#SXEU31 #DWAV300800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag den 30.01.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 300800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 30.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEa (Südost antizyklonal)
Andauer der Pattsituation mit Fennoskandienhoch DANIEL und zahlreichen
zyklonalen „Damen“ auf dem Atlantik und dem Mittelmeer (NORMA, OPIKA, PATRICIA +
Ableger) – im Nordosten kalt und am Wochenende noch kälter, im Südwesten mild
und am Wochenende noch milder. Dazu vor allem im Westen und Südwesten mitunter
schwache Niederschläge jedweder Couleur.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag… Manchmal muss man mit einem 1:1 zufrieden sein – diese Erkenntnis aus
dem Sport lässt sich, 1:1 sozusagen, auch auf die derzeit stattfindende
Challenge in der Atmosphäre projizieren. Zumindest wenn man sich auf unseren
Raum bezieht – und um den geht es in der Regel ja in diesem Bulletin – sind die
Kräfteverhältnisse aktuell grob gesprochen gleichverteilt. Auf der einen Seite
will uns jemand permanent mit kontinental geprägter Kaltluft versorgen, auf der
anderen Seite steht eine „Wärmepumpe“, deren Interesse – nomen est omen – darin
liegt, milde, überwiegend maritim geprägte Luftmassen im Vorhersageraum
unterzubringen. Beide Systeme, ich gehe gleich genauer drauf ein, um wen und was
es sich eigentlich handelt, können Teilerfolge bei uns verbuchen, also
Unentschieden, womit sich der kleine Kreis schließt.
Fangen wir mit dem kalten Part an, einem mit knapp unter 1030 hPa im Zentrum gar
nicht mal so wuchtigen, sich am Wochenende aber verstärkenden Hoch über
Fennoskandien, das den Namen DANIEL trägt. In seinem Westteil wird DANIEL von
einem Höhenrücken gestützt, während er nach Osten hin rein thermischer Natur
(fette Kaltluft) ist. Wie das so ist zu dieser Jahreszeit bei einer solchen
Konstellation, zapft das Hoch kalte Luft sibirischer Herkunft an, die bei uns,
genau genommen im Norden und Osten des Landes (immer schön das Unentschieden im
Hinterkopf behalten) modifiziert, weil erwärmt ankommen. Z.T. streicht die Luft
über die Ostsee, dann sind Teile Polens (Westen/Süden) schneearm bis schneefrei,
alles Mitgründe, warum die Temperatur bei Ankunft nichts mehr mit den sehr
kalten Ausgangswerten zu tun hat. Aber immerhin, für unsere Verhältnisse ist die
Luftmasse einigermaßen kalt und hat durch die Ostkomponente nix mit atlantischen
Einflüssen zu tun.
Das sieht Richtung Westen und Süden bzw. Südwesten ganz anders aus. Dort
zeichnet OPIKA für das Wettergeschehen verantwortlich, von Beruf Tiefdruckgebiet
und „Wärmepumpe“, Kerndruck unter 975 hPa, Standort Seegebiet knapp westlich von
Irland. Korrespondierend befindet sich über OPIKA ein breiter Potenzialtrog mit
integriertem Höhentief, von dem aus sich ein stark negativ geneigter Randtrog
über Benelux bis hinüber zum Balkan erstreckt. Dabei kommt es bei uns, ausgelöst
durch kleine Randtröge und/oder schwache WLA, manchmal ergänzt durch
abgeschwächte Fronten, immer mal wieder zu Hebungsimpulsen, die sich in
Niederschlägen überwiegend schwacher Intensität widerspiegeln. Darüber hinaus
versucht OPIKA – standesgemäß möchte man hinzufügen – auf ihrer Vorderseite
milde Luftmassen bei uns zu platzieren, was ihr wie gesagt im Westen und
Südwesten, bedingt auch im Süden durchaus erfolgreich gelingt.
Kommen wir zu den Details, wo es trotz blockierender Wirkung vom kalten DANIEL
tatsächlich ein Schneefallgebiet bis in den Norden und Osten geschafft hat. Es
handelt sich um die spärlichen Reste des gestern weiter südlich aktiven, bei der
Akkumulation aber nicht überall erfolgreichen Schneefalls. Die Intensität ist
eher gering, dafür lässt sich eine gewisse Ausdauer attestieren. Kurzum, in
einem relativ schmalen Korridor, der von SH (später nur noch Ost-SH) bis
hinunter zur Oberlausitz reicht, kann es heute immer mal wieder leicht flöckeln,
Tendenz am Nachmittag und Abend bei leichter Nordostverlagerung weiter
nachlassend, aber nicht gänzlich versiegend. Die Neuschneemengen sind gering,
z.T. nicht wirklich messbar, trotzdem kann es bei Temperaturen nahe am
Gefrierpunkt respektive leichtem Dauerfrost glatt werden. Wenn wir schon mal im
Norden sind, sei auf den supergeostrophisch verstärkten Ost-Südostwind am Rande
des Hochs hingewiesen, der vor allem an der See sowie im küstennahen Binnenland
zügig und böig unterwegs ist. Vornehmlich, aber nicht ausschließlich sind es die
Küstenabschnitte mit auflandiger Windkomponente, die in den „Genuss“ von steifen
Böen 7 Bft, exponiert sogar stürmischen Böen 8 Bft kommen.
Weg vom Norden und Osten in die Südwesthälfte, wo niederschlagstechnisch aktuell
Ruhe eingekehrt ist. Das bleibt aber nicht so, da im Tagesverlauf die Okklusion
der Kollegin OPIKA nebst kleinem Randtrog von Frankreich her übergreift.
Beginnend in Südbaden kommt es bis zum Abend zwischen der Eifelregion und
Oberschwaben zu leichten Niederschlägen, die in tiefen Lagen überwiegend als
Regen fallen, unkritisch, weil positive Luft- und Belagstemperaturen. Oberhalb
600 bis 900 m fällt etwas Schnee, nur wenige Zentimeter wenn überhaupt, im
höheren Südschwarzwald vielleicht bis zu 5 cm. Ansonsten gilt es zu
konstatieren, dass gerade in NRW im Lee der westlichen Mittelgebirge zeitweise
die Sonne scheint, was auch für den Alpenrand und die Topps im Bayerischen Wald
gilt. Dafür bleibt es in den Niederungen häufig bedeckt oder auch neblig trüb
(in der Nacht hat sich gerade im Süden ganz schön viel Nebel gebildet).
Wahrscheinlich, dass sich im Süden gebietsweise Dauerfrost hält, so dass die
Gefahr von gefrierender Nässe oder sogar gefrierendem Nieselregen (wenn nämlich
leichte Hebung einsetzt) auch tagsüber nicht negiert werden kann. Häufig geht
die Temperatur in der SW-Hälfte aber hoch auf Werte zwischen +1 und +7°C,
während in der NO-Hälfte -3 bis +1°C auf der Karte stehen.
In der Nacht zum Samstag kommen die Niederschläge aus dem SW noch etwas bis zur
Mitte voran, schwächen sich dabei aber deutlich ab. Der Nachschub lässt sich
aber nicht lange bitten, weil bereits der nächste okkludierte Ausläufer bei uns
auf- und das erste System quasi einholt. Absender ist ein kleines
Rand-/Tochtertief (PATRICIA) der sich zunehmend auffüllenden OPIKA, das von
SW-England in die Irische See zieht. Es lohnt sich halt, frühzeitig für
Nachwuchs zu sorgen, wenn man den Familienstammbaum fortsetzen möchte. Das aber
nur am Rande. Neues System, neue Niederschläge, die grob ab Mitternacht die
Grenze zu Frankreich und BeLux überqueren und bis zum Morgen etwa die Gebiete
zwischen Nieder- und Hochrhein erfassen. Bei 850-hPa-Temperaturen handelt es
sich überwiegend um Regen, nur lokal in höheren Lagen etwas Schnee. In tiefen
Lage sollte der Regen in Bezug auf Glätte/Glatteis unkritisch sein. Aufgepasst
heißt es im zentralen Mittelgebirgsraum sowie in Teilen Süddeutschlands, wo noch
Frost vorhanden ist bzw. es zuvor wieder abgekühlt hat. Teilweise sind es die
Reste der ersten Okklusion, teilweise gehobener Nebel/Hochnebel, die
stellenweise gefrierenden Nieselregen, nach Betrachtung der Prognosetemps
zumindest theoretisch kein oder kaum Schneegriesel zustande bringen. Es
empfiehlt sich, prophylaktisch mit einer breit aufgestellten gelben
Basis-Glättewarnung zu hantieren, auf die bei Bedarf und genauer Kenntnis der
regionalen Verteilung eine markante Glättewarnung draufgesetzt wird. Vereinzelt
bildet oder verdichtet sich vorhandener Nebel mit Sichtweiten unter 150 m.
Darüber hinaus sei noch erwähnt, dass es zwischen Ostholstein/Mecklenburg und
Niederlausitz hin und wieder noch leicht flöckeln kann, allerdings ohne
nennenswerte Neuschneeakkumulation, wohl aber mit Glätte. Zumal die Nacht wie in
vielen anderen Gebieten auch Frost bringt, im Osten und Süden (Alpenrand teils
klar) stellenweise sogar mäßig bis etwa -7°C. Frostfrei bleibt es im Westen und
Südwesten am und um den Rhein herum sowie westlich davon.
Samstag… ändert sich an der großräumigen Konstellation herzlich wenig, sieht
man mal davon ab, dass schon in der Nacht über dem Löwengolf beginnend eine
Zyklogenese in Gang gesetzt wird. Das resultierende Tief zieht rasch ostwärts,
erreicht am Mittag Sardinien, um von dort das Ionische Meer anzusteuern.
Angesichts dieser Zugbahn wird schnell deutlich, dass wir mit diesem Tief nur
wenig am Hut haben. Bei uns bleibt es bei der Pattsituation Nordost vs. Südwest,
DANIEL vs. Familie OPIKA/PATRICIA. Die Mutter hat zwar schwer zu kämpfen, ihre
Akkreditierung auf den Wetterkarten zu behalten. Weitere Spießgesellinnen stehen
weiter draußen auf dem Atlantik aber schon parat, um die Nachfolge anzutreten.
Und ob man es glaubt oder nicht, trotz der schwächelnden Tiefs verschärft sich
der Temperaturgradient in Deutschland weiter. Mit den Okklusionen wurde nämlich
ein Schwall noch milderer Meeresluft in den Südwesten bugsiert, während
gleichzeitig der kalte DANIEL auch noch etwas draufsattelt. Satte 15 Kelvin
Unterschied könnte es am Ende werden zwischen -5°C Höchstwert an der Oder und
bis zu 10°C plus am Rhein und westlich davon.
Und was geht beim Wetter? – Dort verlagern sich die Niederschläge aus dem
Südwesten und Westen unter Abschwächung allmählich nordwärts Richtung
Ostwestfalen, westliches NDS und schlussendlich zur Nordsee, wo voraussichtlich
aber nicht mehr allzu viel ankommt. Als diffizil entpuppt sich nach wie vor die
Phasenbestimmung. Es zeichnet sich aber ab, dass Regen überwiegt, anfangs z.T.
noch gefrierend, bevor mit Tagesgang Entspannung einsetzt. Bei T850 von 0°C oder
geringfügig darunter kann auch Schnee im höheren Bergland (isotherme Schichtung)
nicht ganz ausgeschlossen werden, viel wird es aber nicht werden. Ob dann am
Abend im Emsland und bei den Ostfriesen noch ein paar Flocken ankommen, wie u.a.
von ICON avisiert, hängt von vielen Faktoren ab (u.a. Intensität, thermische
Vorgeschichte), was hier aufgrund der Geringfügigkeit aber nicht vertieft werden
soll. Tatsache ist, dass an den Alpen die Sonne scheint, während sich sonst
Auflockerungen am ehesten in einigen Leelagen der Mittelgebirge die Ehre geben.
An der See weht weiterhin ein flotter und böiger „Ost-Südost“ mit Spitzen 7-8
Bft.
In der Nacht zum Sonntag kommt es im Norden an der inzwischen doch stark
ausgelaugten Okklusion stellenweise noch zu leichten Niederschlägen, die nun
aber weitestgehend als Schnee fallen. Viel wirdŽs nicht sein, lokal vielleicht
1-2 cm, meist wahrscheinlich weniger. Etwas Regen oder Schnee (Bergland) könnte
auch im äußersten Westen aufschlagen, wo ein neuerlicher KW-Trog etwas Hebung
generiert. Ansonsten bleibt es abgesehen von vereinzeltem Nieselregen oder
Schneegriesel aus gesättigter Grundschicht zwar niederschlagsfrei, aber auch
überwiegend bedeckt. Dort, wo sich doch mal eine Lücke auftut, bildet sich z.T.
dichter Strahlungsnebel. Zudem können sich Nebelreste vom Tag wieder verdichten.
Nicht der Fall sein wird das im äußersten Nordosten, wo von Polen her trockenere
Luft advehiert wird. Die zunehmenden Auflockerungen, die damit einhergehen und
den meisten Menschen in ihrem Schlaf des Gerechten wenig bis nichts nützen,
erkauft man sich mit mäßigem, punktuell (Odernähe) vielleicht sogar strengem
Frost. Auch sonst ist leichter, im Osten häufig, im Süden örtlich mäßiger Frost
wieder ein Thema, gefrierende Nässe inklusive. Außen vor bleiben die tiefen
Lagen West- und Südwestdeutschlands, wo nach wie vor ein Plus vor den
nächtlichen Minima steht. Der frische Ost-Südostwind an der Küste mit Böen 7,
exponiert 8 Bft ist und bleibt eine verlässliche Konstante.
Sonntag… gibt es nicht viel Neues zu berichten. Hoch DANIEL meldet
Besitzansprüche an, die er durch Auskeilen in Richtung Südnorwegen sowie
Rumänien/Bulgarien zum Ausdruck bringt. Derweil herrscht über dem Atlantik (weit
draußen stärker als im nahen Bereich) weiterhin eine ausgeprägte
Tiefdrucktätigkeit. Das Mittelmeertief – so viel zur Chronistenpflicht – zieht
weiter gen Griechenland und Türkei. Bei uns ist die Sonntagsgeschichte rasch
erzählt: Nordosten kalt (Höchstwert trotz sonniger Abschnitte nur noch -8 bis
-5°C!), West-Südwesten mild mit 6 bis 10°C, dazwischen ein breiter
Übergangsstreifen mit von N-NO nach S-SW -5 bis +5°C. Dazu im Westen
gelegentlich geringfügiger Niederschlag (alle Phasen denkbar), sonst häufig
bedeckt oder trüb. Sonne neben dem äußersten Nordosten am ehesten in Leelagen
der Mittelgebirge sowie mit Garantie an den Alpen inkl. des höheren Vorlands.
Naja, und der Wind an der Küste, ihr wisst schon, nosig (no significant change).
Erwähnenswert in der Nacht zum Montag ist die Frostverschärfung im Nordosten, wo
die -10°C-Isotherme (strenger Frost) bis etwa nach Mecklenburg, der Altmark und
der Niederlausitz vorankommt. Nordöstlich davon kühlt es z.T. auf -12 oder
-13°C ab. Frostfrei dagegen weiterhin die Niederungen und Flusstäler West- und
Südwestdeutschlands. Unentschieden halt…
Modellvergleich und -einschätzung
Die beschriebene Entwicklung als solche ist unstrittig. Dass jedes Modell die
Randtröge nebst resultierender Schwachniederschläge geringfügig anders
positioniert, ist handelsüblich. Auch die Phase der Niederschläge ist noch nicht
bis zum Letzen durchdekliniert. Hier bleibt noch eine gewisse Restunsicherheit,
die z.T. erst sehr kurzfristig gelöst werden kann.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann