#SXEU31 #DWAV290800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Samstag den 29.11.2025 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 290800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 29.11.2025 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWz
Anfangs im Südosten von Bayern Glätte, regional Glatteis (Unwetter). In der
Folge leicht wechselhaft und überwiegend mild. Besonders über der Deutschen
Bucht stürmische Böen oder Sturmböen. Nachts im Süden und Osten häufig Nebel und
leichter Frost.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag… starten wir in eine vergleichsweise ruhige Kurzfrist, die zunächst
zyklonal Südwest aufgestellt ist und zum Montag zunehmend antizyklonal
daherkommt. Dabei nähert sich von Westen ein Höhentrog, der während der
Kurzfrist aber nur zögerlich und unter Abschwächung auf unser Vorhersagegebiet
übergreift. Ein in den Trog eingebettetes Bodentief mit dem Namen ZENOBIO zieht
unter Intensivierung von England über die Nordsee nach Dänemark und lässt eine
Kaltfront von West nach Ost über Deutschland schwenken. Ein umfangreiches
Hochdruckgebiet über Russland (ALRUN) hält jedoch dagegen, schwächt nicht nur
die Frontpassage ab, sondern sorgt zum Montag insgesamt auch für eine
Wetterberuhigung.
Aktuell (ausgangs der Nacht) erfasst eine maskierte Kaltfront den Südosten der
Republik und trifft dort noch auf teils frostige Luft- und Belagstemperaturen.
Zwar steckt kein Frost im Boden, doch muss verbreitet mit Glätte gerechnet
werden, was in einer umfangreichen markanten Warnung bereits gestern
hervorgehoben wurde. Regional musste entlang der unteren Donau kurzzeitig auch
eine Unwetterwarnung ausgegeben werden, da sich vergleichsweise hohe
Stundenraten beim Niederschlag (um 1 l/qm) Belagstemperaturen um -1 Grad
annäherten. Im Verlauf des Vormittags soll sich die Glätte- bzw. Glatteislage
nachhaltig entspannen und die letzten Niederschläge klingen im Verlauf des
Nachmittags auch dort endgültig ab. Entlang der Alpen fällt oberhalb von rund
1500 m etwas Neuschnee.
Postfrontal der maskierten Kaltfront floss in der vergangenen Nacht bereits eine
milde und feuchte Luftmasse in den Rest des Landes, was sich besonders im Umfeld
der zentralen Mittelgebirge durch geringe Sichtweiten, teils bis in den
warnrelevanten Bereich für Nebelwarnungen äußerte. Dabei kann man davon
ausgehen, dass besonders die Berglagen und teils auch Luvlagen der zentralen
Mittelgebirge ganztags im trüben Grau verbleiben.
Ansonsten kann sich zwischen ausgedehnten hochnebelartigen und hohen
Wolkenfeldern hier und da die Sonne zeigen, was besonders auf Oberschwaben
zutrifft. Abgesehen von etwas Nebelnässe bleibt es trocken.
Die Höchstwerte verbleiben entlang des Bayerischen Waldes nur wenig über dem
Gefrierpunkt, während sonst von Ost nach West 7 bis 12 Grad zu erwarten sind.
Der aus südlicher Richtung wehende Wind frischt im Westen zeitweise leicht auf
und weht über der Deutschen Bucht sowie auf dem Brocken stark böig bis stürmisch
(Bft 7 bis 8). Im abgekoppelten Südosten kommt der Wind nur schwach aus Südost.
Die Nacht zum Sonntag verläuft unter Keileinfluss im Süden und Osten sehr ruhig
und es kann für längere Zeit aufklaren. Dank der entkoppelten Grenzschicht
inklusive Ausstrahlung ist regional mit warnrelevantem und dichtem Nebel zu
rechnen (Unterfranken bis zum östlichen Alpenrand/Bayerischen Wald).
Ansonsten erfasst den Westen der Republik die Kaltfront des Tiefs ZENOBIO, das
von der Doggerbank gemächlich nordostwärts zieht. Dabei unterläuft ZENOBIO eine
markante Intensivierung mit einem Kerndruck von etwas unter 990 hPa, wobei
dessen kalter Jet über der freien See mit Bft 11 Böen für Furore sorgt. Dank der
kompakten Natur des Tiefs erfasst das Windfeld nur noch abgeschwächt die
östliche Deutsche Bucht, wo stürmische Böen oder Sturmböen aus Südwest erwartet
werden, mit einem stark böigen Südwestwind entlang der Nordfriesischen Inseln.
Die Kaltfront kommt ausgangs der Nacht in etwa bis zur Südpfalz – Lübeck voran
und bringt dem Westen somit eine stark bewölkte und zunehmend regnerische Nacht.
Hier weht der Südwestwind mäßig, im Bergland auch frisch und auf dem Brocken
sind gar einige schwere Sturmböen (Bft 10) nicht ausgeschlossen. Die Minima
liegen im Westen und Norden zwischen 8 und 4 Grad.
Anders sieht es im entkoppelten Süden und Osten aus, wo bei einer unbedeutenden
Windbewegung Minima von +1 bis -4 Grad zu erwarten sind. Zu einer Interaktion
der Frostluft mit dem Regen entlang der Kaltfront kommt es die Nacht über nicht,
sodass mit keiner erhöhten Glättesituation zu rechnen ist. Meist bleibt es klar
oder es ziehen hohe Wolkenfelder durch, nur regional kann sich warnrelevanter
Nebel bilden.
Sonntag… zieht ZENOBIO gemächlich weiter zur Nordspitze Dänemarks und füllt
sich dabei allmählich auf. Dessen Windfeld erfasst den äußersten Norden mit
steifen, küstennah auch mit stürmischen Böen und über der Deutschen Bucht sind
auch Sturmböen aus West ein Thema. Dies betrifft nur die Deutsche Bucht, deren
Umfeld, Schleswig-Holstein und die westliche Ostsee. Ansonsten kommt der Wind
nur schwach bis mäßig aus Südwest und frischt im Hochschwarzwald zeitweise böig
auf. Der Tag verläuft hier meist stark bewölkt mit einigen Schauern im Umfeld
der Deutschen Bucht.
Tagsüber zieht die Kaltfront von ZENOBIO ostwärts und erfasst zum Abend den
gesamten Süden und Osten Deutschlands. Viel Nass wird es nicht geben, für einige
Stunden Regen reicht die Frontpassage aber aus. Postfrontal lockert die
Bewölkung im Westen und Nordwesten auf mit größeren blauen Flecken, allerdings
auch noch mit einem geringen Schauerrisiko.
Die Höchstwerte liegen im Südosten bei 3 bis 5 Grad, sonst zwischen 7 und 11
Grad.
In der Nacht zum Montag beschäftigt die Kaltfront den Süden und Osten von
Deutschland mit dichtem Gewölk und leichtem Regen. Wenngleich in Richtung
Abteiland, Hinterer Wald und Böhmerwald hier und da Glätte in geschützten Lagen
nicht ausgeschlossen werden kann, sollte es insgesamt zu mild sein für eine
erhöhte Glätteproblematik. Die Schneefallgrenze sinkt von Westen her auf etwas
unter 1000 m, die Neuschneemengen fallen aber unbedeutend aus.
Postfrontal bilden sich rasch ausgedehnte Hoch- und/oder Bodennebelfelder,
besonders im Norden bleibt es streckenweise aber auch für längere Zeit klar.
Abgesehen von letzten schwachen Schauern oder etwas Nebelnässe bleibt es
trocken. Meist verbleiben die Minima im leichten Plusbereich und gehen besonders
vom Saarland/Eifel bis zum Thüringer Wald/Harz in den leichten Frostbereich
zurück (bis -4 Grad). Dabei muss mit etwas Glätte gerechnet werden.
Der anfangs noch böige Südwestwind im Norden schwächt sich ab, sodass nur ein
schwacher bis mäßiger Wind aus südwestlicher Richtung erwartet wird.
Montag… fällt der Druck über Nordwesteuropa im Umfeld einer umfangreichen
Zyklogenese bei Island. Derweilen beeinflusst ein Hochdruckkeil weite Bereiche
Deutschlands, sodass mit einem ruhigen Wettertag zu rechnen ist.
In der noch hochreichend feuchten Luftmasse im Südosten werden noch etwas
Nieselregen oder einige schwache Schauer entlang der Alpen ausgequetscht. Mit
Sonnenanteilen darf man hier nicht rechnen.
Je westlicher und nördlicher man wohnt, umso eher können sich Nebel und
Hochnebel im Tagesverlauf zeitweise auflockern. Besonders im Westen und Norden
der Republik könnte der Nachmittag recht freundlich verlaufen, wenngleich den
Nordwesten im Verlauf des Tages erneut hohe Wolkenfelder tangieren. In Richtung
Emsland kann auch etwas Niederschlag nicht ausgeschlossen werden. Sonst bleibt
es trocken.
Die Höchstwerte liegen zwischen 2 und 8 Grad und vielleicht reicht es im Umfeld
der zentralen Mittelgebirge durch günstige Interaktion von nächtlichem Frost und
aufziehendem Hochnebel lokal für einen Frosttag. Der Wind kommt im Süden schwach
aus Ost, im Westen mäßig bis frisch aus Süd und gewinnt über der Deutschen Bucht
stetig an Kraft, sodass dort zum Nachmittag und Abend zunehmend Sturmböen aus
Süd auftreten (offshore).
In der Nacht zum Dienstag ändert sich daran nicht viel. Bei einem stürmischen
Südwind (offshore voller Sturm) über der Deutschen Bucht fällt dort zeitweise
etwas Regen. Sonst verläuft die Nacht unter schwachem Hochdruckeinfluss vom
Südwesten über die Mitte bis in den Nordosten teils klar, teils hochnebelartig
bedeckt. Besonders entlang der östlichen zentralen Mittelgebirge bis zum
Alpenrand breitet sich eine dichte Hochnebeldecke aus. Etwas unsicher ist noch
die von GFS angedeutete Entwicklung eines Kaltlufttropfens über Bayern und
Tschechien, was in Bayern ggf. für etwas Dynamik/gefrierenden Sprühregen gut
wäre. Diese Option wird aber bisher von keinem anderen Modell gestützt.
Die Minima liegen von Nordwest nach Südost zwischen +4 und -4 Grad.
Abseits vom stürmischen Nordseeumfeld kommt der Südwind im Westen mäßig bis
frisch, sonst schwach aus Südost bis Ost daher.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Kurzfrist wird von der Numerik sehr einheitlich gezeigt. In der Nacht zum
Dienstag nehmen die Unsicherheiten im Südosten etwas zu, wobei GFS dort einen
Kaltlufttropfen entwickeln lässt. Davon wollen die anderen Modelle bisher aber
kaum etwas wissen. Auswirkungen auf den Wetterablauf hat diese Option keine.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy