SXEU31 DWAV 230800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 23.03.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM

Zunächst noch Hochdruckeinfluss. Ab der Nacht zum Mittwoch von Nordwesten
wechselhafter und windiger. Am Mittwoch stürmisch, Bergland voller Sturm und
teils kräftige Gewitter bei absinkender Schneefallgrenze. In den Nächten
nachlassende Frostgefahr.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… Fortdauer der antizyklonal geprägten Witterung dank der beruhigenden
Wirkung von NORBERT, einem Keil, der sich von den Azoren bis nach Mitteleuropa
aufwölbt und weiterhin im zarten Kontakt zu MAX steht, einer Antizyklone über
Osteuropa/Westrussland.

Somit ist das Wettergeschehen heute rasch erzählt. Die anfangs noch teils dichte
hochnebelartige Bewölkung in Sachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und
Baden-Württemberg bricht im Vormittagsverlauf rasch auf und macht reger/seichter
Nachmittagskonvektion Platz. Diese kann zum Nachmittag zwischen Schwarzwald/Alb
und Alpenrand gar in einzelne Schauer gipfeln. Ansonsten beginnt der Tag über
der Mitte und dem Südosten sonnig, bevor auch hier im Tagesverlauf
lockere/dekorative Quellbewölkung den Himmel verziert. Im Nordosten beginnt und
endet der Tag mit viel Sonnenschein. Im Nordwesten ziehen am Vormittag noch
einige hohe Wolkenfelder durch, die die Reste einer wetterinaktiven und sich
auflösenden Kaltfront andeuten – thermisch ohne klaren Abdruck. Deutschlandweit
bleibt es abseits des geringen Schauerrisikos im Süden trocken.

Die Maxima liegen im Süden zwischen 12 und 15 Grad, im äußersten Norden bei
auflandiger Windkomponenten zwischen 8 und 14 Grad und im großen Rest des Landes
zwischen 14 und 18 Grad. Der Wind kommt schwach bis mäßig aus Nord, im Norden
aus West bis Nordwest.

In der Nacht zum Dienstag fallen letzte Schauer am Alpenrand in sich zusammen
und peripher der Deutschen Bucht können sich ausgedehnte Nebelfelder bilden.
Zudem kommt im Verlauf der Nacht von Nordwesten hohe Bewölkung auf, die das
Nahen einer Warmfront verkündet. Ansonsten verläuft die Nacht (abseits lokaler
Dunst-/Nebelfelder) klar und trocken.

Die Minima liegen zwischen +6 Grad im Nordwesten und +3 bis -3 Grad im Rest des
Landes (bodennah im Süden und Osten teils mäßiger Frost).

Dienstag… steht unter dem Einfluss einer Warmfrontpassage über
Norddeutschland, die ausgehend vom Sturmtief LIVIA über dem Europäischen
Nordmeer für etwas Nass gut ist. Dies betrifft wohl nur Schleswig-Holstein bzw.
die küstennahen Regionen, wo etwas Nass, in Richtung Dänemark auch bis zu 5
l/qm/12h fallen sollte.

Ansonsten überstreicht die hohe Aufgleitbewölkung weite Bereiche Deutschlands,
wobei die Sonnenanteile nach Süden zu stetig zunehmen. Besonders südlich der
Donau kann der Dienstag insgesamt als ein sehr freundlicher Tag beschrieben
werden und Niederschlag ist keiner zu erwarten.

Der Wind kommt im Süden schwach bis mäßig, sonst mäßig bis frisch aus
südwestlicher Richtung, wobei im westlichen Niedersachsen sowie im exponierten
Bergland am Nachmittag auch zeitweise Böen Bft 7 auftreten (auf dem Brocken
zunehmend markante Böen Bft 8 bis 9). Ebenfalls markante Böen (Bft 8) sollte man
ab dem Mittag über der Deutschen Bucht erwarten. Diese Windzunahme steht im
Zusammenhang mit einer Wellenpassage, die LIVIA entlang ihrer Südflanke umrundet
und abends die Nordsee erreicht. Dies wird modellübergreifend sehr einheitlich
gezeigt.

Dank der verstärkten Advektion feuchter Nordatlantikluft mit H85
Temperaturwerten von +2 bis +5 Grad liegen die Maxima bei zunehmender
Durchmischung zwischen 12 und 19 Grad. Nur küstennah und nördlich des
Nord-Ostsee-Kanals verbleiben die Maxima unter 10 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch wird unser Wetter durch die Welle geprägt, die die
Nordsee zügig ostwärts in Richtung Skagerrak überquert und sich dabei je nach
Modell teils zu einem eigenständigen Randtief mausert.

Bis Mitternacht verläuft auch diese Nacht zunächst mit dem Durchzug
hoher/ausgedehnter Bewölkung sehr ruhig. Nach Mitternacht sorgt die
Wellenpassage im Norden für eine Gradientverschärfung beim Luftdruck.
Gleichzeitig greifen von Nordwesten eine agile Kaltfront und ein ausgeprägter
thermischer Höhentrog auf den Westen/Nordwesten der Republik über.

Bezüglich des Niederschlags trifft es aber erstmal nur einen Streifen von der
Eifel bis nach Schleswig-Holstein, wo nach Mitternacht von Nordwesten zunehmend
schauerartige Niederschläge aufziehen, die entlang der Bodenfront sowie
postfrontal in teils kräftige Schauer und einzelne Gewitter übergehen. Sonst
bleibt es trocken.

Im Südosten und Osten bekommt man von der Umstellung auch beim Wind kaum etwas
mit bei einem meist nur schwachen bis mäßigen Südwestwind. Anders sieht es im
Westen und Norden des Landes aus, wo der Südwestwind stetig an Intensität zulegt
mit Böen Bft 7/8 im Verlauf der 2. Nachthälfte sowie Bft 8/9 im oberen Bergland
(Brocken zunehmend orkanartige Böen oder Orkanböen Bft 11-12). Ausgangs der
Nacht erfasst dann auch die eigentliche Bodenfront den Westen/Nordwesten und in
Verbindung mit der Konvektion sind auch im Tiefland strichweise Bft 8/9 Böen zu
erwarten.

Bezüglich Blitzaktivität hält sich die numerische Guidance entlang der Kaltfront
noch stark zurück, wenngleich die Vorhersagesoundings dies wenigstens vereinzelt
stützen würden. Insgesamt eine recht frontparallele Ausrichtung der 45 kt 0-3 km
Scherung (präfrontal) ändert sich postfrontal aus heutiger Sicht dank eines
fehlenden fokussierten Druckanstiegmaximums bis zum Ende der Nacht nur wenig
(mit Blick auf die Ausrichtung des Scherungsvektors). Von daher werden wohl eher
organisierte (durchbrochene) Liniensegmente und kein kompaktes quasi-lineare
konvektives System zu erwarten sein. Diese Tendenz wird aber weiter beobachtet.

Mittwoch… steht ganz im Zeichen der zügigen Kaltfront- und ausgeprägten
Höhentrogpassage (im Westen ein thermischer Trog bis unter -36 Grad in H5).

Die Kaltfront passiert Baden-Württemberg/Brandenburg zur Mittagszeit und erfasst
Niederbayern zum späten Nachmittag. Die kinematischen/thermodynamischen
Umgebungsparameter ändern sich kaum, sodass mit Passage der Kaltfront kräftige
Schauer/einzelne Gewitter auftreten, die von Graupel/stürmischen Böen oder
Sturmböen begleitet werden. Im Süden verschmiert das Windsignal und geht in
einen kräftigen geführten Westwind im Alpenvorland über, wo verbreitet Bft 8/9
Böen auftreten, im höheren Bergland je nach Höhenlage auch Bft 9 bis 11.

Bezüglich der postfrontalen Entwicklung, die den gesamten Norden und Westen
betrifft ergeben sich noch Diskrepanzen in der Druck-/Geopotenzialgeometrie, was
variable Windmaxima zur Folge hat, die teils mit labilen Bereichen überlappen.
Aus heutiger Sicht muss man in der gesamten Mitte von West nach Ost ausgreifend
mit kräftigen Schauern und einigen Gewitter rechnen, die dank guter
Durchmischung (siehe Rückgang der bodennahen Taupunkte) ein erhöhtes
Windböenpotenzial aufweisen (Impulstransport und etwas DCAPE). Im groben
ICON-EU-EPS/IFS-ENS wird dies mit soliden Bft 8/9 Böen und geringen Optionen für
die eine oder andere Bft 10 Bö hervorgehoben.

Ansonsten können sich entlang von (in die Strömung eingebetteter) Wellen mit
geringer Amplitude/mesoskaligen Konvergenzzonen weitere kräftige Schauerstraßen
entwickeln, die den Norden/Nordwesten passieren und auch hier sind weiterhin
markante Böen zu erwarten. Abseits der regen Konvektion reicht es im Tiefland
dann vorübergehend nur für Bft 6/7 Böen, im Bergland herrscht durchweg Sturm,
mit orkanartigen Böen/Orkanböen im exponierten Bergland (Hochschwarzwald,
Brocken). Zum Nachmittag schwächt sich der Wind im Norden/über der Mitte dank
eines auffächernden Bodendruckgradienten zügig ab.
Bei fortschreitender Abkühlung innerhalb der gesamten Troposphäre geht die
Schneefallgrenze sukzessive von Nordwesten auf 600 bis 400 m zurück, kann aber
in starken Schauern oder in Staulagen entlang der zentralen Mittelgebirge
vorübergehend auch tiefer absinken. Besonders im Stau von Eifel und im NRW
Bergland ist dabei 1 bis 5 cm Neuschnee möglich, lokal bei kräftigen Schauern
auch mehr (Ensemblemaxima punktuell dort im markanten Bereich für 12std.
Neuschneemengen). Auch am Alpenrand sinkt die Schneefallgrenze im Verlauf des
Nachmittags kräftig ab und liegt zum Abend von West nach Ost zwischen 500 und
900 m, sodass oberhalb von 1000 m bis 10 cm Neuschnee in 6 Stunden möglich ist
(mit geringeren Mengen darunter).

Die Maxima erreichen präfrontal im Osten nochmal um 15 Grad und liegen im Westen
nur noch um 8 oder 9 Grad. Im westlichen Bergland liegen die Höchstwerte gar im
mittleren einstelligen Bereich.

In der Nacht zum Donnerstag liegen wir deutschlandweit direkt unter dem
Höhentrog bei H5 Temperaturwerten um -36 Grad. Zwar steigt der Bodendruck von
Westen etwas an, was aber die agile Konvektion (besonders nach Südosten zu)
nicht großartig abmildern sollte.
Von daher kann man über der Mitte und dem Süden eine rege Schauertätigkeit
erwarten, die sich regional (und besonders in Staulagen) auch zu mehrstündigen
Niederschlagsgebieten zusammenschließen kann. Die Schneefallgrenze geht dabei
bis in tiefe Lagen zurück, sodass besonders zwischen Vogtland und dem Alpenrand
eine weiße Überraschung recht flächendeckend möglich erscheint (auch hier
entscheidet die Lage/Intensität der Schauerbänder vom Tage über das
Neuschneepotenzial in der Nacht). Meist liegen die Neuschneemengen zwischen 1
und 5 cm, können aber in Luvlagen auch höher ausfallen (z.B. Fränkische
Alb/Oberpfälzer Wald/Fichtelgebirge). Im Südwesten schwächt sich die Intensität
der Konvektion soweit ab, dass nennenswerte Neuschneemengen eher nur die
Staulagen betreffen sollten, während im Tiefland nur kurzzeitig und nur hier und
da mit einer dünnen Nassschneedecke zu rechnen ist. Auch im Norden treten einige
Schauer auf, teils als Schnee, Graupel oder Regen. Dazwischen bleibt es aber
längere Zeit trocken.

Der Westwind ist im Süden eingangs der Nacht noch das Hauptthema (Bft 7 mit
einigen Bft 8 Böen, im Bergland noch durchweg Sturmböen), bevor sich der Wind
auch hier durchgreifend abschwächt. Über der Mitte und im Norden kommt er mäßig
aus westlicher Richtung und frischt nur über der Nordsee weiterhin stürmisch aus
Nordwest auf.

Die Minima liegen zwischen +3 und -3 Grad, im süddeutschen Bergland auch
darunter.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Numerik hebt die Kurzfrist mit einheitlichen Vorhersagen hervor. Dies gilt
auch für die Randtiefentwicklung von Dienstag zum Mittwoch. Dennoch entscheiden
Feinheiten in der geometrischen Ausrichtung der Druckverteilung über die
Lage/Intensität von regionalen Wind- und Niederschlagsmaxima, was im Text aber
bereits angesprochen wurde.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy