#SXEU31 #DWAV #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag den 10.10.2024 um 18 UTC
SXEU31 DWAV 101800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 10.10.2024 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Ex-Kirk ist über alle Berge! An der See weiter windig, im Süden lokal Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell … hat sich Ex-Kirk verabschiedet und hinterlässt Rückseitenwetter. Die
Spannung ist raus, die Messe also gelesen und die Nachsicht und Evaluation kann
beginnen. Innerhalb von 48 Stunden bis heute 14 Uhr fielen im Westen verbreitet
30 bis 50, lokal bis 80 l/qm. Beim Wind ging es in d3en Hochlagen des
Schwarzwaldes hoch her, indem dort auf dem Feldberg bis 157 km/h gemessen
wurden. Aber auch in tiefen Lagen vom Südwesten bis nach Sachsen fegten
teilweise schwere Sturmböen zwischen 90 und 105 km/h über das Land. Natürlich
ist das alles kein Vergleich zum Hurrikan Milton, der beim Landfall Spitzenwinde
bis 195 km/h brachte und innerhalb von 24 bis 36 Stunden örtlich bis zu 410 l/qm
Regen ablud. Nun aber zurück zum anstehenden, zunehmend ruhigeren Wetter bei
uns.
Heute Abend und in der Nacht liegt Deutschland weiter im Bereich eines Troges,
der sich vom Nordostatlantik südwärts bis in den zentralen Mittelmeerraum
erstreckt, dessen Achse aber noch westlich von Deutschland liegt. Bodennah
schiebt Ex-Kirk auf der Rückseite in Wellen kühlere Luft nach Mitteleuropa. Die
erste Kaltfront, die dem Namen keine Ehre macht und kaum Abkühlung brachte hat
das Land schon ostwärts verlassen. Der zweite Schwung überquert derzeit das Land
und wird von einer weiteren Front markiert. Schaut man sich die Temperaturen
dahinter an, kann schon eher von einer Kaltfront gesprochen werden. Bis
Freitagmorgen soll die kühlere Luft mit Temperaturen in 850 hPa zwischen -1 und
+6 Grad das ganze Land geflutet haben. Am Abend und in der Nacht kann dabei PVA
des Troges zeitweise durchaus die frontalen Antriebe verstärken. Resultierend
zeigen die Modelle von Rheinland-Pfalz und dem Saarland über die südhälfte
Hessens und den Norden Baden-Württembergs bis nach Nordostbayern schauerartige
Niederschläge, die gebietsweise auch kräftig sind und lokal mit Blitz und Donner
einhergehen können. In den Staulagen des Schwarzwaldes gibt es sogar zarte
Hinweise für 12 bis 24 stündigen Dauerregen. An der Nordsee stehen zudem
auflandig von der milden See wiederholt Schauer auf der Agenda. Zudem weht im
Küstenumfeld noch ein frischer und stark böiger Wind, exponiert sind auch
stürmische Böen möglich.
Freitag … schaltet das Wetter noch einen Gang zurück. Von Westen schwingt sich
ein Rücken vom westlichen Mittelmeerraum nordwärts auf und generiert bodennah
ein Hoch über Südostdeutschland und Österreich. Entsprechend sind hochreichend
antzizyklonale Strömungsbedingungen zu verzeichnen. Resultierend ziehen die
Niederschläge ostwärts ab oder fallen durch das Absinken trockener Luft in sich
zusammen. Am längsten tröpfelt es am Alpenrand durch den Stau sowie im
Küstenumfeld vor sich hin. Ansonsten setzt sich mit dem Zwischenhocheinfluss
ruhiges Wetter durch. Der Wind spielt allenfalls noch rund um Rügen eine Rolle,
wo vielleicht mal an einer steifen Böe gekratzt wird. Ansonsten ist wie immer
bei ruhigen Wetterlagen im Herbst und Winter der Nebel ein Thema. Bei den
Temperaturen wird wohl am Samstagabend mit Werten von -1 bis +4 Grad in 850 hPa
die Talsohle erreicht.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag … könnte es vorübergehend wieder etwas spannender werden. Auch die
Warnaktivität ist dann wohl wieder etwas erhöht. Doch was passiert. Der Rücken
mit dem Bodenhoch sind insgesamt zu schwach auf der Brust und werden daher zum
Spielball zweier rivalisierender Tiefs. Zum einen macht das steuernde,
hochreichende Tief nordwestlich von Norwegen Dampf und schickt auf der
Vorderseite des Troges bodennah einen Ableger in die Nordsee. Dies will sich
aber das zweite steuernde, hochreichende Tief westlich der Iberischen Halbinsel
nicht gefallen lassen und entsendet ebenfalls ein Randtief in den Golf von Lion.
Während das Tief über der Nordsee bis Sonntagfrüh mit seinem teils okkludierten
Frontenzug Richtung Dänemark schwenkt und rückseitig Kaltluft polaren Ursprungs
im Gepäck hat, bringt das kleine Tief im Golf von Lion subtropische Warmluft im
Rucksack mit. Leider sind die Kräfteverhältnisse nicht ausgeglichen. Im Duell
zieht das südliche Tief recht schnell den Kürzeren, sodass das Tief über der
südöstlichen Nordsee weite Teile von Deutschland für sich beanspruchen kann. Bis
Sonntagmorgen werden hinter einer Kaltfront erneut weite Teile des Landes bei
Werten von -1 bis +4 Grad in 850 hPa von Kaltluft geflutet. Nur in die Regionen
südlich der Donau kann das Tief über dem Golf von Lion seine Warmluft einsickern
lassen. Dort steigen die Werte +4 bis +10 Grad an. Doch am Sonntag wird auch
diese wieder über den nördlichen Hauptkamm nach Süden abgedrängt. Beim
Niederschlag hat tagsüber aber noch das südliche Tief die Nase vorn, indem sich
als erstes vorderseitig der Warmfront, WLA gestützt, Aufgleitniederschläge von
Frankreich etwa südlich von Mosel und Main ostwärts ausbreiten. Die Kaltluft
induziert dagegen allenfalls im Nordseeumfeld schon den einen oder anderen
Schauer. In der Nacht zum Sonntag bleibt es im Süden regnerisch. Nun gibt aber
auch das Tief westlich von Dänemark Gas und schickt frontogenetisch und PVA
gestützt schauerartige Niederschläge von der Nordsee her ins Land, die
schließlich bis zur Oder und Neiße ausgreifen. Im Westen lässt Sonntagfrüh die
Niederschlagsneigung wieder deutlich nach. Bei dem Voranpreschen der Kaltluft
sind vor allem im Umfeld der milden Nordsee auch einzelne Gewitter möglich.
Ansonsten sollten die vertikalen Umlagerungen im Umfeld der Front nur lokal
begrenzt für ein Gewitter ausreichen. Bleibt nun noch der Blick auf den Wind.
Dieser weht am Samstag tagsüber noch eher schwach bis mäßig um West. In der
Nacht legt er aber einen Zahn zu und kann im Bergland und im Küstenumfeld schon
starke bis stürmische Böen produzieren, auf exponierten Gipfeln sind sogar erste
Sturmböen oder schwere Sturmböen möglich. Und das war erst der Anfang. Am
Sonntag hat der Sturmfeld noch Steigerungspotential. Dazu aber morgen Nachmittag
mehr.
Modellvergleich und -einschätzung
Die verschiedenen Global- und Regionalmodelle simulieren die großsklaligen
Geopotential- und Luftdruckstrukturen vergleichbar. Geringe Abweichungen gibt es
allenfalls bei der genauen Lage des Hochs am Samstag sowie der detaillierten,
südwärtigen Ausbreitung und der Intensität der Kaltluft. Am Sonntag gibt es dann
kleine Unterschiede bei der räumlichen Einordnung des Tiefs über der Nordsee,
was nachfolgend auf Einfluss auf das Timing der Kaltfront hat. Zudem sind sich
die Modelle noch nicht abschließend einig, wie die Kaltluft genau temperiert
ist. Insgesamt sind die Unterschiede aber als kaum nennenswert zu bezeichnen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel