#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Montag, den 05.01.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 05.01.2026 um 10.30 UTC
Am Freitag Sturm. Neben schweren Sturmböen auch Schneefälle mit Verwehungen und
teilweise Glatteis möglich. Unwettergefahr.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 12.01.2026
Am Donnerstag liegen wir unter einer nordwestlichen Höhenströmung zwischen einem
abziehenden Trog und einem nachfolgenden flachen Höhenrücken über Westeuropa.
Dabei schwenkt ein Bodentrog mit eingelagertem Tiefausläufer langsam über
Deutschland nach Osten, gefolgt von atlantischer Meeresluft, in der die
Temperaturen in weiten Landesteilen etwas über den Gefrierpunkt steigen. Vor
allem im Nordosten und Osten sowie im Bergland hält sich frostig kalte Luft. Die
gebietsweise auftretenden Niederschläge fallen meist noch als Schnee und vor
allem über der Nordsee und im Bergland frischt der Wind zeitweise kräftiger auf.
Am Freitag soll sich unter der Vorderseite eines Troges über
Frankreich/Ärmelkanal ein Sturmtief entwickeln, dass über Deutschland nach Osten
zieht. Zugbahn und Stärke werden unsicher. Dabei kommen schon nachts teils
kräftige Schneefälle auf, die über der Mitte und dem Süden nachfolgend in Regen
übergehen und sich tagsüber bis zu den Küsten ausbreiten. Vor allem für den
Südosten scheint Glatteisregen möglich. Dazu frischt der Wind teilweise bis
Sturmstärke auf und sorgt im Bergland und im Norden teilweise für starke
Schneeverwehungen.
Am Wochenende gelangt die auf der Rückseite des Sturmtiefs wieder nach Süden
ausbreitende kalte Luft unter vorübergehenden Hochdruckeinfluss. Vor allem am
Samstag sind gebietsweise Schneefälle möglich, die besonders im Süden und Osten
kräftig sein können.
Am Sonntag oder Montag folgenden auf der Vorderseite eines atlantischen
Tiefdrucksystems die nächsten Tiefausläufer von Westen her mit denen die milde
Meeresluft den nächsten Anlauf unternimmt zu uns nach Mitteleuropa vorzudringen.
Wie nachhaltig das passiert, bleibt abzuwarten.
Kaltluft liegt auch dann noch in greifbarer Nähe über Südskandinavien und der
Ostsee und könnte zumindest nach Lesart der Hauptlaufs der Europäer in der
erweiterten Mittelfrist auf der Rückseite eines Tiefs wieder bis Süddeutschland
gesteuert werden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Eigentlich ist die Konsistenz des europäischen Modells gar nicht so schlecht.
Die letzten Läufe zeigen jedenfalls recht einhellig am Freitag ein über uns nach
Osten ziehendes (Sturm) Tief, allerdings mit Unterschieden bei Timing, Stärke
und Zugbahn. Gerade die haben aber erhebliche Auswirkungen auf die zu
erwartenden Wettererscheinungen. Der aktuelle Lauf simuliert schneller, weiter
südlich und intensiver als die Vorläufe. Dahinter stößt auch die sehr kalte Luft
in der neuen Lösung massiver südwärts vor.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Globalmodelle helfen da auch nur bedingt weiter. Sie stützen im
Wesentlichen nur die Unsicherheiten. Wenigstens ICON simuliert die Zugbahn noch
über der Mitte Deutschlands (ähnlich IFS). Bei GFS folgt das Tief später über
Norddeutschland und zieht dann südostwärts. UKMO ist noch später dran und lässt
das Tief mit Auflösungserscheinungen erst am Samstag übergreifen. Entsprechend
sieht die Verteilung der Luftmassen, der Windfelder jeweils anders an, ebenso
Niederschläge und deren Phase. Einer kurzen Beruhigung am Wochenende folgt dann
der Versuch einer erneuten Milderung.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Ensembles stützen anhand der Rauchfahnen in groben Zügen die Entwicklung des
Hauptlaufs. Die Kurven der Temperatur fächern aber ab Freitag deutlicher auf.
Über Norddeutschland liegt der Hauptlauf dann am unteren Rand der Ensembles. Die
meisten Member dürften damit eine etwas nördlichere Zugbahn, entsprechend der
weiter nordwärts ausgreifenden milderen Luft, bevorzugen. Am Wochenende liegt
der Hauptlauf mit der Temperatur 850 hPa über Süddeutschland am unteren Rand der
Verteilung, also stößt nach Lesart der ENS die kalte Arktikluft weniger intensiv
nach Süden vor und auch was Wind und Luftdruck angeht, simulieren die meisten
ENS Mitglieder zwar weniger intensiv, groß ausscheren aus der Lösungsschar tut
der Hauptlauf aber nicht!
Das zeigt sich auch in der Clusterung. Der Hauptlauf liegt sowohl im ersten
Zeitschritt Donnerstag/Freitag, als auch danach bis Montag in Cluster 1. Alles
wird in NAO- sortiert. Großräumig sind die Unterschiede gar nicht mal so groß,
die für uns relevanten Entwicklungen verschmieren in den Darstellungen.
In der erweiterten Mittelfrist deuten die meisten Cluster trogvorderseitig eine
Milderung an und die „Hauptlösung“ liegt im kleinsten Cluster 6 etwas im
Abseits.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Freitag deutet sich eine markante Sturmlage über Deutschland an. Die
Unsicherheiten wurden schon erwähnt.
Nördlich der Zugbahn (aktuell am wahrscheinlichsten über die Landesmitte) sind
starke Schneefälle mit Verwehungen möglich. Vor allem südlich davon teils
schwere Sturmböen. Dort geht auch der Schnee in Regen über, teils über die
gefrierende Phase. Im Südosten ist unwetterartiges Glatteis möglich und auch in
Bezug auf die anderen Begleiterscheinungen sind unwetterartige Entwicklungen
nicht ausgeschlossen. Hinweise sind neben den deterministischen Outputs in den
ENS Verfahren, u.a. EFI zu finden.
Am Wochenende sind anfangs im Südosten kräftige Schneefälle möglich und in der
südwärts vordringenden Arktikluft strenge Nachtfröste.
Der Übergang zu milderem Wetter nächste Woche kann von Sonntag zu Montag nochmal
mit einer Glatteislage verbunden sein.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mos, IFS und ENS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner