#SXEU31 #DWAV #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Samstag den 25.01.2025 um 18 UTC
SXEU31 DWAV 251800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 25.01.2025 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Fortdauer der zyklonalen Südwestlage mit neuen Störungen und einem weiteren
Orkantief Richtung UK/Irland (IVO).
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell … nähern wir uns dem letzten Viertel eines Samstags, an dem der eine
oder andere Rekord aufgestellt wurde. Nicht etwa das schnellste Tor der
Bundeliga, die meisten Fehlschüsse beim Biathlon im schönen Antholzer Tal oder
die langsamste Zeit auf der Streif, nein, das Wetter besorgt uns die
Schlagzeilen. War es gestern der Orkan GILLES (int. Eowyn), der in Irland mit
183 km/h dort die stärkste Böe ever aufs Parkett brachte, sind es heute die
Temperaturen bei uns. Vor allem im Südwesten und in der Mitte, aber auch im
leicht föhnigen Alpenvorland stiegen die Temperaturen mächtig an auf 15, 16 oder
17°C, an einigen Orten sogar noch darüber. Tagesspitzenreiter war der Ort
Ohlsbach am Oberrhein mit 18,7°C, was dort aber kein Monatsrekord war. Die
wurden woanders aufgestellt, u.a. in Bad Dürkheim (RP), in Pforzheim-Ispringen
(BW) oder in Mannheim (BW), um nur einige von vielen Station zu nennen.
Bemerkenswert, dass auch lange Reihen dabei sind (z.B. Rheinstetten seit 1948)
und dass es wohl über 100! Dekadenrekorde gegeben hat (darunter allerdings auch
ein paar sehr kurze Reihen). Bemerkenswert auch, dass heute Mittag keine einzige
Station im DWD-Messnetz eine negative Temperatur meldete. Heißt im Klartext,
selbst das Zugspitzthermometer auf 2956 m Höhe zeigte ein paar Zehntel über dem
Gefrierpunkt.
Zur Wetterlage, die Deutschland heute Abend unterhalb einer indifferenten
südwestlichen Höhenströmung sieht. Über Westeuropa und dem nahen Atlantik
befindet sich ein breiter Potenzialtrog, der gerade durch einen rückseitig
einlaufenden KW-Anteil regeneriert wird. In gleichem Atemzug verlagert sich der
bis dato die Hauptrolle spielende Trog unter Verkürzung seiner Wellenlänge
zunächst nach Frankreich und Benelux, am Sonntag dann auch zu uns. Hier hat uns
heute Vormittag respektive zur Mittagszeit die flache Welle HEIKO von Südwest in
Richtung Ostsee passiert, bevor in der kommenden Nacht die nächste Welle von
Belgien her zu uns stößt. Diese arbeitet recht konstruktiv mit der Vorderseite
des sich nähernden Troges zusammen (PVA), was sich im Westen bereits in den
Abendstunden in einem Aufleben bzw. einer Intensivierung der zuvor ins Stocken
geratenen Regenfälle widerspiegelt. Dabei handelt es sich übrigens um frontale
Niederschläge an einer schleifenden, über dem Nordwesten positionierten
Kaltfront, die maritime Subtropikluft (mS; T850 bis zu 10°C im Alpenvorland)
weiter südlich (daher auch die hohen Temperaturen) von maritimer Polarluft (mP;
T850 -2°C) weiter nördlich trennt.
Bis morgen früh verlagert sich das Regenmaximum vom Westen/Südwesten in den
Nordosten, wobei gebietsweise 10 bis 15, in Staulagen lokal um 20 l/m²
zusammenkommen. Da sich die Front nur langsam südostwärts verlagert, bleibt auch
der Niederschlag relativ lange vor Ort. Im Westen, wo die Kaltluftadvektion am
stärksten ausfällt, sinkt dadurch die Schneefallgrenze bis in mittlere Lagen der
Mittelgebirge ab. Für viel Neuschnee wird es sehr wahrscheinlich aber nicht
reichen, weil die Vorgeschichte sowohl vom Boden als auch von der Luft her eine
ziemlich milde ist und der Schnee etwas braucht, bis er richtig liegenbleibt.
Voraussichtlich wird es nur ein wenig matschig, vor allem in der Eifel.
Ein zweites, von der Front abgesetztes Regengebiet zieht in der zweiten
Nachthälfte von West nach Ost über Teile Süddeutschlands hinweg. Hier liefert
die leicht diffluente Vorderseite des sich nähernden Troges den entscheidenden
Hebungsinput. Die Frage ist, erreicht der nicht überbordend intensive Regen die
Gebiete, in denen es in den leichten Frostbereich abkühlt (östliches Oberbayern,
Teile Niederbayerns und der Oberpfalz). Wenn ja, besteht zumindest regional eng
begrenzt die Gefahr von gefrierendem Regen mit Glatteis. Wahrscheinlich wird der
Regen aber erst relativ spät aufschlagen, was die Wahrscheinlichkeit für
Glatteis sehr klein hält. Ansonsten sinkt die Schneefallgrenze in den Alpen von
Westen her auf nahe 1000 m, wovon zuerst das Allgäu mit ein paar Zentimeterchen
profitiert.
Zwei Dinge, die noch zu erwähnen wären. Leichten Frost gibt es nicht nur im
Südosten, auch im postfrontalen Nordwesten (Binnenland SH, nördliches NDS) kühlt
es bei Aufklaren unter den Gefrierpunkt ab. Außerdem lässt der Wind nach, mit
zwei Ausnahmen: Föhn in den Alpen mit Böen 8-9 Bft in freien Gipfel- und
Kretenlagen, 10 Bft nicht ausgeschlossen. Außerdem frischt der SW-Wind auf der
Süd-Südwestflanke der durchziehenden Welle vorübergehend auf, was vor allem den
Schwarzwald, mit Abstrichen auch die die höhere Alb sowie Teile des Pfälzer
Walds betrifft (Böen 7-8 Bft, exponiert 9 Bft, Feldberg evtl. 10 Bft). In tiefen
Lagen (z.B. Bodensee, Hochrhein) sind ebenfalls einzelne steife Böen 7 Bft drin.
Sonntag … richtet sich der Blick wieder auf den nahen Atlantik, wo die nächste
Wuchtbrumme Kurs auf Irland nimmt. Die Rede ist von einem neuerlichen Orkantief,
das bereits jetzt schon gut entwickelt, aber noch weit draußen auf See ist (18
UTC ca. 30°W, 50°N). IVO (int. Herminia) kommt bis morgen Mittag auf etwa 500 km
vor die irische Westküste voran, wobei der Kerndruck auf nahe 950 hPa fällt.
Zwar wird das Sturmfeld nicht ganz so heftig simuliert wie gestern beim
Vorgänger, trotzdem droht Teilen UK/Irlands abermals Ungemach.
Doch zurück in unsere Gefilde, wo die morgige Szenerie von der Passage des o.e.
Troges (bzw. dessen Reste) und der Kaltfront geprägt ist. Angeschoben vom Trog
verlagert sich die KF südostwärts, wobei sich die frontalen Niederschläge auf
ihrem Weg nach Osten/Südosten immer weiter abschwächen. Der rückseitigen KLA
folgend wölbt sich ein schwacher Zwischenhochkeil auf, der vor allem im Süden
und Westen für einige Auflockerungen sorgt. Zuvor fallen in den Alpen sowie im
Bayerischen Wald oberhalb 1000 m 1 bis 5, in alpinen Staulagen lokal bis 10 cm
Neuschnee. Außerdem muss in Ostbayern bis in den Vormittag hinein stellenweise
mit Glatteis gerechnet werden.
Der Südwestwind lebt nun auch in der Mitte und dort besonders im Bergland
vorübergehend auf, bevor er am Nachmittag eine landesweite Pause einlegt. Hinter
der Front wird eine neue Luftmasse installiert, die alles andere als kalt, aber
auch nicht mehr so warm wie heute ist. 4 bis 12°C lautet die Spanne der
Höchsttemperatur.
In der Nacht zum Montag rückt IVO immer dichter an die Grüne Insel heran, gegen
06 UTC dürfte er mit einem Kerndruck von 950 hPa die Westküste erreichen. Der
korrespondierende, recht breit aufgestellte Potenzialtrog vergrößert seine
Amplitude, was bei uns ein Rückdrehen, aber auch eine Zunahme der südwestlichen
Höhenströmung zur Folge hat. Da gleichzeitig der Luftdruck fällt und sich ein
Drucküberschuss auf der Alpensüdseite einstellt (Bozen-Innsbruck ca. 6 hPa),
kommt bei uns der Südföhn wieder stärker in Gang. Aber auch sonst nimmt der
Druckgradient kontinuierlich zu, was den südöstlichen bis südlichen Wind
zunächst in höheren Lagen sowie auf und an der Nordsee, bis zum Morgen dann auch
in der gesamten Westhälfte sowie Teilen der Mitte merklich zulegen lässt. Dabei
stehen Böen 7-8 Bft, auf Helgoland sowie in exponierten Hochlagen bis 9 Bft, auf
dem Feldberg 10 Bft und auf dem Brocken in der Früh sogar 11 Bft auf der Karte.
Ansonsten greift von Westen her massiv WLA über, die großräumig kräftige Hebung
generiert. Der erste Regen, der fällt, ist an eine vorlaufende Okklusion
gekoppelt, die über den Nordwesten schwenkt und insgesamt nur wenig Niederschlag
abschmeißt. Es folgt recht bald die Vorderseite eines kompletten Frontensystems
mit Warmsektor, auf der sich die ostwärts ausweitenden Regenfälle intensivieren.
In Staulagen der westlichen Mittelgebirge können um 10 l/m² fallen, sonst liegen
die Mengen darunter. Da die Milderung in der Höhe mit dem auffrischenden Wind
sehr zügig erfolgt, spielt die Schneephase selbst in den höchsten Lagen keine
Rolle. Trocken oder zumindest weitgehend trocken bleibt es bis zum Morgen
zwischen Erzgebirge und Vorpommern sowie im Südosten. Dort, also im SO, muss
auch wieder mit leichtem Frost gerechnet werden.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag … gelten weiterhin die Ausführungen der Frühübersicht. Der 12-UTC-Lauf
von ICON simuliert im Schwarzwald weniger Regen als die Vorläufe, so dass eine
potenzielle Dauerregenwarnung unwahrscheinlicher wird. Allerdings ist das letzte
Wort noch nicht gesprochen.
Modellvergleich und -einschätzung
Dier Modelle simulieren die Abläufe sehr ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann