S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 12.01.2026 um 10.30 UTC

Sich retrograd verlagernde Blockade über Nordwestrussland. Zunächst milde
Vorderseite, dann zunehmend antizyklonal und bodennah leichte Auskühlung.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 19.01.2026

Aktuell liegt ein Ast des troposphärischen Polarwirbels über Nordostkanada. Die
Kaltluft fließt über den Atlantik aus und hat dort die Tiefdruckbildung
angefacht. Der Grönlandblock wurde somit weitgehend abgebaut. Über der
Barentssee und Russland liegt immer noch eine positive Geopotenzialanomalie.

Im Mittelfristzeitraum ändert sich an dieser Konfiguration wenig. Atlantische
Tiefdruckgebiete laufen gegen das Blocking in Uralnähe an, wodurch sich eine
etwas nach Osten verschobene winkelförmige Westlage ergibt, die in eine Troglage
über Westeuropa übergeht. Wir bleiben dabei vorderseitig des sich
amplifizierenden Langwellentroges über dem westlichen Atlantik, der auf
Westeuropa übergreift, in einer relativ milden südwestlichen Strömung. Am
Donnerstag überquert uns dabei zunächst ein flacher Kurzwellentrog mit nur
geringem Niederschlag im Norden.

Am Freitag dreht die Strömung dann vorderseitig des Langwellentroges auf Süd.
Dabei wird in der Höhe subtropische Luft mit 850-hPa-Temperaturen von etwa 3 bis
5 °C advektiert, die jedoch oberhalb einer Inversion einfließt. An den Alpen
wird es föhnig.

Zum Wochenende verlagert sich das blockierende Hoch retrograd Richtung
Westrussland und dehnt seinen Einfluss auf Skandinavien aus. Zudem vollführt der
Westeuropatrog einen Cut-Off über der Iberischen Halbinsel bis Nordwestafrika.
Der Westen wird am Samstag noch von einem Kurzwellentrog und einer sich
auflösenden Front beeinflusst. Ansonsten fließt unter antzyklonalem Einfluss
bodennah etwas kältere Luft mit östlicher bis südöstlicher Strömung ein. Es
bleibt die typische Grenzschichtproblematik mit Nebel- und Hochnebel.

In der erweiterten Mittelfrist zeigt das IFS eine weitere retrograde Verlagerung
des Hochs nach Nordskandinavien. Gegen Ende nächster Woche soll im Hauptlauf
sibirische Kaltluft nach Mitteleuropa geführt werden. (Kalter Außreiser in den
ENS).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Mittelfristig ähnelt der neue IFS-Lauf den Vorläufen. Ab dem Wochenende nehmen
die Unterschiede dann zu. Die retrograde Verlagerung des Hochs wurde in den
Vorläufen nicht so stark angezeigt wie im neuen Lauf. In den Vorläufen zeigte
sich eher eine Tendenz zu einer höhenmilden Vorderseite, was auch von den
aktuellen Ensembles mehrheitlich bestätigt wird. Für die Nordosthälfte sind in
den neuen Ensembles aber immer mehr Ausreißer nach unten bei den
850-hPa-Temperaturen ab Beginn der nächsten Woche zu sehen..

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis zum Sonntag ähnelt die GFS-Simulation der IFS-Simulation. Sie lässt jedoch
anschließend statt sibirischer Kaltluft zunächst mit einer Südostströmung
erwärmte Kontinentalluft einfließen.

ICON lässt am Sonntag das Trogresiduum nach dem Cut-Off nach Mitteleuropa
hereinziehen und geht in eine zyklonale Südwestwetterlage über. Der
Hochdruckblock verbleibt über Russland.

Die AIFS-, GraphCast-ML- und Pangu-Weather-ML-Simulationen ähneln bis zum
nächsten Dienstag dem IFS-Hauptlauf.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bereits zu Beginn der Mittelfrist zeigen die Ensembles deutliche Unterschiede
bezüglich des Trogdurchgangs ab der Nacht zum Donnerstag. Zum Wochenende hin
sind die Raufahnen auf einem recht einheitlich hohen Temperaturniveau auf 850
hPa bei recht hohem Geopotenzial. Danach dominiert die Hauptwindrichtung Ost.
Niederschlagssignale sind kaum noch vorhanden. In der Mehrzahl der Modelle geht
es allerdings höhenmild weiter. Die Anzahl der kalten Ausreißer, zu denen auch
der Hauptlauf gehört, ist in den letzten Läufen allerdings häufiger geworden.

Die GFS-Ensembles sehen ähnlich aus, zeigen aber bereits ab Samstag eine größere
Streuung. Ab dem 22.01. setzt ein allgemeiner Abwärtstrend bei den
850-hPa-Temperaturen ein.

Die ENS des AIFS zeigen ab Samstag einen deutlichen Rückgang der
2-m-Temperaturen. Die AIFS-ENS bleiben jedoch, wie auch beim GFS, bis zum 21.01.
auf einem recht hohen Niveau auf der 850-hPa-Fläche und zeigen danach ebenfalls
einen Abwärtstrend.

Fazit: Die leicht unbeständige und milde Witterung setzt sich zunächst bis Ende
der Woche fort. Danach scheint sich das blockierende Russlandhoch retrograd zu
verlagern, sodass wir ab Ende der Woche zunehmend unter antizyklonalen
Bedingungen mit der üblichen Grenzschichtproblematik kommen. Dabei gehen die
bodennahen Temperaturen einerseits durch Auskühlung, andererseits durch
Einsickern kälterer Luft aus dem Osten etwas zurück.

Die derzeit wahrscheinlichste Variante ist, dass sich der Block im weiteren
Verlauf retrograd in Richtung Skandinavien ausbreitet oder verlagert. Diese
Annahme wird auch durch die IFS-Clusteranalysen gestützt. Somit sind in der
erweiterten Mittelfrist winterliche Optionen zumindest wieder möglich. Die
subseasonale Vorhersage des IFS reagiert darauf und berechnet im Ensemblemittel
für Ende Januar und Anfang Februar neutrale bis leicht negative
Temperaturabweichungen für Mitteleuropa, allerdings mit hohem Spread. Auch wenn
die Unsicherheiten noch groß sind, eine durchgreifende Westwetterlage, die die
winterlichen Optionen für Mitteleuropa vorerst beenden würde, ist erst einmal
weniger wahrscheinlich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Außer ein paar stürmische Böen in dafür anfälligen Föhntälern am Freitag birgt
die Lage keine signifikanten Wettergefahren.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX, ab Wochenende IFS-ENS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold