ansonsten legt der auf West bis Nordwest drehende Wind
durchaus auch mal Pausen ein, bedingt durch die omnipräsente Konvektion muss
aber jederzeit mit Böen der Stärke 7-8 Bft gerechnet werden.
Wie bereits angedeutet macht die Temperatur einen ordentlichen Satz nach unten
auf nur noch 8 bis 12°C. Einzig im Osten und Südosten werden kurzzeitig noch mal
13 bis 16, in Südostbayern vielleicht 17°C erreicht, bevor es spätestens am
Nachmittag auch dort thermisch auf die Glocke gibt.
In der Nacht zum Donnerstag weitet sich der Trog über die Alpen hinweg in
Richtung Korsika und Sardinien aus, was über Oberitalien eine Zyklogenese in
Gang bringt. Derweil zieht MARLIES über Schweden knapp westlich des Bottenbusens
nordwärts. Mit nordwestlicher, am Boden teils westlicher Strömung wird nun noch
etwas kältere, aber weiterhin ziemlich trockene Polarluft advehiert (T850 um
-6°C, T500 um -36°C, PPW unter 10 mm). KLA-bedingt steigt der Luftdruck von
Westen her etwas, so dass sich ein flacher Keil des nach Osten verschobenen
Azorenhochs zu uns reinschieben kann. Dieser sorgt dann mit Unterstützung des
Tagesgangs für eine gewisse Wetterberuhigung, auch wenn die Bremse nicht an
allen Stellen greift. Deutlich auf dem Rückmarsch ist der Wind, der eigentlich
nur an direkt an der Küste (Böen 7-8 Bft, exponiert 9 Bft aus West bis Nordwest)
sowie in wenigen exponierten Hochlagen (Böen 8-9 Bft) noch prominent unterwegs
bleibt. Aber auch das Niederschlagsgeschehen muss starke Einbußen hinnehmen
(immer weniger Schauer), mit zwei Ausnahmen. Zum einen der Schwarzwald, wo die
Schneefallgrenze bis weit nach unten sinkt und je nach Höhenlage durchaus 5 bis
10 cm Neuschnee zusammenkommen können (Schauer + Stau). Noch winterlicher wirdŽs
am Alpenrand, wo sich eine Nordstaulage einstellt und die Schneefallgrenze bis
in die Täler absinkt. 5 bis 10, in Lagen oberhalb etwa 800 m bis zu 20 cm, in
exponierten Staulagen vielleicht noch etwas mehr Neuschnee sind keine Utopie,
auch wenn das allerletzte Wort der Modelle noch aussteht. Bliebe nur noch zu
konstatieren, dass es am ehesten in der Mitte und im Süden bei Aufklaren auf 0°C
oder den leichten Frostbereich abkühlt, potenzielle Glätte durch gefrierende
Nässe oder geringen Neuschnee (im Falle eines Schauers) inklusive.
Donnerstag… tropft der Trog über Norditalien ab, während das Bodentief
Richtung Adria/Balkan zieht und dabei voraussichtlich einen Doppelkern
etabliert. Uns kann das ziemlich wumpe sein, werden wir doch vom sich langsam
auffüllenden Trogresiduum sowie zusehends vom o.e., sich verstärkenden
Azorenhochkeil regiert. Die höhenkälteste Luft zieht sich in den Süden zurück,
von Westen her beginnt es zu stabilisieren. Trotzdem entwickeln sich in weiten
Landesteilen Regen-, Schnee- und Graupelschauer, wobei die Schneefallgrenze grob
zwischen 400 und 700 m variiert. Kurze Graupelgewitter sind auch wieder am
Start. Nach Osten und Nordosten hin wird die Schaueraktivität durch von
Skandenföhn abgetrockneter Luftmasse merklich ausgebremst. Dafür dauert die
Staulage an den Alpen, wenn auch mit leichter Intensitätsabnahme, an, so dass
weitere 5 bis 10, vereinzelt vielleicht 15 cm Neuschnee fallen. Der West- bis
Nordwestwind frischt mitunter böig auf mit steifen, vereinzelt stürmischen Böen
7-8 Bft an der See und im küstennahen Binnenland sowie in höheren Lagen.
Temperaturmäßig begeben wir uns unter die 10°C-Marke, bei 5 bis 9°C, im höheren
Bergland sowie an den Alpen 1 bis 5°C ist Ende der Fahnenstange.
In der Nacht zum Freitag weitere Kräftigung und Ausweitung des Hochkeils, zudem
von Westen her Potenzialanstieg => Übergang zu Zwischenhocheinfluss.
Nachlassende Schauer, auch an den Alpen immer weniger Schneefall. Stattdessen
teilweises Aufklaren und verbreitet leichter, lokal mäßiger Luft- und verbreitet
(Mitte/Süden) mäßiger Bodenfrost. Frostfrei nur der äußersten Norden inkl. der
Küsten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Umstellung der Wetterlage mit Kaltfront und Trog ist unstrittig. Die
Überlegungen zur differenzierten Windentwicklung am Mittwoch sind
konzeptioneller Natur und können an der ein oder anderen Stelle von der „echten“
Natur korrigiert werden. Der grobe Fahrplan ist aber abgesteckt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann