#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 21.01.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 21.01.2026 um 10.30 UTC
Meist leicht wechselhaft. Im Westen anfangs mild, sonst mäßig kalt bis kalt.
Nächte frostig. Küsten anfangs stürmischer Ostwind.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 28.01.2026
Zu Beginn der Mittelfrist befindet sich Deutschland zwischen den Einflusssphären
einer blockierenden Antizyklone über dem Europäischen Nordmeer und eines von
Westen heranrückenden Troges, der in der Folge nach Italien abtropft. An dieser
großräumigen Konstellation ändert sich im weiteren Verlauf der Mittelfrist nur
wenig.
Am Samstag erfasst eine schwache Front den Westen Deutschlands. Diese geht mit
leichten, zeitweise variablen Niederschlägen einher, die sich unter allmählicher
Abschwächung nordwärts ausbreiten, wobei im Norden überwiegend Schnee fällt. Auf
dem Weg nach Osten gerät die Front zunehmend unter Hochdruckeinfluss; zudem
setzt über dem westlichen Mittelmeerraum eine Austrogung ein. Im Osten bleibt es
in kalter Kontinentalluft bei leichtem Dauerfrost. Lediglich an der Ostsee sind
durch Lake-Effekt einzelne Schneeschauer möglich. Im Südwesten und Westen werden
Höchstwerte zwischen 3 und 6 Grad erreicht. An den Küsten weht ein kräftiger bis
stürmischer Ost- bis Südostwind.
Am Sonntag liegt Deutschland zwar noch im Einflussbereich des Troges, dieser ist
jedoch kaum wetterwirksam, da der Abtropfprozess über Italien erfolgt.
Entsprechend verläuft das Wetter meist ruhig. An der Ostsee können weiterhin
einzelne Schneeschauer auftreten. Ab dem Abend und vor allem in der Nacht zum
Montag sind durch das Italientief über Südostdeutschland Aufgleitniederschläge
möglich, meist in Form von Schnee. Dabei sind Neuschneemengen von 5 bis 10 cm
durchaus denkbar. Diese Entwicklung ist jedoch mit großer Unsicherheit behaftet
und wird von den Modellen unterschiedlich simuliert.
Am Montag greifen die Aufgleitschneefälle auf die gesamte Südosthälfte
Deutschlands über, da sich das Höhentief etwas annähert, während das Bodenhoch
mit seinem Kern zwischen Ungarn und Rumänien verbleibt. Der übrige Teil
Deutschlands steht unter Hochdruckeinfluss. Dabei setzt sich auch im Westen eine
Abkühlung durch.
Am Dienstag verliert das Tief zunehmend an Einfluss auf das Wetter in
Deutschland. Eine Potenzialbrücke sorgt weiterhin für ruhige und meist trockene
Wetterverhältnisse.
Erst am Mittwoch nähert sich von Westen ein neuer Trog. Auch dieser zeigt jedoch
die Tendenz, nach Süden in den Mittelmeerraum abzutropfen, anstatt nach Osten
durchzuschwenken. Entsprechend verlieren die Fronten auf dem Weg nach
Deutschland an Wetterwirksamkeit. Lediglich der Westen profitiert zeitweise von
etwas Niederschlag, ansonsten bleibt es überwiegend trocken. Dabei bleibt es im
Osten bei östlicher bis südöstlicher Strömung kalt, während im Westen wiederholt
mildere Luftmassen einfließen.
Der Donnerstag stellt erneut einen Zwischentag dar, bevor am Freitag der nächste
Vorstoß von Westen erfolgt. Ob sich dieser wetterwirksam durchsetzen kann, ist –
ähnlich wie zuvor – unsicher. Insgesamt bleibt es im Osten kalt, im Westen mäßig
kalt. Nennenswerte Niederschläge werden abgesehen von den möglichen
Aufgleitschneefällen am Montag kaum erwartet.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zunächst ist die Konsistenz des IFS als gut, ab Sonntag als moderat einzustufen.
Die großräumigen Druckgebilde werden hinsichtlich ihrer Entwicklung, Lage und
Intensität relativ homogen dargestellt. Allerdings nimmt die Streuung zum Ende
des Wochenendes bei schwachen Druck- und Geopotenzialgradienten über
Mitteleuropa zu. Zwar zeigt sich über Westeuropa eine ausgeprägte
Tiefdruckaktivität, diese Systeme werden jedoch überwiegend in den
Mittelmeerraum abgelenkt und erreichen Deutschland nur in abgeschwächter Form.
Zudem deutet sich eine potenzielle Luftmassengrenze über Deutschland an: Von
Westen her versucht sich mildere Luft durchzusetzen, wird jedoch durch ein
Blocking über Osteuropa behindert, sodass insbesondere die Osthälfte häufig in
der Kaltluft verbleibt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Modelle deuten auf eine ähnliche Entwicklung hin: Mehrere
Tiefdruckgebiete unternehmen wiederholt Vorstöße von Westen in Richtung
Mitteleuropa, stoßen jedoch auf ein blockierendes Hoch über Nord- und Osteuropa.
Dadurch wird der Zugweg der Tiefs nach Süden abgelenkt, sodass überwiegend eine
südliche Zugbahn über den Mittelmeerraum verbleibt.
Im Detail zeigen sich jedoch teils erhebliche Unterschiede zwischen den
Modellen. Dies wird insbesondere bei den Aufgleitniederschlägen zwischen
Sonntagabend und Montagabend deutlich, die sehr heterogen simuliert werden. Die
Südosthälfte Deutschlands ist hierfür grundsätzlich prädestiniert, Ausmaß und
Intensität sind jedoch mit hoher Unsicherheit behaftet.
Unabhängig davon bleibt der Osten Deutschlands länger in der Kaltluft, während
im Westen wiederholt mildere Luftmassen einfließen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte zeigen bereits zu Beginn der Mittelfrist
eine zunehmende Streuung in der Temperaturentwicklung. In allen Simulationen ist
zunächst eine Abkühlung erkennbar, mit einem Minimum zwischen Montag und
Dienstag, bei etwa -10 °C in 850 hPa. Diese fällt im Nordosten ausgeprägter aus
als im Südwesten. Niederschlagssignale sind insgesamt nur schwach vorhanden;
lediglich im Südosten zeigen sich am Montag Hinweise auf Aufgleitschneefälle. Ab
der Mitte der kommenden Woche steigen die Temperaturen wieder an, wobei der
Spread deutlich zunimmt. In 850 hPa reicht die Spannweite dann von etwa 0 bis
-15 °C.
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitraum t+72 bis t+96 h drei Cluster, die
übereinstimmend eine südlich ausgerichtete Westlage bei gleichzeitigem Blocking
über dem Nordmeer aufweisen.
Im Zeitraum t+120 bis t+168 h ergeben sich sechs Cluster, wobei sich Haupt- und
Kontrolllauf im selben Cluster befinden. Trotz der erhöhten Clusteranzahl zeigen
alle Lösungen weiterhin ein Blocking über Nordeuropa sowie einen aktiven
Atlantik mit einer insgesamt kräftigen westlichen Strömung, jedoch mit südlicher
Tendenz. Deutschland liegt dabei wiederholt am Rand des Hauptwettergeschehens,
entweder auf der kalten oder auf der milderen Seite der Luftmassengrenze.
Auch zum Ende der Mittelfrist bleibt das großräumige Muster ähnlich, allerdings
reduziert sich die Clusteranzahl wieder auf zwei bis drei.
Fazit: Deutschland liegt während der gesamten Mittelfrist im Übergangsbereich
zwischen kälteren und milderen Luftmassen, jedoch abseits des eigentlichen
Hauptwettergeschehens. Entsprechend sind keine markanten Wettererscheinungen zu
erwarten.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Samstag treten an der Nordsee stürmische Böen auf, ansonsten werden keine
markanten Wettererscheinungen erwartet. In der Mitte und im Südosten kann es
örtlich zu gefrierendem Regen kommen. Am Montag sind im Südosten teils
kräftigere Schneefälle möglich, deren Auftreten und Intensität derzeit jedoch
noch mit Unsicherheiten behaftet sind.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta