#SXEU31 #DWAV280800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch den 28.01.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 280800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SE z (Südost zyklonal)
Kontinentale Kaltluft aus Nordosten gegen milde Meeresluft aus Südwesten: Im
Übergangsbereich problematischer Phasenmischmasch (teils Regen, teils
gefrierend, teils Schnee).
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch… sowie über die gesamte Kurzfrist hinweg nimmt Deutschland eine
weiterhin aus warntechnischer Sicht eher undankbare Position zwischen den
Stühlen ein. Auf der einen Seite das sich weiter kräftigende blockierende Hoch
mit Schwerpunkt über Nord- und Nordosteuropa, das mit östlicher Strömung
zunehmend kalte Festlandsluft in den Nordosten führt. Dem gegenüber steht ein
sich immer wieder regenerierender, hochreichender Tiefdruckkomplex über dem
nahen Nordostatlantik und Westeuropa, das mit milderer Meeresluft aus Südwesten
dagegenhält. Die leicht mäandrierende Frontalzone ist weit nach Süden verschoben
und reicht vom mittleren Nordatlantik über Südwesteuropa bis zum Mittelmeerraum.
Tiefausläufer erreichen Deutschland folglich in meist okkludierter,
abgeschwächter Form.
Ein solches, (teil-)okkludiertes Frontensystem hat uns bereits Dienstagabend
erreicht. Das frontale Niederschlagsband liegt heute Morgen über der Westhälfte,
mit einem kleinen „Warmfront-Wurmfortsatz“ in Richtung östliche Mitte. Es kommt
durch die Blockadewirkung des Hochs nicht weiter nach Nordosten voran bzw. wird
durch ein Tief südlich der Alpen zurückgehalten.
Am Nordostrand fällt bei niedertroposphärisch isothermer Schichtung knapp unter
0°C mittlerweile durchweg Schnee bis in tiefe Lagen. Zwar lässt die
Niederschlagsintensität nach, dennoch dürften im Streifen vom Emsland über
Ostwestfalen, Nordhessen und Südniedersachsen bis nach Thüringen und ins
Vogtland tagsüber noch 1-5 cm Neuschnee fallen, lokal darüber.
Weiter südwestlich macht sich dagegen noch der Warmlufteinschub bemerkbar,
sodass Schnee zunächst nur oberhalb von 600-800 m fällt (Schwarzwald z. B.). Mit
von Süden verstärkt aufkommender Hebung, die teils durch PVA vor einem flachen
Potenzialtrog, teils durch WLA an der Nordflanke des Mittelmeertiefs generiert
wird, sinkt die Schneefallgrenze in der zweiten Tageshälfte mit wieder
zunehmender Niederschlagsneigung und -intensität wieder ab. Das betrifft vor
allem Teile Baden-Württembergs bzw. Bayrisch Schwabens sowie das westliche
Alpenvorland, wo am Abend mitunter wieder bis in tiefere Lagen Schnee möglich
ist. Die Mengen halten sich mit 1-5, lokal bis 7 cm aber auch dort (noch) in
Grenzen.
Im Übergangsbereich der Phasen vom Nordwesten bis zur Mitte sowie anfangs in
Teilen Süddeutschlands besteht noch Glatteisgefahr. Mit dem hebungs- und
niederschlagsbedingten Abbau der Warmluft sowie zunehmender Schneephase nimmt
diese Gefahr aber immer mehr ab. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass über den
Tag hinweg weitere, kleinräumige markante Warnungen fällig werden.
Im Norden und Osten bleibt es größtenteils trocken. Wenn der dort befindliche,
oft dichte Stratus gehoben wird, sei es durch die Orographie, durch schwache
synoptische Hebung oder durch flache, eingebettete Konvektion im Küstenumfeld,
kann daraus aber örtlich leichter Niederschlag fallen. Da die Sättigung nur
gerade so bis knapp -10 °C reicht, kann neben Schneegriesel auch Sprühregen
fallen, der bei gebietsweise leichtem Dauerfrost gefrieren kann. Das sollte aber
die Ausnahme bleiben.
Wäre zu guter letzte noch der Wind zu erwähnen, der im Norden supergeostrophisch
verstärkt und teils frisch aus Ost weht. Bei auflandigem Wind kommt es an der
See zu steifen, exponiert stürmischen Böen. An den Alpen herrscht noch eine
leichte Föhnneigung mit Sturmböen auf den exponierten Gipfeln, diese geht aber
durch den Druckfall auf der Alpensüdseite zunehmend in die Knie.
In der Nacht zum Donnerstag verstärkten sich die Hebungsprozesse von Süden her
noch etwas sodass sich die Niederschläge über der Südwesthälfte weiter ausweiten
(etwa bis zu einer Linie Emsland-Vogtland) und gebietsweise noch leicht an
Intensität gewinnen. Durch weitere niedertroposphärische Abkühlung fällt
zunehmend Schnee bis „ganz runter“, nur in tiefen Lagen entlang und westlich des
Rheins bleibt es bei der flüssigen Phase, was dort bei positiven Luft- und
Belagstemperaturen aber meist unkritisch sein dürfte. Die Neuschneemengen liegen
meist bei 1-5 cm, bevorzugt im Südwesten (etwa vom Schwarzwald über die
Schwäbische und Westfränkische Alb bis zum Allgäu) auch bei 5-10 cm, lokal
darüber.
Im Norden und Osten ändert sich im Vergleich zum Tag nicht viel, aus tiefer
Bewölkung kann weiterhin vereinzelt Schneegriesel oder gefrierender Sprühregen
fallen. Durch die Kleinräumigkeit und die geringen Mengen dürften gelbe
Glättewarnungen aber zumindest prophylaktisch ausreichen. Im Küstenumfeld deuten
die hochauflösenden Modelle dagegen zunehmend strömungsparallele Schauerstraßen
an. Die Intensitäten sind mangels hochreichender Labilität zwar gering, dennoch
könnten sich durch die Andauer regional eine dünne Neuschneedecke ausbilden.
Zudem weht der Ostwind in Böen weiterhin stark bis steif, mit exponierten
stürmischen Böen.
Donnerstag… zieht das Tief über dem zentralen Mittelmeerraum zwar zum Balkan
ab, die Südwesthälfte Deutschlands verbleibt aber im Wirkungsbereich eines
schmalen Potenzialtroges. Dieser stützt weite Niederschläge, die im Tagesverlauf
von Südwesten und Westen nur langsam nachlassen. Bei sich kaum ändernden
Temperaturverhältnissen fällt in den Niederungen im Westen und Südwesten
weiterhin Regen, sonst durchweg Schnee. Die Neuschnee-Akkumulation tut sich bei
verbreitet leichten Plusgraden allerdings schwer, aber gerade über der Mitte
sowie generell in den Mittelgebirgen dürften nochmal 1-5 cm Neuschnee zustande
kommen.
In der Nordosthälfte bleibt es überwiegend trocken, aber trüb, nur vereinzelt
fällt Schneegriesel. Die Schauerstraßen werden durch die leicht auf Ost-Südost
drehende Grundströmung langsam nach Norden herausgedrückt. Apropos Wind: der
bleibt an exponierten Küstenabschnitten in Böen steif bis stürmisch. Durch
anhaltend leichte Kaltluftadvektion geht das Temperaturniveau zurück, sodass
verbreitet Dauerfrost zu erwarten ist.
In der Nacht zum Freitag verlagern sich die leichten Schneefälle bis in die
nördliche Mitte und lassen weiter nach, klingen – gestützt durch den
Potenzialtrog über Südwestdeutschland – aber nicht gänzlich ab. Die
Neuschneemengen liegen durchweg unter 5 cm.
Im Süden und Westen lockert die Bewölkung stellenweise auf, gebietsweise bildet
sich aber dichter Nebel, im Norden und Nordosten bleibt die tiefhängende
Wolkendecke zumeist dicht. Bei fast flächendeckendem leichtem, im Nordosten
sowie im Bergland auch mäßigem Frost kann es neben Schneeglätte auch örtlich
Glätte durch gefrierende Feuchte bzw. Nebelnässe geben.
Freitag… wird der Potenzialtrog über Deutschland langsam zugeschüttet und
verlagert sich unter Konturverlust nordwärts. Letzter Schneefall zieht folglich
unter weiterer Abschwächung in den Norden, ansonsten kann sich vorübergehend so
etwas wie Zwischenhocheinfluss durchsetzen und es bleibt meist
niederschlagsfrei. Größere Auflockerungen gibt es am ehesten an den Alpen sowie
am Nordwestrand der westlichen Mittelgebirge.
Nachmittags und abends erreicht uns von Südwesten aber schon der nächste
kurzwellige Trog mit bereits abgeschwächtem, okkludiertem Frontensystem. Dabei
setzt westlich des Rheins sowie zwischen Oberrhein und Bodensee leichter
Niederschlag ein. Dieser dürfte bei niedertroposphärisch meist positiven
Temperaturen als Regen fallen. Die gefrierende Phase spielt im Hinblick auf die
in den betroffenen Regionen auch am Boden verbreitet positiven Temperaturen
wahrscheinlich (noch) keine große Rolle, wenngleich örtliches Glatteis gerade in
geschützten Muldenlagen des Berglands nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Ob
die Hebung ausreicht, um auch weiter östlich gefrierenden Sprühregen oder
Schneegriesel aus dem Stratus zu „pressen“, bleibt noch abzuwarten.
In der Nacht zum Samstag holt ein weiterer Kurzwellentrog nebst Okklusion den
davorliegenden ein. Die Niederschläge intensivieren sich etwas und erreichen im
Verlauf die Mitte des Landes. Dabei nimmt die Gefahr vor gefrierendem Regen in
der Frostluft selbstredend deutlich zu, aber auch die Schneephase kommt ins
Spiel. Dies ist zugegebenermaßen aber die recht progressive ICON-Variante, bei
der man auch wieder über Unwetter nachdenken müsste. GFS, IFS und UK10 belassen
es bei schwachen Niederschlägen im Westen und Südwesten, was die Glatteisgefahr
natürlich deutlich mindern würde.
Modellvergleich und -einschätzung
Mal von den üblichen Unschärfen in der exakten Niederschlagsprognose (inkl.
Phase) abgesehen, sind die Modellergebnisse recht konsistent. Erst am Freitag
ergeben sich mit dem Übergreifen weiterer Tiefausläufer von Westen größere
Unterschiede, die bezüglich der Glatteisgefahr auch größere Prognose- und
Warnrelevanz haben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm