#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Montag, den 23.03.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 23.03.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig, anfangs kühl oder nasskalt, im Verlauf milder, am Alpenrand länger
andauernder Schneefall
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 30.03.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag erstreckt sich ein Langwellentrog von
Skandinavien über Deutschland südwärts und zeigt über Italien
Abtropfungstendenzen. Dem gegenüber steht ein Rücken, der sich von den Azoren
nach Island aufwölbt und unter Abschwächung südostwärts schwenkt sowie ein
Bodenhochkeil von den Azoren Richtung Britische Inseln. Mit -35 Grad im
500-hPa-Niveau und Werten um -5 Grad im 850-hPa-Niveau über Deutschland gibt es
ausreichend Labilität für zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter. Dabei fällt
bis in mittlere, bei kräftigen Schauern auch bis in tiefe Lagen Schnee oder
Graupel, an den Alpen fällt längere Zeit Schnee. Im Bereich des Troges gibt es
an der Nordsee und im Bergland Westdeutschlands starke bis stürmische Böen aus
Nordwest, auf den Alpengipfeln teils schwere Sturmböen.
Am Freitag ist der Trog über dem nördlichen Mittelmeer abgetropft und der
Höhenkeil schwenkt über die Nordsee nach Nordwestdeutschland, wird von Warmluft
überlaufen und löst sich weitgehend auf. Ihm folgt ein sich auffüllender
Kurzwellentrog nach. Durch eine deutliche Erwärmung im 500-hPa-Niveau auf etwa
-25 Grad bei weiterhin etwa -6 Grad in 850 hPa ist die Labilität und damit die
Schauertätigkeit deutlich verringert. Ein umfangreiches Tief über Südosteuropa
führt Warmluft nach Norden, Aufgleitniederschläge (meist Schnee) erreichen den
Südosten Bayerns. In der Nacht zum Samstag erreicht eine Okklusion den
Nordwesten Deutschlands, im Bergland fällt ab mittleren Lagen Schnee, sonst
Regen.
Am Samstag bildet sich eine schwache Brücke hohen Geopotenzials über
Mitteleuropa. Die Brücke verbindet hohes Geopotenzial über Russland und im
Bereich der Azoren. Dem gegenüber steht ein Höhentiefkomplex über dem
Mittelmeer. Die Okklusion über dem Nordwesten Deutschlands schwenkt unter
Auflösung nach Südosten. Nachfolgend sorgt der Keil des Azorenhochs im Westen
und Norden für Wetterberuhigung. In den Südosten wird weiterhin feuchte Luft und
in der Höhe auch wärmere Luft durch das Tief über Südosteuropa gelenkt. Länger
andauernde Niederschläge sind dort die Folge, meist fallen diese als Schnee. In
850 hPa liegen die Temperaturen meist zwischen -6 und -2 Grad, in Ostsachsen
Sonntagfrüh knapp über dem Gefrierpunkt, verantwortlich dafür ist WLA aus Osten.
Am Sonntag ändert sich zunächst zwischen einem feuchten Südosten
(Südosteuropatief) und einem weitgehend trocknen Nordwesten (Azorenhochkeil)
zunächst kaum etwas. Erst in der Nacht zum Montag erreicht ein Trog die Nordsee,
vorderseitig erreicht ein okkludierendes Frontensystem mit Regen den Nordwesten
Deutschlands und im Süden ziehen sich die Schneefälle an die Alpen zurück. Die
Temperatur in 850 hPa liegt zwischen -6 und 0 Grad und steigt ausgangs der
Westen bis auf +3 Grad.
Zu Wochenbeginn zonalisiert die Strömung über Mitteleuropa zunehmend. Von
Westen/Nordwesten greifen wiederholt Frontensysteme auf Deutschland über, die
anfangs milde Meeresluft mit sich bringen. Im Laufe der erweiterten Mittelfrist
kippt die Strömung von West zunehmend auf Nordwest und von Norden erreicht
polare Meereskaltluft Deutschland.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist zunächst gut und ab dem Wochenende mäßig. Großräumige
Strukturen sind zwar immer noch ähnlich. Aber der Einfluss des Tiefs über
Südosteuropa wird im aktuellen Lauf verstärkt und der Durchbruch der Frontalzone
zu Wochenbeginn verspätet simuliert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle zeigen alle den Einfluss des Südosteuropatiefs am Wochenende
geringer und den Durchbruch atlantischer Fronten zu Wochenbeginn rascher und
stärker. Die älteren Läufe des IFS passen damit eher zu den anderen Modellen als
der aktuelle Lauf.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Cluster: Für den Zeitraum 72 bis 96 Stunden gibt es zwei Cluster, die beide dem
Regime „Mittelatlantischer Rücken“ zugeordnet sind. Für Deutschland ergeben sich
nur geringe Unterschiede. In jedem Fall liegen wir unter dem Langwellentrog. Der
Abtropfprozess hat mehr oder weniger begonnen.
