#SXEU31 #DWAV050800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag den 05.03.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 050800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 05.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von HM (Hoch Mitteleuropa) zu SEa (Südost antizyklonal)
Fortdauer des frühlingshaften Hochdruckwetters (JANNIS) mit herbstlichen
Untertönen (Nebel), afrikanischen Ingredienzien (Saharastaub), ungewöhnlich
hohen Tagestemperaturen, aber auch kalten, teils frostigen Nächten.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag… bleibt der seit Tagen wetterbestimmende Höhenrücken das Maß der
Dinge. Zwar wird er von zwei flankierenden Trögen – einer über dem nahen
Atlantik, der andere über dem nahen Osteuropa – etwas in die Zange genommen, so
dass er seine Wellenlänge verkürzt. Ansonsten ist die Rückenmuskulatur aber
derartig hart und austrainiert, dass ihm die Zange nichts anhaben kann. Und da
seine Meridionalachse genau über Deutschland verläuft und er in den nächsten
Tagen noch kräftiger und auch wieder breiter wird, steht einer Fortdauer des
antizyklonalen Frühlingswetters nichts im Wege. Zwar verlagert sich das
korrespondierende Bodenhoch JANNIS geringfügig nach Osten – heute Mittag reicht
es von der Ostsee über Polen bis hinunter zum Balkan bzw. der Adria -,
gleichwohl bleiben wir weiterhin ungestört. Weder die monumentale, von der
Ostgrönlandsee bis hinunter nach NW-Afrika verlaufende Tiefdruckrinne noch das
Tief über Westrussland können uns was anhaben.
Im Gegenteil, zwischen der Rinne und dem Hoch stellt sich eine zwar nicht
besonders flotte, in Teilen aber trotzdem wirksame süd-südöstliche Strömung ein
(bodennah durch Ageostrophie im Süden Ostwind). Sie beschert uns in Verbindung
mit Absinken eine leichte niedertroposphärische Erwärmung (T850 heute früh 3 bis
7°C, morgen früh 5 bis 9°C), die z.T. auch in die Grundschicht abfärbt. Gerade
dort, wo etwas Durchmischung gegeben ist, wie z.B. im Westen im Lee der dortigen
Mittelgebirge, profitiert man davon. So war bereits die letzte Nacht im Westen
eine ziemlich milde mit 5 bis 9°C, so dass der Weg in die Nähe der 20°C-Marke
gar nicht mal so weit ist. Aber auch im Osten und Süden, wo es heute Morgen noch
teilweise frostig war (im Osten lokal mäßiger Frost um -6°C) geht es gegenüber
gestern bergauf mit verbreitet 13 bis 17°C. Nur an Küstenabschnitten mit
auflandigem Wind – bei Südost am ehesten die Ostseeküste SHs sowie um Rügen und
Usedom herum – hapert es aus bekannten Gründen noch. Vom Winter noch kaltes,
teils sogar immer noch eishaltiges Meerwasser taugt in dieser Jahreszeit nun mal
nicht als Wärmequelle.
Ach ja, fast vergessen, ein Manko gilt es freilich auch noch zu erwähnen. Erneut
hat sich im Süden, schwerpunktmäßig von den Donauniederungen bis hinunter ins
Alpenvorland sowie zum Bodensee dichter Nebel gebildet, ebenso wie von
Ostwestfalen bis hinüber ins Thüringer Becken. Hier muss erstmal atmosphärische
Kärrnerarbeit geleistet werden, um die Grautöne wegzuschaffen, was im
schlechtesten Fall (obere Donau) bis in den frühen Nachmittag dauern kann.
In der Nacht zum Freitag tut sich nichts Erwähnenswertes an der Wetterlage bei
uns. Heißt verbreitet klar oder nur gering bewölkt. Gering bewölkt deswegen,
weil von der o.e. Rinne bzw. einem Tief über dem westlichen Mittelmeer einige
Cirren (plus Saharastaub) insbesondere in den Südwesten, aber auch nach
Westdeutschland driften. Nebel ist auch wieder ein Thema, allerdings nicht mehr
ganz so flächendeckend wie letzte Nacht. Die Regionen bleiben aber gleich:
Donau, vor allem obere Donau bis ins nördliche Alpenvorland respektive zum
Bodensee, dazu Nordhessen/-thüringen plus Peripherie. Dazu vornehmlich im Süden
und Osten sowie in Teilen der Mitte leichter, in Sachsen und BB punktuell
mäßiger (um -6°C) Frost. Nach Westen und Nordwesten hin, vielfach aber auch in
höheren Lagen (die Inversion ist sehr flach und scharf) bleibt es meist
frostfrei, mit 10 bis 5°C für eine Anfang-Märzen-Nacht sogar einigermaßen mild.
Freitag… weitet sich der Rücken wieder ein Stück nach Westen aus. Auf 500 hPa
etabliert sich eine abgeschlossene 568-gpdam-Isohypse, die von Norditalien über
die Alpen hinweg bis nach Benelux reicht. An der Nordflanke mogelt sich zwar ein
kleiner Sekundärtrog bis nach Norddeutschland rein, der aber bis auf einige hohe
Wolken nichts weiter zu bieten hat. Ohnehin muss man konstatieren, dass im
Vergleich zu heute öfters mal hohe Cirrusbewölkung am Himmel anzutreffen ist (am
wenigsten im Osten und Südosten) und zudem die Konzentration an Saharastaub
zunimmt. Gut möglich also, dass die Sonne, die sich auch morgen nach Auflösung
der obligaten Nebelfelder (im Einzelfall dauertŽs bis Mittag) landesweit zeigt,
in Teilen einen etwas milchig-trüben Eindruck am Himmel hinterlässt. Das könnte
auch die Temperaturentwicklung etwas hemmen, die nebenbei noch mit einem anderen
kleinen Problemchen zu kämpfen hat. Die Rinne über Westeuropa füllt sich auf, so
dass der Gradient zum quasistationären Hoch östlich von uns aufweicht und der
Ost-Südostwind an Mobilität verliert. Dadurch fallen zunehmend die
orografischen, temperaturfördernden Überströmungseffekte weg. Trotzdem bietet
die Numerik, allen voran MOS, imposante Tageshöchsttemperaturen zwischen 14 und
19, im Westen sogar von 20 oder 21°C an. Dass es an der See im Falle einer
auflandigen Windkomponente deutlich frischer bleibt, ist evident. Gut möglich
aber, dass auch sonst die apostrophierten Spitzenwerte an der ein oder anderen
Stelle nicht ganz erreicht werden. An der Tatsache eines in weiten Teilen
außergewöhnlich milden Temperaturregimes ändert das aber nichts.
Was auf alle Fälle erhalten bleibt, sind die großen Temperaturunterschiede
zwischen Tag und Nacht und – bezogen rein auf die Nacht – zwischen West und Ost.
So ist auch in der Nacht zum Samstag die Frostgefahr gerade in der Osthälfte
erhöht, auch wenn die Temperatur bedingt durch die nach wie vor sehr flach
aufliegende Inversion sowie topographische Rahmenbedingungen mitnichten überall
ins Minus abrutscht. Punktuell sind aber durchaus nochmal -5 oder -6°C drin und
besonders über trockenen Böden kann es – wie vergangene Nacht übrigens auch
schon – auf bis zu -10°C abkühlen. Je weiter man nach Westen kommt, desto
seltener tritt Luft-, wohl aber weiterhin Bodenfrost auf. Ansonsten gilt
weiterhin verbreitet gering bewölkt oder klar, im Süden und in der Mitte einige
Nebelfelder.
Samstag… verbringen wir nach wie vor unter dem inzwischen wieder breiter
aufgestellten Rücken inkl. abgeschlossener 568-gpdam-Isohypse. Derweil werden
die Bodendruckverhältnisse etwas diffus mit leichtem Hang zur Amorphie. Grund
ist das Abwandern des Kollegen JANNIS in Richtung Schwarzes Meer und fehlender
Nachschub klarer Strukturen, seien sie zyklonal oder antizyklonal. Was bleibt
ist ein nahezu gradientloser „(Trocken)Sumpf“, in dem zur Mittagszeit
voraussichtlich nur ganze drei auf Meereshöhe reduzierte Druckwerte QFF in
Deutschland anzutreffen sind: 1024, 1025 und 1026 hPa. Vor allem der Nordrand
des abgeschlossenen Höhenhochs zeigt sich anfällig für hohe und mittelhohe
Bewölkung, die mal mehr, mal weniger über den Norden und Nordwesten des
Vorhersageraums hinwegzieht. Nicht ausgeschlossen, dass zum Abend hin dann auch
tiefe Wolken oder gar Seenebel von der Nordsee die Inseln sowie die küstennahen
Landstriche erreichen. Ansonsten scheint aber wieder verbreitet die Sonne, wenn
auch wahrscheinlich z.T. mit aschfahler Gesichtsfarbe, weil Žne Menge
desert-dust, sprich Saharastaub bei uns auflaufen soll. An den frühlingshaften
Temperaturen ähnlich denen des Vortags ändert das nichts, auch wenn die von der
Numerik gerechneten Spitzen (im Westen erneut bis 21°C) nicht überall erreicht
werden.
In der Nacht zum Sonntag läuft ein kleiner Randtrog am Rande des Höhenhochs über
den Osten Deutschlands südwärts. Interessant ist, wie die Modelle darauf
reagieren. Es herrscht Verwirrung pur. Während GFS und UK10 einen nennenswerten
Impact des Troges ignorieren (trocken), simuliert IFS ein kleinräumiges
Starkregenereignis mit bis zu 40 l/m² innert weniger Stunden knapp östlich von
HH. ICON wiederum wartet in seiner Wetterinterpretation mit einigen Schauern
oder aber etwas gefrierendem Regen! zwischen Greifswalder Bodden und
Niederlausitz auf. Zu guter Letzt darf auch noch SuperHD, das – vielleicht gar
nicht so unrealistisch – vereinzelt etwas Regen oder Nieselregen zwischen
Deutscher Bucht und MV offeriert. Nun gut, warten wirŽs ab, aber 40 Liter aus
einer Luftmasse zu quetschen, die im PPW gerade mal auf 15 mm oder wenig drüber
kommt, wirkt schon extrem sportlich, um nicht zu sagen, unrealistisch sportlich.
Ansonsten bleibt nur noch festzuhalten, dass auch diese Nacht einige Nebelfelder
sowie leichten, am Boden teils mäßigen Frost insbesondere im Süden und in der
Mitte bringt.
Modellvergleich und -einschätzung
Abgesehen von den Schrulligkeiten in der Nacht zum Sonntag simulieren die
Modelle die Abläufe der nächsten Tage unisono. Abzuwarten bleibt, wie genau sich
die erhöhten Mengen an Saharastaub auswirken (Temperaturen Trübung).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann