#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 04.03.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 04.03.2026 um 10.30 UTC
Vielerorts Fortdauer des hochdruckdominanten Frühlingswetters. Kommende Woche in
der Westhälfte langsam etwas wechselhafter.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 11.03.2026
Am Wochenende hält der Hochdruckeinfluss aus der Kurzfrist noch an, fängt
allerdings schon langsam an zu bröckeln, da sich der Schwerpunkt des Höhenhochs
zunehmend nach Skandinavien und zum Baltikum verlagert. Aus einer kompakten und
stabilen Omegalage entwickelt sich somit eine schwache High over (Mini-)Low
Lage, bei der ein kleines Höhentief den Rücken im Uhrzeigersinn umläuft und sich
nach Norddeutschland verlagert. Wenn man so will, fungiert es am Sonntag als
schwacher Kaltlufttropfen, kann aber mit der bodennah aus Osten einfließenden
trockenen Kontinentalluft kaum vielversprechend interagieren, womit außer ein
paar mittelhohen Wolkenfeldern nicht allzu viel davon übrig bleibt. Teils zähe
Nebelfelder gibt es vor allem noch an Donau und Nebenflüssen sowie in
Küstennähe. Die Tagesgänge sind nach wie vor groß mit nächtlichem lokalem Frost
vor allem in der Südosthälfte sowie 15 bis 20°C in den Nachmittagsstunden,
entlang des Rheins lokal knapp darüber.
In der neuen Woche scheint sich die festgefahrene Wetterlage dann doch
sukzessive hin zu wechselhafterem Wetter umzustellen. Anfangs ist zwar noch ein
Cut-Off über der westlichen Biskaya vorhanden, dessen Warmluftreserven auf der
Vorderseite sind aber ziemlich aufgezerrt und zudem tropft dieser weiter
südwärts ab. So findet kaum noch nennenswerte WLA statt, die den Rücken
stabilisieren würde.
Im Gegenteil: Er wird im Gegenzug durch kräftige KLA, die von Ostgrönland
Richtung Nordkap ausgreift aus Norden eher abgeflacht und ostwärts abgedrängt.
So etabliert sich unterm Strich in der neuen Woche immer mehr eine zyklonale
Südwestströmung in der Höhe mit eingelagerten Randtrögen. Nennenswerte
organisierte Strukturen oder gar Fronten bleiben aber zunächst noch weitgehend
außen vor, weshalb die Umstellung sehr zögernd vorangeht mit ersten zaghaften
Schauern und vielleicht sogar kurzen Gewittern, die allmählich von Westen
übergreifen. Flächendeckende Niederschläge bringen die bei weitem noch nicht.
Das Temperaturniveau ändert sich insgesamt kaum, durch die zögernde Anfeuchtung
aus Westen nimmt die Frostgefahr aber alles in allem etwas ab, mit Übergang in
die erweiterte Mittelfrist möglicherweise auch im äußersten Osten und Südosten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistent des IFS ist insgesamt positiv zu bewerten. Kleinere Unschärfen
beim Höhentief am Sonntag spielen nur eine untergeordnete Rolle, da sich die
Wetteraktivität ohnehin in Grenzen hält.
Tempo und Konfiguration der Umstellung der Wetterlage in der kommenden Woche
sind noch mit größeren Unsicherheiten verbunden. Der generelle Trend dazu setzt
sich aber laufübergreifend fort. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass
frontale Geschehnisse und nennenswerte Niederschläge auch in der Osthälfte
frühestens in der erweiterten Mittelfrist sprich in der 2. Hälfte der kommenden
Woche ein Thema sind.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Grundidee und der entsprechend geschilderte Wetterablauf sind allesamt
ähnlich. Leicht unterschiedlich simulierte (konvektive)
Niederschlagsschwerpunkte in der kommenden Woche sind handelsüblich –
fokussieren sich dennoch modellübergreifend eher auf die Westhälfte.
Interessant ist die unterschiedliche Intensität und Verlagerung des Cut-Offs von
der Biskaya Richtung Iberische Halbinsel. Gerade wenn man UK10 einmal
weiterspinnt, könnte sich durchaus auch die Option bieten, dass die sich
regenerierende Frontalzone über dem Atlantik südwärts in den vorgefertigten Trog
hinein ausbricht und sich somit der Rücken über Mitteleuropa doch nach kurzer
Schwächephase wieder stabilisieren könnte. Entsprechend steht die Umstellung an
sich und erst recht deren Ausprägungsgrad noch auf sehr wackligen Füßen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Ein schlapper Kaltfrontstreifschuss öffnet den Spread in den Temperaturkurven
über Norddeutschland am Sonntag ein wenig. Sonst sind die Rauchfahnen der
Temperatur in 850 hPa eng gebündelt mit einem leichten Abwärtstrend in der
kommenden Woche von etwa +7 auf +4°C im Deutschlandmittel.
Gleiches gilt für die Geopotentialverteilungen. Ein wirklicher Absturz in
Sphären der Polarfront (525 gpdm) ist selbst ganz im Westen bis zum Ende der
erweiterten Mittelfrist nicht zu erkennen – eher ein kontinuierlicher leichter
Rückgang von 570 gen 550 gpdm.
Gleichzeitig nehmen die Niederschlagssignale vor allem in der Westhälfte in der
kommenden Woche etwas zu. Wie bei konvektiven Lagen üblich bewegen sich die
Raten im EPS aber meist im deutlich einstelligen Bereich binnen 24h, meist sogar
bei nur 1-2 mm.
CLUSTER:
Im Zeitraum +96h-120h (Mo-Mi) sind sämtliche 3 Cluster noch dem Blockingregime
zugeordnet, das zumindest in der Osthälfte Deutschlands weiterhin bestimmend
bleibt. Der Westen gerät derweil immer mehr auf die Vorderseite des Cut-Offs
über der Biskaya respektive der Iberischen Halbinsel in ein schwach zyklonales
Umfeld.
Im Folgezeitraum ist es ein Wechselspiel der 2 Cluster zwischen Süd antizyklonal
und Südwest zyklonal. Dabei wird ersichtlich, dass die Osthälfte stark
hochdruckdominiert bleibt. Auch wieviel letztlich im Westen ankommt, bleibt
abzuwarten. Die Mehrheit des zyklonaleren Clusters 1 ist mit 27 (inklusive HL)
zu 24 Membern marginal.
FAZIT:
Ja, der Hochdruckeinfluss bröckelt. Ja, es wird schrittweise aus Westen etwas
wechselhafter. Aber wirklich nur in homöopathischer Dosis. Inwiefern
flächendeckende Niederschläge übergreifen und dann auch die Osthälfte erreichen,
bleibt äußerst fraglich und ist frühestens in der erweiterten Mittelfrist ein
Thema. Bei den Temperaturen tut sich wenig.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
FROST:
Solange kein Luftmassenwechsel stattfindet und die Nächte klar bleiben, ist
zumindest in der Südosthälfte gebietsweise mit weiteren leichten Nachtfrösten zu
rechnen.
GEWITTER:
Zutaten und Vorhersagetemps sind prinzipiell in der kommenden Woche über der
Westhälfte gewittererlaubend. Die große Nummer wird das aber voraussichtlich
nicht, meist unterhalb markanter Schwellen und damit in der Kategorie gelb.
Wenn’s dumm läuft, gibt’s an einer stehenden Zelle über dem Bergland mal an die
15 mm/h und eine stürmische Böe (Bft 8).
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen