#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Sonntag, den 02.02.2025 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 02.02.2025 um 10.30 UTC
Blockierendes Hoch mit Ostströmung. Dafür aber nicht sehr kalt.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 09.02.2025
Am Mittwoch befindet sich ein Hochkeil über Westeuropa und reicht von dort zu
den Alpen. Nördlich davon herrscht eine westliche Höhenströmung mit der Tröge
nach Skandinavien schwenken. Zu einem dieser Tröge gehört die Kaltfront eines
Nordmeertiefs, die über Deutschland nach Südosten gesteuert wird. Unter dem sich
verstärkenden Einfluss des Bodenhochs über Westeuropa ist die stabile Kaltfront
kaum wetteraktiv und bringt neben Bewölkung nur wenig Niederschlag. Mit der
antizyklonalen Nordwestströmung gelangt ein Schwall erwärmter Meereskaltluft
nach Mitteleuropa.
Am Donnerstag stellt sich die Wetterlage um. Ein Orkantief bei Island lenkt in
breitem Strom Warmluft zum Nordmeer. Der zugehörige Höhenkeil führt zur
Ausweitung des Hochdruckgebietes nach Skandinavien. Es nimmt damit Verbindung
auf zu einem Hoch über Nordrussland. Im Gegenzug wird ein Trog über Nordeuropa
abgeschnürt. Dieser wiederum bildet mit einem Osteuropatrog einen umfangreichen
Höhentiefkomplex, an dessen Rand Mitteleuropa gelangt. Die aus nördlichen
Richtungen zu uns geführte Luft ist nicht sonderlich kalt, sodass die leichten
Niederschläge im Bergland zwar als Schnee, in den Niederungen aber meist noch
als Regen fallen.
Am Freitag bildet sich ein kräftiges Höhenhoch über Nordskandinavien und dem
Nordwesten Russlands, das dort ein starkes Bodenhochdruckgebiet mit fast 1060
hPa stützt. Davon ausgehend reicht ein kräftiger blockierender Keil über
Skandinavien bis Westeuropa. Südlich daran schließt sich ein großer
Höhentiefkomplex an, der auch Mitteleuropa überdeckt. Im Bodendruckfeld hat das
nur schwache Trogstrukturen bzw. ein flaches Tief über Deutschland und Polen zur
Folge. Mangels kalter Luft über Nord- bzw. Osteuropa und wegen der dort auch
fehlenden Schneedecke, bleibt die zu uns geführte Luftmasse moderat kalt. Die
Temperatur geht in 850 hPa von Osten her auf -5 bis -10°C zurück und die
leichten Niederschläge gehen bis ins Tiefland zumindest teilweise in Schnee
über.
Am Samstag erleidet die Hochdruckzone über Nordwesteuropa vorübergehend eine
Schwachstelle, die für uns wahrscheinlich keine Konsequenzen hat. Das starke
Blockinghoch über NW Russland bleibt bestehen und mit ihm die bei uns nunmehr
eher auf östliche Richtungen drehende Strömung mit der Zufuhr kälterer
Festlandsluft. Da vom Bodentief lediglich eine zyklonale Krümmung der Isobaren
übrigbleibt, nimmt das große Höhentief über den Charakter eines Kaltlufttropfens
an. Etwas Hebung in der wasserdampfarmen Luft hat nur leichte Niederschläge zur
Folge, bis in tiefe Lagen oft als Schnee.
Am Sonntag regeneriert sich die Hochdruckzone über Nordeuropa und rückt mit der
Achse nach Süden, sodass auch über Mitteleuropa der Druck steigen könnte. Die
östliche Strömung verschärft sich und die Kaltluftadvektion nimmt an Fahrt auf.
Die Temperaturen sinken leicht, in 850 hPa unter -10°C, in 2m wäre gebietsweise
ein Eistag möglich. Allerdings hält sich auch der Kaltlufttropfen über
Mitteleuropa, der dann gebietsweise leichte Schneefälle auslösen kann.
In der erweiterten Mittelfrist hält sich wahrscheinlich das blockierende Hoch
und damit die meist (relativ) kalte östliche Strömung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist in Bezug auf die großräumigen Strukturen im Bodendruckfeld,
sprich den Übergang zum Blocking und der östlichen Strömung gut. Die
Konfiguration in der Höhe mit dem Kaltlufttropfen wird dagegen sehr unsicher und
damit auch die leichten Niederschläge, im weiteren Verlauf die leichten
Schneefälle.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Das gilt im Großen und Ganzen auch für den Vergleich mit den anderen
Globalmoldellen, ICON, GFS und UKMO. Der Übergang in eine Blockierungslage mit
einem starken Hoch über NE Europa ist einigermaßen sicher. In welchem Maße Tröge
in der Höhe wirksam werden, es wechselhaft bleibt und inwieweit Schneefälle
auftreten ist unsicher und darf abgewartet werden.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Ensembles stützen weitgehend die Aussagen des Hauptlaufes. In den
Rauchfahnen ist mittelfristig sowohl bei der 850er Temperatur als auch beim
Geopotential 500 hPa ein Rückgang zu erkennen, der allerdings auch mit einer
Zunahme des Spreads verbunden ist. Das wird besonders im Geopotential 500 hPa
deutlich. Hier spiegeln sich die Unsicherheiten bei der Simulation der
Höhentiefs, Kaltlufttropfen wider.
Die Clusterung zeigt bis in die erweiterte Mittelfrist ausnahmslos
Blockinglagen. Die 4 Cluster bis +96h unterscheiden sich nicht groß. Die 4
danach weichen schon etwas mehr voneinander ab. Nicht so sehr bei der positiven
Geopotentialanomalie im Norden, sondern wie erwartet bei den Höhentiefs, die
sich über Mittel- und Südeuropa tummeln.
In der erweiterten Mittelfrist gibt es nur ein Cluster mit starkem Blocking über
Nordwest- und Nordeuropa. Gewissermaßen „Blocking open end“.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen dürften mittelfristig Mangelware sein. In der
wasserdampfarmen Luft werden nur recht schwache Niederschläge simuliert. Das
wird zwar zunehmend Schnee, aber ohne große Mengen.
Es gibt leichte Signale für etwas kräftigeren Ostwind an den Küsten und
eventuell im höheren Bergland über Süddeutschland.
Das es trotz längerer Ostströmung zumindest aus jetziger Sicht nicht sehr kalt
wird, liegt am fehlenden Kaltluftreservoir/Schneedecke über Osteuropa. Für
Eistage in einigen Regionen, ebenso wie zumindest lokal strengen Nachtfrost
sollte es aber reichen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EPS. Mos Mix. Das Mos dürfte zum Ende etwas zu warm sein.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner