S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 18.03.2026 um 10.30 UTC

Zunächst ruhiges Hochdruckwetter mit „Schönheitsfehlern“ in Form eines oder
mehrerer Kaltlufttropfen. Zu Beginn kommender Woche unbeständiger und kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 25.03.2026

Bevor ein markanter Kaltluftvorstoß vom Nordatlantik her zu Beginn kommender
Woche auch hierzulande eine durchgreifende Wetterumstellung einleitet, dominiert
am Wochenende noch einmal im Großen und Ganzen ruhiges, aber wohl nicht ganz
störungsfreies Hochdruckwetter.
Verantwortlich dafür ist eine Zone hohen Geopotenzials, die sich – von den
Azoren kommend – über die Britischen Inseln und Südskandinavien bis ins Baltikum
bzw. nach Westrussland erstreckt. Diese stützt wiederum eine ebenfalls nahezu
zonal ausgerichtete Hochdruckzone im Bodenfeld mit Schwerpunkten (am Samstag)
bei den Azoren und in etwa über dem nördlichen Mitteleuropa bis zum Baltikum.
Flankiert wird diese Hochdruckzone von einem Höhentief nördlich der Kanaren (das
dort für ordentlich „Bambule“ sorgt, aber keinen Einfluss auf unser Wetter hat)
und einem umfangreichen, mit zahlreichen Drehzentren ausgestatteten
Höhentiefkomplex, der quasi ganz Südosteuropa überdeckt. An dessen Nordflanke
lassen sich am Samstag bei genauerem Hinschauen bis Sonntagfrüh ein bis zwei
kleinere Kaltlufttropfen ausmachen, die den Norden Österreichs bzw. den
Alpenraum von Ost nach Südwest überqueren. Die Achse des hohen Luftdrucks im
Bodenfeld verläuft über Norddeutschland, somit können an der Nordflanke dieser
KLTs von Osten her dichtere Wolken in den Süden und die Mitte des
Vorhersagegebietes vordringen, vor allem in Bayern, eventuell auch noch in
Baden-Württemberg fällt hier und da sogar etwas Regen, bei 0 bis -3 Grad in 850
hPa im höheren Bayerwald bzw. an den Alpen oberhalb von 1000 m auch ein paar
Schneeflocken.
Am Sonntag verlagert sich ein weiterer, anfangs sogar markant ausgeprägter KLT
unter Konturverlust von Polen her südwestwärts nach Süddeutschland bzw. Richtung
Schweiz. Die gleichzeitig durch den Trogvorstoß weiter nördlich ihre
Divergenzachse allmählich nach Süden verlagernde Potenzialbrücke wird dabei,
ebenso wie die Bodenhochdruckzone, allmählich abgebaut, bleiben aber robust. Die
Hochdruckzone verlagert ihre Divergenzachse bis Montagfrüh dabei langsam von
Nord- nach Süddeutschland.
Erneut kann es mit dem KLT zumindest im Südosten des Landes am Sonntag dichtere
Wolkenfelder geben, Niederschläge sind aber wohl keine zu erwarten, da dessen
Passage – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – mit einem deutlichen Konturverlust
einhergeht.
Im Rest des Landes scheint dagegen sowohl am Samstag als auch am Sonntag neben
lockeren Wolkenfeldern vielerorts und häufig die Sonne. Von Osten her gelangt
nicht mehr ganz so milde Luft wie an den Vortagen ins Vorhersagegebiet, vor
allem am Samstag reicht es im Südosten nur für einstellige Maxima, Sonst bewegen
sich die Höchstwerte meist zwischen 10 und 15 Grad, in den Nächten kann es bei
klarem Himmel in ungünstigen Lagen leichten Frost geben.

Am Montag überquert der mit dem weiter oben erwähnten Kaltluftvorstoß
interagierende Höhentrog von Nordwesten her die Britischen Inseln und greift
unter deutlicher Amplifizierung in der Nacht zum Dienstag auf den Westen des
Vorhersagegebiets über. Trogvorderseitig entwickelt sich aus einer Frontalwelle
über Schottland ein ausgewachsenes Tiefdruckgebiet und zieht bis Dienstagfrüh
nach Südnorwegen. Präfrontal wird die nur noch flache Hochdruckbrücke über dem
Vorhersagegebiet abgebaut, abends erreicht die Kaltfront des Tiefs den
Nordwesten und überquert bis Dienstagfrüh rasch das ganze Land südostwärts. Da
ihr unmittelbar der mit hochreichend kalter und labil geschichteter maritimer
Polarluft abgefüllte Höhentrog folgt, gibt es mit Frontpassage und postfrontal
verbreitet Regen- und Graupelschauer, vereinzelt kurze Gewitter nicht
ausgeschlossen. Die Schneefallgrenze sinkt bei -3 bis -6 Grad in 850 hPa bis in
mittlere Lagen, bei kräftigeren Schauern kann es auch bis nach „ganz unten“ kurz
schneien. In den Nordweststaulagen einiger Mittelgebirge bildet sich eventuell
auch eine dünne Schneedecke.
Vorher wird es am Montag tagsüber mit 10 bis 16 Grad noch einmal recht mild,
nachts sinken die Temperaturen im höheren Bergland in den Frostbereich.

Am Dienstag überquert der Höhentrog bei weiterer Amplifizierung langsam ostwärts
und wird durch einen von Norden einlaufenden Randtrog in der Nacht zum Mittwoch
über dem Vorhersagegebiet regeneriert. Das Bodentief zieht nordostwärts Richtung
Bottnischen Meerbusen, während sich knapp westsüdwestlich der Britischen Inseln
eine eigenständige Hochdruckparzelle etabliert. Daraus resultiert eine
nordwestliche bis nördliche Grundströmung, mit der die Advektion maritimer
Polarluft auf direktem Wege vom Nordmeer her vor allem mit Passage des
Randtroges noch verstärkt. Somit bleibt es unbeständig mit weiteren Schauern,
die vor allem in der Nacht zum Mittwoch bei -4 bis -8 Grad in 850 hPa bis in
tiefe Lagen teilweise als Schnee fallen. In den Staulagen der Mittelgebirge und
nachts auch zunehmend im Alpenstau kann sich gebietsweise eine nennenswerte
Schneedecke ausbilden, in tiefen Lagen reicht es wohl nur durch Glätte durch
Schneematsch bzw. für eine dünne Schneematschdecke am Mittwochmorgen.

Am Mittwoch nistet sich der Trog über Mitteleuropa ein und tropft in der Nacht
zum Donnerstag als mit mehreren Drehzentren ausgestattetes, vom östlichen
Mitteleuropa bis nach Italien reichendes Höhentief ab.
Im Bodenfeld schiebt sich – ausgehend von der Hochdruckzone südwestlich der
Britischen Inseln – nur langsam ein Keil nach Mitteleuropa.
In der labilen Höhenkaltluft bleibt es somit im Vorhersagegebiet unbeständig mit
Regen-, Schnee- und Graupelschauern und recht kalt, erst in der Nacht zum
Donnerstag klingen die Schauer ab. Vor allem im höheren Bergland und an den
Alpen bekommt die Schneedecke noch etwas Zuwachs.
In der Nacht zum Donnerstag gibt es vielerorts Frost.

In der erweiterten Mittelfrist bleiben wir nach Lesart des IFS eher auf der
kühlen Seite. Nach Zwischenhocheinfluss am Donnerstag greift am Freitag ein
weiterer Höhentrog auf das Nordmeer und die Nordsee und damit ein Frontensystem
auf das Vorhersagegebiet über. Da die maritime Luftmasse jetzt einen weiteren
Weg über den Nordatlantik nimmt und nicht mehr direkt vom Nordmeer daherkommt,
wird es tendenziell aber etwas milder und die Schneephase beschränkt sich auf
die höheren Lagen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bereits zu Beginn der Mittelfrist ist die Konsistenz eher als mäßig einzustufen,
was aber angesichts des „KLT-Gedöns“ nicht weiter verwunderlich ist. Vor allem
der KLT, der im aktuellen Lauf von Polen her am Sonntag und in der Nacht zum
Montag den Südosten Deutschlands überquert, wird in den beiden gestrigen Läufen
progressiver und schwächer simuliert.
Die Umstellung zu Beginn kommender Woche haben auch die gestrigen Läufe beide
auf der Agenda. Nach Lesart beider Läufe befindet sich der Höhentrog am Dienstag
über dem Vorhersagegebiet und sorgt für nasskaltes, im Bergland winterliches
Wetter. Den Cut-Off-Prozess danach hat vor allem der gestrige 00 UTC-Lauf
dagegen nicht auf der Agenda, stattdessen folgt zum Donnerstag hin ein weiterer
Höhentrog von Nordwesten her. Der gestrige 12 UTC-Lauf simuliert dann dagegen an
der Nordflanke des ins Mittelmeer abgetropften Höhentiefs eher eine zyklonale
Nordostlage über dem Vorhersagegebiet.

So oder so – nach Lesart aller Läufe bleibt es bis in die erweiterte Mittelfrist
unbeständig und kühl.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Differenzen bzgl. der KLTs am Wochenende zieht sich auch durch die
vorliegenden Globalmodelle. ICON und GFS haben den KLT am Samstag auf
nördlicherer Zugbahn und etwas intensiver auf der Agenda als IFS, UK10 dagegen
den am Sonntag.
Wie auch immer – vor allem der Samstag dürfte im Süden und in der Mitte – trotz
des antizyklonalen Musters im Bodenfeld – eher bewölkt und relativ kühl
verlaufen, allerdings sollte es kaum für nennenswerte Niederschläge reichen. Am
Sonntag erhält die Sonne tendenziell wieder etwas größere Spielanteile.
Größer werden die Differenzen dann allerdings, die Wetterumstellung zu Beginn
der kommenden Woche betreffend. Den nach Mitteleuropa gerichteten Trogvorstoß
mit durchaus winterlichem Wetter im Bergland und auch der ein oder anderen
kurzen weißen Überraschung in den Niederungen hat in der Ausprägung lediglich
das IFS auf der Agenda.
ICON zeigt den Trogvorstoß eher nach Skandinavien gerichtet und „groovt“ sich so
ein wenig auf eine (ebenfalls unbeständige und windige) zyklonale Nordwestlage
ein, nach Lesart des GFS fällt die Trogpassage schwächer aus, wobei der Trog
über Südschweden abtropft, gefolgt von einem Hochkeil am Mittwoch und einem
weiteren Trog von GB her in der zweiten Wochenhälfte.
Nach Lesart dieser Modelle reicht es also höchstens für etwas Schnee im
Bergland, allerdings bleibt es im gesamten Vorhersagegebiet grundsätzlich
unbeständig und eher kühl.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt ausgangs der Kurz- bzw. eingangs der Mittelfrist (72
bis 96 Stunden) zwei Cluster, die sich beide für Mitteleuropa nicht wirklich
unterscheiden (robuste Potenzialbrücke bzw. Hochdruckzone).

Danach (120 bis 168 Stunden) werden die Differenzen dann aber deutlich größer,
um nicht zu sagen: Fundamental. Im Groben lassen sich die sechs Cluster in drei
Gruppen einordnen.
CL 1 (12 Member), CL 3 (10 Member, zzgl. Haupt- und Kontrolllauf) und CL 4 (7
Member) haben einen direkt nach Mitteleuropa gerichteten Trogvorstoß auf der
Agenda, vor allem die letzten beiden auch nachhaltig mit einem markanten
Höhenrücken über dem Ostatlantik (Großwetterlagenregime „Atlantic Ridge“) und
somit einer kalten, im Bergland winterlichen Nordwest- bis Nordströmung
hierzulande, während CL 1 den Rücken weiter westlich simuliert, den Trog
ebenfalls etwas weiter westlich ausgreifend, so dass die polare Meeresluft einen
weiteren Weg nehmen muss und nicht ganz so kalt daherkommt
(Großwetterlagenregime NAO positiv).
CL 2 (11 Member) dagegen simuliert die Trog- und Frontpassage am Dienstag
deutlich schwächer und schwenkt dann sogar Richtung West antizyklonal mit um
einiges milderer Meeresluft und einer recht robusten Hochdruckbrücke über
Süddeutschland – von Winter auch im Bergland weit und breit keine Spur.
Nach Lesart von CL 5 (7 Member) und CL 6 (4 Member) schließlich bleibt das
Blockadehoch über Osteuropa erhalten (Großwetterlage „Blocking“). Der Trog geht
als Cut-Off höchstens auf „Tuchfühlung“ mit Mitteleuropa (CL 5 am Dienstag, CL 6
am Mittwoch) und tropft dann Richtung Südeuropa ab. Beide münden in eine teils
zyklonale, teils antizyklonale Süd- bis Südostlage mit eher milden Luftmassen.

In der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) tauchen dann in Form von 6
Clustern alle möglichen Varianten auf: Von Trog über Hoch Mitteleuropa bis
Osteuropa bzw. Skandinavienblock gibt es alle möglichen Varianten; lediglich
Westlagen tauchen so gut wie keine auf. Die Tendenz zu Blockadelagen ist also
hoch.

Aufgrund der Kaltlufttropfen haben die Rauchfahnen vor allem der süddeutschen
Gitterpunkte und insbesondere am Samstag schwache Niederschlagssignale auf der
Agenda, die Mengen sind aber kaum nennenswert. Der Spread der Kurvenschar der
850 hPa-Temperaturen ist dagegen im Norden etwas größer.
Ab Dienstag gehen die Einzelmember dann insbesondere bzgl. der 850
hPa-Temperatur und des Geopotenzials deutlich auseinander. Erwartungsgemäß
bewegt sich der Hauptlauf im unteren Bereich der 850 hPa-Temperatur, ist
wahrscheinlich für einige Zeitpunkte auch der kälteste Lauf. Vor allem ab Mitte
kommender Woche reicht die Schwankungsbreite von winterlichen Werten deutlich
unter -5 Grad, ja sogar nahe -10 Grad (Hauptlauf geht bis -8/-9 Grad) bis zu
frühlingshaften +5 bis +8 Grad.

FAZIT:
Die kleineren Unsicherheiten bzgl. der KLTs bleiben noch bestehen, vor allem,
was den Samstag angeht.
Ab Dienstag kommender Woche sind dann verlässliche Aussagen kaum mehr möglich.
Zumindest vorübergehend sollte es verbreitet unbeständiger und auch etwas kühler
werden, eventuell reicht es auch für einen „Hauch“ von Berglandwinter. Der vom
Hauptlauf des IFS apostrophierte nachhaltige Wintereinbruch im Bergland (und der
ein oder anderen weißen Überraschung auch in tiefen Lagen) erscheint zu
Wochenmitte aber ebenso eher weniger wahrscheinlich wie die in Einzellösungen
angebotene frühlingshaft milde, ja fast schon warme Witterung.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Signifikante Wettererscheinungen stehen bis Montag keine auf der Agenda.

Mit der Wetterumstellung nimmt dann am Dienstag und Mittwoch die
Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen bzw. Sturmböen aus West bis Nordwest im
höheren Bergland etwas zu, auch im Nordseeumfeld sind dann – je nach Timing und
Zugbahn der Bodentiefs bzw. deren Fronten – stürmische Böen nicht
ausgeschlossen.
Vor allem nach Lesart des IFS kann es im Alpenstau ab der Nacht zum Mittwoch
markante Neuschneemengen geben. ICON simuliert bei einer deutlich höheren
Schneefallgrenze von Dienstag auf Mittwoch ebenfalls recht ergiebige
Niederschläge im Alpenstau, so dass dann Dauerregen kleinräumig nicht
ausgeschlossen wäre.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff