SXEU31 DWAV 270800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 27.08.2025 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Südwest zyklonal (SWz)
Wetter: Anfangs noch sehr warm, in den kommenden Tagen regional Starkregenfälle
mit örtlicher Unwettergefahr und leichter Temperaturrückgang.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Am heutigen Mittwoch… prägen zwei Langwellentröge die Großwetterlage. Der
erste liegt über dem Nordosten Europas und ist für uns nicht weiter interessant.
Der zweite liegt über dem Westen Europas und dem nahen Atlantik und seine Achse
schwenkt heute im Laufe des Tages zur Westküste der Iberischen Halbinsel. In
diesen eingebettet liegt nordwestlich der Britischen Inseln der Ex-Hurrikan
Erin. Zwischen den beiden Langwellentrögen liegt ein recht schmaler und flacher
Rücken aktuell über Deutschland. Dieser schwenkt heute im Laufe des Tages weiter
ostwärts. Da der westliche Langwellentrog sich auch nach Süden ausweitet steilt
die Strömung über Westeuropa allmählich auf. Die Strömung ist dabei über
Deutschland noch recht glatt, lediglich über die Nordsee schwenkt im Laufe des
Tages ein Kurzwellentrog.

Bodennah liegt über dem Südosten Europas ein Hoch. Zwischen diesem und Ex-Erin
weht der Wind heute bei uns schwach bis mäßig aus Südwest. Dabei wird weiterhin
sehr warme Luft nach Deutschland advehiert, am Nachmittag liegen die
Temperaturwerte in 850 hPa bei 10°C im Nordwesten und 16°C an den Alpen.
Insbesondere in den Süden und Südwesten fließt dabei auch sehr feuchte Luft mit
spezifischen Feuchten in der Grenzschicht zwischen 10 und 14 g/kg und ppw’s die
im Südwesten an die 40 l/qm erreichen.

Aktuell kommt es in dieser Luftmasse über dem Süden und Osten schon zu
schauerartigen Regenfällen, die allmählich nach Osten abziehen. Von Südwesten
sollen aber immer wieder neue schauerartige Regenfälle aufziehen. Zudem kann
sich im Laufe des Tages über dem Süden des Landes in der feuchten Luftmasse
nennenswertes CAPE mit Werten zwischen 500 und 1000m J/kg aufbauen. Damit können
die aufziehenden schauerartigen Regenfälle zunehmend auch gewittrig werden,
zudem können im Laufe des Nachmittages auch im Bergland einzelne Gewitter
entstehen, synoptische Antriebe gibt es aber zunächst noch nicht. Die meisten
Gewitter dürften daher auch eher aus Frankreich aufziehen.

In den Gebieten mit nennenswertem CAPE ist die Scherung mit 10 bis 15 m/s von 0
bis 6 km nur mäßig stark, dementsprechend sollten die Gewitter nicht allzu gut
organisiert sein und fallen nicht zu heftig aus. Bei Zuggeschwindigkeiten über
20 km/h reicht es auch beim Starkregen wahrscheinlich nicht für Unwetter. Somit
liegt die Stärke der Gewitter eher im Ocker-Bereich, mit Starkregen, stürmischen
Böen und kleinkörnigem Hagel. ICON-D2-EPS zeigt nur sehr geringe
Wahrscheinlichkeiten für Unwetter beim Starkregen und auch nur geringe
Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen. Auch im Norden des Landes können ein paar
Tropfen fallen, dort kommt es aber nicht zu Gewittern. Dazwischen scheint auch
immer wieder die Sonne und sorgt noch einmal landesweit für sommerliche
Höchstwerte zwischen 25 und knapp 30°C, lediglich an der See bleibt es mit 22
bis 24°C etwas kühler.

In der Nacht zum Donnerstag kommt der Langwellentrog weiter ostwärts voran,
seine Achse erreicht die französische Atlantikküste und die Mitte der Iberischen
Halbinsel. Damit gelangt Deutschland mehr auf die zyklonal geprägte Vorderseite
des Troges. Über der nördlichen Mitte Deutschlands formiert sich ein flaches
Tief, das regional auch den Wind entsprechend beeinflusst, während er abseits
davon meist aus südlichen Richtungen kommt. An dieses Tief ist auch eine schwach
ausgeprägte Luftmassengrenze gebunden, die die etwas kühlere und trockenere Luft
im Nordwesten von der feuchtwarmen Luft im Südosten trennt. In der
letztgenannten Luftmasse hält die Gewittertätigkeit in der ersten Nachthälfte
zunächst an und die Gewitter breiten sich über die Mitte bis in den Nordosten
aus. Dabei nimmt vor allem die Böen- und Hagelgefahr im Vergleich zum Tag ab.

In der zweiten Nachthälfte sollen dann im Vorfeld der Kaltfront des kleinen
Tiefs von Südwesten neue schauerartige Regenfälle aufziehen, die etwas stärker
ausfallen sollen. Diese ziehen zunächst im Südwesten Baden-Württembergs auf und
dürften sich später bis nach Franken und Thüringen ausweiten, wobei die
Zugbahnen zwischen den Modellen noch etwas divergieren. Schon allein bei den
deterministischen Modellen werden kleinräumig über 30 l/m² simuliert, bei ICON
und UK10 auch teils über 50 l/m². ICON-D2-EPS zeigt hohe Wahrscheinlichkeiten
für Starkregen, auch Unwetter, vor allem im äußersten Südwesten, weiter nach
Nordosten hin nehmen die Wahrscheinlichkeiten ab. Zudem ist ein zweiter Streifen
simuliert, der vom Saarland bis nach Hessen reicht, wo ebenfalls erhöhte
Starkregengefahr, allerdings nur geringe Unwettergefahr simuliert wird. Wie dem
auch sei, in diesem Streifen wird man um mehrstündige Starkregenwarnungen nicht
herumkommen, teils kann auch das einstündige Kriterium gerissen werden. Und
örtlich wird, zumindest beim mehrstündigen Kriterium (mehr als 35 l/m² innert 6
Stunden), wohl auch die Unwetterschwelle gerissen werden.

Trocken soll die Nacht ganz im Nordwesten sowie im Südosten verlaufen, aber auch
dort ziehen viele Wolken über den Himmel. Die Tiefstwerte liegen zwischen 19 und
13°C.

Am Donnerstag… nähert sich die Achse des Langwellentroges weiter an und
erreicht am Abend die Osthälfte Frankreichs. Bei uns steilt die Höhenströmung
weiter auf und dreht auf Südsüdwest. Sie ist leicht diffluent und zyklonal
geprägt, so dass die Luftmasse reichlich gehoben wird. Das bodennahe Tief im
Norden verschwindet wieder von den Wetterkarten, stattdessen taucht östlich
unseres Landes ein neues Tief auf, das auch die Steuerung der Fronten übernimmt,
was vor allem heißt, dass die Kaltfront weiter nach Südosten vorankommt. Im
Vorfeld derselben kann es im östlichen Alpengebiet vorübergehend mal etwas
föhnig werden mit Sturmböen in den Gipfellagen. Vor der Kaltfront kommt die sehr
feuchte Luftmasse bis in den Nordosten voran mit spezifischen Feuchten von 10
bis 13 g/kg in der Grenzschicht und ppw’s die regional jenseits der 40 l/qm
liegen sollen.

Die aus dieser Luftmasse herausgequetschten Regenmengen fokussieren sich vor
allem auf das Umfeld der Kaltfront, die im Laufe des Tages etwas südostwärts
vorankommt. Damit sind vor allem Regionen wie Baden-Württemberg, Franken,
Osthessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und zuletzt auch
Mecklenburg-Vorpommern von teils starken Regenfällen betroffen. Dabei fallen
regional und größerflächig durchaus mal 10 bis 25 l/m², die Starkregenschwelle
von 20 l/m² innert 6 Stunden könnte schon etwas größerflächiger mal gerissen
werden. Auch unwetterartige Entwicklungen über 35 l/m² in 6 Stunden sind örtlich
möglich. ICON-D2-EPS hat für beide Schwellen noch keine überbordend hohen
Wahrscheinlichkeiten im Programm, was aber möglicherweise daran liegt, dass die
Lage der Starkregenfälle doch noch etwas unsicher ist. Insbesondere zeigt
ICON-D2-EPS auch noch etwas erhöhte Wahrscheinlichkeiten weiter im Westen und
Rheinland-Pfalz und NRW, wo die deterministischen Modelle den Starkregenstreifen
definitiv nicht zeigen.

Die Starkregenfälle können natürlich hier da auch von Gewittern begleitet sein,
allerdings dürften weitere Begleiterscheinungen wie Hagel (wenig CAPE, mäßige
Scherung) und Sturm (bei stark gesättigten Temps) nicht die große Rolle spielen.
Auch nach Nordwesten kann es einzelne Schauer und Gewitter geben und gegen Abend
erreichen die Regenfälle auch den Südosten, so dass aus aktueller Sicht keine
trockene Region ausgemacht werden kann. Immerhin kann sich ganz im Südosten und
im Nordwesten zumindest vorübergehend mal die Sonne zeigen. Richtung Lausitz
können dann auch die Temperaturen nochmal auf nahe 30°C steigen, in Ostbayern
und im Nordwesten teils noch über 25°C. In den übrigen Regionen werden es
dagegen oft nur 19 bis 24°C.

In der Nacht zum Freitag kommt der Langwellentrog weiter ostwärts voran, eine
erste kräftige kurzwellige Achse schwenkt in den Frühstunden nach
Südwestdeutschland. In die Westflanke des Troges läuft derweil eine weitere
Kurzwelle und regeneriert diesen. Das Tief im Osten zieht im Verlauf der Nacht
nordwärts, so dass der Wind allgemein auf westliche Richtungen dreht und die
Luftmassengrenze nach Osten vorankommt. Damit setzt sich bei uns zunehmend die
etwas kühlere (10 bis 12°C in 850 hPa) und trockenere (ppw’s gehen auf unter 30
l/qm zurück, im Westen unter 20 l/qm).

Während die Starkregenfälle des Tages nach Nordosten abziehen sollen, kommen im
Vorfeld des Kurzwellentroges von Südwesten weitere Starkregenfälle auf, die vor
allem aus der Schweiz heraus auf den Süden Baden-Württembergs und Bayerns
übergreifen sollen. Dort kann es abermals mehr als 20 l/m² innert weniger
Stunden geben und lokal kann auch wieder die Unwetterschwelle gerissen werden.
Auch weiter nordwestlich kann es noch zu Schauern und einzelnen Gewittern
kommen, die allerdings nicht mehr allzu stark ausfallen, da die Luftmasse dort
nicht mehr sehr feucht und instabil ist.

Dort im Westen kann es im Nachtverlauf auch Wolkenauflockerungen geben,
ansonsten ist es aber überwiegend noch stark bewölkt. Die Tiefstwerte liegen im
Osten noch bei sehr milden 17°C, im Westen geht es dagegen eher auf 13 bis 10°C
zurück.

Am Freitag… kommt der Langwellentrog weiter ostwärts voran und dessen
Hauptachse schwenkt über Frankreich ostwärts. Somit verbleiben wir noch auf der
Vorderseite. Bodennah zieht das Tief über Polen nordwärts zur Ostsee, ein
weiteres Randtief zieht durch den Ärmelkanal. Dieses sorgt dafür, dass
insbesondere in der Westhälfte der Gradient zunimmt und der von Südwest auf Süd
drehende Wind etwas auffrischt, so dass es dort im Bergland für einzelne steife
Böen reichen kann. Ansonsten weht der Wind eher schwach bis mäßig aus Südwest.

Die bei uns liegende atlantische Luftmasse ist noch recht warm, aber nicht mehr
sehr feucht. Lediglich in der Osthälfte des Landes ist sie anfangs noch
feuchter, dort steuert der erste Kurzwellentrog das Starkregengebiet nordwärts.
Hier kann regional noch eine mehrstündige Starkregenwarnung nötig werden, auch
einzelne Gewitter können noch mit von der Partie sein. Für Unwetter sollte es
aber nicht mehr reichen. Nach dem Abzug dieses Systems stellt sich erst mal
Wetterberuhigung mit ein paar Wolkenauflockerungen ein, vor allem Richtung
Norden kann es auch länger sonnig werden. Erst zum Abend tauchen auf der
Vorderseite der Haupttrogachse wieder mehr Wolken und schauerartige Regenfälle
im Westen des Landes auf.

Die Temperaturen erreichen Höchstwerte zwischen 20 und 25°C.

In der Nacht zum Samstag schwenkt dann die Haupttrogachse von Westen nach
Deutschland herein. Das Randtief wird als Bodentrog über die Niederlande hinweg
in die Deutsche Bucht gesteuert. Damit kann es vor allem im Bereich der
Ostfriesischen Inseln einzelne steife Böen aus Südwest geben. Ansonsten weht der
Südwestwind meist mäßig. Schauerartige Regenfälle und einzelne Gewitter soll es
vor allem im Nordwesten im Bereich des Bodentroges sowie im Süden geben, die
schauerartigen Regenfälle im Westen sollen dagegen nach ICON eher
zusammenfallen. Somit kann es in einigen Regionen auch trocken bleiben, es
ziehen aber dennoch viele Wolken über den Himmel. Die Temperatur geht auf 15 bis
11°C zurück.

Modellvergleich und -einschätzung

Auf synoptischer Skala sind sich die Modelle recht einig, lediglich der
Bodentrog in der Nacht zum Samstag ist nicht bei allen Modellen so deutlich
ausgeprägt wie bei ICON, insbesondere bei GFS sehr schwach. Bei den vor allem
relevanten Niederschlagsprognosen ist zwar die grobe Richtung eindeutig.
Allerdings gibt es noch deutliche Unterschiede bei der genauen Lage der
Starkregenstreifen und auch beim Timing. So verteilen sich die Maxima des Regens
für die zweite Nachthälfte zu Morgen zwischen dem Bereich Spessart/Rhön bei UK10
und östlichen Unterfranken bei ICON-D2 und AROME. Im weiteren Verlauf
divergieren die Regengebiete noch weiter. Das Starkregengebiet am Freitag ist
stark unterschiedlich getimt und bei GFS und UK10 auch gar nicht vorhanden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Peter Hartmann