Für den Zeitraum 120-168 Stunden gibt es 6 Cluster, die fast ausschließlich dem
Regime „Blocking“ zugeordnet sind. Die Brücke über Mitteleuropa hinweg zwischen
den Azoren und Russland wird unterschiedlich stark simuliert, wobei schwache
Brücken überwiegen. Das Höhentief über dem Mittelmeer ist Deutschland mal näher
oder weiter weg.
Für den Zeitraum 192 bis 240 Stunden werden die Unterschiede deutlich größer.
Bis auf NAO- sind alle Regime vertreten. Auf 4 Cluster verteilen sich die
Ensembles. Das Kippen der Strömung auf Nordwest (Hauptlauf) wird zwar vom
größten Cluster (18 Mitglieder) gezeigt, die Mehrheit zeigt dennoch Lösungen,
die eine westlichere Strömung und höheres Geopotenzial aufweisen. Fast überall
liegt Deutschland im Bereich der Frontalzone.
Rauchfahnen: Das Geopotenzial in 500 hPa ist zu Beginn der Mittelfrist am
niedrigsten und steigt in den Folgetagen bei nur langsam zunehmender Streuung
kontinuierlich an. Im Norden wird am Sonntag, sonst zu Wochenbeginn ein Maximum
erreicht, ehe bei deutlich zunehmender Streuung eine Abnahme wahrscheinlich ist.
Die Temperatur in 850 hPa hat ebenfalls ihr Minimum zu Beginn des
Mittelfristzeitraums zwischen -7 und -4 Grad und steigt dann bis zum Beginn
nächster Woche bei allmählich zunehmender Streuung auf Werte zwischen -2 und +2
Grad. Nachfolgend ist bei hoher Streuung ein Abwärtstrend erkennbar.
Blickpunkt Ostdeutschland am Wochenende: Die simulierte Erwärmung in Sachsen am
Wochenende durch den Hauptlauf wird vom Ensemble nicht mitgetragen.
Über den gesamten Prognosezeitraum gibt es reichlich Niederschlagssignale.
Ausgenommen sind der Freitag und Sonntag im Norden und Nordwesten. Die kräftigen
Niederschläge des Hauptlaufs im Süden (Wochenende) werden nur von wenigen
Ensemblemitgliedern mitgetragen.
Fazit: Am Donnerstag Höhenkaltluft mit zahlreichen Schauern und örtlichen
Gewittern, Graupel und Schnee kurzzeitig teils bis in tiefe Lagen, an den Alpen
länger andauernder Schneefall. Ab Freitag wird der Südosten Deutschlands von
einem Tief über Südosteuropa beeinflusst. Am östlichen Alpenrand wahrscheinlich
anhaltende Schneefälle. Sonst Wechsel aus Zwischenhocheinfluss und schwachen
Fronten von Nordwesten. Nach 1 bis 9 Grad am Donnerstag allmählich milder.
Nächste Woche wahrscheinlich durchgreifende West- bis Nordwestlage.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND/STURM:
Für den Donnerstag zeigt das EFI schwache Hinweise für ein Windereignis an der
Nordsee.
Das EPS zeigt für den Donnerstag mittlere Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 und
niedrige Wahrscheinlichkeiten für Bft 9 an der Nordseeküste.
REGEN/SCHNEE
Für den Donnerstag zeigt das EFI deutliche Signale für ein eher ungewöhnliches
Niederschlagsereignis an den Alpen. Am Freitag nehmen die Signale dafür deutlich
ab.
Für den Donnerstag zeigt das EFI deutliche Signale für ein eher ungewöhnliches
Schneefallereignis an den Alpen. Für Freitag, Samstag und Sonntag nehmen die
Signale deutlich ab, gehen aber nicht auf Null.
Für den Alpenrand gibt es niedrige und für das Berchtesgadener Land mittlere
Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten markanter Niederschlagsmengen (24, 48
und 72-stünidg) ab Donnerstag gezeigt. Für das Berchtesgadener Land zudem sehr
geringe Wahrscheinlichkeiten für WU.
GEWITTER:
Am Donnerstag lokal Gewitter mit Schnee oder Graupel bis in tiefe Lagen,
vereinzelt mit stürmischen Böen.
FROST:
Bis auf den Nordwesten verbreitet leichte Nachtfröste. Höchste
Wahrscheinlichkeiten für die Nacht zum Freitag und Samstag.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen